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Hubert Hamsters erste Lesung. Eine Literaturinstallation mit Publikumsbeteiligung.

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02.11.2001
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Hubert Hamsters erste Lesung. Eine Literaturinstallation mit Publikumsbeteiligung.

Der Helikopter steht mit einem fast transparenten Rotorenkreisel über dem Dachfirst des Nachbarhauses und Hubert Hamster schlägt mit der Hand auf die Klingel seines Weckers. Ein Glas mit Martinirest und einem ranzigen Olivenkern darin zerschellt am Boden. Wie eine Made fühlt sich Hubert Hamster, verquollen, aufgebläht, mit üblem Geschmack im Mund. Als er den Ersten für heute fahren lässt und der Harndrang aus der Vorderwand seiner Unterhose ein kleines Zelt baut, bäumt sich ein Zweiter auf im Enddarm, dem Entweichen schon sehr nahe. Der Schließmuskel Hubert Hamsters verkrampft sich augenblicklich, will den Frühdienst verweigern. Manchmal schließt der schlecht und zeigt seine Tücken. Auch der höchste Schleudergang von Hubert Hamsters Waschmaschine kann dann die Zeichen dieser Tücken nicht aus den Unterhosen waschen. Die Bedarfsmenge an Unterhosen blieb in allen Jahren dieselbe, nämlich eine notwendige, die mit dem Absetzen des Windeltragens nichts an Aktualität verlor. An diesem Morgen stehen das Scheitern und damit die fällige Tücke knapp bevor. Doch etwas ist anders an diesem Morgen und darum bleibt die Hose sauber. Alles verschließt sich, vergisst zu verweigern. Auch das gibt es.

Jetzt hört Hubert Hamster den Helikopter, obwohl er nach dem Harnlassen kurz vermutet, dies Gedröhne entsteige seinem Kopf. Dem ist nicht so. Hubert Hamster stolpert über leere Flaschen, versucht, den Blick zu festigen. Das Appartement ist verwüstet. Der abgebrochene Hals einer Ginflasche steckt im Polstersessel. Leere CD- Hüllen liegen über dem Teppich verstreut, manche davon in kleine Splitter zerbrochen. Darüber ist ein buntes Stilleben geworfen, bestehend aus einem Damenslip, Schuhen mit geknickten Stöckeln, Haarspangen, einer leeren Flasche Gleitgel. Eine Ecke des weitläufigen Wohnraumes wurde als Urinal missbraucht. Hubert Hamster würgt, erinnert sich vage, vergegenwärtigt sich seine Situation und die der letzten Nacht. Was war geschehen? Wer hatte die Katze am Lusterhaken aufgeknüpft? Er hatte gefeiert und mit Frauen hier im Appartement getanzt, die alle mit ihm schlafen wollten. Vor dem endgültigen Wegkippen sägte die Gruppe Clawfinger ,The point of no return’ mit ihren Riffs aus den überlasteten Boxen. Jeder wollte ein signiertes Exemplar seines Geschichtenbandes, jede wenigstens dann doch einen Kuss oder zwei. Am Ende hatten sie ihn bis auf die Unterhose ausgezogen und auf das zerwühlte Bett gelegt, wo er augenblicklich einschlief.

Die Lesung wäre ein Erfolg gewesen, so etwas noch nie zuvor geboten worden in der Stadt, sagten die Einen. Die Anderen empörten sich maßlos und damit nahm alles Weitere seinen Lauf. Hubert Hamster hatte einmal das Anschwellen eines Baches beobachtet. Damals, als er, wie Kinder es nun einmal tun, einen Bach mit Steinen und Ästen aufzustauen versuchte und der kleine Bach breiter und breiter wurde und glucksend seinen Damm geflutet hatte.
Das Publikum war der Bach gewesen und Hubert Hamster war der Biber, der den Bach staute und staute. Die Lesung wurde zur Predigt und Hubert Hamster war Moses auf dem Podest, der seinem Volk zu gebieten hatte. Die Texte Hubert Hamsters waren die Gebote und im Auditorium begann sein Volk zu wandern. Und das Wandern ging weiter und wurde zum Fluten. In den Straßen, den Gängen der Mietshäuser, über Parkplätze und Schienenstränge gurgelte der Bach, riss alles auf und manches mit sich. Über alle Grenzen hinweg. Auch, als Hubert Hamster längst eingeschlafen war. Man fand keine Erklärung, wie es zum Ausrufen des Ausnahmezustandes hatte kommen können. Wenn es zu den stattgefundenen Vorgängen eine gibt, ist sie in den Texten Hubert Hamsters und in der Art seines Vortrags zu finden, sagte ein Sprecher des Bürgermeisters zu den Medien und negierte auf die Frage eines Reporters dessen Anwesenheit bei der Lesung Hubert Hamsters.
Werfen Sie ihn aus der Stadt, Sie Flasche, brüllte der Bürgermeister am Morgen danach in das Gesicht des stramm stehenden Polizeichefs. Dieser wusste nichts besseres zu tun und ließ augenblicklich den Helikopter starten.

