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Die Bademeister-Diät
Ich habe es mir geschworen, ich werde abnehmen, koste es, was es wolle. Das war vor genau einem Jahr. Heute bin ich hier, an der Frittenschmiede bei uns im Freibad. Und zwar nicht als Kundin, nein ich stehe hinter dem Holzkohlegrill und brate Würstchen und Schnitzel für die Schwimmbadbesucher. Jedes Mal, wenn eine unförmige Frau mit einem Badeanzug in Übergröße vor mir steht, denke ich, nie wieder werde ich so aussehen. Ja wohl, ich habe es geschafft, nach abertausenden Diäten habe ich sie gefunden, meine ganz persönliche Erfolgsdiät – Werde-Unglücklich-Und-Habe-Nichtmals-Mehr-Hunger-Diät! Wie gesagt, es fing vor genau einem Jahr an. Ich saß mit meinem Verlobten in einem kleinen italienischen Restaurant und schlang meine Spaghetti Carbonara hinunter. Nebenbei sagte ich ihm mit vollem Mund, ich habe mit der Empfängnisverhütung aufgehört, also meine Pille in der letzten Zeit einfach in den Ausguss geschickt. Was er dann sagte, nahm mir nicht nur den Appetit, sondern auch den Atem. Er warf mir vor, ich wolle nur ein Kind, um ihn zu halten und es als Vorwand benutze, um noch mehr zu fressen. Er stand auf und ging. Ich saß da und wusste nicht wohin. Ich rief meine Freundin an, die aber nicht kommen konnte, weil ihr Bremskraftverstärker am Auto kaputt war. Ich traute mich an diesem Abend nicht nach Hause und schlief in einem Hotel. Als ich am nächsten Morgen in unsere Wohnung ging, um mich für die Arbeit fertig zu machen, starb ich fast. Er hatte alles, was ihm gehörte ausgeräumt – er war weg! Ich ging daraufhin nicht mehr zur Arbeit, bis die fristlose Kündigung kam. Hunger hatte ich auch nicht mehr. Selbst wenn die Versuchung groß war, hielt ich mich zurück. Nach und nach nahm ich ab. Von Größe 56 auf 36. Meine Baumwollschlüpfer warf ich in den nächsten Mülleimer und kaufte mir rote und schwarze Reizwäsche. Ich sah gut aus, und ich hatte wieder Spaß am Leben.
Warum ich Pommesverkäuferin wurde? Er arbeitete im Schwimmbad als Chefbademeister. Jeden Tag muss er mich jetzt sehen – und meinen begnadeten Körper. Er beobachtet mich. Manchmal nehme ich die Pfeffermühle und halte sie mit meinen Schenkeln, wenn ich gebückt eine Tüte Pommes aus der Truhe nehme. Ich spüre jedes Mal, dass er ganz rot wird. Er leuchtet dann wie eine Leuchtstoffröhre. Das ist fast so amüsant wie seine Frau, die, nachdem sie nach anderthalb Monaten schwanger wurde 35 Kilo zunahm. Und dieser kleine Pinöppel, sie haben ihn Klaus-Dieter getauft, sieht aus wie eine kleine Presswurst mit der Gesichtsfarbe der Leuchtstoffröhre.