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Eine strahlende Zukunft

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29.08.2012
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Eine strahlende Zukunft

So hier wäre die überarbeitete Fassung. Hoffe diese kann mehr überzeugen

Eine strahlende Zukunft
eine Kurzgeschichte von Nik Kogler

Als er durch ihre Haare strich, durchströmte ihn ein Gefühl purer Zufriedenheit. Er genoss die wohlig warmen Sonnenstrahlen, die ihm und ihr auf den Bauch schienen, während er den Sonnenuntergang, den wahrscheinlich schönsten, den er je gesehen hatte, voller Genugtuung betrachtete. Der Kauf des Strandhauses auf der Insel hatte sich bezahlt gemacht. Es war ein schöner Ort. Hier, auf diesem nahezu perfektem Fleckchen Erde, wollte er mit ihr seine zukünftigen Kinder großziehen. Sanft strich er ihr die Haare von der Stirn und küsste sie. Bald sollte sein großer Moment kommen, der Moment, in dem er um ihre Hand anhielte. Aber noch war seiner Meinung nach die Zeit nicht reif dafür, denn er hatte Angst, Angst vor der Antwort. Würde sie ihn abweisen? Würde sie ihn verlassen? Mit diesen Fragen im Herzen wagte er den Antrag nicht. Also wartete er, er wusste nicht auf was. Dennoch, den Ring hatte er bereits gekauft, es war ein schönes Stück, das ihn ganze 2 Monatsgehälter gekostet hatte, aber für sie würde er alles geben. Als er gerade überlegte, wann er sie wohl fragen würde, gingen die Sirenen los...

Langsam öffnete er die Augen und blinzelte verschlafen. Um ihn herum nur kahler Stahlbeton. Er vermerkte das leise Schnarchen eines Zimmergenossen. Nach einem kurzem Blick auf seine zerkratzte Digitaluhr beschloss er aufzustehen, in wenigen Minuten würde ohnehin der Aufseher kommen und alle im Zimmer zum Frühstück rufen. Um Strom zu sparen, gab es in dem Zimmer nur spärliches Licht, also stolperte er im Halbdunkel zu seinem Spind und kleidete sich an. 6:30. Pünktlich auf die Sekunde, wie jeden Tag, öffnete sich die Zimmertür und ein schmaler Lichtschein fiel herein. Erst jetzt konnte man das Acht Mann Zimmer ganz erkennen. Es war nur spartanisch eingerichtet und für Acht Männer viel zu klein. Wie immer war es der Aufseher, der zum Frühstück rief. Noch leicht verschlafen, ging er durch den schlecht beleuchteten Korridor zum großen Saal. Dieser war eigentlich eine umgebaute Fabrikshalle und recht einfach gehalten. In der Mitte befanden sich reihenweiße lange Tafeln mit einfachen Bierbänken. Da er Konferenzsaal, Kantine und Aufenthaltsraum zugleich war gab es links eine Essensausgabe, vorne ein Podium, dahinter eine kleine Leinwand und rechts gab es eine Art Pinnwand wo Jobs und Aufgaben ausgeschrieben wurde. Trotz dieser Einfachheit und des Schmutzes war es sein Lieblingsplatz im gesamten Komplex, denn dieser Saal war der einzige mit Fenstern.

Desinteressiert ging er zur Essensausgabe. Wie immer gab es Konservenfutter zum Frühstück. Niemand würde es wagen, Essen von außen zu konsumieren. Gelangweilt betrachtete er die Leinwand, auf der Neuigkeiten aus aller Welt zu sehen waren.
Als er diese betrachtete, musste er an den Tag denken, an dem alles begann. Es war der schicksalhafte Tag, von dem er so oft träumte und der zugleich sein letzter Trost in dieser Einöde aus Stahlbeton und deprimierten Gesichtern war. Der Tag, an dem selbst die Kinder das Lachen verlernten. Der Tag, an dem der größte Super Gau den die Welt je gesehen hatte sein Land verstrahlte, der Tag, an dem Amerika Russland den Ölkrieg erklärte. Der Tag, an den er so wehmütig zurückdachte, war der 20. März 2016. Aber am meisten schmerzte ihn, dass er es versäumt hatte, um die Hand seiner Freundin anzuhalten, denn jetzt war es zu spät...

