- Zuletzt bearbeitet:
- Kommentare: 10
Der Ausgezeichnete
Die Frau, die sich als Ann-Marie vorgestellt hatte, machte vor der nächsten Tür halt und straffte ihr Kreuz.
„Und hier sitzt Robert Jahn!“, sagte sie stolz, zeigte auf die Tür, wie ein Dompteur auf den Käfig seines Löwen. An ihren Unterarmen waren schlanke Muskelstränge zu sehen und auf den Handflächen pochten geschwollene Adern. Ein Anblick, den Birgit außerordentlich schön fand.
Ann-Marie beugte sich verschwörerisch vor. „Er ist ein Genie!“, sagte sie. „Aber er hört es nicht gern.“
Birgit nickte und betrachtete die Holztür. Irgendein Putzmittel hatte einen interessanten Geruch im Flur hinterlassen.
„Erinnerst du dich an die Kampagne?“, fragte Ann-Marie und zog sie ein Stück weiter.
Birgit nickte und lächelte.
Nicken und Lächeln. Das machte sie nun schon seit zwanzig Minuten, seit sie das Haus betreten und dem Portier gesagt hatte, dass sie Birgit Maier sei und einen Termin mit Frau Greiner hätte. Ann-Marie Greiner, deren kräftiger Pferdeschwanz hin und her schwang, mit einer Spur Mandel. Maier, Greiner – das eierte mächtig! War nicht leicht in einem Satz zu sagen.
Aber was hatte sie gerade erzählt? Dass er unglaubliches geleistet hatte, Leben verändert, Regeln umgeworfen, den ersten Schritt in eine völlig neue Richtung, der Jahn, das Genie. Alte Schule und so. Schwierig manchmal, aber nicht ohne Humor, haha!
Birgit nickte und lächelte. Herrje!
Der Name war oft erwähnt worden in ihrer Studienzeit. Einige der Professoren bauten eine Pause ein, die man mit Bedeutung füllen konnte, aber das war gar nicht nötig. Dafür gab es die Geschichte mit dem jungen Robert Jahn in der Tiefgarage, in der Hand seine Mappe und überall der Geruch nach Motoröl. Wahrscheinlich wußte er gar nicht, wer der Typ war, der da um seinen Wagen herumlief und nach Kratzern suchte. Vielleicht wollte er bloß ein bisschen quatschen, zum Warmwerden fürs Vorstellungsgespräch, so wie Birgit es heute morgen vor ihrem Spiegel getan hatte.
Die Agentur war damals noch recht unbedeutend, versuchte gerade sich aus dem Niedrigbudget herauszuretten, und auf der Etage minus Eins redete Jahn mit ihrem wichtigsten Kunden, klopfte ihm auf die Schulter, freute sich über sein Auto und offenbarte Ideen, die zwar auch andere hatten, die aber noch nie auf das Ohr eines Kunden getroffen waren.
Und dann war er der Mann der Stunde, hatte den größten Deal abgeschlossen, noch bevor er überhaupt den Job dazu hatte.
Natürlich konnte das auch eine Marketinggeschichte sein, dachte Birgit. Es klang einfach zu aschenbrödelig. Sie klopfte diese Ansicht auf Neid ab. Eine der Todsünden, denen sie nie erliegen wollte. Neid, Geiz und Faulheit.
Also.
War sie neidisch auf die Leichtigkeit von Robert Jahns Erfolg?
Nein, das war es nicht. Nein.
Es war dieses Stirnrunzeln, das sie befiel, wenn von unverdienten Zufällen, eingebrannten Schicksalen, Bestimmungen und schlimmstenfalls Sternenkonstellationen die Rede war. Alles, was Birgit bisher erreicht hatte, beruhte auf Arbeit. Der Rest war Abendlektüre.
Am Mittwoch kam dann der Anruf. Sie schrieb mit: Dienstag, 8 Uhr, 1. Stock, bei Christoph Lange melden! Nachdem sie sich eine Weile die Worte angesehen hatte, legte sie den Zettel in eine Schachtel mit gefundenen Muscheln und Steinchen, in der auch noch die Rechnung aus dem Restaurant lag, in dem Gustav sie das erste Mal geküsst hatte. Adlerhof, vier große Bier, ein paar Schnäpse, mehr brauchten sie damals nicht.
