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Drehbuch: Liebe

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14.05.2003
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Drehbuch: Liebe

Hmmm... Wie begann denn dieser Tag? Kann mich kaum erinnern. War’s an einem Mittwoch? Oder an einem Samstag? Schwierig. Ich glaube ich hatte wieder mal zu viel geschüttet, genuckelt an dem Zapfen meines Düngers. So wirke ich etwas gelöster, und ungehemmter den Versuchen gegenüber, von denen ich ja lebe. Genau, es sind diese Experimente, die die Quelle meines Lebens darstellen. Das Getränk mit der grünen Fee, es war mein bester Freund und mein bester Feind. Einen Freund lasse ich nah an mich ran, aber einen Feind noch näher. Ich habe langsam das Gefühl, dass wir in einem Wettrennen sind, in dem jeder dem anderen beweisen muss, wie grausam man sein kann! Der Nektar meiner Taten liegt jedoch in meinem besten Freund, dem maisgelben Getränk. Schon seit meiner jüngsten Kindheit kenne ich ihn schon. Am Schosse meines Vaters durfte ich am Rest dieses Unheil bringenden Saftes knabbern, der noch am Barte hängen blieb. Schon damals hatte ich die teuflischen Seiten von ihm kennen gelernt. Aber ich weiss nicht, ob er das größere Übel darstellt? Ich oder er? Ich meine, mit mir wäre er doch so harmlos. Er wäre alleine! Was kannst du schon ohne mich anstellen, würde ich ihn so gerne anbrüllen, aber... Er hört ja nicht auf mich. Oder, bin ich von ihm abhängig? Abhängig, so ein grausames Wort. Ich komme mir so nackt vor ohne ihn, so... So... So... Wie soll ich sagen?
"Schau dich mal an! Sieh dich an! Du elendiger, du nutzloser, du süchtiger!!! Hat dir das deine Mutter beigebracht? Deine Schwestern, deine Brüder? Deine freunde? Nein, das war alles deine Neugierde."
Ja, meine Neugierde.
Ich griff nach der Decke, die an meiner Seite lag, genauso wie sie. Sie lag einfach da, erschöpft und ausgelaugt von den ganzen Strapazen der letzten Tage. Und ich... Da war wieder ich. Alles drehte sich um mich herum, als ob ich auf dem Eiffelturm wäre. Schon beim Gang auf die Treppen hin war es mir schwindlig geworden. Genauso lag ich da. Diese Welle strömt von den Beinen hoch, direkt über meinem Rücken in das leere Gehirn, und plötzlich fließt das Adrenalin in meinem ganzen Körper und die Augen schließen sich. Sobald ich meine Augen öffne, bin ich immer irgendwo anders: im Klinikum, im Krankenhaus, oder irgendwo auf dem Boden. Aber heute mache ich sie nicht zu! Heute will ich mich erinnern an das, was ich getrieben habe! Was hat mich wieder so fasziniert?
Ist heute Samstag? Oder doch Freitag? Zwei trommeln schlagen direkt unter meinem Kleinhirn! Diese Vieher! Ich hatte ihnen befohlen mich alleine zu lassen, meinen eigenen Weg zu gehen! Ich glaube die Sonne geht bald auf. Und sie muss gleich wieder weiter...
Der Tag war irgendwie seltsam, irgendwie aufregender als sonst. War es das Spiel, das ich wieder mit ihr getrieben hatte? Ich und mein Wahn zum Schreiben. Junge, das ist kein spiel, das ist das wahre leben, du kannst mit ihr nicht so umgehen, als ob sie dein Fußball wäre, den du einfach dort ablegen kannst, wo du möchtest. Du kannst sie nicht jedem beliebigen zuspielen... Das geht einfach nicht. So kannst du diese Beziehung nicht mehr weiter führen. Hast du kein Mitgefühl? Hmmm, ich denke nicht mehr. Es ist schon letzten Sommer verflogen und ist dort begraben, wo sie ist und zwar in Berlin. Sie hat mir alles genommen, meine Kindheit, meine Lust am Leben und Lieben. Mir ist nichts anderes übrig geblieben als zu Schreiben.
