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Feige Beute

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26.12.2011
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Feige Beute

Lustlos schlendern Sven und seine Kollegen über den Rasenplatz vor der Schule. Sven schleudert seine Tasche hin und her. Das heute geprüfte Thema war genau nach seinem Geschmack. Er ist rundum zufrieden mit dem Tag.

"So ein Mist, diese Prüfung habe ich verbockt", lässt Tom Dampf ab.
"Ach, komm schon Alter", boxt ihn Sven an, "so mies kann es nicht gelaufen sein."
"Doch ist es."
Freundschaftlich legt er ihm den Arm auf die Schulter, "take it easy."
"Nimm deine Pfoten weg!"
Sven zieht seinen Arm zurück. "Das Thema war doch einfach. Da kannst du nicht abgeschifft sein."
"Lass mich in Frieden mit deinen blöden Kommentaren."
"Sei nicht so empfindlich, dass du nicht vorbereitet warst, ist dein Problem und nicht meins."
"Ja, ja, schon gut", faucht Tom verärgert. "Mit deinen Noten wäre ich auch locker drauf."
"Das sagst du immer. Du musst halt mal was dagegen tun, Junge! Von nix kommt nix!"
"Schnauze!"

"Hey, ihr seid vielleicht mies drauf; vergesst die Prüfung!", mischt sich Ben ein.
"Dann tu was dagegen und hol uns Bier!"
"Ja genau, Bier trinken hebt die Stimmung!"

Ben zögert, denn er ist der einzige, der alt genug ist um Bier zu kaufen. "Irgendwann kriege ich Ärger wegen euch, das ist euch schon klar, oder?"
"Wen juckts? Willst du nun Frieden oder nicht?"

Im Laden an der Ecke deckt er sich mit Bier ein. Ein paar Meter weiter warten seine Kollegen auf ihn.
"Und jetzt?", will Ben wissen.

"Abhängen, was sonst?", antwortet Tom und schaut Sven nach, der sich zwei Bier geschnappt hat und in Richtung Unterführung läuft. Wortlos trotten ihm die anderen hinterher.

"Kommt, wir hocken dort auf die Treppe", schlägt Sven vor und hüpft ein paar Tritte weiter hinunter. Er wirft seine Planentasche hin und setzt sich daneben.

"Worauf wartet ihr? Braucht ihr ne Einladung?"
"Ja, ja, wir kommen ja schon."
Zwischen Schulmappen, Jacken und Alubüchsen prosten sie sich zu.
"Auf diese Scheissprüfung."
"Genau, auf diese Scheissprüfung."

Für eine Weile hängt jeder seinen eigenen Gedanken nach.

"Hey, schaut mal!", lachend zeigt Sven auf eine gekrümmte Gestalt. "Schaut mal den alten Knacker dort. Der kann sich ja kaum auf den Beinen halten."
Die Freunde beobachten den Mann, wie er sich langsam vorwärts kämpft. Sie spotten und klopfen Sprüche. Auf einmal steht Tom auf und imitiert den ungeschickten Gang des Alten. Sie lachen laut heraus und prosten sich zu.

"Auf den Alten."

Lautstark äfft Tom das schmerzvolle Stöhnen des Mannes nach. Die Teenager können ihren Lachanfall kaum mehr stoppen. Irgendwo bellt ein Hund, als würde er mitlachen.

Unbeeindruckt vom Gespött zieht sich der Greis am Geländer Stufe für Stufe die Treppe hinauf. An seinem Arm baumelt eine kleine Einkaufstasche. Diese Arthritis macht mir das Leben auch nicht einfacher, denkt er, und krallt sich für den nächsten Schritt an den Handlauf.

