Der Dschungelplanet
Teil 1 (Die Wanderung)
Nur ungefähr tausend Fuß lagen zwischen der begrünten Straßenschlucht und dem Portal des großen Fabrikgebäudes. Es wäre ein Sprint von einer halben Minute gewesen, vielleicht auch mehr. Aber es wäre einem gesunden Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit geglückt dorthin zu gelangen, ohne entdeckt zu werden, wenn er schnell genug gewesen wäre. Carrie befürchtete dass sie und ihre Kameraden es niemals schnell genug schaffen würden, solange sie George dabei hatten.
Vor zwei Tagen waren sie am Rande der überwucherten Stadt in einen Hinterhalt geraten und waren nur knapp dem Tod entronnen. Die kleine Gruppe hatte es immer gut verstanden sich von den ehemaligen Strassen fernzuhalten und durch die Ruinen und Parks zu bewegen, doch diesesmal hatte auch die Vorsicht nicht genützt. Die fünf Freunde waren vom Sturmfeuer der Arborianischen Banditen überrascht worden. George hatte Pech und wurde ins Knie und in den Bauch getroffen. Greg hatte ihn mit seinem ärztlichen Fachwissen schnell provisorisch versorgt und stabilisiert, während Mindy, Carrie und Andrew bemüht waren ihm Deckung zu geben. Mühsam hatten sie die 210 Pfund ihres Freundes auf die Nottrage des Medikits gewuchtet. Nachdem sie sich über mehrere Stunden gegen die Banditen behaupten konnten gelang ihnen schließlich mit dem verletzten George die Flucht in einen Gebäudekomplex aus dessen zerstörtem Dach ein kleiner Wellingtonienwald herausragte. Die Banditen hatten wohl glücklicherweise das Interesse an ihnen verloren, denn sie wurden nicht verfolgt. Der Transport des Verletzten Georges gestaltete sich durch das Unterholz, das im Inneren wucherte, schwierig. Immer wieder hatten sie anhalten müssen um sich auszuruhen.
Der Tag neigte sich seinem Ende zu. Die Halle wäre ein idealer Unterschlupf gewesen. Die Strassen waren zu gefährlich. Die neue Schöpfung war den Menschen um längen überlegen, gleichwohl sie sich noch in einem primitiveren Stadium befand als die Tiere die in der Blütezeit der Menschheit die Erde bewohnten. Andrew sah Carrie ernst an. Auch er wusste um die Gefahr die der Transport des verletzten Georges mit sich brachte. "Bis Sonnenuntergang sind es noch dreiundvierzig Minuten. Bis dahin sollten wir hier weg sein. Wir haben hier so gut wie keine Deckung." Carrie schaute angestrengt hinüber zum Portal. "Ich weiß, ich weiß..." Andrew hatte Recht. Die Position an der die Gruppe verweilte war nicht die beste gewesen. Der Rücken und die Front waren quasi frei und bei einem Angriff gleich welcher Art nicht zu halten gewesen. Nur die Flanken boten einen geringen, aber immerhin vorhandenen Schutz. Mindy und Greg saßen bei George. George lag ruhig auf der Trage. Mindy beugte sich über ihn. "Nur die Ruhe, Dicker, wir kriegen das alles wieder hin! Bis zur Kolonie ist es gewiss nicht mehr weit.“ George lächelte verzweifelt. " Lieb das du mir mut machst, aber ich weiß wie es aussieht. Ich bin ein Wrack. Ich halte euch nur auf." sprach George. Seine Mine verfinsterte sich. "Außerdem werde ich immer schwächer. Die Medikamente sorgen dafür dass ich keine Schmerzen hab, aber das sind nur Symptome. Symptome... ich weiß dass ich innere Blutungen habe. Ich habe euch gehört. Ich mach mir keine Hoffnungen mehr..." eine Träne kullerte seine Wange hinunter. Mindy lächelte ihn an und fuhr ihm über die Wange. " Willst du etwa schon aufgeben Dickerchen? Wir haben diese Reise zusammen begonnen und wir werden sie auch zusammen beenden!" Ihr Vertrauen in George war sichtlich gespielt. Die Mutlosigkeit übermannte sie jetzt sichtlich. Ängstlich umklammerte sie Gregs Hand mit ihrer. Andrew kam herüber geschlichen und zog Greg zur Seite. " Gregory, wir haben da ein ziemlich großes Problem. Wir kommen mit George nicht über die Strasse. Sie ist zu breit um ihn ungesehen da hinüber zu tragen." raunte Andrew. Greg musterte den gewählten Anführer. Schweiß lief an seinen muskulösen Armen hinunter. Martialisch baumelte sein Sturmgewehr an seiner Schulter hinunter. Andrew war in der Zeit vor der Katastrophe Soldat gewesen und damit prädestiniert als Anführer. "Das sehe ich auch so. George ist sehr schwach. Ich gebe ihm noch einen Tag, höchstens zwei. Ich kann leider nicht mehr machen Andrew. Hätte ich meine Instrumente hier, ja dann... Naja, wir müssen es versuchen, ich sehe nicht ein ihn hier zurückzulassen." Greg blickte betreten zu Boden. Carrie kam. "Jungs, ich will eure nette kleine Runde nicht stören, aber wenn wir noch da rüber wollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Die Strasse ist gerade ruhig, keine Menschen zu sehen. Da hinten kommt gemächlich eine Herde Ogmahs, die werden die großen Raubtiere verscheucht haben. Wir müssen nur sehen das wir George da schnell genug rübertragen. Ich habe keine Lust als Matschpfütze unter einem Ogmahfuss zu enden." Carrie grinste. Sie hatte eine merkwürdige Art an sich, die es ihr ermöglichte selbst in den Ausweglosesten Situationen noch einen kleinen Hauch Sonnenschein in die Herzen ihrer Mitmenschen zu befördern. Beherzt warf sie ihren braunen Zopf über die linke Schulter und wandte sich an Mindy. "Oder was meinst du? Wir können jetzt da rüber, oder heute Nacht hier gemütlich vor uns hin sterben." Greg nickte Andrew zu. Gemeinsam hievten sie George hoch und machten sich auf den Weg zur Strasse.
