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Hoffen

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22.06.2003
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Hoffen

Ein kühler Wind umwehte ihn sanft und er zog fröstelnd seine Jacke enger um seine Schultern. Eine Träne verfing sich in einer kleinen Böe und seine krampfenden Bauchmuskeln zwangen ihn in die Hocke. Er lächelte.
Die Barriere, nein, seine Maske, wie er es nennen würde, hielt. Selbst in diesem Augenblick. Die Maske, die zeigt, was die Leute sehen wollen, die Maske aus falschem Lächeln und falscher Freude. Wie lang war es her, dass er sich wirklich gefreut hatte? Allein die Zeit, die er brauchte um diese Frage annähernd beantworten zu können trieb ihm ein weiteres Lächeln aufs Gesicht, ein Lächeln, welches er schon so oft aufgesetzt hatte, ein Lächeln, welches das pure Gegenteil seiner Seele wiederzuspiegeln schien.
Lächle, wenn es zum weinen nicht reicht.
Warum lachen wir, wenn wir weinen wollen?
Was reicht schon zum weinen? Wen interessiert es, wenn du weinst? Was hilft es wenn du weinst? Die Antwort war immer die gleiche.
Er hatte es sich abgewöhnt sich zu freuen, auf was auch immer. Warum eigentlich? Vielleicht weil er sich nicht freuen konnte? Weil er sich nicht freuen wollte? Vielleicht weil er Angst vor Enttäuschung hatte. Angst vor der Enttäuschung, die ihn seit jeher verfolgte wie ein Wilderer ein angeschossenes, panisches Reh. Angst vor der Enttäuschung, die ihm immer wieder aufgelauert hatte, und ihn oft, zu oft, aus dem Hinterhalt vernichtend niedergestreckt hatte.
Die Enttäuschung ist ein hinterhältiger Krieger und ihr Streithammer heißt Hoffnung.
Er hatte versucht die Hoffnung aus seinem Kopf zu verbannen, damit ihn die Enttäuschung nie mehr verletzen konnte, doch so sehr er es auch versucht hatte, es war einfach unmöglich.
Er stand auf wandte sich zur untergehenden, roten Sonne, die sich langsam der Horizontlinie näherte.
Es war tatsächlich so, dass er zufriedener gelebt hatte, seit er nach Möglichkeit nicht mehr gehofft hatte. Es war schwer, aber einige einfache selbsterdachte Richtlinien hatten ihn, wie er im Nachhinein festgestellt hatte, vor viel Schmerz bewahrt. Schmerz.
Er lächelte. Das schlimme am Angriff der Enttäuschung war nicht die Attacke selbst, sondern der Schmerz, den die Hoffnung verursachte. Ein Schmerz bei dem kein Pflaster hilft und der sich nur mit der Zeit wieder legt.
Die Zeit heilt viele Wunden, doch sie hinterlässt schreckliche Narben.
Wüssten seine Mitmenschen, wie es in ihm, dem immer lächelnden, immer zu Scherzen aufgelegten Optimisten wirklich aussieht… ja, was hätten sie getan? Sich abgewendet, da sie allein schon genug mit sich herumzutragen glauben? Aggressiv und wütend reagiert? Versucht ihm zu helfen? Ihm Mut zu machen und damit seinen ärgsten Feind zu bewaffnen versucht? Die Barriere um sein Inneres war mittlerweile stark genug um auch für die hartnäckigsten Eindringlinge ein unüberwindbares Hindernis darzustellen. Früher hatten es einmal zwei Menschen, die ihm wichtig waren, geschafft. Er hatte geredet, erzählt, geschildert, und verzweifelt berichtet. Beide Male. Er hatte