Plötzlich strauchelt er. Er findet keinen Halt und stürzt. Seine Papiertasche reisst. Orangen, Äpfel, alle seine Einkäufe rollen die Stufen hinunter. Nur ein Päckchen Zigaretten bleibt in der Nähe liegen. Umständlich kämpft sich der Mann wieder auf die Füsse. Vorsichtig macht er ein paar wacklige Schritte. Er streckt seinen schmerzenden Körper nach dem Päckchen Zigaretten. Mit den Fingerspitzen kann er das Plastik berührt. Nur noch ein winziger Zentimeter denkt er. Dann schnappt es ihm jemand weg. Enttäuscht lässt sich der Alte auf eine Stufe plumpsen und bleibt betrübt sitzen. Traurig schaut er, dem braun-schwarzen Hund zu, der die Orange anbellt. "Die tut dir nichts", sagt der Mann leise mehr zu sich selbst.


Die Freunde brechen in Gelächter aus. Sie lachen sich krumm und schief. Als sie sich wieder etwas erholt haben, zieht Sven ein Päckchen Zigaretten aus seiner Jackentasche und sagt: "Die kriegt er auch nicht mehr! Wer will eine?"

Blitzschnell, wie aus dem Nichts schiesst ein tätowierter Arm durch die Luft. Der Schäferhund springt spielerisch dazu. Eine Hand mit schwarz lackierten Fingernägeln entreisst Sven jäh die Beute.

"Was soll das? Gib mir sofort meine Zigaretten zurück!", entrüstet sich Sven.

"Fick dich!", ruft ihm die junge Frau mit den borstigen rosa Haaren zu. Sie streckt den Hals, sodass die silbernen Zacken an ihrem Lederhalsband gefährlich funkeln. Ihr zotteliger Begleiter springt aufgeregt umher. Sie verzieht ihr Gesicht, fährt mit der Zunge bis zum Nasenring und grinst schadenfreudig. Sprachlos kleben die Jungs an Ort und Stelle. Hämisch lachend winkt sie ihnen mit dem kleinen Päckchen zu und zeigt den Stinkefinger.

Sie dreht sich um und geht auf den alten Mann zu, "sind sie verletzt?"
Verängstigt zuckt er zusammen. Schützend hält er seine Hände vors Gesicht, "bitte…"
"Keine Angst, ich tue ihnen nichts." Vorsichtig hilft sie dem zittrigen Mann auf die Beine, "geht’s?"
"Ja. Danke."
Behutsam setzt sich der Rüde neben den Greis und schaut ihn mit seinen dunklen Augen an. Für einen Moment freut sich der Alte.
Langsam legt sie dem Mann die Zigaretten in die Hand. "Die gehören ihnen."

 

Hallo Rosalia!

Eine kleine Geschichte, in der es um soziale Reife geht. Eine junge Stadtstreicherin ist hilfsbereit und ehrlich, während Sven und seine Studienkollegen niederträchtige Diebe sind.
Der Erzähler dreht in seiner Geschichte ein Klischee um. So etwas zu tun, ohne selbst dabei wertend zu werden, ist nicht einfach. Im ersten Absatz ist das noch recht gut gelungen.
Zum Beispiel: „Alle seine Freunde lachten …“, das ist vom Erzähler ohne Wertung berichtet. Etwas fraglicher dagegen ist, im zweiten Absatz, die Bemerkung „ganz cool“. Ob jemand etwas auf coole Weise tut oder nicht, liegt im Urteil des Beobachters, und der ist in diesem Fall der Erzähler.
Noch offensichtlicher ist die Wertung im Fall der Teenagerin. „Stadtbekannt“ ist OK, denn das mag noch (in der Geschichte) eine Tatsache sein, von welcher der Erzähler berichtet. Aber „rotznasig“ ist eine Wertung des Erzählers. Deutlich wird das, wenn man das Komma durch ein „und“ ersetzt: Melanie, eine stadtbekannte und rotznasige Teenagerin, … Noch deutlicher wird’s, wenn man „stadtbekannt“ weglässt: Melanie, eine rotznasige Teenagerin, …
Würde er schreiben: „eine stadtbekannte und als rotznasig berüchtigte Teenagerin …“,
oder:
„eine als rotznasig bekannte Teenagerin“,
wäre das Problem der Erzähler-Wertung gelöst.
„eine schmutzige Hand entreisst Sven die feige erworbene Beute.“ Auch wertend und zudem überflüssig. „Die Beute“ genügt. Das Swen keine Heldentat vollbracht hat, ist dem Leser klar.

