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Erste Erfahrung

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19.06.2002
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Erste Erfahrung

Ein warmer Sommerabend senkte sich auf das Ferienlager. Militärisch ausgerichtet umringten die Sechzehn-Mann-Zelte den Appellplatz. Ab und zu klirrten die Ringe der Fahnenleine im Luftzug. Melodiefetzen der „Caprifischer“ wehten vorbei. Vor dem Helferzelt entlockte ein junger Mann seinem Akkordeon die neuesten Schlager, umringt von größeren Mädchen, die leise mitsummten.

Ich gehörte zur jüngeren Gruppe, die Elf- und Zwölfjährigen, und trottete ziellos durch das Lager. Es war „Freizeit“, keine organisierten Veranstaltungen und das war mein Problem. Ich hatte keine Freunde und langweilte mich. Unter den Mädchen, die den Akkordeonspieler umringten, erkannte ich Blanka aus dem Nachbarzelt an ihrem hellen Schopf. Sie wiegte sich im Rhythmus der Melodie; ihr Blick verlor sich im Nirgendwo. Ich stellte mir vor: „Ich stehe hinter ihr, lege die Arme um sie, drücke ihr Hinterteil gegen meinen Bauch, wiege mich mit ihr im gleichen Takt.“ Da ich mich nicht zwischen die Mädchen traute, schlenderte ich weiter.

Als ich an einem der Zelte vorbeikam, sah ich am Eingang ein Paar der größeren Gruppe auf der Holzpritsche sitzen, jeder die Hand zwischen den Beinen des anderen. Ich wurde immer unruhiger, ein mir unbekanntes Gefühl durchströmte mich, konzentrierte sich in meinem Unterbauch. Hinter dem Zelt stieß ich plötzlich auf Blanka. Hatte sie mich gesehen und war mir gefolgt? Ihre Bluse hatte sie vorn verknotet, ihr freier Bauch leuchtete hell. „Na du“, sagte sie. Ich blickte auf ihre nackte Haut, wusste nicht, was ich antworten sollte. Sie gab mir einen freundschaftlichen Schubs, ich schubste zurück und dann balgten wir uns wie zwei Jungen. Ihre kleine Brust streifte meinen Arm, meine Hand geriet an ihren Schenkel, mein Gesicht landete auf ihrem Bauch, meine Nase atmete den Geruch ihrer Haut ein. Ich hörte plötzlich auf. Etwas war anders als bei einem sportlichen Ringkampf. Ich wusste nicht weiter. Doch sie hatte schon die Leinwand hochgehoben und kroch ins Innere des Zeltes. Draußen war es noch eine warme Sommernacht gewesen, aber drinnen herrschte eine Temperatur, wie in einem Backofen. Blanca zog mich neben sich auf die Holzpritsche, streckte ihre Beine aus und fächelte sich mit dem Rock Luft zu. Ich versuchte, einen Blick auf ihr Höschen zu erhaschen.

Am Eingang zeichnete sich als Schatten, das Paar der großen Gruppe ab und auf einmal spürte auch ich Blancas Hand bei mir da unten. Mein Herz raste. Ich lag ganz still. Auch Blanca rührte sich nicht, hielt nur fest, was sie mit einem ungeschickten Griff gepackt hatte. Vorsichtig schob ich eine Hand unter ihren Rock und ertastete die mir unbekannten Körperformen, fühlte die Furche, die in ihren Körper führte. Alles war so anders als im Biologieunterricht. Da hatten wir durch unsere Witze die Mädchen in Verlegenheit bringen wollen. Hier war es einfach nur schön. Blanca kam mir entgegen, indem sie sich bequemer hinlegte. Auch ihre Hand setzte sich nun in Bewegung und erzeugte mir bisher unbekannte Gefühle. Es war, wie wenn wir Jungen uns beim Duschen nach dem Schwimmunterricht scherzhaft am Glied packten, aber auch anders, ging mir durch und durch und dauerte nicht nur ein paar Sekunden. Ich merkte, dass Blanca mit ihren Fingern das Wachsen meines Gliedes neugierig verfolgte und unser Atem wurde schneller. Da warf der große Junge, der sich am Zelteingang mit seinem Mädchen beschäftigte, plötzlich ein Kissen nach uns und rief: „Was treibt ihr den da, ihr Ferkel, ihr junges Gemüse. Hört auf, verschwindet und stört uns nicht!“