Das Büro hatte eine Fensterfront über die ganze Wandbreite und zeigte in den Innenhof. Darüber hing ein Stück Himmel, an dem man das Wetter einer guten halben Stunde ablesen konnte. Von ihrem Platz aus blickte sie auf ein großformatiges Foto aus einer Kampagne für Parfüm. Film Noir Stimmung. Wissende Augen und absolute Lippen. Es war sehr gut gemacht, aber unglaublich einnehmend. Sie hätte es gern abgenommen, damit es sie nicht mehr einsaugen konnte.
Die anderen Drei, mit denen sie das Büro teilte, machten es ihr leicht, sich einzufügen. Sie fragten, wo sie vorher war, wie sie die Kampagne fand, wo sie ihren Pullover her hatte und ob sie dem Jahn schon begegnet war. Danach sackten sie zufrieden in ihre Stühle zurück und bedachten sie hin und wieder mit einem Lächeln.
Birgit arbeitete an einer Longcopy über die Vorzüge Kanadas als Urlaubsziel. Tausend Worte über ein Land voller Bäume und Bären, in dem sie noch nie gewesen war. Weite, Wolken, Wald, Wandern, Wild. Gustav wollte da immer hin. Oder war es Alaska? Jedenfalls sah er sich gern Filme an, in denen Männer in grünen Schluchten standen und Angeln auswarfen. Die Frauen in diesen Filmen liefen bloß hektisch herum, packten Köder und Sandwiches in Körbe, kicherten einfältig und gaben den Männern großmütterliche Ratschläge. In den guten Momenten waren sie einfach nicht dabei.
Von ihrem Platz aus konnte Birgit ihr Fahrrad sehen. Es machte nicht viel her, hatte aber eine sehr gute Substanz, wie der Verkäufer beteuert hatte. Das war jetzt nicht mal eine Woche her und nun sah sie, wie sich ein Mann daran zu schaffen machte. Er trug ein braungelbes Tweedjacket und grüne Cordhosen. Auf seinem Hinterkopf leuchtete ein heller Kreis Haut. Sowas erinnerte sie immer an Mönche. Sein Gesicht konnte sie nicht erkennen. Er hatte sich zu weit vorgebeugt, damit er an die Gangschaltung rankam. Seine Arme arbeiteten, das konnte man sehen, und seine Schultern spannten den Tweed. Später konnte sie nicht sagen, warum sie nichts getan, warum sie nur zugesehen hatte. Am Fahrrad hatte sich nichts verändert. Es war noch da und es fuhr. Vielleicht sogar ein bisschen besser, aber das konnte auch Einbildung sein.
Die nächsten Tage sah sie ziemlich oft aus dem Fenster, in Erwartung einer Wiederholung, die ihr selbst unsinnig erschien. Aber dann passierten andere Dinge und sie dachte nicht mehr daran.
Birgit war in den zweiten Stock berufen worden. Jemand sei ausgefallen, hieß es. Keine Ahnung, was das war – ein Ausfall. Ihre Kollegen verstummten, wenn sie den Fahrstuhl betrat und auf die Zwei drückte. Sie grüßten zwar noch, tauschten Floskeln und so, aber das hieß nichts mehr.
Sie dachte daran, die Stimmung aufzulockern, blieb dann aber doch stillschweigend mit ihren frisch formulierten Sätzen im Fahrstuhl zurück. Vielleicht lag ihr auch gar nicht so viel daran, wie sie glaubte.
Dafür traf sie jetzt öfter auf Ann-Marie. Auf dem Flur blieben sie gern beieinander stehen und verfingen sich in diesem und jenem. Anfangs dachte Birgit noch, es wäre bloß ihrem Betreuergemüt geschuldet, aber langsam schien sich eine Freundschaft daraus zu entwickeln. Ann-Marie erzählte von ihrem Sohn Lukas, was er von Mozart hielt und wie er argumentierte, wenn es um ungeliebte Bommelmützen ging und Birgit versuchte sich vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn sie mit Gustav ein Kind bekommen hätte. Gustav hätte es sicher gut gefunden. Er war mit allem, was sie vorschlug, einverstanden. Das war seine Schwäche. So was musste sich irgendwann lieblos anfühlen.
