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Die letzte Hoffnung
Die letzte Hoffnung
Ein Schweißtropfen nach dem andern lief Robert Foster über das Gesicht. Angestrengt starrte er auf die Konsole vor sich. Sie zeigte eine zweidimensionale Projektion des Sonnensystems. Ein Stück außerhalb des Mittelpunktes glühte eine maßstäblich unkorrekte Darstellung der Erde. Hypnotisch pulsierten Abermilliarden von Elektronen durch die Zellen des Plasmabildschirms und erschufen so ein relativ übersichtliches Bild über die Gesamtsituation. Ungeduldig pochten Fosters Finger auf die Lehne seines Stuhls. Immer wieder ließ er seinen Blick auf das Kommunikationsterminal neben sich gleiten. Nichts tat sich. Seit zwei Stunden hing die "Poseidon" jetzt schon regungslos irgendwo hinter dem Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars. Auf der ganzen Brücke herrschte ein reges Treiben und auch n den Maschinenräumen sah es nicht anders aus. Werkzeuge und Stahlbolzen fielen klirrend auf den Boden, vereint mit dem monotonen Stakkato von dutzenden von geschäftigen Füßen, die ihre Besitzer von einem Schadhaften System zum anderen führten. Foster nahm von alledem nichts wahr. Apathisch starrte er auf den kleinen blauen und gelben Punkt auf seinem Display. Doch sein Blick wurde ebenfalls von einem andern Ort auf dem Bildschirm angezogen. Zwischen dem Standort der Poseidon und der Sonne blinkte ein grellroter Punkt immer und immer wieder auf. Seine Position rückte mit jedem An- und Abschwellen des Lichtes ein kaum merkliches Stück näher an die Sonne heran. Foster zweifelte ob es einen Sinn hatte seine Männer derartig zu hetzen.
Die Chance das Schiff rechtzeitig wieder flottzukriegen bestand, wenn auch eine Zahl mit weitaus mehr Nullen dagegen sprach das sei diesen roten Punkt einholen konnten. Es würde sehr, sehr knapp werden, selbst wenn die Reaktoren einwandfrei bei Volllast laufen würden. Unter Umständen würden er und seine Crew den entscheidenden Augenblick verpassen und Zeuge des Unterganges ihrer eignen Kultur werden. Oder sie würden selbst in den Wirkungskreis der bevorstehenden Katastrophe geraten. "Dieser verdammte Hurenbock..." murmelte Foster und schlug auf dies Lehne seines Stuhles. Das Kommunikationsterminal leuchtete auf und surrte. Blitzschnell drückte er den Knopf. " Sir, wir habe hier unten alles fertig. Wir sind bereit für den Probelauf!". Erleichtert atmete Foster auf. "Es wird keinen Probelauf geben, Mister Higgins. Mit jeder Sekunde die wir hier untätig rumhängen sinken unsere Chancen rechtzeitig den Nullpunkt zu erreichen. Wenn die Mühle den Flug nicht aushält, dann haben wir ohnehin nichts mehr wohin wir zurückkehren können. Dann wird es innerhalb ein paar stunden selbst hier ziemlich ungemütlich." Am anderen Ende des Terminals herrschte einen Augenblick lang Stille. Dann knackte sich der Crewman wieder in die Leitung zurück. "Habe verstanden, Sir. Wir werden den Hauptreaktor hochfahren. Gott stehe uns bei." Damit endete die Übertragung. Die Poseidon erzitterte. Schlagartig flammten zahlreiche Leuchten und Anzeigen auf den umliegenden Monitoren auf und zahlreiche Männer und Frauen rannten eilig auf ihre Plätze.