Dort wo einstmals Asphalt den schnellen Verbrennungsfahrzeugen ein bequemes vorankommen ermöglicht hatte, wucherte nun üppiges Gras und allerlei sonstiges Kleingeäst. Die wenigen restlichen Teerflecken waren mit Moosen und Flechten bewachsen und zeugten vom letzten Triumph der Natur. Bis zum Horizont zog sich die einstige Verkehrsader durch die Stadt und durchschnitt die schützenden Ansammlungen der Häuserruinen auf beiden Seiten. Andrew und Greg hatten große Mühe George durch das hohe Gras zu schleppen. Jederzeit konnten Banditen in den Fenstern der intakten Gebäude auftauchen und mit ein paar gezielten Kopfschüssen die Reise für immer in Vergessenheit geraten lassen. Raubtiere konnten unverhofft auftauchen und an den Gefährten ihr Fortbestehen für ein paar weitere Tage sichern. Carrie und Mindy liefen mit den Männern die den verletzten George in ihrer Mitte trugen und sicherten den Zug ab. Schritt für Schritt kamen sie auf den gewaltigen Backsteinbau mit den verkohlten Wänden zu, der ihnen die sichere Rettung versprach. Mindy, die hinter den anderen ging sah sich nervös um. Irgendetwas gefiel ihr nicht. Langsam kamen auch die anderen zum stehen und schauten sich beunruhigt um. Carrie sah die anderen scharf an und legte den Zeigefinger auf die Lippen. Der Boden erzitterte.
Ein Blick in die Richtung der Ogmahs verriet ihr dass die Erschütterungen im Boden keinesfalls von ihnen kommen konnten, denn auch die riesigen grauhäutigen Pflanzenfresser waren stehen geblieben und schnüffelten trotz der Distanz gut sichtbar in der Luft herum. Die Stille wurde unerträglich. Aus dem Wäldchen das hinter den Freunden lag schossen mit einem male hunderte von bunten Vögeln in den Himmel, begleitet von einem vielfarbigen Geschnatter und gekrächzte. "Oh shit! Das gefällt mir gar nicht!" meinte Andrew. George lag total verkrampft auf einer Trage und hatte zu weinen angefangen. "Bitte... lasst mich zurück und rettet euch... das hat doch keinen Sinn mehr... rettet euch..." flüsterte er mit schwacher Stimme.“Das kommt nicht in frage! Wir haben es fast geschafft!" flüsterte Andrew in einem scharfen Tonfall. Inzwischen waren die Ogmahs in Panik geraten und stoben unkontrolliert auseinander. Drei der jüngeren Tiere rannten geradewegs auf die Gruppe zu. Die röhrigen Schreie der anmutigen Säuger fuhren der Gruppe durch Mark und Bein. Wenn solche gewaltigen Lebewesen Angst bekamen, dann musste die Bedrohung wirklich furchterregend sein. Wie eine Welle aus Fleisch und Stacheln brach ein Carnifex aus einer Ruine hervor. Ohne Mühe zerschlug der vierzig Fuß große Berg aus Muskeln und scharfkantigen Chitinplatten die Mauern und Bäume die ihm im Weg standen. Seine gewaltigen Schritte brachten ihn immer näher an die Mitte der Strasse heran, auf der sich die Freunde ihren Weg zum Eingang der Fabrik bahnten. Die Ogmahs hatten bereits ihren vollen Trab erreicht, weswegen sie nicht mehr in der Lage waren anzuhalten. Blökend und röhrend versuchten sie dem Carnifex auszuweichen. Von schrillen pfeifenden Tönen begeleitet ließ er seine blitzenden Klauen durch das Fleisch zweier Ogmahs gleiten und beendete auf diese Weise abrupt deren Leben. Wie eingefroren stand die Gruppe nur wenige Hundert Fuß von diesem bizarren Schauspiel entfernt und starrte das Monster an. Der Carnifex ließ seinen Schrei ertönen und versenkte seine scharfzahnigen Kiefer in das dampfende Fleisch seiner Opfer. "Los!!!" brüllte Andrew heiser und endlich löste sich die Starre der anderen. Die Furcht mobilisierte unmenschliche Kräfte in den beiden Männern, die George beinahe rennend immer näher an das Portal beförderten. Mindy und Carrie hatten es bereits erreicht und sicherten den Männern den Rücken. Andrew und Greg setzten George ab und stemmten sich zusammen mit den beiden Frauen gegen die massive Stahlpforte. Knarrend gab sie das innere der Fabrik preis. Schnellen Schrittes versammelte ich die kleine Gruppe im Inneren und verschloss das Tor. Erneut drang ein zwar abgedämpfter, aber immer noch schrecklicher Schrei des Carnifexes zu den fünf vor.
Greg und Andrew setzten George ab und Andrew rannte schnell zu einem der Fenster um das Geschehen zu beobachten. Der Carnifex hatte sich an den Ogmahs fertig gelabt und war inzwischen wohl auf der Suche nach den Menschen. Zischend sog er immer wieder die Luft um sich herum ein und gab dabei ein leises Heule von sich. George hatte inzwischen das Bewusstsein verloren. "Carrie, behalte das Vieh im Auge, wir müssen George weiter vom Tor wegbringen!" rief Andrew. Er und Greg packten die Trage und machten sich auf zu einer Treppe am Ende der Halle, die den einzigen begehbaren Weg ins obere Stockwerk darstellte. Carrie stand inzwischen Tapfer Wache und beobachtete zitternd wie der Carnifex der Halle immer näher kam. Erlösend schallte plötzlich der Ruf des dritten Ogmahs, dass den Carnifex jetzt unfreiwillig anlockte und von der Strasse forttrieb. Carrie ließ sich fallen. Erschöpft brach sie in Tränen aus.
Als sie auf diese Reise gegangen waren war ihnen allen klar gewesen dass es alles andere als ein Spaziergang werden würde. Die Veränderung der Welt war sehr schnell vorangeschritten und überall wimmelte es geradezu von neuen, gefährlichen Lebewesen. Die Überfahrt von der Insel die vor Jahren einmal Nordamerika war, hatte schon viele der ursprünglich zwanzig Menschen getötet, bis bei der Ankunft auf Arboria, dem einstigen Zentrum der alten Weltwirtschaft nur noch zwölf übrig waren. Diese hatten sich dann in zwei Gruppen aufgeteilt, da es verschiedene Meinungen darüber gab wo denn nun die verheißungsvolle Kolonie liegen sollte. Die Schrecken die Arboria beherbergte waren unvorstellbar. Selbst viele der Menschen hatten hier viel vom Genesis-Impuls abbekommen und hatten sich ebenso verändert. Sie waren zum Teil der Rache von Mutter Natur geworden und lebten mit den Vorzügen der Zivilisation im Einklang mit der neuen, mächtigen Natur. Die Vorzüge der Zivilisation waren, wie sollte es anders sein, Waffen. Die einzige Macht die die Banditen wirklich hatten. Mindy war inzwischen wieder aus dem oberen Stockwerk zurückgekehrt und kam auf Carrie zu. "Hey süße, wir leben doch noch! Komm mal her!" sie nahm Carrie in den Arm. Sie war stark, ohne Zweifel. Vielleicht waren ja auch diese Tränen ein Zeichen ihrer Stärke. Carrie beruhigte sich wieder. Langsam lichtete sich der Schleier, den die Tränen vor ihren Augen errichtet hatten.
Jahrelang hatte die Fabrik keine Menschen mehr gesehen. Spinnenweben hingen von der Decke und zeugten von einer langen Zeit ohne Instandhaltung. Der Staub bedeckten Boden zentimeterdick und bildete in Zusammenarbeit mit den Spinnenweben vor so mancher Nische eine schier undurchdringliche Wand aus angesammelter Vergessenheit. Langsam und kraftlos liefen die beiden Frauen zur Treppe und stiegen hinauf ins Obergeschoß. Andrew und Greg kauerten vor George auf dem Boden. Die Sonne war nur noch ein kleiner roter Streifen am Horizont und war im Begriff sich für zehn Stunden nicht blicken zu lassen. Georges Sonne war bereits einige Minuten vorher untergegangen. "Wir sollten ihn begraben..." stammelte Andrew. Wie betäubt standen die vier vor dem Leichnam mit dem friedlichen Gesicht. Mindy verkniff sich eine Träne, Carrie hatte ohnehin keine mehr. "Okay, wir begraben ihn..." murmelte Greg nüchtern. Niemand kaufte ihm den harten Kerl ab, den er gerade mimte. Aber sie akzeptierten es als seine Art mit dem Verlust fertig zu werden. Innerhalb von zwanzig Minuten war eine Grube im Hof der Fabrik ausgehoben und mit ein paar feierlich klingenden Worten verabschiedeten sie ihren alten Freund. Viel von einer Beerdigung hatte diese merkwürdige Zeremonie in der Dämmerung nicht, aber es war besser als ihn offen in der Halle liegen zu lassen. Dann kam die Nacht.
Die Ruhe des Tages verflog fast gleichzeitig mit dem Sonnenuntergang, der einer vielfältigen Fauna den Startschuss in die Nacht gab. Das Gekreische von dutzenden Primaten hallte durch die ganze Stadt. Es war wahrscheinlich Paarungszeit. Riesige Leuchtfalter schossen durch die Straßenschluchten und tauchten die Überreste der gefallenen Betonriesen in ein fast magisches grünliches Licht. Irgendwo im ehemaligen Kern der Stadt konnte man das Heulen eines Mordraks hören. Je weiter diese Bestie weg war, desto besser. Nachts war es ohnehin schon gefährlich in den Straßen herumzuschleichen. Die meisten Raubtiere schliefen tagsüber und gingen nachts auf die Jagd. Dennoch konnte man mit den entsprechenden Waffen mit allem einigermaßen fertig werden. Die Mordraks jedoch waren anders. Sie waren die größten und furchteinflössendsten der neuen Kreaturen. Sie tauchten als letzte Wesen der neuen Schöpfung auf und stellten unter allen Wesen das oberste Glied der Nahrungskette dar. Die wenigen verbliebenen Menschen waren selbst mit ihren fortschrittlichen Waffen machtlos gegen diese Urtume der Natur. Mindy kauerte in einem Fensterdurchbruch und beobachtete die Strasse. Ein einzelner bärenartiger Kukuri zog friedlich durch die Nacht.
Mindy fuhr zusammen. Eine Hand lag auf ihrer Schulter. Es war Greg. "Na Tiger, kannst du nicht schlafen?" sie warf ihm einen zärtlichen Blick zu. Greg starrte hinaus in die Nacht. " Könntest du? Wir bewegen uns im Kreis. Auf dem Fleck. Kein vorankommen mehr. Seit Wochen sind wir nun schon auf diesem verdammten Kontinent unterwegs und keine Aussicht darauf dass wir der Kolonie überhaupt näher kommen. Könntest du da schlafen?" Greg seufzte. Die Reise hatte alle beteiligten ausgelaugt. Viele hundert Kilometer waren sie inzwischen von der Küste ins Landesinnere gewandert und hatten einige Gefahren über sich ergehen lassen. "Aber ich bin nicht bereit einfach so aufzugeben! Die Kolonie ist unsere Zukunft! Hier draußen sind wir nur Tierfutter... wir wollten doch Kinder, Greg... Wir wollten doch eine kleine Familie sein, mit einem Zuhause und nicht dauernd auf der Flucht vor diesen Bestien!" sagte Mindy entschlossen. Greg nahm sie in den Arm. Vielleicht war es ein Fehler mit ihr diese Reise anzutreten. Niemals könnte er sich vergeben wenn ihr etwas zustoßen sollte. "Ich sage ja nicht das ich aufgeben will... ich...“ sie fiel ihm ins Wort "Nein, du sagst es nicht. Du denkst es. Du willst den Schwanz einziehen und dich in irgendein Loch verkriechen! Ich kenne einen anderen Gregory Mulden. Einen, der einen Arsch in der Hose hat! Aber scheinbar bist du das nicht mehr!" sie grinste ihn provokativ an. "Gar nicht!" erwiderte er. "Gar nicht ist kein Erwachsenenniveau!" schmunzelte sie. Jetzt musste auch er lachen. Sie umarmten sich noch viel inniger. Langsam näherte Mindy ihre Lippen denen von Greg. Sie küssten sich leidenschaftlich. Als sie den Kuss lösten, sah Greg sie ernst an. " Ich werde nicht aufgeben! Wir werden alle nicht aufgeben. Wir können nicht zulassen dass so viele Menschen einfach umsonst gestorben sind!". Ihre tiefen braunen Augen glitzerten feucht. "Greg... ich brauche dich! Ich könnte das nicht ohne dich! Lass mich niemals allein..." sie legte ihren Kopf an seine Brust. Zärtlich fuhr ihr Greg durchs Haar. "Ich werde dich niemals im Stich lassen. Aber du solltest jetzt auch schlafen. Ich werde weiterhin Wache halten bis Andrew dran ist.“ Mindy nickte ihm zu und legte sich auf die Isodecke, die Greg vorgewärmt auf dem staubigen Boden zurückgelassen hatte. Es dauerte nicht lange bis sie der Schlaf in seine Arme nahm.
Als der Morgen kam, erwachte sie in Gregs Armen. Andrew saß an der Fensternische und beobachtete die Strasse. Langsam erwachten auch Greg und Carrie. Zügig packten sie ihre Sachen zusammen. "Okay, wir werden versuchen heute zügig nach Westen weiterzumarschieren. Wir sollten zusammenbleiben und mehr aufpassen. Georges Verlust war hart, wir dürfen nicht noch jemanden verlieren." sagte Andrew. Die anderen nickten stumm. Geordnet und diszipliniert verließen sie das Gebäude durch den Vordereingang. Der Tag war wie immer ruhig. Nur vereinzelt war das entfernte Brüllen verschiedener Tiere zu hören. Friedliche mausähnliche Wesen hüpften durch das hohe Gras und riesige Vögel zogen in Schwärmen ihr Bahnen am strahlend blauen Himmel. Ein leichter Wind brachte Abkühlung. Greg sog gierig an seiner Wasserflasche. "Wir haben nicht mehr viel Wasser. Wir sollten schnellstens eine Quelle suchen." Carrie begutachtete ihren Vorrat. "Stimmt. Ich habe noch drei Liter." Ohne darauf zu achten lief Andrew weiter. Fragende Blicke wechselten den Besitzer. Mindy nahm Gregs Hand. "Er wird schon wissen was er tut..." murmelte sie und zog Greg weiter. Stunde um Stunde verging und Andrew machte keine Anstalten zu rasten. "Andrew! Wir brauchen Wasser, jetzt! Lass uns welches suchen gehen! " rief Greg erschöpft. Andrew blieb stehen. "Nur noch ein kleines Stück. Vertraut mir. Da vorne in diesem Wald finden wir bestimmt welches." Mürrisch setzten sich die anderen wieder in Bewegung.
Der Wald war anders als der Rest der Stadt. Die Stadt war immer noch als solche zu erkennen, obwohl die gigantischen Wolkenkratzer fast restlos mindestens bis zur Hälfte eingestürzt waren und durchschnittlich zu sechzig Prozent überwuchert waren. Aus vielen Häusern schauten die Kronen von Bäumen heraus und die Straßen waren bis auf unregelmäßige Asphaltflecken beinahe schon als Wiesen zu bezeichnen. Der Wald aber war wohl auch vor dem katastrophalen Tag ein Wald gewesen. Wohl etwas gepflegter und kultivierter, aber frei von Gebäuden und Strassen. Beherzt und in der Hoffnung auf Wasser gingen die Gefährten auf die Bäume zu. Eine weitere Stunde verstrich. Der Wald zog sich hin. Die Gruppe bewegte sich in einer Tiefe, dass sie gerade noch so den Rand des Waldes sehen konnten. Erneut blieb Andrew unverhofft stehen. "Hört! Da ist was!" zischte er. Angestrengt lauschten die anderen in den Wald hinein. "Was soll da sein? Doch nicht schon wieder so eine Bestie, oder?" fragte Carrie verängstigt."Nein, nein, da plätschert etwas! Hört doch mal, da gibt es irgendwo Wasser!" sagte Andrew. Ein Aufatmen ging durch die Runde. Die Vorkommnisse der Reise hatten scheinbar schon sehr an den Nerven der Gefährten genagt. "Wasser, ja? Dann lasst uns in die Richtung gehen aus der das Geräusch kommt. Ich verdurste!" meinte Greg und lauschte noch viel angestrengter. Synchron meinten er und Mindy "Da lang!" Mit ihren Macheten schlugen sie das Unterholz beiseite und erblickten zu ihrer Überraschung ein kleines Tal. Umrahmt von begrünten, steilen Wänden lag in der Senke vor ihnen ein keiner See. Sein Wasser war kristallklar und wurde von einem kleinen Bach gespeist. Die Idylle des Tals wirkte sehr beruhigend auf die vier. Vorsichtig bewegten sie sich das Gefälle hinunter, immer sehr darauf bedacht keinen unnötigen Lärm durch fallende Steine und Felsbrocken zu verursachen. Gierig tranken sie mit den Händen und befüllten ihre Flaschen. Ein Impalerschuss zischte an ihnen vorbei und verdampfte zischend eine kleine Menge Wasser.