Ein Blick auf seine Digitaluhr und ihm war klar, er würde heute etwas zu spät zur Arbeit erscheinen. Er betrachtete noch einen Moment wehmütig das bisschen Himmel, dass er durch die schmutzigen Fenster erkennen konnte. Der Komplex war für ihn wie ein goldener Käfig. Wenn er bliebe würde er lange aber unglücklich leben, wenn er ginge wäre er wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden Tod. Aber er wäre frei.

Resigniert und unfähig weiter zu essen, erhob er sich vom Frühstückstisch und bereitete sich auf seine Arbeit, der gefürchtesten von allen vor. Er war für das Warten von Solarzellen, der letzten Stromquelle des Komplexes, in dem er lebte, verantwortlich. Hierzu musste er aber den schützenden Bunker in einem unzureichenden Schutzanzug verlassen. Dennoch war er dankbar, denn ohne diesen Anzug würde er nicht einmal wenige Stunden in der nun so lebensfeindlichen Natur überleben. Die Tatsache, dass jeder Arbeitstag sein Leben verkürzte, niemand wusste wie lang, störte ihn nicht weiter.
Ob er lebte oder starb war ihm gleichgültig, so konnte er wenigstens anderen Menschen helfen und er hatte ohnehin nicht vor länger als nötig in diesem Bunker sein Leben zu fristen.

Nach getaner Arbeit pflegte er es, über den Tag zu reflektieren und ein schönes Mädchen zu betrachten, in das er sich vor Monaten verliebt hatte. Jedoch hat er es noch nicht gewagt sie anzusprechen.
Doch dieser Tag war anders, denn er beschloss wieder glücklich zu sein, wieder zu lachen und das Leben wieder zu genießen und seinen auf Dauer tödlichen Job an den Nagel zu hängen. Also sprach er die Frau an, deren Namen er nicht einmal kannte und sie verstanden sich wunderbar. Er verlor sich förmlich in ihren tiefgründigen braunen Augen. Zum ersten Mal seit langem war er wieder glücklich und er wagte es wieder, auf eine strahlende Zukunft zu hoffen.

Von da an traf er sich täglich mit seiner Schönen. Er wollte alles perfekt machen und auf keinen Fall etwas überstürzen, es einfach langsam und überlegt angehen. Also wartete er wieder. Die Wochen verstrichen und er hatte sie noch nicht einmal geküsst.
Irgendwann jedoch beschloss er, dass die Zeit reif sei, ihr seine Liebe zu gestehen. Sie trafen sich wie immer im großen Saal. Als er da so saß und überlegte wie er das Ganze anstellen sollte bemerkte er die allgemeine Aufregung der Schönen. Er konnte sich aber keinen Reim darauf machen, was los war. Gerade als er seine Liebe gestehen wollte, kam ein fremder Mann zu ihrem Tisch. Sie stand auf, küsste ihn und sagte dass sie heiraten wollen.
Völlig fertig stand er auf und ging weg. Sie lief ihm nach und fragte was los sei. Er beichtete ihr seine Gefühle und ihre Antwort sollte sein Leben aufs neue für immer verändern. Sie hatte sich am Anfang in ihm verliebt, verlor aber die Hoffnung da er keine Anzeichen zeigte.

Von diesem Tag an beschloss er, nie wieder zu zögern, auf nichts zu warten und einfach spontaner zu leben. Denn es war der erste Tag vom Rest seines Lebens.

 

Hallo Nik6361,

und willkommen hier! Deine Geschichte hat mich nicht begeistert vom Stuhl springen lassen. Es gibt da viel Potenzial für Verbesserungen. Aber wie bei jeder anderen Kunst auch, dauert es beim Schreiben eine Weile, bis man den Dreh raus hat. Sei also bitte nicht böse über die folgende Kritik.

