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Der Kuchen - Eine Familiengeschichte

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18.05.2003
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Der Kuchen - Eine Familiengeschichte

Diese kurze Geschichte, deren Niederschreibung ein Versuch ist, den ich unternehme, während in dem beinahe dunklen Zimmer, in dem ich sitze, in einer angemessenen Lautstärke halb-klassische, halb-rockige Epen ihren Weg in mein Ohr suchen. Diese kurze Geschichte ist an und für sich eine wertlose Geschichte. Sie lebt und atmet nur dadurch, dass sie eine tiefere Bedeutung hat. Diese Geschichte ist ein Bild. Ein Bild, dessen Leinwand zwar für jeden sichtbar ist, dessen Farben für jeden leuchten, doch nur für wenige Personen ergibt diese Mischung der Farben ein Bild, in dem sie sich wiederfinden, in dem sie einen Sinn erkennen können. Für den Rest wird es eine Leinwand mit einer undefinierbaren, zwar hübschen, aber eben doch sinnlosen Farb- und Formmischung bleiben. Das Bild wird sich ihnen nicht öffnen.

Die Geschichte handelt von einem kleinen Jungen, der Name spielt hierbei keine Rolle, daher nennen wir ihn einfach „Junge“, der sein neuntes Lebensjahr durchlebt und nun kurz vor seinem Geburtstag steht. Genaugenommen sind es noch zwei Tage bis dahin, oder wie er es nennt: „Noch zweimal schlafen, dann bin ich viel älter." Seine Eltern waren außer Haus an diesem Nachmittag des Donnerstags vor seinem Geburtstag. Es war ein großes Haus, in dem sie lebten. Ein schönes Haus. Er fühlte sich wohl dort, hatte zwei Zimmer. Eines zum Schlafen, und das andere zum Spielen und lesen. Er las sehr gerne. Er war so stolz, dass er für sein gutes Schuljahreszeugnis eine Sammlung von Karl-May-Bänden bekommen hatte. Er las jeden Abend. Heute aber, heute war ihm nicht nach lesen. Er hatte etwas Wichtigeres geplant.

Der Junge hatte in einem seiner Bücher gelesen (kindliche Naivität kämpfte in ihm mit einem gewissen, sich heranbildenden Intellekt), dass man zum Geburtstag Kuchen bekommt. Seine Mutter hatte eine Aversion gegen das Backen. Keiner konnte sich erklären, woran es lag. So hatte es zum Geburtstag immer nur Plätzchen gegeben, die man im Supermarkt kaufen konnte und Torten einer bekannten deutschen Massenkonditorei. Nun, endlich, wollte er einen „echten“ Kuchen haben. Und da seine Mutter, keinen Kuchen backen würde, dessen war er sich sicher, musste er es wohl selber tun. Er vermutete, dass es ein „Kindheitstrauma“ war, von so etwas hatte er in einem Krimi mal gelesen.

In der Bibliothek seiner Stadt, es war für ihn kein weiter Weg dorthin, hatte er sich ein Back-Buch ausgeliehen. Er suchte den Kuchen nach dem Foto aus, schließlich kannte er kaum welche, so dass er nicht hätte sagen können, welcher nun gut schmeckt und welcher nicht. Leider war genau der Kuchen, den er backen wollte von einem der Ausleihenden vor ihm gebacken worden und ein großer Fleck zog sich quer über die Zutatenliste und die Backanleitung. Er aber wusste, dass er nur diesen Kuchen backen wollte. So ging er in den Supermarkt und kaufte Zutaten, von denen er annahm, dass er sie dort unter dem Fleck erwähnt waren.

Als er wieder zu Hause war und die Zutaten in einer für ihn sinnvoll klingenden Zusammenstellung in die Küchenmaschine füllte und diese erst einmal im ersten, sehr langsamen Modus anstellte, da überlegte er, ob der Kuchen wohl schmecken würde und ob, und wenn ja was, seine Eltern und die zu Besuch kommenden Verwandten wohl dazu sagten. Vor allem wegen Onkel Richard machte der Junge sich Sorgen. Er war so direkt in seinen Äußerungen, dass er immer wieder von seiner Ehefrau einen Klaps auf den Schenkel bekam, wenn Richard bei einem familiären Treffen seine Meinung einmal mehr ungefragt verbreitete.

Gut zu erkennen war die Backzeit, das stimme ihn froh. Als er nun den Teig in eine Form füllte, die mit der Kuchenform auf dem Foto, welches übrigens fleckenfrei geblieben war, übereinstimmte und den Ofen aufs Geratewohl vorheizte, da dachte er, dass ihm eigentlich keiner etwas könne. Er sei schließlich noch ein Kind, welches sich für sein Alter, ziemlich tapfer geschlagen habe.

