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Der Jüngling

Beitritt
25.04.2012
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Der Jüngling

Noch ganz verschlafen rieb er sich den letzten Traum aus den Augen. Seine Glieder schmerzten, wohl, weil er zu lange auf der durchgelegenen Matratze gelegen hatte. Sein Zimmer, wenn man dieses Loch als etwas in dieser Art definieren konnte, roch nach Schweiss, Urin und einem nicht definierbaren Küchengeruch. Sein neuer Kollege, dessen Schlafstelle ihm gegenüber lag, war diese Nacht wohl anderweitig untergekommen. Schon seit mehr als einer Woche, vielleicht auch länger, hatte sein Körper kein Wasser mehr gesehen! Wenigstens die Zähne putzte er jeden Tag an der Regenrinne. Die Borsten seiner Zahnbürste guckten in alle erdenklichen Richtungen und die Zahnpaste neigte sich langsam dem Ende zu, aber darauf würde er immer achten, seine Zähne blieben eine Verbindung zu seiner Vergangenheit.

Ein schwarzer Käfer krabbelte in Richtung seines Gesichtsfeldes, als ihn kurz ein Sonnenstrahl traf, der durch das kleine, verschmutzte und einzige Fenster fiel, leuchteten seine Flügel in einem wunderschönen Blauton. Henrik drehte sich langsam auf die Seite, packte eine der herumliegenden Nadeln, und spiesste den Käfer buchstäblich auf. Er fand seinen Platz an der Wand neben seinem Bett, wo schon verschiedene andere Insekten ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Mit der Zeit würde ein interessantes Bild entstehen, davon war Henrik überzeugt. Schade waren die Flöhe zu klein und flink, um das Bild an der Wand schneller fertig zu stellen. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, das war Henrik natürlich klar, aber die Zeit die ihm noch blieb, würde er nutzen. Die Stichstellen der Flöhe, die über seinen ganzen Körper verteilt waren, interessierten ihn kaum noch. Natürlich juckte es ab und zu, aber der Mensch war ja anpassungsfähig. Viel mehr störte ihn der eiternde Furunkel im Nacken. Mehrmals hatte er versucht ihm an den Kragen zu gehen, mit Nadeln war er ja gut ausgerüstet, doch die Stelle war schwer zu erreichen, was die Sache nicht gerade einfach machte. In letzter Zeit hatten sich neue Herde gebildet, was ihn nicht sonderlich erfreute, aber auch nicht aus dem Gleichgewicht brachte. Henrik nahm sein Leben von der coolen Seite. Das hatte er immer getan und er würde auch bei seinem Motto bleiben. Was den Furunkel betraf, belastete ihn mehr der Geruch des Eiters, der auch seiner Nase nicht immer genehm war, aber vielleicht würde er sich auch daran gewöhnen.
Die ganze letzte Woche hatte er sich vorgenommen, nächste Woche einen Versuch Richtung Arbeitssuche zu unternehmen. Heute war Montag und die Woche neu gestartet, also blieb ihm noch genug Zeit sich auf etwelche Arbeitstage einzugewöhnen. Henrik drehte sich auf den Bauch, zog sich seine Decke bis über beide Ohren, und liess seinen Gedanken freien Lauf.

Gestört durch das Knurren seines Magens, entschloss er sich Stunden später doch noch seine Schlafstelle zu verlassen. Irgendwo musste noch ein alter Landjäger rumliegen. Unter einem Haufen Abfall und stinkenden Klamotten wurde er nach einiger Suche tatsächlich fündig. Ein bisschen Schimmel hatte der Jäger schon angesetzt, doch sein Magen würde dagegen bestimmt nicht rebellieren, er war anderes gewohnt. Henrik fischte sich unter den zerstreuten Kleidern etwas raus und zog sich langsam an. Jetzt holte er die Zahnbürste, drückte sachte auf die Tube, um ja keine Paste zu verschwenden. An der Regenrinne machte er sich an sein tägliches Ritual. Fünf Minuten wurde gebürstet, gegurgelt und geputzt. In einer Spiegelscherbe betrachtete er anschliessend sein Gebiss: strahlend weiss, wunderschön gegliedert, von Karies keine Spur und alle vier Weisheitszähne genau an ihrem Platz. Das grenzte nach all den Jahren an der Nadel an ein Wunder, aber seine guten Gene blieben ihm ein Leben lang erhalten und die intensive Pflege tat das seine dazu.

