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Einmal Burma und zurück!

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28.04.2003
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Einmal Burma und zurück!

EINMAL BURMA UND ZURÜCK

Ich sitze im naßkalten Jänner in Wien mit Silvia im Sofa, wir trinken Tee und denken an Reisfelder, orangefarbene Sonnenuntergänge, goldene Pagoden und den purpurnen Farbenrausch der an der Luft trocknenden Seide. Sollen wir nach Burma reisen, das seit 40 Jahren von einem international geächteten Militärregime regiert wird und sich erst 1996 dem Tourismus geöffnet hat. Doch, da wollen wir hin! Wir werden eben versuchen, alle staatlichen Verkehrslinien und Touren zu meiden und uns direkt vor Ort private Führer und Unterkünfte suchen. Der Rucksack ist schnell gepackt, mit einem 28.Tage Touristenvisum in der Tasche landen wir am 1. Feber in Bangkok, nachdem wir bei einem schnellen Glas Singha die tropische Morgendämmerung am Flughafen genossen haben, geht's weiter nach Yangoon.

In der Hauptstadt entscheiden wir uns für ein netten, privates "Guesthouse" mit dem sinnigen Namen Motherland Inn. Hier treffen sich gleichgesinnten Rucksacktouristen, die Tipps und Interessantes für unsere Routenplanung parat haben. Während wir auf der Terasse bei 40 Grad im Schatten ein Mandalay Bier genießen, flutet der Verkehr vor dem Guesthouse vorbei, mehr Räder und Rikschas als Autos, die Männer tragen allesamt Röcke (Lunghis) und kauen Beetlenuts – Asien pur! Abenteuerlustig und etwas übermütig beschließen wir, nach den touristischen Mußdestinationen Bagan und Inle Lake den üblichen Touristentrampelpfad zu verlassen und auch den wilden Süden Burmas zu bereisen.

In der Hauptstadt lockt die Shwedagon Paya, die größte Pagode der Welt mit ihrem faszinierenden Tempelbezirk, bevölkert von Mönchen und Gläubigen, dazwischen verlieren sich die paar Touristen, die in der Masse der Burmesen nicht weiter stören. Läßt man sich nach einem Rundgang erschöpft auf einer Tempelstufe nieder, wird man auf unaufdringliche Art und Weise von einem der vielen rotgewandteten Mönche angesprochen, der stolz seine Englischkenntnisse unter Beweis stellt und einem die Grundzüge des Buddhismus und Geheimnisse rund um die Pagode erzählt.