Nach der von ihm geschätzten Dauer der Backzeit des Kuchens, auch diese war auf dem Blatt beim besten Willen nicht mehr zu erkennen, holte er den Kuchen raus und versuchte ihn aus der Form auf ein Rost zu bringen. Es gelang ihm gut, wie er fand. Dieses Rost stellte er in sein Zimmer, in eine Ecke, die von niemandem einzusehen war, der nur flüchtig in dieses Reich kam. Und das taten die meisten. Er deckte es mit einem Handtuch ab und räumte die Küche auf. Sie war sauberer als vor dem Backen, grinste er. Er versuchte mit allerlei Tricks den Normalzustand herzustellen. Seiner Meinung nach, sah alles sehr gestellt aus. Wie in diesen Soap-Operas, die seine große Schwester immer sah.

Er war zufrieden und legte sich in sein Bett. Es war schon dunkel draußen und es wartete ein Abenteuer von Winnetou und seinem Blutsbruder auf ihn. Er nahm sich vor am nächsten Tage im Wald das Anschleichen zu üben und genau zu horchen, ob es ihm gelänge, lautlos über den Waldboden zu laufen. Er freute sich darauf. Bevor er aber das Buch lesen konnte, übermannte ihn der Schlaf und nahm ihn mit in das Reich des Traumes. Was er träumte, das wusste er am nächsten Tag nicht mehr. So kam er – wie erwartet – doch nicht mehr zum Lesen.

Niemand sprach ihn darauf an, wie es in der Küche aussah. Für seine Eltern war es wohl der Status Quo und seine Schwester betrat nur in Notfällen die Küche und dann auch nur den Bereich der Mikrowelle. Hatte sie wohl etwas von ihrer Mutter geerbt und weiter ausgebildet, dachte er manchmal, wenn er sich darüber aufregte, dass sie sich weigerte mitzuhelfen beim Aufräumen.

Der Tag vor seinem Geburtstag verging wie im Flug. Er ging zur Schule und verlebte einen normalen Schultag, er kam nach Hause, aß zu Mittag, sagte seiner Mutter, dass er keine Hausaufgaben zu erledigen hätte und rannte ihn den Wald. Er übte bis zum späten Nachmittag das Anschleichen. Es klappte sehr gut und er ging zufrieden wieder nach Hause. Der Abend verlief wie gewohnt. Seine Eltern schauten fern im Wohnzimmer, seine Schwester tat selbiges in ihrem Zimmer. Er schaute nur nach dem Kuchen, welcher gut aussah. „Fast wie auf dem Foto!“, dachte der Junge.

Dann endlich, nach einer weiteren Nacht im Reich der Träume, nach einem weiteren Schultag war der große Tag endlich da. Seine Verwandten beschenkten ihn, seine Eltern waren so stolz und alle tratschten und tranken. Als nun endlich das Kuchentischlein gedeckt war und sich langsam alle um dieses Tischlein herum einfanden, um ihren Teller mit Plätzchen und Fertig-Torte zu füllen und sich anschließend auf ihre Plätze zu setzen und die Torte zu loben, da sprang er auf von seinem Platz, erkämpfte sich seinen Weg durch die Menschenmenge und raste die Treppe hinauf in sein Zimmer. Er holte den Kuchen und stellte ihn, nachdem er ein wenig Platz freigeräumt hatte unter etwas verwunderten Blicken der anwesenden Gäste in die Mitte des Buffets. Er holte noch ein Messer, damit er diesen Kuchen in Stücke schneiden konnte. Er teilte den Kuchen, seine Verwandten standen immer noch etwas verwirrt umher, und brachte das Messer wieder in die Küche. Dann nahm er sich ein Stück seines (in Gedanken betonte er dieses Wort immer und immer wieder) Kuchens, packte etwas Sahne darauf und setzte sich auf die Couch. Er aß. Es schmeckte ihm. Nach und nach nahmen auch seine Verwandten diesen Kuchen. Zuerst sein Cousin, der vier Jahre älter war als er, danach seine Oma und ganz zum Schluss sogar Onkel Richard. Ob seine Mutter ein Stück genommen hatte, das bekam er nicht mit. Es war ein tolles Gefühl Kuchen zu essen und er erinnerte sich daran, wie er einmal, vor längerer Zeit bei einem Freund einen Marmorkuchen aß und wie sehr er sich in einem solchen Moment ärgerte, dass seine Mutter niemals einen solchen Kuchen backen würde. Er schmeckte den Kuchen und fühlte sich gut.

