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Gefahr im Weltall
Gefahr im Weltall
Die soeben gezündeten Triebwerke versetzten die „Elegante Gans“ in leichte Schwingungen und massierten den Rücken des in seinem Astronautensessel sitzenden Raumschiffkommandanten.
Verträumt sah er aus dem Cockpit hinaus auf die Lichter seiner Heimatstadt, die den nächtlichen Himmel erhellten. Seine Blicke ruhten auf dem riesigen, illuminierten Denkmal des Stadtgründers, als ein Knacken der Ohrhörer ihn in die Realität zurückholte.
„Bodenstation an Elegante Gans: Können Sie mich hören, Kommandant?“
„Ja, ausgezeichnet sogar, Herr Ingenieur. Läuft alles nach Plan?“
„Alles nach Plan, Kommandant! Habe soeben die Triebwerke gezündet, schalte gleich auf vollen Schub, und in genau zweiundvierzig Sekunden hebt die „Elegante Gans“ ab! Nach Verlasssen der Dingssphäre wird der Antrieb auf Megaschub geschaltet, und nach drei Tagen, einundzwanzig Stunden und vierundvierzig Sekunden werden Sie auf Trüllerkeks landen, Herr Duck! Wie gesagt: Alles läuft Bestens!“
Trüllerkeks in der Galaxis Otemporaomores...
Vor weniger als einem Monat hatte der reichste Mann der Welt seinen hochverschuldeten Neffen Donald sowie den genialen Erfinder Daniel Düsentrieb zu sich in seinen Geldspeicher beordert.
Er habe Hinweise, so der Nabob damals, dass Gundel Gaukeley, ein übles Weiberwesen, wieder zur Jagd auf seinen ersten, selbstverdienten Taler ansetzen würde. Informanten hätten ihm, Dagobert Duck, von furchterregenden Waffen und Werkzeugen berichtet, welche die Hexe seit Kurzem im Einsatz habe. Um den Taler zu schützen, müsse ein neuer, härterer Glaspanzer gegossen werden, der dem Besitzer des Talers weiterhin jederzeit freien Blick auf diesen unersetzlichen Talisman gewähren würde, aber gleichzeitig den Angriffen der üblen Alten zu trotzen tauge. Für die Härtung des Glases benötige er dringend einige Gramm des Minerals Schbugge, das nur auf auf dem Gestirn Trüllerkeks vorkäme. Die Zeit sei knapp. Düsentrieb müsse umgehend mit dem Bau eines Raumschiffes beginnen, mit welchem Donald in kürzester Zeit nach Trüllerkeks fliegen, Schbugge beschaffen und so einen kleinen Teil seines großen Schuldenberges abtragen solle.
Der Bau des Raumschiffes in wenigen Tagen glich einem Spaziergang für Düsentrieb, hatte er doch schon häufiger als kosmonautischer Konstrukteur brilliert. Gerade im vergangenen März war der von ihm konstruierte „Mächtige Maulwurf“ erfolgreich von einer mehrwöchigen Marsminenmission zurückgekehrt. Für seinen spritsparenden Spaceshuttle „Schneller Schwan“ hatte er auf der Erpelstetter „Orbit ´99“ den ersten Preis bekommen, und seit mehreren Jahren bedienten sich viele Nationen der von ihm entworfenen „Müllemann“-Abfallentsorgungsraumfrachter.
Sorgen bereitete dem Ingenieur zunächst die Antriebsart, mit der er die Rakete in wenigen Tagen zu dem etwa dreißig Milliarden Kilometer entfernten Stern befördern solle. Düsentrieb entschied sich dann schließlich für die Hyperfüsilions-Technik, die außer ihm aber niemand verstand.
Der Start verlief bilderbuchmäßig. Nach wenigen Sekunden war Entenhausen nur noch ein winziger, heller Fleck in der Dunkelheit für Donald.
„Bodenstation an Elegante Gans: Herr Duck – Herr Duck? An Bord alles in Ordnung?“ fragte schnarrend des Ingenieurs Stimme aus dem Ohrhörer. Donald berichtete in wenigen Worten von dem ordnungsgemäßen Zustand des Fluggerätes.