"Captain, wir sind soweit. Ich warte auf ihren Befehl." rief der erste Pilot von seinem Platz aus. Foster riss die Augen auf und hielt den Atem an. Jetzt kam es darauf an. Wenn die Triebwerke kollabierten, oder der Reaktorkern brach, dann könnte er auch gleich den Befehl geben sämtliche Luftschleusen öffnen zu lassen, um so der Crew das allerschlimmste zu ersparen. Lieber in ein paar Sekunden ersticken und erfrieren als in einer strahlenden Plasmawolke von mehreren hundert astronomischen Einheiten langsam zerquetscht zu werden. Die Poseidon bebte und vibrierte heftig. Langsam bewegte sich das Schiff vorwärts. Obwohl die Trägheitsdämpfer jedes Gefühl von Beschleunigung verhinderten, konnte Foster spüren wie es vorwärts ging. Zwei lange Stunden hatte er nach dem Unglück darauf gewartet den Untergang des Sol-Sonnensystems zu verhindern.
Das Kommunikationsterminal machte sich erneut bemerkbar. "Sir, die Hilfsreaktoren sind online, wir können auf volle Geschwindigkeit gehen." Foster deutete dem ersten Piloten zu die Geschwindigkeit zu erhöhen. "Ausgezeichnet. Wenn das hier vorbei ist und wir noch in einem Stück, dann werden sie vor Orden nicht mehr aufrecht gehen können, das verspreche ich ihnen, Higgins." Das Terminal knackte sich aus. Foster starrte wie gebannt auf die Konsole vor ihm. Die Poseidon schoss mit mehreren Tausend Kilometern pro Sekunde durch die ewige Nacht. Erleichtert darüber das die Poseidon endlich wieder flog, öffnete Foster einen Kommunikationskanal zum Hauptquartier der Flotte auf der Erde. "Poseidon an Hauptquartier! Wir haben jetzt die Verfolgung aufgenommen, der Verdächtige ist noch nicht ansprechbar. Bitte seht zu das wir nicht die einzigen Sind die versuchen das Ding abzufangen." Das Terminal rauschte vor sich hin, bis es eine Viertelstunde später die Antwort von der Erde brachte. "H*er Mis.. Control..e ein*ige.. Möglich*eit. W*r brauchen zu ...ange um die... Aeolos zu starten...sie sind* allein d* draus*en..." statisches Rauschen übertönte den Funker auf der Erde.
Die Hauptschleuse der Brücke schwang zischend auf und zwei Sicherheitsoffiziere mit Gewehren gefolgt von Chief Bradey traten auf die Brücke. Foster schaute Bradey erwartungsvoll an. "Na, Jeff, hat sich was getan?" fragte Foster. "Ja, er ist jetzt wach. Meine Jungs haben ihn zwar schon in die Mangel genommen, aber er rückt keinen Ton raus. Er will nur mit dir persönlich reden. Wenn du mich fragst ist der Typ total irre!" Foster schwang sich mühevoll aus seinem Stuhl hoch und begleitete die Sicherheitsleute. Eine Ewigkeit liefen sie durch die engen Gänge des Schiffes und drangen immer tiefer in seine Eingeweide ein. Der oberste Sicherheitsoffizier öffnete die Schleuse zum Gefängnistrakt. Foster trat ein. Nur eine einzige Zelle war belegt, dafür aber schwer bewacht. In ihr saß ein kleiner unscheinbarer Mann in der Uniform eines Waffenoffiziers. Er hatte den Kopf in die Hände gelegt und kicherte ununterbrochen vor sich hin. Der Boden der Zelle war voller Blut und erbrochenem. Foster widerte der Anblick an. Der Gefangene hatte offensichtlich wirklich den Verstand verloren. "Das ist Leutnant Kemmler. Er ist dafür verantwortlich. Er allein. Die Dokumentation der Waffentanks zeigt klar und deutlich seine Signatur an den Öffnungsmechanismen. Dabei hatte er gar keine Berechtigung. Ich frage mich wie er es bewerkstelligt