die Personen hineingelassen, in sein geheimes Reich, in dem er Gedanken und Gefühle hegte und einsperrte. Beide Male kamen sie nicht damit klar und hinterließen ein Trümmerfeld. Bevor er diese Verwüstungen beseitigte, verstärkte er seine seelischen Befestigungen, solang, bis er sich sicher sein konnte, dass sie niemals, niemals, niemals mehr überwunden werden konnten. Ein antrainiertes Lächeln, das jedem, aber auch wirklich jedem vorgaukelte, er wäre glücklich und zufrieden.
Glücklich sein, ja, er konnte es sich vorstellen, aber er tat es nicht. Eine seiner Regeln verbot es ihm.
Stelle dir nie vor, wie etwas sein wird. In dem Moment, in dem du es dir vorstellst, wird es nicht passieren.
Ihren Nutzen hatte diese kleine, aber wichtige Regel schon des Öfteren bewiesen. Ihre Richtigkeit ebenso.
Irgendwo unter ihm lief das Lied „Paradise“ von Vanessa Carlton, er setzte sich nieder, ließ die Beine herunterbaumeln und hörte aufmerksam zu. Erneut huschte ein Lächeln über seine Lippen, während eine Träne seine Wange herunter lief.
Sein Handy klingelte leise in seiner Tasche. Er atmete tief ein, setzte ein Lächeln auf, hob ruhig ab und wies freundlich die Einladung eines Freundes zum Kinoabend ab. Er legte auf und las noch einmal die letzten zehn Nachrichten, die er erhalten hatte durch. Danach schaltete er sein Mobiltelefon aus und legte es neben sich.
Langsam und leise begann er zu singen. Singen war immer seine Zuflucht gewesen, etwas worin er sich verlieren konnte, etwas was die eigenen Gefühle ausdrücken konnte ohne das Umfeld damit zu belasten.
Sein Schluchzen unterbrach ihn jäh dabei und er ließ sich auf den Rücken gleiten. Bilder und Satzfetzen schossen ihm in den Sinn, Bilder die er vergessen wollte, Worte, die er nie mehr hören wollte und die sich erneut wie gezackte Messer in sein zerfetztes Herz bohrten. Mit aller Kraft versuchte er sich abzulenken, doch es gelang ihm nicht. Die Erinnerungen prasselten unbarmherzig auf ihn ein und lang vergessene Narben begannen zu schmerzen. Er atmete stoßweise.
Nach einem kurzen Moment, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam, fand er die Kontrolle über sich wieder und richtete seinen Oberkörper langsam wieder auf. Er weinte nicht mehr, er lachte. Er lachte schallend heraus, über sich, über andere, über alles, was ihn bedrückte. Als er aufhörte zu lachen fiel ihm erneut die Sonne auf, die nun schon fast komplett hinter dem Horizont verschwunden war. Nur noch ein Leuchten war am Horizont zu sehen, an einen Ertrinkenden erinnernd, der ein letztes mal die Hand aus dem Wasser streckt, bevor er endgültig und für immer auf dem Grund des Gewässers versinkt.
Er wandte den Kopf nach rechts, blickte in die Richtung, aus der ihm die seichte Brise entgegenwehte und stieß sich mit einer schnellen Bewegung der Arme ab.
Enttäuschend, es hatte nicht einmal Überwindung gekostet.
Keine Wolke an Himmel und Horizont.
Morgen würde es ein sonniger Tag werden.
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Hallo Ricepan
(Netter Nick ;-)) , - da kriegt man sofort Hunger ...
(ich sitze zwar hier und verbanne jeden Gedanken an Paella, aber es kostet mich Mühe ;-))