Das Gedröhne des Helikopters nervt Hubert Hamster.
Ein Schwarm kleiner Fliegen stiebt aus dem Erbrochenen im Abwaschbecken. Aus der Qualle vom Vorabend ist ein Seepferdchen geworden. So ausgelaugt und dürr fühlt sich Hubert Hamster. Er füllt ein Glas mit Wasser. Seine Welt dreht sich, gleich um ein paar Achsen. Hubert Hamster will Schriftsteller sein, ist es vielleicht auch. Noch kein gefeierter, kein bekannter. Keiner, dessen Texte bereits die Butter auf sein Vollkornbrot abgeben. Keiner, der bislang öfter als notwendig namentlich erwähnt wurde. Also bislang gerade einmal, erwähnt auf der Einladung zur Lesung. Nein, Hubert Hamster ist nicht bekannt, obwohl, gestern abend..... Aber eventuell ist er auf dem Weg dorthin. Eventuell wird man sich Hubert Hamster merken müssen.

Kommen Sie raus, Hubert Hamster, schreit die Stimme aus dem Megaphon über den Dächern und fällt mit blecherner Resonanz in das geöffnete Dachfenster. Hubert Hamster ist noch nicht voll da, sucht Halt am Wasserglas und weiß noch nichts von dem, das sich gestern nach seiner Lesung, nach der Vorstellung seines ersten Buches durch den Verlagsprokuristen, in den dunklen Strassen der Stadt abgespielt hatte.
Wie war das noch, denkt Hubert Hamster.
Hubert Hamster hatte gelesen.
Davor war alles ruhig gewesen. Männer betrogen ihre Frauen, die Sprinkleranlagen in den Vorgärten der Eigentumsheime funktionierten tadellos und Frauen betrogen ihre Männer. Die Gespräche der Menschen hatten das Wetter zum Inhalt, aktuelle Scheidungskosten, oder auch nur den Drogenkonsum ihrer Kinder. Die Fragen über das Wo, Wann, Was und Wie viel wurden am häufigsten gestellt, das Warum und das Wozu, oder aber auch das Wie lange noch als Ergänzung dazu wurde milde belächelt und totgeschwiegen. Man hatte Kredite, Schulden, eine Frau, eine Freundin daneben und einen goldigen Retriever, weil es gerade als ausgesprochen schick galt, sich einen zu halten. Und man hatte Angst vor der eigenen Courage, weil es sich so verantwortungsloser und damit einfacher leben ließ. Und funktionierende Sprinkleranlagen gab es auch in den Vorgärten. Wie gesagt.
Dann kam Hubert Hamster mit seinen Texten angetanzt.

Die erste große Lesung.
Hubert Hamster hatte gelesen und sich dabei gar nicht schlecht gefühlt. Wenn er sich darauf konzentrierte und seinen Drang, Blähungen abzulassen, mit Nichtbeachtung strafte, würde es ganz manierlich gehen, dachte er.
Im Gegenteil: Mit jeder Geschichte, die er zum Besten gab, würde er ein paar Kulissen mehr beiseite schieben und etwas preisgeben. Etwas lange Gehütetes. Nämlich die Wahrheit. Das, was sich so tut hinter den blühenden Rosensträuchern, den bestickten Gardinen, in den geleasten Familienwägen. Es stieg sein Gefühl, das Richtige zu tun und es festigte sich der Glaube an das, von dem er hier vorzulesen gedachte.

