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Das Moor von Veradhjur

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31.05.2004
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Das Moor von Veradhjur

Viel Zeit war vergangen, seit er zum letzten Male die Sümpfe Veradhjurs durchstreift hatte. Eine Ewigkeit schien es her, dass er den Duft des Moorgrases hatte in sich aufnehmen können, jene modrige Mischung aus einer heiteren Sommerwiese und der Fäule des Todes.
Sein Umhang strich sanft über die flachen Trittsteine auf denen er dahin schritt, das Säuseln des Stoffes sang ein leises Duett mit der kühlen, feuchten Brise die sein bleiches Antlitz umschmeichelte. Die silbernen Knöpfe an der Leiste seines schwarzen Gehrocks funkelten im Lichte des Vollmondes, der das Moor, gleich einem silbernen Leichentuch, mit fahlem und doch hellem Licht überzog.Durch einen Fehltritt neben den schmalen Pfad auf dem er wandelte würde es zu dem Seinen werden, doch obschon er ihm schon lange nicht mehr gefolgt war, war ihm jede kleinste Windung noch bestens gewahr.
Sieben Meilen hatte er zurückgelegt. Siebentausend Doppelschritte durch die vom Leben verlassene Einöde, in der kein Laut eines Vogels oder sonstigen Tieres zu vernehmen war. Er war am Ziel angelangt.
Den schwarzen Gehstock mit dem silbern glänzenden Knauf und der ebensolchen Spitze in seiner Rechten haltend breitete er weit die Arme aus und rief in die Nacht jene uralten Worte: „Pheij theralla fon weij Daktem, tuis men fruwe ex Hadem ad Liev retuwe! Teak men Toll vor Talem u kum has tu ficht ad eenem heblebjhet!“(1)
Schnell schlug er seine ausgestreckten Hände vor sich zusammen und rammte beidhändig die eherne Spitze des Stabes in eine unscheinbare Bohrung im Gestein zu seinen Füßen.
Ein ohrenbetäubender Knall zerriss die Stille, und eine als Flirren der Luft erkennbare Druckwelle schoss ringförmig von seinem Stecken aus über den glatten Spiegel des schwärzlich schimmernden Morastes hinweg. Sodann kehrte wieder Stille ein, noch drückender als zuvor, denn selbst der Wind schien nun verstummt zu sein. Er zeigte keine Regung während er wartete und den unbehaglichen Schauer ertrug, welcher sein Rückgrat hinab rann. Er rührte sich erst, als es unweit seines Standortes im Sumpf zu brodeln begann, und es erschien, als habe der Mond einen Gegenpol unter der Oberfläche erhalten, der einen Kreis gespenstischen Glühens in die Totenwässer schrieb. Ein eisiger Luftstoß fuhr ihm ins Gesicht und zwang ihn zum Blinzeln. Im Augenblick des Wimpernschlages erschien eine Kapuzengestalt vor ihm. So schwarz seine eigene Kleidung, der nächtliche Himmel und das Moor aus sein mochten, der Mantel dieses Mannes war noch um einige Nuancen dunkler. Er schien jegliches Licht zu absorbieren, es in einen bodenlosen Abgrund hinab und aus der Welt heraus zu reißen.
Er war weit gereist in jenen Jahren seit seinem letzten Besuch hier, hatte viele unwirtliche Orte gesehen, und den eisigen Regen des hohen Nordens auf der Haut gespürt. Doch nichts hatte sich je so kalt angefühlt wie die frostige Stimme des schwarzen Mannes, die sich wie ein Eiszapfen direkt in sein Herz zu bohren schien. Doch noch kälter als seine Stimme war das entsetzliche Lachen, das er nun von sich gab. „Du kleiner Mann erdreistest dich mich heraus zu fordern?“
Der Wanderer zog seinen Stecken aus dem Stein und richtete ihn auf die Brust unter der undurchdringlichen Kapuze, aus deren tiefen Schatten die Worte der Gestalt gedrungen waren. „In der Tat! Ich fordere dich zum Handel nach Kholib'mar!“
Obschon die Kapuzengestalt sich nicht regte schien sie seine Worte kurz zu überdenken. „Nur ein Meister der magischen Künste vermag einen solchen Handel einzugehen!“, sprach sie dann.
Der Wanderer hob daraufhin seinen Stab noch weiter an, deutete in dem Himmel und sprach: „Si' Gnha!“ Ein greller Blitz schnitt durch die Finsternis, tauchte den Sumpf für einen Augenblick in gleißendes Rot; lediglich der Mantel des Fremden blieb so dunkel wie zuvor. Am Firmament über dem Moor brannte nun ein zehn Schritt messendes Pentagramm aus magischem Feuer, dessen warmer, flackernder Schein das leichenblasse Vollmondlicht aus der Umgebung vertrieb. „Dem sei genüge getan!“
„In der Tat.“ Die Schattengestalt streckte ihre schwarz behandschuhte Rechte aus, und im Saum der langen Ärmel sah man für einen Augenblick etwas knochenweißes hervorstechen. „Dein Tribut!“
Der Wanderer griff in die Tasche seines Gehrocks und brachte einen kleinen, mit filigranem Gold verzierten, silbernen Dolch hervor. Er überreichte ihn seinem Gegenüber.
„Du bist ein Sterblicher. Es steht auf der Liste; steht fest, wann du scheiden wirst und wie es geschieht. Doch deine Bestimmung vermag sich heute Nacht zu ändern. Ist der Preis den du mir bietest zu gering, so wird sich dein Schicksal noch heute Nacht erfüllen!“
„Nur wenn du im Zweikampf siegst.“, ergänzte der Zauberer selbstsicher.
„Wahre Worte!“ So gefühllos die eisige Stimme auch klingen mochte, er glaubte nun einen Hauch von Selbstgefälligkeit darin zu hören. „Doch in zehntausend Jahren ist es keinem je gelungen mich zu schlagen. Niemand vermag das zu tun, denn ich bin der Quell aller Magie! Kein Sterblicher kann mehr Macht erlangen als ich, da jede Kraft ihm nur durch mich zufließt.“
Der Zauberer lächelte leicht. Es lag kein Amusement darin, es war eine reine Drohung. „Jede Kraft, die nicht von dieser Welt stammt, sondern aus den Sphären jenseits davon. Doch du vergisst etwas!“
„Und was sollte das sein?“ Der Stimme war noch immer nichts anzuhören, doch unter der Kapuze schien sich Unsicherheit einzuschleichen.
„Vley Elb hera thje l'ara the arbha l'ur!“(2)
„Was kann ein Mensch über die Kraft der Elfen wissen? Die Unsterblichen verkehren nicht mit euch!“
