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Das Kloster
Das Kloster
Alles um ihn herum war ruhig als er die Augen öffnete. Das Dorf lag in einem friedlichen Schlaf und schien Tausende von Kilometer entfernt. Leise und ohne Hast kleidete er sich an und verstaute die restlichen Dinge in dem bereits vorbereiteten Rucksack der neben seiner Schlafstätte griffbereit stand. Noch ein letzter Blick auf diesen Ort der ihm für diese Nacht als Unterkunft zur Verfügung gestanden hatte. Die Bewohner des Hauses lagen noch in ihren Betten und bemerkten nichts von dem frühen Aufbruch. Er öffnete die Haustür und bemerkte wie die ersten zaghaften Versuche der Sonne die Nacht zu bekämpfen anfingen. Kurz genoß er diesen immer noch magischen Augenblick und fühlte sich hierbei immer mehr der Natur oder des göttlichen „ je nach Sichtweise „ verbunden und war froh niemanden in diesem Augenblick an seiner Seite zu haben. Der Rucksack drückte ein wenig auf seine Hüften aber dieser Zustand würde sich im Laufe des Marsches relativieren. Sein Weg führte in weiter westlich höher ins Gebirge und damit weiter fort von den Menschlichen Behausungen, denn dort oben siedelten seit Jahrhunderten keine Menschen mehr. Alten Sagen und Erzählungen zufolge wurde die Gegend von Feen und Elfen beherrscht aber er schrieb es eher der Kargheit und der Unwirklichkeit der Natur zu. Anfangs gestaltete sich der Aufstieg recht leicht, doch je höher er kam, desto geringer wurde der Sauerstoffgehalt der Luft. Ihm machte dieser Zustand nichts aus, denn er war seit seiner Kindheit an solche Umstände gewöhnt und so schritt er ruhig und gelassen auf den Spuren der Vergangenheit immer höher seinem Ziel entgegen.
Die Dorfbewohner hatten ihn mit einem Ausdruck von Irritation und Spot angeschaut als er sie nach der alten Abtei auf dem Berg gefragt hatte. Nur die Alten schauten in mit einem Anflug von Angst an, als sie erfuhren wohin er wollte. Dort oben sind nur die Geister der Mönche und ein paar Krähen. Mehr sollte es laut ihrer Meinung nicht an diesem Ort geben. Sie verstanden nicht was er an diesem Ort zu finden gedachte, aber wie sollten sie auch, wenn noch nicht einmal er selbst wußte was er dort wollte. Als er 15 Jahre alt war, hatte er das erste mal von diesem Ort gehört und seit dieser Zeit hatte sich sein Name unauslöschlich in sein Hirn eingebrannt und lies ihn auch nach all den Jahren nicht los. Es verging eine Menge Zeit bis er wirklich die Möglichkeit hatte, diesen Ort zu besuchen. Nicht das es vorher nicht möglich gewesen war aber gerade jetzt fühlt er sich bereit und fähig dazu den Dingen gegenüber zu treten , die vielleicht an diesem Ort auf ihn warteten. Es konnte durchaus sein das wirklich nur die Krähen an diesem Ort waren und sonst nichts, aber das war ihm egal, er mußte diesen Ort sehen und zwar nur für sich selbst. Der Aufstieg zog sich in langen Serpentinen hin und die Sonne stand schon tief als er sich zu seiner ersten rast nieder ließ.
Das Feuer warf seltsame Schatten an die Felswand über ihm und er spürte die Einsamkeit und die Stille der Berge und in ihm selbst. Gedanken an vergessene Menschen tauchten in den Schatten des Feuers auf und an und an nahmen sie Gestalt an. Menschen die ihm für eine kurze Zeit oder auch für länger begleitet hatte, aber sie erschienen ihm jetzt weiter entfernt als je zuvor. So ist es mit allen Dingen im Leben. Nichts ist von Beständigkeit und alles unterliegt dem ständigen Wandel im Rad des Schicksals.
Die Nacht war kurz und kühl und er erwachte mit leichten Kopfschmerzen die er auf die Höhenluft schob. Weiter ging es den schmalen Höhenweg hinauf und je höher er stieg, desto kärglicher wurde die Vegetation um ihn herum. Es war um die Nachmittagszeit so schätzte er als er sich auf einer Anhöhe wiederfand und dort das Kloster erblickte was er all die Jahre in seinem Kopf hatte. Nichts schien sich verändert zu haben bis auf die geschlossenen Läden an den Fenstern. Es schien fast so als ob die Bewohner nur kurz zur Messe waren und im nächsten Moment einer Prozession gleich um die Ecke biegen würden. Eine friedvolle Stille lag an diesem Ort nur ab und an unterbrochen vom Ruf der Krähen die ruhig und majestätisch über seinem Kopf ihre Kreise zogen. Was müssen sie und ihre Vorfahren an diesem Ort gesehen und gehört haben, aber sie schwiegen und beobachteten ihn nur aus ihren schwarzen Augen. Er blickte sich um und fühlte sich klein und unbedeutend ob der Größe und Erhabenheit die ihn hier umgab.