Okay.
Alle Jubeljahre stöbere ich mal hier herum und gestern bin ich bei deiner Geschichte hängengeblieben.
Dann ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf.
D.h. zum einen der Titel ist schon mal gut :-) und es heißt, dass der Text ein gewisses Etwas hat. Zumindest für mich. ;-)

Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das eine Geschichte ist an der gefeilt werden soll, oder ob du dir einfach etwas von der Seele geschrieben hast. Ich hoffe, es ist eine Kombination aus beidem.

Dann leg' ich mal los ...

Der Wind umwehte ihn sanft und er zog fröstelnd seine Jacke enger um seine Schultern.

- Ich würde dazu sagen, ob es kühl wird, oder ob er friert, obwohl ein eher laues Lüftchen weht. Oder Du formulierst um und lässt den ersten Halbsatz ganz weg.

Vorschlag:
'Fröstelnd zog er seine Jacke enger um die Schultern. Eine Träne verfing sich in der kleinen Böe und seine krampfenden Bauchmuskeln zwangen ( nicht zogen) ihn in die Hocke. Er lächelte.'
(ME ist das einen Hauch weniger gewollt poetisch und wirkt stärker.)

Die Barriere, nein, der Spiegel, wie er es nennen würde, hielt. Selbst in diesem Augenblick.

- Was gut funktioniert ist, dass ich ihn hier in der Tat am Wasser stehen und sein Spiegelbild anschauen sehe, obwohl du das ja gar nicht benennst. Trotzdem würd' ich's (noch) einfügen bzw. ganz klar machen, wo er ist.
(Steht er am Wasser? Sehe ich das richtige Bild?) -
Mal abgesehen davon versteh' ich sonst das Ende nicht wirklich, außerdem irritiert mich der Vergleich von der untergehenden = ertrinkenden Sonne, irgendwie habe ich das Gefühl hier auf einer falschen Fährte zu sein. Darüber hinaus: Schaut er ins Wasser funktioniert das Bild Spiegel = Barriere gut, steht er nicht am Wasser würde ich es bei dem Bild Lächeln = Barriere belassen.

Wie lang war es her ...

- lang(e) - allerdings denke ich, dass das hier Absicht ist und rein lautmalerisch haut es so auch besser hin.

Allein die Zeit die er brauchte um diese Frage annähernd beantworten zu können trieb ihm ein weiteres Lächeln aufs Gesicht, ein Lächeln, welches er schon so oft aufgesetzt hatte, ein Lächeln, welches die pure Ironie seiner Seele wiederzuspiegeln schien.

- Allein die Zeit, die er brauchte um die Frage annähernd beantworten zu können, trieb(?) im ein weiteres Lächeln aufs Gesicht ...ein Lächeln, welches die pure Ironie seiner Seele wiederzuspiegeln schien.

- Und ... Ich hab Probleme mir dem Vergleich.
Es ist ein aufgesetztes Lächeln, so viel ist klar.
Aber ein ironisches Lächeln hat mE nichts Aufgesetztes. Das kommt, wie das Gefühl, das dazugehört - und mag es noch so unangenehm sein - von Herzen und ist echt.
Ob das jeder erkennt, steht auf einem anderen Blatt. Hier müsstest Du also genauer werden.

Lächle, wenn es zum weinen nicht reicht.

- Gut gemacht. Im besten Sinne plakativ. ;-) - Ob du die Fragen im nächsten Absatz wirklich noch brauchst weiß ich nicht recht. Aber wenn, dann geh' erstens geh' nicht vom 'wir' zum 'du' sondern bleib' beim ich. Es geht um ihn. Ein Leser, den du mit dem Text ansprichst bleibt mE auch so dabei, da braucht es keinen weiteren 'Schachzug' um ihn weiter an das Geschehen zu binden. Andererseits hat es ja wunderbar funktioniert.
Probier' mal doch einfach mal beides aus.

Er hatte es sich abgewöhnt sich zu freuen,...

- ME ist 'es nicht falsch, aber ich würde das 'es' streichen.

Vielleicht weil er Angst vor Enttäuschung hatte.

- 'Vielleicht weil er Angst hatte.' - ME ist die Wiederholung hier nicht unbedingt ein Verstärker.

Angst vor der Enttäuschung, die ihn seit jeher verfolgte wie ein Wilderer ein angeschossenes, panisches Reh.

