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Die kleinen Dinge im Leben

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08.01.2003
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Die kleinen Dinge im Leben

Die kleinen Dinge im Leben

Jeder hat schon einmal etwas wertvolles verloren, aber den Wert erst erkannt, als es nicht mehr da war. Manchmal wissen wir unseren Partner erst zu schätzen wenn er fort ist. Oder unsere Gesundheit, wir merken gar nicht daß sie da ist, solange wir sie haben. Erst wenn sie weg ist, wissen wir, was wir an ihr hatten.

Die selbstverständlichen Dinge sind es, die das Leben schön machen.

Selbstverständlich kann ich sehen.
Ich sehe wie am Morgen die ersten Sonnenstrahlen durch mein Fenster auf meine Bettdecke fallen. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich ziehe mir meine Decke über den Kopf. Wenn ich verschlafen ins Badezimmer stolpere, schaut mich aus meinem Spiegel eine fremde Person an, selbstverständlich bin ich das selber.

Aber Morgen wache ich auf und bin blind.
Ich mache die Augen auf, der Wecker klingelt obwohl es noch dunkel ist, normalerweise klingelt er erst, wenn es schon ein wenig hell ist. Meine Augen sind offen und ich warte bis ich irgendwo etwas erkennen kann. Die Vorhänge sind nachts immer offen, damit ich den Himmel und die Sterne sehe. Heute Nacht scheint es bewölkt zu sein, es ist kein Stern zu sehen. Mein Gesicht wird warm, so wie sonst wenn mich immer die Sonne anstrahlt. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und mein Gesicht kühlt ab.
Im Badezimmer stehe ich vor meinem Spiegel und starre in die Dunkelheit. Ich weiß gar nicht, ob da noch ein Spiegel hängt und strecke meine Hand aus. Ich spüre die kalte glatte Oberfläche meines Spiegels. Sicherlich sieht es seltsam aus, wenn mich jemand beobachtet, wie ich meine Hand auf den Spiegel lege und ihn streichle. Aber ich bin allein. Die Einzige Person die mir zusieht, ist mein Spiegelbild, das mich sicherlich verwundert anschaut. Oder hat sich jemand zu mir her geschlichen und schaut mir zu? Ich greife um mich. Nein, es ist keiner da. Immer noch habe ich die Hand auf meinem Spiegel. Ich weiß noch wie lange ich nach so einem Exemplar gesucht habe. Ich war in mindestens zehn Geschäften, bis ich den hier gefunden hatte. Aber nun brauche ich ihn nicht mehr.
Ich sitze am Frühstückstisch und gieße mir meinen Kaffee in meine Tasse. Es stört mich nicht, daß ich nicht genau die Tasse treffe und wieder etwas daneben läuft. Manche Dinge erledigen wir so beiläufig, daß es zur Gewohnheit wird bis wir es auch im Dunkeln können. Wasser in eine Kanne füllen um es anschließend in die Kaffeemaschine zu schütten, naja das meiste wenigstens. Was daneben geht wische ich wieder weg. Kaffeepulver in den Filter und einschalten. Früher habe ich immer Kaffee mit Milch und Zucker getrunken, inzwischen ist es sehr leicht darauf zu verzichten. Wenn man bedenkt, daß die Milch meistens auf dem Tisch landet, anstelle im Kaffee, verzichtet man gerne darauf. Zwei Würfel Zucker genehmige ich mir aber immer noch. Nach einer Weile bemerke ich, daß der Löffel, beim umrühren, nicht in der Tasse klimpert, sondern auf dem Tisch scheuert. Knapp vorbei gerührt ist auch daneben. Ich stochere mit dem Messer im Marmeladeglas herum und streiche mir ein Brot. Erst als ich in mein Marmeladebrot beiße, merke ich, daß ich wohl keine Marmelade auf meinem Messer hatte, als ich in dem Glas ziellos herum stocherte. Dafür hab ich einen schönen dicken Klumpen Butter auf der einen Seite der Brotscheibe. Das nächste Mal sollte ich beim vertreichen der Butter besser acht geben.

Beim Mittagessen sitze ich vor meinem Teller und steche mir ein schönes Stück von dem lecker duftenden Essen auf meine Gabel. Langsam führe ich sie zu meinem Mund, nicht daß ich mich schon wieder in die Lippen steche. Mund auf, Gabel rein, nichts drauf. Wieder nicht das Essen getroffen, wieder die Gabel umsonst zum Mund geführt. Wenn es einen Preis zu gewinnen gäbe, für jemanden der immer am Ziel vorbeischießt, hätte ich den sicher ohne Schwierigkeit gewonnen. Auf ein Neues! Dieses Mal stochere ich mit ein wenig mehr Gefühl, ich spüre an der Gabel einen Widerstand und stoße zu. Heißa juche, jetzt hab ich was erwischt. Viele kleine Erfolge machen das Leben süß. Ich hebe schnell die Gabel an den Mund. Hoppla, der Happen ist zu groß, bevor ich den Mund richtig aufmachen kann, ist das Stück von der Gabel gefallen und liegt irgendwo auf dem Fußboden bei den anderen Stücken. Zur Abwechslung greife ich nach meinem Glas, hebe es vorsichtig an meinen Mund, nicht daß wieder etwas daneben geht Ich trinke langsam und neige das Glas langsam nach hinten, bis mein Kopf weit im Nacken liegt, doch das Glas ist leer gewesen. Schon wieder nur Luft getrunken und ich weiß nicht mehr, wo ich die Flasche abgestellt habe.
Abends, nach dem Abendessen, ziehe ich mich aus und mache mich für die Nacht fertig. Erst jetzt bemerke ich, daß ich wohl den ganzen Tag meinen Pulli verkehrt herum an hatte. Ich lege mich in mein Bett und sehe wieder keine Sterne.