Der zeitliche Rahmen sowie Ablauf des Geschehens sind nicht eindeutig. Da die Teenagerin dem alten Mann hilft, nachdem Svens Kollegen dazugekommen waren und nachdem er seine Anekdote erzählt hatte, hat der Mann dort sehr lange auf der Treppe gelegen. Davon abgesehen, das der alte Mann sich, nach letzter Information (wie er schwerfällig aufstand und sich nach einem Päckchen Zigaretten bückte), längst erhoben hatte, ist das schwer vorstellbar.

Swen hat seine Story zu Ende erzählt, alle lachen, dann geht es jedoch damit weiter, das Swen sein Erlebnis erzählt und alle grölen dazu. Solch eine Verknotung im Zeitablauf muss nicht sein.
Hinzu kommt, das der Erzähler die zum Verständnis nötigen Zeitformen (Vergangenheit kombiniert mit Vorvergangenheit) nicht immer richtig in seinem Text anwendet.

Einfacher wäre die (durchgängige) Gegenwartsform. Beispiel:
Swens Freunde lachen, als der alte Mann ungeschickt die Treppe hinauf stolpert, weil er seine von Arthritis gequälten Beine kaum auf die nächste Stufe heben kann. Swens Studienkollegen grölen, während der alte Mann versucht, auf der Treppe liegend, die Orangen …

Ich meine, dann wäre der Text nicht nur einfacher zu schreiben, sondern auch in seiner Wirkung eindringlicher.

Nicht nur der erste Satz, er zählt 37 Wörter, ist viel zu lang. Da muss ich mich schon arg quälen. Also, öfter mal einen Punkt setzen. Auch Füllwörter und überflüssige Bemerkungen entfernen kürzt den Text. Beispiel:
„Alle seine Freunde lachten, als Sven die Episode von dem alten Mann, der ungeschickt die Treppe hinauf stolperte, weil er seine von schwerer Arthritis gequälten Beine kaum auf die nächste Stufe heben konnte, zu Ende erzählt hatte.“
Alle, die Episode, ungeschickt, schwerer, zu Ende; all das kann raus.

Sehr oft wird das Wort „als“ im Text verwendet. Man kann auch mal „während“ einsetzen oder den Satz etwas umstrukturieren.

„Plötzlich aus dem Nichts schnellt ein tätowierter Arm durch die Luft …“
Ein Vergleich sollte auch als solcher erkennbar sein, sonst wirkt die Aussage seltsam.
Plötzlich wie aus dem Nichts, schnellt ein tätowierter Arm durch die Luft …

„Sie kehrt sich um und hilft“
Sie dreht sich um oder sie kehrt um und hilft.

Die Idee zur Geschichte finde ich gut. Du weißt etwas zu erzählen, und das ist eine wichtige Vorraussetzung für gute Geschichten.
Bei deinem nächsten Text solltest du versuchen, den Erzähler nicht ständig in den Vordergrund zu stellen. Der Erzähler wirkt hier wie jemand, der abseits steht und berichtet, was er sieht. Er scheint wenig über die Figuren zu wissen, nur das die Hauptfigur Swen heißt und ein Student ist und das Melanie, offensichtlich nach Hörensagen, aus irgendwelchen Gründen stadtbekannt ist.
Einzig an dieser Stelle wird aus Swens Sicht erzählt:
„Plötzlich aus dem Nichts schnellt ein tätowierter Arm durch die Luft …“
Dieses „plötzlich wie aus dem Nichts“ ist ein Moment im Geschehen, den der, bis dahin nur von außen berichtende Erzähler, Swens Kopf entnommen hat. Nur Swen kann diese Plötzlichkeit wahrgenommen haben. Der Erzähler hat also seine über dem Geschehen schwebende Position verlassen und ist in die Hauptfigur eingetaucht.

