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Ich will nicht mit dir schlafen

Seniors
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20.12.2002
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Ich will nicht mit dir schlafen

Wir gingen in ein spanisches Restaurant, das vor Kurzem eröffnet hatte. Ich hatte mich endlich getraut, sie zum Essen einzuladen. Charlotte trug ihr Haar offen – lange blonde Locken, wie aus einem Märchen –, und sah einfach klasse aus.
Es lief gut. Wir lachten, tranken viel Rotwein und verloren uns immer wieder im Gespräch. So fühlte ich mich irgendwann sicher genug, mich schwierigeren Themen zu widmen.
Zum Beispiel meinem Mitbewohner.
„Wie hast du Clemens eigentlich kennengelernt?“, fragte ich.
„Wir kennen uns halt vom Sehen, und dann sprach er mich auf dieser Party an.“
„Was hat er denn gesagt?“
Charlotte sah mich an. „Warum willst du das wissen?“
„Es interessiert mich einfach.“
„Bist du eifersüchtig?“
Eifersüchtig. So richtig war mir das Wort nie in den Sinn gekommen.
„Habe ich Grund dazu?“
„Eigentlich nicht. Aber wärst du denn eifersüchtig, wenn du Grund dazu hättest?“
Eifersüchtig? Gut, ich wollte in jener Nacht fast aus dem Fenster springen. Aber da war doch weitaus mehr als nur Eifersucht im Spiel.
„Ich denke schon“, sagte ich langsam.
„Du denkst?“
Ja, ich denke. Du hast dich von Clemens ficken lassen und gleich nebenan geschrien, und das macht mich wohl ein wenig eifersüchtig.
„Du bist wunderschön“, sagte ich.
Charlotte lächelte und sah mir in die Augen. „Dankeschön.“
Sie war kurz davor gewesen, mir auf die Nerven zu gehen, doch wenn sie mich so ansah, die blauen Augen vor Glück nur so funkelnd, die kleinen Grübchen in ihren Wangen, da vergaß ich alles um mich herum.
„Ich kann aber verstehen, dass dich das mit Clemens interessiert“, meinte sie plötzlich. "Das wollte ich ja auch nicht. Ich war halt sehr betrunken. Ich dachte auch nicht, dass … es hatte auch überhaupt nichts mit Gefühlen zu tun. Es war halt … “ Charlotte suchte nach den richtigen Worten.
„Ist schon okay“, sagte ich.
„Ja?“
„Ja, natürlich.“ Ich setzte ein verständnisvolles Lächeln auf und hoffte, dass es nicht gezwungen wirkte.
„Du wirkst aber nicht so, als würde es dir nichts ausmachen.“
Jetzt suchte ich nach den richtigen Worten.
„Aber es ist ja auch eine doofe Situation“, meinte sie schnell.
Ich nickte zustimmend.
„Aber ich freue mich, dass das alles so passiert ist“, meinte sie.
„Wieso?“
„Na, dann würden wir jetzt nicht hier sitzen. Dann hättest du mich nie auf einen Drink eingeladen.“
„Meinst du?“
„Ja, das glaube ich schon. In der Uni gehst du mir immer aus dem Weg.“