- 'Angst vor der Enttäuschung, die ihn seitdem(?) verfolgte wie der Wilderer das panische Reh.
(Ich würde nur eins der beiden Adjektive benutzen und seit jeher klingt so nach von Geburt an. Aber hier ist es ja so, dass der P. an ein bestimmtes Ereigniss und seine noch nicht so ganz verarbeiteten Folgen denkt.)

Die Enttäuschung ist ein hinterhältiger Krieger und sein Streithammer heißt Hoffnung.

- ihr Streithammer ;-) ( die Enttäuschung ist zwar ein Krieger, aber es ist ihre Waffe!)

damit ihn die Enttäuschung nie mehr verletzen konnte,

- 'nicht' mehr

Er stand auf und sah zur untergehenden, roten Sonne, die sich, wie ein abstürzendes Flugzeug, im Feuerball der Horizontlinie näherte.

- Das Bild wackelt ein bisschen; Abstürzen geht ME in diesem Fall zu schnell.
Vielleicht befindet sich das Flugzeug (wenn es denn unbedingt eines sein soll) im Sink- oder Landeanflug? Ich persönlich fänd's ja ohne den Satzteil - 'Er stand auf und betrachtete die untergehende rote Sonne, die sich langsam/gemächlich (oder so was) der Horizontlinie näherte.' - auch recht schön!

seit dem er nach Möglichkeit nicht mehr gehofft hatte.

- ohne 'dem'

Es war schwer, aber eine einfache selbsterdachte Richtlinie hatte ihn, wie er im Nachhinein festgestellt hatte, vor viel Schmerz bewahrt.

- er hat ja mehrere Richtlinien bzw. Erkenntnisse aus denen er Richtlinien abgeleitet hat, also würde ich den Plural wählen.

Das schlimme am Angriff der Enttäuschung war nicht die Attacke selbst, sondern der Schmerz, den die Hoffnung verursacht.

- Der Dreh/ der Rückbezug ist prima, aber : 'Das Schlimme' und 'verursachte(?)' Und Hoffnung auf was?
Hier könntest du schön noch etwas einfügen. Einmal zu Gunsten Sprachmelodie, zum anderen zu Gunsten der Aussage.
Es ist nicht der Schmerz, den die Hoffnung verursacht ... - wage ich jetzt mal zu behaupten ...

Die Zeit heilt alle Wunden, doch sie hinterlässt schreckliche Narben.

- 'fast' oder 'viele' Wunden. Manche Verletzungen heilen nie, aber sie erhalten einen Platz im Leben.
(Ich denke da z.B, an Eltern, die ihre Kinder überleben ...)

Die Barriere um sein inneres war mittlerweile Dick genug

- Vertippt: 'Inneres' und 'dick' (besser stark?)

Beide male.

- 'Male' (?) , das gleiche später noch einmal ...

...,in sein Geheimes reich,

- in sein 'geheimes Reich'

Ein antrainiertes Lächeln, das jedem, und wirklich jedem vorgaukelte er wäre glücklich und zufrieden.

- .., das jedem, aber auch wirklich jedem vorgaukelte, er wäre glücklich und zufrieden

Glücklich sein, ja, er konnte es sich vorstellen, aber er tat es nicht. Seine Regel verbot es ihm.

- Er sollte es sich vorstellen. Unbedingt ... - Und zurück zum Text. 'Eine neue/ weitere Regel verbot es ihm.'

Stelle dir nie vor, wie etwas sein wird. In dem Moment, in dem du es dir vorstellst, wird es nicht passieren.

- Das ist wahr und auch wieder nicht ...
Wenn man bloß träumt, kann nicht's passieren, so viel steht fest, aber auch Dinge die eintreffen entwickeln eine eigene Dynamik. 'Richtiger' wäre mE wenn er feststellt, 'So wie du (/evtl, wieder zurück zum 'ich') es dir vorstellst, wird es nicht passieren ...
(Er wird sie nicht an der roten Ampel treffen, aber vielleicht fährt er im Auto an ihr vorbei und merkt es nicht einmal ;-) - so etwas meine ich ..)

