Was ist neu

Die Haremsdame

Mitglied
Beitritt
03.05.2003
Beiträge
4

Die Haremsdame

Ich weiß nicht, ob ich es sagen soll. Die Nachbarn sehen mich auch schon ganz komisch an. Sie denken, ich bin ein Flittchen, und sagen bestimmt noch schlimmere Dinge über mich.

Früher war ich verheiratet. Mein Mann war in Ordnung, im großen und ganzen. Aber er war auch nur ein Mann.


IN UNSEREM BETT

Mein Mann wälzt seinen Bauch auf mich herauf, klopft an die Tür, kommt herein. Ich gebe einen Seufzer der Lust von mir.
„Tiefer“, sage ich. „Ja. Noch tiefer. Ja. Noch tiefer.“
Noch tiefer geht es nicht.
Mein Mann bekommt einen Orgasmus, sein Stehaufmännchen zuckt und spuckt. Dann läßt es lustlos den Kopf hängen.


EINE STUNDE SPÄTER IN UNSEREM BETT

Mein Mann liegt auf mir drauf und begattet mich. Ich halte ihn mit Armen und Beinen fest umklammert. Sein Jesus ist wieder auferstanden.
„Ist das schön“, sage ich. „Ja. Ja. Ja.“
Er schwitzt. Er liegt mit dem Gesicht flach auf dem Kissen neben meinem Kopf. Vor seinen Augen ist es dunkel. Die mechanische Stupidität seiner Tätigkeit ermüdet ihn. Seine Arme und Hände sind irgendwie im Weg und schlafen nach und nach ein. Im Bauch und in den Oberschenkeln verspürt er ein leichtes Reißen.
„Oh Gott, ich bin so geil“, sage ich.
Hoffentlich ist sie bald so weit. Morgen muß ich wieder in aller Herrgottsfrühe im Büro sein, und dann sehe ich wieder aus wie eine zerknüllte Zeitung. Vorher muß ich unbedingt noch mit dem Wagen in die Werkstatt. Mit der Zylinderkopfdichtung stimmt schon wieder was nicht. Sauteuer, die Karre, und alle paar Meter ist was kaputt.
„Karl-Heinz, mach nicht so schnell“, sage ich.
Karl-Heinz unterdrückt ein Gähnen.


Jetzt habe ich sieben Männer. Nein, ich bin nicht mit allen sieben verheiratet. Ich bin überhaupt nicht mehr verheiratet. Ich bin übrigens auch nicht promiskuitiv. Ich habe nur einen Harem.

Ich fühle mich wie ein Vogel, der, von Launen und vom Wind getrieben, von einem Baum zum andern fliegt. Aber auch einem Vogel gehört nicht die Welt. Er hat ein festes Revier. Ich wildere nicht in fremden Revieren.

Meist sind es auf der Welt die Männer, die einen Harem haben dürfen. Das finde ich nicht gerecht. Es entspricht auch gar nicht den natürlichen Gegebenheiten. Frauen haben einen Harem viel nötiger als Männer.

Ich habe das geändert. Ich habe einen männlichen Harem.


Alfred zum Beispiel sieht gut aus und ist immer tadellos gekleidet.
Bernd hat sagenhaft viel Gefühl und Hände und Lippen aus elektrischem Strom.
Cesare macht immer verliebt-verspielte Anspielungen über mein rostrotes Haar, meine lustig-listigen Augen, meine süßen Füße, meine langen Klimperwimpern.

Guido ist leider impotent, aber das ist nicht schlimm, denn am siebenten Tag sollst du ruhn.


Nein, es ist nicht unproblematisch. Nichts ist unproblematisch. Aber früher war ich eine unzufriedene Frau mit einem unzufriedenen Mann. Jetzt bin ich eine zufriedene Frau mit sieben zufriedenen Männern. Ich habe süße Füße und lange Klimperwimpern.

 

Hmmm.... schwer zu sagen...... Dein Text klingt irgendwie wie ein Fragment; Gedankensplitter einer Frau, die mit ihrem Liebesleben unzufrieden ist. Was ich ein wenig vermisse, ist eine eigentliche (durchgehende) Handlung. Dein Text ist da eher sprunghaft. Ganz witzig geschrieben – irgendwie ist deine Protagonistin sarkastisch veranlagt? - , aber ich glaube, da könnte man noch mehr rausholen; z.B. könnte man vielleicht mehr Gedankengänge von Karl-Heinz einbauen, um beide Protagonisten zu kontakarieren?? Mir gefällt aber Dein Anfallsreichtum, wenn es darum geht, die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale bzw. den sexuellen Akt selbst zu umschreiben..... ;-)

 

Es entspricht genau dem, was ich mir unter einer "Kurzgeschichte" vorstelle. Sehr viele Beiträge hier auf kg.de sind zwar kurze Geschichten, die eine kurze Lebensspanne des Prots zum Inhalt haben, aber sie sind zu genau und auf den ersten Blick fast zu verständlich. Ich möchte Geschichten mit subtiler Handlung, die ich erst drei mal lesen muss, bevor ich sie kapiere. Oder bevor mir ganz wichtige Dinge auffallen, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar sind. Mir gefällt allein schon der Gedanke, dass eine Frau einen Harem hat. Die Ausführung mag ich auch sehr, es ist nicht alles so offensichtlich. Ich freu mich darüber!
Dryad

 

Hi

Ich war von deiner Geschichte entäuscht. Der Titel klingt vielversprechend, deshalb habe ich die Story auch gelesen. Aber leider musste ich nach dem Text sagen: "War`s das schon?"
Du hättest aus der Grundidee viel mehr herausholen können. Wie es zu der Haremsbildung kam, wie die Männer damit fertig werden, etc...

LG!
Berian

 

Da muß ich Berian beipflichten - siehe auch mein voriger Eintrag!! Man hätte viele detaikls noch besser herausarbeiten können: dann wäre es wirklich eine Kurzgeschichte geworden; so ist es in meinen Augen NUR ein Fragment geblieben......

 

Hallo Dryad! Du schreibst: "Ich möchte Geschichten mit subtiler Handlung, die ich erst drei mal lesen muss, bevor ich sie kapiere. Oder bevor mir ganz wichtige Dinge auffallen, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar sind." - SO würdest DU eine Kurzgeschichte definieren?! Eigenartig!! Also, wenn ICH eine Kurzgeschichte schreibe, dann halte ich mich schon an gewisse Regeln, die eine Kurzgeschichte eben ausmachen, z.B. unvermittelter Einstieg, offenes Ende, wenig Dialoge, zummeist in dritter Person, etc..... so ist halt die klassische Definition von einer Kurzgeschichte..... d.h. dann aber auch nicht, daß die die Geschichte "kurz" (im Sinn von Länge) sein muß!! (Meine Kurzgeschichten dauern ALLE länger als drei Seiten!) - und im Falle von "Die Haremsdame" finde ich, daß es sich definitiv NICHT um eine Kurzgeschichte handelt.... das ist halt meine Einstellung dazu....

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom