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Endlos
Endlos
Alex
Ich bin schon eine halbe Ewigkeit auf der Suche nach ihr. Entschuldigt. Ich sollte mich besser erst mal vorstellen. Mein Name ist Alexander von Sourg, 15 Jahre und ich wohne in der Nähe von London. Wenigstens im Moment. Hier in der Schule kennt mich jeder nur unter Alex Sourg. Herkunft unbekannt. Es ist eine lange Geschichte, da wo ich herkomme und welcher Abstammung ich bin. Ein anderes mal mehr darüber. Zurzeit ist mein Aufenthalt hier auf dem Momokori-Gynasium in der 9a mit 26 anderen Jungen und Mädchen. Der Aufenthalt irgendwo ist nie für lange, da ich viel Reise um ihre Wiedergeburt zu finden. Das mag sich jetzt merkwürdig anhören, aber wie gesagt, das ist eine lange Geschichte. Es ist jetzt ungefähr 2 Monate her, das ich an diese Schule kam. Es ist schwer sich immer in kurzen Abständen neue Freunde zu suchen. Kaum hat man gute gefunden, reist man wieder ab. An vielen Schulen dachte ich die Richtige gefunden zu haben, lag aber immer falsch. Ich fiel mit meinen Behauptungen über diese Mädchen grundsätzlich herein die mich dann aber für verrückt erklärten. Man wird vorsichtiger wenn es einen häufiger passiert. Eigentlich habe ich mich in diese Klasse sehr gut eingelebt. Freundliche und nette Schüler findet man heutzutage nur noch selten. Demnächst steht eine Klassenfahrt an. Eine wundervolle Gelegenheit um die einzelnen Schüler noch besser kennen zu lernen. Wenn sie dabei ist werde ich sie dort erkennen. Es wird schwer, dass herauszufinden, aber es gibt Merkmale die nur sie besitzt. Leider ist mir noch nicht so genau klar welche. Warum ich sie immer „sie“ nenne? Nun ja, damals hieß sie Emmelin doch der Name kann nicht immer derselbe bleiben. Es gab viele die Emmeli hießen, aber es war nie die Richtige darunter. In dieser Klasse gab es keine Emmeli oder ähnliche Namen, also muss ich mich auf mein Gespür verlassen.
Freitag Morgen. Der Unterricht beginnt wie immer um 9.00. Es dauert eine Weile bis ich mich immer an die Verschiedenen Zeiten gewöhnt habe. Da ich, wie schon erwähnt viel Reise, gibt es Schulen mit immer anderen Unterrichtsbeginn. Wir haben gleich Mathe was für viele an einen Morgen nicht zu schaffen ist. Alle sitzen Junge-Mädchen nebeneinander. Meine Nachbarin heißt Susi. Ein relativ beliebtes Mädchen. Viele Jungs beneiden mich um diesen Platz. Sie ist ganz in Ordnung. Wer mich aber interessiert, ist Lilien. Wir nennen sie einfach nur Lilli. Es passt zu ihr. Langes, ins braune übergehend, blondes Haar, faszinierende tiefgrüne Augen und einen zartrosa Mund. Die meisten Jungs sind von ihr nicht gerade angetan, da sie eher ein ruhiger Typ ist. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Susi und Lilli. Sie hat einige Merkmale die Emmelin auch besaß. Das hat mich aber schon oft in die Irre geführt. Schon am Anfang beschloss ich mehr über ihr Leben herauszufinden. Mit Lilli Unterhalten hab ich mich natürlich auch schon. Sie ist wirklich sehr nett. Meistens wenn wir Gruppen bilden geselle ich mich zu ihr. Wir machen aber häufig nichts zusammen da sie lieber bei ihren Freundinnen ist. Man hat mir oft vorgeworfen das ich was von ihr will. Das stritt ich natürlich ab. Sie hat einen großen Freundeskreis. Nur Mädchen versteht sich.
Die 6 Stunden die heute waren ohne besondere Ereignisse. In der letzten Stunde redeten wir noch einmal über die in der nächsten Woche anstehenden Klassenfahrt. Die Zimmerverteilung war schon vor Wochen klar. Wir konnten sie uns selber aussuchen. Mein Zimmer teile ich mit 3 anderen Jungs zu denen man eine relativ gute Freundschaft aufbauen konnte. Susi und ihre Clique der „Trendis“ gingen natürlich in ein Zimmer. In dem wohl größten sind Lilli und 5 ihrer besten Freundinnen. Eine davon heißt Marie. Mit ihr verstehe ich mich auch ziemlich gut. Ein temperamentvolles Mädchen aber trotzdem nett. Die meisten freuen sich auf diese Fahrt. Wer kann es ihnen verübeln? Keine Schule, kein Unterricht, keine Eltern. Wir wurden noch einmal ausdrücklich belehrt kein Geschrei im Bus zu veranstalten und ruhig auf unseren Sitzen zu bleiben. Ich denke, dass die meisten das nicht einhalten werden. Zehn Stunden Fahrt gehen ja nun nicht gerade schnell vorbei.
Als der Unterricht also vorbei war ging ich langsam nach Hause. Auf halbem Weg gesellten sich Lilli und Marie zu mir. Wir wohnen nicht weit voneinander entfernt. Marie konnte ihren Mund kaum halten alles über diesen Tag noch einmal zu erzählen, Lilli ging stumm neben uns her und lächelte manchmal still vor sich hin. „Du bist hier ziemlich beliebt Alex, weißt du das? Du hast sicher schon viele Einladungen für den jährlichen Schulball bekommen oder?“ „Schulball? Ich weiß von keinem Schulball? Wann ist der denn?“ Meine Frage schien sie etwas zu verwundern. „Das weißt du nicht? Am letzten Schultag diesen Jahres. Das wäre, lass mich überlegen..... , ja in fünf Wochen. Das ist das Ereignis. Es findet jedes Jahr statt. Es dürfen die siebten bis zwölften Klassen teilnehmen. Manchmal kommen sogar Schüler von anderen Schulen um mit zumachen. Es findet in der Turnhalle statt. Nur Schüler werden reingelassen die angemessen angezogen sind. So mit langen Kleidern. Richtig altmodische und lange Kleider. Sie werden extra jedes Jahr hier bei uns hergestellt, weil man sie nur noch ganz selten in Läden findet. Es sind alles Einzelstücke. Natürlich auch Anzüge, sonst wirst auch du nicht reingelassen. Na, was hältst du davon?“ „Hört sich interessant an, aber ich wurde bis jetzt noch nicht gefragt.“ „Das passt ja gut! Lilli wollte nämlich...“ „Halt den Mund!“ schrie Lilli dazwischen. „Was denn?“ fragte Marie unschuldig. „Komm wir gehen!“ Lilli ergriff Maries Handgelenk und ging mit schnellem Schritt in Richtung ihrer Wohnung. Marie rief mir noch ein flüchtiges Tschüs zu und sie verschwanden. Ich stand bereits vor meiner Wohnung und schaute ihnen etwas verwirrt hinterher. Was sollte das eben? Warum wollte sie so schnell weg? Hmmm, merkwürdig. Genauso geheimnisvoll wie meine Emmelin. Ach ja, Emmelin, wenn ich sie nur finden würde. Ich ging in meine Wohnung, in der ich alleine lebe, und holte mir ein Stück Kuchen aus dem Kühlschrank, setzte mich auf die Couch in die Stube und versuchte mir ein Bild von Emmelin ins Gedächtnis zu rufen aber es klappte nicht. Es waren nur ein paar verschwommene Farben zu sehen. Es ist einfach zu lange her. Nach dem Stück, machte ich mich auf den Weg meine Sachen für die bevorstehende Klassenfahrt zu packen.
