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Ein Liebesbrief, der niemals abgeschickt wurde

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09.03.2002
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Ein Liebesbrief, der niemals abgeschickt wurde

Schon lange hatte ich es aufgegeben, nach einer Frau zu suchen, die ich lieben wollte. Ich war auch gar nicht mehr bereit dazu, auf die kleinste Kleinigkeit zu verzichten, nur um für jemand anderen Zeit zu haben.
Ich wollte meinen Spaß, wieso sollte ich auf mein Vergnügen verzichten, wieso sollte ich meine Freuden und meine Leiden mit irgendjemanden teilen, wo ich es doch endlich geschafft hatte, alles alleine zu genießen?
Ich sah mich gerne in der Rolle des Einzelgängers, ich fühlte mich wohl in der Rolle des Steppenwolfes. War stolz darauf, ein Marionettenspieler zu sein, der für jede Situation die passende Maske hatte.
Wer sah es schon, wenn ich alleine war und ganz ich sein konnte. Wer sah es schon, wenn es mir dreckig ging. Den Glauben an die Liebe hatte ich schon längst verloren.
Dachte ich!
Doch dann kamst auf einmal Du – „Killing me softly“!
Du hast die Hornhaut um mein Herz so leicht durchbohrt wie eine heiße Nadel in Butter dringt. Und dabei war ich doch so stolz darauf, das ich meine Gefühle so gut kontrollieren konnte.
Plötzlich war alles anders. Ich wollte nur noch eines – DICH! Wollte Dir imponieren, wollte Dir gefallen, wollte Dir auffallen. Die Gedanken an Dich verfolgten mich im Wachen als auch in meinen träumen.
Dann hatte ich Dich plötzlich und hatte Dich doch nicht. Und dann hatte ich Dich plötzlich nicht mehr und hatte Dich doch.
Hattest Dich so fest in meinen Gedanken, in mein Leben eingenistet. Und da wusste ich, was Liebe ist.
Ich hatte das Gefühl, dass Du nur mit mir spielst und wollte so gerne mit mir spielen lassen. Doch irgendwann bin ich aufgewacht und habe kapiert, dass das nur meiner Selbstaufgabe gleichgekommen wäre.
Dann endlich war ich soweit, mir selbst ein Ultimatum zu setzen. Entweder ganz oder gar nicht. Ich wollte, das Du auch mich liebst oder Dich aus meinem herzen verbannen. Ich war endlich bereit, den endgültigen Schritt zu tun: Dich zu lieben oder nichts mehr mit Dir zu tun haben.
Und Du hattest Dich entschieden – für mich.
Und ich konnte endlich erfahren, was es heißt zu lieben, vorbehaltlos zu lieben.
Ich weiß zwar genau, das ich Dich viel zu sehr liebe, doch bin ich im Moment nicht fähig, es unter Kontrolle zu halten – will es auch nicht!
Ich liebe es, wie albern Du sein kannst. Ich liebe es, wenn Du versuchst mich zu erziehen. Ich liebe es, wie sich Deine Stimme verändert, wenn Du ganz ernst wirst. Ich liebe es, wenn Du etwas erzählst. Ich liebe es, noch Stunden nachdem Du gegangen bist, Deinen Duft in der Nase zu haben. Ich liebe es wenn Du mich anlächelst, mich berührst, mich küsst. Ich liebe Deine kleine Konzentrationsfalte, Deinen kleinen süßen Speck, Dein Lächeln, Deine Muttermale. Ich liebe es, wenn Du mir in die Augen siehst. Ich liebe es, wenn Du mich in den Arm nimmst, ich liebe es, wenn Du vor Lust die Kontrolle verlierst. Ich liebe es, wenn Du mich verrückt vor Verlangen machst. Ich liebe Dich!
Und ich stelle immer wieder verwundert fest, wie sehr ich Dich in mein Leben einplane. Wie ich auf einmal davon träume, mit jemanden, mit Dir alt zu werden.
Ich habe Angst, Dich mit meiner Liebe zu erdrücken, und versuche Dir deshalb nicht zu sagen, wie sehr ich Dich liebe.
Ich habe Angst davor, was aus mir wird, wenn Du mich eines Tages nicht mehr willst. Ich bezweifle, dass ich jemals wieder so lieben kann wie jetzt und versuche deshalb, mein Gefühl unter Kontrolle zu bekommen – obwohl ich das eigentlich gar nicht will. Ich weiß auch nicht, ob ich außer Dir überhaupt jemals wieder jemanden lieben will.
Wäre ich ein Maler, würde ich das schönste Bild der Welt malen, wäre ich ein Komponist, würde ich die schönste Melodie der Geschichte komponieren, wäre ich ein Poet, würde ich das schönste Gedicht der Menschheit schreiben – nur um Dir zu zeigen, wie sehr ich Dich liebe.
Doch so bleibt mir nur eines:
Dir zu sagen, dass ich Dich liebe!

[Beitrag editiert von: schimi am 11.03.2002 um 16:58]

 

Hallo schimi!

Das ist eine wunderschöne Liebeserklärung, die du da geschrieben hast! Es sit zwar keine Kurzgeschichte im eigentlichen Sinne, aber das ist nicht so schlimm. Schön geschrieben, teilweise wirkt der Stil etwas gehetzt, an einer Stelle gibt es einen Tippfehler (ganz am Anfang: "Ich war noch nicht breit..." muß natürlich bereit heißen), aber insgesamt gut geschrieben.
Lieben Gruß,

chaosqueen :queen:

 

Ups, Tippfehler ist schon korigiert - bevor es Mißverständnisse gibt... :D
Gehetzt soll es klingen, anders ist der innere Widerspruch, der Kampf in einem selbst nicht darzustellen.
Aber danke für Deine Meinung. Dazu stellt man es schließlich ins Netz.

 

Hi Schimi!

Was für eine schöne Liebeserklärung! Die Frau an deiner Seite kann sich glücklich schätzen, so geliebt zu werden! Man kann sich das alles so schön vorstellen. Hach ja. Was gibt’s noch zu sagen? Abgesehen davon , dass du einen klitzekleinen Schreibfehler hattest (du hast „Herzen“ klein geschrieben), gibt’s nicht das geringste daran auszusetzen.
Alles Gute noch!

Sushi der Hobbit! :D

 

Leider gibt es diese Frau an meiner Seite nicht mehr! Vielleicht eben weil dieser Brief "niemals abgeschickt wurde".
Siehe unter Philosophisches: Der Verzweifelte Versuch eines Grüblers...."

 

Hallo Schimi,

sehr schöne, berührende Zeilen. Ich konnte richtig mitfühlen.

Eine Stelle hat mir besonders gut gefallen:

Dann hatte ich Dich plötzlich und hatte Dich doch nicht. Und dann hatte ich Dich plötzlich nicht mehr und hatte Dich doch.

Genug Raum für Interpretationen. Für mein Empfinden zwei wunderbare Sätze, die den Anfang und das Ende einer tiefen, aber nicht wirklich glücklichen Liebe ausdrücken.

THX
Somebody

 

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