Kurz darauf verliess er, seinen grauen alten Hut schräg ins Gesicht gezogen, die Querflöte unter den Arm geklemmt, sein Zimmer Richtung Stadtzentrum. An seinem Stammplatz bei der alten Laterne, kurz vor dem Parkeingang, setzte er sich, den Rücken an die Laterne gelehnt, auf den Boden. Er gehörte zum Stadtbild wie die alte Laterne. Man liess ihn gewähren, da seine Musik die Menschen verzauberte. Vereinzelte kannte er vom Sehen, manchmal warteten sie sogar bereits auf sein Erscheinen. Zu seinem Glück besuchten viele Ausländer die Parkanlage, sie waren es auch, die ihn finanziell knapp über Wasser hielten.

Henrik hatte gerade mal zehn Minuten gespielt, als sich ihm eine Dame näherte. Sie war wirklich und wahrhaftig eine Dame, das konnte Henrik gut einschätzen, denn seine Kindheit konnte er nicht verleugnen, vielleicht versuchen zu vergessen, aber niemals verleugnen. Langsam erhob er sich, still abwartend, was da auf ihn zu kommen würde. Die Dame schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln und warum auch immer, Henrik schenkte ihr sein schönstes zurück. Niemals würde er ihre eigenartige Reaktion vergessen: möglicherweise Verwirrtheit, fast einer Ekstase gleich, animalische Freude, Besitzanspruch? Henrik beeilte sich sein Lächeln zurückzunehmen! Die Dame ihrerseits fand zu ihrer
Würde zurück.
Die nächsten Tage, wenn er denn da war, wartete die Dame immer an der gleichen Stelle. Es schien ihm, dass sie sich für seine Person interessierte, nicht etwa für die Musik wie die andern Leute. Warum wohl? Das konnte Henrik definitiv nicht beantworten. Eigenartigerweise verunsicherte es ihn auch ein bisschen, was ihm gar nicht gefiel. Möglicherweise sollte er einmal ein persönliches Wort an sie richten oder sie gar fragen, warum sie ihn immer so eingehend betrachte. Doch er schob diese Gedanken sogleich beiseite, wie so vieles in seinem Leben. Zu viel studieren tat der Seele und auch dem Körper nicht gut, da ja beides zusammengehörte, und das Eine auf das Andere reagierte.

Als die Situation nach zwei Wochen immer noch die gleiche war wie an dem Tag als sie begann, gab sich Henrik einen Ruck. Er hatte sich auf diesen Tag vorbereitet. Die Wahl seiner Kleider fiel auf ein kariertes Hemd und Jeans. Alles, inklusive Unterhosen und Socken, hatte er zwei Tage zuvor ausgewaschen und an der Sonne trocknen lassen. Er kaufte sich einen Kessel, füllte ihn an einem nahen Brunnen und wusch sich von oben bis unten. Zum Schluss bürstete er seine Zähne wie noch nie zuvor in seinem Leben und jetzt war er bereit, der Dame gegenüberzutreten.

Er erreichte die Laterne gutgelaunt, setzte sich auf den Boden und begann zu spielen. Lange brauchte er nicht zu warten, denn schon nach den ersten Tönen erschien sie wie immer, hielt an der gleichen Stelle halt und betrachtete ihn oder vielmehr nahm ihn ganz in sich auf.
Henrik legte die Flöte beiseite, erhob sich, und näherte sich langsam in Richtung der Dame. Einen Fuss vor ihr blieb er stehen, schaute ihr gerade ins Gesicht und fragte: < gnädige Frau, darf ich Ihnen in irgendeiner Weise helfen? > Die Dame nickte nur mit dem Kopf, schenkte ihm ein Lächeln und gab ihm ein Zeichen ihr zu folgen. Das tat Henrik dann auch.