„Und doch spreche ich ihre Sprache. Wie denkst du ist das möglich?“
Der Fremde schwieg.
„Vlorhja chre'thun.“, erklärte der Magier.
„Die Sterblichwerdung eines Elfen?“ Der Schatten war nun offensichtlich verunsichert. „Von wem sprichst du?“
Der Lebende stützte sich vornüber auf seinen Gehstock. „Die Frau deretwegen ich dich aufsuche – wann erschien sie auf deiner Liste?“
Ein feuchtes Rasseln war unter der Kapuze des Fremden zu hören, wie Eisbrocken, die auf Glas prasselten. „Sie...“
„Sie gab für mich die Unsterblichkeit auf.“, bestätigte der Mann. „Über Jahre hatte sie mich im Wald beobachtet. Bei meinen Studien der Natur, der Geister und der Magie. Und in ihr war die Liebe aufgekeimt. So sehr, dass sie sich mir um jeden Preis zu erkennen geben wollte. Sie wählte Vlorhja chre'thun.“
„Dennoch!“ Die Temperatur der Stimme schien noch weiter abzusinken, das Schwarz ihres Mantels noch finsterer zu werden. „Als Sterbliche konnte sie dich nicht mehr lehren die Kräfte der Elfen zu gebrauchen.“
„Das tat sie auch nicht.“ Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Ihr Volk hat es getan! Sie hatten ein Wohlgefallen an der tiefen Liebe, die sie und mich schon bald verband. Nachdem du sie mir genommen hattest waren auch sie der Ansicht, dass es noch nicht an der Zeit dafür gewesen war. Und so wurden sie sich einig mich zu unterstützen bei dem Unterfangen Vleyra zurück zu bringen!“
„So vereinst du die Kunst der Magie mit der Kraft der Natur...“
„Besieh dir meinen Tribut!“, forderte der Magier. „Prüfe und bewerte ihn, und überdenke wohl, ob du den Preis annehmen willst!“
Die finstere Gestalt besah sich den Dolch, drehte und wendete ihn. Ihr Atem klang wie das zu Eis gefrorene Schnaufen eines Streitrosses nach der Schlacht. Nach einigen Sekunden postulierte sie: „Es ist ein Dolch.“
„Offensichtlich“. Der Wanderer war erneut zur Reglosigkeit erstarrt, doch jeder Muskel seines Leibes war auf das Äußerste angespannt – bereit binnen eines Wimpernschlages zu reagieren, sollte der Andere das Duell eröffnen.
„Doch an diesem Dolch haftet etwas.“ Falls sich unter der Kapuze etwas wie ein menschliches Antlitz verbarg, so hätte es nun sicher die Augen zusammen gekniffen. „Die Essenz von Blut. Das Echo der Seelen, die damit ihren Körpern entrissen wurden.“
Der Magier nickte. „100 Seelen von Menschen, die den Tod verdienten. Tyrannen, Verbrecher, Halsabschneider. Die Frucht meiner Reisen in den letzten drei Jahren. 100 Seelen, die ich dir im Tausch gegen die Vleyras biete.“
Die Luft schien zu knistern, und der Griff des Sterblichen um seinen Stab verfestigte sich. Doch dann, nach kurzer Pause, sprach es aus der Kapuze: „100 Seelen sind ein angemessener Preis. Kholib'mar soll dir gewährt werden!“
Der Mann entspannte sich sichtlich und atmete tief durch. „Ich danke dir.“
Noch während er sprach begann neben der Schattengestalt ein weiteres Licht unter der Wasseroberfläche zu glimmen, matt und grün. Während es an die Oberfläche stieg, immer größer und heller wurde, veränderte es seine Farbe hin zu einem tiefen Violett. Er musste die Augen zusammen kneifen, als es den dunklen Spiegel durchbrach, um nicht geblendet zu werden. Doch als es die Luft berührte erlosch es sofort. Stattdessen hörte er ein Husten und das Spritzen einer wild Wasser tretenden Person im Sumpf. Er öffnete die Augen, und reckte seiner Geliebten den Wanderstab entgegen. „Greif zu!“, rief er in ihre Richtung.
So tat sie es und erreichte mit seiner Hilfe die Sicherheit der kleinen, steinernen Plattform, auf der er stand. „Khe... Kherbon?“ Unglaube und Verwirrung standen in das wunderschöne Gesicht geschrieben, in dem lange, dunkle, triefnasse Haare klebten, die wie er wusste kastanienbraun waren, und nach der Erde des Waldes von Sirinor dufteten.
„Ich bin es!“, entgegnete er. Er ließ den Stock fallen, schloss sie überschwänglich in die Arme und drückte sie fest an sich. Nach ein paar Momenten wurde ihr gewahr, dass dies wahrhaftig war und sie erwiderte die Umarmung. Sie spürten den Herzschlag des Anderen und schlossen beide die Augen. Die ganze Welt schien in nur in diesem einen Moment zu existieren, ihrer beider Leben nur für diese perfekte Minute gelebt worden zu sein. Sie löste sich ein wenig von ihm, gerade weit genug um ihn leidenschaftlich zu küssen. „Ich danke dir!“ Ihr Flüstern hallte über das Moor hinaus, tausend mal lauter als die alles erdrückende Stille.
Der Mann im schwarzen Kapuzenmantel hatte nur reglos und schweigend dagestanden. Die Kälte die er ausstrahlte war für kurze Zeit nicht zu spüren gewesen. Doch nun kehrte sie scharf und beißend zurück, noch schneidender als zuvor.
„Unser Handel ist beendet.“, zischte es. „Doch ich versprach, dass sich deine Bestimmung heute Nacht ändern könnte. Und ihre wurde soeben neu geschrieben. Die Liste spricht nun, dass euer beider Ende nicht weit ist! Keiner von euch wird diesen Sumpf lebend verlassen! Darum erfüllt nun euer Schicksal und... STERBT!“
Als das letzte Wort mit der Gewalt eines Donnerschlages durch die Finsternis grollte warf Kherbon sich und seine Liebe zu Boden, rollte sich rasch zur Seite ab und ergriff dabei seinen Stab – gerade rechtzeitig, um damit den Hieb einer Sense abzuwehren, die der Kapuzenmann plötzlich in Händen hielt. Unnatürlich grüne Blitze zuckten unter der pechschwarzen Himmelskuppel und erleuchteten für einen Atemzug die Schatten unter der Kapuze. Ein Anblick, der den Menschen das Blut in den Adern gefrieren und sie erstarren ließ. Die Sense löste sich in schwarzen Rauch auf und die dunkle Gestalt streckte die linke Hand aus, mit dem hageren, behandschuhten Zeigefinger auf den anderen Mann deutend. Dieser fasste sich, sprang auf die Füße, hielt schützend seinen Stecken vor sich und schrie, zeitgleich mit seinem Gegner, einen Zauberspruch in die Nacht.
