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Die Lawine brachte den Tod

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07.05.2003
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Die Lawine brachte den Tod

Es war an einem Montag, als meine Assistentin Doris Nüesch bereits schon vor mir im Büro war. Schon kurze Zeit, nachdem ich sie begrüsst hatte, klopfte eine neue Klientin an der Türe. Meine Assistentin bot ihr Platz neben mir an, und die Dame stellte sich als Frau Dörig vor. „Kommissar Grubi, Sie sind der einzige, der mir jetzt noch helfen kann!“ schluchzte Frau Dörig. „Ja, ja ... jetzt nehmen Sie sich zuerst ein wenig zusammen, schildern Sie uns zuerst einmal, worum es konkret geht!“ sagte ich zu ihr.

„Okay, der Verlauf ist folgender: Letzte Woche ist meine Tochter Ines unter einer Lawine begraben worden und tödlich verunglückt, einer ihrer Mitglieder in der Ski-/Snowboardgruppe muss sie absichtlich in die Gefahrzone gebracht haben. Denn sie war absoluter Profi, trotz ihrer relativ kleinen Körpergrösse von etwa 1.65 m. Jemand musste sie bedrängt und geschubst haben, alleine fuhr sie nämlich nie in abgesperrten Zonen, Ines war sehr sicherheits – und verantwortungsbewusst. „Ja, gab es denn keinen Ski-/Snowboardgruppenleiter in diesem Team?“ unterbrach Doris sie. „Doch, aber den hatten die anderen Gruppenmitglieder zum Essen geschickt, und gesagt, es würde bestimmt nichts Aussergewöhnliches in der Zwischenzeit passieren. Nach ihrer Tat sagten sie ihm dann, es sei ein schrecklicher Unfall vorgefallen und es täte ihnen sehr leid. Seither denkt der Gruppenleiter Zäch immer, er sei am Tod meiner Tochter schuld!“

„Haben Sie einen Zettel mit allen Personen, die mit Ines in der Gruppe waren?“ fragte ich mit hoch angesetzter Stimme. „Ja, ich habe einen vom Lagerleiter Portmann bekommen ...“ Daraufhin hob Frau Dörig ihre Handtasche und nahm ein leicht zerknittertes Stück Papier heraus. Sie übergab es mir. Meine Assistentin und ich entdeckten folgende fünf Namen: Matthias Winterberg, Lena Mayer, Ralph Lehner, Nadia Sawas und Philipp.

Nachdem wir kurz erstaunt aufeinander blickten mussten die Ermittlungen natürlich fortgesetzt werden und Assistentin Doris wollte wissen: „Weshalb sind Sie sich so sicher, dass es nicht doch ein Unfall war?!?“ – „Michael Zäch, der Gruppenleiter sagte mir, Ines sei nicht besonders beliebt gewesen, manche hatten sie wegen ihrer Schlauheit und exzellentem Fahrkönnen regelrecht gehasst.“

„Deshalb also hatten sie Ines überhaupt in die Gruppe aufgenommen, weil sie sie endgültig loswerden wollten.“ erkannte ich. „Haben Sie denn der Polizei davon berichtet?“ fragten wir weiter nach. „Weder der Gruppenleiter noch ich hatten den Mut zur Polizei zu gehen, schliesslich wusste man ja nicht, wo sich die Bande herumtrieb“ antwortete Frau Dörig mit stets noch unruhiger Stimme. „Wissen Sie noch von jemandem, der an der Tatzeit auch auf der Piste war?“ fuhr ich mit meinen Fragen fort.

„Nein, um diese Uhrzeit befanden sich keine Skifahrer oder Snowboarder mehr auf der Piste, ausser einem gewissen Kay Hänggi, der draussen noch eine Zigarette rauchen musste. Dieser beobachtete die Gruppe nach dem voraussichtlichen Mord aus der Ferne, er verstand ihr Gegröle aber leider nur sehr schlecht.“ – „In Ordnung, meine liebenswerte Assistentin Nüesch und ich werden uns zum Tatort begeben und uns darum kümmern, haben Sie keine Angst!“ sagte ich zu Frau Dörig und ging entschlossen zur Tür. „Ach ja, woher haben Sie eigentlich all diese Informationen?“ schob ich noch hastig nach. „Der Lagerleiter hatte mir damals alles erzählt, in diesem Gespräch erfuhr ich auch, dass meine Tochter in diesem Lager sterben musste ...“

Ich nickte ihr zu, ging zum Bahnhof, und nahm den nächsten Zug zum besagten Ski-/Snowboardgebiet.

