Der Charakter der Musik
Er verlässt den Raum. Blickt nach vorn. Sein Ziel ist ungewiss. Er weiß nichts.
Er läuft los. Seine Kopfhörer sind sofort in seinen Ohren und die Musik beginnt.
Seine Gedanken beginnen sofort zu fließen. Seine Emotionen werden vom Takt der Musik bestimmt. Sein Herz schlägt im Beat. Er ist wieder da. Er hat die Realität abgeschalten und ist wieder in seiner Welt. In einer Welt, in der nur seine Gedanken zählen.
Die traurigen Hymnen in seinem Ohr bringen ihn dazu an das zu denken, was er verloren hat. Er hatte es davor noch nie gehabt und hat es nicht vermisst, aber jetzt wo er es verloren hat, fehlt es ihm mehr als alles andere in der Welt. Die Musik treibt ihn weiter. Langsam bahnt sich eine einzelne Träne ihren Weg durch sein Gesicht. Sein Herz beginnt schwer und nicht mehr im Takt zu schlagen. Er spürt wieder die Verzweiflung, als er es verlor. Alles kommt zurück. Er überlegt was wäre wenn und was er hätte tun können und die Töne tragen ihn weiter in sein Leiden. Sein Leben war schön, bis er es fand. Dann war es perfekt und er konnte nicht verstehen wie er ohne es leben konnte. Nun war es wieder weg und er konnte nichts daran ändern. Er schließt die Augen. Gibt sich der Musik hin. Seinen Gefühlen. Bricht fast zusammen. Er blickt wieder auf und wechselt die Musik, um zu vergessen.
Ein aggressiver, schneller Klang umschließt seine Gedanken. Sein Mund formt die aggressiven Wörter und singt sie lautlos mit. Seine Hände ballen sich zu Fäusten und jeder seiner Muskeln spannt sich bis zum Zerreißen an. All die Wut die sich wegen ihm angesammelt hat ist nun in ihm. Er denkt an ihn, denn er hat es ihm genommen. Wegen ihm hat er es nicht mehr und dafür er. Die Musik bringt seinen dunkelsten Wunsch hervor. Er möchte sich rächen. Er möchte es zurückerobern. Er möchte ihm zeigen, was er getan hat. Er weiß nicht wie ihm geschieht, als die Musik ihn in eine ungeahnte Rage bringt, aber er mag das Gefühl. Er möchte es ausleben. Aber er weiß, dass er das nicht kann. Es ist weg und egal was er ihm antut, es wird weiterhin verloren sein. Er versucht sich zu beruhigen. Bleibt stehen. Sieht sich um. Wechselt wieder die Musik.
Eine freudige und lustige Melodie umspielt nun seine Gedanken. Er beginnt in schönen Erinnerungen zu schwimmen. Wie es war als er es hatte und wie fröhlich er war. Wie es ihm immer ein Strahlen ins Gesicht zaubern konnte und was er und es zusammen erlebt haben. Es hat ihm gezeigt, was es bedeutet wichtig zu sein. Er erinnert sich und läuft lächelnd durch die Welt. Er kann nicht anders. Sein Herz pumpt die Endorphine in sein Blut, welche seine Stimmung in ungeahnte Höhen treiben. Die Musik lässt ihn tanzen. Er geht seinen Weg nicht mehr entlang, er tanzt ihn. Die Musik treibt ihn voran. Er weiß nicht wie ihm geschieht.
Plötzlich bemerkt er, dass er an seinem Ziel ist. Er schließt die Augen. Verliert sich noch einmal in seiner Musik, seiner Welt. Sein Herz beruhigt sich wieder, verlässt den Takt der Lieder. Seine Gedanken werden wieder träge. Die Kopfhörer verschwinden wieder in seiner Tasche. Die Realität ist wieder da. Es ist weg. Ihm hat er nichts getan. Sein Herz verkrampft.
Er betritt den Raum. Blickt nach vorne. Sein Ziel ist ungewiss. Er weiß wieder nichts.