Als sie in der Kaffeeküche auf den Mann mit dem braungelben Tweedjacket traf, brauchte sie eine Weile, um sich zu erinnern. Er drehte sich nur kurz zu ihr um. Seine Hand steckte in der Packung mit den Espressotabs und kramte wütend darin herum. Robert Jahn, also. Birgit sagte nichts, nahm sich eine Flasche Wasser und ging wieder in ihr Büro.
Einige Tage mit Regen vergingen. Nasse Fußspuren verteilten sich im Haus und aufgespannte Regenschirme wurden im Konferenzzimmer zum Trocknen aufgestellt, die meisten schwarz und glänzend. Birgit machte Fotos davon und schenkte Ann-Marie ein paar Abzüge, die später gerahmt in deren Büro hingen. Sie wußte nicht, was sie davon halten sollte. Es kam ihr übertrieben vor, die Fotos so sichtbar aufgehangen zu sehen. An der Wand wirkten sie plötzlich kitschig. Aber was sollte sie machen? Erst als Lukas krank wurde, fiel ihr die Lösung ein. Sie schaffte es, Ann-Marie zu überreden, die Bilder für Lukas mitzunehmen. Ein Kind, wie er, würde sie zu zerstören wissen.
Es gab eine Regel, die besagte, dass man ein Büro nicht betreten, nicht mal klopfen durfte, wenn das Schild draussen hing. Es waren Schilder, die man aus Hotels kannte, auf denen Bitte nicht stören/ Do not disturb stand. Birgit hatte es selbst noch nie rausgehangen, auch jetzt nicht. Sie hielt ihren Ausdruck in der Hand und suchte den Flur nach jemandem ab, den sie fragen konnte.
Der Teppich schien in einer fremden Sprache zu flüstern. Sie ging bis zum Konferenzzimmer und wieder zurück zum Fahrstuhl, aber entweder hingen Schilder draußen, oder die Büros waren wüst verlassen worden. Vor Robert Jahns Büro wählte sie Ann-Maries Nummer, obwohl sie wußte, dass ihr Handy ausgestellt war, damit Lukas schlafen konnte. Damit waren alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Jetzt konnte sie klopfen.
„Sie haben ihr Schild nicht draußen!“, rief sie. Der Satz hallte in ihrem Kopf wider und klang so dämlich, dass ihr schlecht wurde. Sie wollte sofort umkehren, aber etwas tat sich hinter der Tür. Ein schwerer Gegenstand fiel, dann Schritte und Klappern. Die Tür ging auf und Robert Jahn sah sie verwirrt an. Er roch nach teurem Whiskey und sein Jacket lag hinter ihm quer auf dem Schreibtisch, als wollte es etwas verbergen.
„Was zum Teufel wollen sie!“
Birgit erschrak.
„Nichts! Gar nichts!“, rief sie hastig und starrte ihn an. Sie konnte sehen, wie er darauf wartete, sie aus der Tür verschwinden zu sehen, aber sie konnte nicht. Sie redete einfach. Dass sie nicht weiterkäme und der interne Code nicht funktioniere, sie nun aber an die Vorgaben ran müsse, die sie leider nicht ausgedruckt hatte, weil ihr das Papier zu schade gewesen sei; die änderten sich ja ohnehin dauernd.
Der reinste Blödsinn, aber so war es nunmal. Sie wedelte mit dem Papier in ihrer Hand. Der Lufthauch wirbelte seine dünnen Haare auf.
„Unglaublich“, sagte er und machte die Tür wieder zu.
Birgit schossen die Tränen in die Augen. Wie ein kleines Kind. Am liebsten wollte sie zu den Toiletten laufen und warme Tränen aufs Papier tropfen lassen. Zusehen, wie die Druckerschwärze verschwamm und das als Methaper für ihr Leben nehmen.