Erschrocken warf Andrew sich herum nur um direkt in den Lauf eines weiteren Impalers zu Blicken. Von den Hängen liefen mit einem Mal unzählige weitere Banditen hinunter und schwangen wild heulend und schreiend ihre Waffen. Todesangst machte sich breit. Greg hatte große Mühe sich nicht in die Hose zu machen. Das Geschrei wurde immer lauter und wirrer. Die Banditen hatten innerhalb der kurzen Zeit die seit dem Tag der Katastrophe vergangen war eine eigene Sprache entwickelt, die besser zu ihren mutierten Stimmbändern passte als die alten menschlichen Sprachen. Andrew sah sich langsam und vorsichtig um. Es waren mindestens einhundert Banditen um das Tal herum verteilt und dreißig weitere am Fuß des Tals. Er hatte genau wie die anderen noch nie einen Banditen aus unmittelbarer Nähe gesehen. Ebenso existierten nur Gerüchte über sie, da bisher niemand der in direktem Kontakt mit ihnen Stand überlebt hatte, oder noch bei Verstand war. Durch ihre sackartige, grüne Kleidung konnte man nicht viel sehen. Auch die Gesichter waren von Merkwürdigen Masken bedeckt. Kontrollierte Mutation. Wohl kaum, warum mussten sie sich dann verstecken? Die Reihen lichteten sich. Ein Großgewachsener Bandit kam direkt auf sie zugelaufen. Er musterte die vier Menschen genau. "K'ruk ch'ruk up ch'ruk" brüllte er. Sofort kamen ein paar andere Banditen und entwaffneten die Gefährten und führten sie den hang hinauf. "Oh mein Gott, werden sie uns töten?" wimmerte Mindy. Andrew sah grimmig zu Boden. "Höchstwahrscheinlich. Oder wir werden ihre Sklaven, wenn wir Glück haben." ein Gewehrbolzen fuhr ihm in den Rücken. "Kri'chup krk kuruk!" kreischte ein Bandit, mehr als er es sprach. Ihre Stimmen hatten ohnehin schon nichts Menschliches, aber dieses Kreischen war anders. Es war erfüllt von abgrundtiefem Hass. Nicht nur die Menschen hatten Angst vor den Banditen, auch die Banditen empfanden nur Abscheu den Menschen gegenüber. Das wurde ihm mit einem Schlag klar. Sie liefen immer tiefer in den Wald hinein.
Erschöpft und müde kamen sie schließlich nach Stunden der beschwerlichen Wanderschaft über Stock und Stein in eine Art Camp. Spitze Pfähle aus Holz bildeten einen Schutzwall gegen die Bestien draußen und eine unüberwindbare Barriere für die Gefangenen drinnen. Wenn es denn mal welche gab. Die vier fanden schnell heraus wozu dieses Camp diente. In der Mitte befand sich eine gewaltige Grube, mindestens vierhundertfünfzig Fuß breit und achtzig Fuß tief ein verwinkeltes Höhlensystem führte hinab durch ein kleines Gitter direkt in das Loch mitten im Wald. An der Wand auf der Gegenseite befand sich ein ungleich größeres Gitter, welches ein tiefes, schwarzes Loch verbarg aus dem ein stetiges dumpfes knurren zu vernehmen war. Flutlichscheinwerfer erhellten die Grube und verliehen ihr eine Wirkung wie die einer Arena. Eine kleine Gruppe anderer Menschen wurde durch das kleine Gitter hineingeführt. "Andrew, das sind Kleiber und Ross! Und da Vermont und diese Architektin aus Ohio!" rief Carrie erstaunt. "War wohl doch nicht richtig, ihr Weg." raunte Greg zynisch. "Unserer auch nicht..." erwiderte Andrew.“Zum Glück haben die Banditen die dort vor uns gefunden, dass heißt dass wir sehen werden was mit uns passiert, bevor es uns passiert." Die anderen starrten in die Grube. Langsam wurde das Gitter angehoben. Die Banditen kreischten vor Erregung. Finster und bedrohlich lag das schwarze Loch vor den Menschen in der Grube. Das knurren hatte geendet. ein Luftzug drang aus dem Loch hervor und wehte einen der Gefangenen um. Einen Sekundebruchteil später schnellte die Bestie aus ihrem Domizil und verschlang zwei der Menschen mit einem Biss.