Irgendwo unter ihm lief das Lied "Paradise" von Vanessa Carlton, er setzte sich nieder, ließ die Beine herunterbaumeln und hörte aufmerksam zu.

- Wo genau ist er denn nun? (im Bezug auf das Ende ist es nicht ganz unwichtig)

Er atmete tief durch, setzte ein Lächeln auf, hob ruhig ab und wies freundlich die Einladung eines Freundes zum Kinoabend ab. Er legte auf und las noch einmal die letzten zehn Nachrichten, die er erhalten hatte durch.

- zweimal 'durch' ... ME kannst du den Satz 'Er legte auf ...' aber ersatzlos streichen.

Langsam begann er zu singen.

- Langsam oder leise? (Hier würden beide Adjektive auch hintereinander passen!)

Sein schluchzen

- 'Schluchzen'

Bilder die er vergessen wollte, Worte, die er nie mehr hören wollte und die sich erneut wie gezackte Messer in sein zerfetztes Herz bohrten.

- ein Vorschlag? '.., Bilder, die er nicht mehr sehen wollte, Worte, die er nicht mehr hören wollte, und die sich ... '

wie eine MG-Salve

- wie die Salve aus einer MG ? (das hat hier was mit dem Lesefluss, der Sprachmelodie zu tun ...)

Nur noch die Oberkante war zu sehen, wie ein Ertrinkender, der ein letztes mal die Hand aus dem Wasser streckt, bevor er endgültig und für immer auf dem Grund des Gewässers versinkt.

- Hier würde ich noch einmal feilen ... Evtl so? ' Nur ihre Oberkante war zu sehen, wie eine Hand, die ein Ertrinkender ein letztes Mal aus dem Wasser streckt ... (ist so auch nicht perfekt, aber ich verrate dir was. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit an einem ganz ähnlichen Bild herum geschraubt ... So etwas soll ja manchmal vorkommen ;-))

Er wandte den Kopf nach rechts, blickte in die Richtung, aus der ihm die seichte Brise entgegenwehte und stieß sich mit einer schnellen Bewegung der Arme ab.

- Hmmm ... was tut er? Er steht auf? (Wär' mir als Variante lieber!) - Kurz nachgedacht und jetzt zurück ins richtige Leben, wie auch immer er das jetzt gestaltet bleibt eben offen - (ich würde auch das Schnelle sich vom 'Grübeln' zurück in 'Jetzt' holen nachvollziehen können, - oder springt er ins Wasser? Letzteres gefiele mir nicht nur nicht (u.a. nicht, weils mir, auch wenn mans in Bezug zu dem gesamten Text setzt, zu melodramatisch wäre, und dann müsstest du auch noch mal klären, wo er wirklich ist ...

Keine Wolke an Himmel und Horizont.

- Wird' hier nochmal genauer ... Die Sonne ist bereits untergegangen? Dann hat der Himmel ja zumindest einen Wechsel in Sachen Farbenspiel vorzuweisen, bzw. bedeutet dunkel und wolkenlos, dass man Sterne und evtl. den Mond sehen kann ...


Ich mag die Geschichte sehr.

Zum einen hält sie auch mir einen Spiegel vor (auch wenn du das nicht beabsichtigt haben kannst), zum anderen halte ich sie für authentisch.
Und wenn sich dein Protagonist ein bisschen was von ihm / also von dem Autoren ;-) abgucken könnte, wär' das schön.
Dann bräuchte er sein 'The Show Must Go On - Spiel' nämlich nicht mehr länger aufrecht zu erhalten.
Dann wäre das alles bloß 'Geschichte'.


Ich hoffe du kannst mit dem Kommentar etwas anfangen.

AnnChristin

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi,

Danke für die Kritik, ich werde mal versuche eventuelle Fragen zu beantworten.