Du verwendest viel zuviele Füllwörter und unnötige Adjektive. z. B. der erste Absatz:

Als er durch ihre Haare strich, durchströmte ihn ein Gefühl purer Zufriedenheit. Er genoss die wohlig warmen Sonnenstrahlen, die ihm und ihr auf den Bauch schienen, während er den Sonnenuntergang, den wahrscheinlich schönsten, den er je gesehen hatte, voller Genugtuung betrachtete. Der Kauf seines neuen Strandhauses auf einer wunderschönen Insel hat sich wirklich bezahlt gemacht. Es war ein schöner Ort. Hier, auf diesem schönem Fleckchen Erde, wollte er mit ihr seine zukünftigen Kinder großziehen. Sanft strich er ihr die Haare von der Stirn und küsste sie. Bald sollte sein großer Moment kommen, der Moment, in dem er um ihre Hand anhält. Aber noch war seiner Meinung nach die Zeit nicht reif dafür, denn er hatte Angst, Angst vor der Antwort. Würde sie ihn abweisen? Würde sie ihn verlassen? Mit diesen Fragen im Herzen wagte er den Antrag nicht. Also wartete er, er wusste nicht auf was. Dennoch, den Ring hatte er bereits gekauft, es war ein schönes Stück, das ihm ganze 2 Monatsgehälter gekostet hatte, aber für sie würde er alles geben. Als er gerade überlegte, wann er sie wohl fragen würde, gingen die Sirenen los...
lässt sich stark komprimieren, ohne dass Information oder Atmosphäre verloren geht:
Er strich durch ihre Haare und war zufrieden. Die Sonne schien ihm auf den Bauch. Der Sonnenuntergang war der schönste, den er je gesehen hatte. Der Kauf des Strandhauses auf der Insel hatte sich bezahlt gemacht. Hier wollte er ihre gemeinsamen Kinder großziehen! Er strich ihr die Haare aus der Stirn und küsste sie. Er wollte um ihre Hand anhalten, hatte aber Angst vor ihrer Antwort. Also wartete er und wusste nicht worauf. Der Ring, er hatte ihn zwei Monatsgehälter gekostet, steckte in seiner Tasche. Als er ihn hervorholen wollte, gingen die Sirenen los.

Die Handlung ist leider sehr unglaubhaft: Libyen hat weder Atomwaffen noch Raketen, von einem vernünftigen Grund für einen Krieg ganz zu schweigen. Wenn schon Atomkrieg, dann höchstens zwischen den USA und Russland. Und auch da stellt sich die Frage, warum irgendjemand die Zerstörung des eigenen Landes riskieren wollen sollte.

Die Handlung der Geschichte ist verwirrend. Es geht darum, dass der Protagonist (dessen Namen wir nicht kennen) zurückdenkt an den Tag, als der Krieg losging und den Moment, an dem er an den Tag auf der Insel zurückdachte. Das ist nicht wirkungsvoll.
Was bleibt: der Gedanke im Elend an die ungenutzte Chance - daraus könnte man etwas machen. Du könntest zuerst das Leben im Bunker schildern und danach die Situation, in der er nicht gewagt hat, die Frau zu fragen, weil er dachte, er würde sich irgendwann schon trauen.

Freundliche Grüße,

Berg

 

Hallo Nik6361,
willkommen auf KG.de!

Die Überschrift zu deiner Geschichte ist in ihrer Zweideutigkeit geschickt gewählt.