Der Weg führte sie der Stadtmauer entlang Richtung Osten. Henrik ging immer ein paar Schritte hinter der Dame. Sie schien es eilig zu haben, drehte sich aber nie nach ihm um. Sie verliessen das Stadtzentrum und kamen in eine Gegend, die Henrik völlig unbekannt war. Einfamilienhäuser reihten sich, umgeben von schmucken Gärten, eins ums andere der Strasse entlang. Die Häuser hatten alle den gleichen Stil. Langweilig fand Henrik. Die Dame schien keinen Blick dafür zu haben. Weiter und weiter schritt sie dahin, bis sie einen bewaldeten Hügel erreichten. Von dort ging es noch etwa 5 Minuten einen schmalen steilen Waldweg entlang, bis sie plötzlich vor einem schmideisernen Tor anhielt. Dahinter eröffnete sich Henriks Blick ein verzauberter Garten. Ein Kiesweg, umzäumt von grünem saftigem Farn, beidseits wild wachsende Blumenwiesen und am Ende des Weges ein Haus, so gross und doch so anmutig sich an den Hügel schmiegend, wie wenn es schon immer dagewesen.

Langsam, und doch wie von Geisterhand, öffnete sich die Türe und ein Mann, in etwa in seinem Alter, trat über die Schwelle. Henrik stockte der Atem. Noch nie war ihm ein schönerer Mensch über den Weg gelaufen. Sein Körper war makellos, adonisgleich. Seine Gesichtszüge einem Elfengott gleich und doch so markant und ausdrucksvoll. Seine meerblauen Augen strahlten Intelligenz und Liebe aus. Sein Haar leuchtete honiggelb und ringelte sich um seine anmutigen Gesichtszüge.
Henrik schien wie geblendet, konnte sich nicht satt sehen, er glaubte sich in einem Traum, aus dem er sicher bald aufwachen würde. Dann, ganz zaghaft, öffnete er seine Lippen und schenkte diesem märchenhaften Wesen ein Lächeln. Der Mann tat es ihm gleich und Henrik erstarrte.

In diesem Augenblick legte sich ihm eine warme Hand auf die Schulter und geleitete ihn ins Haus. Im Untergeschoss zeigte sie ihm den perfekt eingerichteten Operationssaal. Alles war bereit, man hatte nur auf ihn, respektive auf sein Gebiss gewartet. Das hochkarätige Team würde auf Abruf anwesend sein. Die Dame schlug ihm den kommenden Tag vor und er willigte ohne Wenn und Aber ein.

Diese Nacht verbrachte Henrik in einem exquisit eingerichteten Zimmer, ein Salon gehörte dazu, und das Badezimmer war zweimal grösser als seine Absteige. Er liess sich ein Bad einlaufen, fügte Rosmarin- und Thymianöl dazu und tauchte seinen malträtierten Körper in die wohlige Wärme. Ein Diener brachte ihm auf einem Silbertablett die herrlichsten Speisen. Natürlich konnte er nur wenig zu sich nehmen, da sein Magen sonst rebelliert hätte, nichtsdestotrotz liess Henrik es sich schmecken. Ein seidener Pyjama lag bereit für ihn und ein verschlossener Umschlag lag auf seinem Kissen. Henrik entschloss sich, ihn erst nach dem morgigen Tag zu öffnen. Schon bald legte er sich zur Ruhe und schlief auch sofort ein.

Vogelgezwitscher und die ersten zaghaften Sonnenstrahlen weckten ihn aus wirren Träumen. Langsam, ganz langsam erhob er sich, begab sich ins Bad, betrachtete im grossen goldenen Spiegel seine weissen ebenen Zähne und machte sich ein letztes Mal an sein Ritual. Diesmal brauchte er mit der Paste nicht zu sparen und die Zahnbürste war nigelnagelneu. Er spülte sich den Mund mit lauwarmem Wasser und drehte sich dann um, ohne noch einen Blick in den Spiegel zu werfen.

