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In einer Straßenbahn

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14.12.2002
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In einer Straßenbahn

Es ist heiß. Die Leute drängen sich aneinander und versuchen vergeblich einen Sitzplatz zu erringen. Eine junge Frau schiebt sich in die Straßenbahn. Der Junge auf ihrem Arm klammert sich ängstlich an sie
Es gefällt ihm nicht, in Menschenmengen zu sein. Er kriegt dann manchmal Anfälle.
Die Mutter zeigt den sitzenden Menschen einen Ausweis, um einen Sitzplatz für ihren Sohn zu kriegen, doch sie drehen sich bei Anblick ihres Jungens angewidert weg oder ignorieren sie komplett. Sie ist es gewohnt.
Die Bahn fährt an und es gibt einen Ruck. Die junge Mutter verliert das Gleichgewicht und muss sich bei einer anderen Dame abstützen.
Diese jedoch macht keinerlei Anstalten der Mutter zu helfen. Sie fängt sich wieder. Es war ja nicht das erste mal war. Bei Gott nicht das erste Mal.
Ihr Junge fängt an spitze Töne auszustoßen. Er drückt sich an die Brust seiner Mutter.
Die Menschen fangen an zu tuscheln. Die Frau streichelt ihren Jungen und versucht die restlichen Menschen zu ignorieren. Sie schaukelt den Jungen sachte, damit er sich beruhigt.
Erst als ein Mann sie am Arm greift reagiert sie wieder. Er mustert sie und besonders ihr Kind. Er fängt an sie anzubrüllen: „Hauen sie doch ab mit ihrem Bastard! Merken sie nicht, dass er hier unpässlich ist?
Wahrscheinlich schon wieder so einer, den sie vergessen haben zu vergasen!“
Manche fangen an zu klatschen und „Bravo“ zu rufen.

Das Gesicht der Mutter erstarrt .Sie versucht ihre Tränen zu unterdrücken Plötzlich greift sie in ihre Tasche und greift nach einer Waffe, die sie nicht zufällig mithat.
Sie schießt auf den Mann. Erst einmal und dann solange, bis er regungslos auf dem Boden liegen bleibt. Das Blut sickert aus seiner Brust.
Erst dann drückt sie ihren Sohn an sich und fängt an zu weinen.

 

Hi Fanny!

Recht traurige Geschichte, die meiner Ansicht nach gut die Gefühle einer Mutter eines behinderten Kindes rüberbringt. Das Ende, wo sie zur Waffe greift, finde ich irgendwie erschütternd, aber zeigt, wie verzweifelt Menschen in der Position sind, wie aussichtslos ihre Situation ist und "was ihr einziger Weg aus der Situation ist" (um es mal ganz einfach zu formulieren).

Krass fand ich die Stelle:

„Hauen sie doch ab mit ihrem Bastard! Merken sie nicht, dass er hier unpässlich ist?
Wahrscheinlich schon wieder so einer, den sie vergessen haben zu vergasen!
Bei dieser Stelle musste ich schon leicht schlucken. Vielleicht auch einfach, weil eine gute Freundin von mir auch behindert ist und bei mir nie solche Gedanken aufgekommen sind, dass man behinderte Menschen in der heutigen Zeit so ansehen könnte - deine Geschichte spielt doch in der heutigen Zeit, oder? :shy:

Eine Sache noch (richtige Kleinigkeit):

Der Junge auf ihrem Arm klammert sich ängstlich an sie
Schieb hier mal einen Punkt hin ;)

Greetinx
Alisha

 

Hi Fanny!

Ich empfinde Deine Geschichte als ziemlich seltsam. :confused:
Das Verhalten der anderen Fahrgäste kam mir schon anfangs recht überzeichnet vor, aber ab dem Kommentar über das Vergasen und die positiven Reaktionen darauf verlor es für mich seine Glaubwürdigkeit. Wann spielt denn die Geschichte?

Was mir fehlt, ist eine genauere Beschreibung des Jungens. Du erwähnst lediglich, dass er in manchen Situationen Anfälle bekommt (Wie sehen die aus? Krämpfe, Schreianfälle, aggressive Ausbrüche, ...?), aber scheinbar hat er auch ein äußeres Merkmal oder warum wenden sich die Leute angewidert ab?

Und mit dem Ende kann ich gar nichts anfangen. Warum trägt die Frau eine Waffe mit sich? War Ihre Tat war also als spontane Reaktion auf jahrelange Demütigungen geplant? Was will die Frau damit erreichen? Was willst Du dem Leser damit vermitteln?