Ich fuhr erschrocken auf, schob Blanca beiseite, kroch hinten wieder aus dem Zelt. Angst befiel mich, etwas Verbotenes getan zu haben, gleichzeitig Wehmut, nicht weitergemacht zu haben. Bis zum Trompetensignal stürmte ich durch das Lager, hatte Zorn und wusste nicht worauf. Auch als ich dann auf meinem Strohsack lag, konnte ich nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder malte ich mir aus, was ich noch alles mit Blanca hätte machen können. Es blieb nur noch die Fantasie. Wenn wir uns später auf der Lagerstraße begegneten, taten wir, als würden wir uns nicht kennen.

Martin Eberhard Kamprad, Leipzig

[ 19.06.2002, 16:32: Beitrag editiert von: Eberhard_Kamprad ]

 

Hallo Eberhard,

deine nette kleine Geschichte aus der Sicht eines Jugendlichen hat mir gefallen. Sie ist rundum stimmig, auch wenn ich mich natürlich nur begrenzt in die Gefühlswelt eines Jungen versetzen kann.
Dennoch ist dir gelungen, mir seine Gefühle gut rüberzubringen, so dass ich mich den beiden Protagonisten ganz nahe gefühlt habe.

Super gelungen finde ich die Atmosphäre. Ich hatte das Gefühl selbst in diesem Zeltlager zu sein. Die Hitze, die sich in so einem Zelt aufstaut und all das Drumherum hast du sehr treffend beschrieben. Ich hab fast schon den Duft der Kiefernnadeln (für mich stehen die Zelte alle in einem Wald mit sehr hohen Kiefern) in meiner Nase und unter mir knacken tausende trockene Nadeln, wenn ich drübergehe.
Schöne kleine Geschichte, die ich gerne weitergelesen hätte, denn als es spannend wurde, hast du sie beendet.;) Aber ok, du bist der Boss der Geschichte.

Lieben Gruß
lakita

 

Hallo lakita,
danke für deinen Kommentar. Als Autor freut man sich auch, wenn einem Leser die Geschichte rundum gefällt.
Tschüss!
Eberhard

 

Mir hat die Geschichte auch gefallen, die Sprache des Jungen passt zu seinem Alter. Interessant, was man als Mädel über "kleine" Jungs erfährt! Aus dieser Sicht habe ich das nie betrachtet. Horizonterweiternder Beitrag, danke! Viele Grüße,
Dryad

 

Hallo,
gelungene Geschichte!!!
Auch ich finde die Umsetzung gelungen, konnte mich richtig in die Umgebung "einlesen".
Du beschreibst die typische Verhaltensweise von Jugendlichen nach so einem Vorfall.
Wer weiß, vielleicht wäre es anders gekommen, wenn sie in ihrem "Spiel" nicht gestört worden wären.
Schönen Gruß, wirklich tolle Geschichte
WibiB

 

Hi!

Deine Geschichte gefällt mir auch sehr. Das waren mal ganz neue Sichtweisen. Zumindest für mich, da ich ja auch kein Junge bin. ;-)

MfG, rolligirl

 

Hallo rolligirl, WibiB und Dryad,
vielen Dank für euere lobenden Kommentare. Ich selbst hatte bisher diese Geschichte nicht zu meinen stärksten gezählt, aber sie ist die einzige, die ungeteilte Zustimmung findet. Das werde ich in Zukunft berücksichtigen, wenn ich Texte zur Veröffentlichung anbiete. Dank für euere Hilfe dabei.
Herzliche Grüße!
Eberhard

 

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