Einmalige Begegnung
Ich sah dich und wußte du bist es. Die eine, die mein Glück, meine Sammlung perfekt machen würde. Ich folgte dir. War oft ganz nah bei dir, konnte flüchtig deinen Rücken streicheln, dein feines Haar berühren. Ich hörte deinen Atem, konnte deinen zarten Duft riechen.
- Du merktest es noch nicht einmal.
Ich hätte es dort tun können. Im Gedrängel der Straße. Doch ich hätte keine wahre Freude daran gehabt. So folgte ich ich dir. Die Straßen entlang, durch die Passagen, über die Brücke. Du sahst dich einmal um, doch du sahst mich nicht. Ich war da, unsichtbar, und doch in unmittelbarer Nähe.
Du gingst ins Haus. Es war dunkel, und du warst alleine, und das angehende Licht verriet mir, wo du warst.
Ich ging durch das nicht verschlossene Gartentor. Der Garten, unbeleuchtet, bot mir Schutz. Ein Hund kam auf mich zu. Er knurrte, fletschte die Zähne,seine tödlichen Waffen, die er gedachte so bald wie möglich in mich reinzuschlagen.
Ich schnitt ihm die Kehle durch. Ein Jauler, dann Ruhe.
Ich schlich mich ans Haus, spürte sofort deine Anwesenheit, deine Nähe. Leise Töne Mozarts schwangen durch die Räume, als ich das Haus betrat.
Die Schuhe waren schmutzig, von dem Regen, der den Garten schlammig gemacht hatte, und von dem Blut. Ich zog sie aus, und tappte durch das scheinbar leere Haus, folgte der Musik, wo ich dich wähnte. Und ich fand dich.
Im Sessel sitzend, die Augen geschlossen, die Finger wie ein Dirigent im Takt schwingend. Ich schlich mich weiter in die Küche, suchte etwas neues; mein Messer war schmutzig. Du solltest nicht von diesem Messer berührt werden. Ich fand es etwas besseres, eine Nylonschnur, du wirst dich freuen, das zu hören, schließlich macht ein Messer sehr häßlich verunstaltende Wunden, und das Blut bekäme man auch nie wieder aus den schönen Teppichen raus.Das kann dir doch nur recht sein.
Zurück nahm ich die andere Tür, leise, wollte nicht, dass du mich sofort siehst. Die Überraschung wäre verdorben. Die andere Tür war hinter dir. Gegen meine Erwartung knarrte sie nicht. Die Überraschung gelang. Du quicktest erstaunt ob meines Besuches, und hattest die Augen weit aufgerissen, als wenn ich wie ein brennender Dornbusch in deinem Zimmer wandeln würde. Du schnauftest, du keuchtest. Dann warst du ruhig. Nur Amadeus sorgte dafür, dass dieser Moment nicht in andächtiger Stille versank. Ich kniete mich vor dir nieder, deine ganze Aufmerksamkeit war mir gewiss. Wir redeten lange. Du kannst gut zuhören. Ich ging erst, als ich hörte, wie deine Familie nach Hause kam. Sie wollten sicher mit dir nun alleine sein.
Wir hatten unsere Zeit, meine Schöne, und sie ist vorbei. Aber ich werde dich wieder besuchen, ganz sicher, und Blumen bringe ich dir dann mit. Die Nylonschnur nehme ich mit. Du brauchst sie sicher nicht mehr. Als ich sie um deinen Hals legte, wurde sie zu einem Teil von dir. Ich nehme sie als eine Erinnerung an diesen Abend mit. Wir sehen uns wieder.
Du warst unvergleichlich, meine Liebe, bei keiner anderen war es so wie bei dir. Siehst du es auch so? Ich bin mir sicher, dass dir so etwas auch noch nie passiert ist.
Und wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen,
tot bist du noch schöner.