Die Kontrahenten wirbelten durch den Sumpf, traten auf das Wasser wie auf soliden Fels, schleuderten Fluch um Fluch gegeneinander und schmetterten mit komplizierten Gesten und Kontersprüchen die Attacken des Anderen ab. Das Moor wurde bis in seine unergründlichsten Tiefen von Blitzen und Donner erschüttert, die kein Unwetter je so hervorbringen könnte. Das Gewitter aus schwarzer Magie und den Kräften der Naturgeister steigerte sich immer weiter. Vleyra presste sich flach auf den Boden und legte ihre Hände schützend über ihre dezent spitzen Ohren. Die Strähnen ihres hüftlangen Haares peitschten im Sturm gegen ihren zierlichen Körper, welcher in ein durchnässtes, vollmondweißes Kleid gehüllt war. Gerade als sie es nicht mehr auszuhalten glaubte fuhr ihr plötzlich ein alles übertreffender, unfassbar lauter und massiger Knall in den Magen; ein Schlag von solcher Gewalt, dass sie glaubte, die Erde selbst müsse sich aufgetan haben. Doch dann herrschte Stille. Alles was sie hörte war ihr eigener Atem, und sie wagte noch immer nicht sich zu rühren. Als aber nichts geschah öffnete sie die Augen und sah die Gestalt im schwarzen Mantel reglos und stumm über dem Moor schweben, ihre Arme wehrlos neben sich ausgebreitet. Kherbon stand ihr aufrecht gegenüber. In seiner Linken hielt er seinen Stab, geradewegs auf seinen Gegner gerichtet; die Rechte deutete mit Zeige- und Mittelfinger ebenfalls auf ihn. „Hera arbha ghijdhem te l'ur thijdghe hera t'nan gharr'ljed!“(3), rief er. „Tuis usen sacrem Gist the Elbam et uncere!“(4)
Aus den Fingern seiner rechten Hand schoss ein grüner Lichtblitz, welcher sich in der Luft zwischen den Feinden mit dem simultan aus dem magischen Stab zuckenden roten Blitz verwand. Als gleißend gelber Pflock von magischer Kraft schlugen sie mitten in der Brust der Kapuzengestalt ein, welche davon zwanzig Schritt rückwärts geschleudert wurde, und die Stille mit einem heiseren Schrei durchbrach, welcher Vleyra durch Mark und Bein fuhr. Langsam sank die Gestalt hinab und tauchte schließlich in den Morast ein. Und während sie versank begann sich ihr Umhang in Fetzen aufzulösen, welche von einem plötzlich aufkommenden, kräftigen und angenehm warmen Wind verweht wurden.
„Du Narr!“ Die schwindende, eisige Stimme hallte nur noch wie aus großer Ferne zu den Menschen hinüber. „Du einfältiger Narr hast alles verloren...“ Dann versank auch der Kopf in den trüben Wassern, von dem unter der vergehenden Kapuze gerade noch eine kalkweiße Knochenplatte zu sehen gewesen war.
Vleyra atmete tief durch, doch ehe die Freude und Erleichterung des Sieges in ihr aufsteigen konnten ergriff eine eiserne Faust ihr Herz und sie fasste ihren Geliebten fest ins Auge. Dieser sank auf die Knie. Aus den Ärmeln und dem Saum seines Gehrocks rieselten schwarze Schuppen abgestorbener Haut. Kurz darauf begann Rauch aus seinem Kragen zu steigen, und er riss sich den Rock vom Leibe. Er konnte nun nicht länger an sich halten und begann zu schreien. Er schrie, während Haut und Fleisch an seinem Körper verdorrten und zu Boden fielen wie Herbstlaub. Zuletzt stand nur noch eine knöcherne Gestalt in zerfetzter Unterbekleidung im Moor, um die sich schließlich schwarzer Rauch verdichtete, und sich zu einem unterweltlich schwarzen Kapuzenmantel manifestierte.
Vleyra hielt sich die Hand vor ihren in einem stummen Schrei geöffneten Mund. Ihre weit aufgerissenen, honigfarbenen Augen, die noch immer starr auf Kherbon gerichtet waren, begannen sich mit heißen Tränen zu füllen. „Nein!“ Der Aufschrei entsprang ihrer tiefsten Seele, und die Verzweiflung darin hätte jeden Vogel im Fluge inne halten und jedes Blatt an einem Baume verwelken lassen, wäre diese Einöde nicht ohnehin schon vollkommen tot und leer gewesen.
Die Gestalt in der dunklen Kapuze schritt auf die junge Frau zu, und dabei schien sie eher zu gleiten als zu gehen. „Es ist in Ordnung, meine Liebe.“ Obgleich die Stimme wie der Polarwind klang, lag doch ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Wärme darin. „Der Tod kann nicht bezwungen werden. Wer den Fährmann erschlägt muss seinen Platz einnehmen. Dies ist das Gesetz der Dinge.“ „Nein!“, rief sie erneut. „Lass mich mit dir gehen! Lieber verbringe ich mit dir die Ewigkeit in der Unterwelt als allein auf dieser Erde zu wandeln!“
Der Knochenmann begann an Konsistenz zu verlieren, man begann allmählich das triste Vollmondlicht durch ihn hindurch scheinen zu sehen. „Das wirst du nicht.“ Und im letzten Augenblick, bevor seine Hand in die Finsternis entschwand, röchelte er, auf den abgeworfenen Gehrock deutend: „In der Tasche!“
Einen Moment lang stand sie schluchzend und allein in der Stille des toten Moores von Veradhjur. Doch dann begann es in den trüben Wassern erneut zu brodeln, und ein grünlicher Lichtschein stieg an die Oberfläche.
Alle Vorsicht vergessend watete sie waghalsig in den Sumpf, beide Hände Hilfe bietend nach der aufsteigenden Gestalt reckend. „Kherbon!“, rief sie. Doch es war nicht der Leib ihres Geliebten, der zurück in diese Welt gestiegen war. Ein fremder Mann hustete in ihren Armen und schlug orientierungslos um sich. „Was... wer?“, prustete er.
Mit einem kurzen Kreischen ließ sie ihn los und ruderte zurück zum Plateau, welches sie mit knapper Not zu fassen bekam, um sich darauf zu ziehen. „Wer sind Sie?“
„Hilf mir!“, forderte der Andere, der kurz davor war erneut vom Morast verschlungen zu werden.
„Ich frage euch, wer Ihr seid!“
„Therbatur.“, entgegnete der andere und spie einen Schwall brackigen Wassers aus. „Ein Kaufmann aus Bergamon!“
Nach kurzem Zögern reichte Vleyra ihm die Hand. Er ergriff sie dankbar und ließ sich von ihr auf sicheren Grund helfen.
