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Das Schnäppchen

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21.04.2012
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Das Schnäppchen

Melina… Der Name klang für mich immer nach einem Strauß wohlriechender Blumen und blauen Geschenkeboxen mit roter Schleife. Er erinnert mich selbst jetzt noch nur allzu oft daran, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt. Tatsächlich trifft dies nur auf Schürfwunden und leichtere Prellungen zu. Sind die inneren Organe betroffen, bedarf es mehr als den Faktoren Zeit.


Ihr Anruf kam an einem Sonntagabend gegen Mitternacht.
Ich saß gerade vor dem Fernseher und sah mir die Wiederholung einer Reportage über die Galápagos-Inseln an, als aus der Diele das Telefon ertönte. Da ich befürchtete, ein mehrmaliges Klingeln würde das Kind nur allzu früh Morpheus Armen entreißen, beeilte ich mich dermaßen, dass ich mir den kleinen Zeh am Türrahmen stieß. Man kann sich vorstellen, dass mein „Magnussen! Hallo?“, mit dem ich den Anrufenden begrüßte, ein wenig erbost klang. Jeglicher Anflug von Unmut verschwand jedoch als ich ihre Stimme vernahm. Eine Stimme, die mein Ohr seit nunmehr sieben Jahren nicht mehr hörte, aber die beinahe täglich in meinem Kopf erklang. Sie war der Grund dafür, dass ich manchmal nachts aufwachte und mir wünschte ich hätte in einigen Situationen meines welkenden Daseins anders gehandelt. Mir fielen dann wieder all meine vertanen Chancen ein, welche dafür verantwortlich sind, dass ich heute so ein farbloser Mensch bin, der, wenn er in den Spiegel schaut, einen Mann sieht, zu dem der Selbstmord gut passen würde. Vielleicht nicht jemand der sich eine Kugel in den Kopf jagt oder sich vor ein Auto wirft, aber eine Überdosis Schlaftabletten würde schon in Frage kommen.
Das einzige was mich bislang davon abhielt, war die Hoffnung auf eine letzte Gelegenheit. Irgendwann einmal würde ich galant von der Dame im Lautsprecher aufgefordert werden mich zum Abflugbereich zu begeben. Dort würde dann nämlich eine Maschine auf mich warten, die mich aus diesem langen trostlosen Traum fortfliegt, in ein Land was Leben heißt. Das Ticket würde mich keinen Cent kosten, denn es wäre eine Art Wiedergutmachungsgeschenk für all das Leid, was ich erfahren musste. War dieser Anruf nun der Aufruf zum Check-In?

Melina brauchte Geld und zwar schnellstmöglich, am besten noch in derselben Nacht. Wir vereinbarten dann, um meine Frau nicht zu beunruhigen, ein Treffen für Montagnachmittag. „Wo?“ Ich durfte es mir aussuchen und entschied mich für „unser Cafe“ am Flughafen.
Damit war das Gespräch beendet.

Mit einer Träne im Auge lachte ich spöttisch über meine naiven Erwartungen der Erlösung. Als ich den Hörer auflegte war jegliche Zuversicht erstickt. Worauf spekulierte ich denn überhaupt?! Damals erweckte ich zwar für einige Atemzüge ihr Interesse, schließlich wurde ich ihren Ansprüchen aber doch nicht gerecht.
Wie am Obststand, wo ein Apfel auf dem ersten Blick ganz appetitlich ausschaut, dann jedoch, nachdem er von prüfenden Kundenhänden zur Begutachtung hin - und hergedreht wurde und seine vielen kleinen Macken entdeckt sind, für doch nicht ausreichend befunden wird. Es gab keinen Grund weshalb sie aus heiterem Himmel nun Gefallen an einem dieser lädierten Äpfel finden sollte.