Es war ein gewaltiger Mordark. Mindy brach zusammen. Der Anblick der gewaltigen Bestie war zuviel für ihre Nerven. Blitzschnell warf er seine Vorderklauen in die kleine Menschenmenge, die wie versteinert in der Mitte der Arena stand. Die Wucht des Hiebes traf seine armen Opfer so heftig, das sie in einem feinen Nebel aus Blut und Staub unterzugehen schienen. Abgerissene Gliedmaßen flogen im hohen Bogen durch die Luft und das ohrenbetäubende Heulen des Tieres brachte den Boden zum Zittern. Andrew blieb ruhig. Mit militärischer Disziplin begutachtete er das Camp. Es beherbergte mindestens fünfhundert Banditen und mehrere Fahrzeuge unbekannter Bauart. Neben der Grube stand ein hölzerner Verschlag neben dem ein ca. 150 Fuß hoher metallischer Zylinder mit der halb abgeblätterten Aufschrift "Exxon". Andrew vermutete hier den Generator für die Flutlichter. Seiner Einschätzung nach war der Zylinder eine Art Treibstofftank. Ihm kam eine Idee. "Greg, sieh mal die Hütte dort drüben." zischte er seinem Freund zu, der unmittelbar neben ihm stand und wie hypnotisiert in die Grube starrte und das makabere Schauspiel beobachtete. Vorsichtig drehte Greg den Kopf in die Richtung des Verschlags. " Was ist damit? Sollen wir uns darin verstecken oder was?" Greg verstand nicht. "Nein, jetzt denk doch mal mit! Wo kommt der Strom für die Lichter her?" fragte Andrew provozierend. " Sehr schön, jetzt wissen wir wie sie Strom machen. Was bringt es uns? Wer weiß wie lange wir noch zu leben haben!" Andrew schüttelte resigniert den Kopf. Er wusste ebenso gut wie Greg dass es so gut wie unmöglich war sie aus den Fängen der Banditen zu befreien, den Generator lahm zu legen und die entstandene Verwirrung zu nutzen um zu fliehen. Genauso gut wusste er allerdings auch dass jeder noch so kleine Strohhalm immerhin ein Strohhalm zum Festklammern war und man ihn gefälligst nutzen musste. Allerdings wusste er auch nicht so recht wie er es anstellen sollte. Das kreischen der Banditen verstummte. Der Mordrak schnüffelte desinteressiert auf dem Boden herum und schlich langsam und behäbig in seine Höhle zurück. Die Vorstellung war beendet.
Die Banditen die den Neuankömmlingen als Wachen gestellt waren schubsten diese barsch an, wohl um ihnen zu vermitteln das sie jetzt ihr Nachtquartier aufsuchen würden. Missmutig trotteten die vier umringt von Banditen von der Grube weg. Sie kamen an dem Verschlag vorbei. Aus dem inneren kam Motorenlärm. Greg dachte an Andrews Idee. Er hatte Mindy versprochen nicht aufzugeben. Aber angesichts dieser Situation? Was konnten vier Menschen schon gegen eine Horde von fünfhundert bewaffneten Banditen ausrichten? Die Turbine fuhr herunter und das Licht verlöschte. Das Camp wurde jetzt nur noch von Fackeln erhellt. Die Hütten der Banditen wirkten mit einem Mal kleiner, verkommener und trostloser. Am Rand des Camps war ein Großer Bereich abgezäunt. Wachen patrouillierten davor und Suchscheinwerfer für den Fluchtfall waren auf dem Palisadenzaun an der gegenüberliegenden Seite angebracht. Lautlos öffnete sich ein Tor im Zaun und die Gefährten wurden hineingestoßen. Scheppernd schloss sich das Tor. Neben dem Zaun in einem weiteren kleineren Verschlag heulte ein anderer Generator auf. Der Zaun summte leise. " Okay, das ist jetzt also das Ende unserer Reise. Ich hatte wirklich geglaubt dass wir es schaffen würden." stammelte Carrie. "Jetzt mach mal halblang! Das war es noch lange nicht! Wir müssen einen Weg finden zu überleben! ein letztes Mal zusammenreißen und zusammen diese Misere überwinden! Ihr habt diese Bruchbude neben der Grube auch gesehen, oder? Wir müssen einen Weg finden den Tank daneben in die Luft zu jagen! Wenn wir das schaffen, dann werden die Banditen wie die Aufgescheuchten Hühner Rumrennen und ehe sie wissen was passiert ist, sind wir mit einem ihrer Fahrzeuge verschwunden!" sagte Andrew. Carrie sah in hoffnungsvoll an. "Wie stellst du dir das vor?" fragte sie. "Ich weiß noch nicht genau wie, denn erstmal müssen wir hier rauskommen. Wenn ich das richtig sehe ist auf dem Gitter genug Strom um uns gleich hier zu töten." erwiderte Andrew. Greg Betrachtete den Zaun. "Vielleicht können wir uns rausgraben! wenn wir alle zusammen an einer Stelle Graben, dann könne wir vielleicht unter dem Zaun durchkriechen." meinte Mindy. Sie sah Andrew an dass er diesen Plan nicht besonders gut fand. "Das dauert viel zu lange und wir sind ein leichtes Ziel... wenn wir doch nur" er kam nicht dazu fertig zu sprechen.
"Ich hab’s!" rief Greg erregt, beruhigte sich jedoch augenblicklich um keine Aufmerksamkeit zu erregen. " Seht euch das Gitter an! Es sind einzelne Segmente, die von dieser Hauptleitung da auf dem Boden gespeist werden. Wenn wir einen der Zuleitungsdrähte kappen, dann ist ein ganzes Segment ohne Strom! Da kann man dann ohne Probleme drüberklettern!" hechelte er, wohl darauf bedacht nicht zu laut zu sprechen. "Verdammt, die Idee ist gut, aber es mangelt an der Umsetzung! Wir haben nichts zum Kappen der Leitung! Selbst wenn wir ein Messer hätten, wenn es in Kontakt mit der Leitung kommt, dann legt der Stromstoß denjenigen um der es in der Hand hält!" erwiderte Andrew. "Auch daran hab ich gedacht! Sieh mal hoch zum Palisadenzaun. Macht es auf dich auch den Eindruck als ob die Wache schläft?" Andrew blickte hinauf zu Zaun. Der Bandit saß gegen die Wand gelehnt. ein Kopf hing etwas schräg zur Seite. "Einen Versuch ist es wert! Räuberleiter?" Greg nickte. Andrew als stärkster stellte sich unten gegen den Zaun und faltete die Hände. Greg steig behutsam hinein und Andrew und die beiden Frauen drückten ihn langsam und mühsam nach oben, sodass er den Rand des Steges zu fassen bekam. Vorsichtig zog Greg sich nach oben, bis er den Fuß des Wächters erreichen konnte. Er packte schnell und kräftig zu und ließ sich dann einfach fallen. Der Bandit rutschte hinterher und bekam gar nicht mehr mit was geschah, denn einen Augeblick später stürzte er knackend mit dem Kopf voraus auf den Boden. "Sieht so aus als wäre unsere Aktion unbeobachtet geblieben!" flüsterte Mindy. Andrew nahm das Impalergewehr an sich und machte sich an der Maske des Banditen zu schaffen. Es dauerte eine Weile bis er sie von Kopf gelöst hatte. Als der tote Körper unmaskiert vor ihm lag, schauderte er. Die Haut des Mannes war merkwürdig lederig und durchsetzt mit dunkelblauen Adern. Er hatte keinerlei Haare, nur vier merkwürdige knöcherne Höcker von der Stirn zum Hinterkopf. Andrew untersuchte ihn auf Vitalfunktionen.