Wenig später liefen wir alte Holztreppen hoch und hofften, dass wir am richtigen Ort waren. Wir klopften an eine Tür aus der laute Musik kam, und dann machte ein kleiner südländischer Typ mit einem freundlichen Lächeln die Tür auf.
„Willkommen!“, schrie er uns an. “Ich bin Juan!”
“Hallo Juan!”
Wir zogen unsere Jacken aus und betraten einen Raum voller Studenten. Der Geruch von abgestandenem Bier, Orangesaft, Energydrinks, Zigarettenrauch und Schweiß stürzte in meine Naselöcher. Aus einer großen Anlage ertönte laute Hip-Hop-Musik, zu der ein paar Studenten in einer Ecke kopfnickend tanzten.
„Kennst du hier irgendjemanden?“, fragte ich Charlotte.
„Nein, du?“
Wir gingen in die Küche, mixten uns zwei Becher Vodka-Bull und stießen an.
„Auf die Party“, sagte Charlotte.
„Auf dich.“
Wir lächelten uns an. Das war ja reibungslos gelaufen. Ich hatte schon befürchtet, dass man uns an der Tür abweisen würde, weil wir nicht offiziell eingeladen waren, aber Juan war wirklich sehr gastfreundlich.
„Ich muss mal kurz auf die Toilette“, sagte Charlotte. „Bis gleich.“
Ich ging mit meinem Getränk zurück in den Partyraum, und dann tauchte Juan wieder auf.
„Du hast aber eine schöne Freundin!“, sagte er grinsend.
„Sie ist nicht meine Freundin.“
Juan runzelte die Stirn. „Ihr seid nur Freunde?“
„Nein, wir ... wir kennen uns noch nicht so lang.“
Juan grinste wieder. „Aha! Dann ist sie bald deine Freundin! Gut gemacht, mein Freund, sie ist eine schöne Frau.“
„Dankeschön.“
„Sagen, wie findest du die Party?“
„Sehr viele Leute, aber … doch, echt gut.“
„Und die Musik?“
„Die Musik ist …“
„Zu viel Hip-Hop, oder? Du denkst auch Latin Musik wäre gut, nicht wahr? Salsa, ja?“
Aber ich hörte ihm schon nicht mehr zu. Mein Herz war in meiner Brust stehen geblieben. Nahe der Tanzfläche, ganz auf der anderen Seite des Raumes, beobachteten mich zwei dunkelbraune Augen.
Ich sehe dich...
Clemens zog seine Mundwinkel ganz langsam nach oben. Es war eine minimalistische Geste, aber auch eine, die vor Selbstbewusstsein nur so triefte. Er stand lässig da mit seinem Getränk in der Hand, die langen schwarzen Haare zurückgebunden, das schwarze Hemd frisch gebügelt, und kam sich wohl verdammt cool vor.
Ich lachte in mich hinein. Plötzlich fühlte ich mich ihm weit überlegen. Wie albern er doch aussah! Ganz alleine auf einer Party, in der Ecke stehend, ohne Freunde, ohne Freundin. Da konnte er sich noch so viele Frauen aufreißen, der größte Fang des Abends war mit mir unterwegs!
„Hey, ist alles okay?“, fragte Charlotte, und tippte mir auf die Schulter.
„Ja, klar.“
„Was gibt’s denn da drüben?“
„Nichts.“
„Ich finde die Musik voll gut.“
Die Musik? Ach ja, Juan hatte Latin aufgelegt …
„Finde ich auch okay“, sagte ich.
Plötzlich hörte ich lautes Klatschen. Eine Gruppe Zuschauer hatte sich um die Tanzfläche gebildet.
„Was ist da los?“, fragte Charlotte.
Ich zuckte gleichgültig mit den Achseln. Clemens stand da drüben ja irgendwo rum.…
„Komm gehen wir rüber!“, sagte Charlotte
„Ach, da ist bestimmt nur so ein doofer Breakdancer.“
„Zur Salsa Musik?“
„Bestimmt.“
„Auf geht’s! Sei nicht so!“

Unter Charlottes Führung drückten wir uns durch die Menge in die vorderste Reihe. Eine bildschöne schwarze Frau in einem kurzen, roten Kleid ließ sich soeben von Juan über die kleine improvisierte Tanzfläche führen. Kein Wunder hatte Juan die Musik ändern wollen. Sie hatte lange Beine, schöne cremige Haut und einen tollen Hüftschwung.
Und Juan war ein guter Entertainer! Er lächelte breit, klatschte in die Hände, machte ausgefallene und zum Teil übertriebene Bewegungen und sowohl seine Partnerin als auch die Zuschauer hatten ihren Spaß daran. Er machte Stimmung, und sie war einfach toll anzuschauen. Als das Lied vorbei war, klatschte auch ich mit.
Das nächste Lied hatte gerade begonnen, als Clemens die Tanzfläche betrat, auf Juan zuging und ihn höflich fragte, ob er seine Tanzpartnerin für ein Lied klauen könne. Ein paar Leute raunten genervt, allerdings mehr aus Spaß als im Ernst. Wer war bloß dieser dreiste Typ? Aber Juan gestattete Clemens seinen Wunsch mit einem freundlichen Lächeln, und auch die schwarze Frau machte dann mit. Was blieb ihr auch anderes übrig?
Clemens nahm ihre Hand, und sie tanzten los. Alle schauten gespannt zu. Es hatte sich so etwas wie ein Wettkampf entwickelt. Wie würde sich der rätselhafte Herausforderer mit dem Zopf schlagen? Charlotte sah mich beinahe entschuldigend an. Clemens war und würde wohl ein heikles Thema für uns bleiben, aber das wollte sie sehen.
Ich muss zugeben, auch ich wollte sehen, was passieren würde.
Als sie zu tanzen begannen, war mein erster Gedanke: Wo hat Clemens bloß diese ganzen Schritte gelernt? Und mein zweiter war: Scheiße, wo hat er bloß diese ganzen Schritte gelernt!
Clemens tanzte nicht, er schwebte förmlich über die kleine Tanzfläche. Kein Schritt war zu schnell, keiner zu langsam. Mit geradezu unglaublicher Leichtfüßigkeit bewegte er seinen Körper zum Takt der Musik. Und trotzdem bekam man nie das Gefühl, Clemens dränge sich jetzt in den Mittelpunkt. Seine komplette Aufmerksamkeit galt seiner Partnerin. Sie war der Mittelpunkt seiner Welt, und so auch unserer. Clemens führte sie an der Hand, drehte sie im Kreis, fasste ihr an die Hüfte, zog sie an sich und schob sie wieder weg. Manchmal war es so, als spiele er mit ihr; manchmal meinte man, er wolle mit ihrer Schönheit angeben; und ab und zu, wenn er seinen Körper besonders eng an ihren schmiegte, war man sich nicht sicher, ob Clemens sich überhaupt noch beherrschen konnte. Würde er sie wieder von sich stoßen, um sie nach einer weiteren Tanzeinlage Stück für Stück zu erobern? Oder würde er ihr rotes Kleid zerfetzen und es auf dem Fußboden mit ihr treiben? Diesen Moment zögerte Clemens immer möglichst lange hinaus. Er presste ihren Bauch an seinen, lehnte sich vor, sah ihr tief in die Augen, ließ die Musik zwei Takte lang spielen, vielleicht auch drei, und dann tanzte er locker weiter, als wäre nichts gewesen.
Und schon fragte man sich, ob dieser Augenblick höchster Leidenschaft überhaupt existierte, oder ob sie doch nur Einbildung war. Clemens wirkte schon wieder so ruhig, so beherrscht. Sie ausziehen? Vielleicht wünschte man ja nur, dass er das tat.
Ich blickte in die Runde. Die Stimmung hatte sich geändert. Vor ein paar Minuten, als Juan noch tanzte, hatte man gelacht und geklatscht. Es war witzig gewesen.
Jetzt lachte niemand mehr. Man schaute wie gebannt zu.
Als das Lied endete, spürte man förmlich wie die Menge aufatmete. Clemens bedankte sich bei seiner Tanzpartnerin und ging. Sie sah ihm erschöpft nach, ein neues Lied begann und die Menge verstreute sich.
Charlotte sah mich an. „Trinken wir was?“

