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Fleischer aus Leidenschaft

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28.06.2003
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Fleischer aus Leidenschaft

Fleischer aus Leidenschaft

Manchmal laufen die Geschäfte nicht so wie er sich es wünscht. Die konjunkturelle Lage machte ihn doch arg zu schaffen. Hinzu kam, dass seine Frau einen Beinbruch erlitten hatte, und ihm daher wohl in den kommenden Wochen nicht zur Seite stehen würde.
Er war schon immer Fleischer. Schon als Kind, als alle anderen Piloten, Soldaten oder Fussballspieler werden wollten, war für ihn klar, dass für ihn nur der Fleischerberuf in Frage kommt. So ist es dann ja auch gekommen. Er ging in der neunten Klasse ab. Die Schule war ohnehin nie wirklich seine Sache gewesen. Er nahm Dutzende schlechtbezahlte Nebenjobs an, und lebte von der Hand in den Mund. Seine Eltern hatte ihn ausgestoßen. Sie meinten, dass es Jemand ohne Hochschulabschluss nicht das Recht hatte ihrer Familie anzugehören. Nein, Ben Schneider hatte es wirklich nie einfach gehabt.
Nervös schaute er auf die Uhr. Die in Lichtgeschwindigkeit tickende Uhr schien sich unaufhaltbar Richtung 19:00, Richtung Freierabend, zu bewegen. Ben wischte sich den Schweiss von der Stirn. Er guckte herunter auf sein Fleisch. Wehmütig erinnert er sich an bessere Zeiten. Zeiten in denen um 18:40 seine Kunden wegschicken musste, da kein Fleisch mehr vorhanden war. Zeiten in denen er sich sein Haus baute und sich einen teuren Sportwagen zulegte. Zeiten in denen er aufwachte, und wusste, dass es ein schöner Tag werden würde. Er wusste was das Geheimniss dieser Zeit war. Er wusste es, auch seine Frau wusste es. Obwohl sie es zu verdrängen versuchten, wussten sie es doch beide.
19:00. Ben S. schaut auf die andere Strassenseite. Er sieht wie der Fleischer auf der anderen Straßenseite seine Türen schließt. Er hat sicherlich wieder tolle Kasse gemacht, denkt sich Ben. Unterbewusst, ballt er seine Hände zu Fäusten zusammen. Sein alter Klasenkammerad Eike F., hatte vor 5 Jahren (als Ben auf der Spitze seines Erfolgs schwebte) den Schuhladen gegenüber aufgekauft, und aus ihm ein Fleischer gemacht. Er investierte Tausende von Euro in seine neune Erwerbung. Überall hing er Werbeposter auf, in allen Zeitungen warb er mit seinem Slogan "fleisch,fleischer, Fesefleisch". Und so nannter er dann auch sein Geschäft: "Fesefleisch". Ben schaute Eike noch kurz nach als dieser zu der nahe gelegen Straßenbahnhaltestelle ging. Er weiss, dass es so nicht weitergehen kann.
Nachdem Ben sein Geschäft geschlossen hatte, macht er sich auf den Weg nach Hause. Er überlegt ob er sich vorher möglicherweise noch im Nöller das ein oder andere Bier gönne soll, entscheidet sich dann aber doch dagegen. Während er auf die Straßenbahn wartet, sieht er auf der anderen Seite Eike. Er hatte seine Straßenbahn wohl verpasst. Ben konnte sich ein kurzes Grinzen nicht verkneifen. Er beschloß, dass es wohl das beste wäre, wenn er mit Eike ein Paar Wörter wechseln würde. Möglicherweise könnten sie sich beide irgendwie einigen. Seit ihrer gemeinsamen Schulzeit hatten sie nicht mehr miteinander geredet. "Hallo", Bens stimme klang verunsichert. Er wusste wieviel für ihn von diesem Gespräch abhing.
"Guten Abend" Eike schien leicht genervt zu sein. Ob dass an der Person Bens lag, oder daran, dass er seinen Bus verpasst hat, vermochte Ben nicht zu sagen. Ben schaute Eike ins Gesicht. Der schien ihn nicht zu erkennen. Bens Wut wuchs weiter an. Dieser Mistkerl wusste nicht einmal wen er seit Jahren dem Konkurs nahe brachte. Ben wusste, dass er würde handeln müssen.
"Entschludigen Sie, kennen wir uns nicht irgendwoher?"
Eike sah ihn lange an. Dann räusperte er sich. "Nein das denke ich nicht." Er überlegte kurz. "Nein, ich glaube wirklich nicht, dass wir uns schon einmal begegnet sind. Aber sie kennen sicherlich mein Gesicht von den vielen Flyern. Ich habe hier in unserer geliebten Stadt, das beste Fleisgeschäft. Es heißt Fesefleisch. Ich denke daher könnten sie mich kennen."
"Sicherlich, das wird es sein". Ben musste sich beherschen. Er musste zu genau wozu er in wütendem Zustand in der Lage war. Er hätte nicht erwartet, dass Eike ihn nicht erkennt. Gut sie haben während ihrer Schulzeit nicht viel miteinander zu tun gehabt, aber dass er ihn gar nicht erkenne würde, damit hatte Ben nicht gerechnet. Er wollte das Gespräch in Gang halten. "Und wie läuft das Geschäft derzeit so? Sie müssen wissen, dass ich ein großer Anhänger ihres Fleisches bin. Ich denke es ist das bester hier in unserer Gegend."
Eike lachte ein wenig. "Ja wissen sie, es ist schon komisch. Alle beklagen sich über mangelnde Umsätze. Ich muss sagen das sich an meine Umsätzen in den letzten 3 Jahren wirklich überhaupt nichts verändert hat. Sie sind auf gleichbleibenden hohen Niveau. Dies liegt wohl auch an der mangelnden Kompetenz der Konkurrenz".
Ben wusst, dass es jetzt kein zurück mehr gab. "Sagen sie mal, haben sie nicht Lust auf ein kühles Blondes. Ich bezahle."
Eike blickte überrascht, aber war nicht abgetan. "Gern. Ich bezweifle stark, dass der Bus überhaupt noch kommt".