Dort angekommen untersuchten wir die Gegend aufmerksam. Im Lagerhaus fanden wir nur folgenden, merkwürdigen Gegenstand vor: Eine Flasche mit seltsam aggressiven Spülmitteln, die nicht nur elend stanken, sondern auch am richtigen Ort verräumt worden waren. Anstatt drinnen befand sich die Flasche zuoberst auf dem Kasten. Wir nahmen die Flasche mit zu unserem nächsten Ermittlungsort, dem Haus des damaligen Gruppenleiters Zäch.

Nachdem er uns herzlich empfangen hatte, fragte ich ihn: „Was können Sie, im Zusammenhang mit der Flasche, über die Profigruppe 2b berichten, Herr Zäch?“

„Ja, eigentlich nicht sehr viel, ich weiss nur, dass jemand an dem Tag, als Matthias Winterberg putzte, dieses Mittel mit dem normalen Mittel vermischt haben muss. Danach stank es nämlich fürchterlich und alle haben Matthias ausgelacht, er war später stinksauer.“ – „ Haben Sie das Putzmittel zuletzt verräumt?“ wollte ich wissen. „Nein, es muss der Streichspieler weggebracht haben, ich war später nicht mehr im Putzraum und beim Spind!“ antwortete mir Michael geduldig. „Gut, danke für Ihre Hilfe, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend ...“ verabschiedete ich mich und lief mit Doris wieder nach draussen.

Da es bereits dunkel geworden war, konnten wir den vermutlichen Tatort nicht mehr genau untersuchen. Wir fanden bloss einen Zettel auf welchem folgende Worte notiert waren:

Herzlichen Glückwunsch zum 2.Rang bei unserem Quiz, Ralph Lehner!

Ich steckte den Fetzen in meine Jackentasche und begab mich (wie immer in Begleitung meiner reizenden Assistentin) weiter zum Beobachter Hänggi.

Bei diesem angekommen forderte ich ihn mit der von mir gewohnten und stets praktizierten Agentenseriosität auf: „Sagen Sie mir alles, was Sie an diesem Tag bei den Gruppenmitgliedern gesehen haben!“ er überlegte kurz und berichtete dann: „Ich erkannte fünf Jugendliche, die zusammen gegrölt haben als hätten sie gerade die Fussballmeisterschaft gewonnen. Einer hatte ein Messer in der einen und ein Bier in der anderen Hand und feierte begeistert mit.“ – „Kennen Sie einen der fünf persönlich?“ „Also ... nicht wirklich, aber ich hörte einmal von diesem ... ach, ich weiss seinen Name nicht mehr genau ... auf jeden Fall war er ein sehr schlechter Verlierer und ist immer gleich ausgerastet, wenn er Zweiter wurde, ausserdem war er jederzeit sehr aufmerksam.

Mehr weiss ich leider nicht ...“ sagte mir Kay. „Okay, danke für die Information!“ verabschiedete uns meine Assistentin mit einem zwinkernden Auge bei Herrn Hänggi. Doch als wir draussen angekommen waren, schrie er noch aus dem Fenster: „hey ihr beiden, er war übrigens nicht gerade der Kleinste!“ danach schloss Kay das Fenster und wir gingen endgültig.

Da es nun mittlerweile wieder hell geworden war, wollte ich mich noch einmal im Lagerhaus umsehen. Ich hatte so einen Verdacht.

Auf dem Weg dorthin rief meine Assistentin: „Ich hab’s!“ – „Was hast du?“ fragte ich erstaunt. „Ich glaube ich weiss, wer der Mörder sein muss! Es ist der Junge mit dem Messer, er hat Ines gedroht und sie nachher unter die Lawine geschubst! Das erklärt auch wieso er so ausgelassen gefeiert hat! Wir müssen nur den Besitzer des Messers ausfindig machen und wir haben den Täter!“ schrie Doris begeistert. „Hmm, im Grunde genommen hast du eigentlich immer Recht, aber warte erst noch ein wenig ...“ erwiderte ich ihr.