Lilli
„Sag mal spinnst du?“ fuhr ich meine beste Freundin an. „Warum denn? Wolltest du ihn denn nicht fragen ob er mit dir zum Schulball geht?“ „Ja, schon aber... ach was weiß ich. Lass uns das Thema wechseln. Nur, mach das nie wieder, verstanden!?“ „Ja ja. Reg dich doch nicht so auf.“ Marie ist zwar meine beste Freundin aber sie kann es nicht lassen immer irgend etwas unüberlegtes zu tun! Ich kann es ihr aber nie lange übel nehmen. Mein Freundeskreis ist groß doch von allen mag ich am liebsten Marie. Normalerweise kann ich ihr alles erzählen, aber wenn sie meint das es für mich das beste ist redet sie gern. Natürlich würde ich gerne mit Alex zum Schulball gehen, dass hab ich Marie auch erzählt nur leider ist mir noch nicht klar wie ich es ihm sagen soll. Als Marie das machen wollte kam plötzlich die Angst eine Abfuhr zu bekommen. Deshalb habe ich mich so verhalten. „Bleibst du noch hier Marie?“ „Klar, dann können wir ja über Alex reden.“ „Hör auf.“ Es lag etwas verstohlenes in ihrer Aufforderung. Wir gingen rein und schnurstracks in mein Zimmer. Meine Eltern waren nicht zu Hause. Meine Mutter arbeitet als Sekretärin und mein Vater war auf Geschäftsreise. „Du kannst mir helfen meine Sachen für die Klassenfahrt zu packen. Ich hab nämlich noch keinen blassen Schimmer was ich mitnehmen soll.“ „Logo! Später gehen wir dann zu mir und packen meine O.K?“ Ich nickte und zog dann meine Reisetasche unter dem Sofa hervor, öffnete meinen Schrank und zog Sachen heraus, packte sie auf das Bett und sortierte die aus die ich hier lassen würde. Marie stöberte ebenfalls in meinen Kleidungsstücken und gab Ratschläge was ich auf alle Fälle mitnehmen sollte. Wir hatten den Nachmittag eine Menge Spaß und er verging wie im Fluge. Da wir keine Zeit mehr hatten Maries Sachen zu packen weil es schon halb sieben war beschlossen wir das sie die Nacht hier bleiben würde. Also wurde ihre Mutter telefonisch benachrichtigt, die damit einverstanden war. Meine würde erst um neun wiederkommen und da Papa sowieso nicht hier ist wird es keine Probleme geben. In der Küche machten wir uns Abendbrot und zogen uns dann für den Rest des Abends in mein Zimmer zurück. Nachtzeug bekam sie von mir, da ihr Haus etwas weiter entfernt liegt. „Wir könnten ja mal wieder einen Zauberspruch ausprobieren. Was meinst du?“ Marie fragte mich öfter danach wenn sie bei mir war. Wir hatten das aber schon ewig nicht mehr gemacht. Meine Oma hatte mir mal zu meinem vierzehnten Geburtstag ein Buch geschenkt das sich mit Magie beschäftigt und sogar einige Zaubersprüche enthielt. Marie und ich reden gerne über Magie und ähnliches. Sie ist ein großer Fan davon und ehrlich gesagt ich auch. Sie nahm sich das Buch und fing an darin rumzublättern. „Hier ist was! Wie wär’s mit dem hier?“ „Spruch der Elemente. Hört sich kompliziert an. Was brauchen wir dazu?“ Die Zaubersprüche haben natürlich noch nie funktioniert aber wir tun immer so als ob wir erfahren darin wären und machen alles genau so wie es im Buch steht. „Als erstes brauchen wir die vier Elemente.“ „Wie jetzt, vier Elemente?“ „Ist doch ganz einfach: „Erde, Feuer, Wasser und Luft!“ „Haha, sehr witzig. Erde O.K und Wasser krieg ich auch noch rann. Aber was ist mit Feuer und Luft? Kannst du mir das mal verraten?!“ Ich tat eigentlich immer mein bestes um alles zu besorgen was wir brauchten aber das war zu viel. „Das Feuer können wir mit den dünnen Holzstücken die ihr im Schuppen habt machen. Und damit du euer Haus nicht abfackelst,“ sagte sie scherzhaft, „Legen wir es in eine schwarze Schüssel. Ach so, hast du vier schwarze Schüsseln?“ „Ich glaub schon.“ Ich fand tatsächlich welche. Danach holte ich etwas Erde von draußen und ließ die zweite mit Leitungswasser voll laufen. Marie machte in der dritten ein kleines Feuer und stellte die letzte Schüssel leer auf den Boden. Da man Luft nicht anfassen kann blieb uns nichts anderes übrig als zu hoffen das es reichte. Im Buch stand, das man in die Mitte zwischen den Schüsseln einen Gegenstand legen sollte der einem am Herzen lag. Dazu nutzten wir meinen Anhänger, einen flachen, Herzförmigen, kristallblauen Stein der Silber umrahmt war. Marie hatte ihn mir vor langer Zeit als Zeichen unserer Freundschaft geschenkt. Sie mochte ihn auch sehr gerne und deshalb wählten wir ihn aus. Als nächstes mussten wir uns gegenüber setzen. „Warte, hier steht, dass man auch eine grüne Pflanze als Zusatz nehmen könne. Ein Stück von einer Ranke ist am besten geeignet. Als Symbol für Heilung.“ Erst machte sie ein fragwürdiges Gesicht dann schauten wir uns an und sagten gleichzeitig „O.K!“ und lachten kurz. Ich ging raus um ein Stück von der Ranke an unserer Hauswand zu holen während Marie den Spruch studierte. Dieses mal war es anders als sonst, ich war irgendwie aufgeregt. Also beeilte ich mich und rannte wieder in mein Zimmer wo sie mich schon erwartete, setzte mich wieder und legte das Stück Ranke auf den Anhänger. „Kann’s losgehen?“ Sie wartete erst gar nicht auf meine Antwort und erklärte mir den Spruch. Wir machten alles dunkel, nur das kleine Feuer verleite dem Raum einen roten Schimmer. In meinem Bauch kribbelte es heftig. Dann fingen wir an: „Ihr, die vier Elemente, wir rufen euch! Auch du Pflanze der Heilung, zeigt uns eure Macht und lasst uns teilhaben!“ Dann lasen sie noch einige, wahrscheinlich lateinische, Wörter aus dem Buch vor. Plötzlich erhebt sich ein heftiger Sturm in meinem Zimmer und der Sand aus der Schüssel wirbelt um mich herum. Ein Blick durchs Fenster verriet mir das draußen kein Lüftchen wehte. Mein Blick flatterte zu Marie die wie in einem Ei von Ranken eingeschlossen war aber nicht vom Wind berührt würde. Sie blickte erst mich überrascht und entsetzt zugleich und dann zu die Schalen an. Vor entsetzen kroch ich zurück, Wasser und Feuer erstreckten sich in einer Säule Richtung Zimmerdecke. Mein Anhänger leuchtete in roten, blauen, weißen, braunen und grünen Farben. Jetzt reicht es. Unerklärlicher Weise stehen wir beide gleichzeitig auf und in diesem Moment hörte alles auf. Im Zimmer war es völlig dunkel. Nur ein schwacher Lichtschein drang von draußen in mein Zimmer. Ich suchte nach meinem Lichtschalter und es wurde hell. Alles war auf dem Boden wie wir es zuerst vorbereitet hatten, nur das Feuer war erloschen. Mein Anhänger war wieder normal und das Stück Ranke lag darauf. Mein Blick schweifte zu Marie die mich vor entsetzen anstarrte. Sie Blickte zu ihrer Schulter und nahm ein Stück von der grünen Ranke in die Hand und zeigte es mir mit fragendem Blick. Ich weiß was sie jetzt dachte, Was war das? Es war genauso viel Sand in der Schale wie ich am Anfang hinein getan hatte, aber etwas davon fand sich in meinem Haar wieder. Es war außerdem von dem Wind der anscheinend nur in diesem Zimmer tobte total zerzaust. Marie und ich waren so erschöpft das wir uns Bettfertig machten und sofort einschliefen. Meine Mutter hatte ich nicht einmal mehr gesehen. Wir schliefen beide sofort ein. Aber in dieser Nacht hatte ich einen seltsamen Traum: Es sah so aus als seihe ich im frühen Mittelalterlichen Britannien. Ich hatte ein seltsames Kleid an. Es schien adlig zu sein. Das wusste ich weil mich mit diesem Zeitalter immer schon gerne beschäftigt hatte. Ich befand mich auf dem Hof einer großen Burg. Neben mir stand Marie die mich liebevoll anblickte. Auch sie trug mittelalterliche Kleidung. „Emmelin!“ Was? Ich drehte mich um. Ich fühlte mich angesprochen. „Emmelin. Wo wart ihr solange? Ich habe mir Sorgen um euch gemacht.“ „Emmelin und ich waren spazieren, Mylord.“ Es war Marie die das sagte. „Lady Kathrine! Ich dachte schon es wäre euch etwas zugestoßen.“ Lady Kathrine? Was geht hier vor sich. Und warum nennt er mich Emmelin? Moment mal, jetzt erkenne ich diesen Jungen. Das ist doch..... „Alex?“ „Emmelin! Was ist das für eine Kürzung meines Namens?“ Beide schauten mich fragend an. „Alexander! Da seit ihr ja. Ich habe überall nach euch gesucht. Eure Mutter fragt nach euch.“ „Ich komme! Entschuldigt, Lady Kathrine, Emmelin. Sehen wir uns zum Abendessen?“ Ich nickte verwirrt, er verbeugte sich und verschwand. Plötzlich hauchte sich alles in dichten Nebel, Feuer tauchte überall auf. Es waren Schreie zu hören. Jemand rief nach mir, nach Emmelin. Auch nach Marie.... Kathrine. Ich schaute zur Seite. Sie stand etwas entfernt und versuchte sich mit den Händen vor den Flammen zu schützen. Jemand griff nach mir. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen. Es war verschwommen und völlig dunkel. Ich wachte auf. Marie sah mich Kerzengrade im Bett sitzen. Ihr schien der Schweiß über die Stirn zu laufen. Genau wie mir. Wir sahen uns fragend an. Ob sie den selben Traum hatte wie ich? Ich beschloss sie zu fragen. Doch bevor ich dazu kam, ging die Tür auf. Meine Mutter kam ins Zimmer. „Ah, ihr seid endlich aufgewacht. Ich habe euch was zu trinken mitgebracht.“ Sie stellte zwei Gläser auf den Tisch und verließ das Zimmer. „Wieso endlich?“ fragte Marie. Mein Blick richtete sich auf die Uhr. Es war drei Uhr Nachmittag. „Was? So spät? Haben wir so lange geschlafen?“ Wir nahmen beide erst einmal einen großen Schluck Orangensaft, dann holte ich tief Luft, stellte mein Glas weg und lies mich zurück in mein Bett fallen. „Hast du auch diesen seltsamen Traum gehabt Lilli?“ „Sag bloß, du auch?!“ Nach ein paar Minuten zogen wir unsere Sachen an und gingen runter in die Küche. Nebenbei fragte sie ob der Zauber gestern wirklich passiert ist, oder ob wir das auch nur geträumt hätten. Sie schien völlig aufgelöst zu sein. Das konnte ich verstehen mir ging es genau so. Aber nach den Schüsseln zu Urteilen und dem noch verbleibendem Sand in meinen Haaren „Ich denke schon.“ Meine Mutter, die heute Frei hat, fuhr mich und Marie zu ihr nach Hause um ihre Sachen, wie am vorherigen Tag vereinbart zu packen. Meine Mutter und Frau Insen unterhielten sich unten während wir kaum ein Wort sprachen.
Alex
Es ist Montag morgen und die ganze Klasse steht bereits draußen vor dem Bus und warten darauf das es endlich losgeht. Lilli und Marie stehen bei einer Gruppe von Mädchen die aufgeregt erzählen, doch was mich wundert ist, dass Marie kein Wort sagt. Ist sie vielleicht krank? Sonst redet sie doch immer wie ein Wasserfall. Sie sieht mich und benachrichtigt Lilli das ich hier sei. Beide kommen zu mir rüber. Marie fragt mich ob wir uns hintereinander setzen wollen. Ich bin damit einverstanden. „Du bist so ruhig Marie. Ist irgend etwas passiert?“ Lilli und Marie sehen sich an. Sie schüttelt den Kopf. Aber irgend etwas ist mit den beiden. Das sehe ich genau. „Kommt Kinder, steigt in den Bus! Wir wollen losfahren. Vergesst eure Taschen nicht!“ Frau Marlen, unsere Klassenlehrerin, steht am Bus und wartet darauf das alle einsteigen. Die beiden Mädchen folgen mir und setzen sich hinter mich. Neben mir sitzt niemand. Das stört mich wenig. Als alle Schüler im Bus sind, fahren wir los. Marie, Lilli und ich unterhalten uns während der Fahrt wie es wohl in dieser Jugendherberge aussehen wird. Wir vereinbaren uns ein Zimmer nebeneinander zu nehmen. Eine Zeit lang sitze ich nur da und dachte über irgendwelche Dinge nach. Katlen, die vor mir saß, fragte ihre Nachbarin ob sie ein Schluck Wasser haben wolle. Da fällt mir wieder das seltsame Ereignis von Freitag Abend ein: Ich saß auf dem Sofa schaute etwas Fern als sich eine Art Säule aus Feuer in das Zimmer fraß. Einen Kurzen Augenblick später stand alles in Flammen. Um mich herum tauchten fünf oder sechs Säulen Wasser auf. Ich stand wie angewurzelt da und bevor ich richtig merkte was da vorging, war alles auch schon wieder vorbei. Doch das seltsamste war, das danach keine Spuren von Feuer geschweige den Wasser zu finden war. Das verwirrte mich dann doch. Mir ist ja schon viel unter die Augen gekommen, aber so etwas noch nie. Merkwürdig. Ob das vielleicht mit Marie und Lilli zu tun hat? Vielleicht hatten sie etwas gesehen. Das es bei mir brannte meine ich. Im Bus entstand Unruhe. Es schien das wir angekommen sind. Ja, der Bus hält an. Hier muss es sein. Ich weiß nicht genau wie dieses Dorf doch gleich hieß. Jedenfalls sind wir irgendwo in Irland. Jeder Schüler drängelt sich aus dem Bus, holte seine Reisetasche aus dem Gepäckraum und eilte zum Haupteingang. Dieses Gebäude sieht aus wie eine moderne Burg. Jemand heißt uns an der Tür willkommen. Wir erfahren von diesem schon etwas älterem Mann das dies früher eine Burg war, da sie aber zum größten Teil zerstört wurde haben sie eine Jugendherberge daraus gemacht. Als erstes bekommen wir unsere Zimmer zugewiesen. Danach wurden alle durch die „Burg“ geführt. Alles sieht wirklich ziemlich altertümlich aus. Jeder Schüler ist von diesem Gebäude begeistert. Frau Marlen teilt uns mit, das hier alles unter dem Thema Mittelalter läuft. Wir werden nur selten Ausflüge ins Freie machen, ich meine damit das wir die ganze Woche nicht weiter als einen Kilometer von der Burg entfernt sein werden. Es laufen viele Projekte. Die Mädchen die einigermaßen mit dem Nähgarn umgehen können, sollen Kleidung schneidern die in diese Epoche passte. Frau Marlen wollte uns jedoch noch nicht den Grund dafür verraten. Natürlich durften wir hier unsere normalen Sachen tragen. Essen gab es immer in der großen Halle, wie der Besitzer diesen Raum nannte. Sogar Tiere waren auf diesem Hof zu finden. An diesem ersten Tag war schon eine Menge los. Die Projekte würden zwar erst morgen beginnen aber jeder hatte damit zu tun die Sachen in ihre Schränke zu packen. Ich betrat unser Zimmer und stellte fest das diese eher der Neuzeit angepasst waren. Es gab moderne Heizungen und die Betten waren natürlich auch Neuzeitlich. Die Schränke waren wahrscheinlich aus Eiche gefertigt worden. Es standen genau vier davon im Zimmer, für jeden einen. Meine Tasche war schnell ausgepackt und ich beschloss zum Zimmer der Mädchen nebenan zu gehen. Lilli und Marie waren auch bereits mit dem auspacken fertig. „Habt ihr Lust die Burg noch etwas zu erkunden?“ fragte ich die beiden. „Klar! Was hältst du davon Lilli?“ „Natürlich komme ich mit!“ Mit freudigen Gesichtern gingen beide neben mir und wir durchstöberten alles, von unten bis nach ganz oben. Vor einer großen Tür hielten wir an. „Wollen wir sie aufmachen?“ Lilli wirkte etwas ängstlich. „Na Logo!“ meinte Marie und zog an der großen Tür. Sie schaffte es nicht alleine also fassten wir alle drei mit an und zogen kräftig. Die Tür ging knarrend auf und es kam ein riesiger Raum zum Vorschein. Er war mit Licht durchflutet da an der gegenüberliegenden Seite riesige Fenster waren. „Wow!“ brachten wir drei gemeinsam raus. „Dies war früher ein Tanzsaal. Hier wurden Bälle veranstaltet und Empfänge vorbereitet.“ Unsere Gesichter drehten sich ruckartig um. Der Besitzer stand hinter uns und schaute uns mit freundlichem Gesicht an. „Dieser Raum war noch fast genauso erhalten wie er jetzt ist als wir diese Burg fanden. Wundervoll nicht wahr?“ Er schritt an uns vorbei in den Raum hinein und machte eine Aufforderung ihm zu folgen. Wir schauten uns an, mit Begeisterung im Gesicht und folgten ihm. „Wieso haben sie uns diesen Raum nicht gleich bei der Führung gezeigt?“ wollte Marie neugierig wissen. „Nun ja, dieser Saal ist alt und nicht für jeden zugänglich. Ihr fragt euch sicher warum ich ihn euch dann zeige?“ Wir nickten und er fuhr fort. „Wenn ihr mal nichts zu tun habt könnt ihr mir Bescheid geben und ich werde den Saal für euch herrichten. Dann könnt ihr und eure Klasse einen Unvergesslichen Discoabend erleben.“ Er lächelte. „Aber natürlich nur wenn ihr wollt.“ Ich sah Marie und Lilli an. Sie hatten ein gewisses funkeln in den Augen. Das konnte ich nur zu gut verstehen. Auch ich war begeistert. Wir beschlossen es aber erst für uns zu behalten. „Es ist Zeit das ihr zum Abendessen geht Kinder, beeilt euch sonst kommt ihr zu spät!“ Er hatte recht. Die Uhr verriet das es bereits sieben war. Also beeilten wir uns um rechtzeitig in die große Halle zu kommen. Frau Marlen erwartete uns schon und wir meinten das wir nur die Zeit vergessen hätten. Sie glaubte es und schickte uns dann zum Essen. Es gab belegte Brote und Brötchen. Auch Obst stand auf dem Tisch. Alle langten kräftig zu. Nach dem Abendessen gingen alle freiwillig zu Bett nach dem sie Zähne geputzt und geduscht hatten. Es war auch für mich anstrengend gewesen und ich fiel dann schließlich um Punkt neun Uhr ins Bett. Auch die Lichter der anderen Zimmer erloschen.
