Was ist neu

Franziska

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07.05.2003
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Franziska

Franziska


Seit ich in der siebten Klasse bin, hat sich einiges geändert. Mein Charakter, meine Freunde, und noch so manches andere. Unsere Klasse wurde auch neu gemischt und wir bekamen zehn neue Schüler und Schülerinnen im Austausch mussten zehn aus unserer Klasse wechseln. Das hatte mit der Sprachwahl und den Profielen zu tun.
Meine Freundin Sylvia und ich wählten natürlich dieselbe Sprache, Spanisch, war ja klar.
Auch wenn ich Latein für unglaublich schwierig halte - währe sie in die Lateinklasse gegangen, ich währe mitgekommen!
Überhaupt wurde unsere Clice kaum auseinander gerissen. Sina, Martin, Vanessa, Sylvia und ich. Immer noch vereint, und das war gut so.
Die neuen sahen für mich anfangs eigentlich alle ganz ok aus. Nur eine, die konnte ich von Anfang an nicht ausstehen: Franziska!
Wie sie schon auftrat, das erste mal, als ich sie sah: Geschminkt, mit Lidschatten und einer Goldkette, extravagante Klamotten und dieses ganze Tussen - Gehabe!
Ich denke, ich komme wirklich gut mit Menschen aus, aber wenn es etwas gibt, dass ich auf den Tod hasse, dann sind es Tussen! Mit ihrem Fingernagellack, ihren Bravos und ihrem dämlichen Getuschel. Das sind die, die Briefe an Jungen schreiben, von wegen Liebe, und dabei keine Ahnung haben was Liebe eigentlich bedeutet. Das ist eine Frage des wichtig machen's. Sie denken den ganzen lieben langen Tag an nichts weiter, als daran, was für Klamotten sie tragen könnten oder was für Lippenstift ihre Augen gut betont. Nur das Äußere zählt, nur darauf kommt es an.
Von Anfang an, war sie für mich eine von denen, und ich konnte sie schon am ersten Tag nicht ausstehen. Sie steckte andere, die ich als nett eingeschätzt hätte damit an, und, schon nach wenigen Wochen hatte sich eine regelrechte Kluft in der Klasse aufgetan.
Es war immer so: In der einen Ecke, rund um den Tisch saßen Franziska, Sindy, Stefanie, Marie, Theresa und Juliane. Alle neu, und alle schon vollkommen abgeschirmt vom Rest, genau wie wir.
Unsere Cilce, die mit Felix Unger und Markus Lange Zuwachs bekommen hatte, saß dann in der anderen Hälfte des Zimmers, ebenfalls um einen Tisch. Wir redeten über alles mögliche: Das zu viele Arbeiten in der Woche geschrieben wurden, das Herr Koziar schwul aussah, und, unser neues Lieblingsthema: Was Franziska doch für eine Schlampe war!
Ab und zu löste ich mich vom Geschehen und hörte der anderen Gruppe zu, aber alles was ich entnehmen konnte waren: Strings, Schmuck und Jungs. Mir wurde übel.
Genau wir ich erwartet hatte, ich war eben doch ein Menschenkenner!
Am nächsten Tag legten wir sie so richtig schön rein. Sylvia hatte einen Briefumschlag mit Mehl gefüllt, und nun flüsterten wir die ganze zeit und taten als währe irgendwas. Als Franziska sich näherte, um ein paar Worte aufzuschnappen, tat ich als währe ich entsetzt und flüsterte lauter zu meiner Freundin: „Ob ich Koks kaufen will?! Spinnst du?" Ich musste mir das Lachen verkneifen, als ich Franzis geschockten Gesichtsausdruck sah. Sie sagte nichts und ging wieder weg. In der Pause gingen wir alle auf den Hof und lachten uns krank. Unser Plan war es, in Biologie, wo wir genau hinter den ganzen Tussis saßen, in der Pause, ganz auffällig zu flüstern und das taten wir dann auch.
Vanessa, die von uns wohl die extremste Satanistin ist, mit 13 Jahren schon raucht und auch schon einmal an Drogen dran war, damit jetzt aber absolut nichts mehr zu tun haben wollte, tat aufgebracht: „Sylv, verdammt! Das find ich echt unfair, nachher sagen wieder alle, das ich dir das angedreht haben soll! Dabei will und hab ich nichts mehr mit Drogen zu tun, und ich hab null Bock, wegen dir wieder reingezogen zu werden!"
Wir konnten allesamt echt gut schauspielern wie es schien. Ich, als Sylvs beste Freundin sollte die Verständnisvolle spielen und tat das auch mit Bravour.
„Ach komm, schmeiß das Zeug weg und die Sache ist erledigt, du bringst und nur in Schwierigkeiten damit."
Wir giggelten vor und hin, weil wir bemerkten, dass die vor uns natürlich alles mitbekamen. In der Biostunde hatten wir es dann aber zu weit getrieben, glaube ich, und Franziska hatte einen Lehrer informiert. Wir klärten dann schnell, dass es nur ein Scherz war, aber sie schien es uns sehr übel zu nehmen.
Überhaupt waren wir wohl sehr gemein zu ihr. Ob wir sie beleidigten, dumm anmachten, oder hinter ihrem Rücken gemeine Witze über sie rissen war egal. Gemein war es jedenfalls.
Ich muss von mir sagen, das ich ehrlich etwas gegen Leute hab die Lästern. Aber für mich war es kein Lästern, da wir es ja nicht hinter ihrem Rücken taten, und sie außerdem genau spüren liessen was wir von ihr hielten.
In den Mathestunden saß ich allein, und eine Bank hinter Franziska, auf der letzten Bank. Die Aufgaben die wir bekommen hatten, waren echt schwierig, und, plötzlich, ohne das ich es je erwartet hätte, drehte sie sich zu mir um und fragte: „Sag mal, verstehst du das?" Ich wusste nicht was ich sagen sollte, und antwortete schnell: „Nein, ...ähh.... Ehrlich gesagt nicht."
Den Rest der Stunde arbeiteten Franziska, ihre Banknachbarin Sindy, und ich zusammen, und so bekamen wir die richtigen Ergebnisse und ich verstand alles plötzlich.
Komisch war es schon, doch ich vergas alles schnellstmöglich wieder. Wie immer redete ich bei meinen Freunden schlecht über sie, wie immer rissen wir doofe Witze. Doch die Mathestunden wurden mit Franziska und Sindy irgendwie lustig für mich.
Ich machte mir keine Gedanken weiter drüber, bis zu dieser einen Sportstunde. Ich bin unsportlich, das ist kein Geheimnis. Ich bin nicht fett oder so, auch nicht dürr, einfach nur unsportlich eben, und ich hasste es, wenn wegen mit die Mannschaft beim spielen punkte verliert. Oft wird man dann dumm angemacht oder ausgemeckert.
Ich kam natürlich, da das Schicksal es selten gut mit mir meint, in Franziskas Mannschaft, und mir schwante schon übles. Ich sagte zu Sindy, über die ich mich nie lustig machte, da sie eigentlich nichts tussiges an sich hatte, eben nur neben Franzi saß: „Du, ich kann da aber nicht so gut, ehrlich... Ich kann nicht gut Bälle fangen und so..." Franziska bekam das Gespräch mit und ging zu mir.
„Hey, komm." Sagte sie, „Das ist doch nur ein Spiel! Macht doch nichts wenn einer das nicht kann, du bist dafür in anderen Dingen gut."
Ich fühlte mich schrecklich. Sie war so nett zu mir, und ich dachte daran wie ich mich immer über sie lustig gemacht hatte. Ohje! 'Und dann sagst du noch selber, du sollst nicht über Leute lästern, du bist echt das Letzte!'
Mit war richtig schlecht und ich zweifelte an mir, wirklich!
Und nun?
Sollte ich weiter über sie reden, damit meine Freunde zufrieden waren,
Oder sie in Schutz nehmen, woraufhin die anderen mich blöd fänden?
Oder ganz den Mund halten?

 

Hallo Satansbraut,

gerade hatte ich Deine andere Geschichte gelesen, die bunte mit den vielen Scheißtagen. Deine Klassenerlebnisse mit Franziska gefallen mir viel besser - sie wirken authentisch. Woran das liegt? Bestimmt nicht an den Rechtschreibfehlern - es ginge auch ohne, laß sie ruhig weg. Es liegt eher daran, daß Du typische Situationen aus dem Schulleben beschreibst. Da sind vor allem die Kleinigkeiten bedeutend, etwa daß "Herr Koziar schwul aussah" oder daß Tussis angeblich "keine Ahnung haben was Liebe eigentlich bedeutet". Dazu kommt, daß Du manche Leute nur mit Vornamen, andere mit dem vollen Namen nennst. Das ist wie im richtigen Leben, wo der Zufall entscheidet, ob man in eine Klasse kommt, wo bereits einer mit demselben Vornamen sitzt - schon wird man mit dem Nachnamen angesprochen. Am stärksten drängt sich mir aber der Verdacht auf, daß Du tatsächliche Erlebnisse erzählst, wenn Du Vanessa erwähnst, die "von uns wohl die extremste Satanistin ist" - und als Pseudonym hast Du Satansbraut gewählt. Hoffentlich hast Du die Namen der echten Leute geändert. Ich würde mich hier ungern als Tussi oder schwuler Lehrer geoutet sehen ;->

Ansonsten habe ich das Gefühl, daß Deine Schreibe noch ein bißchen in den Kinderschuhen steckt. Jedenfalls ist "Franziska" besser als der "Scheißtag".

Eni

 

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