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Das Monster in mir
Wenn ich ein Bild male, von dem was ich fühle und in meinen Inneren Auge sehe, würde ich mit einer tiefschwarzen Farbe beginnen. Tauche das helle weiß gegen das hoffnungslose Verderben aus. Setze mit einem schmalen Strich an und bilde mit ihm ein Gerippe. Es ist wichtig, dass man die Rippen deutlich hervorhebt, sie müssen die dünne weiße Haut beinahe durchdringen. Mit dem Körper beginne ich, weil dies das Kapital des Wesens ist. Das Wichtigste an ihm. Um dass sich jeder Gedanke, sollte er auch noch so klein und unbedeutend sein, dreht. Dann erstelle ich ihm einen dicken Bauch, wie dem einer Schwangeren. Das Zentrum. Hier sammelt es alles an, was Gut und Schlecht ist. Ihr Hass auf mich! Ihre Zuneigung, die sie mir entgegenbringt, immer und immer wieder. Sie weiß, dass der Bauch nie verschwinden wird und es hasst ihn so sehr, so unendlich doll. So stark, dass es auf mich übergreift. Und dann die langen, mageren Beine, kaum mehr als Striche auf dem Papier. Keine Muskeln, kein Fett, nichts als Knochen. Mehr darf an ihr nicht existieren, niemals!
Knochige Arme, am Ende dünne Klauen. Flügel, wie bei einer Fledermaus umarmen mich. Legen sich schützend und so eiskalt über mich, halten mich fest und werden mich niemals wieder gehen lassen. Die Kälte ist so tröstens, denn so sagt Ana, sie lässt das Fett schmilzen.
Ich glaube dem Geschöpf, was auch immer es ist. Habe ihr immer geglaubt. Ihrer süßen, weichen Stimme kann man nicht entkommen. Sie hüllt einen in ein Tuch von Sehnsüchten, die nur sie befriedigen kann. Die Wangenknochen sind spitz wie Messerklingen, man kann sie nicht übersehen, dazu kommen eingefallene Wangen. Beinahe so, als wäre sie schon lange nicht mehr am Leben. Verdorrt wie eine Blume. So oft habe ich darüber nachgedacht, ob es irgendwann einmal schön gewesen war. Einmal vor unendlich langer Zeit.
Ihre Augen sind riesig und kaum mehr als schwarze Löcher in ihrem Gesicht. Ich kann in ihnen nicht hineinblicken, denn dann entdeckt man das Nichts. Ich will dieses Nichts nicht sehen, will es niemals begegnen und es scheint immer mehr zu werden, umso ungehorsamer ich mich benehme. Mit ihnen kann das Wesen in mein tiefstes Inneres blicken. Meine Ängste, meine Trauer und meine Freude nimmt es von mir. Alles nur als kleine Gegenleistung, dass es mir so gut und immer beiseite steht.
Meine Hand fängt unweigerlich an zu zittern, wenn ich mit dem riesigen Schlund in einer blutroten Farbe fortfahre. Dort sind Rasierklingenscharfe Zähne, die sich auf meinen Armen und Beinen als blutige Tränen erkennbar zeigen. Dies ist die Bestrafung für die Niederlagen, die ich alleine meinem Ungehorsam verdanke.
Ebenfalls in roter Farbe male ich das riesige Gehin, was auf dem Kopf sitzt und nochmal doppelt so groß wie das ganze Geschicht ist. Ana vergisst nie irgendeine Niederlage, sie vergisst es niemals, wenn ich ihr den Rücken zukehre. Ja, sie verzeiht mir, denn sie liebt mich doch. Sie braucht mich und ich sie. Wir sind eine Person. Sie behütet mich und wacht immer über mich. Gibt mir die Hoffnung, die ich selber wieder in den Boden trampel. Manchmal macht sie mir Angst, wie sie vor mir erscheint und ich tue was sie sagt. Wenn ich mich wehre, dann recht sie sich. Zueinander finden wir immer wieder.
Denn es gibt nur einen Freund auf dieser Welt den ich besitze und dass ist die Person, die mich innerliche zerstört.