Lilli
„Guten morgen Marie! Gut geschlafen?“ Ich war am nächsten morgen schon ziemlich früh wach, dachte ich jedenfalls. Es war aber schon neun Uhr und die anderen wachten auch langsam auf. Es würde bald Frühstück geben und deshalb beeilten wir uns mit dem Frisch machen und zogen die Alltagskleider an. „O.K! Der Tag kann kommen!“ Marie war putzmunter wie immer. Von dem Vorfall vom Freitag Abend war kaum noch etwas zu merken. Unsere Gruppe von sechs Mädchen gingen zusammen mit den Jungs von dem Nachbarzimmer zum Frühstück in die große Halle. Es gab leckere Marmelade und frische Brötchen. Nach der morgendlichen Stärkung wurden wir noch einmal zusammengerufen und bekamen Stationen zugewiesen. Die Mädchen die gut nähen konnten sollten sich melden. Es waren so ungefähr alle Mädchen außer ich, Marie, Marlissa und Susi. Wir waren eher unbegabt. Die anderen Mädchen sollten sich mit dem nähen der Kostüme abwechseln, damit jeder etwas Freiraum hatte. Eine Gruppe von Jungs sollten einen geeigneten Platz auf der angrenzenden Wiese suchen wo sie einzelne Wanderruten besprechen wollten. Frau Marlen teilte uns vier Mädchen ein um das Gebäude herum nach Stellen zu suchen, wo wir dann einen kleinen Garten errichten sollten, da sich der Besitzer der Burg sich das als Gegenleistung für die Unterkunft und das Essen vorstellte. Dafür brauchten wir nichts zu bezahlen. Komisch, wirklich. Unsere Eltern hatten sich deswegen am meisten gewundert. Unsere Gruppe sollte sich noch zwei oder drei Jungs als Hilfen aussuchen. Die Wahl fielen auf Shosch, Amano und Alex. Sie waren die kräftigsten und deswegen am besten zu gebrauchen. Die noch übriggebliebenen Schüler sollten sich um die Tiere und den Hof kümmern. Alle schwärmten in verschiedene Richtungen aus. Die Burg war ziemlich groß und deshalb dauerte es ein wenig, bis wir sie einmal umrundet und ein geeigneten Platz gefunden hatten. Der Garten sollte etwa fünf mal fünf Meter sein. Also besorgten wir uns einige Hacken und Haken und um den Boden auszuheben ein paar Spaten. Bis zum Mittag war alles umgegraben. Nach einer warmen Mahlzeit in der Halle ging es wieder zurück an die Arbeit. Von dem Besitzer bekam unsere Gruppe Kräuter, Blumen und andere Pflanzen die dann sortiert und einpflanzt werden sollten. Dafür brauchten wir am meisten Zeit. Als wir am späten Nachmittag auch damit fertig waren, konnten wir für eine kurze Zeit die warme Sonne genießen, die schon den ganzen Tag auf uns herabschien. Als letzten Auftrag für diesen Tag bat der Besitzer uns einen Gitterzaun rundherum zu ziehen, damit die Tieren von dem etwas entferntem Wald die Pflanzen nicht anfraßen. Wir wurden auch damit kurz vor dem Abendessen fertig. Die kurze Zeit die uns noch blieb, nutzten wir um uns auszuruhen. Nach dem Abendessen bekamen jeder ein großes Lob ausgesprochen weil alle den Tag über so hart gearbeitet hatten, besonders unsere Gruppe, da wir am meisten geleistet hatten. Bis um zehn Uhr blieben wir noch gemeinsam auf einem Zimmer obwohl wir so erschöpft waren. Dann, ungefähr eine halbe Stunde danach ging in allen Zimmern das Licht aus und wir schliefen bis zum nächsten morgen durch.
Alex
Der Tag gestern war der anstrengendste den ich je erlebt habe. Einen vollkommenen Garten aus dem nichts zu errichten war nicht gerade leicht. Ich hörte, das etwas an die Scheibe unseres Fensters schlug, machte meine Augen auf und sah hinüber. Es regnete in strömen. Auch die anderen Jungs wachten jetzt auf. Ich bin ja mal gespannt was wir heute machen werden, schoss es mir durch den Kopf. Bei diesem Regen konnten wir ja schlecht rausgehen. Wir zogen uns an und gingen dann zum Frühstück in die Halle. Es herrschte ein großes durcheinander. Jeder lief umher und unterhielt sich lautstark über irgendwelche Sachen. Jetzt stießen auch Marie und Lilli zu uns. „Kinder! Beruhigt euch! Esst doch erst mal Frühstück und dann werde ich euch mitteilen was heute zu tun ist.“ Frau Marlen hatte eine laute Stimme, deshalb beruhigten sich die Schüler schnell und aßen in Ruhe ihr Frühstück. Die beiden Mädchen setzten sich neben mich und wir unterhielten uns. Unsere Truppe wollte unbedingt zusammen bleiben und den Tag gemeinsam verbringen, wir hofften nur das es nicht wieder so anstrengend sein würde. Nachdem alle gegessen hatten erhob sich Frau Marlen und fing an zu reden: „Da es draußen so heftig regnet und ihr gestern so fleißig wart haben Herr Lirel und ich beschlossen, euch heute das machen zu lassen, was ihr wollt!“ Ein großer Jubel erfüllte die Halle. „Wartet! Aber benehmt euch und stellt nicht die ganze Burg auf den Kopf! Ich verlange nur noch eines von euch: Überlegt euch bis zum Abendessen was wir machen wollen wenn jeder gegessen hat. Ich möchte dann ein paar Vorschläge von euch. Wir werden uns vornehmen nicht vor Mitternacht ins Bett zu gehen!“ Wieder bricht lauter Jubel aus und alle verlassen die Halle mit zufriedenen und aufgeregten Gesichtern. „Hey Alex! Kommst du mit in unser Zimmer? Wir können uns dort etwas für heute Abend einfallen lassen!“ „Ja! Gute Idee!“ Ich folgte den beiden in ihr Zimmer. Wir waren jedoch alleine, alle anderen liefen irgendwo in der Burg rum oder hielten sich in den anderen Zimmern auf. Wir setzten uns auf ein Bett und legten den Kopf in die Hände und überlegten was wir heute Abend machen könnten. Ein langes schweigen trat ein. Plötzlich sprang Lilli auf: „Ich hab’s! Wisst ihr noch Montag, da haben wir doch diese Halle entdeckt!“ „Ja genau! Super Idee Lilli. Lasst uns den Besitzer aufsuchen und ihn fragen ob wir sie heute Abend benutzen dürfen. Kommt schon! Wir haben noch viel zu tun!“ Wir liefen durch das ganze Gebäude bis wir ihn endlich fanden. Er stimmte freundlich zu und meinte er hätte schon so was geahnt. Herr Lirel forderte uns auf ihm zu folgen. Er führte uns in eine Kammer in der eine ganze Menge Kram rumlag. Sogar eine richtige Discokugel war dabei. Er meinte wir könnten sie zum schmücken des Saales benutzen. „Wenn ihr meine Hilfe braucht, sagt mir einfach Bescheid.“ Wir bedankten und freuten uns auf das schmücken. Wir suchten Frau Marlen auf und berichteten ihr von unserem Vorhaben. Sie fand das sei eine wundervolle Idee und gab anschließend beim Mittag allen Bescheid, dass sie sich keine Gedanken um den Abend mehr zu machen brauchten. Es würde sie eine große Überraschung erwarten. Jedem Schüler stand ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben aber sie schienen sich zu freuen. Als wir mit dem Essen fertig waren bot uns Frau Marlen an, beim schmücken des Saal zu helfen, was wir dankend annahmen. Herr Lirel half ebenfalls tatkräftig mit. Den ganzen Nachmittag verbrachten wir damit, den Saal herzurichten, hatten eine Menge Spaß dabei und lachten ausgiebig. Herr Lirel sorgte dafür, dass alle an diesem Abend ausreichend mit den verschiedensten Getränken versorgt waren. Wir drei, Lilli, Marie und ich freuten uns richtig. Doch eins hatten wir vergessen. „Wo nehmen wir die Musik her?“ Alle schauten mich an. „Keine Sorge,“ sagte Herr Lirel lächelnd „dafür habe ich natürlich auch schon gesorgt. Es liegen Stapelweise CDs in meinem Zimmer. Alles neueste Musik und natürlich auch ein paar Kuschellieder!“ Freundliches lachen erfüllte den Saal. „Wir können ihnen gar nicht sagen, wie dankbar wir ihnen sind. Können wir das je wieder gut machen?“ Er lächelte wieder nur und schüttelte mit dem Kopf. Er meinte das wir ihm den Garten angelegt und uns um seine Tiere und den Hof gekümmert haben reicht vollkommen aus. Da es jetzt Zeit fürs Abendbrot war verließen alle den Saal und gingen in die große Halle. Viele Schüler waren schon dort und machten zufriedene Gesichter. Sie hatten sich den Tag über wohl auch ziemlich amüsiert. Es wurde das Abendessen serviert als sich alle in der Halle eingetroffen hatten. Sie verschlangen das Essen regelrecht und räumten dann die Tische ab. Frau Marlen stand wieder auf und stellte sich dieses mal sogar auf ihren Stuhl und begann die Spannung noch mehr aufzuheizen: „Ich hoffe ihr habt den Tag über viel Spaß gehabt. Wir hatten ihn jedenfalls.“ Alle schauten sie gespannt an. Nur der Regen der an die Fenster klopfte war jetzt noch zu hören. „Seid ihr bereit für die große Überraschung? Dann folgt mir!“ Alle standen auf und gingen ihr treu hinterher. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Wir standen jetzt vor der großen Tür zum Saal. Marie, Lilli und ich drängelten uns nach vorne durch und zogen mit ganzer Kraft die Tür auf. Genau in diesem Augenblick gingen die vielen bunten Discolichter an und die Musik ertönte. Ein Jubel brach aus wie nie zuvor. Alle stürmten gleichzeitig in die riesige Halle und schauten sich zuerst genau um. Frau Marlen brüllte noch in die Menge das sie sich amüsieren sollten bis zum umfallen und fast jeder begann zu tanzen. Auch wir stürzten uns ins Getümmel und tanzten ausgiebig. Die Zeit verging wie im Flug, es war bereits elf Uhr und die Lieder wurden etwas langsamer, da der größte Teil der Menge schon etwas erschöpft war. Natürlich gab es auch noch wieder ziemlich schneller Lieder und die Menge feierte. Lilli meinte sie würde sich in ihrem Zimmer etwas ausruhen gehen und vielleicht zum Abschluss noch einmal wiederkommen. Marie sagte, sie wolle sie begleiten. Ich setzte mich auf einen der nahegelegenen Stühle. Ich saß so ungefähr zehn Minuten als ein wirklich langsames Lied gespielt wurde. Wie Herr Lirel sagte: „Kuschellied“. Das durfte ich mir nicht entgehen lassen. Aus irgendeinem Grund wollte ich jetzt mit Lilli tanzen. Ich lief aus dem Saal Richtung Zimmer in dem Lilli sonst schlief. Marie kam mir entgegen und fragte wo ich hinwollte und rief ihr zu das ich Lilli holen wolle. Sie schrie mir noch etwas hinterher, achtete aber nicht mehr darauf und gelangte endlich in ihr Zimmer. Sie war nirgends zu sehen. Im Bad konnte sie nicht sein. Die Tür stand offen. Es blieb nur der Schlafsaal. Ich gelange an die Tür und blieb starr im Türrahmen stehen....
Lilli
Ich war müde vom tanzen und sagte ich würde mich in mein Zimmer zurückziehen. Jemand reißt die Tür auf. Ich drehe mich ruckartig um und sehe das Alex mich ansieht. Mein ganzes Gesicht färbte sich knallrot. Ich hatte mich bis auf die Jeans ausgezogen und wollte mich Bettfertig machen. Der Pullover befand sich noch in meiner Hand und ich verschränkte jetzt blitzschnell die Arme mit dem Kleidungsstück, um den Oberkörper zu bedecken. Mein Haar fiel mir auf den Rücken der völlig frei war. Wie in Trance bewegte sich Alex in meine Richtung und setzte sich neben mich auf das Bett. Seine warmen Hände glitten über meine Schulter hinab auf den Rücken. Ich konnte seinen heftigen Herzschlag spüren. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, ich schloss die Augen für einen kurzen Augenblick. Sie öffneten sich wieder, als ich seine warme und ruhige Hand an meinem Kinn vernahm. Er hielt so mein Gesicht in seine Richtung. Nun war Alex es, der die Augen schloss. Seinen Kopf hatte er etwas schräg gelegt und es näherte sich nun dem meinen. Ich spürte schon seinen ruhigen Atem, als von der Tür das Gepfeife von Mädchen zu hören war. Er dreht sich von mir weg in Richtung Tür und ich nutze die Chance um mir blitzschnell den Pullover über zu ziehen. Alex steht auf und rennt so schnell seine Beine ihn tragen können raus. Ich vergrabe meinen Kopf in die Hände, höre wie Marie die anderen Mädchen wegschickt und sich neben mich setzt. „Das war ja ganz schön heftig.“ „Hör auf Marie. Sag bitte den anderen sie sollen es keinem erzählen, ja? Bitte!“ Sie verließ das Zimmer. Was war mit mir los gewesen. Normalerweise hätte ich ihm irgendwas an den Kopf geworfen. Ein Buch oder irgend etwas anderes. Aber es fühlte sich so vertraut an. Als würden wir uns schon Ewig kennen und das solche Erlebnisse nicht ungewöhnlich wären. Sollte ich etwa ........in ihn verliebt sein? Nein Unmöglich. Das kann nicht sein. In den Saal kann ich nicht mehr zurückgehen. Das würde alles noch viel schlimmer machen. Was sollte ich jetzt tun? Ich kann ihm ja schlecht aus dem Weg gehen. Ich.... Ich will das auch irgendwie nicht. Ach, zum Teufel ich weiß doch auch nicht was ich will, zog mir schließlich mein Nachthemd an und legte mich ins Bett. Ich drehte und wendete mich, konnte aber nicht einschlafen bis die anderen in mein Zimmer kamen weil die Partie vorbei war. Sie legten sich schlafen. Ich weiß nicht mehr wie lange ich noch wach gelegen habe aber irgendwann hat dann doch die Müdigkeit gesiegt.