Die Dame wartete bereits, um ihn nach unten zu begleiten.
Das Team war schon emsig beschäftigt. In der Mitte des Saales standen zwei Liegen nebeneinander. Auf der einen lag der junge Mann in einem weissen Kittel. Auch ihm wurde einer gereicht und dann wurde er gebeten sich hinzulegen. Der junge Mann drehte sein Gesicht zu ihm und nickte ihm dankbar zu. Dann ging alles sehr schnell. Henrik erwachte erst Stunden später in einem kleinen Nebenraum. Mit seiner Zunge tastete er von rechts nach links und von links nach rechts. Es war tatsächlich keiner übrig geblieben. In diesem Moment betrat die Dame das Zimmer, öffnete ihre Hand, und darauf lagen die schwarzbraunen Stummelzähne ihres Sohnes.

Tage später setzte sich Henrik auf den Boden bei der alten Laterne. Es war weit nach Mitternacht und keine Menschenseele unterwegs. Henrik zog eine Spritze auf und setzte sie in seine linke Armkehle. Er hätte noch lange so weitermachen können, denn in dem Umschlag war nicht wenig Geld gesteckt. Doch Henrik hatte sich anders entschieden. Seine Zähne waren Vergangenheit und somit auch seine Kindheit. Er schaute gebannt zu den Sternen und dort entdeckte er einen Jüngling, schöner als jeder andere, und oh Freude, er schenkte ihm das schönste Lächeln, das Henrik je gesehen hatte!


von Christine Seebacher

 

Hallo Christine,

ich weiß nicht so recht, wie ich Deine Geschichte finde.

Sie ist nicht so ganz stimmig, finde ich. In der zweiten Hälfte vor allem. Es fällt schwer nachzuvollziehen, dass Henrik seine Zähne hergibt.
Sprachlich könntest einige kleine Mängel beseitigen (z. B. "es roch nach Küchengeruch" und "Sein Körper hatte kein Wasser gesehen"). Du hast vor allem in der ersten Hälfte viele Details beschrieben und damit ein lebendiges, z. T. leichten Ekel erregendes Bild gezeichnet. Stellenweise weitest Du das aber ein bisschen zu sehr aus.
Jannes

 

Hallo Christine,

herzlich willkommen hier!


Henrik ist eine interessante Figur. Ein arbeitsloser Fixer, der Passanten mit seiner Straßenmusik verzaubert. Er legt Wert auf den Erhalt seiner gepflegten Zähne, die für ihn ein Überbleibsel aus besseren Tagen sind. Solange er gesunde Zähne hat, bleiben diese guten Tage in seiner Erinnerung.
Eines Tages trifft er auf einen jungen Mann, strahlend und schön, wie er selbst einmal war, nur mit dem Makel schlechter Zähne behaftet. Henrik verkauft ihm seine Zähne. Von dem Geld setzt er sich den goldenen Schuss.

Die Dame, die Mutter des jungen Mannes, ist mir in ihrem Verhalten nicht gradlinig genug. Einerseits ist für die Operation alles vorbereitet, andererseits wartet sie, bis Henrik sie anspricht. Das sind zwei völlig unterschiedliche Verhaltensweisen (aktiv und passiv).

Warum der junge Mann unbedingt echte Zähne haben will, ist mir ein Rätsel. Gammeln die nicht recht schnell? Oder verbinden die sich mit Kiefer, Nerven und Blutversorgung? Hast du da was recherchiert?
Na, ja. Man kann die Zähne und die Transplantation auch als literarisches Symbol verstehen.

Eine Ungereimtheit habe ich noch gefunden:
Sie war wirklich und wahrhaftig eine Dame, das konnte Henrik gut einschätzen, denn seine Kindheit konnte er nicht verleugnen, vielleicht versuchen zu vergessen, aber niemals verleugnen.
Warum sollte er versuchen, seine Vergangenheit zu vergessen, obwohl er das Symbol besserer Tage, seine Zähne, täglich pflegt, um die letzte Verbindung nicht zu verlieren?