hat dass..." Der Sicherheitsoffizier kam nicht dazu seinen Satz zu beenden. Foster fiel ihm ins Wort. Öffnen sie die Zelle, ich werde ihn befragen." Die beiden Wachen wichen beiseite, während Jeff den Öffnungscode eingab. Kemmler schien von alledem nichts zu bemerken, denn er lachte immer noch unsinnig vor sich hin. Foster schritt in die Zelle. "Leutnant, sie wissen wer ich bin?" Augenblicklich sah Kemmler nach oben. Erstaunt und amüsiert begutachtete er den Captain. "Aber ja, sie sind der... sie sind der Häuptling hier! haha... sie sind der Leitwolf... der einsame Reiter in finsterer Nacht... hahahahaha!" Foster blickte ratlos zu den Wachmännern. "Sie wollten mit mir über ihre Tat reden. Erinnern sie sich?" Kemmler versuchte sich zu sammeln. "Sehen sie, ich hatte keine Wahl. Es war Zeit das mal jemand etwas tut. Die Menschen hätten sonst ewig so weitergemacht. Verstehen sie, es war meine Mission..." Foster fühlte die Wut in sich aufsteigen. Was war ihre Mission? Ein Sonnensystem auszulöschen? Womit hätten die Menschen immer weitergemacht???" Kemmler erschrak und sah Foster überrascht an. "Aber Captain, die Menschen sind ein Geschwür! Sie wachsen und verbreiten, sie verschlingen und verheeren Welten! Sie müssen aufgehalten werden! Es gibt aber keine andere Wahl als jeden befallenen Planeten in diesem System auszulöschen! Das sehen sie doch auch so, oder? Die haben mir gezeigt wie es wäre wenn endlich Frieden wäre... wenn unser System endlich wieder seinen Frieden hätte. Es war wunderschön!" Foster fröstelte. Kemmler war offenbar richtig durchgedreht. "Woher haben sie den Öffnungscode für die Waffentanks? Wer gab ihnen diese 'Mission'?" Kemmler hatte deutliche Schwierigkeiten nicht laut loszulachen. "Den Code? Den hab ich von denen! Die haben mich auch hier eingeschleust! Und der Dicke ist ihr König!!! Er ist der König der Dicken! hahahahaha! Ich musste dieses System von den Menschen befreien!" Bradey räusperte sich. Foster reagierte darauf und drehte sich um. "Jeff, was soll das heißen?" "Bob, der Kerl ist Verrückt! Hör nicht auf sein hirnloses Gebrabbel! Ich habe die Bänder selber ausgewertet! Er hat es alles alleine gemacht!" Foster drehte sich wieder zu Kemmler um. "Also sind DIE keine Menschen? Welcher Rasse gehören DIE dann an? Sind sie ein Mensch?" Der Gefangene schien entrüstet über diese Fragen. "Aber Captain, sehen sie mich doch an! Ich bin kein Mensch! Ich bin ein goldener Engel uahahahahahaha! " Jeff zog Foster an sich heran." Hey Bob, ich hab dir doch gesagt, dass der Kerl spinnt, die Scanns haben eindeutig gezeigt, dass er ein Mensch wie du und ich ist." Foster runzelte die Stirn. "Das mag schon sein Jeff, aber erkläre mir wie er einen Sternenbrecher abfeuern konnte! Dafür brauche ich als Captain einen zweiten Kommandooffizier und selbst dann werden die Codes nur übermittelt wenn ein Einsatz unvermeidbar ist! Jeff das Ding ist in der Lage 500 Astronomische Einheiten von aller Materie zu befreien! Wie kommt ein kleiner Leutnant Kemmler an den Code???"" Bradey sah Foster ernst an. "Jetzt hör mal zu, dieser Kerl ist total verrückt, er hat den Mechanismus irgendwie überlistet, ist doch egal! Denk doch mal, eine Verschwörung, die die Menschheit auslöschen will, so ein Unsinn! Wir sollten wieder auf die Bücke gehen! Du hast wichtigeres zu tun!" Der Captain nickte zögerlich.