Es ist bestimmt tatsächlich so, dass ein Teil meines Denkens in die Geschichte eingeflossen ist, dennoch glaube ich nicht, dass ich mir etwas von der Seele geschrieben habe. Ich hatte einfach mal Lust eine nachdenkliche Story zu schreiben, und was käme da besser in Frage, als mal seine tiefsten Depriphasen einfließen zu lassen ;-)

Danke, dass dir mein nick gefällt ^^

Alle Jubeljahre stöbere ich mal hier herum und gestern bin ich bei deiner Geschichte hängengeblieben.
Dann ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf

Das ist doch fein, sowas hatte ich beabsichtigt ^^

- Ich würde dazu sagen, ob es kühl wird, oder ob er friert, obwohl ein eher laues Lüftchen weht. Oder Du formulierst um und lässt den ersten Halbsatz ganz weg.

Gute Idee, werds ändern.

- Was gut funktioniert ist, dass ich ihn hier in der Tat am Wasser stehen und sein Spiegelbild anschauen sehe, obwohl du das ja gar nicht benennst. Trotzdem würd' ich's (noch) einfügen bzw. ganz klar machen, wo er ist.

Hmm da habe ich nun wirklich ein Problem, er steht nicht am Wasser... muss das wohl umschreiben.
Mein eigendliches Ziel war es seinen Aufenthaltsort im unklaren zu lassen (zum denken anregen usw...)

Mal abgesehen davon versteh' ich sonst das Ende nicht wirklich, außerdem irritiert mich der Vergleich von der untergehenden = ertrinkenden Sonne, irgendwie habe ich das Gefühl hier auf einer falschen Fährte zu sein. Darüber hinaus: Schaut er ins Wasser funktioniert das Bild Spiegel = Barriere gut, steht er nicht am Wasser würde ich es bei dem Bild Lächeln = Barriere belassen.

Die untergehende Sonne hat ihre eigene Bildlichkeit, die bleibt ( zum Glück ) auch noch, wenn ich das mit dem spielgel umschreibe. Kennt man seinen Aufenthaltsort versteht man sie besser, aber verraten will ich ihn nicht ^^

- Allein die Zeit, die er brauchte um die Frage annähernd beantworten zu können, trieb(?) im ein weiteres Lächeln aufs Gesicht ...ein Lächeln, welches die pure Ironie seiner Seele wiederzuspiegeln schien.
- Und ... Ich hab Probleme mir dem Vergleich.
Es ist ein aufgesetztes Lächeln, so viel ist klar.
Aber ein ironisches Lächeln hat mE nichts Aufgesetztes. Das kommt, wie das Gefühl, das dazugehört - und mag es noch so unangenehm sein - von Herzen und ist echt.
Ob das jeder erkennt, steht auf einem anderen Blatt. Hier müsstest Du also genauer werden.

Schwierig zu beschreiben was ich meine, werds wohl ändern müssen. Sein Lächeln ist nicht von Herzen, aber ich denke das wird auch beschrieben.

- Gut gemacht. Im besten Sinne plakativ. ;-) - Ob du die Fragen im nächsten Absatz wirklich noch brauchst weiß ich nicht recht. Aber wenn, dann geh' erstens geh' nicht vom 'wir' zum 'du' sondern bleib' beim ich. Es geht um ihn. Ein Leser, den du mit dem Text ansprichst bleibt mE auch so dabei, da braucht es keinen weiteren 'Schachzug' um ihn weiter an das Geschehen zu binden. Andererseits hat es ja wunderbar funktioniert.
Probier' mal doch einfach mal beides aus.

Erstmal danke für das Lob ^^. Die Fragen sind eine direkte Wiedergabe seiner Gedanken. Er wandert vom Allgemeinen zu sich selbst.

- ME ist 'es nicht falsch, aber ich würde das 'es' streichen.

Ich möchte es lieber so lassen.