 

Hi Richard!
Deine Geschichte ist interessant. Irgendwie sollte man Mitleid haben mit dem Protagonisten, aber es ist alles so distanziert. Er kann nicht mehr sehen, aber was soll's, auf ein Neues. Er scheint nicht so ganz begriffen zu haben, dass er nun blind ist. Er will die Hoffnung vielleicht nicht aufgeben.

Die Menschheit verschliesst die Augen vor Vielem, das da ist, aber wir verdrängen es. Ist es das, was Du sagen willst?

Alles Gute,
Marana

 

Hallo.
Du hast das Nachdenken über das Normale im Leben angeregt, das irgendwann nicht mehr normal ist. Die Geschichte würde vielleicht ein wenig an Distanz verlieren, wenn dein Protagonist zu handeln anfängt. Wenn er es erlebt, und nicht nur seine Gedanken wiedergibt. Zudem: würde mir das Augenlicht über Nacht abhanden kommen, würde ich wohl erst einmal nichts mehr essen. Sondern grübeln: warum, warum, warum?

Liebe Grüße

 

Hallo Richard!
Ich finde deine Geschichte interessant. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich wir zum Beispiel das Augenlicht oder die Gesundheit empfinden. Und doch kann uns diese Selbstverständlichkeit schnell abhanden kommen und dann weiß man oft nicht weiter.

Ich finde gut, dass der Übergang in deiner Geschichte von der Möglichkeit des Sehens zur Blindheit schnell geht, ohne Panik des Protagonisten. der Prot. ist ganz ruhig und für ihn ist es anscheinend nicht weiter schlimm. Er findet sich mit der Tatsache ab.
Es ist doch faszinierend, wie schnell und gut sich der Mensch an neue Lebensumstände gewöhnen kann.

Deine Geschichte ist ruhig, beinahe still. Passt sehr gut zur Handlung, finde ich.

bye und tschö

 

Eine merkwürdige Geschichte. Im Prinzip hat sie mir sehr gefallen, wenn da nicht noch ein kleines 'aber' einzuwenden wäre.
Wofür steht die plötzliche Blindheit des Protagonisten?
Ein Fall, bei dem jemand über Nacht ohne besondere Vorkommnisse erblindet, ist mir bisher nicht zu Ohren gekommen und selbst wenn, wäre die Reaktion Deines Protagonisten reichlich ungewöhnlich. Ist diese Stelle also mehr symbolisch aufzufassen?
(komme mir mit dieser Frage enorm blöd vor :dozey:, aber sie stellte sich eben :))
Soviel dazu, ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern an und freue mich Deine Geschichte gelesen zu haben (In meinem Kopf schwirrt schon wieder so eine Vision, wie man eine derartige Geschichte im Theater verarbeiten könnte +stillinsichhineinschmunzelt+)

Viele Grüße Catharina

 

Hallo,

vielen Dank für die Antworten! Ich habe hier schon lange nicht mehr hereingeschaut, da oftmals mehr über meine Rechtschreibung und Satzstellungen diskutiert wird, als über den Ihnalt der Geschichten.
Aber dadurch bin ich im schreiben meiner Geschichten etwas sorgsamer geworden und gebe mir mehr mühe bei meiner Rechtschreibung, also war auch solche Kritik angebracht und hat (so hoffe ich) Früchte getragen.

Also nun ein paar Antworten und Erklärungen.
Es freut mich sehr zu sehen, daß diese Sache zum nachdenken anregt !!!
Die Distanz ergibt sich daraus, daß vielleicht aus einem Beobachter ein Beteiligter wird. Was ich hier geschrieben habe, sind persönliche Erfahrungen als Beobachter. "Morgen bin ich Blind" das heißt nur, was-wäre-wenn... es mir so erginge, wie jemandem, wo mir sehr nahe steht. Und es gibt tatsächlich Fälle, wo solche Dinge von heute auf morgen geschehen, z.B. nach einer komplizierten Operation, die in der Nähe der Sehnerven durchgeführt wird. Da ist die Blindheit eine mögliche "Nebenerscheinung", das passiert nicht immer, aber es kann eben passieren.

Und so werden alltägliche Dinge zu großen Hindernissen. Was ich damit im allgemeinen sagen will/wollte, ist, daß viele Dinge als selbstverständlich angesehen werden.

Die kleinen Dinge machen das Leben süß. Das merkt man aber erst, wenn sie nicht mehr da sind.
Z.B. unsere Gesundheit, solange sie da ist, merken wir nicht, daß wir sie haben.

Vielen Dank für's lesen!
Gruß
Richard

 

Hallo Richard!

Die Aussage deiner Geschichte ist klar, von daher auch ganz gut gelungen.
Was mich stört: Du scheinst nicht richtig darüber nachgedacht zu haben, wie man sich verhält, wenn man plötzlich nichts mehr sieht. Keinesfalls wohl so, dass man sinnlos in der Gegend herumstolpert und sich den ganzen Tag darüber ärgert, dass er nichts mehr trifft - sorry, aber Menschen besitzt mehr Intelligenz als Amöben. Vor allem aber besitzen sie Hände. Blinde finden sich zurecht, auch ohne zu sehen. Man kann z.B. sichergehen, dass man das Glas trifft, indem man einfach den Flaschenhals näher als Glas hält. Kein Blinder ist so dumm, aus nem halben Meter Abstand zu gießen.

Die Message ist rübergekommen - aber vielleicht solltest du dich, bevor du das Leben eines Blinden schreibst, zumindest ein kleines bisschen darüber informieren? Die Geschichte klingt nicht so, als ob du das getan hättest.

Mfg
xka

 

hallo xkaxre,

siehe hierzu auch meinen Beitrag über Deinem.
Die blinde Person ist meine Mutter, mit der ich seit ihrer Operation vor 5J. wieder zusammenlebe. Und sie kann sich sehr gut was zum trinken einschenken, das hab ich so nicht geschrieben... ich schreib davon, daß man sich das "leere" Glas zum Mund führt, weil man vielleicht nicht mehr weiß, ob noch etwas darin ist. Ich schrieb nichts davon, daß sich jemand ärgert, und einfach in der Gegend rumstolpert.

Ich bilde mir somit ein, sehr wohl zu wissen, wie es ist, wenn man blind wird.
Meine Beispile sind nicht aus der Luft gegriffen.

Gruß
Richard

 

hi richard

Auch mich hat deine Geschichte zum Nachdenken angeregt.
Die Sprache ist angemessen, wie gesprochen.

Aber irgendwie fehlt mir eine Wende, eine Pointe.
Nicht so ein Klatscher am SChluss mit: "hier bitte lachen." - Schild, sondern ein Schubs für den Leser.
Toll fänd ichs hier, wenn der Sarkasmus des Prot und die scheinbare Gleichgültigkeit ein bisschen verzweifelter gezeigt wird. Mitleid mit dem Prot anstatt Mitlachen. Dass mit den Sternen ist mir noch zu schwach irgendwie.

Und die eingeschobenen allgemeinen Sätze wie:
Manche Dinge erledigen wir so beiläufig, daß es zur Gewohnheit wird bis wir es auch im Dunkeln können.
oder:
Viele kleine Erfolge machen das Leben süß

finde ich nicht unbedingt nötig, damit nimmst du sozusagen dem Prot das Wort weg, das ist dann nicht mehr so persönlich auf seine Situation bezogen. Ich denke, gerade wenn man blind ist, ist man mit sich selbst allein und hat keine allgemeingültigen Gedanken.

Naja, nur mein persönlicher Eindruck beim Lesen.

Liebe Grüße
wolkenkind

 

Hm. Tut mir Leid, Richard, aber es hört sich eben so an, als wäre der Prot zu blöd dazu, sich was einzugießen.

Wenn man bedenkt, daß die Milch meistens auf dem Tisch landet, anstelle im Kaffee, verzichtet man gerne darauf. Zwei Würfel Zucker genehmige ich mir aber immer noch. Nach einer Weile bemerke ich, daß der Löffel, beim umrühren, nicht in der Tasse klimpert, sondern auf dem Tisch scheuert.
Diese Stelle fand ich da ganz eindeutig. Es ist ja wohl durchaus möglich, die Tasse mit dem Löffel zu treffen - davon mal abgesehen, dass man das nicht erst "nach einer Weile" bemerkt, sondern nach spätestens einer Sekunde.

Ergo: Ich ziehe meine Anschuldigungen bezüglich mangelnden Wissens zurück und ersetze sie durch eine Kritik der schlechten Umsetzung :D

Mfg
xka

 

Also ich muss mich dann doch nochmals einmischen.
Denn: zum ersten hat mir gerade die verdrießliche Unbeholfenheit des Protagonisten gut gefallen, da hiermit diese Mitleidstimmung (in Geschichten dieses Charakters sonst recht häufig) in den Hintergrund gestellt wird.
Und zum zweiten war mir der letzte Satz außerordentlich sympatisch. Hat solch eine Ruhe.
Ich fänd es bedauerlich, wenn Du ihn ersetzen würdest.
Meine Meinung, aber ich wollte sie noch schnell loswerden :-)

 

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