Dennoch genügte ein knapp zwei-Minuten-Telephonat um mich wieder einmal in den mir so bekannten Abgrund zu stürzen. Ich bekam ihr verfluchtes Gesicht einfach nicht mehr aus meinem Kopf heraus.
Dieses reizende, stets mit einem die Welt nicht Ernst nehmenden Lächeln versehende Antlitz, in dessen Augenhöhlen zwei strahlende Saphire eingesetzt wurden, die jedes männliche Herz im Nu schmelzen ließen, wie ein Häufchen Vanilleeis in einem dieser unerträglich heissen Sommer. Dazu diese leicht nach oben gerichtete Nase, die zu sagen schien, dass sie ihre Besitzerin für einen Deut wertvoller als alle übrigen Geschöpfe hielt. Umgeben war diese Vollkommenheit von einer luxuriösen Haarpracht à la Maria Magdalena, deren Geruch mich immer an einen Spaziergang an einem einsamen Strand Gomeras denken ließ. Trotz ihres engelsgleichen Äußeren, war es das Wesen das in dem Kunstwerk beheimatet war, was mich in seinen Bann zog. Anmutige Menschen (ganz gleich ob Frauen oder Männer) laufen einem zu Hauf über den Weg; es gibt sie wie Sand am Meer. Bloß kommen sie mir meist vor, wie die Schnecken die die Blumen im Garten zerfressen: Ihr Gehäuse ist wunderschön, doch innendrin haust eine glitschige Kreatur vor der man nur Abscheu empfinden kann.
Bei Melina hingegen übertraf das unter der äußeren Membran verborgene Geschöpf seine Hülle an Schönheit um ein Vielfaches und liess sie mir wie die Verleiblichung solcher abstrakten Begriffe wie Freiheit und Glück vorkommen, anders kann ich es nun mal nicht beschreiben.
Umgeben von ihrer Aura wurde mir so leicht, dass ich mich aufzulösen schien. Ich wurde eine Wolke die erhaben vom Himmel auf das Gewühl auf der Erde blickte. Von dort oben aus betrachtet kam mir das ganze Getue unter mir so furchtbar unsinnig vor. Ich empfand Mitleid mit denen, die wie ich einst ihre Zeit damit verschwendeten „den Dingen auf den Grund zu gehen“. Kierkegaard oder der ewig grimmig dreinblickende Nietzsche, der Doppler-Effekt oder das Planksche Strahlengesetz: Nichts von alledem hatte mehr Relevanz.
Einzig und allein der Tanzpalast zählte. Das war ihre Botschaft! Bewacht von cerberusartigen Ungetümen stand er dort im grellen Licht der Scheinwerfer auf dem mystischen Berg Nysa. Einlass wurde nur dem gewährt, der bereit war seine Zukunft die Toilette hinunterzuspülen und fortan sein Leben dem Tanzen zu widmen. Und so tanzten wir im Kollektiv zur stumpfsinnigen Musik des Ruins, ohne an ein Morgen zu denken. Wer aufhörte sich zu bewegen, wurde mit einem lebenslangen Hausverbot gestraft. Eine fatale Maßnahme, denn war die Schwelle erst einmal übertreten, blieb einem der Weg zurück in die normale Gesellschaft auf ewig versagt. Man existierte nur noch auf den Seitenstrassen des Lebens, dort wo sogar eine simple Bewegung, wie z.B. einen Fuß vor den anderen zu setzen, eine beinahe unlösbare Aufgabe war. Wie man sich denken kann, habe auch ich das Tanzen aufgegeben. Es war vor sieben Jahren, kurz nachdem ich erfuhr, dass Melina mit diesem selbstverliebten Sunnyboy Antonio durchbrennen wollte.


Unterbrochen wurden meine Erinnerungen von Eva, die mich aufforderte nun endlich zu ihr schlafen zu kommen und mich somit wieder in mein Purgatorium zurückrief. Bemüht meine Erregung über den Urheber des Anrufes, (ich behauptete es sei ein alter Schulfreund gewesen, der sich mit mir treffen wollte) zu verbergen, kroch ich zu meiner Frau ins Bett.