Ich besorgte uns zwei neue Drinks, Vodkaorange diesmal, und dann setzten wir uns auf eine leere Couch abseits der Menge. Der Alkohol half, Clemens aus unseren Köpfen zu drängen, und schon bald verloren wir uns in Gesprächthemen unterschiedlichster Art: Der Bolognaprozess, die deutsche Filmszene, der Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Tanzen und alles was uns sonst noch so einfiel. Jedes Thema floss geschmeidig ohne Unterbrechung in das nächste über, auch wenn sie nichts miteinander zu tun hatten, und ich stellte erneut fest, dass mir das Sprechen mit Charlotte leicht fiel. Ehe ich mich versah, hatten wir zusammen eine halbe Flasche Vodka getrunken, und die Party war fast schon am Ende.
„Ach, ich würde jetzt so gern in meinem Bett liegen“, sagte Charlotte.
„Der erste Bus fährt erst in zwei Stunden.“
Sie gähnte. „Bestimmt fahren ein paar Leute in unsere Richtung.“
„Wo wohnst du eigentlich?“
„Blaustein.“
Ich nickte, hatte aber keine Lust, irgendwelche fremden Leute zu fragen, ob sie uns mitnehmen konnten. Wie sah das denn aus? Wir konnten ja beide ein Taxi nehmen. Nur blöd, dass wir in der entgegensetzten Richtung wohnten.
Charlotte legte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Oh Gott, bei mir dreht sich alles“, sagte sie, und ihre blonden Locken fielen auf meine Brust. Ich atmete ihren blumigen Duft ein und fühlte mich plötzlich sehr stark zu ihr hingezogen. Das Gefühl übermannte mich beinahe.
„Wir müssen ein Taxi nehmen“, sagte ich.
Sie nickte.

Draußen vor der Tür schlug uns ein kalter Wind ins Gesicht. Charlotte setzte ihre Kapuze auf, hakte sich bei mir ein und vergrub ihre Hände in ihre Manteltaschen. Am Bahnhof angekommen, ging ich auf das erste Taxi zu.
„Was kostet eine Fahrt zum Studentenwohnheim?“, fragte ich.
„Circa zehn Euro.“
„Alles klar“, sagte ich, und ich wollte schon ein zweites Taxi für Charlotte holen, doch dann sah ich, dass sie bereits einstieg.
„Aber Blaustein liegt doch in der völlig anderen Richtung“, sagte ich.
„Ach so“, meinte sie etwas verwirrt, machte aber keine Anstalten umzukehren. Mit einem Fuß war sie schon im Taxi drin.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Entweder nahm sie ein anderes Taxi, oder sie schlief bei mir. Ich hatte aber nicht gedacht, dass wir schon so weit waren. Bei weitem nicht. Bei mir war schon noch genug Platz für eine Person, aber was wenn...
Nein, das wollte ich nicht. Wir hatten uns doch gerade eben kennen gelernt. Wir hatten uns noch nicht einmal geküsst. Vorhin auf der Couch hatte ich es mir überlegt, aber ... müsste denn alles immer so schnell gehen?
Charlotte sah mich mit großen fragenden Augen an. Der Wind fegte durch ihr goldenes Haar.
Sie sah traumhaft aus.
„Du kannst aber auch bei mir schlafen“, hörte ich die Worte aus meinem Mund kommen.
„Okay, steig doch auch hinten ein.“
„Okay.“