Alex
Oh mein Gott! Was hab ich da gemacht? Was ist da über mich gekommen? Ich war total weggetreten. Es lief alles automatisch ab. Und dann die anderen Mädchen, die alles gesehen hatten? Es würde sicher morgen jeder wissen, was da im Zimmer abgelaufen ist. Wie soll ich mich verhalten? Ich weiß überhaupt nichts mehr. Es gibt hier keinen außer vielleicht Marie dessen ich mich anvertrauen könnte. Sie hatte aber sowieso schon alles gesehen. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen, SIE IST ES! Ich bin mir jetzt ganz sicher. Sie ist meine schon so lange gesuchte Emmelin. Dieses starke Gefühl hatte ich bisher nur bei ihr gehabt. Sie musste es einfach sein! Dieses Merkmal von dem Erich gesprochen hatte. Wer Erich ist? Also gut, ich werde die ganze Geschichte erzählen: Vor langer Zeit im frühen mittelalterlichen Britannien lebte ich mit Emmelin und ihrer treuen Freundin Kathrine in einer Burg ähnlich wie dieser hier. Wir waren frisch verliebt. Sie kam von einer entfernten Burg in Europa in unser Land um es sich anzusehen. Lady Kathrine begleitete sie auf jeder Reise die sie unternahm. Wir trafen uns auf einen ihrer Ausflüge und es funkte sofort. Sie hatte langes blond-bräunliches Haar. Ihre Augen waren smaragd-grün, genau wie die von Lilli. Ich nahm sie mit auf meine Burg und stellte sie meinem Vater und meiner Mutter vor. Kurz darauf heirateten wir. Nur leider sollte unser Glück nicht lange dauern: Ein fürchterlicher Krieg brach aus und sie brannten fast die ganze Burg nieder. Emmelin verschwand kurz darauf. Ich suchte vergeblich nach ihr. Statt dessen traf ich nur Kathrine. Sie berichtete mir, sie habe Emmelin im Feuer verloren, sie sei jedoch nicht verbrannt, sondern jemand kam auf einem schwarzem Pferd und ritt mit ihr fort. Sie sagte, sie konnte ihn nicht erkennen hätte aber versucht sie aufzuhalten. Sie brach in Tränen aus und wurde kurz darauf schwer krank. Kein Heiler konnte ihr helfen. Selbst ihre eigene Erfahrung im Einsatz von Kräutern konnte sie nicht mehr retten. Sie starb wenige Tage danach. Ich versank in Verzweiflung. Nur mein Treuer Soldat und Freund Erich konnte mir helfen. Er lies überall im Land nach ihr suchen. Vergeblich. Wir wussten uns nicht zu helfen. Selbst Monate danach hörte ich nichts von ihr. Es gab keinen Grund mehr weiterzuleben und ich durchsuchte Lady Kathrins altes Zimmer. Ich fand ein Gift und schluckte es hinunter. Ich viel in Ohnmacht und erlag der Vergiftung. Bis ich in diesem Jahrhundert wiedergeboren wurde. Bis zu meinem zwölften Geburtstag war ich ein ganz normaler Junge und wusste nichts von meiner Vergangenheit. Doch dann kehrte sie aus irgendwelchem Gründen wieder. Eines Nachts, wie unglaublich es auch scheinen mag, erschien mir der Geist von Erich und erzählte mir die ganze Geschichte. Ich fragte ihn, aus welchem Grund er mir dies erzähle und er antwortete das es böse Mächte in diesem Jahrhundert gab, und nur ich und Emmelin diese beheben könnten. Er sagte noch das sie nicht vor fünf Jahren auftauchen würden, diese dunklen Mächte und ich in dieser Zeit Emmelins Wiedergeburt finden müsste. Ich wollte es ihm nicht glauben aber es blieb mir nichts anderes übrig.......
Seitdem suche ich nach ihr, hatte zwar die Hoffnung schon fast aufgegeben, aber jetzt habe ich sie doch gefunden. Aber wie soll ich ihr das alles erklären? Wird sie mir überhaupt glauben?
Ich ging nun zu Bett. Ich werde mir noch irgend etwas überlegen müssen, wie ich es ihr beibringe. Mit diesen Gedanken schloss ich die Augen und fiel in einen unruhigen Schlaf.
Lilli
„Hey Lilli! Aufwachen. Es ist schon kurz nach halb zehn!“ Marie stand an meinem Bett und schaute zu mir runter. Sie war bereits angezogen, die meisten anderen Mädchen aus meinem Zimmer auch. Ich mühte mich aus meinem Bett und machte mich fertig zum Frühstück essen. Wir verließen unser Zimmer und gingen in Richtung große Halle. Die Mädchen die mich und Alex gestern gesehen hatten, sprachen nicht über das Geschehnis. Marie hatte sie dazu gebracht, den Mund zu halten. Ich wusste, was mich in der großen Halle erwartete: Alex saß an unserem gewohnten Platz am Tisch und wartete anscheinend schon auf uns. Ich bat Marie sich neben Alex zu setzen, damit ich nicht direkt neben ihm saß. Sie willigte verständnisvoll ein. Wir drei aßen Frühstück ohne ein Wort zu sagen, hielten uns später zwar alle drei zusammen auf, ich sprach aber kein Wort mit ihm und hielt mich im Hintergrund. Der Vormittag kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Aber dann, nach dem Mittagessen, als wir zwei Stunden Zeit hatten, uns selber zu beschäftigen fragte mich Alex etwas zurückhaltend : „Lilli? Hast du einen Moment Zeit für mich? Ich möchte dich kurz allein sprechen.“ „Wieso? Ich habe keine Geheimnisse vor Marie.“ „Lilli bitte!“ Er schaute mich flehend an. Ich konnte nicht anders und stimmte zu. Ich warf Marie noch einen flüchtigen Blick zu, und sah das sie mir zuzwinkerte. Ich brachte einen tiefen Seufzer hervor und folgte ihm dann an einem Ort an dem niemand zu sehen war. Alex hielt an und holte tief Luft: „Wie soll ich anfangen Lilli. Bitte versprich mir, nicht gleich auszuflippen wenn ich dir das erzähle. Also wie erkläre ich dir das jetzt am besten.... O.K, hör mir jetzt genau zu. Es wird verrückt klingen aber es ist mein voller Ernst. Also , Lilli, du bist die Wiedergeburt von Emmelin von Lillien.“ Schock! Was redet er da? Ich? Eine Wiedergeburt von Emmelin? Da fällt mir der Traum von Freitag Nacht wieder ein. Kann das wirklich war sein? „Du bist dann also die Wiedergeburt von Alexander und Marie von Kathrine.“ Seine Augen weiten sich. „Du glaubst mir also?“ Er sieht mich fragend an. „Naja, noch nicht so richtig. Ich meine das kriegt man nicht jeden Tag zu hören, weißt du? Ich würde dich jetzt vielleicht für verrückt erklären, wenn ich letzte Woche diesen Traum nicht gehabt hätte. Trotzdem bin ich mir nicht sicher. Das ist wirklich nicht leicht. Sag mal hat das vielleicht mit ........ gestern abend zu tun?“ Ich schaute verlegen auf den Boden. „Ja, ich denke schon. Gestern Abend,“ er hielt kurz inne „da ist mir klar geworden, als ich neben dir saß, naja, das ich sehr viel für dich empfinde. Und dieses Gefühl hatte ich bis jetzt nur bei Emmelin gehabt und ich wollte dir nur sagen das....“ „Lilli, Alex! Ich hab euch schon überall gesucht! Wir sollen uns alle in der großen Halle versammeln. Frau Marlen sagte sie hätte etwas zu verkünden!“ Marie stößt zu uns. Sie ist ganz außer Atem. „Kommt schon folgt mir!“ Wir standen draußen, an dem Platz wo wir den Garten angelegt hatten. Marie lief schon vor und bog um eine Ecke der Burg ab als wir plötzlich einen Schrei hörten......