Da im schlafenden Zustand die Zeit ja bekanntlich schneller vergeht als im wachen, wünschte ich mir zügigst einzuschlummern, um das erwartete Wiedersehen zu beschleunigen. Zudem wollte ich zu unserem Treffen nicht wie ein Untoter aussehend erscheinen, denn ich hatte gewiss nicht vor ihr einen Hinweis darauf zu geben, dass es um mich nicht sonderlich gut bestellt war. Dennoch stand mir wieder eine schlaflose Nacht bevor. Diesmal jedoch nicht weil ich mich aufgrund meiner vergangenen Fehler selbstbemitleidete, sondern wegen einer leicht schmerzenden Gespanntheit auf den morgigen Tag.
Als ich in jener Nacht von einer beklemmenden Dunkelheit umschlossen in meinem Bett lag, ließ ich unser Gespräch noch mehrmals in Gedanken Revue passieren. Verwunderlicherweise fiel mir erst bei der x-ten Wiederholung die Kuriosität ihrer Bitte auf. Weshalb brauchte sie, die betuchte Prinzessin, die meine Armut schier anzuwidern schien, von jemandem wie mir 16000€?
Ich war schon seit jeher ein armer Schlucker gewesen, der so gut wie ununterbrochen pleite war. Sie hatte mich zwar seit Jahren nicht mehr gesehen gehabt, aber glaubte sie denn ernsthaft, dass ich es inzwischen zu etwas gebracht hatte? Nein, sogar sie müsste wissen, dass dieser Zug für mich schon seit langem abgefahren war.
Antonio hatte es durch einige dubiose Geschäfte zu einem stolzen Vermögen gebracht. Seine Mittel hätten sicherlich ausgereicht um mehr als zwei Personen ein sorgloses Leben zu bescheren. Selbst wenn sie sich inzwischen getrennt hätten, wären da noch ihre Eltern, die mindestens ebensoviel besaßen wie ihr potentieller Schwiegersohn. Warum also sollte ich herhalten? Natürlich war es mir möglich das Geld auftreiben, doch nicht ohne mich dabei zu verschulden, denn es war mehr als was ein erfolgloser Versicherungsvertreter wie ich auf Lager haben konnte. Ich hatte ihr selbstverständlich ohne Zögern zugesagt und ihr ganz großkotzig versichert, sie brauche sich keine Sorgen zu machen. Allerdings verschwieg ich dabei, dass mich das Auftreiben dieser Summe in eine ziemliche Misere bringen würde. Ich rätselte noch lange über ihre finanzielle Lage, bis ich schliesslich zu dem Schluss kam, dass ihre angebliche Not eine Farce sein musste. Melina in geldmäßigen Schwierigkeiten war schlichtweg undenkbar. Zu ihr gehörte einfach ein prall gefülltes Portemonnaie wie die Fackel in die Hand der Freiheitsstatue. Also mußte sie tatsächlich irgendetwas anderes von mir wollen, nur kam ich nicht darauf, was das hätte sein können. Nachdem ich endlos lange darüber sinnierte, nahmen meine Auslegungen, wahrscheinlich von der mich allmählich heimsuchenden Müdigkeit beeinflusst, fast schon phantastische Ausmaße an: Vielleicht wollte sie mich einfach nur wiedersehen und war sich zu stolz dies zuzugeben? Deshalb brauchte sie einen Vorwand und erfand ihre Not, die ihr wohl nicht so unangenehm schien wie ihre wirkliche Absicht. Warum auch? Reiche Leute brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie vorübergehend zufällig über kein Geld verfügen, denn dieser Zustand ist ja meist ohnehin nicht von Dauer. Ich steigerte mich immer weiter in meinen Befund hinein, dass ich anfing von einem Happy End meines ergreifenden Dramas zu träumen. Es wird zwar stets geraten, man solle von einer vagen Sache nichts erwarten, um im Nachhinein, falls was schief läuft, nicht enttäuscht zu sein, aber der Gedanke hatte mittlerweile voll und ganz von mir Besitz ergriffen. Es wurde langsam alles klar für mich, so dass ich nunmehr felsenfest von der Richtigkeit meiner Feststellung überzeugt war. Jede andere Deutung war für mich nahezu schwachsinnig (ich beschloss jedoch bei unserem morgigen Treffen mir auf keinen Fall etwas von meiner detektivischen Meisterleistung anmerken zulassen).
Wieder kletterte die vor einer knappen Stunde in meinen Darm verbannte romantische Aussicht auf Befreiung in mir empor. Musste sie vielleicht erst die vielen anderen Äpfel probieren um zu dem Entschluss zu kommen, dass meine Makel, verglichen mit denen der anderen, gar nicht so gravierend waren? War mein Flug doch nicht gecancelt wurden?
Ich zumindest war bereit, auf der Stelle alles stehen und liegen zu lassen, würde sie es von mir verlangen. Nachdem Melina verschwand heiratete ich Eva eh nur, weil mich die Illusion überkam eine eigene Familie würde meinem Leben irgendeinen Sinn verleihen. Doch hatte ich schon sehr bald nach unserer Hochzeit erkannt gehabt, dass das weder Eva noch das Kind bewirken konnten.

