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Der Tag als Gott kam
Der Tag als Gott kam.
Es kam aus dem Nichts.
Eines Morgens standen die Menschen auf und fühlten sich gut. Nicht alle, nur wenige, und auch diese wenigen konnten nicht sagen woran es lag. Sie fühlten sich einfach gut. Die sensibelsten unter ihnen meinten es fühle sich an als ob sie Teil eines großen Bewusstseins wären. Aber das sei nur eine vage Beschreibung und überhaupt gab es kaum jemanden der ihnen zuhörte.
Man hört soviel heutzutage. Man kann sich nicht mit jedem Verrückten beschäftigen.
Lange jedoch ließ es sich nicht ignorieren, da das Gefühl, oder das Bewusstsein, oder was immer es auch war, stärker wurde. Immer mehr Menschen konnten es fühlen. Es änderte die Menschen, Pessimisten wurden optimistischer, Verschlossene öffneten sich ein wenig und Gleichgültige hörten ihnen zu.
Irgendwann war es so stark, dass niemand mehr es ignorieren konnte, und es wurde klar: dieses Bewusstsein war göttlich und zwar göttlich im eigentlichen Sinn, niemand zweifelte mehr daran, dies war das Bewusstsein Gottes.
Und jeder konnte fühlen wie es wuchs, stärker wurde... näher kam?
Zuerst beanspruchten es die Religionen für sich. Jede war überzeugt davon ihren ureigenen Gott in sich zu spüren, aber sie scheiterten an der Erklärung warum jeder Mensch es fühlen konnte. Es nahm auch nicht wirklich Stellung zu einer der Religionen, es war ...gut....das war das Wort das es am besten beschrieb, gut, in Ermangelung eines anderen Wortes, das den Menschen fehlte, gut...... ein Wort für etwas, das Worte nicht beschreiben konnten.
So schnell die Religionen es für sich beanspruchten, so schnell brachen sie auch zusammen, denn je stärker es wurde, desto klarer wurde es auch, es war Gottes Bewusstsein. Gott, der das Universum geschaffen hatte, der den Raum und die Zeit erschaffen hatte. Und mit dieser Gewissheit wurde der Menschheit auch die Unsinnigkeit der verschiedenen Interpretationen von Gott klar, warum Regeln gehorchen, die in einem Buch stehen, das von Menschen geschrieben wurde? Oder von Menschen verbreitet wurden? Gott war auf dem Weg, und er war die Autorität, er würde selbst zu den Menschen sprechen, und ihnen seinen Willen verkünden.
Und so sehr auch die Religion des Atheismus, die Wissenschaft, sich sträubte, und nach Erklärungen suchte, musste sie sich doch schließlich geschlagen geben. Wie sollten ihre Anhänger auch das Gegenteil von etwas beweisen, das sie in sich selbst ständig stärker werden spürten. ...Der Schöpfer war auf dem Weg.
Gott kam zu den Menschen? Nein, dass konnte ja wohl nicht sein, Gott war doch allmächtig, und er war immer da und zu jeder Zeit, also einigte man sich, dass das Wachsen des Bewusstseins nicht mit einem Näherkommen im eigentlichen Sinne zu vergleichen war, sondern mit einer Übergangsphase. Eine langsame Vorbereitung der Menschen auf Gottes erscheinen auf Erden.
Die Menschen wurden langsam nervös, denn auch wenn das Bewusstsein gut war, so änderte es doch die Menschen nicht, und auch wenn Gott auf dem Weg zu den Menschen war, so war er doch noch nicht hier, und niemand wusste, was sie erwarten sollten.
War es eine Frist? Doch was war zu tun in dieser Frist? die Menschen waren verunsichert, und auch wenn die Religionen verfallen waren, begannen sie nun ihn ihren Ruinen zu stöbern...
Was erwartete Gott von den Menschen?
Er gab ihnen eine Frist, eine Chance, wofür? .........Frieden? Natürlich, das war es, Heureka! Gott gab ihnen Gelegenheit, Frieden auf Erden zu schaffen. Nein! Besser noch, selbst gut zu werden. So wie sein Bewusstsein war.
So einfach war das!
Aber war es wirklich so einfach? Welcher Mensch würde denn von sich selbst jemals behaupten böse zu sein? Also waren wir doch schon alle gut, es war einfach Ansichtssache. Es mussten also Regeln her, die „gut“ definierten.
Wieder war aller Anfang nicht schwer: „was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“, danach richtete man sich.
Man leerte die Gefängnisse, die ehemaligen Sträflinge wurden in die Gesellschaft eingegliedert. Mit Erfolg, denn niemals zuvor hatten sich die Menschen mit soviel Einsatz darum gekümmert und auch die Entlassenen fühlten das Bewusstsein.
Nicht nur um die Gefängnisinsassen kümmerte man sich, auch um die Armen, die dritte Welt, eigentlich alle Benachteiligten wurden bedacht. Die Erde verwandelte sich in einen Hort des Friedens und der Freundlichkeit und Gott kam näher. Jeden kümmerte des anderen Schicksal, jeder sah die andere Seite.
Nachbarn umarmten sich und Staaten schlossen Frieden. Nicht nur Frieden, nein, man schaffte die Staaten ab, die Regierungen, die Waffen. Nichts davon wurde mehr gebraucht. Alle sollten gleich sein, die ganze Welt ein Ort der Freiheit, Glücklichseligkeit und Zufriedenheit für jeden.
Und was nur ein Jahr zuvor noch unmöglich schien, gelang. Das Bewusstein beflügelte alle. Keiner fühlte sich zurückgesetzt, es behandelte alle gleich, es war gut.
Rassismus, Mord, Krieg, Armut, Hunger, Verbrechen. Worte der Vergangenheit, bald würden sie vergessen sein. Es war schön mit Gottes Bewusstsein zu leben. Sie hatten es in sich aufgenommen, Gott konnte stolz auf sie sein. Man war bereit ihn zu empfangen.
Und schließlich war der Zeitpunkt gekommen da Gott vollständig anwesend war. Nichts änderte sich auf der Erde, keine Erdbeben, keine Finsternis, keine Erscheinungen, Visionen oder Wunder. Doch er war hier, jeder konnte es fühlen. Die Menschheit hielt den Atem an als er zu ihnen sprach:
Ich bin der Schöpfer. Ich bin der Beginn. Ich bin der, der immer war. Ich bin der Wille , der Raum, Zeit und Materie erschuf. Ich erschuf Galaxien und Sternennebel, ich erschuf Leben.
Doch euch habe ich nicht erschaffen.
Deshalb bin ich gekommen, aus Neugier, um euch zu fragen: Wer seid ihr? Woher kommt ihr?
Ich kenne euch nicht.
Für eine volle Minute war die Menschheit sprachlos, überwältigt von den Worten des Schöpfers.
Nein..., nicht ihres Schöpfers... Er kannte sie nicht? Aber er hatte doch alles erschaffen. Was waren sie? Ein Abfallprodukt der Schöpfung? Hobelspäne die zufällig einen Stuhl bildeten? Ein Kuriosum? Wie eine Warze die wie ein Gesicht geformt war? Unzählige Gedanken wurden gedacht in dieser Minute, unzählige Meinungen formten sich. Und nach der sechzigsten Sekunde gab die Menschheit ihre Antwort.
Ein Sturm brach los, Wissenschaftler erklärten sämtliche Theorien über die Entstehung des Lebens, Priester erzählten von der Schöpfung, Menschen trugen aus Büchern vor, andere plapperten wirres Zeug.
Neue Glaubensrichtungen formten sich.
Die einen verfluchten den Schöpfer. Die anderen fielen vor ihm in den Staub.
In all dem Geschrei bemerkte niemand, wie das Bewusstsein sich angewidert entfernte. Erst als die Menschheit kurz innehielt um Atem zu holen, bemerkten sie, dass Gott gegangen war.
Sie waren wieder allein.