Stattdessen riß sie sich zusammen und klopfte sie wieder. War das jetzt erwachsen oder einfach nur dumm? Sie wußte es nicht. Jedenfalls ließ Robert Jahn sie rein.
Das Zimmer war dunkler als die anderen, mit Jalousien, die bis auf einen kleinen Spalt runtergelassen waren. Er zog Birgit zu einem Paar Ledersesseln hin, die in der Ecke neben dem Bücherregal standen.
„Hier“, sagte er und deutete auf die Sitzfläche. Sie wischte sich die Augen und taumelte in das Braun.
„Wie alt sind Sie?“, wollte Jahn wissen. Das war fies. Wo sie sich doch gerade eben wie Vier gefühlt hatte und fast damit herausplatzen wollte.
„Dreißig“, antwortete sie verletzt und rieb die Tropfen, die auf ihr Revers gefallen waren, tief in den Stoff hinein.
Jahn nickte ernst. „Und dann den Code vergessen.“
„Ich weiß nicht. Ich hatte ihn ja, aber vielleicht ist er geändert worden … .“
„Und ich soll ihn haben, nicht wahr?“, unterbrach er sie.
Birgit sah auf seine großen Hände, die ausgebreitet auf den Oberschenkeln lagen. Was sollte das? Wollte er sie irgendwie reizen?
„Jaaa“, sagte er gedehnt. Sie sah ihn skeptisch an.
Dann stand er auf und ging zum Regal. „Erstmal trinken wir einen auf den Schreck.“
Der Whiskey brannte und trieb ihr noch mehr Röte ins Gesicht. Jahn füllte die Gläser wieder auf und sah sie schweigend an. Birgit fing einfach an, in die Stille hineinzureden, hinter der ihr zu viele Unbekannte hausten.
Sie sagte, dass es ihr leid tat, die Tränen, und dass sie einfach so herausgeplatzt waren und ihr sowas noch nie passiert sei. Naja, als Kind schon, korrigierte sie. Im Empfangzimmer ihres Vaters, zwischen den Patienten. Weil sie unbedingt pullern musste und sich nicht traute, was zu sagen. Da hatten alle gelächelt und sie getröstet, bis sie merkten, dass ihr Rock naß war. Tante Renate - also keine echte Tante, sondern die strenge Empfangsdame, die sie nur so nennen sollte - griff sich ihr Handgelenk und zog sie in den Waschraum, wo es so eng war, dass sie sich zu zweit kaum drehen konnten. Die Tante zerrte so heftig am Reißverschluss ihres Rockes, dass ihre Lieblingstrumpfhose hinten aufriss und als Birgit wieder rausdurfte, fühlte sie die kratzenden Papierhandtücher in ihrem Schlüpfer hin und herwackeln, wie einen Fremdkörper, und sie hatte die Vorstellung, dass alle es sehen konnten.
Aber da war sie ja noch ein Kind.
„Verstehe“, sagte Jahn und trank sein Glas aus.
Schweigen wäre gut gewesen. Aber diese bescheuerte Pullergeschichte! Wenn sich die Peinlichkeit erstmal Einlass verschafft hatte, ließ sie sich schwer wieder stoppen. Damals wurde es auch noch schlimmer. Als der Hund - angezogen von Duft ihres Urins - seinen Kopf unter ihren Rock wühlte, bis er mit der Schnauze in den Riss der Strumpfhose gelangte, und das nasse Papier herauszerrte und auffraß. Das nicht erzählen! Sie biss sich vorsichtshalber auf die Unterlippe, knabberte ein Stück Haut ab. Jahn sah sie fragend an. Ja, wie weiter, jetzt! Der Code, natürlich. Mehr wollte sie ja nicht.
„Können Sie mir helfen?“, fragte sie schüchtern.
„Kommt drauf an, wobei!“
Sie glaubte ein freches Grinsen zu sehen, ganz kurz nur, dann war das Gesicht wieder glatt, aber es reichte, um sie noch weiter zu verunsichern.
„Der Code“, flüsterte sie.