Während dieser Überlegungen wurde ich schließlich vom Schlaf übermannt (ich schätze es war bereits vier Uhr durch) und träumte einen merkwürdigen Traum: Ich saß mit irgendeinem Buch von Hemmingway unterm Arm auf einer Bank und starrte gedankenleer auf einen düster ausschauenden See, als wie aus dem Nichts eine Gruppe Schulkinder des Weges kam. Ich erkannte sie sofort. Es waren alte Klassenkameraden von mir und zwar jene die mich stets wegen meiner „seltsamen Art“ aufzogen. Keiner von ihnen war älter geworden, sie trugen die gleichen Klamotten wie damals und neckten sich noch immer mit den gleichen abgedroschenen Sprüche. Als sie mich endlich erblickten, fingen sie sogleich an Steine und Matschklumpen nach mir zu werfen. Friedfertig wie ich nun mal bin, fiel mir keine andere Lösung ein, als die Flucht zu ergreifen. Während ich weglief, hörte ich sie mir* noch nachrufen: „Siehst du, wir haben recht gehabt! Aus dir wird nie was werden.“


Ihr Geld, was ich eigentlich für größere Anschaffungen und Notfälle sparte, verstaute ich in einem alten Verpackungskarton, den ich wiederum in einer grau-blauen Sporttasche mit mir trug. Zum Schutz vor dem alles verschlingenden Schlund von Vater Staat lag es nicht auf einem Sparbuch, sondern in einem kleinen Tresor, der gut versteckt hinter einem Stapel T-Shirts im Kleiderschrank aufbewahrt wurde. Leider genügte sein Inhalt nicht um den von Melina geforderten Betrag zu decken, weshalb ich auch noch meine beiden Konten haushoch überziehen musste.

Bereits eine Stunde vor dem ausgemachten Termin stand ich auf der Besucherterrasse des Flughafens und betrachtete den mit herzförmigen Wolken gefüllten Himmel, um meine Nervosität halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Der Gedanke, dass ich in einer Stunde evtl. noch einmal den Luxus erleben durfte, die gleiche Unbeschwertheit die ich vor Jahren in ihrer Anwesenheit empfand zu spüren, trieb mich fast in den Wahnsinn. All die mit tonnenschwerem Abfall gefüllten Müllcontainer die in meinem Herzen gelagert standen konnten für den Bruchteil einer Unendlichkeit vergessen werden.
Mir fiel auf, dass die anderen Besucher allesamt in warmer Kleidung eingepackt herumliefen und die Luft die sie ausatmeten als kleine Wölkchen sichtbar war. Daraus schloss ich, dass es wohl ein sehr kalter Tag sein musste. Da ich jedoch an Kälte gewohnt bin (insbesondere durch meine Ehe), fror ich nicht und trug Kleidung, die wohl eher für Sommerwetter geeignet wäre. Zuerst hielt ich dies für den Grund, weshalb mich alle unentwegt mit skeptischen Augen ansahen. Schon bald merkte ich jedoch, dass ihre Blicke nicht meinem Outfit, sondern der Sporttasche galten, die sie scheinbar für sehr suspekt hielten. Man vermutete sicherlich einen Sprengsatz oder dergleichen. (Ich kanns ihnen nicht über nehmen: Ehrlich gesagt würde ich mir etwas in der Richtung selbst zutrauen.) Um mir möglichen Ärger vom Hals zu halten, verließ ich die Terrasse und begab mich Richtung Treffpunkt.

Schon nach wenigen Sekunden in „unserem Cafe“, welches eigentlich „Caffè Tirreno“ heißt, merkte ich, dass meine Wahl nicht sonderlich günstig für mich ausfiel. Diese 10 x 15 Meter lösten einfach zu viele Emotionen in mir aus. Insbesondere der kleine abgeschottete Tisch an dem ich meinen Kaffee nippend saß, rief einige erniedrigende Erinnerungen in mir hervor. Hier gestand ich ihr einst meine Liebe, worauf sie mir als Antwort gab, dass sie mit ihrem Macker Antonio „abhauen“ würde, vielleicht sogar nie mehr in die Stadt, die ihr ein Arsenal der Langeweile war, zurückkehren würde. Diese Nachricht war für mich einem Weltuntergang gleichzusetzen. Von jetzt auf gleich verschwand meine letzte Rechtfertigung weshalb ich noch atmete. In solchen Momenten war ich überzeugt, es wäre besser, in einer Welt zu leben, in der nichts Begehrenswertes zu finden ist, als in einer, in der man zwar von der Existenz des Schönen weiß, sich aber gleichzeitig auch darüber im Klaren ist, dass es unerreichbar bleiben wird.

Ich ging davon aus, sie würde zu spät kommen, denn selbst wenn ihr Leben auf dem Spiel stünde, lies sie die Leute gerne auf sich warten. Mit dieser Annahme lag ich falsch. Sie war bereits fünf Minuten vor der abgemachten Zeit im Café. Obwohl… nein, das stimmt so nicht! Nimmt man es genau, so ist meine Melina an jenem Nachmittag überhaupt nicht zu unserem Treffen erschienen. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon längst tot. An ihrer Stelle begegnete ich einer hässlichen Frau, die mindestens doppelt so viel wog wie ich es in meinen besten Zeiten tat. Sie gab sich als Melina aus, doch sie war es nicht und ich konnte sie auch nicht unter den unzähligen Schichten Fettgewebe finden. Lediglich der blasse Teint erinnerte noch an sie, nur wirkte er bei ihr nicht edel und vornehm, wie es bei meiner Melina der Fall war, sondern einfach nur kränklich. Auch sonst suchte man bei dieser Frau, die mir nunmehr mit einer Tasse Kakao gegenüber saß, jeglichen Anmut vergebens. Sie wusste wohl um ihr Aussehen und gab sich keinerlei Mühe in irgendeiner Form elegant zu wirken. Ich brauchte mir keine Hoffnungen mehr zu machen: Die Melina die ich liebte, existierte seit Jahren nur noch in meiner Erinnerung, welche schließlich durch dieses Rendezvous zerstört wurde. Das einzige was von ihr blieb und in der dicken Frau weiterlebte, war ihre mir nicht sonderlich sympathische Eigenart die Pelle vom Kakao zu schlürfen.
Unter diesen Bedingungen fiel es mir verständlicherweise äußerst schwer ein normales Gespräch zu führen. Sie selbst schien ebenfalls kein großes Interesse an einer Unterhaltung zu haben, so dass unsere Konservation hauptsächlich aus den üblichen Floskeln bestand. Nachdem diese uns nicht mehr weiter brachten, kramte sie aus ihrem Portemonnaie ein Photo, das sie mir zum Betrachten unter meine zerkratzten Brillengläser hielt. Auf ihm war sie und ein abgeschmackter Mann Ende dreißig zu sehen, der in seinem verwaschenen Anzug einen ziemlich verbrauchten Eindruck hinterließ. Obwohl ich ihn zwar nur von diesem Photo her „kannte“ hatte ich das Gefühl sogar sagen zu können, dass er einen unangenehmen Körpergeruch an sich trug. Ich tippte auf ein Gemisch aus Schwefel und Sperma. Zugegebenermaßen, erinnerte er mich irgendwie an mich selbst. Es war mir unmöglich das Bild weiter anzusehen; es löste einen Brechreiz in mir aus. Ich schob ihre Hand mit dem Photo schnellstens unter meiner Nase weg. „Richard, mein Verlobter“, zwinkerte sie mir zu. Ich fragte nach Antonio und erfuhr, dass die beiden nicht nur sein gesamtes Vermögen sondern auch noch das ihrer nunmehr verstorbenen Eltern verjubelt hatten. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gelang es ihnen auch noch einen enormen Schuldenberg zu fabrizieren. In dem Moment in dem sie nicht mehr weiter wussten (sie standen angeblich schon mit einem Bein im Kittchen) hatte er sie sitzen gelassen. Mit Hilfe ihres neuen Verehrers, gelang es ihr die Schulden bis auf einen Rest von 16000€ zu begleichen. Danach wollten sie und ihr Verlobter sich eine neue Existenz aufbauen, was immer sie darunter verstand.**************************** *
Über mich sprachen wir keine Silbe. Sie fragte lediglich warum ich so grau geworden war. Ich schob es einfach aufs Rauchen. Dann waren die Tassen gelehrt und es wurde Zeit das Trauerspiel zu beenden. Für noch ein Getränk wollte ich weder Zeit noch Geld opfern. Während unserer Verabschiedung übergab ich ihr kommentarlos das Geldpaket. Sie ließ es mit einer leicht verlegenen Miene in einer Plastiktragetasche auf der der Name eines Supermarktes zu lesen war verschwinden.

Während ich mit der U-Bahn nach Hause fuhr reflektierte ich noch einmal den Tag. Kurioserweise spürte ich ein Gefühl des Triumphes in mir. Das überirdische Wesen war also der Gewöhnlichkeit zum Opfer gefallen. Wie eine heimtückische Krankheit wurde sie von ihr befallen, vermutlich erst äußerlich, dann innerlich und bescherte ihr einen durchschnittlichen Mann der nach Sperma und Schwefel roch. Eigentlich rechnete ich mit einem Anflug von Trauer über den Niedergang meiner Göttin, doch darauf wartete ich vergebens. Es verblüffte mich selbst, ich war froh, dass sie ebenfalls gescheitert war. Früher oder später schien jeder aus dem Tanzpalast geworfen zu werden, egal wie gut man tanzt. Diese Einsicht beruhigte mich ungemein. Hinzu kam noch meine Freude über das Schnäppchen was ich gemacht hatte: Für nur 16000€; hatte ich endlich mein Herz zurückgekauft.

 

Mir fielen dann wieder all meine vertanen Chancen ein, welche dafür verantwortlich sind, dass ich heute so ein farbloser Mensch bin, der, wenn er in den Spiegel schaut, einen Mann sieht, zu dem der Selbstmord gut passen würde,
mag als Beispiel der Wortkunst und der Formulierungskünste genügen -

nein, ein Schnäppchen ist das sicherlich nicht,

lieber mk,
und dennoch (oder gerade deshalb?) erst mal herzlich willkommen hierorts!