- 'Vielleicht weil er Angst hatte.' - ME ist die Wiederholung hier nicht unbedingt ein Verstärker.

- 'Angst vor der Enttäuschung, die ihn seitdem(?) verfolgte wie der Wilderer das panische Reh.
(Ich würde nur eins der beiden Adjektive benutzen und seit jeher klingt so nach von Geburt an. Aber hier ist es ja so, dass der P. an ein bestimmtes Ereigniss und seine noch nicht so ganz verarbeiteten Folgen denkt.

Die Wiederholung, ob Verstärker oder nicht, möchte ich doch so behalten, genauso wie das "seit jeher", denn es trifft den Sinn auf den ich abziele besser als "seitdem".

- 'nicht' mehr

'nie' mehr ^^

- Das Bild wackelt ein bisschen; Abstürzen geht ME in diesem Fall zu schnell.
Vielleicht befindet sich das Flugzeug (wenn es denn unbedingt eines sein soll) im Sink- oder Landeanflug? Ich persönlich fänd's ja ohne den Satzteil - 'Er stand auf und betrachtete die untergehende rote Sonne, die sich langsam/gemächlich (oder so was) der Horizontlinie näherte.' - auch recht schön!

Wenn ich so drüber nachdenke... ja, stimmt.

- er hat ja mehrere Richtlinien bzw. Erkenntnisse aus denen er Richtlinien abgeleitet hat, also würde ich den Plural wählen.

Ich zielte auf die später genannte Richtlinie ab. Nunja, werds wohl ändern müssen.

- Der Dreh/ der Rückbezug ist prima, aber : 'Das Schlimme' und 'verursachte(?)' Und Hoffnung auf was?
Hier könntest du schön noch etwas einfügen. Einmal zu Gunsten Sprachmelodie, zum anderen zu Gunsten der Aussage.
Es ist nicht der Schmerz, den die Hoffnung verursacht ... - wage ich jetzt mal zu behaupten ...

Ansichtssache ;-)
Ich meinte es dennoch so. Über den vermeindlichen Tempusfehler muss ich noch nachdenken.

Die vielen Tipp- und Kommafehler werde ich beseitigen, ich dachte ehrlich, ich hätte mittlerwile alle gefunden...grml

Danke für den langen Kommentar, er hat mir wirklich viel geholfen. Deinen letzten Abatz habe ich leider nicht wirklich verstanden ( ich bin mir nicht sicher und möchte ihn nicht flasch verstehen ). Werde die Story sofort überarbeiten.
Und letztendlich ist nur eine Geschichte ^^
Und ihr Ende ist und bleibt offen ^^


Ricepan

 

Hi zurück,

Da muss ich das Pferdchen wohl von hinten aufzäumen.;-)

Die Schlussbemerkung hätte ich mir eigentlich sparen sollen ..., aber so ganz frei von 'Übertragungen' ist man ja nie, wenn man sich auch noch so sehr um Objektivität bemüht.

Nun gut. Ich versuch's mal etwas weniger kryptisch zu erklären.

Mich irritieren und befremden Menschen, die so agieren wie dein Protagonist.
Das hat zwei Seiten.
Einerseits wäre ich oft gerne genauso, bzw. würde ich mir wünschen diese Fähigkeit zum 'Rollenspiel' ( und ohne die kommt man im Leben ja auch nicht aus) zu besitzen.
Andererseits tendiere ich häufig dazu solche Leute solange durchschütteln, oder sie kräftig vor das Schienenbein treten, nur um zu sehen, wann sie 'aufschreien' und damit echt, also auch für andere 'fassbar' sind.
Das ist nicht die feine englische Art ... ;-) - und führt häufig genug zum Hinterlassen von 'Trümmerfeldern', ohne dass man es realisiert.

