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Farblos

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11.12.2002
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Farblos

Farblos

Vertrauen. Treue. Stille. Harmonie.
Alles Eigenschaften die ihr Symbol in der kühlsten Farbe von allen gefunden haben.
Doch sind sie auch alle Teile eines besonderen Ganzen. Etwas das es nur noch sehr selten zu finden gibt.
Ohne ein blindes Vertrauen wird nie mehr daraus.
Ohne wirkliche Treue wird sie nie lange bestehen.
Ohne die Stille in den richtigen Momenten kann sie wie ein dünnes Glas in Sekunden zerbrechen.
Ohne die ausgeglichene Harmonie zwischen den Menschen kann sie zwar bestehen, doch ist sie nichts Wahres. Nur Heuchelei, die ein Bild für andere wahrt.
Doch sollten wirklich einmal alle Faktoren beisammen sein, ist es vollbracht etwas zu erschaffen, dass größer und stärker als Himmel und Erde gemeinsam sind.
So wie das Meer blau scheint – so ist auch eine Freundschaft weiter und tiefer, als man denken kann.
Blau wie die Treue, die Stille, das Vertrauen und die Harmonie.
Blau wie die Freundschaft, von Thomas.


Damals konnte ich noch nicht wissen, wie bedeutend dieser Sommer in Südfrankreich werden sollte.
Wie oft mir noch dieser eine Abend vor Augen kommen sollte.
Immer dann, wenn Johannas Bild vor mir entsteht und ich nichts anderes machen kann, als mir diesen einen Abend, in all seinen Einzelheiten ins Gedächtnis zurufen.
Es war Donnerstag und es hatte geregnet. Doch war der Himmel abends aufgeklart und die Luft war frisch, nicht mehr so schwer, wie am Morgen.
Aus dem alten Backsteingebäude drang der Geruch von frischen Kräutern.
Lars und ich saßen uns gegenüber.
Ein Schwarzer Springer wurde geschlagen, als Joe Yin bat, doch ein paar Teller auf den Tisch zustellen. Etwas mürrisch legte sie Blatt und Stift aus der Hand, erhob sich und ging ohne Eile ins Haus.
Die blauen Teller standen auf dem Tisch und Schwarz verlor die Dame.
Irgendwo in den Bäumen flog eine Taube auf.
Schwarz Schach.
Aus der Küche hörte man abgeschüttetes Wasser plätschern, gefolgt von Salatgabel-Klappern an Porzellan.
„Vorsicht heiß und lecker!“
Schwarz Matt.
Und dann stand sie dort. Die wohl beste Freundin die ein Mensch je finden konnte und die ich meine langjährige Gefährtin nennen durfte.
So wie Johanna dort in der Tür stand, lächelnd, in der einen Hand eine Schüssel Spagetti, in der anderen eine Schale mit frisch geriebenem Käse, verkörpertet sie alles was sie zu dem machte, was sie nun einmal war: Dem besten was einem passieren konnte.
Vollkommen egal, ob als Freund oder Liebender.
Mir war sie nie mehr, als die beste Freundin seit dem ich sie mit zehn Jahren in einer kleinen Grundschule mitten in Witten kennen lernte. Das es so
lange halten würde, war mir nie bewusst, doch warum hätte ich über eine Trennung nachdenken sollen.
Das es dann doch so unbeschreiblich schnell gehen sollte, konnte sich wohl keiner erklären.
Aber dieser eine Sommerabend... nein, wenn ich ehrlich bin, findet mich nie der ganze Abend.
Nur zwei Dinge:
Das Schachspiel mit Lars und wie Johanna mit vor Küchenhitze glänzendem Gesicht und den Schüsseln in den Händen in der Tür stand.
Johanna.
Auch wenn ich dich damals fast jeden Tag sah, (Erst recht nach dem Einzug in die kleine Hevener - WG.) begriff ich erst in diesem Augenblick was du wirklich für ein Mensch warst.
Doch warum?
Warum begriff ich es erst damals und warum sollte ich nur noch so unbeschreiblich wenig Zeit haben, das Begriffene zu bewundern?
Warum?

S^3
Sommer, Sonne, Sonnenschein.
Das schönste was es gibt.
Einfach am Strand liegen; das leise Plätschern der Brandung im Ohr und die Wärme der Sonne auf der Haut spüren.
Lebensfreude, Freundlichkeit, Asien.
Es gibt wohl keinen Asiaten, der nicht sein Leben mit Freude lebt und jedem, egal Freund oder Fremder, eine Freundlichkeit entgegen bringt, die fast erschlagend wirken kann.
Neid, Eifersucht, Verrat.
Selbst schon Judas wird auf alten Gemälden in einem fahlgelben Mantel dargestellt.
Und genau dies ist auch die Farbe, deren Eigenschaften wir ein wenig auf ihrem Weg begleiten wollen.
Gelb die Farbe des Sommers, der Sonne. Das Symbol Asiens und der Freundlichkeit, aber auch Sinnbild für Todsünden.
Für unsere heutigen Wegbegleiter Neid, Eifersucht und Verlogenheit.