Erschrocken wich er zurück, denn seine Haut war eiskalt. Kein Puls war festzustellen. Seine Augen waren giftgrün und seine Pupillen waren nicht rund, sondern schlitzförmig, beinahe katzenartig. Die Banditen waren also keine Menschen mehr im eigentlichen Sinne, sondern irgendein Zwischending aus Mensch und reptiler Scheußlichkeit. Sie zogen ihn schnell aus und Andrew legte sich die Banditenuniform an. Vorsichtig sah er sich um und zielte schließlich mit dem Impaler auf das Speisungskabel für das vor ihm liegende Zaunsegment. Einen grellen Lichtblitz und ein hohes Zischen später war die Verbindung verdampft und der Zaun konnte überquert werden. Die Männer halfen den Frauen über den Zaun. "Greg, ich möchte dass du versuchst dort rüber zu den Fahrzeugen zu kommen. Sie h nach ob du es fertig bringst eins anzubekommen. Nimm das Gewehr, ich werde eine Granate an dem Tank befestigen. Mindy, Carrie, ihr geht mit Greg. Haltet euch ein Stück hinter ihm, damit ihr euch nicht der unmittelbaren Gefahr aussetzt. Mindy nickte. Carrie machte keinen besonders begeisterten Eindruck. Sie mochte es nicht wenn Männer versuchten den Helden zu spielen. Vor allem nicht wenn diese Männer eigentlich keine Chance hatten. "Andrew, ich will nicht dass du alleine gehst, vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Lass mich mit dir kommen." Andrew wimmelte ab. "Vertraut mir, ich weiß was ich tue." sagte er und verschwand in den Schatten der Bäume.
Greg schulterte das Gewehr, legte es in den Anschlag und schlich los, ständig auf der Suche nach Banditen im Weg. Mindy und Carrie folgten kurze Zeit später. Andrew lief durch die Menge der Banditen. Durch seine Verkleidung sah man ihm die Angst die er gerade hatte nicht an. Der Schweiß rannte in Bächen an seinen Schläfen hinunter. Er hoffte dass sein Kostüm nicht bald völlig durchnässt sein würde. Er näherte sich dem Tank. Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel. Er warf einen ängstlichen Blick zu den Fahrzeugen hinüber, wo Greg bereits damit beschäftigt war ein Buggy-ähnliches Gefährt zum Laufe zu bringen. Greg gab sich große Mühe nicht ins Lichte der Fackeln zu kommen, was ihm jedoch nicht gelang. Die Dunkelheit im Schatten war zu groß als dass er gesehen hätte was er gerade mit den Kabeln vor sich anstellte. Mindy und Carrie kauerten hinter dem Vehikel und beobachteten die Umgebung.
Etwas Kaltes schob sich in Carries Rücken. "Kr'achnuk K'ick? Kre'kuchup Kuruk!" rasselte die Stimme des Banditen hinter ihr. Das Herz drohte ihr aus dem Hals zu springen. Kalter Schweiß vermischte sich mit panischen Schauern, die ihren Körper durchzuckten. Mindy saß mit weit aufgerissenen Augen daneben und starrte den Banditen erschrocken an. "...Mindy..." wimmerte Carrie. " Kre'kuchup Kurk! Kar' uima CH'ima! Kuruk!" dröhnte es wieder aus der Maske des Banditen. Wütend presste er den Gewehrlauf fester in Carries Rücken. Den Schmerz spürte sie nicht, dazu hatte das Adrenalin ihre Nerven zu sehr betäubt. Mindy kniff die Augen zu. Ein Heller Lichtblitz bohrte sich in den Körper und augenblicklich roch es nach verbrannten Fleisch und etwas anderem, undefinierbarem. Unendlich langsam krochen die Sekunden vorwärts. Mindy wartete auf den stechenden Schmerz, der fast sofort nach dem Eintreten in einen ewigen Schlaf schicken würde. Doch nichts geschah. "Los kommt, ich bin fast soweit, macht dass ihr hier raufkommt. Bestimmt hat jemand den Schuss bemerkt!" rief Greg. Die Mündung seines Impalers qualmte. Carrie saß wie gelähmt im Gras und war den Tränen nahe. Hinter ihr traten Rauchschwaden aus der sterblichen Hülle des toten Banditen. "Oh Gott, Carrie, Süße, ich dachte echt es wäre vorbei!" flüsterte Mindy und nahm ihre Freundin in den Arm. Sie richteten sich auf und kletterten die Rehling des Buggies hoch. Carrie sprach kein Wort. "Shit! Wir bekommen Besuch!" fluchte Greg.