Sie schaffen es, Hamster. Ihre Geschichten berühren die Leute, regen an, machen atemlos. So hatte der Verlagsprokurist gesagt und nicht geahnt, wie recht er haben sollte. Dann bestieg Hubert Hamster das Podium. Das Saallicht ging aus und er hörte die Menschen, die da unten saßen und sich in kurzen Atemstößen die trockene Saalluft teilten, hörte das kurze Scharren von Schuhsohlen auf dem Parkett, das Knistern von Stoff auf Stuhllehnen, leises Flüstern. Im Licht der Leselampe schwamm Hubert Hamsters Gesicht mondgleich auf dem Schwarz seines Pullovers. Ich könnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören, dachte Hubert Hamster und begann vorzulesen.
Nach dem zweiten Satz wusste er, dass er seine Blähungen und damit seine Stimme den Abend über nicht im Griff haben würde und dass alles möglich war. Es muss gesagt werden, dass Hubert Hamster seine Texte liebt, die Provokationen darin, über die Liebe, den Tod und das Dazwischen. Darüber hinaus ist er ein verschlossener Mensch, ja bescheiden zu nennen. Der Verlag überließ ihm die Textauswahl für diesen Abend und Hubert Hamster beschloss, dass dieser Abend für die werte Hörerschaft kein leichter Abend werden sollte, weil er die schweren, bösen Texte lesen würde. Weil er die provozierte Reaktion suchen wollte und sie zu finden glaubte. Vielleicht hatte er die Reaktionen unterschätzt, die am Ende dazu führten, dass es so kam. Aber da war noch etwas anderes, das nicht weniger Gehalt hatte und offensichtlich von manchen irrtümlich als Installation erkannt wurde.

Als sich knatternd ein erster Kettenfurz aus Hubert Hamsters Hose verabschiedete, gerade nach der Geschichte mit der illegalen Giftmülldeponie unter den Häusern des Kleingartenvereins, wurden in den letzten Reihen erste Buhrufe laut. Nun, diese Tatsache verursachte ein beschämendes Glucksen in der Stimme Hubert Hamsters und er machte umso konzentrierter weiter. Ich bin eine Qualle, dachte er und er dachte mit Angst an das Universum in seinem Magen, das vorhatte, aufzubrechen. Ich quelle über. Ich platze, dachte er schaudernd. Schwere Böller entluden sich jetzt in seiner Hose, bliesen diese auf. Mein Gott, ich muss lauter lesen. Den Text „Als wir Affenhirn löffelten oder Urlaub in Singapur“ schrie er bereits. Er saß auf der Kante seines Stuhls, hatte die Blätter mit den Texten vor sich auf der Tischplatte liegen und hörte nichts als seine Stimme, die, ob des gesteigerten Volumens, dem Bellen eines Hundes nicht unähnlich, bei manchen Sätzen in ein breiiges Heulen überging. Die Zuhörer in den ersten paar Reihen saßen starr, trugen Gesichter mit wachsendem Glauben darin, doch Toten ähnlich, unfähig, den Furzattacken und dem Bellen Hubert Hamsters auszuweichen. Wie auch. Wie, bei den Inhalten solcher Winde, solcher Texte, Texte, die einem die Wahrheit in die Köpfe drosch und der Geruch dabei die Angst vor der eigenen Art preisgab, stimuliert noch durch das Heulen Hubert Hamsters, das als gewaltige Spinne die Saalwände hochkroch. Der Lichtkegel der Leselampe beleuchtete die Hände, die Textblätter, manchmal die weiße Gesichtsscheibe Hubert Hamsters. Das Auditorium mit den vielen Menschen darin, ihren Bravorufen und Pfiffen, lag im Dunkel. Die kleinen grünen Lichter der Notausgänge flüsterten ,Hier raus, hier raus’, doch alles ging mit den windigen Texten Hubert Hamsters unter. Alles begann zu schwanken. Der Saal, die grünen Lichter der Notausgänge, die Herzen der Zuhörer.