Das ganz besondere an diesen Moment war, dass alle, wirklich alle anwesenden Personen in diesem Raum für einen Moment die Sprache vergaßen. Sie konnten oder wollten nichts sagen. Alle saßen in einem Kreis um den Wohnzimmertisch und bissen in den Kuchen, den der Junge, das vermuteten die Verwandten, wohl allein gebacken hatte und sie genossen den Geschmack dieses Kuchens. Für einen Moment war es wirklich ruhig und eine Familie wuchs zusammen. Der Junge bemerkte dieses Gefühl, diesen Moment. Er sah in die Gesichter seiner Verwandten, er sah auf ihre Teller, in ihre Augen und auf den Tisch, auf dem seine Geschenke lagen. Er sah das alles und er musste grinsen, oder vielmehr lächeln. Grinsend, oder vielmehr lächelnd biss er in seinen Kuchen und wischte sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand ein paar Krümel von der Oberlippe ... Seine Gedanken drehten sich um das, was er mit diesem Kuchen geschafft hatte. Vielleicht, so hoffte er, hielt dieses Band, was in gerade diesem Moment seine Familie zusammenhielt, länger, als der Kuchen es tun würde. Dieser Gedanke an den Kuchen und die Hoffnung, die in ihm aufkeimte, ließen ihn immer stärker lächeln.

 

Diese Geschichte ist einer besonderen Person gewidmet. Vielleicht versteht ihr sie wirklich nicht, vielleicht aber können einige von euch in dieser Geschichte etwas erkennen, auf ihr Leben übertragen, wie auch ich es getan habe und noch immer tue.

Für Hinweise auf Rechtschreibungs- oder Grammatikfehler bin ich dankbar, aus Fehlern lernt man schließlich. Auch Vorschläge, was Satzänderungen oder Wortverbesserungen angeht, bin ich nicht abgeneigt. Lieb wäre es mir jedoch, wenn diese Fehlerkorrekturen nicht die Kritiken dominieren würden, sondern vielmehr der persönliche Eindruck die Hauptrolle spielt.

Lieber Gruß,
dmst

 

hi dmst,

das ziel ist diese familienbande. ein akzeptierender onkel richard und der rest wohlwollender familienmitglieder.

aber leider: mir hat sich das bild nicht geöffnet.
die gesamte geschichte ist trotz hauptteils solidem erzählstils (für mich) langweilig und wenig unterhaltsam. die intention bleibt ziemlich vernebelt.

sorry

barde

„Noch zweimal schlafen, dann bin ich ein alter Mensch.“

das sagt er??? "dann bin ich gross" würde eher nach einem kind klingen.

die man im Supermarkt kaufen konnte und Torten einer bekannten deutschen Massenkonditorei.

hinter "bekannten" ein komma


von denen er glaubte, dass er sie dort unter dem Fleck zu erkennen glaubte.

"glaubte" ist hier unschön doppelt. das erste "glaubte" könnte man mit "vermutete" ersetzen.

Zu erkennen war die Backzeit, das stimme ihn froh.

komische sprache!

Zu erkennen war die Backzeit, das stimme ihn froh. Als er nun den Teig in eine Form füllte, die mit der Kuchenform auf dem Foto, welches übrigens gut zu erkennen war,

"zu erkennen" ist doppelt

 

Ja, das Bild welches dahintersteht ist ziemlich vernebelt. Aber ich wollte erstmal Stück für Stück die alten Geschichten hier veröffentlichen, bevor ich mich ans Schreiben neuer Geschichten mache.

Ich schrieb die Geschichte, als ich großen Streit mit meiner besten Freundin hatte. Sie hat - interessanterweise - das Bild sofort verstanden. Ahm... Erklären möchte ich es aber nicht.

Für die Fehlerkorrektur danke ich, die Fehler werden beseitigt. Du wirst sehen :)

 

Leider erschließt sich auch mir das Bild nicht so ganz, vielleicht habe ich eine Ahnung, aber mehr ist es auch nicht.
Aber ein paar Bemerkungen muss ich - auch wenn Du sie nicht im Vordergrund wolltest - doch loswerden.

"Diese kurze Geschichte, deren Niederschreibung ein Versuch ist, den ich unternehme, während in dem beinahe dunklen Zimmer, in dem ich sitze, in einer angemessenen Lautstärke halb-klassische, halb-rockige Epen ihren Weg in mein Ohr suchen."
Bei diesem Satz fehlt mir leider der Schluss, er ist nicht vollständig. Verbinde ihn durch ein Komma mit dem zweiten Satz, dann hört sich das gleich ganz anders an.

"Er hatte etwas Wichtigeres zu geplant"
Abgesehen vom fehlenden Punkt ist hier ein "zu" zuviel.

Du solltest keine Einfügungen in Klammern setzen, besser zwischen zwei Gedankenstriche.