Die ersten Absätze schildern die näheren Lebensumstände und Eigenarten des Protagonisten. Das liest sich interessant, (die Käfer an der Wand find ich stark) aber ich vermisse einen Spannungsbogen, einen Konflikt. Es gibt dort zwar mehrere Ansätze, die jedoch verpuffen.
Die Zähne sind seine Verbindung zur Vergangenheit, aber dieser Gedanke wird nicht weitergeführt. Er hat keine Arbeit, er lebt in einem Dreckloch, ihm bleibt nicht mehr viel (Lebens-) Zeit, aber er nimmt dieses Leben von „der coolen Seite“.
Da werden einige Möglichkeiten verschenkt, die vielleicht auch seine Motivation zum Selbstmord beleuchten könnten.

Jetzt noch ein wenig Textkram. Ich nehme mir nur die ersten zwei Absätze vor, weil die Fehler dort exemplarisch für den gesamten Text sind.

Noch ganz verschlafen rieb er sich den letzten Traum aus den Augen.
Der Text enthält zu viele Füllwörter.
„Verschlafen rieb er sich den letzten Traum aus den Augen.“ Auch das könnte man noch straffen, indem man „Verschlafen“ auch streicht.
Henrik (besser gleich den Namen des Prot. nennen) rieb sich den letzten Traum aus den Augen.

Seine Glieder schmerzten, wohl, weil er zu lange auf der durchgelegenen Matratze gelegen hatte.
Da frage ich mich, auf was für einen Erzähler treffe ich hier?
„Seine Glieder schmerzten“ ist die Aussage eines personalen Erzählers. Er berichtet, in der dritten Person, von Henrik. Er kann in dessen Kopf schauen, denn er weiß, das Henriks Glieder schmerzen, ohne das diese Schmerzen von außen erkennbar sind.
Darauf folgt: „wohl, weil er zu lange auf der durchgelegenen Matratze gelegen hatte.“
Warum dann diese Unsicherheit, dieses eingeschobene „wohl“?

Sein Zimmer, wenn man dieses Loch als etwas in dieser Art definieren konnte, roch nach Schweiss, Urin und einem nicht definierbaren Küchengeruch.
Wortwiederholung: definieren und definierbar in einem Satz.

„wenn man dieses Loch als etwas in dieser Art definieren konnte“ ist eine Wertung des Erzählers. Er zeigt mit dem Finger auf das Zimmer seines Protagonisten und sagt: „Schaut euch dieses Dreckloch an! Pfui!“ Dabei hat er das gar nicht nötig, weil die Beschreibung der Räumlichkeit folgt und der Leser sich ein eigenes Urteil bilden kann.
Solche Wertungen schaffen einen Abstand zwischen Figur und Erzähler und sie bevormunden den Leser, der hier mit „man“ auch noch indirekt angesprochen wird. Das ist kein guter Stil.

„einem nicht definierbaren Küchengeruch“. Das ist schon schwierig. Küchengeruch, also Einzahl, ist immer ein Gemenge aus verschiedenen, in der Küche auftretenden Gerüchen. Der Geruch wird hier also sehr wohl definiert, nämlich als Küchengeruch.

Sein neuer Kollege, dessen Schlafstelle ihm gegenüber lag, war diese Nacht wohl anderweitig untergekommen. Schon seit mehr als einer Woche, vielleicht auch länger, hatte sein Körper kein Wasser mehr gesehen!
Zwei Dinge:
Nachhinein frage ich mich, warum dieser Kollege, der in der Geschichte nicht wieder auftaucht, erwähnt wird.
„Schon seit mehr als einer Woche, vielleicht auch länger, hatte sein Körper kein Wasser mehr gesehen!“
Da ist der Bezug nicht eindeutig. Wessen Körper hat seit einer Woche kein Wasser gesehen? Der des Kollegen oder Henriks? So was passiert besonders schnell, wenn man den Figuren keine (oder zu spät) Namen gibt.

