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Eifeler Erlebnisgastronomie

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28.04.2003
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Eifeler Erlebnisgastronomie

Das Gasthaus in dem kleinen Eifeldorf liegt genau dort, wo man es suchen würde, direkt gegenüber der Kirche, an der einzigen nennenswerten Straßengabelung im Ort. Nebenan befindet sich der kleine Supermarkt, der vormittags und nachmittags nur drei Stunden geöffnet hat und bei dem auch in der Mittagspause das Gemüse in Kisten draußen vor dem Schaufenster steht.

Die Hügel auf meinem heutigen Fahrradausflug waren mal wieder höher und häufiger als erwartet und ich muß nicht lange überlegen, um mich für eine Rast zu entscheiden. Ich steige ab und lehne mein Rad an die Hauswand neben den Briefkasten.

Im Gasthaus erwartet mich eine alte Frau von mindestens achtzig Jahren. Sie sitzt an einem kleinen Ecktisch neben der Theke und begrüßt mich im breitesten Eifeldialekt.

Die Einrichtung der Gaststätte hat sich anscheinend in den letzten dreißig Jahren kaum verändert: Dunkle Möbel: zwei Eckbänke, Tische und Stühle mit gedrechselten Beinen. Die Tische mit Resopaloberfläche. Als irgendwann Anfang der siebziger Jahre Resopaltische anderorts aus der Mode kamen, muß ein pfiffiger Eifelbauer landesweit diese Möbelstücke aufgekauft und die Eifelgaststätten flächendeckend damit aufgerüstet haben.

Ich bin der einzige Gast und suche mir einen Platz auf einer Eckbank. Die alte Frau ist offensichtlich die Wirtin aber sie scheint im Augenblick kein besonderes Interesse an mir zu haben. Statt dessen ist sie in eine bekannte Tageszeitung aus der schönen Stadt Trier vertieft. Glücklicherweise habe ich ein Buch bei mir und ich lese ein paar Seiten bis sie mit ihrer Lektüre fertig ist. Ohne von ihrem Platz aufzustehen, fragt sie mich quer durch den kleinen Gastraum nach meinen Wünschen.

Da es Nachmittagszeit ist, erkundige ich mich nach der Kuchenauswahl. Nein, Kuchen gibt es heute nicht, da hätte ich heute morgen anrufen müssen und sie hätte einen Kuchen gebacken. Am besten macht sie übrigens Apfelkuchen, mit Äpfeln aus dem eigenen Garten. Die Apfelbäume hat sogar noch Walter gepflanzt.

Ich verzichte auf den Kuchen und bestelle eine Tasse Kaffee. Wirklich nur eine Tasse oder doch lieber zwei? Sie kocht den Kaffee speziell für mich und möchte nicht jede Tasse einzeln kochen. Ich höre die Mahnung in ihrer Stimme und bestelle vorsorglich eine zweite Tasse, obwohl ich mir sicher bin, dass eine Tasse ausgereicht hätte, zumal ich es versäumt habe, mich rechtzeitig um den Kuchen zu kümmern. Langsam steht sie auf und ich höre, wie sie in der Küche mit dem Wasserkessel klappert.

Die kleinen Fenster sind mit dicken Gardinen und beige-braunen Vorhängen behängt und lassen kaum Licht hindurch. Hinter einer Butzenglastür scheint ein Gesellschaftsraum zu liegen. Über der Tür eine Vitrine, vollgestopft mit Pokalen, die der heimische Fußballclub in den letzten Jahren eingeheimst hat. Mir schaudert bei dem Gedanken daran, welche Gelage sich anläßlich der Erbeutung dieser Schmuckstücke hier zugetragen haben müssen.

Die alte Frau erscheint wieder in der Küchentür. Ob ich wohl Kaffee mit Milch möchte? Nein, schwarz. Wenig später schlurft sie in ihren Pantoffeln zu meinem Tisch und stellt den Kaffee auf die Resopalfläche. Eine zweite Tasse nimmt sie mit zu ihrem Ecktisch und läßt sich wieder auf ihrem Stammplatz nieder.

Sie erzählt mir, dass ihr Sohn Walter vor drei Jahren seine neue Arbeit bekommen hat und immer spät nach Hause kommt. Seitdem betreut sie Nachmittags die Gaststätte für ein paar Stunden, obwohl sie bald achtzig wird. Ob ich sie wohl auf achtzig geschätzt hätte? Natürlich nicht, versichere ich ihr, höchstens Ende sechzig.

Außer Walter wohnt keines ihrer Kinder mehr im Dorf. Eine Tochter lebt an der Mosel, mit einem Künstler zusammen. Aber die Bilder die er malt, einfach nur Gekleckse, sie verzieht das Gesicht, kein Wunder, dass er kaum eines verkauft hat. Zum Glück hat die Tochter etwas Anständiges gelernt und arbeitet jetzt wieder bei der Bank.

Ihr Jüngster studiert noch, er wird Rechtsanwalt aber er meldet sich nur, wenn er Geld braucht. Er ist ihr Liebling, zum Glück ahnen seine Geschwister nichts davon, dass sie mit ihrer knappen Rente diesen ewigen Studenten unterstützt.

Angesichts ihrer Offenheit bin ich etwas verlegen und rühre in meinem schwarzen Kaffee herum. Dann fragt sie mich, ob ich aus dem Ruhrgebiet komme. Man hört es anscheinend, obwohl ich kaum drei Sätze gesprochen habe.

