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Geschafft

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19.04.2002
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Geschafft

Geräuschvoll glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer - bis auf einen einzelnen Mann. Er zündete sich eine Zigarette an und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden. Er drehte sich um und ging langsam durch die Bahnhofshalle, die um diese Zeit kalt und leer wirkte. Seine Schritte hallten einsam in der nächtlichen Stille wieder.

Seine Gedanken kehrten zu ihr zurück. Sie hatte ihn bei ihrer Abreise nicht bemerkt, dessen war er sich sicher. Wie ein Verbrecher hatte er aus sicherer Entfernung beobachtet wie sie einstieg. Nachdem sie zehn Jahre verheiratet waren, offenbarte sie ihm, sie würde ihn verlassen. Er war völlig unvorbereitet, so dass ihn dieser Schlag hart traf. Es folgte die alte Geschichte: Erst trank er zuviel, dann verlor er seinen Job. Das typische Klischee. Heute hatte sie die Stadt verlassen und ihm die letzte Hoffnung genommen. Sein Leben war wertlos.

An einem Kiosk sah er weg, als sie ihn von einer Modezeitschrift aus anstrahlte und er versuchte sich auf die noch druckfrischen Tageszeitungen zu konzentrieren. Die erste Seite wurde wie seit Tagen von der Entführung der neunjährigen Tochter eines Industriellen dominiert. Aber auch ihr süßer Lockenkopf, der groß abgebildet war, erinnerte ihn nur an seine Frau. Früher war er erfolgreich, selbstbewusst, sein Körper vom Kampfsport trainiert. Ohne sie war von dem einst begehrten Mann nur wenig geblieben.

Er verließ den Bahnhof, die Kälte erfasste seinen Körper. Er zog den grauen, elegant geschnittenen Mantel zu, der jetzt abgenutzt und vernachlässigt war. Wie alles an ihm. Sein dunkles Gesicht war scharf geschnitten, früher sah er gut aus. Doch jetzt trug er einen ungepflegten Bart und seine Haare glänzten fettig.

Er stieg in ein Taxi, das ihn zu einer Bar außerhalb der Stadt fuhr. Dort trat er aus der Kühle der Nacht in den vertrauten, verrauchten Raum. Es stank nach Alkohol, Zigaretten und Shit. Gesichter an den Tischen und der Theke konnte man im abgedunkelten Raum nur erahnen, doch er wusste, es waren jeden Abend die selben heruntergekommenen Gestalten. Heruntergekommen wie er. Seit sie ihn verließ, wartete er nur noch auf eine Gelegenheit das alles hier zu beenden. Keinen nächsten Tag mehr bitte.

Er bestellte etwas zu trinken, ging dann durch einen langen Gang zu einer Toilette, die ihm mal eine Tänzerin gezeigt hatte - fast versteckt im hintersten Eck der Bar. Die neben dem Barraum ekelte ihn nur an. Dort war mehr „Stoff“ zu haben als Klopapier. Zumindest ein letztes bisschen Würde hatte er sich bewahrt – Wofür eigentlich, dachte er.

Er öffnete die Tür und sah sofort das Kind. Es kauerte in einer Ecke, hatte die Beine eng angezogen und sah verängstigt auf. Sie zitterte. Trotz des Igelschnitts wusste er es sofort: Es war das Gesicht, das er erst vor wenigen Minuten auf einer Zeitung gesehen hatte.

Ein leiser Aufschrei des Mädchens. Er wurde von kräftigen Händen an den Schultern gepackt und gegen eine Wand geschleudert. Als er sich aufrappelte, sah er einen bulligen Mann vor sich. Und er sah das Messer. Der Mann stürzte auf ihn zu. Eine kurze Bewegung rettete ihn. Er wich aus, wehrte das Messer mit der einen Hand ab, schlug gleichzeitig mit der anderen wuchtig zu. Er war langsam geworden, etwas zu langsam und spürte einen schmerzhaften Stich in der linken Seite. Doch es genügte. Der Kerl prallte gegen die Wand, brach unter dem Schlag zusammen. Seine Hand war taub.