Deine Geschichte könnte eine intessante Situationsbeschreibung sein - wenn man mehr über die Hintergründe erfahren würde. Abgesehen davon erscheint sie mir als unrealistisch und unglaubwürdig.

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Fanny,

Deine Geschichte hat interessant begonnen, das Ende jedoch finde ich arg übertrieben. Vor allem in Anbetracht der Kürze der Story habe ich eher damit gerechnet, dass nur kurz ein Ausschnitt aus dem Leben einer Mutter mit einem behinderten Kind, das von der Umwelt misstrauisch beäugt wird, geschildert wird.
Dass jemand, der "anders" ist als die anderen, mit Blicken geprüft wird und man über ihn tuschelt ist gang und gäbe; den Nazispruch mit dem vergasen dagegen habe ich selbst noch nie irgendwo gehört und dass Leute da dann auch noch applaudieren finde ich entsetzlich und fast unvorstellbar - klar passiert das, aber ich hoffe es ist nicht alltäglich. Ich jedenfalls fahre fast täglich mit der Straßenbahn, meistens 1-2 Stunden lang, und habe noch nie so eine Szene erlebt.

Das eigentliche Ende ist dann noch krasser - die Mutter erschießt den Mann?
Das erscheint mir doch weit hergeholt ... man erfährt fast gar nichts über die Mutter als Charakter und die Aussage, dass sie "es gewohnt ist" gemeinsam mit ihrem Kind so mies zu behandelt zu werden reicht mir nicht, damit ich ihre Gefühlslage nachempfinden kann. Wie oft hat sie das alles schon erlebt, was geht in ihrem Kopf vor, was für Gedanken hat sie wenn sie das hört, wie verläuft ihr Tag, wie präsent sind währenddessen diese Angriffe von der Umwelt, dass sie so verzweifelt ist, dass sie einen Menschen umbringt?
Das sind alles Informationen die ich mir als Leser dringend wünsche, damit die Geschichte für mich "fertig" wird.

 

Also ertsmal danke für die Kritiken!
Auf die idee zur Geschichte bin ich gekommen, in dem ich in einem Buch mit Berichten von Eltern mit Behinderten kindern gelesen habe.
DAs wurde wirklich einmal gesagt, mit dem vergasen.
Ich muss aber auch zugeben, das solche Szenen damals wahrscheinlich häufiger waren als heute.
Ich wollte aber trotzdem einen kleinen Denkantoß geben. War die Mutter im Recht so etwas zu tun?
Und nwie hätte man selber in dieser Szene reagiert?
Die Sache mit der waffe ist vielleicht etwas drastisch aber nur eine Alltagszene ist mir persönlich zu langweilig.
Fanny

 

Hallöchen nochmal,

War die Mutter im Recht so etwas zu tun?
Natürlich nicht. Darüber muss/braucht man auch nicht zu diskutieren. Sie war im Recht sich zu wehren und kein vernünftiger Mensch hätte es ihr übelgenommen den Mann anzuschreien etc - aber ihn zu erschießen? - Nö, nur dann wenn er ihr oder das Leben ihres Kindes bedroht hätte. Dieses Ende zerstört meiner Meinung nach einiges ... weil es, wie bereits gesagt, sehr unerwartet kommt.

Ginny

 

Hallo Fanny,
ich muss mich leider den anderen anschliessen. Auch mir hat der Anfang gefallen, find aber das Ende sehr unrealistisch. Zumal du schreibst, dass sie die Waffe nicht zufällig mit hatte, sondern anscheinend öfters mit einer Waffe durch die Gegend läuft. So hätte man ja vielleicht noch denken können, dass es eine Afekthandlung gewesen wäre. Ich glaube nicht, dass die Mutter eines behinderten Kindes absichtlich soetwas machen würde, da sie doch davon ausgehen muss, dass sie ins Gefängnis kommt und sich dann überhaupt nicht mehr um ihr Kind kümmern kann. Also ich finde, diese Reaktion ist einfach zu krass.
In dem Satz, wo die Mutter nach der Waffe greift, hast Du im selben Satz zweimal das Wort greifen benutzt.
Schreib doch: Plötzlich greift sie in ihre Tasche und zieht eine Waffe hervor.

Liebe Grüsse
Blanca

 

Hallo Fanny,

Du beschreibst eine wirklich krasse Situation in der Straßenbahn. Alles ist glaubwürdig, auch der Spruch mit dem "vergasen". Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass manche Menschen die unvorstellbarsten Dinge äußern, wenn sie mit Behinderungen konfrontiert werden.