Natürlich, wir wussten beide, dass wir am Ende alles andere als Freunde waren. Vielleicht waren wir einmal welche, doch das liegt erst recht zu lange zurück, um sich noch richtig zu erinnern.
Ja, ich gebe zu, dass ich sie zuletzt, besonders in Südfrankreich, oft verflucht habe, aber das es so enden sollte, hätte doch keiner geahnt.
Würde mich heute jemand fragen, wie ich mich an Johanna erinnere, könnte ich nur eins sagen:
Südfrankreich
Nach langen Diskussionen hatte sie mich dazu gebracht, mitzufahren und drei Wochen mit ihr und den Jungs in einem kleinen und verdreckten Ferienhaus im Wald zu verbringen.
An diese drei Wochen erinnere ich mich noch so genau, weil sie damals alles von sich gezeigt hat.
Sie war einfach freundlich, hat gelacht und war immer hoffnungslos hilfsbereit.
Doch am Abend dieses einen verregneten Tages brachte Johanna es zustande, alles was ich so an ihr hasste, auf einmal zu verkörpern.
Diese Frechheit, mit der sie rief: “Yin, könntest du mal ein paar Teller auf den Tisch stellen?“, obwohl sie genau wusste, dass ich mitten in einer neuen Choreographie steckte und endlich einen Faden gefunden hatte.
Genauso gut hätte Thomas es machen können. Dann hätten Lars und ich wenigstens einmal ein paar Minuten für uns allein. Ohne Johanna, die an ihm wie eine lästige Klette hing.
Diese Verlogenheit, mit der sie behauptete, ihr Essen würde schmecken.
Im nachhinein war ich doch sehr froh, dass ich die Einladung, zu ihr, Thomas und Lars in die WG zu ziehen, abgelehnt hatte.
Obwohl es mir um Lars wirklich leid getan hat.
Diese Arroganz, mit der sie im gelben Türrahmen stand und so bescheuert grinste, war auf die Dauer nicht zu ertragen.
Wie sie mit Lars umging, wie sie dabei ihre, nicht braunen, doch erst recht nicht roten Haare in den Nacken warf, war oft schon Übelkeit erregend.
Und obwohl ich mir und den anderen heute eingestehen kann, dass ich sie gehasst habe, wollte ich nie, dass so etwas geschieht.
Ja, ich habe sie gehasst, aber genauso bedauere ich jeden, der sie mochte... oder gar geliebt hat.
So ein Ende wünsche ich keinem!

Am Anfang war nichts.
Und dann?
Dann kam das Rot und verließ den Menschen nie.
Anfang und Ende zugleich.
Leben und Tod.
Liebe und Hass.


In dem Moment in dem sie in der Tür stand, war sie mehr als ein Mensch.
Ein Engel-gleiches Wesen, das mit seinem Lächeln und seinen strahlenden Augen die Zeit still stehen ließ.
Nach vier Jahren der Ungewissheit waren mir auf einmal meine Gefühle zu ihr bewusst.
Wenn ich jemals jemanden geliebt habe, dann war es Johanna.
Und das seit dem Tag, an dem ich sie an der kleinen Tankstelle in Witten kennen lernte, bis zu dem Tag an dem ich dich zum letzten Mal lächeln sah.
Nein, an diesem Tag habe ich nicht aufgehört, dich zu lieben, denn ich liebe dich noch immer.
Auch wenn du versucht hast, uns am Ende die Angst zunehmen, habe ich selbst heute noch Angst, dich zu verlieren, obwohl ich dich schon langst verloren habe. Ich habe Angst davor, zu vergessen, wie deine Stimme klang. Angst davor, zu vergessen, wie mich deine rotbraunen Augen immer wieder in den Bann gezogen haben.
Angst davor dich zu vergessen.
Doch gleichzeitig mit der Liebe zu dir empfinde ich auch einen unbeschreiblichen Hass. Einen Hass auf mich. Einen Hass darauf, dass ich dir nicht gesagt habe, dass ich dich mehr als alles auf der Welt liebte und es immer tun werde. Aber auch einen Hass auf dich, dass du uns erst viel zu spät sagtest, dass es zu Ende geht. Doch immer wenn ich diesen Gedanken in mir entdecke, verfluche ich mich, denn dir möchte ich keinen Vorwurf machen.
Du hattest Angst, genauso wie wir.

Und doch ist alles farblos. Nicht rot, nicht gelb, nicht blau. Nicht einmal schwarz/weiß war mein Leben am Ende. Ohne jede Farbe, aber auch nicht hell oder dunkel.
Kontrastlos... einfach farblos.
Ich habe mein Leben geliebt.
Die unbeschreibliche Freundschaft zu Thomas, ohne die mein Leben nicht halb so lebenswert gewesen wäre.
Selbst die Heuchelei Yins werde ich vermissen.
Doch das, was meinem Leben die letzten fünfeinhalb Jahre Farbe gegeben hat, war Lars.
Selbst in der letzten Stunde brachte ich es nicht über die Lippen, ihm zu sagen, dass ich ihn liebte. Doch hätte er auch nur annähernd etwas ähnliches gespürt, hätte er es mir gesagt. Doch das tat er nicht.
Und so wurde am Ende alles wieder farblos.

 

Hallo Vicky,

habe deine geschichte jetzt einmal gelesen - und muss sagen: ich verstehe sie nicht wirklich. Wer ist hier mit wem zusammen und mit wem nicht und warum? wer ist manchesmal "wir"..

manche textstellen sind schön und beeindruckend geschrieben - aber es sind allzuviele darin, die mich verwirren, mir den (verständnis-) faden nehmen.. zuviele stellen, die zwar atmosphäre schaffen aber ablenken...und den leser (zumindest mich) etwas rat-los zurücklassen - könnte auch ein grund sein, warum sich bisher die kommentare zurückhalten.

du scheinst die geschichte auch für dich selbst geschrieben zu haben..wenn dir das reicht.okay.. wenn sie auch für andere sein soll..würde ich bei einer überarbeitung den schwerpunkt auf den erzählfaden legen... und die abstrakten und ablenkenden absätze deutlich zurücknehmen..

lg, streicher

PS: herzlich willkommen auf kg.de - viel spaß hier..

 

Hallo streicher!

Verstehe deine probleme beim lesen! haben mir auch schon ein paar Freunde gesagt.

schnelle anmerkung auch für die anderen:
Die Geschichte ist aus 3 Perspektiven + ein "Nachkommentar" geschrieben.
zu beginn jedes neuen Erzählstückes steht eine Diffenierung einer Farbe (blau/gelb/rot). Die beschriebenen Emotionen haben auch die darauf erzählenden Personen zu Johanna(joe).

Der letzt Abschnitt ist aus Johannas sicht geschrieben und soll ein wenig erklärend wirken.

zur Personen-Konstelation:
Thomas ist der best Freund von Johanna und Lars, jedoch nur ein bekannter von Yin.
Lars ist (wie auch Thomas) nur ein Bekannter von Yin, aber heimlich verliebt in Johanna.
Yin findet Lars überaus anziehend, kann Thomas nicht leiden und war (vor länger, länger Zeit) einmal Johannas beste Freundin.
Johanna selbst ist in Lars verliebt, Thomas beste Freundin und bemüht sich zu diesem Zeitpunkt den Kontakt mit Yin zuhalten.

Lieber Streicher
es stimmt ich habe die geschichte für mich selbst geschrieben, aber genauso auch für andere.
die missverständnisse sind verständlich.
wollte im Grunde auch mal die Meinungen von anderen (nicht Freunden) hören.

Deine vicky

PS: Werde Spaß haben;)

 

Hallo Vicky!

Deine Geschichte hat mir gefallen. Es ist eine interessante Idee, Ereignisse so in direkte Beziehung zu Farben zu setzen, wie Du es getan hast, und obwohl ich zweimal lesen mußte, um einigermaßen durchzublicken :), habe ich es nicht bereut, mich auf Deine Geschichte eingelassen zu haben.

LG!
Tanja

 

Hallo Tanja!

Danke für das Lob.
Auf die Idee mit den Farben bin ich durch den bzw. die Film(e): Drei Farben: Rot/Blau/Weiß gekommen.

Vicky

 

In einem der Filme hat doch Julie Delpy mitgespielt, oder?

LG!
Tanja

 

Sorry, keine Ahnung ob sie da mit gespielt hat.(Namen kann ich mir schlecht merken9

Dir auch
Vicky

 

Also das, was Du weiter oben erklärst wird meiner Meinung nach vom bloßen Lesen des Textes nicht klar und ds müsste es eigentlich. Abgesehen davon gefällt mir Deine Sprache wirklich sehr gut. Wünderschön sind die Zwischenstrophen, sie sind so verklärt und trotzdem -ich kann's nicht beschreiben- so endgültig.

Hannes

 

Hi hquadrat!
Danke für deine Meinung!
Maeinst du mit den Zwischenstrphen die Farberklärungen?

Vicky

 

Schöne Geschichte, Vicky. Schön und ein kleines bissel wehmütig am Schluß - genauso, wie ich jetzt gerade fühle, nachdem ich wieder in der Provinz gelandet bin.
Paßt also sehr gut zu meiner Stimmung :)!

Lieber Gruß!
Annette

 

hi Zannalee!

Gerngeschehen für die Stimmungsuntermalung!

Vicky
:p

 

Hallo Vicky!

Also ich muss mal sagen, dass mir die Geschichte seeeehr gut gefällt!!!
Kopliment. :rotfl:
Aber ich ich finde du könntest auch mal 10 Tage im Dezember (hieß das so?) veröffentlichen...:D

Bis denne
Caddy :bounce:

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi caddy!
Vielen Dank für dein Kompliment !:kuss:

"10 Tage im Dezember" würde ich gern veröffentlichen, aber dass Problem ist dass man mir 1. den Beitrag auf der Disc gelöscht hat und 2. ist sie immer noch nicht fertig! :bonk:

Les mir gleich mal deine Story durch!

Vicky

 

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