Die Entscheidung
Er liebte den Wind in seinen Haaren! Er liebte das Gefühl kalter Luft in seinem Gesicht und den Geschmack von fernen Ländern. Im Herbst, wenn der Wind die Blätter von den Bäumen riss, verbrachte er Stunden auf der Bank vor seinem Haus. Der Wind verschlug ihm den Atem, er rang nach Luft. Tränen traten ihm in die Augen.
Der Himmel war klar, blau, weit, leer. In der Ferne waren Wolken zu erkennen. Der Wind würde sie zerreißen, bevor sie die Stadt erreichen würden, so wie er es fast immer tat.
Er hatte schon oft darüber nachgedacht, ans Meer zu ziehen. Er hatte einen anderen Geschmack dort, der Wind. Er war feucht und salzig, kalt und schwer. Wellen tobten heran, getrieben vom Wind. Aus der Brandung stob Gischt. Der Wind trug sie fort, fort bis weit ins Land. Doch er hatte sich nie entscheiden können. Mit dem Wind kam die Einsamkeit.
Er war gerne alleine. Die Einsamkeit trieb ihn an, machte ihn kreativ. Sie konnte seine Sorgen wegfegen, noch bevor sie ihn erreichten oder innerhalb von Sekunden seinen Horizont verdunkeln, so dass er tagelang kaum Sonnenlicht sah. Sie war für ihn wie der Wind in seinem Gesicht.
Alles bewegte sich schnell. Um ihn herum war es hell, die Sonne schien immer noch. Der Wind war stärker geworden. Er schloss die Augen. Der Wind umarmte ihn. Seine Tränen trockneten, der Wind trug sie davon, bis weit in die Stadt hinein. Der Lärm der Autos verschmolz zu einem Tosen. Der Wind wurde zu einem Orkan. Das Atmen fiel im schwer. Er öffnete die Augen. Kein Bild, kein Erkennen, nur verschwommene Farben, Licht und schneidender Wind! War es die richtige Entscheidung? Er verlor das Bewusstsein.
Menschen schrieen, als der Körper auf dem Gehweg aufschlug. Eine Frau ließ vor Schreck ihre Einkäufe fallen, ein Kind fing an zu weinen. Ein älteren Herr aus dem gegenüberliegenden Café schaute erstaunt an dem Hochhaus herauf. Ein Lufthauch wehte seine Rechnung vom Tisch, an diesem windstillen Sonntag Vormittag.