Alex
Ich hörte nur Marie schreien und wir liefen gleichzeitig zu ihr hin und blieben starr vor Schreck stehen. Da wo vor ein paar Minuten noch eine große Wiese war und ein strahlend blauer Himmel, erstreckte sich ein riesiges Feuer. Der Himmel über uns wurde pechschwarz. Marie stand wie angewurzelt und starte in das riesige Feuer das uns unbemerkt umschlossen hatte. Niemand in der Burg schien es zu bemerken. Es ertönte wie aus dem Nichts ein lautes Gelächter. Was war das? Wir drehten uns in alle Richtungen bis ich jemandem in der Ferne auf einem Felsen stehen sah. Er oder sie war total in schwarz eingehaucht. Man konnte nichts genaues erkennen. Als das Gelächter noch einmal ertönte, konnte man raushören das es wahrscheinlich ein Mann sein musste. „Wer bist du?“ rief Lilli in die Richtung aus der die Stimme kam. „Das weißt du nicht meine Teuerste? Erkennt ihr mich denn nicht wieder?“ sagte er höhnisch. Ich schaute zu ihr rüber und sah ihr entsetztes Gesicht. Sie flüsterte einen Namen: „Lord Ian.“ „Wer?“ brachte ich ihr entgegen. Sie drehte sich zu mir um. „Meine Erinnerung. Sie kehrt zurück, Alexander.“ Diese Worte brachte sie nur im Flüsterton hervor. „Ich habe es dir damals verschwiegen, weil ich es nicht für wichtig hielt.“ Sie schaute mir direkt in die Augen und ich drängte sie weiterzuerzählen. „Er stammte aus dem Nachbarreich in meinem Land. Ich hatte dich noch nicht getroffen als er damals um meine Hand anhielt. Ich wusste von seiner Boshaftigkeit und wies ihn zurück. Er hatte es nie richtig verkraftet so glaube ich. Als ich dann diese Reise antrat. In euer Land und dich traf vergaß ich ihn. Als Ian dann von unserer Hochzeit hörte wurde er so wütend das er uns angriff. Weist du noch? Und dann, als ich von niemandem bewacht wurde zehrte Ian mich auf sein Pferd und ritt mit mir zurück nach Europa. Ich weiß nicht genau was danach passierte, ich erinnere mich nur noch an eines und zwar die Nachricht das du nicht mehr leben würdest. Ich brach in mir zusammen und wollte es nicht war haben. Er hielt mich noch Monate in seiner Burg gefangen bis ich mich weigerte zu essen. Er war verärgert darüber, das ich zusehends schwächer wurde.“ Das Feuer wurde nun noch dichter. „Irgendwann gab er mir ein seltsames Getränk und schickte mich fort, in den nahegelegenen Wald, wo ich zu fliehen versuchte. Mir wurde schlecht und ich viel in Ohnmacht. Mehr weiß ich nicht.“ Sie brach zusammen und Tränen liefen ihr über das Gesicht. Mein Zorn stieg ins Unermessliche. Ich sah nur noch wie Marie zu uns gelaufen kam und sich neben Lilli kniete. „Ihr habt mich damals einfach verlassen Lady Emmelin.“ rief Ian mit höhnischer Stimme, „Das werde ich nicht noch einmal zulassen.“ Er erhob seine Hände und das Feuer schoss zwei Meter hoch. Wir wurden alle drei von einander weggerissen. Ich rief die Namen der beiden Mädchen aber niemand antwortete mir. Es darf sich nicht noch einmal das selbe wie damals ereignen. Ich versuchte mich durch das Feuer zu kämpfen doch es war unmöglich. Plötzlich tat sich ein kleiner Spalt auf und ich konnte Lilli sehen, wie sie sich vergeblich vor den Flammen zu schützen versuchte. Ich rannte mitten durch das Feuer und erreichte sie. Mein T-Shirt hatte Feuer gefangen und ich versuchte es auszuklopfen. Es brannte unheimlich auf der Haut. Lillis Hand streckte sich meiner entgegen und wir erreichten uns. „Lasst sie los!“ rief Ian mit wütender Stimme. Als wir seinen Anweisungen nicht folgten stieß uns etwas mit voller Wucht an die Burgmauern. Ich sank vor Schmerz zusammen und suchte mit meinem Augen die Gegend nach Lilli ab. Ich sah sie regungslos am Boden liegen. „Emmelin!“ Ich schrie ihr zu aus Angst sie hätte sich verletzt. Sie blickte zu mir hoch und flüsterte meinen Namen. Ich bemühte mich zu ihr rüber zu kommen. Als wir uns erreichten, verflochten sich unsere Hände und sie sagte langsam und mit einer heiseren Stimme: „Ich liebe dich.“ In diesem Augenblick erhob sie ein mächtiger Wind und ein Kranz aus Erde umschloss Lilli. Sie war vor dem Feuer geschützt. Ich erhob mich mit letzter Kraft als über meinen Handflächen jeweils eine Flamme aus Feuer und Wasser schwebte. Ich überlegte nicht lange und hielt die Flamme aus Wasser in Richtung des riesigen Feuers. Es erlosch an einigen Stellen. Als ich das bemerkte, versuchte ich das ganze Feuer rings um uns herum zu löschen. Es gelang mir und ich sah Marie etwas entfernt von Lilli liegen. Sie bemühte sich nun zu ihr zu gelangen. „Nein! Was soll das?“ schrie Ian wütend und versuchte das Feuer wieder auszubreiten. Ich hielt beide Hände zusammen und allein durch meinen Willen hielt ein riesiger Wasserstrahl dagegen. Es drängte mit Mühe die Flammen zurück bis sie Ian erreichten der vor Schreck zur Seite sprang. Sein Gesicht verwandelte sich von Überraschung in bittere Wut. Er griff nach einem stählernem Schwert und hielt es mir entgegen. Was sollte ich jetzt tun? Mit einem Schwert konnte ich nicht mithalten. Er rannte auf mich zu, die Spitze auf mich gerichtet. Mit einem Strahl aus Feuer versuchte ich Ian von seinem Vorhaben abzuhalten. Doch sein Schwert zerschnitt regelrecht die Flammen und lies sie an sich vorbei zischen. Er war nur noch wenige Meter von mir entfernt. Das Feuer war nutzlos. Ich sprang zur Seite, doch zu spät. Er durchbohrte meine linke Schulter. Ich schrie auf. „Alexander!“ Lillis verzweifelte Rufe drangen an mein Ohr. Ich lag am Boden und wartete auf den Gnadenstoß. Doch kurz bevor er sein Schwert in mein Herz bohren konnte, stieß ihn ein mächtiger Luftstrom von mir weg. Mein Blick schweifte unwillkürlich zu Lilli die ihre Hand in die Richtung von Ian hochhielt. Sie hatte den Luftstrom erzeugt und lächelte mir schwach zu. Ich wand meinen Blick von Lilli ab und suchte nach Ian. Er schaute mich mit großen Augen an und umfasste etwas, was sich durch sein Herz gebohrt hatte. Es war zu Stein gewordene Erde zu einem spitzen, dünnen Dreieck geformt, das Lilli erschaffen hatte. Ich sah ihn mit entsetzen an und merkte das ihn das noch übriggebliebene Feuer umschloss und ihn völlig verbrannte. Es erlosch kurz darauf. Ich schleppte mich mit letzter Kraft zu Lilli und schloss sie in meine Arme. Ich war erschöpft, aber glücklich zugleich das ihr nichts passiert war. „Gebt mir eure Hände.“ Maries Aufforderung verwunderte mich ein wenig aber wir taten was sie von uns verlangte. Sie umschloss unsere Hände mit ihren und ein heller Schein breitete sich aus. Meine Verbrennungen am Rücken so wie die Schulter heilten von selbst und auch Lilli wurde von ihren Prellungen geheilt. Selbst wenn unsere Wunden geheilt waren, die Erschöpfung machte uns trotzdem zu schaffen und wir fielen in einen tiefen und ruhigen Schlaf.
Lilli
Ich öffnete meine Augen und sah in das Gesicht von Marie. „Du bist ja endlich aufgewacht!“ „Wieso? Was ist passiert? Wie lange hab ich denn geschlafen?“
„Einen ganzen Tag Lilli. Es ist Freitag morgen. Wir gehen gleich zum Frühstück, kommst du mit?“ Ich setzte mich aufrecht hin. Es wäre wohl besser etwas zu essen. „Frau Marlen hat sich schon Sorgen um euch gemacht. Ich hab mir eine gute Ausrede einfallen lassen. Aber seltsam ist, das von dem Feuer das auf der Wiese tobte, keine Spur mehr zu sehen ist. Gleich nach dem ihr in Ohnmacht gefallen seit, hat sich die Wiese selbst regeneriert.“ Alex. „Alex! Was ist mit ihm? Ist er schon aufgewacht?“ „Nein. Leider noch nicht. Zieh dich erst mal an. Wir müssen zum Frühstück!“ Ich bemühte mich aus dem Bett und zog mir frische Kleidung an. Mein Körper fühlte sich zwar noch schwach an, aber es ging schon wieder. Wir machten uns auf den Weg zur großen Halle als ich Alex am Tisch sitzen sah, schaute zu Marie und sah das sie lächelte: „Du wärst sonst gleich losgestürmt. Ich wollte nicht, dass du dich zu sehr anstrengst.“ Freude breitete sich in mir aus. Als Alex mich sah, stand er auf und strahlte übers ganze Gesicht. Ich lief zu ihm und umarmte ihn kräftig. Wir küssten uns ohne auf die Umgebung zu achten. Unsere Klassenkameraden schauten uns erst mit fragenden Gesichtern an und klatschten dann wie wild. Ich ließ Alex los und wurde am ganzen Kopf rot. Ich schaute zu ihm hoch und sah das auch er rot anlief. Wir setzten uns mit geneigtem Kopf zum essen, redeten aber kein Wort. Es war Freitag und der letzte Tag an dem wir hier sein würden. Morgen früh werden wir wieder abfahren. Aber dieser Tag sollte noch einmal ganz besonders werden. Die Mädchen, die die Kleider genäht hatten, brachten sie jetzt in die große Halle, und legten sie auf einen freien Tisch. Frau Marlen erhob sich abermals und fing an zu erzählen: „Wir werden diesen Tag noch einmal ganz im Sinne des mittelalterlichen Zeitalters verbringen. Auf Wunsch vieler Schüler und Schülerinnen haben wir ein Lord und eine Lady. Ich bitte euch herzukommen, Lady Lilli und Lord Alex.“ Was? Ich? Wir schauten uns an und die Klasse begann wieder wie wild zu klatschen und zu jubeln. Wir gingen nach vorn und sie überreichte uns speziell angefertigte Kleider in die wir schlüpfen sollten. Alle anderen nahmen sich ebenfalls Kleidung und verschwanden in ihre Zimmer um sich umzuziehen. Marie hakte sich bei mir ein und wir gingen los. Vorher meinte sie nur noch: „Ich darf eure Gemahlin kurz entführen?!“ Er sah sie verwirrt an und ging schließlich ebenfalls in sein Zimmer. Nachdem Marie mir in die Kleider geholfen hatte, half ich ihr mit ihren Sachen. Ihre unterschieden sich von meinen. Maries Sachen schienen zwar auch adlig zu sein jedoch meine waren , glaub ich, einen stand höher. Als wir uns noch gegenseitig die Haare hochgesteckt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Saal, in dem alle schon einmal gefeiert hatten. Es schien so, als seien die anderen bereits fertig und im Saal. Die große Tür stand offen und Marie begleitete mich in den Raum bis hin zu Alex. Beide gingen wir dann zwei oder drei Stufen zu „Stühlen“ die jeder eher wie ein Thron aussahen.. Dort setzten wir uns und ich betrachtete erst einmal den ganzen Raum. Er war wirklich ausschließlich mittelalterlich geschmückt. Alle Schüler hatten diese alten Sachen an und fingen nach einer, zu dieser Epoche passenden Melodie zu tanzen an. Mich wunderte das alle es mitmachten. Ich meine, Susi zum Beispiel hielt noch nie besonders viel von diesem Zeitalter. Auch ich und Alex tanzten ab und zu. Marie vergnügte sich ebenfalls. Der Nachmittag verging viel zu schnell und einige Schüler trugen Tische in den Saal die in einer Reihe gestellt wurden. Es wurden allerhand Speisen aufgetragen. Ich fragte mich immer, warum der Besitzer so freundlich war, und wir nicht mal etwas zu bezahlen brauchten. Wir aßen tranken nach Herzenslust. Nach dem Abend essen gingen wir noch einmal im Hof spazieren, auch andere gingen noch einmal raus um sich zum teil von den vielen Tieren zu verabschieden. Es wurde noch bis tief in die nacht gefeiert. Alle hatten einen riesigen Spaß der leider viel zu schnell vorbei ging. Viele Schüler schlugen Frau Marlen vor, nächstes Jahr wieder herzufahren. Ich denke das wir das auch machen werden. Schließlich begaben sich alle Schüler in ihre Zimmer. Das schöne war, dass wir unsere Kleidungsstücke behalten durften. Der Tag hatte mich wirklich geschafft und ich schlief sofort ein als ich in meinem Bett lag.