Ohne zu zögern, zog er das Mädchen hoch, rannte mit ihr durch den Gang in die Bar. Hier konnte er keine Hilfe erwarten. Sie stürzten durch die Tür ins Freie. Kein Mensch zu sehen. Verdammt. Er rannte mit ihr weiter. Noch bevor sie die erste Ecke erreicht hatten, hörte er schnelle Schritte hinter sich. Auch ein Motor sprang an. Einige hundert Meter entfernt sah er gegenüber eine Polizeistation, doch der Verfolger würde schneller sein als das Kind. Sein Rücken schmerzte, die Seite brannte, seine Hand war taub. Als er den ersten Verfolger direkt hinter sich spürte, fuhr er herum und schlug zu.

Das Mädchen blieb stehen. „Lauf!“ Sie blickte ihn an. „Lauf“. Das Mädchen drehte sich um und lief. Der Mann stürzte wieder auf ihn zu. Mühsam konnte er sich befreien und ihn noch einmal niederschlagen. Im selben Moment hörte er die quietschenden Reifen. Eine Limousine raste in die Richtung des Mädchens. Die Kleine war fast da. Noch ein paar Meter, dann über die Straße. Er rannte hinterher. Zwei Polizisten kamen aus der Station, der große Wagen war noch zweihundert Meter zurück.

Sie lief mit ihren kurzen Beinen, sah nur noch die Polizisten, nicht die Limousine, die immer näher kam. Noch einige Schritte trennten ihn von ihr. Sie war jetzt er auf der Mitte der Straße. „Mein Gott.“ Er sprang.

Alles geht plötzlich ganz langsam. Er stößt sie von der Straße. Ja, geschafft, sie ist drüben, außer Gefahr. Ein dumpfer Stoß. Ein kurzer Schmerz. Un-erträglich. Dann nur noch die Dunkelheit. Ein letzter Gedanke: Auch das ist geschafft.

 

Hi Streicher,
und erstmal herzlich willkommen auf kg.de!

Anfangs hat mir Deine Geschichte ziemlich gut gefallen, detaillierte Beschreibungen, ein realistischer Protagonist, usw.

Aber der Schluss kam mir persönlich viel zu plötzlich. Einerseits ist "Mit letzter Kraft wird Hilflose zur Seite gestoßen worauf Retter selbst überfahren wird" mehr als abgelutscht und andererseits hast Du doch unter Spannung gepostet. Ich meine, nicht nur die Rubrik, sondern auch die Story selbst gibt Dir doch gute Möglichkeiten, das Alles noch etwas auszubauen.

So verpufft die gute Handlung leider einfach. Und das finde ich bei Deiner Geschichte schade, da hättest Du mehr rausholen können. Vielleicht setzt Du Dich ja nochmal dran und schaust was Du ändern und ausbauen kannst.

Ugh

 

Hallo Streicher,
Deine Geschichte hat mir im Grunde recht gut gefallen und ich habe sie gerne gelesen.
Einige Sachen sind mir aber doch aufgefallen:
..............Seine Schritte halten einsam in der nächtlichen Stille wieder.
Ich glaube hallen schreibt man mit zwei L.

Fünf von zwölf Absätze fängst Du mit „er“ an. Dazwischen auch viele Sätze.

..............Er war völlig unvorbereitet, so dass ihn dieser Schlag hart traf.
Dieser Schlag traf ihn völlig unvorbereitet.
Ist nur so ein Vorschlag. Alle ers lassen sich nicht vermeiden aber manchmal kann man sie umschreiben.
Mit der Spannung habe ich auch ein Problem:
Über eine lange Strecke kämpft er mit seinen Gefühlen und ist total frustriert. Das ist aber noch nicht spannend. Wenn er akut vor dem Selbstmord stehen würde, würde man etwas mit Spannung erwarten. Springt er von einer Brücke oder hat er schon eine Waffe in der Tasche mit der er sich erschießen will. Tut ers oder tut ers nicht?
Dann die Sache mit dem Kind. Er sieht das Foto in der Zeitung und in der Kneipe findet er sie auch gleich. Ich würde es gut finden, wenn ihm dort zunächst merkwürdige Gestalten auffallen würden. Brutal wirkende Typen. Eben eine Situation, die eine kommende Eskalation erwarten läßt.
Das mit der anderen Toilette wirkt ein bißchen konstruiert.
Die Befreiungsaktion fand ich allerdings sehr packend geschildert. Ich hätte mir gewünscht, daß er überlebt. Aber jeder Schluß ist halt so wie er ist.
Gruß Manfred.