Andrew hatte inzwischen den Tank erreicht und die Banditengranate, die noch aus alten amerikanischen Beständen stammte, an der Außenhülle des Tankes befestigt. Nur wollte der Zeitzünder nicht so recht funktionieren. "Mach schon, ich hab nicht ewig Zeit..." murmelte er dem Zünder zu, wohl in der Hoffnung dieser würde sich besinnen und doch funktionieren. Dieser Gedanke kam ihm komisch vor und einen Moment lang zweifelte er an seinem Verstand. " Elendes totes Ding, hätte fast geglaubt du machst das mit Absicht... tja, da muss ich wohl auf die alte Art und weise reparieren..." Er nahm einen Stein vom Boden auf uns versetzte dem kleinen Kaste einen Schlag. Die Leuchtanzeige flimmerte kurz und zeigte dann das Signal für volle Einsatzbereitschaft. "Na also!" freue Andrew sich. Behände stellte er den Timer ein und machte sich dann auf den Weg zum Buggy. Zu seinem Schrecken musste er sehen dass er nicht alleine auf dem Weg dorthin war. Drei Banditen rannten geradewegs auf das Gefährt zu. Und sie waren schneller als er! Greg konnte dummerweise nicht wissen welcher von den unzähligen Gegnern der echte Andrew war und Andrew konnte seine Maske nicht abnehmen bevor er aus der Menge der Feinde herausgetreten wäre. Beherzt sprintet er los. Carrie hatte inzwischen das Gewehr. Sorgsam zielte sie auf den vordersten der Angreifer. "Gott lass es Andrew sein... bitte lass es ihn sein... gib dich zu erkennen! bitte" tuschelte sie in sich hinein. Der Motor heulte laut auf. Das Gefährt war betriebsbereit. Die Schaltung der Gänge schien Greg vertraut zu sein. Sie entsprach dem Standard der alten Verbrennungsfahrzeuge. Greg hatte sich in der ersten Zeit nach dem Tag der Katastrophe sehr für diese Art des Transportmittels interessiert und konnte theoretisch jedes Fabrikat und jeden Typ Auto oder Laster fahren, der seit 2037 der alten Zeitrechnung gebaut wurde. Er legte den Rückwärtsgang ein und gab sachte Gas. Die Automatik setzte den Buggy mit einem Ruck zurück und ließ ihn dann langsam von seinem Platz gleiten. Andrew hatte inzwischen den hintersten Banditen erreicht und stürzte sich auf ihn. Sie schlugen hart auf dem Boden auf. Der Bandit röchelte. Ein kräftiger Schlag von oben versetzte ihn ins Reich der Träume. Andrew nahm den Impaler und rannte weiter. Im Lauf schickte er dem nächsten Banditen drei Grelle Lichtblitze hinterher. Der dritte durchschlug schmatzende den Brustkorb des Echsenmannes und lies ihn wenige gestolperte Schritte weiter zusammenbrechen. "Da! Dieser da, das ist Andrew! Carrie, schieß den anderen nieder!" schrei Mindy. Greg lenkte inzwischen um. Die Front de Buggy zeigte jetzt auf den Ausgang des Camps. Der Kampf im hinteren Teil der Anlage war den restlichen Banditen nicht entgangen und so sammelten sie sich und kamen dem Fahrzeugplatz immer näher. Carrie schickte den dritten Banditen zu Boden. Greg gab Gas und steuerte auf Andrew zu, der dankbar aufsprang. Der Buggy war zwar recht groß und besaß eine gute Leistung, aber durch einige Hundert Banditen zu preschen vermochte er nicht. Ebenso war er gegen konzentriertes Impalerfeuer machtlos. Sie hofften auf die Bombe.
Das Timing konnte nicht besser sein. Aus der Flanke des Tanks schoss ein gleißender Pilz und riss die umliegenden Echsenmenschen zu Boden, gefolgt von einer ungleich größeren Explosion, die die Banditenarmee verschlang. Zeitgleich zuckten Impalerschüsse aus der Flammenwand und zeugten von der Panik der Getroffenen. Unerwarteterweise kamen Sekundenbruchteile nach der Explosion einige wenige brennende Körper aus den Flammen und feuerten aus allen Rohren auf den Buggy. Die glühenden Energiekugeln fraßen sich in die metallische Außenhaut des Fahrzeuges. Greg drückte das Gaspedal voll durch. Der Feuerball hatte die Wiese in Flammen gesetzt und überall lagen die brennenden Leichen der Feinde. Der Buggy legte an Geschwindigkeit zu. Carrie schaute hinüber zur Grube. Vom Rand flossen Unmengen brennenden Treibstoffs in das tiefe Loch und würden wohl auch den Mordrak das Leben kosten. Der Buggy verließ das Camp.
Als die Sonne aufging, waren Mindy und Carrie eingeschlafen. Andrew hatte das Steuer übernommen und Greg war ebenso im Begriff sich auszuruhen. Er dachte an die letzten Tage. Sie hatten es geschafft die Stadt zu durchqueren und waren dem Carnifex entkommen. Sie hatten gegen eine unglaubliche Armee von Banditen bestanden und verließen jetzt den Wald. Langsam aber sicher forderte die Müdigkeit ihren Tribut. Ein dumpfer Schlag ließ ihn mit dem Kopf gegen den Überrollbügel schlagen. Andrew fluchte.
Der Wagen war über einen Baumstamm gefahren und hatte einen Achsbruch erlitten. "Was ist denn hier los..." grummelte Greg im Halbschlaf.“Wir kommen nicht mehr weiter. Der Wagen ist unbrauchbar. Wir müssen zu Fuß weiter." rief Andrew unter dem Auto hervor. Müde und erschöpft sammelten sie ihre Sachen und marschierten weiter in Richtung Westen. Die ohne stand bereits sehr tief als Die vier von ihren Kräften verlassen wurden. Greg und Andrew errichteten ein Notdürftiges Lager. Carrie erklomm einen nahe gelegenen Hügel und überblickte die Landschaft. Mindy macht eine Bestandsaufnahme. Es waren kaum noch Proviant da. "Sieht so aus als müssten wir uns etwas suchen, die Nahrungspacks sind leer!" Rief sie zu Carrie. Carrie aber hörte sie nicht. Dazu war die Aussicht zu schön. Wie eine rettende Burg lag die Siedlung der Menschen im Tal. Und es waren viele Menschen. Sie hatten ihr Ziel erreicht.
Ende