Suzi Schneider schaute erneut auf die Uhr. Eigentlich hätte ihr Mann schon längst zu haus sein sollen. Sie hoffte, dass er sich nicht wieder betrank. Sie waren gemeinsam bei den anonymen Alkoholikern, aber er hatte es doch immer wieder getan.Sie hörte ihn noch, bevor er klopfte. Sie kam ihm zuvor und öffnete die Tür. Dort stand er mit einem großen Koffer in der Hand, und einen wirren Lächeln im Gesicht.
Instinktiv wich Suzi zurück. Ihr Mann betrat die Wohnung und stellte den Koffer auf dem Tisch ab. Seine folgenden Worte sollten ihr für immer ins Gedächniss gebrannt bleiben.
"Suzi, weisst du noch was vor 6 Jahren die Kunden scharrenweise in unser Geschäft trieb? Wir kehren zu dieser Zeit zurück, und über die Konkurrenz von Gegenüber brauchen wir uns nun auch keine Sorgen mehr zu macht."
Suzis weit aufgerissenen Augen wanderten von dem lächelnden Gesicht ihres Mannes, herunter zu dem Koffer auf dem Tisch. Die Blutpfütze, die sich auf dem Tisch gebildet hat, war unübersehbar.

Aachen 28.6.2003

 

Hallo,

Dies ist meine erste KG hier auf KG.de. Ich meine, sie ist mir ganz gut gelungen. Was meint ihr? peace

 

Hallo KORN und herzlich willkommen auf KG.de :-)

Hm, Deine Geschichte ist insgesamt recht vorhersehbar, was wohl am Beruf des Protagonisten liegt. Eine Story über einen Fleischer im Horrorgenre - zu 99 Prozent kann man dann davon ausgehen, dass es am Ende zu einem blutigen Gemetzel kommt. ;-)
Wenn ich das Ende richtig verstanden habe, hat Ben seinen ehemaligen Schulkameraden nicht nur aus Konkurrenzdenken umgebracht, sondern auch um dessen Fleisch in seinem Laden zu verarbeiten, richtig? Das ist eine zusätzliche Pointe, die mir ein wenig zu kurz, zu unvorbereitet kommt. Ben sagt nämlich zu seiner Frau:

"Suzi, weisst du noch was vor 6 Jahren die Kunden scharrenweise in unser Geschäft trieb? Wir kehren zu dieser Zeit zurück,
Klingt für mich so, als habe er damals Menschenfleisch verkauft und damit viele (unwissende) Kunden angelockt. Jetzt schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe, indem er Eike aus dem Weg räumt und die Überreste verwertet.
Ist zwar eine nette Idee - aber mir bleiben da zu viele Fragen offen, als dass ich diese Pointe einfach so akzeptieren könnte. Sie wird zvor im Text nicht genug vorbereitet.
Zum Beispiel frage ich mich, warum Ben übnerhaupt damit aufgehört hat, Menschenfleisch zu verkaufen? Wurde es zu kompliziert, hatte er Gewissensbisse? Denn wenn das Geschäft seinerzeit als er es verkaufte so gut lief, dann muss er ja einen triftigen Grund gehabt haben, damit aufzuhören. Und den sehe ich nicht in der Geschichte. Deshalb wirkt die Pointe auf mich wie ein spontaner Einfall, der sich am Ende zusätzlich noch ergeben hat. Und dabei könnte man sie besser im Text unterbringen ... beispielweise könnte man Ben die ganze Zeit über mit seinem Schicksal und dem schlechten Geschäft hadern lassen. Zwischendurch erinnert er sich wehmütig an die Zeit zurück, als sein Laden noch besser lief. Es bleibt offen was damals genau anders war, aber seine Gedanken lassen durchblicken, dass er sein Geschäft umstrukturiert hat und auf andere Verkäufe umgestiegen ist und dass er seitdem nur noch Einbußen zu verzeichnen hat.
Dann könnte sein Konkurrent dazutreten und Ben ist schon bei seinem Anblick genervt; dann gehen sie zusammen weg.
Nun käme das Ende, das man so lassen könnte - aber der Leser würde nun im Nachhinein wissen, was die ganzen Andeutungen vorher zu bedeuten hatten.
Gute Pointen zeichnen sich mM nach dadurch aus, dass man nach dem Lesen jede Menge kleiner Hinweise im Text findet, die man zuvor nicht zu deuten wusste und die im Nachhinein dann schließlich Sinn ergeben. Das ist ein Punkt, der hier noch verbessert werden kann.

Außerdem hast Du leider noch etliche Fehler in Deiner Story, die dringend ausgebessert werden müssen. Deshalb bitte ich Dich, noch einmal Korrektur zu lesen.
Die Stellen, die mir aufgefallen sind:

Die konjunkturelle Lage machte ihm doch arg zu schaffen.
Sie meinten, dass es jemand ohne Hochschulabschluss nicht das Recht hatte
Das "es" streichen.
Zeiten in denen erum 18:40 seine Kunden wegschicken musste
Ben S. schaut auf die andere Straßenseite.
Warum wird auf einmal sein Nachname abgekürzt? :confused:
Verwirrt nur unnötig.
Sein alter Klassenkammerad Eike F., hatte vor 5 Jahren (als Ben auf der Spitze seines Erfolgs schwebte) den Schuhladen gegenüber aufgekauft, und aus ihm ein Fleischer gemacht.
Zahlen bis einschließlich Zwölf sollte man der besseren Lesbarkeit ausschreiben.
Und ich vermute, Du meinst: " ... und aus ihm einen Fleischerladen gemacht", oder?
Er investierte Tausende von Euro in seine neue Erwerbung.
Und so nannte er dann auch
Während er auf die Straßenbahn wartet, sieht er auf der anderen Seite Eike. Er hatte seine Straßenbahn wohl verpasst. Ben konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen.
Warum kommt hier ein Tempuswechsel? Grundsätzlich erzählst Du ja die Geschichte im Präsens. Ben wartet auf die Straßenbahn und dann konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen - das passt nicht zusammen.
Er beschloss, dass es wohl das beste wäre,
"Hallo." Bens Stimme klang verunsichert.
Ob das an der Person Bens lag
Ich habe hier in unserer geliebten Stadt, das beste Fleischgeschäft.
Ben musste sich beherrschen.
Ich denke es ist das beste hier
"Suzi, weisst du noch was vor 6 Jahren die Kunden scharenweise