"... dass er immer wieder von seiner Ehefrau einen Klaps auf den Schenkel bekam, wenn dieser bei einem familiären Treffen seine Meinung einmal mehr ungefragt verbreitete."
Wer? Der Schenkel?

Die Geschichte ist recht flüssig geschrieben, wenn auch noch einige Kommafehler vorhanden sind, und hinterlässt bei mir den Eindruck, dass Du durchaus fesselnde Geschichten schreiben könntest, mit anderen Themen - nur eben diese Erzählung kann ich leider nicht als solche bezeichnen.

@ Barde:
Zitat:
--------------------------------------------------------------------------------
die man im Supermarkt kaufen konnte und Torten einer bekannten deutschen Massenkonditorei.
--------------------------------------------------------------------------------
Andieser Stelle wäre ein Komma falsch - man setzt es dann, wenn an seiner Stelle auch ein "und" gesetzt werden könnte.
"eine bekannte und deutsche Massenkonditorei" würde etwas merkwürdig klingen!

 

Vielen Dank Aragorn für deine Korrekturen und deine Meinung. Dein Kompliment ob meines Schreibstils ist nett :)

Würdest du mir von dieser Ahnung berichten? Es würde mich sehr interessieren.

Einfügungen in Klammern oder Gedankenstriche ... ist der Unterschied so groß? Ich mache es mal so, mal so. Die Klammermthode sieht man bei Dostojewski sehr häufig und meiner Meinung nach ist es dem Lesefluss nicht abträglich. Was denkst du?

Der Fehler mit dem 'zu' und dem fehlenden Punkt ergab sich aus einer Satzkorrektur die ganz offensichtlich von mir nur halbherzig durchgeführt wurde.

 

Klammern empfinde ich deshalb als störend, da sie den Lesefluss hemmen. Es entseht bei mir der Eindruck, als würde der Inhalt der Klammern nicht zur eigentlichen Geschichte gehören. Einen Quellenverweis, eine Anmerkung der Redaktion oder eine Begriffserklärung gehört in Klammern, wenn sie nicht in eine Fußnote verbannt sind.

Solche Fehler bei Satzkorrekturen unterlaufen auch mir. Ganz hilfreich ist, wenn Du Dir die Geschichte laut vorliest - dann stolperst Du über solche übersehenen Fehler.

Auf Deine Frage nach meinem aus dieser Geschichte entstandenen Gesamtbild werde ich Dir in einer PM antworten, das würde hier zu umfangreich werden.

Aragorn

 

"eine bekannte und deutsche Massenkonditorei" würde etwas merkwürdig klingen!

ja, das würde in der tat merkwürdig klingen, und es wäre auch falsch. nur ... das steht so auch gar nicht im text.

"Torten einer bekannten Konditorei"
"Torten einer deutschen Konditorei"
>>
"Torten aus einer bekannten und deutschen Konditorei"

2 voneinander unabhängige adjektive (man achte auf die endungen), die sich auf "Massenkonditorei" beziehen.

die man im Supermarkt kaufen konnte und Torten einer bekannten deutschen Massenkonditorei.

die variante ohne komma wäre:

"Torten einer bekannt deutschen Konditorei"

ich gebe aber zu, dass ich auch erst länger darüber nachdenken musste.

 

Das stimmt so nicht:
Wenn da stünde "Torten einer großen, erfolgreichen Konditorei", dann muss ein Komma hin, denn es ließe sich durch ein "und" ersetzen.

Frag mich nicht, warum es so ist, aber das Komma ist fehl am Platz, wenn man kein "und" setzen kann.

 

Mir leuchtet Aragorns These ein. Ich kenne diese Kommatasetzungsregel zwar nicht, aber das bedeutet nichts. Sie erscheint mir jedenfalls logisch und sinnig.

 

Hallo dmst!
ich werde mich mit Kritik zurueckhalten, jemand, der selbst noch nichts veroeffentlicht hat, hat kein Recht sich bei anderen zu beschweren. Der Gedanke deiner Geschichte hat mir sehr gut gefallen, ich trage mit mir zwar kein Bild, aber einen Eindruck, ein Gefuehl verstanden zu haben davon. Ich muss zugeben, leicht zugaenglich war der Text nicht. Persoenlich haette ich ihn wohl im Praesens geschrieben. Das wirkt meiner Meinung nach bei Texten, in denen die Personen Namen- und gesichtslos bleiben (eine Sache, die mir sehr gefaellt), direkter und erleichtert den Zugang fuer den Leser. Die Charakterisierung des Jungen ist echt klasse. Ich mag den Text und hoffe noch viel von dir zu lesen!
Wika

 

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