„Nein“, rief Jahn hart und sprang auf.
Sie starrte verwundert auf seinen leeren Platz.
„Aber bevor Sie wieder losheulen … .“ Er leerte zügig sein Glas. „Ich habe ihn nicht.“
„Aber … „, stammelte sie und folgte seinem nervösen Auf und Ab.
„Nein. Noch nie gehabt“, unterbrach er sie.
„Aber wie kann das sein?“
„War noch nie nötig.“
„Alles läuft über dieses Netzwerk!“, rief sie erstaunt. Jahn schwieg und setzte sich, setzte sich ihrem Blick mit einer Strenge aus, die keine weiteren Fragen duldete.
„Ich weiß“, sagte er. Sein Lächeln kräuselte sich bitter. „Ich glaube, Sie sind die Einzige, der das überhaupt auffällt.“
Als das gesagt war, wich er ihrem Blick aus und stand auf. „Und jetzt muss ich gehen. Sie werden schon jemanden finden, der Ihnen helfen kann. Sonst … “, er zeigte auf die Flasche Whiskey, „ ... trinken Sie ruhig noch einen.“ Er nahm sein Jacket und wartete an der Tür auf sie. Sie stand langsam auf und versuchte, ihre Bewegungen dem Alkohol anzupassen. Sehr langsam. Abstützen. Es war keine Absicht, dass sie die Zeichnungen auf dem Tisch sah. Sie waren ja groß genug. Es waren Konstruktionen von Fahrrädern; Rennräder, Damenräder, Kinderräder.
Brigit saß noch eine Weile an ihrem Rechner und dachte über die Begegnung nach. Dann beschloss sie, dass es keinen Sinn machte und fuhr nach Hause.
Ann-Marie war durch das Fieber ihres Sohnes und die Schlaflosigkeit weich und müde geworden. Als sie Birgit begrüßte, ließ sie sich fast in die Umarmung fallen.
„Lukas hat deine Fotos in die Badewanne getaucht“, hauchte sie. „Es tut mir leid!“
Birgit musste schmunzeln. Sie erzählte von ihrer Begegnung mit Jahn, natürlich ließ sie ihren Redefluss und den Whiskey aus, somit blieb nur, dass Jahn den Code nicht hatte.
Ann-Marie schüttelte lachend den Kopf. „Quatsch! Der hat dich bloß ein bisschen verarscht. Ist nicht nett, aber ich hab dich ja gewarnt: ein schwieriger Geist.“ Birgit bestand eine Weile auf ihrer Ansicht und zog sich schließlich beleidigt auf ein anderes Thema zurück.
Sie kam erst spät raus. Die Ecke, in der ihr Fahrrad stand, war schwarz vom Schatten. Erstaunlicherweise brannte im ersten Stock noch Licht. Irgendwo stieg Zigarettenrauch auf, jemand knurrte unwillig. Sie sah zwei Köpfe am Fenster, zu wenig Kontur, um auszumachen, wer es war. Die Zigaretten wurde rausgeschnippt und eine landete knapp vor ihrem Fahrrad. Dann schloss sich das Fenster. Birgit zog leise ihr Rad aus dem Ständer und fuhr nach Hause.
In der Nacht träumte sie von dem Jungen aus ihrer Klasse, an den sie sehr lange nicht gedacht hatte. Markus, hatte eine ganze Bank für sich allein. Blass, drahtig, ziemlich komisch. Sein Vater war ein hohes Tier, so hieß das damals. Keine Ahnung, was das war, aber es brachte die Lehrer dazu, ihm übertrieben gute Zensuren zu geben. Obwohl Markus das wußte, legte er das passende Lehrbuch immer aufgeklappt auf seinen Tisch und gab sich den Anschein, als lerne er fleißig. Dahinter versteckten sich seine Buntstifte und Zeichenblätter mit Gnomen, Drachen und Rittern. Die Lehrer konnten sie ziemlich gut sehen, wenn sie ihre Runden durchs Klassenzimmer drehten. Manche beugten sich sogar ein wenig zu ihm hinunter und taten so, als würden sie seine Aufgaben kontrollieren.