Auch aus der Nähe machte das Kloster einen Kühlen und abweisenden Eindruck und je näher er ihm kam, desto unbedeutender wurden ihm die Gedanken an die Welt in der noch vor nicht alluzulanger Zeit gewesen war. All der Druck und all die Gedanken schienen mit jedem Schritt mehr an Bedeutung zu verlieren. Instinktiv wußte er welche Tür er benutzen mußte um in das innere des Kloster zu gelangen und so befand er sich kurze Zeit später im Innenraum des Gebäudes. Die speziellen lateinischen Begriffe für die verschiedenen Gebäudeteile waren ihm nicht bekannt aber das war auch nebensächlich. Ein Gang führte ihn nach rechts weiter ins innere des Kloster hin zu der Kapelle und zu den ehemaligen Schlafstellen der Bewohner. Auch hier schien alles so als ob sie nur für einen kurzen Zeitraum fort währen, aber anhand des Staubes bemerkte er das hier seit vielen Jahren niemand mehr gewesen ist. Jede Kammer die er öffnete ähnelte der vorherigen und er wurde sich immer mehr bewußt wie wenig der Mensch wirklich brauchte um zu leben. Auch die Kapelle hatte diesen beruhigenden Charme von Kargheit, denn nichts sollte seine Bewohner von ihrem Werk der Frömmigkeit und des Gebetes abhalten.
Später als er wieder an das Tageslicht trat, bemerkte er wieviel Zeit vergangen war, denn die Sonne hatte für heute ihren Kampf mit der Dunkelheit verloren und zog sich in großen Schritten vom Himmel zurück. Er suchte sich ein Nachtlager aber nicht in einer der Kammern , denn dieses schien ihm eine zu große Verfehlung ob der Magie an diesem Ort zu sein. Er wählte einen Platz unter freiem Himmel und so rollte er in der Nähe der Kapelle seine Decke aus, immer beobachtet von den wachsamen Augen der Krähen über ihm.
Er war nicht alleine. Etwas hatte ihn aus dem Schlaf gerissen und er starrte in die Dunkle Nacht um ihn herum. Es war kein Geräusch das ihn weckte, sondern eher ein Gefühl des beobachtet werden’s, welches ihn aus der tiefe des Schlafes geholt hatte. Soweit es eine Augen zuließen war er alleine, aber etwas hatte sich verändert an diesem Ort. War das die Magie von der die alten Dorfbewohner gesprochen hatten ? Ein Blick auf den Himmel genügt um zu wissen das der Morgen noch weit entfernt lag, aber an Schlaf war für ihn nicht mehr zu denken , und so schlug er seine Decke zurück und stand auf um diesen Ort und das Gefühl was ihn umgab zu erkunden. Stumm und dunkel ragten die Gebäude des Klosters im Nachthimmel zu beiden Seiten auf und beobachteten ihn aus ihren dunklen Fensterhöllen. Rechts von ihm befand sich die Kapelle aber sein Interesse galt eher dem kleinen schmalen Weg links von ihm der etwas in den dahinter liegenden Teil der Abtei führte.
Die Sterne sorgten für ausreichendes Licht, so daß er ohne große Mühe dem alten Weg folgen konnte. Er führte in auf eine weitere Anhöhe hinauf zu den Gräbern der Mönche. Auch hier waren sie sein Begleiter die dunklen Vögel der Nacht. Sie bewegten sich nicht sondern beobachteten ihn auch hierbei. Ob es nur ihre Natur war oder ob sie wirklich neugierig ob des Fremden an ihrem Ort waren, konnte er nicht definieren, weder bei Helligkeit oder noch jetzt bei dieser Dunkelheit.
Es waren nicht viele Gräber an diesem Friedhof aber sie schienen im angesichts der herrschenden Dunkelheit sauber und gepflegt. Er zählte knapp 15 Gräber die sich hier befanden und sie waren nicht außergewöhnlicher als andere Gräber nur das sie eben an diesem Ort lagen. Das einzig seltsame waren nur die Krähen die auf jedem Grabstein saßen so als ob sie die Wächter der Toten waren. Seltsamerweise spürte er keine Angst obwohl der Tod fast körperlich zu spüren war. Er schloß die Augen und ließ sich nur von seinem Gefühl leiten und bewegte sich jetzt wie ein Schlafwandler zwischen den Gräbern.
Ein knappes Jahr später machte eine archäologische Forschungsgruppe eine seltsame Entdeckung. Auf dem Friedhof der Abtei hoch über dem Dorf zählten sie 15 Gräber aus dem 12. Jahrhundert und ein 1 Grab aus der Neuzeit. Das seltsame daran war aber, das die Gebeine in diesem Grab aus dem 12. Jahrhundert stammten die komplette Bekleidung des Toten aber aus dem jetzigen Zeitraum stammte.