Während der Fahrt legte Charlotte ihren Kopf auf meinem Schoß und schlief ein.
Mir schossen währenddessen tausend Fragen durch den Kopf. Hatte ich mein Zimmer aufgeräumt? Wie sah das Klo aus? Würde Charlotte am Morgen Hunger haben? Und vor allem: Würde sie bei mir im Bett schlafen?
Ich hatte kein Sofa bei mir im Zimmer und auch keine zweite Matratze, also würde sie das müssen. War Charlotte sich dessen bewusst? Und was war eigentlich mit ihren Jeans? Würde sie die zum Schlafen ausziehen?
Charlotte lag mit angezogenen Beinen auf der Seite, so dass ich den Ansatz ihres schwarzen String-Tangas sehen konnte. Ich versuchte nicht hinzuschauen, aber meine Augen zog es immer wieder dorthin zurück.
Aber natürlich würde sie ihre Jeans ausziehen! Wer schlief schon in Jeans?
O Gott...
Wie konnte so ein süßes Wesen so bedrohlich sein? Was war los mit mir? Sie sah doch eigentlich harmlos aus. Die kleine Nase, die roten Lippen, dieser ruhige Gesichtsausdruck. Sie schlief ja wie ein Kind. Wie konnte ich mich davor fürchten?

Charlotte stolperte und fiel lachend in meine Arme, als wir aus dem Taxi stiegen.
„Oh Gott!“, sagte sie. „ich habe viel zuviel getrunken!“
Ich nickte.
„Das tut mir leid … aber du passt auf mich auf, ja?“
„Ja.“