Ich erzähle ihr davon, dass ich einen Kurzurlaub in der Eifel mache und die Gegend mit Fahrrad erkunde und dass meine Kinder noch um einiges jünger als ihre sind. Wir unterhalten uns noch über die Eifel und das Radfahren und über Kinder, die in der Stadt aufwachsen müssen.

Nach einiger Zeit schenkt sie mir unaufgefordert die zweite Tasse Kaffee ein, sie fragt mich nicht ob ich noch irgendwelche Wünsche habe, denn hier wird der Kunde nicht als König behandelt. Eher als Familienmitglied. Als entfernter Cousin, der nicht beleidigt ist, dass es keinen Kuchen gibt wenn er unverhofft hereingeschneit kommt.

Ich betrachte die alte Frau und die Einrichtung und denke daran, mit welchem Aufwand in den Städten versucht wird, Gaststätten besonders attraktiv aufzumöbeln: Ehemalige Bahnhöfe werden zu Szenekneipen, Edelrestaurants ziehen in stillgelegte Maschinenhallen ein und die Kneipe an der Ecke verwandelt sich in eine karibische Cocktail-Bar. Aber diese Dorfgaststätten mit Sparkasten, Fußballpokalen und Gummibaum sind von solcher künstlichen Erlebnisgastronomie unerreichbar denn hier ist alles echt.

Die Alte schlägt wieder die Zeitung auf und ich blättere noch etwas in dem Buch dann bezahle ich meinen Kaffee und verabschiede mich. Beim Herausgehen habe ich das Gefühl, dass ich meine Hilfe beim Spülen anbieten sollte.

Ich bin mir sicher, dass sie das Angebot nicht abgelehnt hätte.

 

Hallo Jackowo,

zunächst erstmal ein herzliches Willkommen hier auf kurzgeschichten.de! :)

Tja, deine Geschichte hat mir ehrlich gesagt nicht so gut gefallen, weil mir am Ende die Frage aufkam, was du mit ihr bezweckt hast.
Du bringst eine sicherlich recht gelungene Milieuschilderung einer Eifelgaststätte, keine Frage, es ist dir gelungen, die Atmosphäre ganz gut einzufangen und darzustellen, aber war's das schon?

Welche weitere Aussage als diese Darstellung hat dein Text? Hab ich da vielleicht etwas übersehen?

Bitte nimm mir nicht übel, dass ich hier so deutlich werde, aber ich bin nicht der Auffassung, dass sich hier auf KG die Zielvorstellung von einer gelungenen Geschichte schon darin erschöpfen sollte, dass man einen flüssiggeschriebenen Text zu lesen bekommt, der etwas beschreibt. Da erwarte ich etwas mehr.

Da du noch neu hier auf KG bist, könnte es ja durchaus sein, dass dies hier nur dein zaghafter Einstand ist und du noch ganz andere Geschichten in der Schublade zu liegen hast.
Wenn es so ist, dann her damit! ;)

An einer Stelle ist dir ein Wort beim Korrekturlesen durchgeschlüpft:
"erkunde und dass meine Kinder sind noch um einiges jünger als ihre sind."
Das erste "sind" ist zuviel.

Bitte laß dich nicht durch meine negative Kritik entmutigen, ich habe hier nur meine ureigene Meinung geschrieben, die keineswegs Allgemeingültigkeit hat.

Lieben Gruß
lakita

 

Beim Herausgehen habe ich das Gefühl, dass ich meine Hilfe beim Spülen anbieten sollte.

Ich bin mir sicher, dass sie das Angebot nicht abgelehnt hätte.

:D cool!

hi jackowo & herzlich willkommen,

ich muss sagen, dass mir deine geschichte gut gefallen hat. du hast einen schönen erzählstilstil - passend zu der szene. die bilder, die du mit deiner geschichte geschaffen hast, waren direkt vor meinen augen. *hach* da kommt fast sehnsucht nach dem dorf zu mir auf, wo ich doch in der stadt leben muss :D .

fazit wirklich schöne geschichte, einfach und leicht strukturiert.

bye

barde

[

Ohne von ihrem Platz aufzustehen fragt sie mich quer durch den kleinen Gastraum nach meinen Wünschen.

hinter "aufzustehen" ein komma

Da es Nachmittagszeit ist, erkundige mich nach der Kuchenauswahl.

hinter "erkundige" fehlt ein "ich"

er wird Rechtsanwalt aber er meldet sich nur wenn er Geld braucht.

hinter "Rechtsanwalt" und hinter "nur" jeweils ein komma

Er ist ihr Liebling, zum Glück ahnen seine Geschwister nichts davon, dass sie mit ihrer knappen Rente diesen ewigen Studenten unterstützt.
hinter "Liebling" anstatt dem komma ein semikolon

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi Lakita & Barde,

danke für die Kritik und Korrekturvorschläge.

Lakita, was ich damit bezweckt habe oder welche verborgene Aussage Du möglicherweise übsehen hast? Nein- wirklich, es sollte nur ein Bild sein, der Versuch eine Stimmung einzufangen- die eigentlich unspektakulär ist und kein Thema ist für eine Geschichte, die man üblicherweise weiter erzählen würde. Aber dieses Bild ist eben der Kontrast zu all den zwanghaft spektakulären Events in den Städten und deswegen doch berichtenswert. Nenn es eifach mal naive Gesellschaftskritik.

Viele Grüße
Jackowo

 

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