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Der Postdienst ist unzuverlässig
Der Postdienst ist unzuverlässig.
( 12.06.03 )
Morgen beginnt in Bad Arolsen der „Hessentag“. Zehn Tage Volksfest, Openair Konzerte, Theater, Umzüge, Rummelplatz, Wirtschaftsschau. Die Suche nach einem Parkplatz vor dem „Kaufhaus Konze“, in dem sich die Postabfertigung befindet, ist schwierig. Der Ort ist voller Menschen, die rasch noch Besorgungen machen, denn morgen wird die Innenstadt nur für Fußgänger geöffnet sein.
Ich betrete das Kaufhaus und fädele mich durch die Theken mit Kaugummi, Zigaretten und Zeitschriften zum Postschalter an der Rückwand des Erdgeschosses. Beim Näherkommen stelle ich erfreut fest, dass die Schlange vor der Post nur aus drei Personen besteht. Eine der beiden Annahmestellen ist nicht besetzt.
Gleichzeitig mit mir nähert sich von der anderen Seite der Kaufhausetage ein schätzungsweise acht Jahre altes Mädchen dem Postschalter. Sie hält einen unfrankierten Brief demonstrativ in die Höhe und macht einen sehr selbstbewussten Eindruck. Als wir gleichzeitig an der Posttheke eintreffen, blickt sie mich misstrauisch an und stellt sich ohne zu zögern vor mir in die Schlange. Nach kurzer Wartezeit erscheint die zweite Postangestelle aus dem Hintergrund und nimmt ihren Posten wieder ein. Meine kleine Konkurrentin entscheidet sich den Platz zu wechseln, tritt an den wieder besetzten Serviceplatz und übergibt ihren Brief samt dem Portobetrag. Die freundliche Bedienstete beklebt ihn mit einer Marke und wirft ihn neben sich nach unten in einen nicht sichtbaren Behälter. Die Transaktionen des Mannes, der vor mir steht, scheinen noch länger zu dauern. Ich wechsele daher auf den nun freigewordenen Platz des kleinen Mädchens.
Ein Päckchen, drei verschieden schwere Briefe und eine Büchersendung nehmen zum Frankieren einige Zeit in Anspruch. Ich bedanke mich bei der jungen Frau hinter dem Schalter für den Service des Markenklebens und zahle meine Euro.
Als ich mich verabschieden will, eilt eine beleibte Frau herbei und drängt sich vor mich an den Schalter. Mit vor Aufregung hochrotem Gesicht sprudelt sie heraus:
„ War hier heute ein Kind, das einen Brief abgegeben hat?“
„ Hier waren heute mehrere. Worum geht es denn?“ antwortet die Postangestellte.
„ Hier war gerade ein Mädchen in einem weißen Kleidchen“ mische ich mich ins Gespräch ein.
„ Ja, ja. Das war meine Tochter. Es ist unerhört, sie haben den Brief weggeworfen!“ wendet sich die Frau an die Postangestellte. Sie zittert vor Wut.
„Wir werfen keine Briefe weg“. erwidert die Angestellte freundlich und stimmt dann in das herzliche Gelächter aller Umstehenden ein.
Die Frau dreht sich brüsk herum und geht.