Gruß

Asterix

 

Hallo Asterix

Vielen, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meinen Text so ausführlich zu kommentieren. Deine Einwände und Erklärungen sind für mich ausserordentlich wertvoll.

Diese Geschichte lag lange in der Schublade. Dort hätte sie bleiben sollen. Doch ich fand sie gut und konnte die Fehler nicht erkennen. Inzwischen sehe ich sie anders und möchte sie am liebsten vom Bildschirm radieren.
Nach Deinen Begründungen sind für mich die Lichter reihenweise aufgegangen.

Ich wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Text Mängel hat. Darum schreibe ich an einer verbesserten Version im Präsent. Ich möchte die Erzählung in eine Geschichte mit direkter Rede umschreiben. Nun werde ich das Ganze zuerst noch einmal gut überdenken. Du hast mir sehr viel Gedankenfutter gegeben. Ich versuche möglichst viel umzusetzen und eine bessere Geschichte aus dieser Idee zu verfassen.

Herzliche Grüsse
Rosalia

 

Hallo Rosalia

Asterix hat dir ja bereits viele wertvolle Tipps gegeben, wie du diese kleine Episode bereinigen und abrunden kannst. Ich werde den Text nun ins Korrekturcenter verschieben, dort hast du vier Wochen Zeit, die Geschichte zu bearbeiten. Wenn du fertig bist, schreibe eine PM an Makita oder Tserk, die verschieben sie dann wieder zurück nach Gesellschaft.

Gruss dot

 

Im Großen und Ganzen okay, zurück nach Gesellschaft.

 

Hallo Rosalia

Bin zwiegespalten was die Geschichte angeht, das ist so eine Szene, wo der Leser die Nachricht des Autors so hingeworfen bekommt. Da ist wenig Spielraum für eigene Gedanken, das ist so schwarz-weiss irgendwie, und in der Kürze haben die Figuren auch kein Potential, sich zu entwickeln.

Diese Jungs sind Klischees, ich werd auch nicht ganz schlau draus wie alt die jetzt sein sollen, da ist einmal von "Studienkollegen" die Rede, dann wieder von "Schulbüchern", insgesamt wirken sie wie pubertierende Halbstarke, nicht wie Studenten. Hier rate ich dir, eindeutiger zu werden. Zudem sind sie komplett austauschbar, da ist ein Mirko, ein Sven, ein Ben, ein Tom, aber als Leser kann man sie unmöglich auseinanderhalten. Kann jetzt natürlich sein, dass das ein absichtlicher Kniff deinerseits ist, um eine "anonyme Gruppe" darzustellen, aber dann würde ich überlegen, ihnen überhaupt keine Namen zu geben - dann sind sie noch "ent-individualisierter", wenn man das so sagen kann. Wenn du ihnen Namen gibst, würde ich ihnen auch spezifische Charaktereigenschaften geben - bspw. könnte ja einer dabei sein, der sich nicht wohl fühlt bei der Verspottung des Alten, das würde dann ein wenig die Schwarz-Weiss-Malerei aufheben.

Die Teenagerin dann am Ende verkörpert das genaue Gegenteil. Ich kenne die erste Version nicht, konnte aber Asterix' Kommentar entnehmen, dass da mal "rotznasig" gestanden hat. Also ist das die augenscheinlich Asoziale, die dann eben das soziale Verhalten an den Tag legt - das geht in der neuen Version ein wenig verloren, hier ist nur von Tätowierungen die Rede, ausserdem "stadtbekannt" - hm, ja, kann man schon so machen, "stadtbekannt" kann zwar beides bedeuten, hat aber doch eher einen Hang zum Negativen. Also ok, ich denke, ohne das "rotznasig" ist es tatsächlich besser.

Also bin echt hin- und hergerissen, ich finde das ist ordentlich geschrieben, du hast dir Gedanken gemacht, wie du deine Nachricht in eine Geschichte verpacken kannst, aber ich finde, das ist nur so ein Gerüst irgendwie, da entfaltet sich nichts - auch dass der Text plötzlich abbricht finde ich nicht gut, ich würde die Szene schon noch zu Ende erzählen.

