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Ich bin nicht wie Du

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04.07.2014
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Ich bin nicht wie Du

»Du bist so wunderschön« sagte sie gleich zu Beginn.
Sie hatten sich nie vorher gesehen. Trotzdem war die Spannung für beide fast sichtbar...nicht in den Gesten, nicht in den Worten - sondern in der Art und Weise wie sich dieses seltsame Treffen entsponn. »Ich werde dein Herz brechen. Du bekommst meines dafür!« bekam sie von ihr darauf als Antwort zurück und »du nimmst mich so ein«...sie berührten sich nur leicht an den Fingerspitzen auf dem Tischchen im Café, wie zufällig beim Griff nach dem Feuerzeug.
»Verrückt, du fesselst mich so an dich« - ja so sagte sie - nur um zu hören: »Immer wenn ich deinen Namen höre knicke ich ein« - dabei verschränkten sich ihre zierlichen langen Finger bereits komplett ineinander, mal war es ihr als spüre sie den Griff der Anderen, mal war es Einbildung - jedoch: die Zeichen waren gesetzt, es kam jetzt auf ihre Deutung an.
»Ich bin nicht wie die Anderen!«
»Und ich halte nicht so viel aus wie die Anderen! Ich kann nicht einfach alles teilen wie die die du so kennst!« Beim Flüstern dieser Worte in die Ohren errötete ihr Dekolleté so sehr, dass die Andere es bemerkte - im gleichen Augenblick erkannte sie die warme Innenfläche ihrer Hand auf ihrem Shirt, nur Millimeter von den Stellen entfernt die sich schon seit Stunden nach Berührung sehnen...
»Du bist so wunderschön, ich bin nur ein Wrack, verflennt, am Boden - nur da um zu finden was mich zu dir zieht« mit suchenden Fingerkuppen längst erforscht, gefordert - sich zu lösen aus den Konventionen, loszulassen für den Moment und: erregt, erregt weil die Andere so magisch ist, ihre geheimsten Sehnsüchte zu kennen scheint, sie mit scheinbarer Leichtigkeit zieht, nicht nur oberflächlich berührt, jetzt - da sie voreinander stehen und sich ihre Lippen wie winzige Magnete finden - noch mit Scheu, doch ungebremst gegen Mauern aus Regeln und gelebtes Leben.
»Ich bin ganz weich, ich nehme dich mit nach Hause, lass uns ein bisschen Zeit miteinander verbringen - du bist die Einzige für mich!« Nah an den beiden weichen Körpern, heiß jetzt, in der Seitengasse, unbeleuchtet von den Laternen, zweisam: die warmen Finger in den Schritten, vergraben in den Slips, großflächig auf den Lippchen, die eigene Lust einfach als Gabe zum Gegenüber, so leicht: weil vertraut mit den eigenen Empfindungen und angewandt auf die des Gegenübers, heftiger, begehrender, erfahrener mit jeder Sekunde, jedem Millimeter, in die Ohren gegenseitig stöhnen, verkrampfen, verbeißen, nicht mehr hier auf der Straße, beide wollen sich fallenlassen, irgendwo - nur nicht hier in an diesem Platz.
»Nimm mich mit zu dir nach Haus, ich bin so abgebrannt, zeig mir alles wenn du willst!«
Eindeutig: halb Erklärung, halb Entschuldigung, halb...halb...Abchecken der letzten Möglichkeit doch noch zu fliehen, aber nein: die Stufen, kein Licht im Hausflur, nur ihre Lust und das Rascheln ihrer Klamotten wenn sie sich stürmisch küssen, auf den Fensterbrettern, die Schenkel um ihren Hintern gezogen, ihre Hügel - aneinander gezogen, weich, der Weg nach oben immer wieder unterbrochen durch ihr gemeinsames hektisches Atmen wenn sie ihre Finger im nassen Loch ihres Gegenübers versenken, die heißen Wangen, die Röte nur in der Fantasie wegen der Dunkelheit.
»Ich bin nicht wie die Anderen!«
»Und ich will´s nicht wie die Anderen! Ich kann mich nicht so verstellen wie die anderen die du kennst!«
Auf den weißen Laken, die Sachen als Spur von der Wohnungstür, fahles Licht, liegt sie auf ihr, streichelt ihre Brüste unter zärtlichen Küssen während sie die Perle massiert und der Anderen den Weg zu ihrer Perle weist, wieder gleich, leicht, einfach - weil sofort verstanden und nicht geahnt - vermutet, nein gewusst: ihre Zungen gegenseitig in ihrer Süße, gleiche Formen, gleiche Düfte, gleiches Begehren, gleiches Verstehen - Finger, an den vertrauten Stellen - obwohl nicht die eigenen, berühren und wissen wann der Zeitpunkt gekommen ist, auf den Anderen warten, wieder vereint in der vertrauten Lust, die Innenseiten der Schenkel tropfen, die Massage ist am heftigsten, die Farben rosarot, das Stöhnen maximal, sie können fast herunter zählen: kommen sie, gleichzeitig, gleich, doppelt...

Wieder im Café, die tiefen Züge aus den Zigaretten:
»Du nimmst mich trotzdem so ein!«
»Auch Du nimmst mich trotzdem so ein!«

 

Ooch Tashmetum, warum so kompliziert?!

Da treffen sich zufällig zwei Frauen, die Eine ist erfahren und gefestigt, die Andere hin und her gerissen vom Leben und eingekeilt in Regeln und Ansichten.
Von Liebe ist da nicht die Spur zu sehen, nur vom kurzzeitigen Verlassen von Konventionen und der Einsicht: Zuneigung ist keine Frage von Geschlecht.

Viele Grüße,
ServSieben

 

Und dann treiben's die beiden miteinander yaaay!
Nein, jetzt mal im Ernst. Ich fand die Geschichte eigentlich ganz gut geschrieben. Ich verwende extra dieses "eigentlich", weil mir manche Passagen wirklich "wirr" vorkamen. Nicht vom Sinn her, sondern einfach nur von der Aneinanderreihung, die es schwierig gemacht hat, den Satz flüssig zu lesen. Aber das passt ja wiederum zum Thema. Für die eine, scheint das Geschehen anfangs ja wirr. Sie weiß nicht so recht, ob sie das jetzt machen kann/soll. Vielleicht könntest du dich, mit der Entwicklung des Geschehens, ein wenig davon lösen. Einfache, weniger verstrickte Sätze, die die schon genannte Einsicht bringt, dass "Zuneigung keine Frage von Geschlecht ist."

Keep it up,
Hank Johnson

 

Hallo ServSieben

In Deinem Profil schreibst Du «Kurzgeschichten – meine Leidenschaft». Im vorliegenden Text kam mir jedoch beinah der Verdacht auf, dass es dem Leser „Leiden schafft“, da er sich fragen kann, ist dies nun eine Geschichte? Doch da steht noch, «beobachte gern und stricke daraus Dinge». Hm, ein Ansatz der zu vielen Ausdrucksformen des Schreibens führen mag, nur bei „Geschichten“ - und sind sie noch so kurz – ist ein Kriterium, das der Transformation. Ich erkenne diese Wandlung nicht, es endet vorab und bleibt so der Fantasie des Lesers überlassen.

Im Inhalt ist es auch derart verkürzt, dass ich mir als Leser erst einen Reim bilden musste, wieso sich die beiden treffen und begehren, obwohl im zweiten Satz formuliert ist, dass sie sich vorher nie gesehen hatten. Der Logik folgend, wird ein Leser da erst mal ausgehebelt, Du mutest dessen Fantasie zu, enorme Lücken zu füllen. So auch, weshalb die eine den Namen der anderen hören sollte, was sie zum Einknicken bringt, bleibt jenseits der Verständlichkeit. Worin knickt sie ein und weshalb macht deren Namenserwähnung sie schwach?

Beim Flüstern dieser Worte in die Ohren errötete ihr Dekolleté

Schamhaftes Erröten am Busenansatz, ein biophysikalisches Phänomen? An sich deutete dies eher auf eine allergische Reaktion hin, was nicht durch Worte ausgelöst sein kann. Oder sind es nicht vielmehr das Gesicht und der Halsansatz, die durch aufreizende Worte einem Spiel des Sympathikus ausgesetzt wurden?

die heißen Wangen, die Röte nur in der Fantasie wegen der Dunkelheit.

Wiederum ein Gedankensprung des Autors über die Grenzen der Logik, da die Röte, wenn sie wirklich vorhanden ist, nicht wegen der Dunkelheit nur in der Fantasie bestehen kann. Solch widersprüchliche Wortspielereien weisen sich als Albernheit, da sie ekstatische Momente eher entzaubern.

Thematisch fand ich es nicht leid, doch formt es sich trotz schöner Worte nicht zu dem, was es sein könnte, eine leichtfüssig erotische Geschichte. Hier solltest Du noch gezielt daran arbeiten. Gib den Personen zur Klarheit Namen, damit klar wird, wer jeweils spricht. Auch scheint mir angezeigt, die Handlung im Rahmen zur Verständlichkeit etwas zu erweitern. Wenn Du dann statt eines reinen Zeitausschnitts, der einzig einen Ablauf darstellt, eine Wandlung einbeziehst, mag es als Geschichte seinen Sinn zu entfalten.

Falls Du am Text noch arbeiten wirst, empfehle ich Dir die Regel [Duden K17] zu den Auslassungszeichen zu beachten. Wird ein Wort unvollständig geschrieben, so folgen die Auslassungspunkte direkt anschliessend, z. B. Verd…!. Ersetzen diese nach einem vollendeten Wort jedoch weitere Worte, so folgen dem letzten Wort ein Leerschlag und dann die Auslassungspunkte. Diese Regeln gelten auch, wenn die Auslassungspunkte vor einem Wort eingesetzt werden.
Mit Auslassungspunkten sollte zudem sorgfältig und sparsam umgegangen werden.

Fazit: In den passenden Rahmen gesetzt, könnte ich mir da durchaus eine nette Geschichte vorstellen.

Schöne Grüsse

Anakreon

 

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