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Die kleinen Dinge im Leben
Die kleinen Dinge im Leben
Jeder hat schon einmal etwas wertvolles verloren, aber den Wert erst erkannt, als es nicht mehr da war. Manchmal wissen wir unseren Partner erst zu schätzen wenn er fort ist. Oder unsere Gesundheit, wir merken gar nicht daß sie da ist, solange wir sie haben. Erst wenn sie weg ist, wissen wir, was wir an ihr hatten.
Die selbstverständlichen Dinge sind es, die das Leben schön machen.
Selbstverständlich kann ich sehen.
Ich sehe wie am Morgen die ersten Sonnenstrahlen durch mein Fenster auf meine Bettdecke fallen. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich ziehe mir meine Decke über den Kopf. Wenn ich verschlafen ins Badezimmer stolpere, schaut mich aus meinem Spiegel eine fremde Person an, selbstverständlich bin ich das selber.
Aber Morgen wache ich auf und bin blind.
Ich mache die Augen auf, der Wecker klingelt obwohl es noch dunkel ist, normalerweise klingelt er erst, wenn es schon ein wenig hell ist. Meine Augen sind offen und ich warte bis ich irgendwo etwas erkennen kann. Die Vorhänge sind nachts immer offen, damit ich den Himmel und die Sterne sehe. Heute Nacht scheint es bewölkt zu sein, es ist kein Stern zu sehen. Mein Gesicht wird warm, so wie sonst wenn mich immer die Sonne anstrahlt. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und mein Gesicht kühlt ab.
Im Badezimmer stehe ich vor meinem Spiegel und starre in die Dunkelheit. Ich weiß gar nicht, ob da noch ein Spiegel hängt und strecke meine Hand aus. Ich spüre die kalte glatte Oberfläche meines Spiegels. Sicherlich sieht es seltsam aus, wenn mich jemand beobachtet, wie ich meine Hand auf den Spiegel lege und ihn streichle. Aber ich bin allein. Die Einzige Person die mir zusieht, ist mein Spiegelbild, das mich sicherlich verwundert anschaut. Oder hat sich jemand zu mir her geschlichen und schaut mir zu? Ich greife um mich. Nein, es ist keiner da. Immer noch habe ich die Hand auf meinem Spiegel. Ich weiß noch wie lange ich nach so einem Exemplar gesucht habe. Ich war in mindestens zehn Geschäften, bis ich den hier gefunden hatte. Aber nun brauche ich ihn nicht mehr.
Ich sitze am Frühstückstisch und gieße mir meinen Kaffee in meine Tasse. Es stört mich nicht, daß ich nicht genau die Tasse treffe und wieder etwas daneben läuft. Manche Dinge erledigen wir so beiläufig, daß es zur Gewohnheit wird bis wir es auch im Dunkeln können. Wasser in eine Kanne füllen um es anschließend in die Kaffeemaschine zu schütten, naja das meiste wenigstens. Was daneben geht wische ich wieder weg. Kaffeepulver in den Filter und einschalten. Früher habe ich immer Kaffee mit Milch und Zucker getrunken, inzwischen ist es sehr leicht darauf zu verzichten. Wenn man bedenkt, daß die Milch meistens auf dem Tisch landet, anstelle im Kaffee, verzichtet man gerne darauf. Zwei Würfel Zucker genehmige ich mir aber immer noch. Nach einer Weile bemerke ich, daß der Löffel, beim umrühren, nicht in der Tasse klimpert, sondern auf dem Tisch scheuert. Knapp vorbei gerührt ist auch daneben. Ich stochere mit dem Messer im Marmeladeglas herum und streiche mir ein Brot. Erst als ich in mein Marmeladebrot beiße, merke ich, daß ich wohl keine Marmelade auf meinem Messer hatte, als ich in dem Glas ziellos herum stocherte. Dafür hab ich einen schönen dicken Klumpen Butter auf der einen Seite der Brotscheibe. Das nächste Mal sollte ich beim vertreichen der Butter besser acht geben.
Beim Mittagessen sitze ich vor meinem Teller und steche mir ein schönes Stück von dem lecker duftenden Essen auf meine Gabel. Langsam führe ich sie zu meinem Mund, nicht daß ich mich schon wieder in die Lippen steche. Mund auf, Gabel rein, nichts drauf. Wieder nicht das Essen getroffen, wieder die Gabel umsonst zum Mund geführt. Wenn es einen Preis zu gewinnen gäbe, für jemanden der immer am Ziel vorbeischießt, hätte ich den sicher ohne Schwierigkeit gewonnen. Auf ein Neues! Dieses Mal stochere ich mit ein wenig mehr Gefühl, ich spüre an der Gabel einen Widerstand und stoße zu. Heißa juche, jetzt hab ich was erwischt. Viele kleine Erfolge machen das Leben süß. Ich hebe schnell die Gabel an den Mund. Hoppla, der Happen ist zu groß, bevor ich den Mund richtig aufmachen kann, ist das Stück von der Gabel gefallen und liegt irgendwo auf dem Fußboden bei den anderen Stücken. Zur Abwechslung greife ich nach meinem Glas, hebe es vorsichtig an meinen Mund, nicht daß wieder etwas daneben geht Ich trinke langsam und neige das Glas langsam nach hinten, bis mein Kopf weit im Nacken liegt, doch das Glas ist leer gewesen. Schon wieder nur Luft getrunken und ich weiß nicht mehr, wo ich die Flasche abgestellt habe.
Abends, nach dem Abendessen, ziehe ich mich aus und mache mich für die Nacht fertig. Erst jetzt bemerke ich, daß ich wohl den ganzen Tag meinen Pulli verkehrt herum an hatte. Ich lege mich in mein Bett und sehe wieder keine Sterne.