Am Ende war ich übrigens ein wenig verwirrt, für mich war es nicht ganz klar, dass Sven die Zigaretten des alten Mannes genommen hat, denn da steht nur: "Zieht ein Päcken aus der Jackentasche". Heisst das, er nimmt die dem Mann weg, steckt sie erst ein und holt sie gleich darauf wieder hervor?

Sonst noch:

"Doch ist es", knurrt Tom.

Würde hinter "Doch" ein Komma setzen.

"Hei, vergesst die Prüfung. Lasst uns Bier holen"

Ich glaube man schreibt es: Hey

"Ja trinken wir Bier, das hebt die Stimmung."

Ja KOMMA

Die vier Freunde prusten geräuschvoll heraus.

Das klingt seltsam. "herausprusten", kann man das wirklich so sagen?

Mit einer Grimasse zeigt sie ihm den tätowierten Stinkefinger.

Würde das tätowiert hier weglassen, das hast du schon gesagt, ausserdem finde ich einen tätowierten Finger ziemlich seltsam.

"sind sie verletzt?"

Sie gross in der Anrede.

Viele Grüsse.

 

Hallo Rosalia,
hab deine Geschichte in der Erstfassung gelesen und natürlich auch die neue und die neuen Kommentare.
Zunächst einmal:
Deine Geschichte hat sich auf jeden Fall verbessert aus dem schon sehr kryptischen parabelartigen Textchen ist jetzt eine Geschichte geworden.
Aber auch ich finde, dass du sie immer noch verbessern kannst. Sieist nämlich auf einer mMn schönen Idee aufgebaut, diese angenehme Umdrehung des Klischees. Damit deine neue Geschichte noch mehr Farbe kriegt, würde auch ich dir raten, den jungen Kerlen ein bisschen mehr Chaakter zu verleihen, Schwups hat da doch eine gute Idee gehabt. Lass ein bisschen mehr Dialog zu zwischen ihnen, vielleicht ein bisschen Gestik, du hast ja da schon Ideen angelegt, dass einer die Prüfung versaut hat, Ben ihn trösten will, aber er mit seinem Trost so gar nicht durchkommt, so was muss doch ein Gefühl hinterlassen. Möglicherweise sogar so, dass einer der Jungen, der innerhalb der Gruppe nicht so recht ankommt, das Verarschen des alten Manns vorantreibt, weil er so um mehr Anerkennung buhlt. So kannst du der Jungengruppe mehr Charakter verleihen. Ihre im Moment noch klischeehafte Bösartigkeit würde ein bisschen mehr Dimension kriegen.
Schwups hat auch Recht damit, dass nicht klar genug wird, woher Sven auf einmal die Zigaretten hat. Da würde ich noch was ändern.
Und auch das Alter der Typen würde ich festlegen. Als Studis kommen sie für mich nicht rüber, so wie sie soich aufführen, sinds allenfalls Schüler, aber Klausuren können die ja auch schreiben und eine Prüfung versaubeuteln auch. Du solltest nur darau achten, es einheitlich zu machen.

Auch was das Ende betrifft, muss ich meinem Vorredner Recht geben. So hinterlässt es mich ein wenig unzufrieden. Irgendwie wollte ich wissen, wie der alte Mann reagiert. Vielleicht könnte er sogar zunächst Angst haben vor der tätowierten Melanie?

Alles in allem habe ich deine Geschichte gerne gelesen, freu mich auch sehr, dass du das Interesse hattest, sie zu verändern und finde, dass sie schon viel gewonnen hat.
Vielleicht hast du ja Lust, noch ´ne Schippe draufzulegen.

Viele Grüße
Novak

 

Hallo Schwups und Novak

Danke für Eure Kommentare und Korrekturen. Die Fehler habe ich korrigiert.