Habe ich das richtig verstanden?
Dein Protagonist will am 21.12.2012 (kurz vor dem 2. atomaren Supergau) einer Frau im Atombunker, einen Heiratsantrag machen, nachdem er es am 20.März 2011 (kurz vor dem 1. atomaren Supergau, der die ganze Welt verstrahlte,) nicht gewagt hatte, seiner damaligen Freundin einen Heiratsantrag zu machen.
Das Thema: verpasste Chance, beide Male kommt er/ es nicht zum Heiratsantrag.
Dazu der bombastische Umstand, zwei atomare Angriffe, von denen der erste nach deiner Aussage ja schon die ganze Welt verstrahlte!
Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?
Etwas weniger Endzeitszenerie hätte dem Ganzen besser zu Gesicht gestanden.
Irgendwie will die „Herzensangelegenheit“ des Protagonisten nicht zu der Situation passen, in der er sich befindet.
Deine Beschreibung der Lebensumstände wirkt unrealistisch und flach.
Nicht nur, weil nichts von dem Grauen, der Angst und der Verzweiflung rüberkommt, die Überlebende nach einem Atomkrieg begleiten, sondern auch, weil etliches nicht logisch ist.

Beispiel:
Wenn ich die Chronologie des Geschehens richtig verstehe, so befindet sich der Protagonist in deiner Geschichte am 21.12.2012 in einem Betonbunker, nachdem sich am 20.03.2011 ein atomarer Supergau ereignet hatte.
Seit seinem Aufenthalt im Atombunker verrichtet er täglich Wartungsarbeiten an der Solaranlage.

Die Tatsache, dass jeder Arbeitstag sein Leben um 1 Jahr verkürzte, störte ihn nicht weiter. Er hatte ohnehin nicht vor, länger als nötig in diesem Betonbunker zu verweilen.

Du schreibst, dass jeder Arbeitstag in der verstrahlten Umgebung sein Leben um ein Jahr verkürze.
Selbst wenn er erst vor einem Jahr (also Ende 2011) seine Arbeit aufgenommen hätte, müsste sich bisher sein Leben um 365 Jahre verkürzt haben.
Welch ein Wunder; Methusalem lässt grüßen!

Dass er da offensichtlich ohne Verstrahlungssymptome auf eine „sorgenfreie Zukunft“ hofft und ihn die Lebensverkürzung nicht weiter stört, weil er ohnehin „nicht länger als nötig im Betonbunker“ bleiben will, ist völlig irreal.
Wo will er denn hin, wenn draußen alles verstrahlt ist?

Nun zum Schreibstil:
Vermeide Wortwiederholungen!

Doch dieser Tag war anders,denn er beschloss wieder glücklich zu sein, wieder zu lachen und das Leben wieder zu genießen. Also sprach er die Frau, deren Namen er nicht einmal kannte, an und sie verstanden sich wunderbar und er verlor sich förmlich in ihre wunderschönen blauen Augen. Zum ersten Mal seit langem war er wieder glücklich und er wagte es wieder, auf eine strahlende und sorgenfreie Zukunft zu hoffen.

In diesem Abschnitt steht fünfmal das Wort „wieder“

während er den Sonnenuntergang, den wahrscheinlich schönsten, den er je gesehen hatte, voller Genugtuung betrachtete. Der Kauf seines neuen Strandhauses auf einer wunderschönen Insel hat sich wirklich bezahlt gemacht. Es war ein schöner Ort. Hier, auf diesem schönem Fleckchen Erde,
übrigens: auf diesem schönen, nicht schönem

Hier steht viermal das Wort „schön“

Ein paar Grammatikschnitzer und Fehlerchen will ich auch noch anmerken:

Bald sollte sein großer Moment kommen, der Moment, in dem er um ihre Hand anhält.
m E. anhielte

es war ein schönes Stück, das ihm ganze 2 Monatsgehälter gekostet hatte,
das ihn ganz zwei Monatsgehälter
(Wen kostet es etwas? mich, ihn, also Akkusativ/ Zahlen bis zwölf als Wort schreiben)

also stolperte er im Dunkeln zu seinem Spint
Spind

Pünktlich auf die Sekunde,wie jeden Tag
Leertaste vor wie

Der Tag KOMMA an den er so wehmütig zurückdachte KOMMA war der 20. März 2011.

