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Flauschiger Dreier

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01.10.2002
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Flauschiger Dreier

Ihr Mann mochte mich nicht, das wurde mir schnell klar. Er wollte das Bett nur mit ihr teilen, ein verständlicher Wunsch, nur zu verständlich für einen Mittdreißiger, der wusste, dass gemeinsame Stunden in Zukunft kostbar wären. Seine Wünsche waren präzise: Sehnsüchtig sollte sie auf ihn warten. Ohne Buch oder sonst eine Ablenkung. Mit nackten Armen, zumindest das.

Ich wusste mehr über sie, als mir lieb war. Sie wollte nicht mehr mit ihm schlafen. Kein Wunder, dachte ich; statt sie zu verführen, fing er an, so lange zu quengeln, bis sie sich stritten oder sie nachgab. Meine Rolle als ritterlichen Abstandshelfer nahm sie dankbar an. Und versteckte mich trotzdem am nächsten Morgen unter dem Doppelbett, in der großen Schublade, wo sich die Staubmäuse gute Nacht sagten. Besonders, seitdem sie sich nicht mehr so gut bücken konnte. Einfach so abgeschoben! Das machte mich traurig. Obwohl ich immer für sie da war - auf ärztlichen Rat sozusagen.

Manchmal hatte ich Glück und sie nahm mich mit ins Bett. Er hockte dann meistens noch vorm Fernseher und ich genoss die heimlichen Kuschelmomente mit ihr, obwohl sie mich unter Bergen von Decken versteckte. Hatte sie keine Angst, dass mir das schadete, dass etwas in mir dabei verbog?

Ihr Mann machte sich über mich lustig. Besonders über meine Farben. Dabei war meine Kombination aus Sportlichblau und Sanitätshausgrau auf jeden Fall besser als die komischen Muster auf seinen Bürokrawatten. Ingo, so hieß ihr Mann, brillierte als unsensibler Klotz, der nur mit seiner Karriere beschäftigt war und ständig vergaß, sich morgens die Schuppen vom Anzug zu klopfen.

Für ihn war nur wichtig, vor einem Meeting entspannt zu sein.
„Sei lieb“, sagte er dann und langte nach ihren Schenkeln.
Einmal, es war ausnahmsweise nicht die Fünfminuten-vor dem Büro-Nummer, wälzte Ingo sich so unvermittelt auf sie zu, dass ich nicht schnell genug zur Seite rutschte.
„Nun leg das verdammte Ding weg“, sagte er und schaute Karla, so hieß seine Frau, nicht gerade liebevoll an.
„Das ist kein Ding“, verteidigte sie mich, was mich rührte.
„Und ich möchte keine behinderte Frau“, sagte er. „Vor allem nicht im Bett!“ Ich war empört, als ob meine Anwesenheit aus ihr eine behinderte Frau machte!
Ingo drehte sich um, Karla weinte. Während er bald schnarchte, denn es war schon Abend, saugten ihre Tränen meinen plüschigen Schaumstoff voll. Und ich war froh, dass ich sie trösten konnte.

Manchmal vertrugen sich die beiden und ich sah neidisch zu, wie er zärtlich über den sich wölbenden Bauch strich. Dann schmiedeten sie Pläne, träumten vom Glück zu dritt. Was mich wunderte, verteidigte Ingo sonst immer sein Zweierglück. Gegen einen Dreier hätte ich nichts, aber mich fragte ja niemand. Auch nicht Karla, die jetzt wieder mehr mit Ingo und Nestbau beschäftigt war, als was sie ihr emsiges Tun gegenüber ihrer Freundin bezeichnete. Karlas Pärchenglück zeigte sich besonders in ausgedehnten Shoppingtouren, bei denen ich nicht mitmachen durfte.

Zum Glück wurden diese Momente im Laufe der Monate seltener. Ingo wollte, dass Karla zuhause blieb. Aber Karla liebte ihr Büro mindestens genauso wie Ingo seins. Je schwerfälliger Karla wurde, desto lieber schien sie mich zu haben und ich blühte in meiner Rolle des Freund und Helfers auf.

Leider freute ich mich zu früh. Aus dem Schrank, meinem neuen Versteck, in das Karla mich einquartiert hatte, nach Ingos gemeinem Anschlag an einem Samstagnachmittag, hörte ich sie durch das Holz hindurch laut streiten.
„Ich verlange gar nichts Großartiges“, sagte Ingo, „aber jeder Mann wünscht sich abends etwas Nettes im Bett.“
„Dann such dir doch was Nettes“, hörte ich Karla sagen.
„Da kannst du dich drauf verlassen!“ sagte er mit wütendem Unterton. „Du glaubst doch nicht, dass Susan sich so gehen lassen würde.“
„Was hat Susan damit zu tun?“, fragte Karla überrascht. Susan war ihre beste Freundin und von Mädelsabenden wusste ich, was für aufregende Dessous sich unter Susans eher schlichten Pullovern verbargen.
„Susan würde sich nie mit so einem häßlichen Ding abgeben!“, sagte Ingo. „Zumindest nicht im Bett!“
Ich hatte schon geahnt, dass es wieder um mich gehen würde. Und ich wusste, dass Ingo sich diesmal endgültig durchsetzen würde. Ein zweites Mal würde mich Karla nicht retten können.