Man kann es sehen, wie man will.
Es wurde sein Abend.
Als Hubert Hamster die letzte Geschichte beendet hatte, der letzte Wind verweht war, kauerte der Saal wie erstarrt zu seinen Füßen. Auch die lauter gewordenen Pfiffe und Buhrufe in den letzten Reihen kamen zum Erliegen. Dann begann erster Beifall einzusetzen. Ein Konzert aus hundert und mehr Kehlen brandete an die Ohren Hubert Hamsters. Leute begannen, auf Stühle zu steigen, darauf mit den Schuhen zu poltern.
Genial! Literatur als Installation, schrie Einer.
Holt die Sau dort runter, schrie ein Anderer und verröchelte seinen Schrei im Kunstleder einer geschwungenen Handtasche. An Ärmeln wurde gezerrt, unter Röcke gegriffen, Flüche wurden laut. Auch erste Furze explodierten im Auditorium. Frauen kreischten, als Stühle krachend aufs Parkett geschlagen wurden, als Stuhlbeine erste Schädel trafen. Hamster- Gegner schlugen auf Hamster- Sympathisanten ein und umgekehrt. Hubert Hamster wollte beruhigen, ging an den Rand des Podiums, schrie und furzte ob der ihm aufgebürdeten Aufregung über die Köpfe der rasend gewordenen Menge hinweg, heulte etwas von Wahrheit und von Respekt. Er heulte so lange von Wahrheit, bis die herbeigerufene Polizei mit Atemschutzgeräten den Saal räumte.

Danach trugen sie Hubert Hamster auf Händen vom Podium, stellten ihn an die Bar des Hotels, in dem er auf Verlagskosten einquartiert worden war. Er beantwortete Fragen, manchmal mit seinen Fäusten. Er selbst kassierte Schläge, Küsse, Koseworte und Tiernamen. Das anwesende Abendblatt schoss ganze Fotoserien. Der Knüller war vorprogrammiert. Irgendwann zog einer ein Messer, säbelte einer Frau im Dekollete herum. Menschen begannen, aufeinander einzuschlagen, rissen Kleider, Strümpfe, Hemden entzwei, gaben Hubert Hamster Runde um Runde einen aus, waren froh, dabei sein zu dürfen. Hubert Hamster spielte mit, machte den Clown für das Volk, gab diesem sein Brot für ihre Spiele. Hubert Hamster trug seine Thesen vor, die hinter vorgehaltenen Händen schon als die Lehre aus einer neuen Erkenntnis gehandelt wurden. In den Zeitungen morgen würde von Literaturinstallation mit Publikumsbeteiligung die Rede sein. Als der Tumult unerträglich wurde und die ersten Schüsse fielen, schaltete Hubert Hamster einen Gang höher und ließ die letzte Geschichte dieses Abends unter beständigem Furzgerassel vom Stapel. Es war die mit der Hauskatze und dem Gleitgel. Sie hieß „Wenn Tiere sprechen könnten“ und er hatte sie als mögliche Zugabe für das Ende seiner Lesung zurückgehalten.

 

Grüß dich Aqua,

Hubert Hamster spaltet das Volk. Ein Mittelding gibt es nicht. Für die einen ist er der neue Messias, für die anderen ein widerlich stinkendes Stück Dreck – beide Seiten lassen sich in ihrer Sensationslust problemlos manipulieren. Dein Text gleicht einem Inferno, ist randvoll mit schwarzer Ironie. Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Der Literaturhimmel wird neu definiert werden müssen.

Über deine großartigen schriftstellerischen Fähigkeiten brauch ich glaub ich eh kein Wort mehr zu verlieren. :)

Liebe Grüße
Liz

 
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Hallo Aqua!
Seltsamer Weise wusste ich gleich, als ich diesen Titel auf der Startseite las, dass die Story von dir ist.
Sehr interessant. Unverbrauchtes Thema. Hmm...
naja, sprachlich gewohnt gut, und eine Aussage wird sich auch finden lassen; ich denke mal, Kritik an menschlichen Verhaltensweisen, an Kunstverständnis, bourgeoisem Kleinstadtleben und Ikonenbildung, gewürzt mit der Intention, zu belustigen und zu persiflieren...
:bla:
Auf jeden Fall eine lesenswerte Geschichte.
Punkt.

...para

.......................................................

Gegen Ende schreibst du, dass für Hamster ein Hotel gemietet wurde, an dessen Bar sie ja noch gehen. Am Anfang der Geschichte wacht Hamster aber in einem Appartement auf, mit "weitläufigem Wohnraum". Wie jetzt?
Nett übrigens die Verknüpfung von Geschichte und Realität an Anfang und Ende (Katze und Gleitgel).