 

Hallo ihr beiden..erstmal vielen dank für die anregungen...ist ja spannend(!), wenn man mal feedback bekommt..

zum thema spannung: völlig richtig..die geschichte gehört nicht so richtig in diesen bereich..in der story es geht mir eigentlich nur um die innere situation des protagonisten..um sein gefühl "hoffentlich ist es bald vorbei"...irgendwie schien mir keine rubrik zu passen..und da der zweite teil eher spannend ist..ist es hier gelandet..

deshalb hast du auch völlig recht bibliothekar.. wie er stirbt ist nicht gerade originell..mußte echt lachen, als ich das gelesen habe..das war für mich rigendwie zweitrangig gewsen...sollte es aber natürlich nicht..

grüße, streicher..

 

Hey Streicher!
Dass die Geschichte in der falschen Rubrik steht, wollte ich eigentlich nicht sagen. Denn auch im Bereich "Spannung" spielt sich ja viel im Kopf ab. Und dieser Part ist Dir ja auch wirklich gelungen.
Nur hätte ich mir eben gewünscht, dass Du das Ende noch etwas ausbaust.

Mit dem Feedback:
Hier wirst Du viel davon bekommen. Manchmal muss man etwas darauf warten, aber je häufiger Du selbst kritisierst, desto mehr Resonanz wirst auch Du bekommen.
Also, viel Spaß auf kg.de!

Ugh

 

man kann ja beides kombinieren.
Die innere Zerrissenheit und Spannung.
Aber ich denke Du solltest an beidem noch arbeiten.
Damit mein Herz vor Verzweiflung blutet und ich vor Aufregung kollabiere.

 

So,

nach unserer Diskussion habe ich mir eine Geschichte von Dir vorgeknöpft, bin zufällig wegen des Titels an diese geraten. Der letzte Teil ging mir ziemlich schnelle, wie ratzeputz. Da hätte ich gern mehr gehabt, ein paar Gedanken, nähere Beschreibung, aber sonst fand ich sie gelungen, der Schlußsatz vor allem. Ich weiß nicht, ob Du so einen alten Hadern noch ausbauen möchtest, aber wäre interessant zu lesen. Abgeslutscht fand ich das Ende nicht.

"Haare glänzten unangenehm" fettiges Haar glänzte, fänd ich da besser.

liebe Grüße

Echnaton

 

Hallo Streicher,

mir hat Deine Geschichte eigentlich ganz gut gefallen. Du hast es in meinen Augen von Anfang an geschafft, Spannung aufzubauen, da ich mich fragte, wer ist der Mann, warum ist er so depremiert, was wird er machen oder was wird noch passieren? Ich wollte also auf jeden Fall weiterlesen.

Manchmal allerdings fand ich Deinen Erzählstil dann allerdings doch ein wenig zu knapp.
Ich wäre vielleicht an manchen Stellen ein wenig
mehr ins Detail gegangen. Zum Beispiel die Barszene hätte ich ein wenig länger geschrieben. Die Verfolgung auf der Straße fand ich dann wirklich viel zu kurz. Ich mußte einige Passagen doppelt lesen, um zu wissen, von wem da jetzt eigentlich die Rede ist.

DenSatz:"Seine Hand war taub." kann der Leser nicht einordnen. Im vorangegangenen Satz ist vom Entführer die Rede und da dachte ich zuerst, seine Hand wäre taub. Doch da kein allwissender Erzähler vorhanden ist, konnte das nicht sein. Besser, den Satz früher reinzubringen.

Ach so, die Idee, Deinen Protagonisten sterben zu lassen, fand ich persönlich gar nicht so schlecht, denn hätte er Selbstmord begangen, wäre die Geschichte nicht spannend gewesen wegen Vorhersehbarkeit und wenn er sich selbst wieder motiviert hätte...aber wie gesagt,ich fand den Schluß gut.

Gruß,
Alexa

 

Hallo ihr beiden,

vielen dank für das feedback, das ich jetzt er sehe - wer hätte gedacht, dass diese erste meiner geschichten nochmal das licht der welt erblickt..

vielleicht sollte ich sie wirklich noch einmal ausbauen.. aber wie ich oben geschrieben hatte..war spannung gar nicht mein hauptthema während des schreibens..sondern eher das düstere feeling des protagonisten..und sein ziel..zu sterben..das sich dann auf unerwartete weise erfüllt..

vielleicht mache ich mich wirklich nochmal dran..baue stimmung und spannung etwas aus..(habt ja recht..gerade die bar-szene schreit danach)..

liebe grüße, streicher..

