Das Mädchen, das immer die Wahrheit sagte
Das Mädchen, das immer die Wahrheit sagte
„Ich lüge nie“ sagte das Mädchen und blickte mich mit ihren ehrlich wunderschönen großen Augen an. Und es stimmte, niemals war ich einer ehrlicheren Seele begegnet als der, die ihr zu Hause hinter diesen Augen hatte. Und so ging sie durchs Leben und erzählte allen die es hören wollten, und auch ein paar die nicht danach gefragt hatten, die Wahrheit. Und auch wenn sie einmal nicht so schön war, so überreichte das Mädchen sie jedem doch so geschickt, dass ihr ein jeder dankbar dafür war.
Es war ein kleines Dorf in dem sie lebte und niemals war sie weiter in die Welt hinaus gekommen, als bis zur nächsten kleinen Stadt, in der sie ab und zu Einkäufe zu verrichten hatte.
Sie träumte oft davon in die Welt hinaus zu Reisen, Abenteuer zu erleben und fremde Menschen kennenzulernen. Und sie erzählte auch jedem davon, wie wundervoll es sein müsste, das alles zu erleben. Und sie lauschte gebannt, wenn ein Reisender sich in das kleine Dorf verirrt hatte und tolle Geschichten zu erzählen wusste. Und ein jeder, dem sie von ihren Träumen erzählte fragte sie, ob sie denn vor hätte irgendwann einmal in die Ferne zu reisen und jedem gab sie die gleiche Antwort: „Nein, hier ist mein Platzt hier werde ich gebraucht.“ Und sie hatte recht. Sie führte zwar ein einfaches aber glückliches Leben und die Menschen um sie herum waren dankbar für sie, denn wer sonst, wenn nicht sie, würde ihnen denn die Wahrheit sagen.
Doch eines Tages geschah es, dass wieder ein Reisender des Weges kam und auch er hatte wundervolle Geschichten zu berichten. Und auch ihm lauschte das Mädchen mit Neugierde und großen Augen. Und auch ihm erzählte sie von ihren Träumen und auch er fragte sie die selbe Frage und sie gab die selbe Antwort.
Doch der Reisende war ein Weiser und er blickte sie an und sah in den Augen des Mädchens, ihre ehrliche und reine Seele widergespiegelt, doch er sah noch tiefer in sie hinein und erblickte ihre Angst.
Und so sagte der Weise zu ihr: „Ich weiß, mein Kind, dass du dein Leben lag nur die Wahrheit gesagt hast und das du auch zu mir ehrlich gewesen bist. Doch horche tief in dich hinein und sage mir. Warum hast du solche Angst? Wäre es denn so schlimm, wenn die Wahrheit dort draußen in der Welt eine andere wäre?“