Jüngere Studierende und pubertierende Halbstarke erlebe ich sehr oft ähnlich im Verhalten. Das erfahre ich fast täglich in den ÖV und in der Stadt. Sicher gibt es Unterschiede zwischen reiferen, also älteren Studenten. Die vier in meiner Geschichte sind im Alter von 16 bis 19. Ja, ich sollte ihnen ein klares Alter geben.

Meine Idee ist: Tom – der Streber, Sven – der Anführer, Mirko – der zünder/Initiant, und Ben der Mitläufer. Ich sehe, dass diese Charakterzüge für den Leser nicht erkennbar sind.
Das Thema ist klischeebehaftet, somit verkörpern die vier schon eine bestimmte Menschengruppe.

Nach Asterix' Ratschlägen habe ich versucht nicht zu werten. Nun ist der Text zu fade geworden. Wenn ich den Personen mehr Charakter gebe, werte ich dann? – Ich überlege, ob ich den Personen die Namen wieder nehmen soll, so wie im ursprünglichen Text. Vielleicht sollte ich sie ent-individualisieren.

Ja, das hast Du korrekt interpretiert. Seven hat dem Alten das Päckchen Zigaretten feige weggeschnappt. Darum schreibe ich: .. nicht mehr greifen. Das korrespondiert mit dem abrupten Ende. Das ist eigentlich genau das, was ich beabsichtige. Ich möchte, dass sich der Leser oder die Leserin hier selber Gedanken macht. Es ist ja nicht so offen, dass er wirklich grübeln müsste.


Dir Novak
ein besonderes Dankeschön, dass Du auch die neu verfasste Geschichte gelesen hast. Das freut mich besonders. Deinen Kommentar habe ich mit grossem Interesse gelesen.

Ein Klischee umkehren war meine Absicht. Wenigstens ist diese Idee beim Leser angekommen.

Auch Du schreibst, ich solle den Jungs mehr Charakter geben. War das im ersten Text besser? Wann wird ein Charakter oder Handlung wertend? Wann macht es die Personen lebendig?

Du sagst, ich solle mehr Dialog zulassen. Hmm, wird dann das Wichtige der Geschichte, nämlich das Ende, nicht zur Nebensache? Oder meinst Du, ich solle die Lustlosigkeit und Bösartigkeit der Jungs mehr beschreiben? Oder vielleicht die Wirkung des Alkohols?

Schüler oder Studenten? – Ich denke, ich schreibe sie in Schüler um. Das Prüfungen schreiben fängt ja schon in sehr jungen Jahren an.

Die Idee, dass der alte vor Melanie Angst habe könnte ist ein Gedanke wert.

Euch beiden vielen Dank fürs Lesen und Eure Bemühungen. Gebt mir etwas Zeit um Abstand zu bekommen. Ich mache mir auf jeden Fall nochmals Gedanken, wie ich diese Geschichte verbessern kann.
Gruss Rosalia

PS. Was bedeutet mMn?

 

Hallo, ich noch mal ganz kurz:
mMn= meiner Meinung nach. Ich bin wohl manchmal einfach zu faul.

Auch Du schreibst, ich solle den Jungs mehr Charakter geben. War das im ersten Text besser? Wann wird ein Charakter oder Handlung wertend? Wann macht es die Personen lebendig?

Nein, das fand ich im ersten Text nicht besser. Auch, die Jungs wieder namenlos zu machen, das würde mir nicht gefallen. Ich bin mir selbst nicht sicher, aber den Unterschied zwischen der wertenden Beschreibung und einer Charakterisierung durch Dialog und Handlung könnte man so sehen:

Wertung: Der alte Mann war geizig und boshaft.
Charakterisierung durch Dialog und Handlung:
"Das ist für Sie," sagte der alte Mann und legte dem Kellner ein Fünf-Cent-Stück auf den Tisch.
Ja, ok, vielleicht kein dolles Beipsiel, aber hoffentlich kommts trotzdem rüber, was ich meine.