„Wer seid ihr?“, fragte sie erneut.
Der Fremde, der ein altertümliches Leinengewand trug, hustete und blickte sie mit wild funkelnden Augen an. „Der einzig wahre Wächter der Schwelle!“
Erschrocken wich sie zurück. „Ihr seid die Kapuze!“
„Ich WAR der Fährmann!“, schäumte der Fremde. „Doch er, der mich geschlagen hat, sandte mich als Mensch zurück in diese Welt. Nun bin ich dazu verdammt das sinnlose Dasein eines Sterblichen zu führen, bis mein Name auf der Liste oben erscheint! Und dann werde ich die Ewigkeit im siebten Kreise verbringen, dem finstersten Winkel der Unterwelt.“
Er kam drohend auf sie zu. Sie wich weiter zurück, stürzte rücklings und versuchte dann im Krebsgang weiter auf Distanz zu gelangen.
„Doch werde ich zuvor noch deinen Wunsch erfüllen.“ Ein dämonisches Grinsen machte sich im Gesicht des Mannes breit. „Du sollst die Ewigkeit mit deinem Gatten in der Finsternis verbringen!“ Er streckte seine Hände aus, bereit sie um ihre Kehle zu schließen. Sie wich jedoch rasch noch weiter zurück, und ihre Hände bekamen den Gehrock zu fassen. Sie schleuderte ihn dem rasenden Antlitz des Angreifers entgegen und sprang auf ihre baren Füße. In der Sekunde als das Kleidungsstück ihn jedoch blendete entglitt etwas der Rocktasche und fiel zu Boden. Es war eine steinerne Phiole, an welcher eine kleine Pergamentrolle befestigt war. In der Tasche.
Anstatt die Flucht anzutreten warf sie sich nach vorn, stieß den Fährmann hart von sich, sodass er strauchelte, und ergriff das Gefäß. Eilig trat sie zurück und entrollte dabei mit einer schnellen Bewegung den Schrieb. Er bestand nur aus einer Zeile.
Der Fleischgewordene unternahm einen weiteren Anlauf gegen sie, doch Vleyra hielt ihm das Pergament hin. „Wartet!“
Der Fremde stutzte. „Was sollte mich dieses...“ Dann hoben sich seine Augenbrauen. „Nun, das vermag ich schwer zu glauben. Sollte er sich tatsächlich schlagen lassen, so würde er direkt in die Verdammnis des siebten Kreises hinab fahren!“
„Tut es!“, flehte Vleyra. „Fordert ihn heraus!“
„Und wenn er nicht Wort hält? Er würde mich erneut zerschmettern, und meine sterbliche Existenz damit sogleich beenden!“
Vleyra schüttelte energisch den Kopf. „Warum sollte er das tun? Bedenkt doch, er holte euch eigens in diese Welt, statt euch tief in die Unterwelt hinab fahren zu lassen!“
Der Fremde rieb sich das Kinn. „Dann sei es so. In jedem Fall ist mir die Unterwelt vertrauter als dieses Jammertal...“
Er hob Kherbons Stab vom Boden auf, stieß ihn in das unscheinbare Loch im Boden und rief die alte Forderung zum Duell.
Erneut stieg eine Schattengestalt aus dem Sumpf empor und verfestigte sich vor den beiden Sterblichen. „Du bist gekommen, um deinen Platz zurück zu fordern.“, stellte die jetzt so fremd und eisig klingende Stimme Kherbons fest.
Der Herausforderer nickte.
„Dann nutze deine schwarze Macht, deren Kunst du über die Jahrtausende so perfekt erlernt hast!“, verlangte der Schatten. Er breitete die Arme aus. „Tue was du tun willst!“
Der Mann im nassen Gewand zögerte argwöhnisch. Doch dann ging ein Ruck durch ihn, und er entfesselte ein rotes Blitzgewitter gegen Kherbon, welcher augenblicklich in Stücke zerrissen wurde, die rauchend und leise zischend im Moor versanken.
Triumphierend begann der dunkle Magier zu lachen, grölend und schallend. Doch dann ging sein Lachen in Schreie über, als auch ihm das Fleisch von den Knochen zu faulen begann.
Kaum war die Transformation abgeschlossen baute er sich vor Vleyra auf. „Was für ein Narr!“ Die eiszapfengleich bohrende Stimme war zurück. „Nichts wird mich nun daran hindern, dich ihm nachfolgen zu lassen!“ Während er schwungvoll ausholte verdichtete sich in seinen Händen wieder eine Sense.
„Ich fordere Kholib'mar!“, rief die Frau schnell.
Der Sensenmann hielt inne. „Was?“
„Ich weiß, dass du ihn aus der Unterwelt holen kannst, ganz gleich, wie tief er darin begraben ist. Tuis men manen ex Hadem ad Liev retuwe! Teak men Toll vor Talem u kum has tu ficht ad eenem heblebjhet!“ Mit diesen Worten reckte sie ihm das steinerne Gefäß entgegen.
Er lachte, und diesmal lag eindeutig Spott darin. „Du willst mir mit einem Duell drohen, sollte ich deinen Mann nicht heraus geben? Warum sollte ich deinen Preis annehmen? Ich kann dich mit Leichtigkeit zerschmettern!“ Er holte wieder aus.
„Du irrst dich.“ Sie sprach fest und selbstbewusst. „Als Sterbliche konnte ich Kherbon die Künste meines Volkes nicht mehr lehren. Doch ich besitze noch immer die Kenntnis über die Geister der Natur. Und mein Mann lehrte mich den Pfad der schwarzen Magie. Also vereine auch ich die Kräfte beider Welten. Ich vermag ebenso zu tun, wozu er im Stande war!“ Und mit diesen Worten hob sie den Stecken auf, der bei der Verwandlung der Kapuzengestalt zu Boden gefallen war.
Diese zischte wie ein Geysir im nordischen Eis. „Zeig mir deinen Tribut!“
Sie überreichte ihm das Gefäß. Er drehte und wendete es, öffnete es und kostete mit einer behandschuhten Fingerspitze einen Tropfen des flüssigen Inhaltes. „Das Blut von 100 Menschen. Weitere hundert Seelenopfer.“
Sie sagte nichts, wartete nur angespannt ab, den Stab kampfbereit vor sich haltend.
„Möget ihr glücklich werden, doch werdet es fernab von hier!“ Noch während die letzten Worte über die Einöde hallten verschwand der Fährmann, und wieder entstieg ein Körper den Wassern. Diesmal bestand kein Zweifel. „Vleyra!“
Kherbon eilte ihr entgegen um sie wieder in die Arme zu schließen. „Nun wird alles gut!“
Als sie sich schließlich voneinander trennten legte er seinen Gehrock an und nahm seinen Gehstock wieder an sich.
Keiner der beiden verspürte das Bedürfnis noch länger an diesem grausigen Ort zu verweilen, und so führte er sie rasch über den verborgenen, komplex gewundenen Pfad heraus aus Veradhjur.

Sie liefen ohne Pause, bis am nächsten Morgen die erlösende Sonne über den Horizont stieg, und um sie herum die von Blumen durchsetzten, saftig grünen Wiesen einer weiten Ebene erleuchtete. In der Ferne glitzerte ein Bach im goldenen Morgengrauen.
„Eines macht mir doch noch Sorgen.“, gab Vleyra zu bedenken. „Was, wenn er uns nun schon bald holt? Wenn uns auf seiner Liste nur noch wenig Zeit verbleibt?“
Kherbon lächelte verschmitzt. „Daran ist gedacht.“
Die Frage war aus den Sommersprossen um ihre kleine Nase abzulesen und so begann er zu erklären: „Ich habe so viel Zeit, wie er mir gab, als er mich ins Leben zurück schickte, und ich weiß nicht, wie großzügig er damit war. Jedoch hatte er nur eine Gelegenheit deine dir zustehende Lebenszeit zu verändern: Während des Kholib'mars mit dir. Er war jedoch zu abgelenkt und ließ diesen einen Anlass verstreichen. Und so bleibt dir die Zeit, die ich dir gab, als ich Herr über die Liste wurde! Und das ist reichlich.“ Er lächelte seine Geliebte an und küsste sie sanft auf die Stirn. „Er weiß, dass du ihn jederzeit wieder aufsuchen würdest, wenn er mich zu früh holt. Und ich denke, dass er dich fürchtet. Ich bin sicher, dass er mir – und damit uns - eine angemessene Zeit gewähren wird.“
Auch sie lächelte nun. „Dann lass sie uns nutzen!“ Sie kuschelte sich an ihn, und gemeinsam sanken sie in das hohe Gras, wobei die Morgensonne den goldenen Mantel der Liebe über ihnen ausbreitete.
Und es folgten der Morgen noch viele. Gemeinsam sahen die beiden noch, wie die Sonne das Band der Liebe auch um ihre Kinder und Kindeskinder spannte, ehe sie eines Tages gemeinsam die Grenzen dieser Welt verließen. Doch so viele Momente ihnen das Leben auch noch beschert hatte, durch ihre Liebe hatten sie jeden davon so gelebt, dass ihr ganzes Dasein darin gelegen hatte. Und so gingen sie glücklich und zufrieden dahin, als es schließlich an der Zeit war erneut dem Fährmann entgegen zu treten. Ihrer beider Leben waren erfüllt gewesen. Und Kherbon hatte sein Wort gehalten: Alles war gut geworden.