Den Schluß finde ich unglaubwürdig. Vorstellbar wäre für mich, dass die Mutter vor ihrem inneren Auge sieht, wie sie den Mann erschießt - eine Art Wunschvorstellung. Aber eine realistische Handlung ist diese Tat nicht.

Liebe Grüße
Barbara

 

Ich kann mich den wohlwollenden Kritiken wirklich nicht anschließen! Die Moral des Textes kommt mit der Eleganz eines Dampfhammers daher. Und wahrscheinlich soll dadurch auch der Mord legitimiert werden, oder? Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass sie vor Gericht freigesprochen wurde, weil sie in Notwehr handelte...
Das Ganze ist zudem unglaublich hanebüchen!

Plötzlich greift sie in ihre Tasche und greift nach einer Waffe, die sie nicht zufällig mithat.

Natürlich nicht! Als Frau von Welt hat man Puder, die Mao-Bibel, Taschentücher und eine Pistole in der Handtasche.

Wahrscheinlich schon wieder so einer, den sie vergessen haben zu vergasen!“
Manche fangen an zu klatschen und „Bravo“ zu rufen.

Sicher, sicher! Absolut realistisch. :rolleyes: Oder spielt die Geschichte zufällig 1942 in Berlin?


Der Text ist bestimmt gut gemeint. Aber du bist dabei meilenweit übers Ziel hinausgeschossen.

 

Ich kann mich den wohlwollenden Kritiken wirklich nicht anschließen!
Naja, so viele wohlwollende Kritiken waren es ja bisher nicht.
Ich wusste bisher einfach nciht, wie ich meine Kritik an dieser Geschichte menschenfreundlich formuliere.

Es kann schon mal sein, dass es einen völlig unverbesserlichen im öffentlichen Verkehrsmittel gibt, der so einen Satz sagt, wie da sein jemand vergessen worden mit dem Vergasen, aber das ein ganzer Bus dann Beeifall klatscht, das kann ich mir nicht vorstellen, vielleicht bin ich aber auch nur so naiv, dass ich es mir nicht vorstellen will.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit einem behinderten Kind jeden Tag schwierige und erniedrigende Situationen erlebe. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Mutter wegen eines behinderten Kindes so sehr täglich erniedirgt wurde, dass sie sich gezielt eine Waffe in die Handtasche steckt, um den nächsten der sie erniedrigt über den Haufen zu schießen.

Die ärgerlichen Übertreibungen der Geschichte wurden hier ja auch schon genügend kommentiert. Was mir aber die Lust aufs Rezensieren fast genommen hat war die Reaktion auf die Kritik:

Die Sache mit der waffe ist vielleicht etwas drastisch aber nur eine Alltagszene ist mir persönlich zu langweilig.

Der Alltag ist nur so langweilig, wie man ihn beschreibt. ;)

 

Oje, oje... Was ist denn das für ein Text..? :crying:

Im Grunde gefällt mir die Idee, eine Straßenbahnfahrt einer Mutter mit einem behinderten Kind zu beschreiben. Allerdings lässt Du viele Möglichkeiten, die dieses Thema bieten würde, ungenutzt und wählst die drastischte Entwicklung, um Interesse zu wecken. Damit aber erreichst Du das Gegenteil. In der Realität, die Du beschreibst, findet sich niemand wieder, und damit verfehlt die Geschichte ihre Wirkung.

Was ich mir wünsche: Mehr Details zu den Personen. Wie verhalten sich Mutter und Kind? Welche Gebärden des Kindes lassen die anderen Fahrgäste sich abwenden? Kommuniziert das behinderte Kind vielleicht über einen besonderen Code mit der Mutter, den sonst niemand versteht und der deshalb bei den Fahrgästen auf Befremden stößt?

Und bitte, :huldig: in der nächsten Version kein "Vergasen" mehr und keine Leiche am Schluss. Die Geschichte kann nur gewinnen, wenn sie alltäglicher wird.

LG, Nyx

 

Hallo Fanny,
die Beschreibung der Situation in der Straßenbahn kann ich gut nachempfinden. Das Glotzen der Leute, das Tuscheln. Die Geschichte wird dann in ihrem weiteren Verlauf für mich jedoch unglaubwürdig. Ich könnte mir denken, dass die Leute über das Vergasen getuschelt hätten. Laut hätte es sicher keiner gesagt. Dafür ist diese Sorte Mensch einfach zu angepasst. Dass die Mutter die Knarre zieht - hmm wie in einem schlechten Film.
Grüße Heidi

 

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