„Oh Gott! Wir sind viel zu spät dran!“ Frau Marlen lief hektisch durch die Gänge und trommelte alle wach. Es war bereits elf Uhr und auch unsere Lehrerin hatte anscheinend verschlafen. Wir hatten ja noch nicht einmal die Sachen wieder in unsere Taschen geräumt. Also beeilten wir uns noch rechtzeitig fertig zu werden. Der Bus war bereits vorgefahren. Der Besitzer war noch einmal so freundlich, uns zum Mittag einzuladen. Selbstverständlich forderte er den Busfahrer auch auf mitzuessen. Er nahm dankend an und wir genossen noch einmal und zum letzten mal das wundervolle essen dieser Burg. Wir nahmen unsere Taschen und gingen raus zum Bus. Nicht jeder hatte ein glückliches Gesicht, da sie noch gerne etwas länger hier geblieben wären.
Alex
Die schöne Zeit auf der Burg war nun vorbei. Als wir alle im Bus saßen winkte uns der Burgbesitzer noch einmal freundlich zum Abschied zu. Aber was ist das? Ich erkenne plötzlich meinen alten Freund Erich in ihm. Hat er das alles organisiert? Wenn ja, danke ich ihm noch einmal im Stillen für alles. Ich beschloss es aber für mich zu behalten. Nach einer langen Busfahrt kamen wir am frühen Abend an unserer Schule an. Die Eltern der Schüler warteten schon auf ihre Kinder. Ich werde wieder in meine einsame Wohnung ziehen müssen, verabschiedete mich von meinen Freunden. Plötzlich merke ich das ein Elternpaar noch auf ihr Kind wartet. Moment mal! Das sind doch..... das sind doch meine Eltern! Wie kommen die denn hierher. Ich habe sie schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Als Erich mir damals erschienen ist, sahen meine Eltern ihn im letzten Augenblick ebenfalls und mein treuer Freund musste ihnen ebenfalls die Geschichte erzählen, da sie mir nicht geglaubt hätten. Mum und Dad wären damals mitgekommen, wenn sie ihre festen Berufe nicht hätten. Ich lief zu ihnen hinüber und schloss sie fest in meine Arme. Wir fuhren zu der Wohnung, in der ich zur Zeit lebe. „Eigentlich, sind wir nur hier um dich nach Hause zu holen.“ Meine gute Laune verschwand von einem Augenblick auf den anderen. „Ich werde nicht mit euch zurück fahren. Mein Platz ist hier und das wird auch so bleiben. Nichts und niemand wird daran was ändern können!“ „Aber Alex, du kannst hier nicht alleine bleiben.“ „Warum bleibt ihr dann nicht hier?“ „Das geht nicht. Du weißt genau wie vielbeschäftigt wir sind.“ Dieses mal war es Vater der antwortete. „Jedenfalls werde ich nicht mit zurückkommen. Ich habe es die ganze Zeit über allein geschafft. Warum sollte es jetzt nicht gehen?!“ Meine Eltern war ein enttäuschender Blick ins Gesicht geschrieben. „Tut mir wirklich sehr Leid. Mum. Dad. Ich habe hier Freunde und auch Emmelin wiedergefunden, versteht ihr?“ „Also das ist der Grund. Da können wir dann also nichts mehr machen. Schade. Dein Vater und ich werden morgen wieder abreisen. Und damit es dir an Geld nicht fehlt, werden wir dir wie schon vorher das Geld per Bank überweisen. Wenn du einmal etwas mehr brauchst schreib uns einfach.“ Ich bin erleichtert aber gleichzeitig auch traurig das ich meine Eltern schon wieder verliere. Den Abend lang erzählte ich ihnen was alles passiert war, in der Zeit wo ich weg war. Sie hörten mir aufmerksam zu. Als es dann schon ziemlich spät war gingen wir ins Bett.
Am nächsten morgen weckten mich meine Eltern sehr früh um sich von mir zu verabschieden: „Machs gut Junge und pass auf dich auf. Irgendwann werden wir dich sicher mal besuchen kommen.“ Sie liebkosten mich und verschwanden dann. Es war schön meine Eltern mal wiederzusehen, auch wenn es nur kurz war.
Lilli
Wieder zu Hause. Ein schönes Gefühl. Die Nacht zum Sonntag hab ich noch mal richtig durchgeschlafen. Meine Mutter und mein Vater hatten viele Fragen, ich erzählte aber nur das Nötigste. Das mit Alex und das ich eine Wiedergeburt bin verschwieg ich natürlich. Am Sonntag war weiter nichts los. Ich bereitete mich auf die Schule vor und dachte noch einmal über alles nach was wir erlebt hatten. Nach all diesen Ereignissen, glaube ich das die Freundschaft zwischen mir und Marie noch stärker geworden ist und auch zu Alex, eine tiefe Freundschaft aufgebaut habe, oder anders, eine tiefe Liebe. Da fällt mir ein das ich ihn noch fragen wollte ob er mit mir zum Schulball geht, was ich am Montag auch tat. Er stimmte freudig zu.
Der Rest der vier Wochen die bis zum Schulball noch übrig waren vergingen ohne besondere Ereignisse. In der Schule galt, das ich offiziell mit Alex zusammen war. Marie war immer bei uns. Sie durfte nicht fehlen. Die früher beste Freundin war nun ein Teil von mir geworden. Selbstverständlich hat auch sie einen Partner für den Ball gefunden. Ich besorgte mir in der Zwischenzeit ein Kleid das meine Eltern für mich bezahlten. Dafür dankte ich ihnen Tausende von Male.
Nun war es soweit, der große Abend war gekommen und ich machte mich auf den Weg zur Turnhalle.
Alex
Man, bin ich aufgeregt. Ich machte mich für den Schulball fertig indem ich einen schwarzen Anzug trug und meine Haare zurecht machte. Es ist soweit. Auf dem Weg zur Sporthalle traf ich nur Marie. Sie sagte das Lilli schon etwas früher losgegangen sei. Auch ihr Partner wartete in der Halle.
Als wir ankamen war die Veranstaltung schon im Gange. Und dann sah ich sie. Lilli trug ein wundervoll langes und besticktes Kleid. Es hatte eine weiß-goldene Farbe. Sie sah einfach wundervoll aus. Nicht in Worte zu fassen. Ich schritt auf sie zu und machte ihr ein Kompliment über ihr Kleid über das sie sich freute. Es wurde den ganzen Abend durchgetanzt. Dann verkündete der Veranstalter das sie für diesen Abend eine Ballkönigin gefunden hätten.
Marie
Wer war das? Natürlich keine geringere als Lilli!