Sie hakte sich bei mir ein, und wir gingen zusammen zu meinem Wohnblock. Unsere Füße knirschten im Schnee.
„Ist doch alles scheiße“, lallte sie plötzlich, als wir vor dem Eingang standen.
Ich suchte gerade in meiner Tasche nach meinem Schlüssel. „Was?“
„Ich gefalle dir nicht“, sagte sie.
„Doch natürlich.“
„Warum machst du dann nichts?“
„Was? Aber …“
Charlotte ließ mich nicht ausreden. Ich hatte gerade die Tür aufgemacht, da stürmte sie in das Wohnheim und lief die Treppen hoch.
„Hey!“, rief ich ihr hinterher.
„Was?“
„Meine Wohnung ist dahinten. Du läufst in die falsche Richtung.“
Sie drehte sich um und warf mir einen bösen Blick zu.
„Du bist doch schon mal hier gewesen“, sagte ich.
Sie zischte wie eine Schlange.
Meine Wohnung war im Erdgeschoß, ganz am Ende eines langen Korridors. Zu dieser Zeit brannte kein Licht, und Fenster gab es keine. Ich nahm Charlotte an der Hand, und wir machten uns auf den Weg durch die Dunkelheit.
Plötzlich musste ich an Clemens denken. Er war schon häufig diesen Weg mit einer Frau an seiner Seite gegangen. Ja, auch Charlotte hatte er hierhin gebracht. Und sie war ihm ohne Gegenwehr gefolgt, genau wie sie jetzt mir folgte.
Ich würde mit ihr machen können was ich wollte, nicht wahr? Sie würde ihre Jeans ausziehen, in ihrem Tanga unter die Decke schlüpfen und dann würden wir nebeneinander im Bett liegen und den Atem des anderen horchen. Ihre glatten Beine würden meine berühren, vielleicht versehentlich, vielleicht auch nicht. Die Spannung würde daraufhin exponentiell steigen. Der Drang, uns gegenseitig zu berühren, würde zu groß werden, und im nächsten Moment wären unsere Beine bereits verknotet, wir würden uns küssen und streicheln.
Und schon wäre es passiert.
Bevor ich die Tür aufmachte, fasste ich Charlotte an die Schulter. Ich erkannte nur noch die Umrisse ihres Körpers.
„Hörst du mir zu?“, fragte ich.
„Ja!“
„Ich habe dich unheimlich gern, vielleicht mehr, als du dir vorstellen kannst, aber ich will heute Nacht nicht mit dir schlafen. Ich fände es besser, wenn wir uns zuerst kennen lernen. Das geht mir zu schnell.“
Charlotte schüttelte den Kopf. „Ich will auch nicht mit dir schlafen, das geht ja viel zu schnell!“
Ich nickte langsam. Charlotte hatte das mit unheimlich viel Ironie gesagt, und ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte.
Ich sah sie an, und dann fing sie an zu weinen.
„Es tut mir schrecklich Leid“, sagte sie. „Ich … ich weiß auch nicht warum ich so werde. Du bist so lieb. Es tut mir so leid!“
„Ist schon okay.“
„Nein, ist es nicht, ist es nicht …“
Ich nahm sie in den Arm, und sie legte ihren Kopf auf meine Brust. Ganz langsam hörte sie auf zu weinen. Dann sah sie zu mir hoch.
„Wir können aber kuscheln, oder nicht?“
„Klar“, sagte ich, und dann machte ich die Tür auf.
Ich gab Charlotte ein Glas Wasser, und ging ins Bad.
„Mach’s dir gemütlich“, sagte ich.
Als ich wieder in mein Zimmer kam, lag sie bereits unter der Decke. Ihre Jeans hatte sie auf meinen Stuhl gelegt.
Also doch kein Blick auf ihren Hintern. Fast Schade … aber sicher besser so.
Sie lächelte mir zu. „Voll gemütlich!“
„Brauchst du noch irgendwas?“, fragte ich. „Willst du ins Bad, ich hab Handtücher.“
„Nein, passt schon, hab alles.“
Ich zog alles bis auf meine Boxershorts und T-Shirt aus und ging auf das Bett zu.
„Das Licht“, sagte Charlotte.
„Stimmt.“
Ich lief zur Tür und betätigte den Schalter.
Und wieder war es dunkel. Nur ein wenig Mondlicht schien durchs Fenster.
Ich spürte das Blut in meine Schläfen pochen. Ich musste stark bleiben. Sie war schließlich nur eine kleine Frau, und eine ziemlich betrunkene dazu.
Komm schon, David, damit wirst du doch fertig werden.
Ich schlüpfte ganz vorsichtig unter die Decke. Es war enger, als ich dachte. Unsere Hüften berührten sich.
Aber das ging ja noch. Das hielt ich aus. Charlotte sagte nichts, wollte also wahrscheinlich schlafen. Gut so. Ich schloss die Augen, und versuchte meine Gedanken schweifen zu lassen, aber sie kreisten immer um dasselbe:
Charlotte liegt bei dir im Bett! Charlotte liegt bei dir im Bett! Kannst du das glauben? Charlottes Hüfte berührt deine Hüfte!
Ganz schön hart so ein Hüftknochen eigentlich…
Vielleicht achte ich da zu sehr drauf. Vielleicht sollte ich an was anderes denken und einfach einschlafen…
Charlotte liegt bei mir Bett!

