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Für etwas Wertvolles...
Manchmal haßt sie alle Menschen auf diese Welt. Alle Menschen sind schlecht, böse und egoistisch. Manchmal liebt sie alle Menschen auf diese Welt. Auch wie schlecht sie sind, gibt es immer etwas Gutes. Eine Kleinigkeit, die sie bei jedem entdeckt.
Manchmal fällt es ihr aber schwer dieses etwas "Gute" zu erkennen, aber dann ganz plötzlich sieht sie auch eine Kleinigkeit, was ihr gefällt, obwohl sie diese Hoffnung schon längst aufgegeben hat.
Manchmal möchte sie sterben - der Tod - eine Erlösung für sie... aber sie und Selbstmord? Keine Mut!
Wie oft hat sie diesen Gedanken schon?
An einem Tag nahm sie all ihren Mut zusammen. Sie hat eine Entscheidung gefällt. Ihr Wunsch war ihre Augen zu schließen und sie nie mehr öffnen zu müssen. Einfach alles liegen lassen. Keine Schmerzen mehr. Keine Dunkelheit mehr. Keine Gefühle mehr.
Sie schärfte das Messer, das sie extra dafür besorgt hat. Ihre Zeit ist gekommen. Sie wollte sich verabschieden. Aber von wem? Alleine war sie! Niemand war da, der ihr etwas bedeutet hat - nicht einmal ihre Mutter, die sie austragen musste und sie mit unbeschreiblichen Schmerzen bekam. Ihre Geschwister? Wie sollte sie dieses Wort "Geschwister" definieren? Außer, dass sie von der gleichen Frau und von dem gleichen Mann stammen, haben sie nichts gemeinsam. Ihr Vater? Ihr Vater, den sie nicht als Vater bezeichnen möchte, war ein Arsch. Ein verdammter Mistkerl!
Sie wollte sich von ihren Freunden verabschieden. Freunde? Sie hatte doch keine. Doch, vielleicht sehr viele, aber sie möchte diese "Freunde" nicht als Freunde bezeichnen. Jetzt fiel ihr ein, dass sie sich gerne von ihm verabschieden wollte, wenn er noch da wäre. Er ist aber schon längst weg.
Sie guckte das Messer an. Sie starrte auf dieses scharfe Teil. Eine Wut kam hoch. Sie hatte das Gefühl, dass sie alle Menschen auf diese Welt umbringen könnte. ALLE. Für eine Sekunde hat sie es wirklich geglaubt, dies zu verwirklichen.
Sie stand auf; ging ins Bad; ließ das Waschbecken mit Wasser voll laufen und wollte ihren Puls aufschneiden. Sie setzte an. Sie dachte an: "Keine Schmerzen mehr!" Und...
Das klare rote Blut tropfte und tropfte... Das Wasser verfärbte sich. So schön rot... dunkelrot... fast schwarz... Sie betrachtete ihren roten Saft. Sie fühlte sich so schwach. Sie setzte sich hin. Sie dachte nach. Ihre Augen glänzten. Sie weinte. Schließlich lag sie auf dem kalten Boden. Sie fühlte sich so kraftlos. Sie wollte einschlafen. Sie schloss ihre Augen. Aber plötzlich schrie sie. "Ich möchte nicht sterben!!!"
Aber dieser Schrei war kein Schrei. Sie hatte das Gefühl, dass sie schrie, aber sie konnte nicht... Sie war schwach...
Erst da wurde ihr klar, dass sie über die ganzen Jahre nicht keine Mut zum Selbstmord hatte, sondern sie wollte noch leben... Erst da wusste sie, dass das Leben wertvoll ist. Erst da hatte sie es begriffen. Sie wollte aufstehen. Sie wollte um Hilfe schreien. Sie wollte nicht einschlafen. Sie hatte noch sovieles vor. Sie wünschte, dass sie die Zeit zurück drehen könnte.
Aber würde sie die Zeit zurück drehen, würde sie nicht wissen, dass ihr Leben einen Sinn machte...