Zusammen mit den zwei Sicherheitsleuten gingen sie wieder durch die langen Gänge der Poseidon. Auf der Brücke erwartete man den Captain schon. Die Poseidon war dem Sternenbrecher bereits sehr nahe gekommen. Die Sonne, die zu beginn des Fluges nur ein unwesentlich hellerer Fleck als die meisten Sterne war, brannte jetzt bereits als gewaltige goldene Scheibe auf dem Hauptschirm. Nur wenige tausend Kilometer vor dem Schiff rauschte der gewaltige Sprengkopf durch das All. "Wann sind wir in Reichweite?" fragte Foster den ersten Piloten. "In sieben Minuten, Sir! Das Objekt hat an Geschwindigkeit zugelegt! Wir werden es nur Knapp vor Point Zero erreichen!" ein zittern erfasste Fosters Hand und drohte auf seinen restliche Körper zu infizieren. Mit Mühe und Not gewann die Beherrschung. "Mr. Chun, alles feuern was wir haben, sobald wir in Reichweite sind. Mr. Cooper, sie bringen uns weg sobald wir getroffen haben!" Die Poseidon kam immer näher an den Sprengkopf heran. Foster gab das Signal die Geschützbatterien aufzuladen. Ein monotones Summen durchfuhr augenblicklich das gesamte Schiff. Auf dem Bildschirm vor Foster stieg der Energiepegel der Satusanzeige immer weiter an. Eine unerträgliche Spannung herrschte auf den Brücke. Die Sonne nahm inzwischen beinahe den gesamten Bildschirm ein. Ein Kommunikationsoffizier rief "Sir, wir sind soeben in das unmittelbare Störfeld der Sonne eingeflogen. Die Kommunikation mit der Erde ist jetzt nicht mehr möglich!" Bradey nickte seinen Männern unauffällig zu. "Wir sind jetzt feuerbereit, Sir! Noch 47 Sekunden bis zum Point Zero. Wenn sie feuern wollen, dann jetzt!" rief ein junger Crewman von hinten. Foster stand majestätisch auf ob die Hand. "Feuern sie!"
Der Crewman sah kurz zu ihm hoch. "Captain... ich ... argh!" Mit schmerzverzerrtem Gesicht brach er zusammen. Sekundenbruchteile später zuckten weitere grelle Lichtblitze durch die Brücken und streckten ein Crewmitglied nach dem anderen nieder. Foster war allein auf der Brücke. Allein mit Bradey und seinen Männern. "Was zum... Jeff!?!" stammelte er. "Ach Bob, du würdest es ja doch nicht verstehen. Du bist immerhin nur ein dummer kleiner Mensch. So manipulierbar, genau wie die Idioten im Hauptquartier." Inzwischen hatte sich einer der Sicherheitsoffiziere daran gemacht den Kurs zu ändern. "Jeff, wenn das überhaupt dein Name ist, was bist du? Was in aller Welt bist du um 39 Milliarden Lebewesen im System auszulöschen?" wimmerte Foster, den tränen nahe. "Du meinst 39 Milliarden Menschen! Ihr Menschen seht euch als Krone der Schöpfung. Dabei vernichtet ihr das System von dem ihr einst ein Teil wart! Ihr gebt vor mit euren Welten in Coexistenz zu leben, aber das Einzige was sich bei der Kolonisierung neuer Welten apasst ist das Ökosystem an euch! Ihr Terraformt und beutet aus, ihr vernichtet Leben, das ihr nicht imstande seit zu erkennen, weil ihr zu sehr auf eure erhabenheit fixiert seit! Es ist Zeit dass ihr das Universum für immer verlasst. Ich musste beinahe schmunzeln als ich hörte das wir euren Untergang mit eurer eigenen Technologie hervorrufen würden!" Foster weinte mittlerweile wie ein kleines Kind. "Aber wer seit ihr? Warum richtet ihr über uns?" wimmerte er. Ein Lichtblitz bohrte sich schmatzend in seinen Kopf, der auseinanderbrach wie eine überreife Wassermelone. " Das werde ich DIR Mensch doch nicht sagen!" grinste Bradey und lies sich bequem auf dem Stuhl des Captain’s nieder. Lächelnd stellte er den Bildschirm auf Rückansicht und bestaunte die Gewaltige Kettenreaktion die die Sonne langsam und stetig verschlang, nur um sie wenige Minuten später mit urknallgleicher Kraft auseinanderplatzen zu lassen. Eine knappe viertelstunde brauchte die Druckwelle um die Erde in Staub zu verwandeln. Bradey grinste vergnügt. Endlich konnte er seine erniedrigende Maske abstreifen und nach Hause fliegen.
Ende