Du sagst, ich solle mehr Dialog zulassen. Hmm, wird dann das Wichtige der Geschichte, nämlich das Ende, nicht zur Nebensache? Oder meinst Du, ich solle die Lustlosigkeit und Bösartigkeit der Jungs mehr beschreiben? Oder vielleicht die Wirkung des Alkohols?

Das ist ein Problem, zu dem ich selbst etwas unsicher stehe. Möglicherqeise wird es eine andere Geschichte. Ist mir auch schon mal passiert, dass durch die Änderungsvorschläge etwas ganz Neues entstanden ist. Ih habe das damals einfach als ein Ausprobieren genommen und beide Versionen für mich behalten.

Mir ging es um die stärkere Charaktersiierung der Junge, wie du es im letzten Satz des Zitats auch aufgefasst hast, indem du, was ja andeutungsweise durchaus rauskommt, den Mitläufer mal denken/oder sagen lässt, dass das zu weit geht, oder seine Schultern verkrampfen sich, weil er in einem Dilemma steckt.

Und klar - für so was braucht man Zeit, fürs Nachdenken, Entscheiden und dann fürs Überarbeten, lass dich da bloß nicht durch uns unter Druck setzen.
Viel Spaß und Erfolg weiter
Novak

 

Hallo Rosalia!

(Ach, ich sehe gerade, Novak hat schon zum Thema Wertung geantwortet, als ich dieses offline schrieb. Aber egal, doppelt hält besser.)

Schön, dass du mit deinem Text so bei der Stange bleibst.

Wenn ich den Personen mehr Charakter gebe, werte ich dann?
Wann wird ein Charakter oder Handlung wertend? Wann macht es die Personen lebendig?

Nicht, wenn du den Figuren es ermöglichst, selbst ihren Charakter zu zeigen.
Beispiel aus deinem Text:
Lustlos schlendern Sven und seine Studienkollegen über den Rasenplatz vor der Uni.
"So ein Mist, diese Prüfung habe ich voll verbockt", lässt Tom Dampf ab.
"Ach, komm schon Alter", boxt ihn Mirko an, "so mies kann es nicht gelaufen sein."
"Doch, ist es", knurrt Tom.
Ben legt ihm freundschaftlich den Arm auf die Schulter, "nimm es nicht so ernst."
"Nimm deine Pfoten weg!"
"Hey, vergesst die Prüfung. Lasst uns Bier holen", schlägt Sven vor.
"Ja, trinken wir Bier, das hebt die Stimmung."

Deine Idee:
Tom – der Streber, Sven – der Anführer, Mirko – der zünder/Initiant, und Ben der Mitläufer.

Lustlos schlendern Sven und seine Studienkollegen über den Rasenplatz vor der Uni.
Dadurch wird Sven für den Leser zur Hauptfigur. Das genügt für den ersten Satz.

"So ein Mist, diese Prüfung habe ich voll verbockt", lässt Tom Dampf ab.

Tom kommt hier schon als Streber zur Geltung. Ganz ohne Wertung des Erzähler. Vielleicht sollte e sich etwas gewählter ausdrücken (voll verbockt).

Ein wertender Erzähler hätte es vielleicht so geschrieben:
„Diese Prüfung habe ich verbockt", ärgert sich Tom, der Streber.

Auch Ben tritt hier, zumindest ansatzweise, als geduldetes Anhängsel auf:
Ben legt ihm freundschaftlich den Arm auf die Schulter, "nimm es nicht so ernst.
"Nimm deine Pfoten weg!"

Offensichtlich steht sich Tom mit Mirko näher als mit Ben.
Wenn sich dieses auch genauso zwischen Sven und Ben herausstellt, ist Ben ganz klar das fünfte Rad am Wagen, ohne das der Erzähler dieses direkt, also mit eigenen (wertenden) Worten, sagt.

"Hey, vergesst die Prüfung. Lasst uns Bier holen", schlägt Sven vor.
Hier habe ich nicht den Eindruck, dass Sven ein Anführer ist.
Eine Möglichkeit wäre:
"Hey, vergesst die Prüfung. Ben, geh uns Bier holen!", sagt Sven.
Das würde, ganz ohne Wertung, Sven wie einen Anführer erscheinen lassen und Ben noch ein weiteres Stück an den Rand der Gruppe rücken.

