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Gerettet und verraten
Es war ein regnerischer Tag.
Die Menschen um Michael Ross schienen wie schwarze Schatten, die lautlos an ihm vorüber glitten.
Er stand um Mitternacht auf einem kleinen Bahnhof in der Nähe von Auschwitz, lief nervös umher und war den Tränen nahe.
Fledermäuse zischten von einer Seite zur anderen, ihm wurde es immer unheimlicher.
Michael war Jude.
Juden war es nicht erlaubt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. All jene Dinge, die sie dringend benötigten und die Spaß machten, waren ihnen verboten.
Sie wurden von der Gestapo verfolgt.
Auch Michael.
„Alles einsteigen!“
Die Trillerpfeife des Schaffners schallte durch die Nacht.
Die Stille wurde durchbrochen.
Doch Michael wartete, starrte weiter ins Leere und murmelte vor sich hin:
„Sie sind hinter mir her! Sie werden kommen!“
die Tür sprang auf und ein Deutscher betrat den Bahnhof.
Mit schnellen zügigen Schritten kam er auf ihn zu.
„Oh nein! Hilfe!“
Vor Schreck rutschte Michael aus. Er fiel auf die blanken Gleise.
Michael hatte ihn sofort erkannt.
Sebastian Schwarz war ein typischer Nationalsozialist mit Uniform, blauen Augen und blonden Haaren.
Er sah mit seinen muskulösen Armen richtig furchterregend aus.
Es zischte durch die Stille Nacht. Die Dampflok setzte sich in Bewegung. Sie rollte geradewegs auf Michael zu.
Er versuchte aufzustehen, doch er rutschte erneut auf den nassen Gleisen aus.
Verloren wand er sich auf dem Boden.
Die Dampflok kam näher.
Er schien verloren...
Im letzten Moment packte eine Hand Michael am Kragen.
Er wurde von Sebastian auf den sicheren Boden gezogen.
Michael fehlten die Worte. Er stand unter Schock.
Nach einer Weile fragte er:
„Warum hast du mir geholfen? Warum? Ich kann das nicht verstehen!“
Anstatt zu antworten, sagte Sebastian nur:
„Nimm dich in Acht!“ und verschwand in der Dunkelheit.
Michael wurde bleich im Gesicht. Was hatte Sebastian nur gemeint?
Zeit verging bis der nächste Zug kam. Diesmal stieg er ein.
Er fühlte sich in Sicherheit
Die Dampflok fuhr langsam an, wurde immer schneller.
Er blickte noch einmal zurück. Gerade noch rechtzeitig, um das Haus des Schaffners zu sehen, in dem Sebastian Schwarz stand.
„Das kann doch nicht wahr sein!“, stieß Michael erschrocken hervor.
Sebastian hielt einen Telefonhörer in der Hand.