Hier - und nun will ich mal zurück zum Text, schaffst du ja eine Innenansicht. Die Mauern des P. haben Gründe, auch wenn du offen lässt um was es geht. Ist auch nicht so wichtig.
Nun kann man 'streiten', ob es sein Ding ist, sie einzureißen, oder ob andere dabei mithelfen müssten, könnten, sollten ... blablabla ..., ich jedenfalls hab' mal die Gelegenheit für ein paar Minuten in einen Spiegel zu schauen, der mir normalerweise verschlossen bleibt und das hat mir an der Geschichte so gut gefallen.

So weit zu meinen Gedanken.

Nun hast du als Autor ja auch offengelassen, was mit deiner Figur geschieht.
Lächelt sie sich weiter durchs Leben, oder ... ?
Und das gefällt mir nicht. Denn nun schwimme ich als Leser, und zwar gerade in dem Augenblick, in dem ich dachte, ich hätte mal was begriffen.
Dass das beabsichtigt war, ist mir klar. 'Fies' ist es dennoch. Aber so ist das Leben. ;-)

Naja. Und irgendwie dachte ich zum Schluss, wenn der Protagonist so clever wäre, wie sein 'Erfinder', - der setzt sich ja, egal wie tiefschürfend es nun wirklich sein sollte, auch auseinander und bringt seine Gedanken in die Reihe 8 etwas anderes ist geschichten schreiben nicht), dann würde sich auch für ihn einiges ändern ...
Das ist zwar Blödsinn (eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine ...) , aber beim Nachsinnen über Geschichten ist ja ein bisschen 'spinnen' auch erlaubt.

Und mal ehrlich. Storys die so geplottet sind und mit einem offensichtlichen 'Selbstmord' enden, gibt’s zu Hauf. Schreibt man da jemandem, der unter Umständen sein Herzblut da rein gesteckt hat, mal platt und unsensibel formuliert 'Bäh, was für ein ausgenudelter Plot ...' ( ich persönlich mag so was ebenso wenig, wie die 'Alles nur geträumt - Varianten', kann man in ganz heftige Fettnäpfchen treten und wirklich Gefühle verletzen.)
Deswegen auch die Frage, 'Willst du Überarbeiten?, oder wolltest du dir 'nur' etwas von der Seele schreiben ...

Und was deine 'Dies und jenes möchte ich lieber so lassen' - Antworten angeht. *ggg*
Klar! Das letzte Wort hat immer der Autor. Mach' ich nicht anders.
Trotzdem hab' ich mich über die Antwort gefreut. Es ist ja auch für den Kommentator ganz schön zu wissen, dass man sich nicht völlig umsonst den Kopf zerbrochen hat.

Habe färtich filosofiert. ;-)

Tschüss
AC

 

Ohje, ich freu mir hier nen Rettich, dass meine Geschichte tatsächlich jemanden zum nachdenken gebracht hat ^^

Ob der P. nun tatsächlich die Grätsche macht oder nicht ist offen, da ich auch nicht so der fan von melodramatischen Selbstmordplots bin. Wie es ausgeht kann jeder selbst entscheiden und auch auf den Aufenthaltsort möchte ich mich wirklich nicht festlegen. Beim schreiben selbst habe ich immer drauf geachtet, dass es nicht allzu offensichtlich wird was und ob er es überhaupt tut.

Aber mal etwas anderes. Ständig lese ich in kommentaren, dass alles schon ausgenuckelt und mehrmals durchgekaut wurde. Alles gibt es schon zu Hauf...
Ich denke jedoch, man muß das Rad nicht jedesmal neu erfinden, wenn man ein neues Auto bauen will.
Jede Thematik gab es schon und hätten sich manche Autoren davon abschrecken lassen, dass andere ähnliche oder gleiche themen verarbeitet haben, so würde es viele Glanzlichter der Weltliteratur nicht geben.

Nuja, aber echt vielen dank für die Verbesserungen und die Kritik, ohne konstruktive Kritik kommt man manchmal eben echt nicht weiter.

Ricepan

 

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