dezember
sechs uhr abends. schaukelstuhl, im ohr das ticken der wanduhr. winter, die dunkelheit hat längst das braune grün der wiesen überflutet. warten. auf wen? blick auf die uhr - konzentriert verfolge ich den lauf der sekunden, leichtes nicken begleitet das geräusch der zeit. der tee ist kalt. alles hat sich der kühlenden umgebung unterworfen - zieh eine wollige decke über meine füße. drei mal hatte ich vom heilenden nass genippt, halbvoll wartet die braune brühe im gläschen. der heutige tag hat mich müde gemacht, zu müde. starrer blick in die leere. neben der tür: das bücherregal. buch für buch vom staub der straßen umhüllt, buch für buch ungelesen. alles mühsam erstanden, irgendwann einmal, wartet nun auf der augen aufmerksamkeit. gerne würde ich lesen, könnte aber im schwarz des zimmers keine buchstaben erkennen, zudem setzt mir die schon länger anhaltende schwäche stark zu. glühende stirn, zitternde hände. viertel nach - noch immer kein zeichen. husten, blutiger husten quält sich meine kehle empor. zu matt um nach tüchern zu greifen, der auswurf ergießt sich über das wärmende textil. ein langes leben erhebt sich hinter diesen momenten: viel wurde geleistet, viel getan. die vergangenheit hat auch spuren im kahl ausgestatten raum hinterlassen - bilder, briefe, in kästen verstaute geschenke. zufriedenes lächeln gleitet über die relikte einer gewesenen zeit, das dunkel des schmerzes dämpft die helle der freude. luft: haschend nach luft, kämpfe um mein anrecht auf des lebens allerwichtigstes. schwer zieht es den strom in meine lunge hinab: ungefolgt, der letzte. lähmung bemächtigt sich der augen, das kalt der hände wandelt sich in gleichgültige taubheit, das denken wird träge. es klopft, endlich, er wird es sein. mit letzter anstrengung, alle kräfte gebündelt, stöhne ich "herein". das decrescendo der hereinnahenden schritte verfließt ins nichts, befriedigt lehne ich mich zurück, zurück in die unendlichkeit...