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Die Entscheidung

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12.06.2003
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Die Entscheidung

Er liebte den Wind in seinen Haaren! Er liebte das Gefühl kalter Luft in seinem Gesicht und den Geschmack von fernen Ländern. Im Herbst, wenn der Wind die Blätter von den Bäumen riss, verbrachte er Stunden auf der Bank vor seinem Haus. Der Wind verschlug ihm den Atem, er rang nach Luft. Tränen traten ihm in die Augen.

Der Himmel war klar, blau, weit, leer. In der Ferne waren Wolken zu erkennen. Der Wind würde sie zerreißen, bevor sie die Stadt erreichen würden, so wie er es fast immer tat.

Er hatte schon oft darüber nachgedacht, ans Meer zu ziehen. Er hatte einen anderen Geschmack dort, der Wind. Er war feucht und salzig, kalt und schwer. Wellen tobten heran, getrieben vom Wind. Aus der Brandung stob Gischt. Der Wind trug sie fort, fort bis weit ins Land. Doch er hatte sich nie entscheiden können. Mit dem Wind kam die Einsamkeit.

Er war gerne alleine. Die Einsamkeit trieb ihn an, machte ihn kreativ. Sie konnte seine Sorgen wegfegen, noch bevor sie ihn erreichten oder innerhalb von Sekunden seinen Horizont verdunkeln, so dass er tagelang kaum Sonnenlicht sah. Sie war für ihn wie der Wind in seinem Gesicht.

Alles bewegte sich schnell. Um ihn herum war es hell, die Sonne schien immer noch. Der Wind war stärker geworden. Er schloss die Augen. Der Wind umarmte ihn. Seine Tränen trockneten, der Wind trug sie davon, bis weit in die Stadt hinein. Der Lärm der Autos verschmolz zu einem Tosen. Der Wind wurde zu einem Orkan. Das Atmen fiel im schwer. Er öffnete die Augen. Kein Bild, kein Erkennen, nur verschwommene Farben, Licht und schneidender Wind! War es die richtige Entscheidung? Er verlor das Bewusstsein.

Menschen schrieen, als der Körper auf dem Gehweg aufschlug. Eine Frau ließ vor Schreck ihre Einkäufe fallen, ein Kind fing an zu weinen. Ein älteren Herr aus dem gegenüberliegenden Café schaute erstaunt an dem Hochhaus herauf. Ein Lufthauch wehte seine Rechnung vom Tisch, an diesem windstillen Sonntag Vormittag.

 

Hallo Flox, und herzlich willkommen auf KG.de.
Da lässt du uns ja ganz schön im Dunkeln tappen mit deiner Geschichte.
Einer schönen Beschreibung dessen, wie sich dein Protagonist mit dem Wind fühlt folgt:


Nichts, wenn man von einer unerklärlichen, weil aus der Geschichte nicht hervorgehenden Ohnmacht einmal absieht.
Sprachlich hätte es doch bestimmt zu mehr gereicht.
So ist es eigentlich keine Geschichte, sondern lediglich eine Einleitung.

Lieben Gruß, sim

 

Hi Sim,

Vielen Dank erstmal für deine Antwort :D

Ich hatte eigentlich gedacht, dass es schon deutlich wird, worauf die Geschichte hinaus läuft, aber ich habe sie ja auch geschrieben ;).

Eigentlich wollte ich die Gedanken eines Menschen beschreiben, der sich gerade das Leben nimmt, und unmittelbar und unwiederruflich dem Tod ins Auge sieht (deshalb auch mehr als eine Einleitung).

Vielleicht sollte ich nochmal drüber gehen und versuchen, es etwas deutlicher rüberzubringen.

Danke nochmal und viele Grüße

Flo

 

"Sprachlich hätte es doch bestimmt zu mehr gereicht" ist von sim noch sehr vorsichtig formuliert.
Ich möchte darauf hinweisen, daß das Suizidthema das beliebteste unter den ganzen Internet-Kurzgeschichten ist (was ich nie verstanden habe). Also: Da müßte dann schon mehr kommen, als, ich formuliere es mal salopp, Blabla und dann runtergerauscht. Man erfährt nämlich so gut wie nichts über dier Motive des Fliegers und deshalb fehlt vor allem Spannung.

Nix für ungut,

Thomas Bernhard

P.S.: Schreibt man "schrieen" tatsächlich mit zwei "e"?

 

Hi Thomas!

Auch dir erst mal vielen Dank für deine Kritik. Ich denke allerdings, dass meine Geschichte, wenn auch vielleicht nicht so gelungen, mehr als nur BlaBla ist!

Zu deinen Kritikpunkten:

Mir waren die Motive des "Fliegers" in diesem Moment eigentlich eher unwichtig, da bereits zu Begin der Geschichte gar nicht mehr zur Debatte steht, ob er nun springt oder nicht! Er ist bereits gesprungen.