Besser als das völlige Weglassen von Anführungsstrichen würde mir das völlige Weglassen von Anführungsstrichen gefallen, wenn du wenigstens kursive Schreibweise verwenden würdest.

Das Hamster gleich per Helikopter abgeholt werden soll und nicht per Streifenwagen, ist nätürlich übertrieben, aber passt in den, ähm, Grundton der Geschichte.

Aus der Qualle vom Vorabend ist ein Seepferdchen geworden.
Das Hamster sich am Vorabend wie eine Qualle gefühlt hat, aufgebläht und schwammig, schreibst du ja. Aber wie fühlt sich ein Seepferdchen???
Verkatert?


Nein, Hubert Hamster ist nicht bekannt, obwohl, gestern abend..... Aber eventuell ist er auf dem Weg dorthin.
Warum fünf Punkte? Drei reichen doch völlig.

hinter den blühenden Rosensträuchern, den bestickten Gardinen, in den geleasten Familienwägen.
Heißt der Plural nicht auch Wagen? Oder irre ich?

Das, was sich so tut hinter den blühenden Rosensträuchern, den bestickten Gardinen, in den geleasten Familienwägen. Es stieg sein Gefühl, das Richtige zu tun und es festigte sich der Glaube an das, von dem er hier vorzulesen gedachte.
"Das, den,den, den, das, das."
"den" lässt sich im Rahmen der Aufzählung durchaus verschmerzen, aber "das" ist eins zuviel.


Nach dem zweiten Satz wusste er, dass er seine Blähungen und damit seine Stimme den Abend über nicht im Griff haben würde und dass alles möglich war. Es muss gesagt werden, dass Hubert Hamster seine Texte liebt, die Provokationen darin, über die Liebe, den Tod und das Dazwischen.
"dass,dass, dass, das"
s.o.

Vielleicht hatte er die Reaktionen unterschätzt, die am Ende zu dem führten, wie es kam.
"es führte zu dem, wie es kam"
Hört sich etwas ungelenk an.
"Die am Ende dazu führten, dass es so kam." o.ä.?

Die Zuhörer in den ersten paar Reihen saßen starr, trugen Gesichter mit wachsendem Glauben darin, doch Toten ähnlich, unfähig, den Furzattacken und dem Bellen Hubert Hamsters auszuweichen.

"Die Zuhörer in den ersten paar Reihen saßen starr, doch Toten ähnlich, unfähig, den Furzattacken und dem Bellen Hubert Hamsters auszuweichen."
Das geht ja in Ordnung, auch wenn "starr, doch Toten ähnlich" eigentlich keinen Widerspruch zwischen "starr" und "Toten ähnlich" bietet, welcher das "doch" erforderlich machen würde.
Aber "trugen Gesichter mit wachsendem Glauben darin"
"Glauben darin"? Glauben worin???

Er heulte so lange von Wahrheit, bis die herbeigerufene Polizei mit Atemschutzgeräten den Saal räumte. Danach trugen sie Hubert Hamster auf Händen vom Podium, stellten ihn an die Bar des Hotels,
Köstlich. Aber: Wenn die Polizei den Saal räumt, wer ist dann "sie", wer verbleibt denn dann noch im Saal und trägt ihn fort?


gaben Hubert Hamster Runde um Runde einen aus, waren froh, dabei sein zu dürfen. Hubert Hamster spielte mit, machte den Clown für das Volk, gab diesem sein Brot für ihre Spiele. Hubert Hamster trug seine Thesen vor,
Hier würde ich einen Hamster durch ein "er" ersetzen.

 

Hallo Aqualung,

wieder so'ne nigrocharmante Unterweltgeschichte, aber das Wort "genial" will mir nicht von den Fingern rutschen. Der Reiz der Geschichte liegt für mich in der Darstellung des Verhältnisses zwischen Autor und Person. Was ein guter Auter ist, muss nicht auch eine "nette" Person sein.

Was ich nicht so gut fand ist, dass Du dich so in den Fürzen des Prots gewälzt hast :D. Nun gut, vielleicht soll es ja zur Geschichte gehören. Ich bin generell der Meinung, dass die autorseitige, quälende Konzentration auf eine bestimmte Schwäche des Protagonisten ein gutes Stilmittel ist (sein kann). Unter einer Bedingung: Variation. Es genügt eben nicht, diese Schwäche permanent zu erwähnen wie eh und je; der Autor muss sie in die Handlung integrieren und damit von der inhaltlichen Redundanz bewahren. Schonmal deinen H.H. probieren lassen, eine Bierflasche mit einem Furz zu öffnen (erforderlicher Druck: 5,31bar)? - Na gut, das Beispiel ist ein bisschen extrem, aber ich hätte zum Bleistift jedem Furz gemäß der momentanen Stimmung des Entsenders eine bestimmte Würzung gegeben (Freude -> Lavendel, Wut -> Pfeffer, Sauer-> Zitrone) - das Ganze natürlich dezent, um der gewählten Rubrik noch gerecht zu werden. Das Salz in der Suppe, nichts weiter.

just my 2 cents,
FLoH.

 

aber ich hätte zum Bleistift jedem Furz gemäß der momentanen Stimmung des Entsenders eine bestimmte Würzung gegeben (Freude -> Lavendel, Wut -> Pfeffer, Sauer-> Zitrone) -
:susp: Is ja pfui. :drool:

 
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Servus Aqualung!

Also mir hat die Geschichte besonders gut gefallen. Sie windet sich in alle Richtungen, zerlegt sich ständig selbst und das in fast satirischer Erzählweise. Ich habe das Gefühl, du hast all die Furze als recht angenehm empfunden beim Schreiben? Neben den heute alltäglich verwendeten Motherfuckern haben sie fast was Niedliches an sich.

Ausgezeichnet dargestellt der Mensch, der Hamster in seinem Lebensradl. Zwischen belustigender Selbstüberschätzung und einer innewohnenden Wahrhaftigkeit. Einerseits will er aufdecken, mahnen – aber letztlich beeindruckt er bloß durch Gestank ablassen und bellen, sowohl positiv wie negativ. Mich hat es echt gewundert, dass er nicht, wenn schon, dann mit einem genussvollen Riesenschaaaaß (das ist das wienerische Furz oder Pfurz?-Wort) all die Lemminge hinweggefegt hat. Die schleimenden Anhimmler ebenso wie die frustriert Pikierten. Wie gut hätte er da geschlafen, völlig frei von Druck. Aber dann wäre er ja kein kleiner Hamster mehr ...

Lieben Gruß an dich - Eva

 

hallo aqualung

ich hab Deine Geschichte schmunzelnd und gerne gelesen, zu Nörgeln hab ich nichts, nicht das Geringste...

Gruß
Bobo

 

@Liz, hallo, wie gehts an diesem Morgen?
Ich hatte schwere Magenkrämpfe und ein Helikopter schwebte über meinem Haus.... Danke, dass du die böse Ironie des Textes erkannt hast. Vielleicht demnächst eine ähnliche Lesung in Linz, Lizzy? Ohne den Blähungen.

@Paranova, grüß Gott schön,
ja, das ist richtig: Kritik an menschlichen Verhaltensweisen ist schon im Text verpackt. Dazu das kleine bisschen Schwärze.
Das Appartement liegt im Dachgeschoß des Hotels, Para.
Zum Seepferdchen meine ich zu glauben, dass es sich verglichen mit einer Qualle, dürr und kraftlos fühlen muß. Vielleicht aber auch ganz anders, in einer anderen Geschichte.
Die fünf Punkte sind mir passiert. Der Überschwang des Autors auf der Tastatur. Vielleicht beinhalten die fünf Punkte aber auch einen versteckten Querverweis zum Pentagramm, Pentagon, Krieg. Ich kann auch drei daraus machen, Para.
,Die am Ende dazu führten, dass es so kam' klingt besser. Werde ich ändern, danke für den Tip.
Danke, dass du dich mit dem Text auseinandergesetzt hast, Para.

@floh, hallo,
es würde in einer Art Blähfetischismus gipfeln, wenn ich den einzelnen Fürzen Geschmacksrichtungen zuordnen würde. Die Idee hat was. Doch wie kann ich es anstellen, dass ein Furz nach Zitrone riecht?