der Tag, an dem Amerika Lybien den Ölkrieg
Lybien hatte Amerika den Atomkrieg erklärt
das Land wird so geschrieben: Libyen

den gefürchtetsten Job von allen
gefürchtesten (ein t muss weg)

dass jeder Arbeitstag sein Leben um 1 Jahr verkürzte,
ein Jahr (Zahlen bis zwölf ausschreiben)

Doch dieser Tag war anders,denn er beschloss wieder
anders, Leertaste denn

Also sprach er die Frau, deren Namen er nicht einmal kannte, an und sie verstanden sich wunderbar und er verlor sich förmlich in ihre wunderschönen blauen Augen.
In wem verlor er sich? in ihren wunderschönen Augen

(stilistisch flüssiger wäre es hier das an von ansprechen vorzuziehen:
Also sprach er die Frau an, deren Namen er nicht einmal kannte, und sie verstanden sich ...

Plötzlich fiel ihm wieder dieser schicksalhafte Tag ein, an dem er den größten Fehler seines Lebens, zu zögern seine Frau zu heiraten, gemacht hatte.

Das liest sich mühsam. Versuche, diesen Satz zu entwirren.
Vielleicht so:
Plötzlich fiel ihm wieder dieser schicksalhafte Tag ein, an dem er den größten Fehler seines Lebens gemacht hatte, indem er zögerte, seine Freundin zu heiraten.
und :
zu zögern KOMMA seine Freundin (nicht Frau!) zu heiraten.

Ich hoffe, dir mit meinem Kommentar ein wenig hilfreich zu sein.
Du scheinst gerne zu schreiben, also zögere nicht, die Geschichte zu bearbeiten.
Viel Spaß noch hier im Forum!

kathso60

 

Also zuerst einmal möchte ich mich für die viele und vor allem schnelle und konstruktive Kritik bedanken! :) Die Kurzgeschichte war eine Hausübung die ich vor 3 Jahren (damals war ich 16) geschrieben und heute zufällig wieder gefunden habe. Mir hat sie besonders gut gefallen und deswegen wollte ich noch eine professionelle Meinung darüber hören :). Also vielen Dank und bei Zeiten werde ich sie wohl überarbeiten.
PS: eine fantastische Internetseite für Kurzgeschichten ;)
lg nik

 

alte Fassung:

Eine strahlende Zukunft
eine Kurzgeschichte von Nik Kogler

Als er durch ihre Haare strich, durchströmte ihn ein Gefühl purer Zufriedenheit. Er genoss die wohlig warmen Sonnenstrahlen, die ihm und ihr auf den Bauch schienen, während er den Sonnenuntergang, den wahrscheinlich schönsten, den er je gesehen hatte, voller Genugtuung betrachtete. Der Kauf seines neuen Strandhauses auf einer wunderschönen Insel hat sich wirklich bezahlt gemacht. Es war ein schöner Ort. Hier, auf diesem schönem Fleckchen Erde, wollte er mit ihr seine zukünftigen Kinder großziehen. Sanft strich er ihr die Haare von der Stirn und küsste sie. Bald sollte sein großer Moment kommen, der Moment, in dem er um ihre Hand anhält. Aber noch war seiner Meinung nach die Zeit nicht reif dafür, denn er hatte Angst, Angst vor der Antwort. Würde sie ihn abweisen? Würde sie ihn verlassen? Mit diesen Fragen im Herzen wagte er den Antrag nicht. Also wartete er, er wusste nicht auf was. Dennoch, den Ring hatte er bereits gekauft, es war ein schönes Stück, das ihm ganze 2 Monatsgehälter gekostet hatte, aber für sie würde er alles geben. Als er gerade überlegte, wann er sie wohl fragen würde, gingen die Sirenen los...