Ich konnte mich nicht entspannen, mein Herz galoppierte in meiner Brust wie ein Rennpferd und dann war da noch etwas anderes, dass mir zu schaffen machte, etwas Unterschwelliges, das ich einfach nicht…
Charlottes Duft! Deswegen konnte ich ihr in Gedanken nicht entfliehen. Es roch nach Jasmin und Honig und Bonbons und Mandarinen und was weiß ich noch alles in meinem Bett.
War das ihr Parfüm? Ihr Shampoo? Mein Gott, was für Teufelswissenschaftler hatten dieses Zeug zusammengebraut? Wie sollte ich da jemals einschlafen können?
„Wir wollten kuscheln“, sagte Charlotte.
„Okay.“
Charlotte drehte sich auf die Seite, Rücken zu mir, und rutschte dann ganz nah an mich ran, so dass ihr Hintern genau vor meinem Schritt lag. Dann griff sie nach hinten, zog meinen Arm nach vorn und klammerte sich daran.
„Alles okay?“, fragte sie.
„Ja.“
Sie rutschte auf und ab und schmiegte sich noch näher an mich ran. Dabei streifte ihr Hintern zwei Mal an meinem Penis entlang, der nun alles andere als schlaff war.
Merkte sie das?
„Gemütlich?“, fragte sie.
Ich biss mir auf die Zähne. „Ja.“
Charlotte rutschte erneut auf und ab, als könnte sie einfach keine gemütliche Schlafposition finden, und legte dabei ihr linkes Bein auf mein rechtes.
Also gut, ich würde sie küssen, wir würden rummachen, aber kein Sex!
Ich begann mit der linken Hand langsam über ihre Hüfte zu streichen. Charlotte bewegte sich nicht, und bald verlor ich mich in der Erkundung ihres Körpers. Wie von selbst wanderten meine Finger über ihre Taille, ihren Bauchnabel, ihre Rippen, unter ihrem Top, und dann – ich tastete mich so langsam und behutsam vor wie ein Minensucher – hatte ich sie endlich gefunden: Charlottes Titten!
Charlotte drehte sich nun um, und wir küssten uns. Ich fasste ihr an den Hals, sie streichelte meinen Oberkörper, ich packte ihren Hintern, und sie krallte sich in meinem Rücken fest. Währenddessen knutschten wir ununterbrochen und mit solcher Heftigkeit, dass ich an die siamesischen Zwillinge denken musste, die bei einer Trennung sterben. Es war sehr aufregend, aber irgendwann merkte ich, dass wir mit diesem Geknutsche eine Art Höhepunkt erreicht hatten. An Intensität konnten wir der Situation einfach nichts mehr abgewinnen, es sei denn, wir gingen einen Schritt weiter, beziehungsweise eine Etage tiefer. Das gleiche dachte sich Charlotte wohl auch, denn plötzlich versuchte sie in meine Boxershorts zu steigen. Ich nahm ihre Hand und drückte sie weg.
Na endlich, da war meine Selbstbeherrschung!
Charlotte lächelte, und wir machten schnell wieder rum, als wäre nichts gewesen, vielleicht auch aus Angst, dieser Zwischenfall könnte die Stimmung getrübt haben.
Das tat sie zunächst nicht. Charlottes Brüste würden mir so schnell nicht langweilig. Ich war so sehr fasziniert von ihrer straffen, aber weichen Form, dass ich mich selbst kaum verstand.
Und wie schön Charlotte roch! Nach jeder Blume auf der ganzen Welt duftete sie. Einfach faszinierend. Ich meinte, nie genug davon bekommen zu können.
Umso überraschender war es, als ich feststellte, dass das Spiel mit der Zeit trotzdem seinen Reiz verlor. Irgendwann atmeten wir nicht mehr so heftig, und schon bald küssten wir uns nicht mehr.
„Das war schön“, sagte Charlotte irgendwann, und erklärte damit unseren Liebesakt für beendet.
Ich strich mit meiner Hand über ihre Wange. „Fand ich auch.“
Fast im selben Augenblick ging die Tür zu unserer Wohnung auf. Schritte und leises Gemurmel. Ich fuhr zusammen.
Clemens war mit einer Frau zurückgekehrt.
Charlotte sah mich mit großen Augen an. Sie war selbst mit Clemens in seinem Zimmer gewesen. Sie wusste also, was jetzt passieren würde. Sie hatte aber keine Ahnung, was es bedeutete, hier im Bett zu liegen und zuhören zu müssen. Feuchtes Geklatsche, hysterisches Geschrei, panisches Atmen …
Das alles wurde bald auf uns einstürzen.
„Das ist irgendwie witzig“, sagte Charlotte.
Ich seufzte.
„Ach komm“, flüsterte sie, „Lauschen macht doch Spaß.“
„So was hast du noch nicht belauscht.“
Aus der Küche drang jetzt lautes Frauengelächter.
Hatte Clemens etwa die schwarze Tänzerin mit nach Hause genommen? Im Geiste sah ich wie sie getanzt hatte. Das rote Kleid, der sportliche Körper, der kreisende Hintern, dieses selbstbewusste, strahlende Lächeln.
Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn. Es war hundert pro die Tänzerin.
„Ist alles okay?“, fragte Charlotte.
Ich nickte.
Wir hörten wie sie ins Bett stiegen. Sie wechselten leise ein paar Worte, die wir nicht verstehen konnten.
„Verstehst du was?“, flüsterte Charlotte.
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Das ist ja voll spannend!“
Ich verzog das Gesicht. „Wart’s bloß ab.“
Eine Zeitlang drang kein Ton zu uns herüber, doch dann stöhnte die Frau leise auf.
Charlottes Augen weiteten sich.