„kein Wasser gesehen!“ dieses Ausrufezeichen riecht nach Wertung (Bildzeitungsstil) des Erzählers.

Wenigstens die Zähne putzte er jeden Tag an der Regenrinne.
Wenigstens = Wertung! Der Erzähler distanziert sich wieder mal von seinem „Helden“! Aus irgendeinem Grund muss der Erzähler hier mitteilen, das er selber ganz anders ist, er ist der perfekte Körperhygieniker.
Regenrinne? Schönes Bild, aber was macht er während regenfreier Wochen?

Die Borsten seiner Zahnbürste guckten in alle erdenklichen Richtungen und die Zahnpaste neigte sich langsam dem Ende zu, aber darauf würde er immer achten, seine Zähne blieben eine Verbindung zu seiner Vergangenheit.
„Die Borsten seiner Zahnbürste guckten in alle erdenklichen Richtungen“ Das klingt mir zu albern, oder besser, da höre ich einen belustigten Unterton heraus. Borsten gucken nicht. Und „alle Richtungen“ genügt, den mehr Richtungen gibt es nicht, auch nicht in Gedankenspielen.
Die Borsten seiner Zahnbürste ragten in alle Richtungen …

Füllwörter: erdenklichen, langsam, aber, würde, immer.

„aber darauf würde er immer achten, seine Zähne blieben eine Verbindung zu seiner Vergangenheit.“ Diesen letzten Satzteil würde ich in (mindestens) einen separaten Satz bringen. Erstens, weil der gesamte Satz sonst viel zu lang ist. Zweitens, weil er zu viele Aussagen enthält. Drittens, weil die Sache mit den Zähnen und deren Verbindung zur Vergangenheit zu wichtig ist, um nur mit einem unscheinbaren Auftritt in einem Satzanhängsel bedacht zu werden.

„aber darauf würde er immer achten, seine Zähne blieben eine Verbindung zu seiner Vergangenheit.“ Das ist etwas verknotet.
Auf seine Zähne achtete er. Sie waren die Verbindung zu seiner Vergangenheit.
Oder so ähnlich.

Ein schwarzer Käfer krabbelte in Richtung seines Gesichtsfeldes, als ihn kurz ein Sonnenstrahl traf, der durch das kleine, verschmutzte und einzige Fenster fiel, leuchteten seine Flügel in einem wunderschönen Blauton.

Warum nur in Richtung und nicht in sein Blickfeld?
Warum trifft der Sonnenstrahl nur kurz?
Ich habe den Eindruck, Henrik soll diesen Effekt (leuchteten seine Flügel in einem wunderschönen Blauton) nicht sehen. Warum nicht?
„das kleine, verschmutzte und einzige Fenster“. Da die Wohnung ein Saustall ist, wird das Fenster entsprechend aussehen. Da hier „das Fenster“ steht, gibt es kein zweites. Statt kleines Fenster könnte man Dachluke schreiben. Ist zwar nicht das Gleiche, macht die Bude aber noch ärmlicher.


Ich breche hier ab. Versuch doch, nach diesem Schema den Text zu überarbeiten (Dann schaue ich ggf. nochmals drüber).

Nach zwei Seiten Nörgelei von mir glaubst du vielleicht, oje, ich kann nicht schreiben und werde es nie können, doch da bin ich anderer Meinung. Deine Geschichte hat viele gute Ansätze. Angefangen bei der Idee, den Blick auf Details, der recht angenehmen Erzählstimme und der (im Großen und Ganzen) gelungenen Figurencharakterisierung.

Ich würde mich freuen, wenn du hier nicht als Eintagsfliege endest.