Nach vier Tagen verlassen wir Yangoon und brechen zum 1000 m hoch gelegenen Inle Lake auf, für uns aus kälteren Gefilden stammenden Europäer sowieso besser zur Akklimatisierung geeignet. Wir wollen unsere Reisekasse schonen, also hat uns das Guesthouse kurzerhand Bustickets besorgt. Die Fahrtzeit ist mit 20 Stunden für 700km allerdings irritierend, aber warum es so lange dauert, wird uns schlagartig nach der ersten Stunde im Bus klar. Die Straße würde man in Europa eher als Ansammlung von Schlaglöchern bezeichnen, mehr als 40 km/h kann der Bus nicht fahren. Wir sind die einzigen Touris/ Europäer im Bus, von der versprochenen Air Condition keine Spur, die Sitze sind in ihrer Dimension nicht für uns europäische Riesen gemacht. Die Toiletten auf der Strecke geben erste Einblicke in die Unbillen einer solchen Reise. Aber die wirkliche Belastungsprobe kommt noch. Wir essen alles, was uns exotisch und fremdländisch an den Ständen am Straßenrand und den Restaurants auf der Strecke angeboten wird. Wir sind bereits 10 Stunden in diesem Bus und die Strecke wird zunehmend schlechter. Ein Gebirge muß überwunden werden, die Straße verwandelt sich von einer asphaltierten Straße mit Schlaglöchern in einen kurvigen Dschungeltrail, unasphaltiert und vorallem, sehr sehr kurvig. Die Landschaft ist beeindruckend, tiefster Dschungel um uns. Und plötzlich melden sich mein Magen. Der einzige Ausweg, das Busfenster, der Busfahrer hält nicht einmal für einen Touristen, dem zufällig schlecht wird. Die burmesischen Fahrgäste sehen mich konsterniert an, was soll ich tun. Meiner Reisebegleiterin Silvia scheint es besser zu gehen, das muß vielleicht doch mein überempfindlicher Magen sein zusammen mit der Strecke, denke ich mir! Endlich am nächsten Tag zu Mittag, wir sind 20 Stunden unterwegs, kommen wir am Inle Lake an und bleiben direkt im kleinen Dorf Naungshi am Ufer des Sees, wo es ein paar Herbergen und ein nettes Zentrum mit kleinem Markt und Pagode gibt. Nach dieser Busfahrt, die Gliederschmerzen nach der langen Fahrt habe ich noch gar nicht erwähnt, beschließen wir, für uns verwöhnte Europäer ist das Busfahren in Burma nichts. Außerdem muß jetzt eine Luxusherberge her, so eine wie sie von Pauschaltouristen frequentiert wird, 13 Dollar die Nacht, das absolute Topsegment in Burma’s Hotellerie. Und diese Entscheidung war gut, denn jetzt erwischt Silvia so richtig die Rache des Montezumas, Durchfall und Fieber. Es war also doch das Essen. Beide sind wir todmüde von der Busfahrt, und das Fieber wie war das gleich noch mit der Malaria, aber ja, Inkubationszeit ist 1 Woche, also das kann man wenigstens ausschließen. Wer hat auch behauptet, daß Reisen immer eine Erholung sein muß! Am nächsten Tag radle ich über eine idyllische Landstraße zu den in 1 Stunde Entfernung gelegenen, heißen Quellen. Leider sind sie so heiß, daß sie ausschließlich von abgehärteten Burmesen benutzt werden, baden dürfte man sowieso nur mit Lunghi, dem langen Wickelrock für Männer und Frauen. Macht nichts, der Weg ist das Ziel. Abends lockt ein Restaurant mit selbstgemachten Spaghetti. Unsere Mägen haben sich noch nicht ganz erholt, wir bleiben also beim europäischen Essen. Die Pasta schmeckt erstaunlich gut, der Besitzer, ein junger Burmese erklärt uns stolz, daß die original Nudelmaschine von einer Italienischen Touristin aus Bologna stammt, samt der dazugehörigen Samen für die Gewürze, die sie ihm mit dem Rezept für die Pasta geschickt hat! An Leib und Seele gestärkt, buchen wir gleich für den nächsten Tag eine Trekkingtour in die malerische Umgebung mit dem Bruder des Wirts. Frühmorgens um 9 treffen wir unseren Guide, ein 22jähriger Burmese, der, wie sich herausstellt, exzellentes Englisch spricht. Dank dem Restaurant seines Bruders, daß für burmesische Verhältnisse eine Goldgrube ist, konnte er in Taunggyi Biologie studieren. Er führt uns in sieben Stunden auf die Anhöhen rund um den See, zuerst zu einer Höhle, die von buddhistischen Mönchen bewohnt wird. Wir bekommen Grüntee angeboten und bieten unsererseits europäische Marlboro an, die beim Mönch sehr gut ankommen. Die wunderschöne Landschaft und der Blick über den ganzen See mit seinen riesigen Schilfgürteln entschädigt für den anstrengenden Aufstieg. Zum Abschluß der Wanderung werden wir von einer burmesischen Bauernfamilie, die mit Kind und Kegel zu fünfzehnt in einer Bambushütte -eh „wohnt“ zum Mittagessen eingeladen. Reis und ein bißchen Gemüse, genau das was sie von ihren Feldern ernten und das teilen sie mit uns reichen Europäern! Aber die Einladung abzulehnen wäre wirklich unhöflich gewesen. Nachdem wir ihnen Seifenproben, Süßigkeiten und Kulis für die Kinder und europäische Zigaretten für die Großmutter angeboten haben, ist die Stimmung sichtlich gelöst. Wir werden mit selbstproduzierte Zigarren und eine Papaya aus dem eigenen Garten beschenkt. Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Boot den Inle Lake mit den malerischen schwimmenden Gärten, den urigen Bauernmärkten, die Seidenspinnereien und Silberschmieden auf Pfahlbauten mitten im See nicht zu vergessen.