„Oh!“, sagte sie mit einem Lächeln.
Dann wurde es heftiger. Das Bettgestell knallte gegen die Wand, etwas Großes – vielleicht Clemens’ Wecker? – fiel krachend auf den Boden, und dann stöhnten beide los. Die Laute waren mal aggressiv, mal schmerzverzerrt, mal ungläubig, mal wahnsinnig. Es hätte auch eine Schlägerei sein können, oder eine Geburt, oder ein Hahnenkampf, oder eine Kreuzigung. Alles möglich hätte es sein können, nur Liebe nicht.
Ich sah Charlotte an. Sie blickte ausdruckslos ins Leere wie ein Kind, das soeben erfahren hat, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Wie weggespült war ihr glückliche Stimmung.
Auch ich war geschockt. Ich kannte diese Geräusche zwar schon, aber heute waren sie irgendwie schlimmer. Clemens ging zu weit, das durfte er nicht tun. Es gab nun mal Grenzen auf der Welt. Genausogut konnte man an einem Tag drei Kilo Schokolade essen. Das Herz, die Leber, der Verstand. Wenn man es übertreibt, geht früher oder später etwas kaputt.
Charlotte sah mich an, und in ihrem Blick lag nun etwas, das ich sehr gut kannte. Es war der Augenblick, in dem der Spaß dem Ernst weicht. Aus Schnupfen wird Fieber, aus Altern wird vierzig, aus lustigem Lauschen wird eine Begegnung mit etwas, dessen Existenz man nicht kannte und man lieber nie begegnet wäre. Plötzlich wollte ich Charlotte umarmen. Ich wusste genau, was sie fühlte. Sie sollte sich nicht fürchten.
Ich nahm zärtlich ihre Hand, ihre Finger verhakten sich in meinen und dann drückte Charlotte plötzlich so fest zu, dass meine Gelenke knacksten. Der Schmerz wanderte durch meine Nervenfasern und löste bei mir im Hirn etwas aus, das ich nicht anders als krankhaft bezeichnen kann.
Ich begann, an Charlottes Top zu zerren. Sie seufzte laut, als ein Trägerteil riss und beide Brüste hervorsprangen. Ich nahm die linke in den Mund und packte die andere mit einer Hand. Charlotte hielt meinen Kopf fest.
Aus dem Nebenzimmer drang weiterhin lautes Stöhnen. Ich griff nach unten und zog mit einer flotten Bewegung Charlottes Tanga aus. Sie rutschte mit ihrem Becken hoch, spreizte ihre Beine und ich drang sofort in sie ein.
Fühlte es sich gut an? Fühlte ich überhaupt etwas? Charlotte warf ihre Arme zurück und schloss die Augen.
„Ja!“
„Ja!“, schrie plötzlich auch die Tänzerin nebenan.
„Mach weiter!“, kreischte Charlotte.
Sie krallte sich mit ihren Fingernägeln tief in meinem Rücken fest, und plötzlich kamen die eigenartigsten Laute kamen aus meinem Mund. Ich schloss die Augen, bumste und wusste zwischenzeitlich nicht mehr, mit wem ich eigentlich gerade Sex hatte.
Waren das nun Charlottes Oberschenkel, die sich um mich klammerten? Schrie mir nicht gerade die Tänzerin ins Ohr, dass ich noch schneller, heftiger und kräftiger zustoßen sollte?
Ich will endlich Charlottes Arsch sehen! Genau das will ich! Ihren runden plumpen weißen Hintern!
Ich drehte Charlotte auf ihren Bauch, packte sie an ihre Hüfte, zog sie ein Stückchen hoch und drang wieder in sie ein.
„Gefällt dir das?“
„Ja!“
Ich klatschte ihr mit der flachen Hand auf den Hintern. „Gefällt dir das?“
„Ja!“
Als ich Clemens drüben stöhnen hörte, schlug ich noch heftiger zu.
„Fick mich!“, kreischte die Tänzerin.
Clemens grunzte.
Ich drang jetzt richtig mit Gewalt in Charlotte ein. Ihre Hand ging nach oben und drückte gegen meine Hüfte. Vielleicht war das ja zu viel. Tat ich ihr weh?
Aber ich beachtete sie nicht mehr. Ich war im anderen Zimmer. Dort fickte ich. Und zwar die Tänzerin. Oder war’s die Tänzerin?
Was geht, Clemens? Nun hörst du mich schreien. Wie gefällt dir das?
Ich drang wieder übertrieben stark in Charlotte ein. Die Tänzerin gab einen lustvollen Laut von sich.
Ich kann genauso ficken! Auch ich kann bumsen wie besessen! Gefällt dir das Clemens, ja? Wie gefällt dir das?
Ich fickte ihn mit allem, was ich hatte. Sein feines Gesicht, diese langen schwarzen Haare, dieses überlegene Grinsen. Ich fickte ihn mit letzter Kraft. Ich wollte ihn in den Boden ficken. Ich wollte ihn tot ficken.
„Zieh an meinen Haare!“
„Was?“
„Nimm meine Haare!“
Ich nahm eine ganze Faust voll goldener Locken und zog daran. Charlotte machte ein Hohlkreuz, ihr Po drückte sie an mich, ihre Augen rollten zurück.
Und sie liebte es. Das unschuldige Wesen mit den goldenen Haaren, mein kleiner weißer Engel …
Ich fickte sie und sie liebte es.
Plötzlich wollte ich sterben. Aber doch nicht an den Haaren! Doch nicht an den goldenen Locken!
Aber ich machte weiter, immer weiter, bis ich keuchend zusammenbrach und auf den Rücken rollte.
Charlottes Hand legte sich erschöpft auf meine Brust.
Nebenan war es ruhig geworden.
Ich wischte mit den Schweiß von der Stirn und holte tief Luft. Charlotte schmiegte sich an mich ran.
„Alles okay?“, fragte sie.
„Alles okay …“
Ich schloss die Augen, hörte sie atmen und schlief ein.