Langsam öffnete er die Augen und blinzelte verschlafen. Um ihn herum nur kahler Stahlbeton. Er vermerkte das leise Schnarchen eines Zimmergenossen. Nach einem kurzem Blick auf seine zerkratzte Digitaluhr beschloss er aufzustehen, in wenigen Minuten würde ohnehin der Aufseher kommen und alle im Zimmer zum Frühstück rufen. Um Strom zu sparen, gab es in dem Zimmer kein Licht, also stolperte er im Dunkeln zu seinem Spint und kleidete sich an. 6:30. Pünktlich auf die Sekunde,wie jeden Tag, öffnete sich die Zimmertür und ein schmaler Lichtschein fiel herein. Wie immer war es der Aufseher, der zum Frühstück rief. Noch leicht verschlafen, ging er durch den schlecht beleuchteten Korridor zum großen Saal. Dieser Saal war sein Lieblingsplatz im gesamten Komplex, denn dieser Saal war der einzige mit Fenstern. Desinteressiert ging er zur Essensausgabe. Wie immer gab es Konservenfutter zum Frühstück. Niemand würde es wagen, Essen von außen zu konsumieren. Gelangweilt betrachtete er die Leinwand, auf der Neuigkeiten aus aller Welt zu sehen waren. Links unten befand sich eine Anzeige mit Datum und Uhrzeit. Es war der 21.12.2012.
Als er diese betrachtete, musste er an den Tag denken, an dem alles begann. Es war der schicksalhafte Tag, von dem er so oft träumte und der zugleich sein letzter Trost in dieser Einöde aus Stahlbeton und deprimierten Gesichtern war. Der Tag, an dem selbst die Kinder das Lachen verlernten. Der Tag, an dem der größte Super Gau die Welt verstrahlte, der Tag, an dem Amerika Lybien den Ölkrieg erklärte. Der Tag an den er so wehmütig zurückdachte war der 20. März 2011. Aber am meisten schmerzte ihn, dass er es versäumt hatte, um die Hand seiner Freundin anzuhalten, denn jetzt war es zu spät...
Resigniert und unfähig weiter zu essen, erhob er sich vom Frühstückstisch und bereitete sich auf seine Arbeit, den gefürchtetsten Job von allen, vor. Er war für das Warten von Solarzellen, der letzten Stromquelle des Komplexes, in dem er lebte, verantwortlich. Hierzu musste er aber den schützenden Bunker in einem unzureichenden Schutzanzug verlassen. Dennoch war er dankbar, denn ohne diesen Anzug würde er nicht einmal wenige Stunden in der nun so lebensfeindlichen Natur überleben. Die Tatsache, dass jeder Arbeitstag sein Leben um 1 Jahr verkürzte, störte ihn nicht weiter. Er hatte ohnehin nicht vor, länger als nötig in diesem Betonbunker zu verweilen.

Wie jeden Tag pflegte er nach getaner Arbeit, über den Tag zu reflektieren und die Schöne zu betrachten, in die er sich vor Monaten neu verliebt hatte, doch nie gewagt hatte sie anzusprechen. Doch dieser Tag war anders,denn er beschloss wieder glücklich zu sein, wieder zu lachen und das Leben wieder zu genießen. Also sprach er die Frau, deren Namen er nicht einmal kannte, an und sie verstanden sich wunderbar und er verlor sich förmlich in ihre wunderschönen blauen Augen. Zum ersten Mal seit langem war er wieder glücklich und er wagte es wieder, auf eine strahlende und sorgenfreie Zukunft zu hoffen.

Als er da so saß, bemerkte er die allgemeine Aufregung um ihn herum. Er konnte sich aber keinen Reim darauf machen, was los war. Sein Blick blieb gebannt auf dem Informationsbildschirm des großen Saales hängen. Lybien hatte Amerika den Atomkrieg erklärt und die beiden Länder hatten begonnen Raketen abzuschießen...
Plötzlich heulten die Sirenen auf.
Er wusste, was dies bedeutete. Plötzlich fiel ihm wieder dieser schicksalhafte Tag ein, an dem er den größten Fehler seines Lebens, zu zögern seine Frau zu heiraten, gemacht hatte. Doch er wollte nicht schon wieder zu spät sein. Er drehte sich um und wollte die Hübsche, die er sich nie getraut hatte anzusprechen, küssen, doch es war zu spät...

 

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