Danach geht’s weiter zum zweiten touristischen Muß Burmas nach Bagan, zur Stadt der versunkenen Tempel. Wir lassen uns vom Wirt der Spaghetteria ein Taxi samt Fahrer organisieren. Einen Tag wird es trotzdem dauern, aber die Fahrt ist bei weitem angenehmer als die Busfahrt! Wir machen „Teepausen“, wann es uns paßt und der Taxler ist sichtlich um unser Wohl bemüht. Die Straße ist in einem absolut katastrophale Zustand:“ Des iß jo ka Stroß!“ kommentiert meine Freundin in ihrem unnachahmlichen X-berger Dialekt trocken. Dschungel, kleine Dörfer und Ochsenkarren ziehen an uns vorbei. Auf der Straße, die bevölkert ist von Fahrrädern und Fußgängern ist es eine Sisyphusarbeit für unseren Fahrer, seinen Weg durch den dichten Fahrrad- und Fußgängerverkehr zu bahnen. Die Straße ist einspurig, bei Gegenverkehr muß ein Auto in den Straßenrand ausweichen, die Fahrräder geben auch nicht ohne weiteres den Weg frei, da muß der Taxler schon auf die Hupe steigen. Ich bewundere oder eher bemitleide den unendlich geduldigen Taxler und schlummere nach einem wunderschönen Sonnenuntergang vom Taxifenster aus beobachtet weg. Um 10 Uhr abends erreichen wir erschöpft Bagan und mieten uns im „Eden Guesthouse" neben dem Markt ein. Nach ausgiebiegem Frühstück radeln wir am nächsten Tag das ca. 20 km große Areal auf eigene Faust ab. Die Drahtesel sind ein original kommunistisches Fabrikat aus China, schon die geringfügigste Steigung erfordert ziemlichen Krafteinsatz, der lohnt sich aber. Auf Feldwegen überholen wir Ochsenkarren und andere Radler und ein Tempel nach dem anderen zieht vorüber. Am schönsten ist Bagan bei Sonnenaufgang, die Tempellandschaft ist in geheimnisvolle Nebelschwaden getaucht, aber früh aufstehen ist angesagt, möchte man sich den Sonnenaufgang von einer der höchsten Pagoden aus anschauen. Ich als alter Morgenmuffel wähle den Sonnenuntergang, Silvia schafft es um 6 Uhr früh.

Zu Mittag sind wir mit den Rädern am größten Fluß Burmas dem Ayeyarwady gelandet, ein geschäftstüchtiger Schiffer rudert uns um 1 US Dollar oder 1000 Kyatt ans andere Ufer. Dort hat uns der Schiffer ein Kloster versprochen, zuvor müssen wir allerdings noch ein Bauerndorf durchqueren. Die Szenerie ist gigantisch, zurückversetzt um 100 Jahre quetschen wir uns an Ochsenkarren vorbei durch ein bauerndorf, das ursprünglicher nicht sein könnte, keine Autos, nicht einmal Räder nur Bauern mit ihrem Familien, die vor ihren einfachen Holzhäusern die Ernte versorgen. Wir sind die Sensation des Tages. Sofort haben sich 10 Dorfkinder an unsere Versen geheftet, die um Bonbons und Kyatt betteln. Mit ein paar eingesteckte Süßigkeiten, Seifenproben aus den Hotels und Kulis können wir sie abschütteltn. Am nächsten Tag besichtigen wir noch den Mount Popa, ein 70km entfernt gelegenes, auf einem Berggipfel thronendes Kloster. Nach diesem Megaprogramm beschließen wir nach Yangoon zurückzufahren. Diesmal gönnen wir uns einen Flug mit einer der privaten Airlines des Landes. Beim Abflug taucht die Abendsonne die Tempel in weiches rotes Licht und macht den Abschied schwer.

Zurück in der Hauptstadt, nehmen wir wieder im netten Guesthouse Quartier um unsere Reise in den Süden von Burma zu planen, der Weg mit Boot und Flugzeug wurde von der Regierung erst kürzlich für Touristen geöffnet, der Landweg ist nach wie vor verboten. Banditen pflegen Busse anzuhalten und Weggeld von Touristen zu erpressen, es sind wohl großteils Rebellen der Karenminderheit, die von der Burmesischen Militärjunta brutal unterdrückt werden und mit dem erpressten Geld ihre Waffen finanzieren. Außerdem müssen wir für die Ausreise über Land nach Thailand in Kawthoung eine Ausreisegenehmigung besorgen, die wir beim staatlichen Reisebüro M T&T (Myanmar Travel & Tours) für satte 35 Dollar nach mehrmaligen Anfragen endlich bekommen. Mit Boot und Flugzeug werden wir versuchen den südlichsten Zipfel Burmas zu erreichen und nach Thailand überzusetzten! Wir wollen es wissen!