 

Hallo streicher,

Es erscheint mir, dass die beiden Hauptbausteine deiner Geschichte (die innere Verzweiflung und die plötzliche Rettung des Mädchens) zu unvermittelt aufeinanderstoßen.

Der Zufall ist zu groß: erst liest er Zeitung, dann sitzt das Mädchen plötzlich in seiner Nähe. Es wird sogar noch angegriffen. Und dein Protagonist in die Handlung involviert.
Das ist ein bisschen zu viel Zufall aufeinmal.

Deine Geschichte würde sich lohnen, noch weiter ausgebaut zu werden.
Die Verfolgungsszene am Schluss ist recht packend, auch sprachlich adäquat umgesetzt. Für spannende Action-Sequenzen scheinst du ein Talent zu haben.

Das Mädchen. Ist sie eine Ausreißerin? Wie alt? 14,15? Dann ist man eigentlich kein Kind mehr.

Details

Sein war Leben wertlos.
> Sein Leben war wertlos.

Seit sie ihn verließ, wartete er nur noch auf eine Gelegenheit das alles hier zu beenden
> Vorvergangenheit beachten:
Seit sie ihn verlassen hatte, wartete er nur noch auf eine Gelegenheit das alles hier zu beenden.

LG Pe

 

Hi petdays,

vielen dank fürs lesen - das unvermitelte zusammentreffen von frustrierten (eher gemächlichen) gedanken.. auf eine dann schnell expodierende handlung.. ist ja eigentlich absicht - aber na klar.. das ist nicht für jeden etwas..und das thema zufall..da hast du natürlich recht..bei kurzgeschichten..muss man dass schon mal strapazieren..*smile*.. ne gute idee..wie er auf sie kommt?

ne, ne...das mädchen ist keine ausreißerin..sie ist entführt worden und 9 jahre..siehe geschichte..*smile*.. was machst du denn um 1.15 noch auf kg.de??..*g*

danke für die korrekturen..werde mir die geschichte dann doch bei gelegenheit noch einmal zu gemüte führen..

lg, sreicher

 

sorry,

war wohl doch gestern etwas spät ;)
nehme einen Teil mit meiner Kritik zurück, den Lockenkopf vorher hatte ich "überlesen"...

lg pe

 

Hallo Streicher!

Da ist ja mal wieder eine Geschichte von dir, auch wenn sie schon etwas älter ist. :)

Ich fand sie ziemlich spannend zu lesen. Zwar wirkt die Handlung etwas konstruiert - er sieht das Mädchen auf Magazinen und findet sie dann tatsächlich -, aber das ist ja oft so bei Geschichten, und eigentlich ist es ja auch ok.

Sehr gut beschrieben hast du seine Verzweiflung, seine Resignation. An manchen Stellen würde man ihm am liebsten zurufen, dass das Leben auch trotz der verlorenen Liebe noch schön sein kann. Schließlich opfert er sein eigenes Leben, das für sinnlos hält, für ein anderes, und gibt damit seinem Tod einen Sinn. Eigentlich eine schöne Wendung - trotz allem.

Zwei Kleinigkeiten:
Seine Schritte _hallten_ einsam in der nächtlichen Stille wieder.
Sie war jetzt er auf der Mitte der Straße. (Das "er" gehört weg.)

lg
klara

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Streicher!

Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag! :anstoss:

Irgendwie finde ich es schon interessant, wie Dein Protagonist seinem in seinen Augen wertlos gewordenen Leben auf fatale Weise einen Sinn gibt – wenn man es denn so nennen kann. Betrachtet man die Geschichte von einer anderen Seite (was ich hiermit mache), ist es verdammt schade, daß die Gerettete ihm ihren Dank nicht mehr zeigen kann, und auch ihre Eltern nicht wissen werden, wohin mit ihrer Dankbarkeit. ...Vielleicht zahlen sie ihm ja ein schönes Grab.
Aber das hat natürlich eigentlich nicht viel mit Deiner Geschichte zu tun... Wenn Du aber aus meinen Gedanken schließt, daß mich Deine Geschichte beschäftigt hat ...und eigentlich noch immer beschäftigt, liegst Du damit nicht falsch. ;)