 
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Hallo T Anin,

Mann, ich finde wirklich Du solltest da noch mal in Dich gehen, denn es würde sich lohnen. Wie gesagt, meinen Nerv triffst Du zu hundert Prozent, also gib der Sache noch das Ende, das es braucht und das Du im Gefühl hattest und die Story hat - für Leute, deren Nerv Du triffst - 100 Prozent!

Kann schon sein, dass dir die Tränen besser gefallen hätten... man kann ja nicht alle glücklich machen. Aber wenn du das so formulierst, gehe ich nochmal in mich.. :) Mal schauen was dabei herausspringt.

Hallo Adem,

Freut mich, dass der Text dir gefallen hat. Seit den ersten Kommentaren habe ich den Text um einiges gekürzt, schön, dass du es so okay findest... Vielen Dank für deinen Kommentar.

Hallo Maria,

In deinem Profil steht nichts und irgendwie kommst du mir ja wie ein Schwanzträger vor

so ist es ja auch :)

Der Anfang hat mich wirklich immer wieder abgeschreckt, die Länge nicht

Seit Jo es gelesen hat, ist es auch um einiges kürzer geworden, gerade am Anfang. Der Einstieg fandest du noch immer zäh.. da muss ich nochmal schauen.. mit der Zeit fällt einem das Kürzen leichter. Mir ist halt wichtig, dass die Beziehung zwischen den Charakteren klar ist, ehe es abgeht.

Ich bin ja eigentlich Gefühlsbetont, aber da du Sex am Schluss hattest, hat mir die KG sehr gut gefallen.

Das freut mich sehr. Eigentlich bin ich ja auch gefühlsbetont. Nur wenns um Sex geht, da werde ich irgendwie triebbetont.

Das ist eine lustige Formulierung übrigens. "Ich bin ja eigentlich gefühlsbetont, aber ... "
Dem muss einfach was Schweinisches folgen. Finde ich gut.

"Ich bin ja eigentlich gefühlsbetont, aber im Augenblick brauche einen Blowjob."

Das ist so ähnlich wie: "Bei allem Respekt...",

Schön, dass du es gern gelesen hast. Ich habs in Sonstige gepostet, weil ich noch nie was in Romantik gepostet hatte, und es für mich schon irgendwie um mehr als "nur" Romantik oder Erotik ging. Hat ja auch viel mit dem Konkurrenzkampf zwischen den beiden Männern zu tun.

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren,

MfG,

JuJu

 

Diese Story fand ich absolut spitze. Die Charaktere sind toll, ich mochte vor allem Charlotte. Die Personen kommen total realistisch rüber, zB. da:

Aber natürlich würde sie ihre Jeans ausziehen! Wer schlief schon in Jeans?
O Gott...
Da kann ich mir den Prota bildlich vorstellen und habe eine Million Gedanken im Kopf, was das fürn Kerl ist. Der Krieg im Bett am Schluß ist genial, ich habe mitgefiebert. Das einzige was ich überhaupt nicht kapiere: was ist das am Ende? Warum schaut er die Decke an? Erkenntniss, dass/was er verloren hat? Fand ich etwas irritierend. Danke für die schicke Mittagspause :)

 
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Hallo lockenwolf,

freut mich, dass du die Geschichte ausgegraben hast und sie dir gefällt. Ich find sie auch noch cool.


was ist das am Ende? Warum schaut er die Decke an? Erkenntniss, dass/was er verloren hat? Fand ich etwas irritierend.

Ich glaub ich wollte einfach zeigen, dass es einfach ihm nicht so richtig wohl bei der Sache war. Aber ja ... ist vielleicht zu viel. Spätestens dann müsste er eigentlich chillen können.. :) Kommt vielleicht etwas zu gewollt "tiefsinnig" daher. Eigentlich ist alles schon gesagt.
Hab die paar Sätze geändert, vielleicht irritiert es jetzt weniger.

Vielen Dank und bis die Tage!

MfG,

JuJu

 

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