Von Yangoon nehmen wir den Nachtzug nach Moulemein in der "upper class", Touristen bekommen sowieso nur die "upper class", billige Tickets sind den Einheimischen vorbehalten, wie sich herausstellt aus gutem Grund. Auch eine Zugreise kann ein Erlebnis sein, wir sind die einzigen Europäer im Zug, aus den Gepäckstücken rutschen die getrockeneten Fische heraus. Direkt hinter Silvias Sitz stimmt ein lebender Hahn in einen Jutesack gesteckt um 4 Uhr früh den Morgengesang an! Die Burmesen verstehen den Heiterkeitsausbruch unsererseits nicht! Die Liegesitze sind sehr bequem, in jeder Station steigen fliegende Händler mit aller Art von Essen zu, warmer Tee und Wasser wird auch angeboten.... Silvia meint, wie Indien nur mit friedlicher. Die Waggons der „upper class“ sind bewacht, was uns vor Übervölkerung des Abteils schützt. Nach einer unruhigen Nacht, kurze Schlummerphasen werden abrupt vom Rütteln des Zuges unterbrochen, der angsterregend schwankt, bieten sich morgens aus dem Zugfenster stimmungsvolle Landschaftsszenerien. Die in Frühnebel getauchten von Palmen umgrenzten Reisfelder sehen noch exotischer aus, Dorfkinder winken dem vorbeifahrenden Zug nach. Um 10 Uhr erreichen wir schließlich die Fähre nach Moulemein. Das Ticket für die Fähre kostet uns einen US Dollar –1000Kyatt, Burmesen zahlen nur 100 Kyatt, ein zehntel. Man kann auch in FEC zahlen -foreign exchange currency- eine Währung extra für die Touristen von der Regierung kreiert – sieht aus wie Monopoliegeld- allerdings die Burmesen nehmen lieber US Dollar auf dem Schwarzmarkt, der offizielle Wechselkurs für Dollar ist lächerlich niedrig.

In Moulemein wohnen wir im Happy Breeze, einem sauberen Guesthouse ohne jeden Komfort an der Uferpromenade um acht Dollar die Nacht. Immerhin gibt es sechs Gäste aus Europa, die einzigen in Moulemein, das immerhin mit 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Burmas ist, und der Besitzer spricht Englisch. Am nächsten Tag wollen wir nach Dawei weiterfliegen, eine ursprüngliche, verschlafene kleine Hafenstadt. Wir wanken übernachtig zum Ticketbüro der Myanmar Airways, leider haben die privaten Fluglinien Dawei noch nicht im Programm. Der Leiter des Myanmar Airways Büros in weißem Unterhemd und Lunghi gibt uns muffig zu verstehen, das der Montagsflug storniert wurde, warum ist ihm nicht zu entlocken. Das heißt, wir sitzen 3 Tage fest, abwarten und Teetrinken- im wahrsten Sinne des Wortes. Im belebten Marktviertel gibt es viele Teeshops, die köstlichen grünen „chinese tea“ servieren. Die Pagoden am Hügel mit wunderschöner Aussicht auf den Fluß, der hier ins Meer mündet sind auch eine Besichtigung wert und mit einer Flußfahrt auf die nahe Shampoo Insel mit einem Tempel für den lokalen Mönchguru vertreibe ich mir den letzten Tag. Am Abend schleppen uns zwei Deutsche Touris aus unserem Guesthouse mit in die einzige Bar der Stadt, eine Karaokebar, die sich letztendlich als das Puff entpuppt. Mit ihren bescheidenen Burmesischkenntnissen überreden sie den Türsteher uns 2 Frauen doch einzulassen. 10 burmesische Mädels geben Lieder zum besten, wenn ein burmesischer Junggeselle sie erwählt, bekommen sie eine Girlande um den Hals. Im Großen und Ganzen doch ein eher skurriles Erlebnis. Am nächsten Tag um 7 geht endlich unser Flieger nach Myeik. Dawei wurde kurzerhand vom Flugplan und somit leider auch von unserer Reiseroute gestrichen. 2 Stunden nach der angegebenen Zeit am Ticket hebt der Flieger endlich ab. Na, ja wir sind in Südostasien, nicht in Europa. In Myeik angekommen, stellen wir fest, daß unser Wunschhotel, das wir uns im Reiseführer ausgesucht haben laut Taxler leider nicht mehr existiert. Wir müssen das teuerste Hotel der Stadt für 20 Dollar die Nacht nehmen. Wir haben uns bereits an das burmesische Preisniveau gewöhnt, also ist das ein ziemlicher Hammer. Außerdem ist mir das Bargeld ausgegangen. Ich schaffe es noch in Myeik einen Travellerscheck einzulösen, obwohl dies laut Auskunft des französischen Hoteldirektors unmöglich ist. Den ganzen Tag, den wir in dieser Stadt verbringen, immerhin eine mittelgroße Stadt mit 30.000 Einwohner, treffen wir keinen einzigen Ausländer, wir werden angestarrt, als kämen wir von einem anderen Planeten. Leider spricht fast niemand Englisch, mit Händen und Füßen gelingt es uns doch uns irgendwie zu verständigen. Am nächsten Morgen im Hafen sorgen wir für Aufsehen, zwei Europäerinnen mit Rucksack, das gibt’s nicht alle Tage! Unser Speedboat nach Kawthoung, die Grenzstadt zu Thailand geht um neun. Ein junger Militärpolizist, der anscheinend als einziger im Hafen Englisch spricht, spricht uns an und hilft uns aufs Speedboot. Er organisiert uns Plätze in der ersten Reihe fußfrei, das war nötig, denn das Gedränge beim Einsteigen ist nicht so ohne! Er erzählt uns noch zu unserem Erstaunen, das er Christ ist (Baptist um genauer zu sein) und daher Englisch spricht. Nachdem er sich verabschiedet hat, flüchten wir vom überfüllten Unterdeck auf den Bug, dort sind die Temperaturen durch den Fahrtwind auch angenehmer. Am Bug teilen wir uns den Liegeplatz mit 4 Soldaten, die ihre Kalaschnikows offen auf dem Deck liegen lassen, um das Speedboat gegen diverse Piratenüberfälle zu schützen?! Nach 8 Stunden auf dem Sonnendeck haben wir uns noch unnötiger Weise einen Sonnenbrand eingefangen, als das Boot endlich in Kawthoung einläuft. Man dirigiert uns sofort zur Immigrationsbehörde, wir wollen heute noch über die Grenze nach Thailand. Der Grenzbeamte ist unangenehm gestreßt. Obwohl wir ihm die Zahlungsbestätigung für das Exit Permit zeigen, muß er angeblich noch einen Antrag für das Integration Office schreiben, nach 2 Stunden warten und langen Verhandlungen, wir machen ihm verzweifelt klar, daß wir kein Geld mehr haben um noch eine Nacht in Kawthoung zu bleiben, wird uns die Ausreise gestattet. Am Hafen chartern wir mit unseren letzten Kyatts und Dollars ein Longtailboat und weiter geht’s zum thailändischen Grenzbüro. In Ranong, der thailändischen Grenzstadt brauchen wir noch den Einreisestempel. Die thailändische Behörde hat zwar schon geschlossen als wir um 7 Uhr im Dunkeln mit dem Boot im Hafen ankommen. Aber sie sperren extra für uns noch einmal auf und begrüßen uns mit einem Lächeln – Welcome to the land of smile!

Adieu Burma, Land der goldenen Pagoden, der Reisfelder und Ochsenkarren, der Männer in Lunghis und der rotgewandteten Mönche, wir kommen wieder, Sawasdee Thailand.....auf einer sonnigen, einsamen Tropeninsel werden wir die Seelen baumeln und den Urlaub ausklingen lassen!


Ingrid Loy
Wien

 

Hallo Ingrid,

ich muß gestehen, deine Geschichte hat mich überhaupt nicht angesprochen, zum Ende zu, hab ich sie gar nicht mehr weiterlesen können.
Sie mag sicherlich für jemanden, der dieselbe Gegend bereist hat, noch etwas sein, aber für mich war es eher eine Anhäufung von tausend Reiseerinnerungen, die mir nichts sagten.
Bevor du dich vielleicht jetzt empört über meinen Verriß in dich zurückziehst, möchte ich versuchen, dir näher zu bringen, was du aus der Geschichte hättest machen können.