Lieben Gruß

Asterix

 

Hallo Novak
Oh, mMn – alles klar.
Danke für das Gedankenfutter. Deine Erklärungen geben mir eine Idee. Werten und charakterisieren liegen nah beisammen. Darüber muss ich noch ein Bisschen brüten.
Gruss Rosalia

 

Hallo Asterix

Oh, Danke, dass Du dich nochmals gemeldet hast. Deine Erklärungen bringen etwas Licht ins Dunkle.

Ich interpretiere das so, dass ich die Eigenschaften der Figuren durch sie selber entstehen lassen/schaffen muss – und sie ihnen nicht durch den Protagonisten sozusagen anhängen soll.

Was mich freut ist, dass die Positionen der Jungs doch wenigstens zum Teil erkennbar sind.

Ich arbeite nochmals an dieser Geschichte. Es ist eine gute Übung.

Gruss und Danke
Rosalia

 

Schöne Erklärung, Asterix, hab ich auch gleich was dazugelernt.
Danke.

 
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Hey Rosalia,

ich glaube ich lese den Text jetzt zum dritten Mal. Da wird es eigentlich Zeit, auch mal was dazu zu sagen :).

Liest sich in der jetzigen Form auf jeden Fall besser als zuvor. Der Anfang ist nun zwar lebendiger, aber die vielen Namen und dann tauchen die Jungs nur einmal auf und ich frage mich, brauch ich die eigentlich? Oder besser - brauchst Du wirklich alle um Deine Geschichte zu erzählen? Oder ginge es eventuell auch mit zweien? Zwei Charaktere, gegensätzlich, wenn Dir das wichtig ist, zwei Studenten trinken nach der Prüfung ein Bier und benehmen sich so ganz anders, als es ihnen von der Gesellschaft zugeschrieben ist.

Und eine stadtbekannte Teenagerin :). Eine Melanie die jeder kennt? Warum ihr einen Namen geben? Du willst ja wen, der von der Gesellschaft ausgegrenzt wird; also, nimm eine Punklady: tätowiert, Lederhalsband, rosa Haare, mit Hund. Die muss nicht jeder in der Stadt kennen. Nicht wirklich. Es reicht, wenn Du Deine Figur so beschreibst, dass der Leser sie einer Randgruppe zuordnet.

Ja, das sind so die zwei Punkte, die mir aufgefallen sind. Mach es Dir und den Leser nicht unnötig schwer. Zwei Jungs, eine Unbekannte "Wilde". Das sind (+ alten Mann) vier Personen und für einen so kurzen Text damit mehr als ausreichend. So viel müsstest Du ja nicht ändern. Nur die Namen auf zwei reduzieren und am Ende halt Name weg und eine(!) Äußerlichkeit draufgepackt, so dass sie eindeutig zugeordnet werden kann.
Den Alten hast Du schon sehr schön herausgearbeitet. Den mag ich gern.
Was mir auch gut gefällt sind die kurzen, geraden Sätze. Die passen sehr gut zum Textgeschehen.

Beste Grüße Fliege

 

Hallo Fliege

Vielen Dank fürs Lesen und Deinen Kommentar. Super - Du hast mir eine Richtung gezeigt! Deine Vorschläge finde ich toll, daraus mache ich was.
Ich hatte mich im eigenen Text verfangen.
Die Vierergruppe werde ich verkleinern und Melanie erhält ein Facelifting.

Ich werde die Geschichte in den nächsten Tagen überarbeiten.

Viele Grüsse Rosalia

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Schwups
Hallo Novak
Hallo Asterix
Hallo Fliege

Euch allen vielen Dank für die Unterstützung! :)

Ich habe versucht möglichst viele Eurer Verbesserungsvorschläge einzubringen und keine neuen Fehler zu kreieren. Ich hoffe, es ist mit gelungen.

Freundliche Grüsse
Rosalia

 

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