@Hast alles erkannt, eulchen,
ein Bussi für dich und einen blähfreien Tag wünsch ich.

@Bobo, danke.

Liebe Grüße an euch - Aqua

 

Wenn du drei draus machst, führts in den Vatikan.
Was haben wir davon?

 

Hubert Hamster als der kommende Papst hat was.
Der Vatikan braucht Innovationen.
Netter Vorschlag mit Perspektive.

Grüße noch mal - Aqua

 

Hallo Aqualung!

Begeistert oder Provoziert? Ich fands besonders gelungen, wie sich das alles versebständigt hat. zuerst: wird schon gutgehen. nichts besonderes. unbekannt. Danach Aufruhr, etwas Gewaltiges. Besonders gut passt Deine Art zu erzählen, mit Rückblicken und der Wortgewalt. Hamster wollte die Wahrheit in seinen Texten, und die spaltet das Publikum wohl ebenso wie seine Darbietung. Ein sympatischer Mensch scheint er ncht zu sein, aebr ein ehrlicher, der seine Wahrheit auch vertritt und einer, der die Menschen polarisiert.
Guter Text, trotz den Blähungen :D

alles Liebe
Anne

 

Hallo Mäuslein,

abgesehen von den stattgefundenen Blähattacken Hamsters wäre ich gerne bei seiner Lesung dabei gewesen. Hamster fühlt sich als Wahrheitsapostel und kann auch gar nicht anders. Die Polarisierung der Menschen beginnt mit dem Ansprechen der Wahrheit, die häufig sehr unangenehm ist.
Danke, dass du dir Gedanken zum Text gemacht hast.

Liebe Grüße in die Stadt an der Isar - Aqua

 

Morgen Aqualung!

Tolle Geschichte, guter Stil .. So viel zum allgemeinen. :)

Ich habe sie so interpretiert: Der Prot. ist als Literat mäßig erfolgreich. Er spricht "die Wahrheit" an, aber das machen viele, glauben es zumindest zu tun. Das alleine lockt noch keine Katze hinter dem Ofen hervor. Tatsächlich zum Künstler, der die Gemüter bewegt, wird er erst durch seine "Literaturinstallation", die im wesentlichen aus seinen "begleitenden" Blähungen besteht. Er macht dies nicht absichtlich, aber erst dadurch wird er tatsächlich zum Provokateur und zum Star.

Ich fasse die Geschichte auch als Satire auf den Literatur- und Kunstbetrieb auf und hoffe, dass ich damit nicht allzu sehr daneben liege.

lg
klara

 

Hallo Klara,

du liegst goldrichtig mit deiner Interpretation des Textes. Erst seine unabsichtlichen begleitenden Blähungen machen Hubert Hamster zum Star, weil die Wahrheit alleine nicht interessiert.
Ja, eine gewisse Form von Satire steckt schon dahinter.
Für viele Literaturkritiker werden Dinge dann interessant, wenn sie, abgesehen von einer Standardqualität, zusätzlich etwas noch nicht Dagewesenes bieten.
In diesem Sinn ein Glücksabend für H.H.

Liebe Grüße nach Linz - Aqua

 

klara hat natürlich Recht, das mit der Satire; Streicher, warum hast Du die Rubrik "Alltag" gewählt? Wenn schon nicht Satire, dann hätte ich sie zumindest nach "Seltsam" gesteckt :).


FLoH.

 

Warum Streicher, Floh? Warum nicht Aqua?
Irgendwie seltsam. Oder als Satire gemeint?
Das hätte sich Streicher dann nicht verdient.

Ich geh jetzt schlafen. Wer weiß, was morgen über meinem Apartement schwebt....

Aqua

 
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:bonk:

:rolleyes:

Und weil's so schön war: :bonk:

Hilfe, 'bin süchtig geworden: :bonk:

:D

Warum müssen einem die täglichen Fehler immer erst beim abendlichen Zähneputzen einfallen? :confused:

Kommt davon, wenn man sich zwei Geschichten (diese + Streichers "Oma") auf einmal antut. Bin ja nicht mehr neu hier, aber kg.de ist ein immerwährender Gewöhnungsprozess.

Jetzt erstmal gucken, ob ich die Smiley-Grenze überschritten habe,

FLoH.

 

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