Wenige Minuten später im Lagerhaus entdeckte ich genau das, was ich vermutete; eine zerbrochene Siegertrophäe mit der Aufschrift:

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg bei unserem internen Quiz, Ines Dörig!

Nun sprach ich zu meiner Assistentin: „Doris, wir haben den Täter überführt. Gehen wir gleich noch heute Abend in die Disco, ich habe auf unserem Weg zu Kay in der Zeitung gelesen dass dort heute eine Party steigt, und unsere fünf Kollegen werden sicherlich auch dabei sein!“ Doris nickte zustimmend auf meinen Vorschlag. „Aber zieh dich gut an, das ist eine Edeldisco, da lassen sie nicht jeden durch passieren!“ – „Ja, ja, schon gut, ich werde mich noch ein wenig richten.“

Wie abgemacht trafen wir uns dann am Abend vor dem Eingang und nahmen alle Beweisstücke mit. Da wir es auch vorsahen, vielleicht auch noch später dort zu bleiben, gingen wir in schicker Zivilkleidung und ohne dem Türsteher die Agentenausweise zu zeigen hinein.

Wir sahen die fünf bösen Jungs und Mädels relativ rasch an einer Bar beim Drinks schlürfen und rannten auf sie zu. Daraufhin rief meine Assistentin laut: „Ihr seid verhaftet!“ – „Und Ralph Lehner ist der Hauptschuldige!“ fügte ich noch schnell hinzu. „Wa.., Wa..., Was?“ gab Ralph stotternd von sich. „Du brauchst gar nicht so zu tun, Ralph, wir haben dich überführt! Du wolltest von Anfang an Ines zur Strecke bringen, weil du den zweiten Platz hinter ihr nicht ertragen konntest. Du wolltest stets der Beste sein und hattest nach dem Quiz solch starken Hass und Rachegefühle gegen sie, dass nur ihr Tod dich befriedigen konnte. Du hast mit allen Mitteln versucht, den Verdacht auf andere zu lenken, indem du zuerst das fürchterliche Putzmittel mit dem normalen von Matthias Winterberg gemischt hast, damit alle dachten; Ines hätte das Mittel vermischt und Matthias müsste sich mit einem Totschlag bei Ines rächen. Nur dumm, dass du danach das stinkende Mittel auf den Spind getan hast, so weiss nämlich jeder, wer die Flasche dort hinstellte, die Ines wäre viel zu klein gewesen, du hast die optimale Grösse. Und das Messer stammt ebenfalls von dir, da du sehr

aufmerksam bist, merktest du die Blicke Kays und gabst vorsichtshalber das Messer Phillip, der in seinem angetrunkenen Zustand sowieso keine bessere Verwendung als das Herumwerfen damit fand. Die restlichen Gruppenmitglieder hattest du wahrscheinlich schon vorher mit Gewalt dazu überredet mitzufeiern, sie trifft somit kaum Schuld. Und dass eine der anderen beiden zauberhaften Mädchen etwas gegen Ines haben würde glaubst du wohl selbst nicht, gerade bei Nadia wäre ein Verdacht völlig unangebracht, denn nach ihrem Sieg beim Literaturpreisausschreiben wirkte sie mit ihrem berühmten Lächeln total glücklich.

So, und nun, ab mit dir zum Polizeipräsidium!“ dies waren meine letzten Worte bevor meine Assistentin die Handschellen zuklinkte und wir gemeinsam wegtraten. Die anderen Zuhörer blieben vorerst mit halboffenen Mündern sitzen, keine Seltenheit bei der Genialität in unserem perfekt ausgespielten Agententeam.

Nachdem wir den Schlingel bei der Polizei abgegeben hatten war es schon reichlich spät, so dass wir uns dazu entschlossen haben nicht noch einmal denselben Club aufzusuchen. Stattdessen machten meine Assistentin Nüesch und ich zusammen uns alleine einen netten Abend ...

ENDE

 

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