„Sie sollten sich jetzt ausruhen und ein wenig schlafen. Sie haben eine anstrengende Reise vor sich!“
Das hörte Donald gerne: schlafen!
Einige Stunden später, der Ingenieur war gerade dabei, noch einmal gemeinsam mit seinem kleinen Helfer den genauen Landepunkt auf dem Zielort zu berechnen, ließ der infrarotgesteuerte Esstehtjemandvordertürmelder ein dreifaches, laut hörbares „Klopf“ ertönen.
„Ah, der Milchmann!“ dachte Düsentrieb, und öffnete die Tür.
Davor standen drei Männer, die trotz des angenehmen, spätsommerlich warmen Wetters dicke, dunkle, lange Mäntel, weiße Handschuhe und große, schwarze Hüte trugen. Wuschelige Vollbärte und riesige Sonnenbrillen ließen nicht viel von ihren Gesichtern erkennen.
„Guten Tag, Herr Düsentrieb! Wir kommen vom Entenhausener Tageblatt, und würden gerne einen Artikel über die von ihnen geleitete Raummission schreiben!“ stellte sich einer der drei Herren vor.
„Oh, bitte, gerne, treten Sie doch ein!“ forderte Düsentrieb, der nicht so uneitel war, wie sein Äußeres und sein bescheidenes, fast schüchternes Auftreten gelegentlich vermuten ließen, die Herren auf. Kaum im Hause, entledigten sich die Besucher ihrer künstlichen Bärte, ihrer Hüte und Mäntel, packten den Ingenieur, fesselten ihn an einen Stuhl, und begannen dann, laut und fürchterlich gemein lachend und den gefesselten Erfinder umtanzend zu singen:
Den Dago machen wir heut arm
Und wird er auch von Tränen blind
Nicht hilft ihm Bitten noch Alarm
So wahr wir Panzerknacker sind!
Einer der drei dicken Berufsverbrecher, dessen roten Pullover die Nummer 176-761 zierte, griff sich das Telefon, wählte eine Nummer, und schnauzte, als der Angerufene sich meldete:
„Hier spricht die Panzerknacker AG, Dago! Wir haben Düsentrieb und somit auch deinen Neffen in unserer Gewalt, Har Har! Sollte dir an seinem Leben gelegen sein, so pass gut auf: Wir wollen dein Geld! Und zwar alles! Die ganzen einhundertundvierunddreißig Phantastilliarden Taler! Weitere Instruktionen folgen! Ende!“
Derweil war Donald in einen angenehmen Schlummer gefallen, aus dem ihn plötzlich ein Rascheln, Poltern und Tuscheln weckte.
„Hallo...“ sagte Tick.
„...Onkel...“ fuhr Trick fort.
„...Donald!“ schloss Track, als die drei aus einem kleinen Geräteschrank herauskrabbelten.
„Was wollt ihr denn hier?“ schrie Donald hochroten Kopfes, „ich habe euch doch ausdrücklich untersagt...“
„Nun krieg doch...“ sagte Tick
„...nicht gleich wieder...“ beschwichtigte Trick
„...deine Wut!" bat Track.
Dann erklärten die drei notorischen Neffen ihrem Onkel in aller Eile, dass sie im Handbuch des Fähnlein Fieselschweif einiges über Trüllerkeks gelesen hätten, so auch, daß dort mit allergrößter Wahrscheinlichkeit intelligentes Leben existiere. Man wisse allerdings nicht, ob diese Wesen friedlichen Gemüts seien. Aus Sorge um sein Wohlergehen hatten sie darum beschlossen, ihn als blinde Passagiere in die ferne Galaxie zu begleiten...
Woher kennen die Panzerknacker die genaue Summe des Duck’schen Vermögens?
Hat das Pfadfinderhandbuch recht? Werden Donald und seine Neffen auf Außerirdische treffen?
Wird Donald genügend Schbugge finden, um den ersten selbstverdienten Taler seines Onkels zu retten?
- Fortsetzung im nächsten Heft -