Im Vordergrund Deiner Geschichte steht ein Mann, der von seiner erfolgreichen Frau verlassen wird, zu trinken beginnt und seine Arbeit verliert; während sie Erfolge feiert, fühlt er sich minderwertig.
Über »Das typische Klischee.« hab ich mir Gedanken gemacht – auch wenn ich weiß, daß das nicht der Schwerpunkt Deiner Geschichte ist. Ist es ein Klischee, daß jemand zu trinken beginnt und dann die Arbeit verliert, gesellschaftlich absteigt? Ich sehe da mehr ein Zerbrechen an gängigen Klischees: Nur wenige Männer verkraften es, wenn ihre Frau erfolgreicher ist als sie selbst, weil sie damit dem gängigen Klischee (Mann erfolgreich, Frau steht hinter ihm) nicht entsprechen können.
Du schreibst nicht viel über das Warum – wie die Ehe der beiden war, woran sie gescheitert sind, jeder kann sich seinen Teil dazu denken, es sich selbst ausmalen.
Daher huscht der Protagonist in meinem Kopf wie ein Schatten hinter ihr her – sie bewegt sich immer mehr auf die Scheinwerfer zu, die von hoch oben auf sie strahlen, er, der Schatten wird dabei immer kürzer, kleiner, bis er verschwindet. Und sie dreht sich nicht einmal mehr um...
Jetzt ist er nicht einmal mehr das, es ist niemand mehr da, dessen Schatten er sein könnte. – Ab in die finstere Bar, da ist nichts, was einen Schatten wirft...

Dort war mehr „Stoff“ zu haben als Klopapier.
- finde ich absolut treffend formuliert... :lol:
Hier könntest Du auf jeden Fall noch mehr Spannung reinbringen. Es klingt, als würde er das Lokal betreten, schnurstracks durch und aufs Klo gehen und das Mädchen finden. Ich denke, er könnte sich ruhig erst mal etwas zu trinken bestellen, vielleicht noch kurz über seine Situation nachdenken. Es wäre auch eine Möglichkeit, einen gedanklichen Rückblick zu machen, und so dem Leser etwas über die Beziehung der beiden, als sie noch verheiratet waren, erzählen. Oder er könnte sich auch ausmalen, wie er sich am Klo umbringen wird. Oder alles zusammen.
Eine Idee, um am Anfang (wo er sie am Bahnhof heimlich beobachtet) noch mehr Spannung reinzubringen, fällt mir noch ein: Du könntest es so schreiben, daß man erst glaubt, er will sie umbringen...

Ab da, wo er das Mädchen dann gefunden hat, geht es meiner Meinung nach in Deiner Geschichte nicht zu schnell, da es ja wohl auch real schnell vor sich gehen würde – da kannst Du es dann ja nicht gut langsam beschreiben...
Dadurch, daß er das entführte Mädchen findet und es auch noch unter Aufgabe seines eigenen Lebens rettet, hat er es aber nicht nur geschafft, seinem Leben ein Ende zu setzen (noch dazu, ohne daß es nach Selbstmord riecht), sondern er hat es nun wohl auch geschafft, auf die Titelseite der Zeitung zu kommen... – Ja, wenn man ganz unten angekommen ist, kann es eben nur mehr bergauf gehen...

Ich hab in Deinem Kommentar gelesen, daß dies Deine erste Geschichte war, deshalb wäre es zu verstehen, wenn Du vielleicht sagst, Du möchtest sie so stehen lassen – allein für Vergleiche wäre es nicht schlecht... Es wäre aber trotzdem irgendwie schön, wenn Du sie nochmal überarbeiten würdest, ich finde, sie wäre es wirklich wert – insbesondere, wenn ich in Deinem Kommentar lese »in der story es geht mir eigentlich nur um die innere situation des protagonisten..um sein gefühl "hoffentlich ist es bald vorbei"«, würde ich mich freuen, sie danach noch einmal lesen zu können. Du könntest ja die ursprüngliche Fassung stehen lassen und die überarbeitete als neues Posting hier im Thread posten, zu dem Du dann über der ersten Version einen Link machen kannst... ;)

Was auch mir sehr aufgefallen ist, sind die vielen Satzanfänge mit „Er“. Aber jetzt bist Du ja schon geübter im Schreiben und schaffst es bestimmt, einige davon zu vermeiden. :)

Ein paar Sachen hab ich mir noch angezeichnet – der Reihe nach:

»Der Bahnsteig war leer bis auf einen einzelnen Mann.«
- würde hier einen Gedankenstrich machen: „leer – bis auf“

»Seine Schritte halten einsam in der nächtlichen Stille wieder.«
- hallten (wurde oben schon von Bib genannt)

»Er war völlig unvorbereitet, so dass ihn dieser Schlag hart traf.«
- man kanns sowohl getrennt als auch auseinander schreiben, ich fände es besser zusammen: „sodaß“

»Sein war Leben wertlos.«
- Sein Leben war wertlos. (wurde auch schon gesagt, ist aber noch drinnen...)

»Sein dunkles Gesicht war scharf geschnitten, und er sah eigentlich gut aus, doch sein Bart war ungepflegt und die Haare glänzten unangenehm.«
- würde schreiben „er könnte/würde eigentlich gut aussehen, ...“
- siehe auch Echnatons Tip mit den fettigen Haaren

»Zumindest ein letztes bisschen Würde hatte er sich bewahrt – wofür eigentlich, dachte er.«
- würde nur eine Kleinigkeit ändern: bewahrt.’Wofür eigentlich?’, dachte er.

»Mit einem Reflex reagierte er, wie er es vor vielen Jahren oft getan hatte.«
- ich würde das irgendwie umdehen, der erste Teil des Satzes klingt holprig und mir kommt vor, Du wolltest da einen „Er“-Satzanfang vermeiden – das wäre vielleicht besser mit „Wie ...“

»Das Mädchen blieb stehen. „Lauf.“«
- würde nach „Lauf“ ein Rufzeichen machen

»Auch das ist geschafft.«
- Besser fände ich es, alle Gedanken entweder kursiv oder, wie ich es Dir oben schon vorgeschlagen habe, mit halben Anführungsstrichen zu schreiben: Auch das ist geschafft.

Ach ja, noch was:

DenSatz:"Seine Hand war taub." kann der Leser nicht einordnen.
Die Leserin schon... :D

Aber in den nächsten Tagen les ich mal eine neuere Geschichte von Dir. Hab da was mit Schokolade gesehen... ;)

Alles liebe,
Susi

 

Hallo Häferl,

erstmal vielen Dank für das ausführliche feedback - bei deinen vielen ideen bekomme ich ja glatt wieder lust, aus dieser geschichte doch noch etwas mehr zu machen, etwas, dass mir auch selbst gut gefällt... die story habe ich wirklich schon vor vielen jahren geschreiben und sie nur noch einmal vor dem Einstellen hier stilistisch überarbeitet...da muss man sein herz halt erst wieder für begeistern können..*smile*

werde nachher die fehler ausmerzen (sowas sehe ich nie!) und mir dann ein paar gedanken machen, wie ich seine situation noch etwas intensiver rüberbringen könnte. so wie du sagst - und auch die meisten leser vorher - bietet sich die Bar ja gerade zu dafür an....

ob der spannungsteil noch viel mehr inhalt bekommt, glaube ich fast nicht.. es muss für ihn schnell gehen. wenn er zeit zum überlegen bekommt, würde er wahrscheinlich nichts tun... ist ihm egal, wie alles andere auch..

das wetter draußen eignet sich ja hervorragend für eine düstere stimmung *smile*- könnte gut passen..für neue ideen zu der geschichte...

vielen lieben dank noch einmal..

viele grüße, streicher

 

das wetter draußen eignet sich ja hervorragend für eine düstere stimmung
Soso... hier scheint die Sonne und es hat 32,9 Grad...

Wenn ich Dich tatsächlich anspornen konnte, an der Geschichte weiterzuarbeiten, freut mich das sehr! :)

Alles liebe,
Susi

 

Hallo Streicher,

fand die Geschichte recht gekonnt erzählt und unterhaltsam. Kurzum,... es hat Spass gemacht sie zu lesen !

Die oben aufgeführte "konstruktive Kritik" ist sicherlich hilfreich, wobei es mir selbst etwas zu viel des Guten wäre :)

Mach weiter so,....

cu,.... rabeck5


http://www.rabfree-project.de :cool:

 

hallo rabeck,

vielen dank für dein feedback - ist ja auch sehr schön, wenn sie mal einfach jemandem gefällt wie sie ist..*smile*..Geschafft..

viele grüße, streicher

 

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