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1: Sprache der Toten: „Herr, gerufen von deinem Diener, gib meine Frau aus der Unterwelt ins Leben zurück! Nimm meinen Tribut zur Bezahlung, oder komme um zu kämpfen, auf dass nur einer verbleibe!“
2: Elbisch: „Die Kraft der Elfen entspringt dieser Welt!“
3: Elbisch: „Kraft der Geister dieser Welt, vereinige dich mit der dunklen Macht des Todes!“
4: Sprache der Toten: „Nutze die Macht der Geister der Elfen und vereinigt euch!“

 

Hallo Seth Rock,

uff, wie viele Zeichen sind das? Mir kam die Geschichte unendlich lang vor, schreckt mich immer etwas ab. Ein paar Absätze mehr könnten nicht schaden, dann wäre das Lesen angenehmer.

Zum Inhalt: Ich fand es teilweise etwas zu "konstruiert". Die Idee vom Duell mit dem Tod ist ja grundsätzlich nicht schlecht (wenn auch nicht neu, aber das soll ja nichts heißen), aber die Umsetzung erscheint mir doch etwas konfus.

Erst duelliert sich der Elfenfreund und wird zum neuen Seelenfänger, dann taucht der bisherige auf und ärgert sich, worauf der alte den neuen Seelenfänger nach dessen Plan herausfordert und letztendlich dann doch noch alles an der Frau hängenbleibt... Ich denke, eine Wendung weniger hätte es auch getan.

Auch der Beginn der Geschichte konnte mich nicht wirklich packen, zu langatmig ist dir der Einstieg geraten. Warum nicht gleich an der Stelle starten, an der der Stab (nicht "Stecken", das schreibst du manchmal und es passt überhaupt nicht zum Stil der Geschichte!) in die Erde gerammt wird? Ob das in einem Moor, auf einem Berggipfel oder am Fuß der Niagara-Fälle passiert ist für die Geschichte doch überhaupt nicht von Belang (evtl. Titel überdenken).

Was mich irritiert hat: Du schreibst, der Mann war schon einmal an diesem Ort. Warum?

Den Schreibstil und die sprachliche Gestaltung fand ich grundsätzlich gut, ich muss aber zugeben, dass ich aufgrund der Länge des Textes keine Lust hatte, groß auf Rechtschreibung oder Grammatik zu achten. Wenn ich einmal mehr Zeit habe, gehe ich auf Fehlerssuche.

Fazit: Raff das Ganze etwas.

Grüße,

penny

 
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Hallo!

Erstmal danke für's Lesen! Geschichten dieser Länge tun sich hier ja meist schwer mit dem Finden von Lesern.

uff, wie viele Zeichen sind das?
Ohne Leerzeichen: 20786, mit sind es 24717. Alias 3932 Wörter. ;-)

Mal schauen, ob ich an der Absatzstruktur was machen kann. Aber von den inhaltlichen Zusammenhängen gehört das eigentlich schon so.

Was die Wendungen angeht: Gegen deren Zahl spricht eigentlich nichts. Es gibt viele hervorragende Filme oder Bücher mit sehr vielen Wendungen. Klar macht es das etwas schwieriger zu folgen, aber es macht eine Geschichte nicht schlecht, wenn sie anspruchsvoll zu lesen ist. Schonmal was von Tolstoi gelesen? ;-)
Das mit deiner Abneigung gegen die vielen Wendungen basiert wahrscheinlich auf dem Fishermen's Friends Prinzip: "Sind sie zu stark, bist du zu schwach!" :-P
Nicht böse gemeint. Soll nur ausdrücken, dass das Geschmackssache ist: Jemand der eigentlich "Buffy" schauen will und stattdessen "Nosferatu" zu sehen bekommt, wird den wohl auch eher nicht mögen.

Der Ort ist für die Geschichte (oder vielmehr: die Backstory) sehr wohl von Belang. Der Titel ist nicht falsch gewählt, sondern sollte dir eigentlich vermitteln, dass ich auf den Schauplatz sehr wohl wert lege!
Auch dass der Mann schon einmal an diesem Ort war braucht dich nicht zu verwirren. Das liegt eben auch in der Backstory dieser Figur.
Gedacht habe ich mir dabei, dass er als Zauberer seine Macht vom Tod übergeben bekommen hat, da er sie ja über den Tod aus dem Jenseits bezieht. Sodass er als Zauberlehrling mindestens einmal da gewesen sein muss. Muss man aber zum Verständnis der Geschichte nicht wissen.
Eventuell baue ich das mal noch zu einer Vleyra-Reihe aus, in der dann auch die Vorgeschichte erzählt wird. Vielleicht aber auch nicht.

Die Einleitung einfach als "langatmig" ab zu tun und ihre Löschung zu fordern wird ihr denke ich nicht gerecht. Sprachlich steckt da sehr viel Feinschliff drin, und sie hilft erheblich, sich bildlich in die Geschichte hinein zu versetzen und eine gewisse Grundstimmung aufzubauen.

Verständlich, dass man bei einem solch langen, anstrengenden Text nicht noch Lektor spielen will. Hab mich aber selbst schon mehrfach zum Korrekturlesen gezwungen, sollte weitgehend okay sein, was Schreibfehler und dergleichen angeht. Solange du diesbezüglich an nichts Gravierendem hängen geblieben bist ist es wohl okay.

Was unsere Differenz über die Gesamtbewertung dieser Geschichte angeht: Wie gesagt, sie ist eben nicht als leichte Unterhaltungslektüre gedacht, wie du sie schreibst. Ein Freund von mir, der Germanistikstudent ist, fand sie gut, wobei man beim Urteil von Freunden natürlich immer vorsichtig sein muss.

Trotzdem, danke für deine Kritik, und viel Erfolg beim Schreiben!


Viele Grüße,
Seth

 

Hi Seth,

zunächst einmal: Einfach zu behaupten, die Geschichte gehe über meinen Verstand, finde ich jetzt nicht so nett.