Ich hoffe, meine Kritik bringt Dir ein bisschen was. :-)

Liebe Grüße
Ginny

 

Geschrieben von Existence
Oder sollte der Satz "Suzi, weisst du noch was vor 6 Jahren die Kunden scharrenweise in unser Geschäft trieb? Wir kehren zu dieser Zeit zurück, [...]" etwas anderes andeuten?
Daraus hatte ich geschlossen, dass er die Leiche tatsächlich durch den Fleischwolf drehen und verwenden wird ... was er anscheinend sechs Jahre früher schon mit Erfolg getan hat.

 
Zuletzt bearbeitet:

Warum ist dem Fleischer niemand auf die Schliche gekommen?
Das hab ich mich auch gefragt - nun, man könnte es so drehen, dass er nur Penner ermordet hat, die nicht vermisst werden.
Wenn er geschickt genug war, unerkannt zu morden, warum hat er dann sein lukratives Geschäft für sechs Jahre unterbrochen?
Das war auch meine Frage. Beides bleibt in der Geschichte unbeantwortet, aber FALLS der Autor die Pointe so wie von mir vermutet gemeint hat könnte man sie nachvollziehbarer machen, indem man einen plausiblen Grund dafür findet, dass der Fleischer seinen Menschenhandel eingestellt hat - und man könnte ihn sogar mit Deinem dritten Einwand verbinden: Es wäre ein Argument, wenn die Frau vielleicht der Grund war, das Morden einzustellen, weil sie Skrupel und/oder Angst hatte. Der Protagonist war darüber traurig und kehrt nun zu seinen alten Leisten zurück - und hofft, dass seine Frau auf seiner Seite sein wird.
Das steht alles woihlgemerkt nicht in der Geschichte, könnte aber mM nach dort noch untergebracht werden.

Wenn ich in die Aussage zu viel interpretiert habe und es dem Fleicher tatsächlich nur um den Mord ginge fände ich das schade - damit will ich mich irgendwie nicht abfinden. Diese Sätze

"Suzi, weisst du noch was vor 6 Jahren die Kunden scharrenweise in unser Geschäft trieb? Wir kehren zu dieser Zeit zurück, und über die Konkurrenz von Gegenüber brauchen wir uns nun auch keine Sorgen mehr zu macht."
passen einfach nicht dazu - wenn Ben mit "dieser Zeit", zu der sie zurückkehren, nur die konkzurrenzlose Zeit gemeint hätte, wäre der Nachsatz überflüssig. Offenbar sind aber diese Zeit vor sechs Jahren und die Zeit ohne den Konkurrenten Eike nicht identisch, denn dann müsste da kein "brauchen wir uns nun auch keine Sorgen mehr machen" stehen.

Ginny

 

Nun ja, irgendwie kann ich dem Motiv des Fleischers, der Menschen schlachtet, nicht sonderlich viel abgewinnen.
Es ist, by the way, auch nicht unbedingt mein Lieblings-Plot. Nun geht es hier aber nunmal um einen Fleischer, der jemanden umgebracht hat ... und ginge es einzig und alleine nur um das Umbringen aus Konkurrenzdenken hätte er jeden anderen beliebigen Beurf haben können, wie Du schon angemerkt hast. Deswegen verlangt es bei mir nach einer Verbindung zwischen der Tat und dem Beruf.
Ich fände es, gerade bei einer so oft schon aufgegriffenen Thematik, viel interessanter, den Versuch zu unternehmen, die sich auftuenden menschlichen Abgründe zu beleuchten.
Dem möchte ich sogar zustimmen. :-)
Ich fürchte nur, dafür müsste die Story ganz neu geschrieben werden ... dafür würden ein paar kleine Hinweise tatsächlich nicht reichen, sondern die komplette Geschichte müsste auf das Profil des Täters ausgerichtet werden. So etwas reizt mich schon immer wieder zu lesen (ich befasse mich hobbyäßig mit Serienmördern - Fritz Haarmann lässt hier grüßen ;-), ist allerdings - sonst hätte ich selber schon so etwas geschrieben - auch ziemlich schwer literarisch umzusetzen.

Ginny

 

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