Was im gesprochenen, aber wohltuend flüchtigen Wort im vertrauten Kreis vielleicht witzig erscheinen mag, kann als Text zur Qual werden – wie hier. Was die anderen zu Deinen parallellaufenden Texten gesagt haben, muss hier nicht wiederholt werden: es trifft hier gleichermaßen zu, zu umständlich, weil allzu wortreich (Adjektivitis!), übertrieben würde-Konstruktionen und grammatisch fehlerhaft. Einige Beispiele in der Reihenfolge ihres Auftritts – ich unterstelle, dass Du den Rest selbst erledigen kannst - ob da die VHS hülfe, eher wohl weniger:

Gelegentlich hapert’s mit den Fällen:

Sind die inneren Organe betroffen, bedarf es mehr als den Faktoren Zeit.
Korrekt im Genitiv:
…, , bedarf es mehr als de Faktor Zeit.

Mal klappt’s, dann wieder nicht mit der zeichensetzung:

Sie war der Grund dafür, dass ich manchmal nachts aufwachte und mir wünschte* ich hätte in einigen Situationen meines welkenden Daseins anders gehandelt.
Nimmt hier der erste Nebensatz zumindest kein Ende, so der Relativsatz im folgenden keinen Anfang:
Vielleicht nicht jemand* der sich eine Kugel in den Kopf jagt oder sich vor ein Auto wirft, aber eine Überdosis Schlaftabletten würde schon in Frage kommen,
wie auch hier
Das einzige* was mich bislang davon abhielt, war die Hoffnung …
Was allemal für Unkonzentriertheit spricht …

Beim Infinitivsatz, der mit der großartigen kann-Regelung mit freilich diversen Ausnahmen seit der Rechtschreibreformation daherkommt, stolpern aber auch andere:

Irgendwann einmal würde ich galant von der Dame im Lautsprecher aufgefordert werden* mich zum Abflugbereich zu begeben.
Infinitivgruppe mit muss-Regelung hinsichtlich des Kommas, da Infinitvgruppe (mich ... zu begeben) vom Substantiv.

Offensichtlich trinkstu Kaffe

unser Cafe
Ein Accent aigu fehlt dem Kaffehaus …

So viel und zugleich so wenig für heute vom

Friedel

 

Moin mk,

ich muss gestehen, dass ich deine Geschichte nicht über die ersten beiden Absätze hinaus lesen konnte. So eine schwulstige und unnatürliche Ausdrucksweise ist mir noch nie untergekommen. Das wirkt alles total künstlich und auf "Ich schreibe jetzt mal was Anspruchsvolles" getrimmt.
Sorry, aber dieser Text reisst mich weder mit, noch erscheint er mir irgendwie poetisch. Der Stil ist schlicht und ergreifend einschläfernd, das kann ich nicht milder ausdrücken.
Ich habe auch den einen oder anderen flüchtigen Blick auf deine anderen Werke geworfen und die unterscheiden sich nicht großartig von diesem hier. Da wurden die gleichen Kritikpunkte angesprochen, aber anstatt die auszubügeln und sorgfältig zu überarbeiten, haust du einfach eine neue Geschichte nach dem gleichen Schema raus. Konzentriere dich doch lieber erst einmal auf einen Text und verwende ihn, um daran zu lernen. Es gilt nicht nur, Feedback zu bekommen, sondern dieses auch umzusetzen.
Ich würde dir erstmal raten, an deinem Stil zu feilen und nicht krampfhaft zu versuchen, hochliterarisch zu klingen. Das wirkt unfreiwillig komisch und ist nicht unterhaltsam.
Außerdem musst du dich dringend mit Grammatik beschäftigen, diese Satzkonstruktionen bereiten mir stellenweise fast schon körperliche Schmerzen. Es ist ja schön, wenn du schreiben möchtest und Freude dabei hast, aber zu so etwas gehört nun einmal auch Arbeit, wenn du deine Werke der Öffentlichkeit präsentieren willst.
So, genug gemeckert. Sorry für die harten Worte, aber hau endlich rein und setze die Kritik deiner Leser auch mal um, sonst erreichst du irgendwann den Punkt, ab dem sich niemand mehr die Mühe macht, deine Beiträge zu lesen.

Gruß
Pale Man

 

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