Ich wollte schon immer schreiben, ich tue das auch seit zehn Jahren, auch wenn es nur ein Tagebuch ist, kann zumindest nachlesen, was, mit wem, wo und wie... Jedes Mal, wenn ich eine Seite aus meiner Vergangenheit aufschlage, kommen mir die Tränen, weil ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann. Was für eine traurige Gestalt ich bin, ich Armseliger, ich Nutzloser, ich Verlierer, habe alles verloren, aber jedes Male, wenn ich mich mit des Teufels Getränk verabrede, habe ich das leise Gefühl, in mir würde eine kleine Brise der vergessenen Kindheit wieder wehen, und so beginnt der Tag...
"Genau! So hat es wieder Mal angefangen. Weißt du noch, als du am Dienstag an den Veranstalter deine Absage verschickt hast, dass du nicht dran teilnehmen kannst?!?!? Und er sie als eine Sauerei bezeichnete? Du hast wieder Mal unehrenhaft agiert, hast dich wieder Mal nicht darum gekümmert und wenn es drauf ankam hast du Schwanz eingezogen! Ist es nicht so???", brüllt mich diese Stimme an. Ich habe sie satt! Ich möchte sie nicht mehr hören!
"Dann hast du dich in deine kleine Flasche wieder zurückgezogen, in dein Loch, in dem du meinst, du kannst dich von all dem abkapseln, kannst dich unsichtbar machen! Deine Telegramme haben sich gehäuft! Alle warten auf deine Nachricht! Was ist mit den Zeichnungen für den Minenbau? Aus allen Gegenden strömen sie hierher wegen des Silbers, innerhalb der letzten zwei Jahre ist die Stadt um 2000 Einwohner gestiegen und die Indianer machen sich wieder wild an der Front! Und du? Du! Du Taugenichts! Hast sie alle im Stich gelassen und wieder mal verkriechst du dich in eines deiner Höhlen, die weder Eingang noch einen Ausgang aufweisen, kein Licht hast du vergangenen Tage gesehen! Was ist mit der Ausstellung? Du hättest die Männer, die tagtäglich in diesen Stollen arbeiten, unterhalten sollen, damit sie am nächsten Tag frohen Gemütes wieder schaffen gehen und ihre kleinen Kinder ohne Sorge ernähren können! Was ist los mit dir??? Stattdessen träumst davon, wie die Frau an deiner Seite dich glücklich machen kann. Du reitest auf Pferden, die kein Gott dieser Erde besessen hat! Statt dich auf der Vernissage zu zeigen, warst wieder Mal im Theater, hast dich mit den Artistinnen vergnügt. Ein Bier nach dem anderen hast du gesoffen. Und mit welchem Recht schaffst du nach Mitternacht deinen versoffenen Hintern in die Ausstellung???"
Ich wusste genau, wieso ich dahin gegangen war. Ich wollte sie wieder sehen, sie war Dienstag aus New York angekommen, die bekannteste Künstlerin zu jener Zeit. Ich war einst verliebt in sie und lernte sie vor eineinhalb Jahren in Boston in dem Zug nach Tucson kennen, 40 Meilen von hier entfernt. Meinen Grabstein ließ ich in New York beschriften und hier in Tombstone stampfte ich ihn in den Boden. Alles hatte sie mir gegeben, die Freude am leben, am schreiben, am zeichnen, arbeiten, am singen, die Freude an der Natur, sogar die Freude am Krähen der Raben, die Freude am Kampf gegen die Indianer, alles... Nur, ich, der den Pakt mit dem Herr der Finsternis einging, hatte nicht genug, ich verliebte mich in die Lust und in den Trug. Ich nahm sie in jener Nacht mit, zu ihr wollt ich sie begleiten. Das kleine Heftchen, in dem alle Künstler aufgelistet waren, hatte ich auch bei mir. Auf dem Weg nach Hause, mit dem Alkohol in meinen Adern, bewegte ich kurzerhand meinen Hintern in das Bourdelle, in das ich mich des Öfteren begeben hatte, wenn sie nicht da war. Die kleine Schwarzhaarige, mit brennend roten Lippen, hatte es mir angetan. Ich wollt ihr kundgeben, dass die langersehnte Ausstellung begonnen hatte, denn sie konnte ja nicht lesen. Das Gespräch dauerte noch etwas an, und da tauchte sie auf: "Ich gehe." Ich blieb noch da, und das machte ich ihr auch mit einem Wink zu verstehen. So vertiefte sich auch unser Gespräch mit der kleinen, zierlichen Exotin... Mit ihr konnte ich alles treiben, denn sie war abhängig von mir und meinesgleichen. Ohne uns würde sie zugrunde gehen, denn sie war schon viel zu sehr verdorben, und welcher Eingeborenen sollte sie man noch zusprechen? Sie war von der Hand des weißen Mannes berührt, von denen, die ihnen das Land weggenommen hatten. Des weißen Mannes Schwanz geleckt, von seinem weißen Penis bis hin zu der Brütestätte der Frau durchbohrt! Tja, so war das halt, sie war nicht mehr von Bedeutung, wenn dann, nur als Futter für die hungrigen Präriehunde.
