Was ist neu

Ekel

Mitglied
Beitritt
14.06.2003
Beiträge
11

Ekel

G. war ein junger Mann, der das Leben genoß. Er war in den Zwanzigern, hatte eine feste Arbeitsstelle, war bei den Frauen sehr beliebt und war ein rundum glücklicher Mensch, der alles hatte was er wollte. Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen, stets brachte er das, was er angefangen hat zu Ende, aber nicht nur das, er erreichte immer das beste Resultat von allen. Dennoch war er kein Mensch der nur wegen der Arbeit lebt und handelt. G. war bei allen wegen seiner Leistungen angesehen, doch er hatte auch andere Qualitäten. Er war freundlich, nett, aufmerksam und fürsorglich. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen musste er von klein auf lernen sich durchzusetzen und sich Respekt zu verschaffen. Dies tat er aber nicht wie ein Rowdy. Er kam aus einer guten Familien, die ihm viel gegeben hat, wofür er sich auch mehrmals revanchierte. Er liebte seine Eltern und seine Schwester und wünschte, dass sein Leben immer so bleiben würde. G. war ein einfach vom Schicksal Begünstigter, der aber etwas dafür tat.

Aber dies sollte sich bald ändern.

Eines Tages ging er zu einem Mittagsimbiß in die Stadt. Er hatte Hunger und wollte sich schnell was gönnen, ehe es mit der Arbeit weiterginge. G. suchte sich ein Lokal und trat hinein.

Als erstes bemerkte er einen furchtbaren Geruch, ein Gestank der ihm die Sinne wegblies und ihn dazu veranlasste schnellstmöglich herauszurennen.

Vorher war ihm etwas wie dieser Gestank nicht aufgefallen. Nie in seinem Leben empfand er ein solches Gefühl. G. bekam Gänsehaut, als er nur an den Vorfall dachte. In seinem Kopf schwirrrten Tausende von Gedanken. Was war das? Wieso jetzt? Wieso ich? Was genau war denn dieses scheußliche Etwas? G. konnte aber nicht weiter überlegen. Er war zu sehr von einem Schock befallen, denn was ihm heute im Lokal begegnete konnte ihn nicht verlasssen. G. überlegte sich was es sein könnte, dass seinen Verstand so benebelte, dass er völlig durcheinander wurde. Er erinnerte sich nur an das Lokal. Er trat hinein – und sofort schoß ihm der Gestank in die Nasenlöcher. Er hat völlig vergessen was er da genau sah, aber er hat nicht vergessen was ihm da passiert ist.

Schnell wie der Blitz, hechtete er hinaus auf die Straße. Er war aber zu verstört um auf die Straße zu achten und so sah er nicht das Auto, das ihn beinah angefahren hätte. Mit Entsetzen blickte er an das gelbe Taxi, das gerade noch angehalten hat. Er hatte die Augen geschlossen und hörte einen wütenden Ausruf.

„Pass doch auf du Idiot!“

G. machte die Augen auf und betrachtete das Vehikel. Ein Taxi, eins von vielen in der Stadt. Nichts besonderes. Da erblickte er den Mann, der ihn angeschrien hat. Er war ein fetter, häßlicher Mann mit einem Drei-Tage-Bart und einer Glatze. Er hatte einen Hängebauch und eine Zigarette im Mund. Er hatte rote Augen und dreckige Finger. G. fühlte sich eben an die Szene im Lokal erinnert. Das Gefühl überkam ihn wieder. Ein Gefühl des Abscheus, des Hasses, des Ekels. G. waren diese Gefühle völlig neu. Er konnte sich nicht wehren als sie ihn belagerten und seine ganze Welt in Frage stellten. G. starrte nur noch auf den fetten Taxifahrer und blieb wie hypnotisiert in seinem Bann.

„Was ist mit dir? Wieso starrst du mich so an?“

Der Taxifahrer reagierte so auf den Einfaltspinsel auf der Straße, der nicht einmal laufen kann. Er wiederholte seine Frage und wollte gerade aussteigen , um dem Penner eine Lektion zu erteilen, als dieser sich bewegte.

G. flüchtete jetzt. Kopflos rannte er über die Straße. Er kannte nur ein Ziel: Weg. Er wusste aber nicht wohin. Mit einem rasendem Tempo lief er durch die Gassen der Stadt. Er drehte sich oft um, um zu sehen ob er verfolgt wird. Dabei wollte er es ja gar nicht, ein Teil von ihm sagte, dass er sich alles einbilde, dass nichts passiert wäre, dass er doch keinen Grund habe wie ein Verrückter zu rennen. Aber G. hat wohl diesen Teil stumm gemacht und rannte weiter. An einer Straßenecke wollte er nach rechts in die Kurve, als er direkt in eine Frau lief. Sie hatte die Hände voll mit Einkaufstüten und war sichtlich überrascht als ein Mann mitten auf der Straße sie anrempelte. Sie fiel zu Boden und ließ die Einkaufstüten fallen. G. hielt an. Einen Augenblick lang dachte er, dass er der Frau helfen solle. Er kniete sich nieder und gab ihr die Hand. Als sie ihm diese streckte, betrachtete er die Hand eine Weile und sah eine kleine Schürfwunde an der Handfläche. G. sprang plötzlich auf und raufte sich die Haare.

„Was ist denn los junger Mann?“

G. betrachtete das armselige Geschöpf und den Ketchup der gerade aus ihrer Einkaufstüte am Boden rauslief. Eine klebrige, rote Masse war jetzt auf dem Boden. G. wollte sich übergeben und drehte sich um. Da sah er eine kleine Menschenmenge versammelt.

„Jetzt helfen sie doch der Frau.“
„Sehen sie nicht wie hilflos sie ist?“
„Sie Idiot!“

G. hielt es nicht mehr aus. Er rannte weiter. Weg von diesen Menschen, weg von der Frau, weg von der ganzen Welt die ihm sein Leben gestohlen hat. G. hatte nach diesem Erlebnis nur noch ein Ziel: Sein Zuhause

Am nächsten Tag fuhr G. wie gewöhnlich zur Arbeit. Aber etwas mißfiel ihm an seinen Kollegen und seinem Arbeitsplatz. Je mehr er sich mit ihnen unterhielt, je mehr er das Büro sah, desto mehr wurde ihm bewußt, dass dies alles nur eine Illusion ist um die wahre Natur der Welt und des Menschen zu verbergen. Die glatten Gebäude, die aalglatten Menschen, nein, das kann nicht wahr sein. G. wurde zunehmend aufbrausender und mürrischer. Er machte wegen jeder Kleinigkeit einen Aufstand und deklarierte einem Kollegen über 30 Minuten, wieso dieser die Toilette nach dem Benutzen sauber machen solle. Er fuhr viele seiner Freunde wegen Kleinigkeiten an und stritt sich zuletzt mit seinem Boß. Als er nach Hause ging steigerte sich seine Abneigung gegen das Gerüst der Welt ins Unermeßliche.

Auch dort war er wie ausgewechselt. Er war von seiner Katze genervt und prügelte sie zu Tode als er randalierend tobte. Ihn nervten die unregelmäßigen Verzierungen an der Katze.

Er rief seine letzte Verabredung an und sagte ihr, was für eine verdammte Schlampe sie sei.

Er besuchte seine Eltern und brach einen Streit vom Zaun.

Dann hatte er aber nichts mehr. G. sah nur noch eine Möglichkeit um sich selbst zu retten. Er ging in sein Zimmer und machte die erste Schublade auf. Zuerst sah er dort eine Schabe. Zitternd streckte er seine Hand hinein und tastete sich voran. Die Schabe kroch auf seine Finger. Er tastete weiter. Die Schabe krabbelte jetzt auf seine Hand. Er spürte plötzlich ein kaltes Metall. Die Schabe war jetzt auf seiner Brust. Er holte das kalte Metall heraus. Die Schabe war auf seinem Hals. G. stand auf und betrachtete den Revolver. Die Schabe war auf seinem Gesicht. G. drehte sich um und ging zum Spiegel. Die Schabe war auf seiner Schläfe. G. richtete seinen Revolver ebenfalls dorthin.

Mit einem Lächeln drückte er ab.

 

Danke für die Antwort!

Finds schön, dass die Story dir gefällt. Hab beim Schreiben gar nicht an diesen Film gedacht, aber jetzt wo du es sagst fällt es mir auch auf.

 

Hi Josef!

Geniale Geschichte! Nur ein Satz hört sich ein wenig komisch an:

Ihn nervten die unregelmäßigen Verzierungen an der Katze.
Ansonsten gibts nichts zu bemängeln, wirklich gelungen!

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom