Der letzte Zug?
Der letzte Zug?
„Nennt mir nur einen vernünftigen Grund, der das Rauchen rechtfertigt.“
Dieser Satz meines Lehrers, der bei einer Klassendiskussion fiel, kehrt immer wieder zurück in mein Gedächtnis. Einen vernünftigen Grund. Wir fanden damals keinen, den er, damals noch selbst Raucher, nicht niederschmettern konnte.
Ich sitze auf einer Bank am Wanderweg, schaue in meine Zigarettenschachtel.
Eine ist noch drin.
Die letzte?
Wäre es nicht toll, nach Hause zu gehen, ohne die Angst, von meiner Mutter so vorwurfsvoll angesehen zu werden? Ich hätte wieder genug Geld, könnte endlich einmal für etwas Sinnvolles sparen.
Ich schaue auf meine Zigarette. Die letzte Zigarette?
Ich müsste kein Gras mehr zwischen den Fingern zerreiben, damit sie nicht mehr stinken, müsste keine Mentholbonbons kauen, nicht mehr denken, meine Mutter nimmt mich nur in den Arm, um mich zu überprüfen.
Morgen werde ich Operiert. Es wäre eine tolle Gelegenheit. Ein letzter Versuch.
Ich schaue diese Zigarette lange an, bevor ich sie aus der Schachtel nehme.
Dann stecke ich sie mir an. Mein Feuerzeug könnte zum letzten mal eine Zigarette in meinem Mund anstecken. Kein extremer Mundgeruch mehr, wenn ich aufwache, kein Drang, schnell von zuhause wegzufahren, um die erste anstecken zu können.
Nie wieder die Zeit nachrechnen, ob niemand im Haus ist, wenn ich komme und nicht mehr meiner Mutter aus dem Weg, schnell in die Dusche rennen, wenn ich sie doch antreffe.
So viele Gedanken. Schon zu oft so viele Gedanken. Warum kann ich nicht aufhören?
Die Zigarette glimmt auf. Ich halte den Rauch zurück, bevor ich ihn sanft aus meinem Mund puste, genieße diese letzten, intensiven Züge. Das weiße Ende des Filters färbt sich dunkelbraun.
Ein letzter Zug, das letzte Mal die Zigarette zum Mund führen. Der Rauch entweicht durch die Nase. Zum letzten mal werfe ich eine Zigarette vor mich und trete sie aus.
Zum letzten Mal?
Der Geschmack im Mund ist doch eigentlich gar nicht so schlimm. Zum letzten Mal!
Ich will nicht mehr.
Und was ist später? In der Realität sehe ich meine Freunde, die mir eine Zigarette anbieten. In zwei Wochen fahren wir gemeinsam nach Dänemark. Habe ich die Kraft abzulehnen? Sollte ich nicht die Situation ausnutzen – alleine, ohne Eltern? Dann kann ich mir doch ein paar Schachteln gönnen! Was ist auf dem Abschlussball?
Ich gehe nach Hause. Natürlich ist niemand da. Erst mal ab unter die Dusche. Ich wasche den Rauch von mir ab.
Das letzte mal.
Das letzte mal?