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Die schwarze Katze
Die schwarze Katze
Er ging die Straße hinunter, zündete sich eine Zigarette an und blieb an der nächsten Häuserecke stehen. Er versteckte sich im Halbdunkel. Das Licht der Straßenlaterne drang nicht mehr bis zu ihm hin. Er zog an seiner Zigarette, inhalierte tief und füllte seine Lungen mit Nikotin. Er ließ den Rauch langsam durch seine Nase wieder nach draußen strömen.
Es begann leicht zu nieseln.
Das nasskalte Wetter und die Dunkelheit kamen ihm sehr gelegen. Es passte alles perfekt zusammen. Wie in einem schlechten Krimi. Kein Mensch würde sich jetzt noch auf der Straße herumtreiben. Trotz allem ließ er Vorsicht walten, wie er es immer tat. Er schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch und drückte sich an die Hauswand um eine wenig Schutz vor der Nässe zu haben. Er beobachtete die umliegenden Häuser. Warme Lichter drangen durch die Fenster in die Dunkelheit. Der leichte Niesel war inzwischen in einen Regen übergegangen,nicht heftig aber beständig und kalt. Er schaute auf die Uhr dann schnickte er seine Kippe in den Rinnstein. Mit einem leisen Zischen verglühte der Zigarettestummel, vollführte einen wilden Wellenritt auf dem gurgelnden, dahinfliessenden Wasser und verschwand im Gully.
Der Mann griff in seine Jackentasche zog eine neue Zigarette heraus, steckte sie in den Mundwinkel und zündete sie an.
Noch etwa fünf Minuten. Wie immer war er etwas zu früh.
Die Straße lag ruhig an diesem November Abend vor ihm. Eine schwarze Katze kam aus dem Nichts der Dunkelheit auf ihn zu. Sie streifte zwischen seinen Beinen umher, rieb sich mit ihrem Kopf an seiner Jeans und maunzte ihn mit aufgerichtetem und zitterndem Schwanz an. Er bückte sich, packte das durchnässte Tier mit seinen großen Händen, hob es hoch und hielt es sich direkt vor sein Gesicht. Sie schauten sich in die Augen. Der Mann lächelte. Er streichelte ihr über ihren Kopf und kraulte ihre dicken Backen. Die Katze fing an zu schnurren.
Ein Wagen fuhr langsam die Straße hoch und blieb gegenüber der Straßenecke stehen. Die Lichter des Wagens erloschen, das Motorgeräusch verstummte. Der Mann schaute zu dem Auto rüber. Zweimal zuckten kurz die Schweinwerfer auf. Das vereinbarte Zeichen. Er setzte die Katze auf den Boden zurück, schmiss seine Kippe weg und trat aus dem Dunkel in das Licht der Straßenlaterne. Er hinterließ einen langen Schatten auf dem nassen, glänzenden Steinpflaster.
Er schaute sich um, es war niemand zu sehen. Er überquerte die Straße und ging direkt auf den Wagen zu. Er stellte sich an die Beifahrerseite und beugte sich zum Fenster herunter. Die Scheibe wurde mit einem leisen Surren elektrisch geöffnet.
Der Fahrer, gut gekleidet, in einem dunklen Anzug mit pomadigem Haar drehte seinen Kopf und schaute ihn von unten an ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Keiner Sprach ein Wort zu dem anderen. Der Fahrer streckte seinen Arm aus dem Fenster und deutete mit seinem Daumen nach hinten. Der Mann drehte sich weg und ging um den Wagen herum. Er blieb direkt hinter dem Auto stehen,öffnete den Kofferraum, griff hinein und holte einen schwarzen Koffer heraus. Er nahm den Koffer in die rechte Hand und schloss mit der anderen den Kofferraumdeckel wieder so leise es ging. Der Mann ging zu dem Fahrer zurück, schaute ihn an und nickte mit dem Kopf. Der Fahrer nickte ebenfalls.
Mit einem leisen surren fuhr die hintere Fensterscheibe auf. Der Mann drehte überrascht seinen Kopf und schaute nach hinten,in die Mündung eines Schalldämpfers.
Drei dumpfe Schüsse wurden abgefeuert direkt in den Kopf des Mannes. Die Mündung des Schalldämpfers verschwand wieder vom Fenster, die Scheiben wurde geschlossen, der Wagen wieder gestartet.Ohne Scheinwerferlicht verschwand das Auto mit seinen Passagieren in die verregnete Nacht.
Der Mann brach zusammen und kippte nach vorne auf den Gehweg. Der Koffer klatsche auf die nasse Fahrbahn. Aus drei Schusswunden am Kopf floss das Blut in strömen, vermischte sich mit dem Regen und bildete eine große Lache auf dem Weg.
Die Katze tauchte wieder aus der Dunkelheit auf, lief über die Straße, schnupperte an dem Toten und verschwand.