Monate vergingen, es wurde draußen schon kalt, Schnee fiel, in großen Flocken und die Leute liefen mit Handschuhen herum, was mich freute und hoffen ließ, dass Karla sich mit mir bald in der Öffentlichkeit sehen ließ. Der Winter war meine Lieblingsjahreszeit, dann war ich so wärmend wie Mütze und Schal und vor allem so unauffällig wie ein Handschuh.
Es ging auf Weihnachten zu und Karla packte einen Koffer. Vor allem Kosmetika, Nachthemden und einen Bademantel stopfte sie hinein. Eine Ferienreise! Und ich war überglücklich, dass sie mich mitnehmen wollte! Mich und nicht Ingo! Voller Vorfreude malte ich mir aus, wo es hingehen sollte.

Weitere Wochen vergingen. Wochen, in denen er plötzlich netter war. Viel netter. So, als ob, er etwas erwartete, ein Paket oder ein großes Geschenk. Und sie freute sich dann. Ich hörte sie plaudern und lachen. Was mich störte, änderte es doch alle Pläne. Womöglich musste ich zu Hause bleiben. Und Ingo kam mit! In die Ferien, deren verheißungsvolles Ziel ich immer noch nicht kannte.

An einem Sonntagmorgen ging es los. Nicht mit Ingos Auto, sondern mit einem Taxi! Und nicht in den Urlaub, sondern ins nächste Krankenhaus. Dabei hatte ich mich so auf den Urlaub gefreut! Karla schien es nichts auszumachen. Ingo auch nicht. Dabei hatte er doch sonst immer an allem etwas auszusetzen! Nichts konnte ihm ruhig genug sein.

Und ich war deshalb sehr schadenfroh, als die beiden wenige Tage später mit einem schreienden Bündel nach Hause kamen.
Das Baby mochte mich und lächelte mich an. Dabei meinte Ingo, dass Babys noch gar nicht lächeln könnten. Zumindest nicht absichtlich. Vielleicht war er nur eifersüchtig. Jedenfalls streckte dieses wonnige Etwas seine pummeligen Händchen nach mir aus und winzige Fingerchen vergruben sich in mir.
Auch sonst hatten wir neue Gemeinsamkeiten. Karla wusch mich zusammen mit den Babysachen, was Ingo gar nicht gefiel.
„Du sollst dich nicht so überanstrengen“, sagte er im Türrahmen stehend, während er Karla beobachtete, wie sie sich über das Waschbecken beugte. „Und hast du dich wegen der OP entschieden?“ Seine Stimme hatte einen harten Ton angenommen.
„Ich will nicht schon wieder ins Krankenhaus“, sagte sie.

Stattdessen konnte ich sie, wie schon so häufig in ihrer Kugelzeit, zum Arzt begleiten.
„Ich sehe, Sie haben Ihre Orthese dabei“, lobte der Neurologe, ein entspannter Mittsechziger, der sich schon auf seine Rente freute. „Das nenne ich vorbildlich. Aber tragen Sie sie auch nachts?“
Ich war gespannt, was Karla antwortete.
Am liebsten würde ich sie verpetzen.
Und von den Schubladen- und Schrankaufenthalten erzählen.
„ Wissen Sie, mein Mann mag sie nicht besonders“, sagte sie ausweichend. Ein bisschen schien sie sich zu schämen. Was ich richtig fand. Karla verhielt sich stolz wie jede Neumutti, schien aber jeden sonstigen Stolz vergessen zu haben, vor allem auf ihr Diplom, das sie Ingo voraushatte.
„Und Ihr Mann scheint Sie nicht besonders zu mögen“, sagte der Doktor, nicht mehr um ärztliche Diplomatie bemüht, umso weniger angesichts der tollen Dinge, die ihn bald erwarteten.
Karla schwieg.
„Bei konsequentem Tragen Ihrer Orthese können Sie Glück haben. Vielleicht hören Ihre Schmerzen bald auf.“ Und ich lächelte stolz, was aber keiner bemerkte.