"Dann hast du es mit ihr getrieben, hast deine Sachen gepackt, hast sie verlassen und bist zum FRANK'S getorkelt mit einem weiteren Liter Bier in deinem nicht zum Platzen zu kriegenden Bauch. Hast da deine weitere Flasche Jack gepackt und dich auf den Weg zu der Frau gemacht, die dich vielleicht sogar ernsthaft liebt, aber der du eigentlich nicht würdig bist, die du immer wieder verletzt hast. Hast an ihrer Tür geklopft und hast nach Sachen verlangt, die du nicht bekommen kannst."
Nachdem die Einwohnerzahl der Stadt so rasant gestiegen ist, die Zeitungen aus New York auch bekannt gegeben hatten, dass es hier auch wirklich Silber gibt, was sie den damaligen deutschen Abenteurern nicht geglaubt hatten, hatten sich die Jäger der Nacht schon auf Lauerstellungen begeben, und somit war auch der Ausreitverbot vom Sheriff der Stadt verhängt! Sie wollte mich nicht alleine reiten lassen. Sie war auch imstande zu sprechen, falls der Sheriff aufkreuzt und mich wieder in das Loch des Gesetzes einstopfen wollte. Sie war Künstlerin, sie war zugleich auch die Fotografin für die neu angesiedelten Zeitungen. Sie ist hier eine gern gesehene Person. Ich sah sie auch gern, sie war so wehrlos, so weich in ihrem Herzen, in dem letzten Jahr hatte sie es nie geschafft, mich aus ihrem Haus zu schmeißen, und sie fürchtete nach Auseinandersetzungen mein abruptes Verlassen, dass ich nie in Erwägung zog, weil ich weiss, dass es sie am meisten treffen würde.
"Sie hatte dich mehrmals gebeten, ohne Alkoholfahne bei ihr aufzutauchen, schon gar nicht am Tage! Dass du ihren ganzen Schlaf raubst, wenn du sie am frühen morgen besuchst! Das weißt du alles, du Schwein, du erbärmlicher, du verlassenes Arschloch! Du Mistgeburt! Du Alkoholiker!"
Sie zog sich an. Sie stützte mich mit ihrem Arm. Sie schleppte mich bis zur Kutsche. Sie warf mich auf sie hinauf. Sie schrie auf. Als ob die Pferde einen Geist gesehen hätten galoppierten sie in die Nacht hinein. Sie peitschte sie an, so hatte ich sie noch nie erlebt. Sie blickte mich nicht an. Aber ich, ich lief ihren Tränen nach, sie wanderten ihren Backen entlang, auf die Schulter, über ihren Ellenbogen gelangten sie auf meine Hand. Durstig war ich nach ihren Tränen gewesen, wir hatten schon lange nicht mehr geweint, das letzte Mal, als sie mir sagte, dass sie nicht in Tombstone bleiben wolle, weil hier die Zeit still stünde. In der Tat. Sie war die Zeit in mir. Sie war die Sekunde, die Minute, die Stunde. Nun rast sie davon, nimmt mit meine Zeit, meine Sekunde, meine Minute, meine Stunde. Sie nimmt mich von mir.
...mehr licht...

 

Willkommen, münübüs! Cooler Nick. :D

Hm, in den ersten drei Zeilen hast Du ja nun schon acht Großbuchstaben untergebracht. Echt klasse wäre es, wenn Du auch noch über den Rest der Geschichte großzügig welche verteilen könntest... ;)

lg Sav

 

müsste okey sayn...
Okay, nachdem ich beim Überfliegen viele Großbuchstaben gesichtet habe, verschieb ich sie (lt. Deinem Wunsch) nach Sonstige. Werde sie demnächst noch lesen und dabei genauer schauen. ;)
Ein paar Absätze könntest Du vielleicht noch einfügen, das macht das Lesen angenehmer. :)

Alles liebe,
Susi

 

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