Zunächst einmal handelt es sich bei einer Kurzgeschichte nicht um einen Wettbewerb, so viele Informationen wie möglich in einem Rutsch unter zu bringen.
Diesen Fehler machst du hier jedoch, indem du unzählige kleine Dinge berichtest.
Wenn ich dir vorschlüge, mehr ins Detail zu gehen, meine ich damit nicht, dass du aus dieser Reisegeschichte einen Roman schreiben sollst, sondern es hätte gereicht, einen winzigen Part als Geschichte zu nehmen.
Zum Beispiel einfach nur die Busfahrt, in welcher der Protagonistin schlecht wurde.
Das hätte gereicht und wäre dann auch vielleicht für einen Leser ein Miterleben gewesen.
Geh sozusagen auf Nahaufnahme und schildere verdichtet nur eine Begebenheit und die dann mit viel Lokalkolorit und Atmosphäre.
Dann fehlt, und das wundert im Prinzip auch nicht, deiner Geschichte komplett der Spannungsbogen, denn "Einmal Burma und zurück" kann nichts anderes werden als eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, der Bogen ist also keiner, sondern eine Perlenkette.

Um nochmals die Szene der Busfahrt mit der Übelkeit als Beispiel heranzuziehen, hier hätte ein Spannungsbogen sein können, dass man als Leser langsam auf die "Katastrophe" hingeführt wird, man schon ahnt, dass nicht alles so gut ausgehen wird, wie es anfangs gedacht ist und man hautnah miterlebt, wie es der Protagonistin immer schlechter wird und sie immer weniger von der schönen Landschaft wahrnehmen kann, weil es ihr schlecht geht..und so weiter.

So zwischendrin, während ich las, drängte sich mir ein Vergleich mit den Diaabenden auf, mit denen manche Leute ihre Bekannten foltern.
Sie sind so eingenommen von ihren wundervollen exotischen und sicherlich auch beeindruckenden Reiseerlebnissen, dass sie jedes Detail dem anderen berichten müssen, ohne zu merken, dass es eigentlich keinen richtig interessiert.
Ich erlebe manche Reisende wie kleine Kinder, die dringend ihrer Mutter erzählen müssen, was alles sie in der fremden neuen Welt erlebt haben.
Während das zwischen Mutter oder Vater zum Kind noch Sinn macht und für beide eine Bereicherung darstellt, ist es unter Erwachsenen eher irritierend und langweilig.

Ich hoffe, ich habe ein wenig deutlicher machen können, was deinem Reisebericht fehlt.

Vielleicht klappt es ja bei der nächsten Geschichte besser, laß dich nicht entmutigen.

Lieben Gruß
lakita

 

Liebe Lakita,
danke für deine Kritik, endlich hat sich jemand mein DIng durchgelesen! Nicht sehr positiv, aber eigentlich war ich mit meiner Geschichte selbst nicht zufrieden, da ich eingentlich einen Zeitungsartikel schreiben wollte, aber ich finde selbst auch, daß mir das nicht so gelungen ist! Teilweise hatte ich echt interessante Erlebnisse auf der Reise, aber keines, daß ich irgendwie für so umwerfend halte, es der großen Öffentlichkeit mitzuteilen! Irgendwie bin ich mir so vorgekommen, als würde ich einen Schulaufsatz schreiben. Also ich habe praktisch nicht übergesprudelt von Dingen, die ich erzählen möchte, ich habe mich zwingen müssen, das hat man dann glaube ich auch am Ergebnis gemerkt :-)! Aber ein bißchen Übung ist immer gut!
Gruß
Ingrid

 

Hallo Ingrid,

versuch doch einfach mal dasjenige Ereignis/Erlebnis, welches dich auf deiner Reise am meisten beeindruckt hat und zwar welches bei dir die heftigsten Emotionen hervorgerufen hat als Geschichte zu schreiben.
Also nehm den Plot nur als Gerüst, um ihn mit Fantasie ausgestattet in eine Geschichte zu kleiden und löse dich einfach von dem Gedanken, eine Reisebeschreibung herstellen zu wollen.
Versuch einfach nur deine Gefühle in die Worte einer Geschichte zu kleiden.

Ich weiß, es ist so einfach dahergesprochen und gefordert, und ich selbst stehe auch noch tief im Sumpf meiner eigenen Unzulänglichkeiten, aber wenn ich immer nur vor meiner eigenen Haustür kehren wollte, dann gäb es hier gar keine Kritiken von mir. :D

Viel Erfolg dabei und schick mir ne PM, damit ich sie dann auf jeden Fall lese. :)

Lieben Gruß
lakita

 

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