Sicher, über Geschmack kann man streiten, aber dich mit Tolstoi (!) zu vergleichen - das geht nun gar nicht. Du hast eine - meiner Ansicht nach - zum Ende hin auch beleidigende Kritik zu einer älteren Geschichte von mir geschrieben. Vielleicht aus Ärger darüber, dass ich dich nicht als DEN Schrifsteller des neuen Jahrtausends feiere?

Dass dein Kumpel Germanistik studiert, hat für mich keine Aussagekraft, ich habe selbst mein Germanistikdiplom, und zwar im Bereich Sprachgeschichte, aber der geniale Autor oder auch Kritiker bin ich deshalb noch lange nicht.

Mit meiner Kritik versuche ich anderen Autoren in diesem Forum zu vermitteln, was mich persönlich als Leser gestört oder was mir gefallen hat. Mit dieser Meinung kannst du einverstanden sein oder auch nicht, aber bitte mache nicht andere runter, um selbst besser dazustehen. Vielleicht schreibst du demnächst eine Geschichte, die ich gut finde, dann teile ich dir das genauso mit.

Für diese Geschichte jedoch bleibe ich dabei: Die Einleitung ist mir zu langatmig, es wird einfach keine Spannung aufgebaut. Und als dann endlich Spannung da ist und das Bäumchen-Wechsel-Dich Spiel beginnt, ist es mir nicht ausführlich genug, so dass man als Leser nicht von den vielen Irrungen und Wirrungen so beansprucht wird, dass die Spannung wieder flöten geht.

Und weil du dir so viel Zeit für deine dich selbst entschuldigende Antwort genommen hast, bekommst du hier von mir - heute im Sonderangebot - auch eine Auflistung deiner sprachlichen und grammatikalischen Fehler:

Viel Zeit war vergangen, seit er zum letzten Male die Sümpfe Veradhjurs durchstreift hatte. Eine Ewigkeit schien es her,

Viel Zeit ... Eine Ewigkeit

Tja, lange her eben. Einmal erwähnen reicht. Klingt sonst abgedroschen

jene modrige Mischung aus einer heiteren Sommerwiese und der Fäule des Todes.

heitere Sommerwiese? Wir haben hier ein Moor in der Nähe, und wenn ich in dem Kreuzotternverseuchten Teil an etwas nicht denke, dann ist es eine heitere Sommerwiese :confused:

Sein Umhang strich sanft über die flachen Trittsteine auf denen er dahin schritt, das Säuseln des Stoffes sang ein leises Duett mit der kühlen, feuchten Brise die sein bleiches Antlitz umschmeichelte.

Abgesehen davon, dass ich die Synästhesie zusammen mit der Personifikation nicht gut finde (google es meinetwegen) und Stoff nicht "säuselt", fehlt es hier an der Interpunktion:

Sein Umhang strich sanft über die flachen TrittsteineKOMMAauf denen er dahinschritt, das Säuseln des Stoffes sang ein leises Duett mit der kühlen, feuchten BriseKOMMA die sein bleiches Antlitz umschmeichelte.

gleich einem silbernen Leichentuch

Hey, Leichentücher jetzt auch in Silber! Will ich auch!

hellem Licht überzog.Durch einen Fehltritt

Nach Punkten kommt ein Leerzeichen.

Durch einen Fehltritt neben den schmalen Pfad auf dem er wandelte würde es zu dem Seinen werden, doch obschon er ihm schon lange nicht mehr gefolgt war, war ihm jede kleinste Windung noch bestens gewahr.

Hier muss der Leser erst mal grübeln, bevor er feststellt, dass du dich auf besagtes silbernes(!) Leichentuch beziehst. An der Stelle war ich erstens schon recht gelangweilt und zweitens das erste Mal raus. Das schreckt ab.

Außerdem bitte ein Komma nach "Pfad" und der Bezug stimmt nicht: Dein Held ist laut diesem Satz dem Leichentuch schon lange nicht mehr gefolgt.

Siebentausend Doppelschritte durch die vom Leben verlassene Einöde, in der kein Laut eines Vogels oder sonstigen Tieres zu vernehmen war.

Aber es erinnert an eine heitere Sommerwiese :D

Den schwarzen Gehstock mit dem silbern glänzenden Knauf und der ebensolchen Spitze in seiner Rechten haltend breitete er weit die Arme aus und rief in die Nacht jene uralten Worte: „Pheij theralla fon weij Daktem, tuis men fruwe ex Hadem ad Liev retuwe! Teak men Toll vor Talem u kum has tu ficht ad eenem heblebjhet!“(1)
Schnell schlug er seine ausgestreckten Hände vor sich zusammen und rammte beidhändig die eherne Spitze des Stabes in eine unscheinbare Bohrung im Gestein zu seinen Füßen.

An genau dieser Stelle dachte ich: Yeah, lies weiter, es könnte doch noch interessant werden. Wie gesagt: Dachte ich.

und eine als Flirren der Luft erkennbare Druckwelle schoss ringförmig von seinem Stecken aus über den glatten Spiegel des schwärzlich schimmernden Morastes hinweg.

Wenn man bedenkt, was für ein Aufheben du vorher um den Gehstock machst, erscheint mir "Stecken" hier wohl die falsche Wortwahl zu sein. Und bei "schwärzlich schimmernder Morast" hab ich unweigerlich die Sommerwiese wieder im Kopf ...

Er zeigte keine Regung während er wartete und den unbehaglichen Schauer ertrug, welcher sein Rückgrat hinab rann.

Regung KOMMA während. Und ok: Ihm läuft es kalt den Rücken runter. Aber muss man da von "ertragen" sprechen?

Totenwässer

Totenwasser. Wässer klingt einfach nicht gut (Ich weiß, laut Duden ist es erlaubt ...)

So schwarz seine eigene Kleidung, der nächtliche Himmel und das Moor aus sein mochten, der Mantel dieses Mannes war noch um einige Nuancen dunkler.

ich nehme an du meinst "auch", nicht "aus". Und du nimmst hier Spannung raus, im Satz zuvor heißt es noch "Kapuzengestalt", hier schon "Mann".