Nervenleitungsgeschwindigkeitstest. Ich sah, dass Karla dabei Schmerzen hatte, aber sie verzog nicht mehr das Gesicht als Nachts, wenn sie nicht schlafen konnte und wieder einmal von diesem unsäglichen Kribbeln geweckt wurde. Als liefen tausend Ameisen unter ihrer Haut, sagte sie dann jedes Mal zu Ingo. Und Ingo antwortete, er wäre es leid, schon zum tausendsten Mal das Gleiche zu hören.

„Ich muss morgen raus“, grunzte er dann vorwurfsvoll, „du kannst dich ausschlafen.“ Und schwups war er eingeschlafen, während sie wohl darüber nachdachte, was sie eher wach hielt, das Baby oder die Schmerzen im Arm. Nein, sie würde keine Operation machen lassen, hatte Karla zu Ingo beim Abendbrot gesagt. Häufig ginge das Karpaltunnelsyndrom nach der Geburt wieder zurück. Ingo war verständnislos wie immer gewesen, vielleicht auch nur ungeduldig. Immerhin lag die Geburt schon fünf Wochen zurück. Ich aber freute mich, das Bett mit Karla und dem Baby allein zu haben. Denn Ingo war im Wohnzimmer auf die Couch gezogen und ich durfte ganz eng um Karlas Arm liegen, weich und anschmiegsam.

 

Hi,

Ihr Mann mochte mich nicht.
Das wurde mir schnell klar. Er wollte das Bett nur mit ihr teilen. Ein verständlicher Wunsch. Nur zu verständlich für einen Mittdreißiger, der wusste, dass gemeinsame Stunden in Zukunft kostbar wären. Seine Wünsche waren präzise: Sehnsüchtig sollte sie auf ihn warten. Ohne Buch oder sonst eine Ablenkung. Mit nackten Armen. Zumindest das.

Ich wusste mehr über sie, als mir lieb war. Sie wollte nicht mehr mit ihm schlafen. Kein Wunder, dachte ich. Statt sie zu verführen, fing er an, so lange zu quengeln, bis sie sich stritten oder sie nachgab. Meine Rolle als ritterlichen Abstandshelfer nahm sie dankbar an. Und versteckte mich trotzdem am nächsten Morgen unter dem Doppelbett. In der großen Schublade, wo sich die Staubmäuse gute Nacht sagten. Besonders, seitdem sie sich nicht mehr so gut bücken konnte. Einfach so abgeschoben! Das machte mich traurig. Obwohl ich immer für sie da war - auf ärztlichen Rat sozusagen.

Ist das ein Stilexperiment, wie ein Text ohne Nebensätze wirkt? Irgendwas stimmt da stilistisch nicht, mit den Satzverbindungen. Ist das Absicht? Wenn ja, wieso? Also was für einen Effekt willst du damit erzielen? Für mich liest sich das sehr komisch.
Das fließt nicht, das liest sich abgehackt, wie Stop-and-Go, das ist immer besonders schwierig, weil ein so lapidarer Satz dann eine fast apodiktische, Ausrufezeichen-Wirkung hat.

Ich halte mich für einen normal intelligenten Menschen und ich hab die Geschichte nicht verstanden. Ich dachte es wäre ein Kuscheltier, eine Wärmflasche oder ein Vibrator, um das es da ging. Dann heißt es „Orthese“ – das Wort kenn ich nicht.
Also ich hab die Geschichte einfach nicht verstanden. Hab das Wort noch nie gehört. Soll es spannend sein, was genau das Ding jetzt ist?
Irgendwie finde ich die Figuren auch nicht so spannend, es ist alles ein bisschen Klischee, oder?
Kannst du als Autorin davon ausgehen, dass der Leser schon drauf kommt, aus wessen Perspektive das erzählt wird? Denkst du nicht, es ist frustrierend, wenn der Leser dann als Auflösung die Pointe hat und sie nichtmal versteht, weil er nicht weiß, was eine „Orthese“ ist? Wieviele Leute, glaubst du, haben das Wort „Orthese“ in ihrem Wortschatz? Wieviel Prozent deiner Leser? Irgendwie kann man es sich zurechtfummeln am Ende, jo, aber … zu dem Zeitpunkt fühl ich mich auch ein bisschen verarscht. „Ich bin der Erzähler, ich bin die Pointe dieses Textes, kriege raus, was ich bin, ich sag es dir, was du kennst mich nicht? Geschichte zu Ende.“ - Ich weiß nicht, das ist einfach nicht die Literatur, die ich mir vorstelle, auf die ich stehe. Aus der Sicht eines unbelebten Objekts zu erzählen, das sind so Ideen … ich find das so bieder und uninspiriert. Um was geht es? Um Zwist im Ehebett. Aber so richtig geht man dann halt nichts ins Eingemachte, sondern bleibt in der Besucherrolle.
Es gab bei Desperate Housewives mal eine Szene, da hatte die Frau Krebs, Chemotherapie, Haarausfall, hat eine Perücke aufgehabt, und dann ging es ihr ein bisschen besser und sie wollte mit ihrem Mann schlafen, ist auch alles okay, dann sagt sie: Das juckt wie verrückt, reißt sich die Perücke vom Kopf und hat eine Glatze und der Mann kann nicht mehr. Und sie fragt ihn: Was soll denn der Scheiß? Ich dachte du liebst mich, es kann ja wohl nicht sein, dass dich so etwas wie eine Glatze abstößt. DAS ist spannend, das geht direkt ins Schwarze, das ist eine Situation. Da muss man den Text doch nicht aus der Perspektive der Perücke erzählen, damit es den Leser interessiert, oder damit man einen besonderen, pfiffigen Kniff hat.