Gruß

Asterix

 

der Jüngling Antwort z.Hd.Asterix

Lieber Asterix
Danke für deinen Kommentar.
Zuerst bringst du mir eine bessere Geschichte, dann können wir wieder diskutieren. Was die Zähne betr. ist es ja sonnenklar, dass das nicht geht - schön ein bisschen von dieser absurden Welt abzuschweifen. Willst du immer alles erklären? Herzlichst und ich freue mich auf eine super Geschichte von dir Christine

 

Hallo Jannes
Ich verstehe nicht ganz was du unter stimmig verstehst?!
Gib mir doch bitte eine Erklärung dafür :)
Herzlichst Christine Seebacher

 

Zuerst bringst du mir eine bessere Geschichte, dann können wir wieder diskutieren.
Darf man eine Geschichte nur dann kommentieren, wenn man selbst eine bessere hat? "Wahrscheinlich hast du deshalb noch nichts hier kommentiert", würde ich jetzt sagen, wenn ich gemein wäre.
Abgesehen davon ist es in keiner Weise zwingend, etwas zu können damit man es kritisieren kann.
Asterix hat dir eine ausführliche hilfreiche Kritik geschrieben und dich ermutigt weiter zu machen, und von dir kommt so eine hingerotzte Pampe zurück.

Das soll keine Anwaltstätigkeit für Asterix sein, so ein Verhalten kotzt mich nur massiv an. :thumbsup:

 

Ich habe deine Antwort leider auch so gelesen, wie Tserk sie verstanden hat. Aber ich kann das gar nicht glauben.
Falls du hoffentlich doch etwas anderes gemeint hast, dann gilt das jetzt Folgende selbstverständlich nicht, aber dann klär das Missverständnis doch bitte auf.
Statt die (wie ich übrigens finde, sehr zutreffenden und hilfreichen) Hinweise von Asterix zu nehmen und sie mal zu prüfen, muss man erst mal einen Qualitätscontest durchlaufen, damit man dich kommentieren darf. Warum stellst du denn dann hier Geschichten ein? Das ist ein Forum, in dem man sich gegenseitig beim Schreiben weiterbringen will und dazu gehört es auch, Kritik anzunehmen, sie nicht als Beleidigung zu nehmen, sondern als Hilfe.
Übrigens ist es eine verdammt lange und harte Arbeit, so einen Kommentar zu schreiben, wie Asterix das gemacht hat. Es kostet immens viel Zeit und Überlegung. Und solche Antworten, wenn sie wirklich so gemeint ist, wie sie bei mir ankommt, die vergällen einem die Arbeit an Texten von Neulingen. Da kommentiert man doch lieber alte Hasen.
Ich wollte deinen Text ursprünglich auch kommentieren, jetzt bin ich froh, dass ich es nicht gemavht habe.
Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn es doch ein Missverständnis ist.
Bis dann
Novak

 

Und solche Antworten, wenn sie wirklich so gemeint ist, wie sie bei mir ankommt, die vergällen einem die Arbeit an Texten von Neulingen. Da kommentiert man doch lieber alte Hasen.
Wie soll es denn sonst gemeint sein? :)

Also für mich gilt das gleiche: So ein Auftritt unter dem Kommentar - bei Asterix auch noch, der ja wirklich nicht im Verdacht steht, unfreundlich oder arrogant zu sein - da spar ich mir das Lesen und Kommentieren auch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der so etwas sagt, eine Einstellung zum Schreiben hat, die es ihm ermöglichen würde, Texte hinzukriegen, die ich kritiklos lesen würde, und mit Kritik handelt man sich offenbar Ärger ein.
Also dann viel Spaß noch hier im Forum.

 

Lieber Asterix
Ich wollte Dich weiss Gott nicht angreifen oder gar beleidigen! Ich für meinen Teil fand es toll, dass Du Dir die Zeit genommen hast mich zu kommentieren. Ich werde manchmal wohl falsch verstanden und das finde ich eigentlich traurig, ändern kann man das wohl nicht. Ich hätte ja wohl kaum herzlichst geschrieben, wenn ich beleidigt gewesen wäre. Wörter sind wie die Wolken am Himmel ... jeder sieht sie aus seiner Sicht. Sei mir also nicht böse! Liebe Grüsse Christine Seebacher
P.S. Ich kommentiere nicht gerne, da ich denke, dass das andere besser können. Bei mir kann man das alleweil.

 

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