„Du kleiner Mann erdreistest dich mich heraus zu fordern?“

dich KOMMA mich

Obschon die Kapuzengestalt sich nicht regte schien sie seine Worte kurz zu überdenken.

regte KOMMA schien

Der Wanderer hob daraufhin seinen Stab noch weiter an, deutete in dem Himmel und sprach: „Si' Gnha!“

in den Himmel

und im Saum der langen Ärmel sah man für einen Augenblick etwas knochenweißes hervorstechen.

etwas Knochenweißes

Ist der Preis den du mir bietest zu gering, so wird sich dein Schicksal noch heute Nacht erfüllen!

Ist der Preis KOMMA den du mir bietest KOMMA zu gering

Doch in zehntausend Jahren ist es keinem je gelungen mich zu schlagen.

gelungen KOMMA mich zu schlagen

Die Frau deretwegen ich dich aufsuche

Die Frau KOMMA deretwegen

Als Sterbliche konnte sie dich nicht mehr lehren die Kräfte der Elfen zu gebrauchen.

lehren KOMMA die Kräfte

Und so wurden sie sich einig mich zu unterstützen bei dem Unterfangen Vleyra zurück zu bringen!

einig KOMMA mich Unterfangen KOMMA Vleyra

„Offensichtlich“.

"Offensichtlich."

bereit binnen eines Wimpernschlages zu reagieren

bereit KOMMA binnen

Falls sich unter der Kapuze etwas wie ein menschliches Antlitz verbarg, so hätte es nun sicher die Augen zusammen gekniffen.

zusammengekniffen

Noch während er sprach begann neben der Schattengestalt ein weiteres Licht unter der Wasseroberfläche zu glimmen, matt und grün.

sprach KOMMA begann

Er musste die Augen zusammen kneifen, als es den dunklen Spiegel durchbrach, um nicht geblendet zu werden.

zusammenkneifen. Und - tiefes violett kann blenden?

Doch als es die Luft berührte erlosch es sofort.

berührte KOMMA erlosch

Er öffnete die Augen, und reckte seiner Geliebten den Wanderstab entgegen.

Hier gehört ausnahmsweise mal kein Komma rein.

Damit das hier nicht die längste Fehlerliste des Forums wird: Finde die restlichen Interpunktionsfehler selber. Finden sich noch reichlich. In so ziemlich jedem zweiten Satz.

Noch mal ganz allgemein:

Die Einleitung einfach als "langatmig" ab zu tun und ihre Löschung zu fordern wird ihr denke ich nicht gerecht. Sprachlich steckt da sehr viel Feinschliff drin, und sie hilft erheblich, sich bildlich in die Geschichte hinein zu versetzen und eine gewisse Grundstimmung aufzubauen.

Stimmt, die "Sommerwiese" aus der Einleitung wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen und heiterte das Ganze doch beträchtlich auf.

Verständlich, dass man bei einem solch langen, anstrengenden Text nicht noch Lektor spielen will.

Wem sagst du das! :lol:

Was unsere Differenz über die Gesamtbewertung dieser Geschichte angeht: Wie gesagt, sie ist eben nicht als leichte Unterhaltungslektüre gedacht, wie du sie schreibst.

Du hast bisher hier eine einzige Geschichte von mir kommentiert. Und ja, ich schreibe gerne kurze, unterhaltsame Geschichten. Ich empfinde "leichte Unterhaltungslektüre" somit nicht als Beleidigung.

Solltest du einmal "Anspruchsvolles" lesen wollen, das meiner Feder entstammt: Bei Bedarf lasse ich dir gerne einige meiner Gedichte zukommen.

O tempora, o mores!

Penny

 

Hallo Seth,

Deine Geschichte würde an Deutlichkeit gewinnen, wenn schon Anfangs klar würde, was ich vermute, das der Hintergrund des Duells war:
Seine Freundin ist zu früh gestorben und er möchte sie zurück holen (eine klassische Orpheus Konstellation)

Lange bleibt unklar, wer der Magier ist und mitten im Text wechselt er zu Keron (ich meine, dem Leser wird klar, das er Keron heißt) Das ist nicht notwendig und verwirrt den Leser nur. Nachdem du Anfangs mit Hintergrundin fo sparst, besteht Gefahr, das sich der Leser überhaupt nicht dafür interessiert, warum Kherbon den Tod herausfordert.

Weiters verstehe ich nicht, wie der Tod Seelen annehmen kann (er hat sie ja offensichtlich schon zu sich geholt, da sie tot sind ???

Vielleicht fällt dir eine bessere Wahl ein - ich denke, es müsste genügen, dass Keron genügend Macht hat, den Tod überhaupt herbeizurufen.

Die Sprache fand ich teilweise sehr umständlich - zu umständlich, den im letzten Tel erzählst du geradliniger:

Hier ein Beispiel:

Sein Umhang strich sanft über die flachen Trittsteine auf denen er dahin schritt, das Säuseln des Stoffes sang ein leises Duett mit der kühlen, feuchten Brise die sein bleiches Antlitz umschmeichelte.
im Gegensatz zum letzten Abschnitt
Kherbon lächelte verschmitzt. „Daran ist gedacht.“
Die Frage war aus den Sommersprossen um ihre kleine Nase abzulesen und so begann er zu erklären:

Durch einen Fehltritt neben den schmalen Pfad auf dem er wandelte würde es zu dem Seinen werden, doch obschon er ihm schon lange nicht mehr gefolgt war, war ihm jede kleinste Windung noch bestens gewahr.
ganz schön kompliziert und undurschaubar.

Obschon die Kapuzengestalt sich nicht regte schien sie seine Worte kurz zu überdenken.
Beistrich nach regte

Der Mann entspannte sich sichtlich und atmete tief durch. „Ich danke dir.“
das wirkt recht diametral zu dem vorheirgen Drohgebärden

Ihrer beider Leben waren erfüllt gewesen. Und Kherbon hatte sein Wort gehalten: Alles war gut geworden.
Ihr Leben

 

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