Also na ja, vielleicht hab ich da einfach eine Bildungslücke und das ist ein ganz normales Wort, das ich halt nicht kenne, so wie „genant“.
Ansonsten: Solche „ich erzähle und ihr müsst raten aus welcher Perspektive ich erzähle“-Pointen/Gimmickgeschichten … nee. Das Problem ist, dass man sich zu sehr auf das Gimmick konzentriert, und dann oft darüber hinaus wenig sieht. Oft nur schemenhafte Klischeefiguren. Hier der Streit zwischen den beiden Eheleuten scheint mir nicht viel zu haben, aber was weiß ich. Ich les mal was anderes von dir.
Ich finde mit Geschichten wie dieser, tust du dir keinen Gefallen.
Stilistisch fand ich die auch nicht gut … abgehackt und keinen guten Klang.
Der Mann wirkt, im Kontext dieser Geschichte, ein bisschen wie ein Vollarsch, der sich, wenn keiner hinsieht, bösartig lachend, seinen schwarzen Schnäuzer zwirbelt.

Vielleicht bin ich einfach überhaupt nicht die Zielgruppe für solche Geschichten.
Tut mir leid, wenn das jetzt hart klang, aber das sind so Geschichten – grade weil du den Eindruck machst, du könntest es wirklich besser -, also da bin ,grade weil sie so harmlos sind, wirklich dagegen.

Gruß
Quinn

 
Zuletzt bearbeitet:

hallo Quinn,

danke für deinen ausführlichen, ehrlichen Kommentar! Die Geschichte war, wie du schon geahnt hast, ein Experiment. Normalerweise schreibe ich keine Gimmick-Geschichten... wollte es aber doch einmal gemacht haben.
;) :Pfeif:

Man muss als Leser Freude an diesem Geschichtentyp haben. Ich mag solche Rätselgeschichten. Vielleicht funktioniert eine Gimmick-Geschichte eher mit bekannten "Protagonisten". Vielleicht sollte eine Gimmick-Geschichte erheblich kürzer sein.

Ist das ein Stilexperiment, wie ein Text ohne Nebensätze wirkt? Irgendwas stimmt da stilistisch nicht, mit den Satzverbindungen. Ist das Absicht? Wenn ja, wieso? Also was für einen Effekt willst du damit erzielen? Für mich liest sich das sehr komisch.
Das fließt nicht, das liest sich abgehackt, wie Stop-and-Go, das ist immer besonders schwierig, weil ein so lapidarer Satz dann eine fast apodiktische, Ausrufezeichen-Wirkung hat.

> Danke für die Rückmeldung! :) Das ist eine große Hilfe. Ich war davon ausgegangen, dass sich die Geschichte durch die kurzen Sätze schneller, lockerer liest, aber vielleicht war das Gegenteil der Fall: Stop-and-Go und Stolpersteine.
Hab ich jetzt geändert.

Die Geschichte ist auch thematisch ein Experiment. Gerade so "normale", Leute tauchen bei mir seltener auf. Klischee. Wahrscheinlich ist die Realität viel klischeehafter als man haben möchte....Andererseits hatte mich das Thema interessiert. Die desperate housewives Episode finde ich auch gut. Allerdings bietet eine Perücke von sich aus mehr. Und Krebs wirkt gleich dramatischer als andere ebenfalls weit verbreitete Krankheiten, für die Leute oft viel weniger Verständnis entwickeln. Ich denke, solche Kerle wie in der Geschichte gibt es häufiger als man meint. Ich hatte mich dabei von einer realen Geschichte, die ich gelesen hatte, inspirieren lassen.

Meine Ausflüge gehen demnächst wieder in "härtere" Gefilde. :D Versprochen! Meine nächsten geplanten Geschichten sind klassische Krimi- und vor allem Horrorgeschichten, ganz ohne Experimentkram.

Trotzdem muss man sich wohl einmal die Pfoten verbrannt haben... (Auch wenn ich selbst die Geschichte für nicht ganz so mißlungen halte wie du.

schönen Nachmittag Petdays

 

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