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Der Sauger
Unbemerkt schleiche ich mich in fremde Leben und stehle den Menschen ihren Lebenssaft. Ich mache keine Unterschiede. Egal ob arm oder reich, gebildet oder ungebildet (gerade die Gebildeten hinterlassen oft einen abgestandenen Nachgeschmack). Allerdings bevorzuge ich Alte und Kinder. Nicht weil sie einfachere Opfer wären - die wenigsten können sich mir entziehen - , sondern wegen ihrer Nähe zur Unsterblichkeit.
Manchmal, wenn ich ein besonders begehrenswertes Exemplar eingefangen habe, zische ich zufrieden in mich hinein, wenn ich es mir genüßlich einverleibe. In Zeiten des Krieges lassen mich Kälte und Blutleere oft frösteln. Manchmal wache ich schweißgebadet auf und horche, ob sich nicht vor meinem Haus eine Menschenmenge zusammengerottet hat, um ihr Wertvollstes zurückzufordern.
In meiner Jugend hatte ich oft das Gefühl zu verhungern. Ein anderer meines Geschlechts lehrte mich dann, mich aus mir selbst zu ernähren, so ist meine Sammelleidenschaft reiner Luxus. Es liegt in meiner Natur. Es geht mir wirklich mehr um den Besitz, als um den Nutzen durch wirklichen Gebrauch. Manchmal nippe ich ein bißchen hier und ein bißchen dort, um festzustellen, daß ich noch lebe. Selten, ganz selten, wenn ich das Gefühl habe ein Vielfaches von dem Gegebenen zurückzubekommen, sähe ich einige der Gedanken wieder aus. Mmmmmmh, immer weiter saugen und Gedanken rauben.