Für mich standen vielmehr Gedanken im Vordergrund, die Gedanken aufgrund von direkten Empfindungen, in diesem Falle halt durch den Wind beim Fallen verursacht. Was geht jemandem durch den Kopf, der gerade gesprungen ist? Schwerwiegende Gedanken? Alltägliches? Denkt er über seine Probleme nach, über die Gründe? Gehen ihm vielleicht Momente seines Lebens durch den Kopf, oder einfach nur Impressionen?

Auch war es nicht meine Absicht, Spannung zu erzeugen, ich wollte keinen Krimi schreiben. Bei einer solchen Geschichte, deren Ausgang von Anfang an feststeht, ist das ja vielleicht auch nicht so wichtig.

Wie auch immer, die Frage danach, was einem in einer solchen Situation durch den Kopf geht, fand ich halt interessant, auch wenn sich vielleicht schon zu viele mit diesem Thema auseinander gesetzt haben ;)

Viele Grüße

Flo

 

Ich finde die Geschichte durchaus gelungen, wenn auch etwas zu kurz. Gedanken sind bekanntlich schnell, und wenn jemand von einem Hochhaus springt, dürften es mehr als nur diese paar Sätze sein, die ihm durch den Kopf schießen.

Zum Verständnis der Situation wäre es vielleicht hilfreich, wenn Du die Passagen, die mit seinem Leben zu tun haben, ins Plusquamperfekt setzen würdest.
Etwa: Er war gerne alleine gewesen. Die Einsamkeit hatteihn angetrieben, ihn kreativ gemacht.
Nur als Beispiel.

LG
Aragorn

 

Hi Flox!

Es stimmt zwar, dass dieses Thema sehr gerne gewählt wird, aber ich finde, dass Du es gar nicht so schlecht umgesetzt hast.
Sim stimme ich in sofern zu, dass die Geschichte einfach noch länger hätte sein können (muss ja nicht gleich sim'sche Ausmaße annehmen! ;) ), der Einblick in das Warum ist für diese Geschichte aber gar nicht so wichtig, weil es mehr um die Zustandsbeschreibung nach dem Sprung als um Gründe und Weltschmerz geht. Das gefällt mir, auch Deine Umsetzung.

"schrieen" ist - wie ich grad festgestellt habe - alte Rechtschreibung (dort aber auch schon optional), neu ist "schrien".

Lieben Gruß

chaosqueen :queen:

 

Hallo!

@ Aragorn & Chaosqueen: Vielen Dank für eure Meinungen, jetzt komme ich ja doch noch etwas besser weg ;)

Werde mir eure Kritik zu Herzen nehmen, und bei Gelegenheit nochmal über meine Geschichte gehen, vielleicht wird sie ja doch noch etwas länger :rolleyes:

Viele Grüße

Flo

 

Hallo Flox!
Eine, wie auch schon von den anderen erwähnt, etwas zu kurz geratene Geschichte. Und doch finde ich, ist dir eine ganz nette Geschichte gelungen.
Natürlich, das Thema wird gerne genommen, aber ich finde es interessant, dass der Prot. schon gesprungen ist und ihm nun Gedanken durch den Kopf schießen (kann auch daran liegen, dass ich sonst keine Geschichten, die mit Selbstmord enden, erwische ;))

bye und tschö

 

Hi!

Ganz verstanden hatte ich die Geschichte beim ersten mal Lesen nicht, aber zum Glueck dauerte es nicht lange dies noch einmal zu tun ;)
Also ich halte es keineswegs fuer :bla: :bla:, das Thema finde ich durchaus interessant, was natuerlich daran liegen kann, dass ich noch nicht so viele Kurzgeschichten zu dem Thema gelesen habe. Aber es fehlt tatsaechlich ein wenig die Spannung.
Dazu sollte man allerdings sagen, dass es nicht ganz leicht ist solch eine kurze Geschichte wirklich spannend zu machen, denn sie hoert ja schon auf, wenn man gerade "drin" ist.

Also wie war das mit der Kreativitaet beim Alleinsein? Er war doch nicht gerne alleine, denn er brachte sich doch um, oder hab ich das falsch verstanden? Oder war gerade die Idee sich umzubringen diese Kreativitaet?

Gruss -=*galvos*=-

 

Hi Moonshadow und Galvos,

Danke auch für eure Kritik. Wie schon gesagt, vielleicht wirklich etwas kurz, aber ich finde, in der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze ;)

@ Galvos:

Tja, das mit der Einsamkeit und der Kreativität ist so eine Sache, die mir schon einige Zeit durch den Kopf gegangen ist. Ich finde, wenn man einsam ist wird man dazu angeregt, über sein Leben nachzudenken, und es vor allem selber zu gestalten, also kreativ zu werden. Das heißt aber nicht, dass man nur kreativ sein kann, wenn man einsam ist, aber es kann manchmal helfen. Kommt wohl nicht so gut raus.

Trotzdem ist Kreativität im Leben natürlich nicht alles, und Beziehung, welcher Natur auch immer, bringen ja eine gewisse Konstanz in unser Leben (jedenfalls in meins :D, und diese Konstanz hat dem Protagonisten gefehlt. Deswegen würde ich auch nicht soweit gehen, und den Selbstmord des Protagonisten als kreativen Akt bezeichnen :)

Viele Grüße

Flo

 

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