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Dämon

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06.04.2010
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Dämon

-Für Frau Gold-


Wenn beim morgendlichen Blick in den Spiegel der Dämon auf meiner Schulter feist grinst und mir „Daumen hoch!“ zeigt, sollte ich anfangen über einige Dinge nachzudenken.

Mal wieder Montag, mal wieder alleine, mal wieder nicht geschlafen. Das geht schon seit Monaten so. Jedes Wochenende das gleiche und doch immer anders.
Und nun wieder die Entscheidung: Arbeit, ja oder nein?
Heute entscheide ich mich für ein klares Nein, stolpere zum Telefon und erzähle meinem Chef irgendwas von „krank“ und „fieses Fieber“...Der Dämon freut sich! Allzu oft kann ich die Ausrede auch nicht mehr bringen.

Während mir die Frage durch den Kopf geht, was ich mit dem Tag anfangen soll, versuche ich im Chaos auf dem Wohnzimmertisch meine Zigaretten zu finden. Neben der Dose mit den Speedtütchen und den Pillen.

Etliche Zigaretten, zwei Linien Speed und drei Dosenbier später steppt mein Dämon im 4/4-Takt. Für ihn wird’s ein guter Tag.

Die chemisch gesteigerte Libido macht sich auch am vierten Tag wieder gnadenlos bemerkbar und nach kürzester Zeit bin ich ein 183 cm großer, wandelnder Penis. Da ich jedoch alleine bin, wird der Zustand recht schnell nervig, und belastend…noch mal nen Porno anschmeißen? Besser nicht…tut immer noch alles weh! Also Ablenkung suchen! Das Internet leistet hier wundervolle Dienste und fünf parallel geöffnete Chatfenster vertreiben die Einsamkeit. Jedenfalls für eine Weile. Chatkontakte sind irgendwie klinisch…

Die Wirkung der letzten Line lässt zu schnell nach! Ist ja auch kein Wunder nach dem Wochenende. Der Körper ist am Ende und schreit durch zeitweise Aussetzer der Motorik auf seine Art nach Erholung, Schlaf, Gnade. Meinem Dämon ist das egal! Der zupft mir jetzt energisch am Ohr und ich weiß leider was das heißt…

Ecstasy mit Speed zu kombinieren ist eine Handlung für die es feste Regeln gibt. Jedenfalls bei mir. Das S nach dem E sorgt innerhalb von Minuten für eine klare, energiegeladene und unverfälschte Sicht auf die Welt. Das E nach dem S lässt sich mit einer Fahrkarte ins kunterbunte LaLa-Land der Synapsengnome vergleichen…mit teils verheerenden Konsequenzen für die geistige Stabilität!

Ich habe keine Wahl, der Dämon will es so also löse ich den Fahrschein, Hin- und Rückfahrt…Bitte Vorsicht am Gleis!

Die Wirkung lässt in meinen stark geschwächten Körper nicht lange auf sich warten und ich finde mich nach einer, grob geschätzten, halben Stunden wonnig wimmernd auf dem Fußboden wieder, eine Bierdose fasziniert in den Händen drehend.
Der Dämon ist nicht mehr zu halten. Er düst jauchzend und Salti schlagend um meinen Kopf herum und klatscht mir abwechselnd mit seinen Händen und seinem Hintern ins Gesicht.
Was mach ich hier eigentlich?

Die Bilder treffen mich wie Blitze. Gesichter, nackte Körper, Erinnerungsfetzen.
Das Problem mit einem intensiven Rausch ist…die Intensität! Steuerbar bis zu einem gewissen Punkt. Danach schwer zu kontrollieren. Den Punkt zu finden ist fast unmöglich. Er lässt sich nur vorsichtig ertasten. Das funktioniert allerdings auch nur mit klarem Kopf.
Mein Körper macht sich zeitweise selbstständig und zuckt. Momentan find ich das noch sehr lustig und genieße den Kontrollverlust. Immer mehr verliere ich den Bezug zur Realität. Zum sicheren Gedanken dass mein Ich im Jetzt und die verschobenen Wahrnehmungen nur in meinen Kopf existieren.
Ab und zu flackert meine Selbsterhaltung auf und warnt mich. Warnt mich vor dem größten Fehler den ich jetzt noch machen könnte. Meine Selbsterhaltung meint es gut mit mir. Nur leider hat sie keine Ahnung wie mein Kopf funktioniert. Naive Selbsterhaltung!

Ich rufe bei Mark an. Mark ist arbeitslos und Vollblutdealer also wird früh morgens auch erreichbar sein.
Ein paar knappe Sätze später ist er auch schon auf dem Weg zu mir. Ich habe noch Zeit und mein Dämon ist der Meinung, dass es mehr als genug Zeit für zwei weitere Linien Speed ist. Der kleine Sack! Jetzt kriegt er mich nicht! Ich bin stark! Kein Speed für mich!

Nach 25 Minuten und zwei weiteren Ecstasy-Pillen klingelt es an meiner Tür.

Mark hat wieder dieses Grinsen drauf. Dieses Grinsen hasse ich. Er grinst immer wenn ich verpeilt aussehe.
Mark kennt mich einfach zu gut. Am Telefon bin ich sehr wage geblieben was ich brauche, also hat er einfach alles mitgebracht. Der Sack.

Wir reden nicht viel. Das mag ich. Reines Geschäftsgespräch, kein Smalltalk. Eine angenehm kurze Zeit später ist Mark wieder weg. Wesentlich reicher.
Auf meinem Tisch liegen weitere Pillen, etwas Heroin und das was mir am meisten Angst macht: DMT.
Einer der großen Drogenphilosophen hat einmal gesagt dass DMT der Ferrari unter den Halluzinogenen sei. Ich hab jetzt schon die Hosen voll. Aber ich weiß dass ich keine Wahl habe. Der Dämon will, was dem Dämon gefällt.

Mein Körper wehrt sich heftiger gegen den Schlafentzug. Er zittert und krampft. Aber ich weiß wie ich ihn beruhigen kann.

Der Joint mit Heroin zeigt nach dem ersten Zug seine Wirkung. Meine Eingeweide werden warm und alles ist weiter weg. Alles ist gut. Die Blitze werden häufiger und der Körper entwickelt seinen eigenen Willen. Wird alles viel zu heftig. Alles wird komisch.
Verdammt, was stinkt hier so?

Mein Dämon schreit vor Freude als ich meine Unterhose in den Müll schmeiße und mich in der Dusche reinige. Es kommt mir alles so unwirklich vor. Selbst als ich betrachte, was in den Abfluss gespült wird kann ich es nicht glauben. Wasser ist heiß und kalt zugleich.
Frische Unterwäsche fühlt sich göttlich an.

Wieder im Wohnzimmer. Es wird Zeit für Musik. Das Hirn lechzt danach und der Körper folgt.
Klänge und Akkorde schneiden in mein Fleisch. Basslines zerhacken mein Hirn. Höhen erzeugen farbige Bilder in meinem Kopf. Einfach wundervoll! Mein Dämon will mehr. Ich will mehr!

Egal wie viel ich schon genommen habe. Egal wie viel Uhr es ist. Ich brauche mehr. Mehr Rausch. Mehr Farben. Mehr Alles!

Als ich mir eine Pfeife DMT zurecht mache schlagen die Pillen ein. Hatte sie schon vergessen. Die Wirkung überrennt mich und ich ringe kurz nach Luft. Bis mir bewusst wird was gerade einschlägt vergeht eine Weile. Unfähig mich zu bewegen sitze ich auf dem Sofa und starre den Tisch an. Pillendosen und Plastiktütchen tanzen miteinander, Zigarettenpackungen spielen Bockspringen. Mein Dämon sitzt mir gespannt im Nacken und betrachtet die Szenerie. Selbst er weiß nicht was grade läuft.

Langsam gewöhnt sich mein Körper an den Pillenkick. Langsam wird meine Sicht wieder klar. Der kalte Wintermorgen setzt ein. Das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Das Gefühl der Zufriedenheit. Der Einklang mit sich Selbst und seinem Körper. Das totale Bewusstsein! Perfektes Timing!
Das Feuerzeug zischt über dem DMT.

Mein Dämon fällt in Ohnmacht.

 
Zuletzt bearbeitet:

Geändert von Schockwellenreiter (21.03.2012 um 15:19 Uhr). Grund: Fehler behoben,
schock & Welle, welche Fehler,

liebe Schockwelle,

seit zwo Jahren hier an Bord (könnt' man da noch willkommen ... - man kann: herzlich willkommen hierselbst - schließlich sollten wir Gelegentlichen gelegentlich zusammenhalten) und ... wir werden sehn bei dieser Geschichte mit Widmung. Ob freilich die Frau Gold durch den blauen Montag eines Phallus erfreut wird, will ich gar nicht erst wissen ...

Es beginnt mit der Zeichensetzung:

Wenn dich beim morgendlichen Blick in den Spiegel der Dämon auf deiner Schulter feist angrinst und dir „Daumen hoch!“ zeigt, solltest du anfangen über einige Dinge nachzudenken.
Die Infinitvgruppe ist in jedem Fall, so viel Infinitive nun auch vom Komma freigestellt werden können, mit einem Komma zu beglücken. Siehe K 117 Ziffer 2 Duden Bd. 1 u. a.
Zudem fällt die inflationäre Verwendung von Pronomen auf:
... dich ... deiner ... dir ... du ...
Sollte er über Frau Golds Schulter dich im Spiegel angrinsen?, usw. Tatsächlich müsste dort stehen
[... mich ... meiner ... mir ... ich ...]

Dann taucht mir ein wenig zu häufig das unbestimteste im Deutschen überhaupt auf "irgend", denn das ist zugleich "nirgend", also nix.

Während mir die Frage durch den Kopf geht was ich mit dem Tag anfangen soll, versuche ich im Chaos auf dem Wohnzimmertisch meine Zigaretten zu finden.
Warum setzt er nicht zwischen "geht" und "was" ein Komma, um dann doch einer relativ sinnvollen Tätigkeit nachzugehn? Und wär's zur Arbeit ...

Für Ihn wird’s ein guter Tag.
Das ist äußerst höflich, mit einem Anredepronomen mit einem Dämon zu verkehren.

Die chemisch gesteigerte Libido macht sich auch am vierten Tag wieder gnadenlos bemerkbar und nach kürzester Zeit bin ich ein 183 cm großer, wandelnder Penis.
Was Probleme mit dem Beinkleid gäbe, Angeber! Weniger als zwanzig Zentimeter, behaupte ich, und das mit Hut!

Da ich jedoch alleine bin wird der Zustand recht schnell nervig
was mag da nach offizieller Regelung fehlen? Richtig: nein, nicht ein, sondern zwo! " ... bin, wird ... nervig, und ...", auch ein Nebensatz hat Anfang und Ende!

Ecstasy mit Speed zu kombinieren ist eine Handlung für die es feste Regeln gibt,
was auch fürs und beim Schreiben gilt. Abermeine Lider werden schwer und bevor ich mit dem Kopf im Internetcafé auf den PC knalle überlass ich Dich Deinem Schicksal mit der Empfehlung, die ersten hun dert Seiten Duden Bd. I zur Hand zu nehmen, zu studieren und mal zwei Tage nüchtern zu bleiben. Da würde sich das Blaumachen sogar lohnen, denn solche Feinheiten lernt man nicht an der Arbeitsstelle ... Und zur intellektuellen Aufheiterung und Ermutigung empfehle ich Walter Benjamins Versuche mit Haschisch oder auch mal den Sgt. Pepper.

Nix für ungut, aber aus 15-Minuten-Texten wird nix ...

Friedel

 

Hallo Friedel,

danke für deine Kritik und die zahlreichen Hinweise auf die Defizite. Geändert.

Mich würde aber auch interessieren was du zum Inhalt zu sagen hast und vor allem wie du darauf kommst, dass es sich hier um eine 15 min Geschichte handelt?

 

Eine 15 Minuten Geschichte anhand der ich gerne aus meinen Fehlern lernen möchte
hastu zu
High on ground
bekannt und die Geschichte hier scheint mir aus der gleichen Haltung (ist ja auch am gleichen Tag geschrieben, zumindest hier eingestellt worden),

lieber Schockwellenreiter.

Nun finde ich die Übertreibung

Geändert von Schockwellenreiter (21.03.2012 um 17:55 Uhr). Grund: Noch mehr Fehler behoben,
und in der Tat: das was ich vorgekaut habe ist - wenn auch da nicht vollständig - korrigiert. Grammatik ist manchmal schwierig, aber dass ich Dir jeden Schnitzer raussuche hielte ich dann doch für eine Übertreibung. Man sollte erwarten, dass jeder, der schreibt, auch weiß, was er tut und vor allem sich auch mal eine halbe Stunde Zeit, wenn schon nicht ein halbes Leben seinen eigenen Texten widmet. Also nochmal von vorne und immer nur EIN Beispiel zu den Schnitzern!

Und weil's so schön ist und wir gerade mal dabei sind, fangen wir mit dem Titel der anderen Geschichte an. Traut sich wohl keiner, im Englischen rumzustöbern, wo üblicher- und ausnahmsweise die Substantive (auch die kennt der Brite, wenn er auch in der Regel die Klerinschreibung bevorzugt): Also statt

High on ground
besser
High on [G]round
!

Jetzt hier weiter und zwar mit dem ersten Satz, den ich zwar vollständig zu korrigieren vorschlug, aber die Infinitvgruppe auch benannte mitsamt Begründung unter K 117 Ziff. 2 Duden Bd. 1, denn es gibt mehr Ausnahmen als man denkt zur Befreiung vom Komma durch ein KANN-Regelung:

Wenn beim morgendlichen Blick in den Spiegel der Dämon auf meiner Schulter feist grinst und mir „Daumen hoch!“ zeigt, sollte ich anfangenKOMMA! über einige Dinge nachzudenken.
Die Infinitivgruppe ist nämlich vom Substantiv ("Dinge") abhängig.

... von „krank“ und „fieses Fieber“...Der Dämon freut sich!
Leertaste bei den Punkten ... Allzu oft werd ichs aber nicht vormachen ...

Der Versuch, ein Kleist zu werden, wird scheitern: der hätte eher mehr Kommas gesetzt und eines muss noch kommen:

Während mir die Frage durch den Kopf geht, was ich mit dem Tag anfangen soll, versuche ich im ChaosKOMMA auf dem Wohnzimmertisch meine Zigaretten zu finden.
Na, welche Begründung käme denn da infrage?

... bin, wird der Zustand recht schnell nervig, und belastend…noch mal nen Porno anschmeißen?
Zur Abwechselung mal ein entbehrliches Komma, das ja durchs Bindewort ersetzt wird. Aber was war mit den drei Punkten? S. o. und im folgenden Satz!

Der zupft mir jetzt energisch am Ohr und ich weiß leiderKOMMA was das heißt…
Grundsätzlich werden Nebensätze ("was ...") von Hauptsätzen durch Komma getrennt. Und wieder die fliegenschissigen drei Punkte. Lass die doch weg, wenn's formal nicht hinhaut!

Ecstasy mit Speed zu kombinieren ist eine HandlungKOMMA für die es feste Regeln gibt.
Welche allgemeine Regel?

... ich finde mich nach einer, grob geschätzten, halben Stunden wonnig
Warum Stunden? Schick das n weg!

Was mach ich hier eigentlich?
Endlich mal kein Fehler - und ich frag's mich erst recht ...

Zum sicheren Gedanken ...
Was mag im restlichen Satz fehlen? Und hier
Warnt mich vor dem größten Fehler ...
& hier
Nur leider hat sie keine Ahnung ...

Mark ist arbeitslos und VollblutdealerKOMMA also wird früh morgens auch erreichbar sein.
Hier fehlt was - außer dem Komma, wegen des Kommas wird hier auch nicht drauf hingewiesen.

Am Telefon bin ich sehr wage geblieben was ich brauche,...
Wage? Waage? Wer wiegt oder wagt da was? Du meinst etwas "unbestimmtes" und dass schreibt sich "vage".
Mein Dämon fällt in Ohnmacht.
Bliebe es dabei!

Wie gesagt: von jedem Schnitzer nur der erste Auftritt, ansonsten wirstu wohl den Rest (der ist nicht unerheblich) selbst finden müssen. Modelle hastu ja jetzt.

Was zum Inhaltlichen hatte ich schon beim letzten Mal in einem Satz gesagt - direkt nach der Begrüßung. Alles Weitere behalt ich für mich. Und noch mal der Tipp: man kriegt auch mit Drogenerfahrung literarische Texte hin - und sei's Lucy in the Sky with Diamonds oder A Day in the Life usw. oder Benjamins Haschischversuche.

Ich lass mich überraschen ...

Bis demnächst und frohes Schaffen wünscht der

Friedel

 

Hey Schockwellenreiter,

ich verstehe deine Motivation. Aber du machst keine Geschichte daraus, die auch Menschen interessieren könnte, die solche Erfahrungen nicht haben. Das ist das Problem.

Wie wäre es, wenn du eine Handlung erfinden würdest, die sich nicht nur um die Drogenerfahrung dreht, eine Handlung, die vermittelt, warum es schwer ist, sich ins normale Leben zurückzukämpfen. Da ist der Dämon schon eine billige Ausrede. Damit musst du nichts weiter erklären, dich nicht damit auseinandersetzen, warum der Prot. es nicht schafft. Das wäre aber interessanter.

Ich finde deine Vergleiche nicht schlecht. Deinen Schreibstil auch nicht. Aber die Gerschichte zelebriert bloß den Konsum. Das ist zu wenig. jeder Konsument ist ein Mensch mit Gefühlen. Versuch doch mal zu überlegen, was jemand beim lesen denkt, der diese Erfahrungen nicht hat. Die Gefühle sind trotzdem ähnlich. Vergleiche die Wärme der Pillen mit der Liebe, die man kennt. so was.


So ist das eben ein Erfahrungsbericht. Ziemlich ehrlich, ja, das ist auch die Stärke, aber ansonsten fehlts einfach

Lollek

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Schockwellenreiter,

was ist denn Deine Intention über so ein heikles Thema zu schreiben? Wenn es zur Abschreckung dienen soll, dann ist es Dir gelungen. Ich habe Deinen Prot. deutlich vor Augen. Einen zugedröhnten, psychisch labilen Typen, der unkontrolliert Drogen einwirft.
Ein erschreckendes und auch abstoßendes Bild. Man möchte laut schreien: "Keine Macht den Drogen"!

Gut geschrieben finde ich Deine Geschichte, aber was dabei fehlt ist das "Drumherum": Wie das Leben aller Beteiligten von der Sucht beherrscht wird, weil sie immer im Mittelpunkt steht. Die eigentliche Problematik fängt doch erst mit seinem Umfeld an. Mit Menschen, die dem Süchtigen nahe stehen und meist mehr leiden, als der Süchtige selbst. Es fehlt der Konflikt; wie schwierig das Zusammenleben mit einem Suchtkranken ist, die nervenaufreibende Dauerbelastung von Angehörigen, die sich mit einem solchen Familienmitglied auseinander setzen müssen. Häufig werden Familienmitglieder durch den immensen Stress im Zusammenleben selbst krank.
Und ich weiß, wovon ich rede.. zwar ging es dabei um Alkoholsucht; aber das ist eine andere Geschichte und würde den Rahmen sprengen.

Was soll man also Betroffenen raten? Ich habe dazu einen interessanten Beitrag unter http://www.gutefrage.net/frage/coabhaengigkeit gefunden:

Der Co-Abhängige vergisst dabei, sich selbst zu schützen und wird kräftemäßig regelrecht ausgesaugt.
Wer die Abhängigkeit des Anderen mit Mitleid und Liebe erduldet, und hilfreich zur Seite steht,
unterstützt den Willen zum Aufhören nicht, sondern er unterstützt unwillentlich die Abhängigkeit.
So brutal wie es klingt: Man muss den Abhängigen fallen lassen, damit er durch seine eigene Schuld ganz unten aufschlägt.
Das ist oft die Notbremse, die Wirkung haben kann.

Ja, auch wenn es sich paradox anhört, ist es wohl richtig, was man immer wieder lesen kann.
Das Zauberwort heißt: "Hilfe durch Nichthilfe"!
Den Süchtigen NICHT in allen Lebenslagen unterstützen, NICHT alles für ihn "gerade bügeln",
NICHT aus Schamgefühl nach außen alles vertuschen, NICHT auf "heile Welt" spielen,
NICHT für ihn lügen, Ausreden erfinden, etc. etc.
Erst wenn der Leidensdruck beim Süchtigen so hoch ist, dass er seine Abhängigkeit und Situation erkennt, in welchem Schlamassel er steckt, wird er nach neuen Lebenswegen suchen und auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Angehörige können ihm dabei NICHT helfen, er muss es WOLLEN!

Suchtkranke werden, wie das Wort schon sagt, von ihrer Sucht beherrscht. Ein Suchtkranker der sich nicht helfen lassen will und keine Hilfe von Fachleuten in Anspruch nimmt, zieht andere unweigerlich mit in den Sumpf; nicht weil er es so will, weil er nicht anders kann!

Fazit: Betroffene dürfen das eigene Wohl nicht aus den Augen verlieren und niemand muss sein eigenes Leben opfern, weil ein Familienangehöriger der Sucht unterliegt. Wie heißt es so schön und auch völlig richtig: Jeder ist sein Glückes Schmied!
Die "Co-Abhängigkeit" muss nicht über das ganze Leben ausgelebt werden, wenn man schon alles versucht hat und für sich erkannt hat, dass man dem Suchtkranken nicht helfen kann. Bevor man machtlos beim Abstieg und dem unausweichlichen Ende zusehen muss.. und dabei sprichwörtlich
"vor die Hunde geht", während sich der Süchtige sein Zeug reinballert und der Realität entflieht,
heißt die Lösung: loslassen!


Liebe Grüße und ein sonniges Wochenende,

Darkeyes

 
Zuletzt bearbeitet:

Nun ja, ich stell mal Drogenversuche aus den 1920-/30er Jahren auszugsweise ein,

lieber Schockwellenreiter,

und zwar vom 18. Dezember 1927 in aller Herrgotsfrüh (1/2 4 Uhr morgens) und breche vor der Höherdosierung ab. Die Stelle wurde wegen Franz Hessel, einem Freund Benjamins, eingestellt, dessen Sohn derzeit der coolste Krawallbruder aller Zeiten wird:

"1) Geister schweben (vignettenhaft) hinter der rechten Schulter. Kühle in dieser Schulter. In diesem Zusammenhang: »Ich habe das Gefühl, daß außer mir 4 im Zimmer sind. ( « ) (Umgehung der Notwendigkeit sich mitzuzählen.)
[…]
5) Unbegrenztes Wohlwollen. Versagen der zwangsneurotischen Angstkomplexe. Die Sphäre »Charakter« tut sich auf. Alle Anwesenden irisieren ins Komische. Zugleich durchdringt man sich mit ihrer Aura.
6) Das Komische wird nicht nur aus Gesichtern, auch aus Vorgängen herausgeholt. Man sucht Anlass zum Gelächter. Vielleicht stellt sich auch nur darum so vieles, was man sieht, als »arrangiert«, als »Versuch« dar: damit man darüber lachen kann.
7) Dichterische Evidenzen ins Lautliche: ich stelle an einer Stelle die Behauptung < auf), eben hätte ich in der Antwort auf eine Frage das Wort lange Zeit nur durch (sozusagen) die Wahrnehmung einer langen Zeit in dem Lautbestand der beiden Worte gebraucht. Ich empfinde das als dichterische Evidenz.
8) Zusammenhang; Distinktion. Man fühlt im Lächeln sich kleine Flügel wachsen. Lächeln und flattern als verwandt. Man hat das Gefühl der Distingiertheit u. a. weil man sich so vorkommt, als lasse man im Grunde in nichts sich zu tief ein: bewege, wie tief man auch dringe, sich immer auf einer Schwelle. Art Spitzentanz der Vernunft.
9) Es fällt einem sehr auf, in wie langen Sätzen man spricht. Auch dies mit horizontaler Ausdehnung und (wohl) mit Gelächter zusammenhängend. Das Passagenphänomen [… Anm.: es folgen Notizen zum eigenen literarischen Werk …]
10) Ganz flüchtig taucht in einem Augenblick des Insichgekehrtseins so etwas wie eine Neigung auf, sich selber, seinen Körper zu stilisieren.
11) Unlust zu Auskunft. Rudimente von einem Zustande von Entrücktheit. Große Empfindlichkeit gegen offne Türen, lautes Reden, Musik.
12) Gefühl, Poe jetzt viel besser zu verstehen. Die Eingangstore zu einer Welt des Grotesken scheinen aufzugehen. Ich wollte nur nicht hereintreten.
13) Ofenröhre wird Katze. Beim Worte Ingwer ist anstelle des Schreibtisches plötzlich eine Fruchtbude da, in der (ich) sofort darauf den Schreibtisch wiedererkenne. Ich erinnerte an 1001 Nacht.
14) Unlustig und schwerfällig den Gedanken anderer zu folgen.
[…Es folgt ein Abschnitt, dass alles eher Fremden als Bekanntem ähnlich wäre einschl. der anwesenden Freunde …]
17) Mir schien: ausgesprochene Unlust, mich über Dinge des praktischen Lebens, Zukunft, Daten, Politik zu unterhalten. Man ist an die intellektuale Sphäre gebannt wie manchmal Besessene auf die sexuelle, ist von ihr angesaugt.
18) Nachher mit Hessel im Cafe kleiner Abschied von der Geister-welt. Winken. [Anm.: Gemeint ist der Schriftsteller und Übersetzer Franz Hessel, Vater Stéphane Hessels, der 2010 als über 90-jähriger den Essay Indignez-vous! (Empört Euch!, 2011) herausbrachte) …]
19) Das Misstrauen gegen Essen. Ein besonderer und sehr akzentuierter Fall des Gefühls, was man bei vielem hat: »Das ist doch nicht dein Ernst, dass du so aussiehst!«
20) F's (Fränkels; H's [Hessels]?) Schreibtisch verwandelt sich als er von »Ingwer« spricht für eine Sekunde in eine Bude mit Früchten.
21) Mit dem Gelächter bringe ich in Zusammenhang das außerordentliche Meinungsschwanken. Es hängt, genauer gesagt, unter anderm mit der großen Detachiertheit zusammen. Ferner ist diese Unsicherheit, die möglicherweise bis zur Affektation geht, gewissermaßen eine Projektion des inneren Kitzelgefühls nach außen.
22) Auffallend ist, dass man Hemmungsgründe, die im Aberglauben etc. liegen und die man sonst nicht leicht benennt ziemlich impulsiv ohne starken Widerstand frei heraussagt. In einer schillerschen Elegie heißt es »Des Schmetterlings zweifelnder Flügel.« Dieses zum Zusammenhange des Beschwingtseins mit dem Gefühl des Zweifels.
23) Man geht die gleichen Wege des Denkens wie vorher. Nur sie scheinen mit Rosen bestreut.
[…]" Usw.

[Protokolle zu Drogenversuchen. in: Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Bd. VI, hgg. v. Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Ffm. 1991, S. 558 - 618]

Gruß vom

Friedel,

dem derzeit der Maibock nebst einem gepflegten Wodka schmeckt und sich nur noch sehr dumpf an seine stratosphärischen Zeiten erinnert ...

 

Guten Abend Schockwellenreiter,

habe mir dein Werk soeben zu Gemüte geführt und finde es durchaus bildhaft!

Die kurzen Sätze treiben den Leser schnell durch den Text, so wie den Protagonisten seine Sucht rastlos durch den Tag.
Ein Auszug aus dem Leben eines Abhängigen. Der sich, unfähig seinen Handlungszwängen zu widerstehen, seiner Jämmerlichkeit bewusst wird.
Natürlich ist es keine literarische Höchstleistung. Das wäre aber auch völlig am Thema vorbei.
Die Sprache ist in ihrer Einfachheit sehr klar und Du vermittelst mir, nämlich jemandem der selbst keinerlei Drogenkontakt hat, durchaus einen Einblick in die Erfahrungswelt eines Konsumenten.

Auf orthografische sowie grammatikalische Fehler möchte ich nicht eingehen.
Ob Du etwas zu sagen hast, halte ich durchaus für wichtiger.
Zwar zeugt es mehr von Respekt, wenn Deine Texte, von denen Du erwartest, dass sie jemand ernsthaft kritisiert und dafür seine Zeit opfert, nicht unkorrigiert eingestellt werden. Doch da ich um der Überwindung weiß, seine Geschichten anderen zu lesen zu geben, gehe ich davon aus, dass du das nicht leichtfertig getan hast. Beim nächsten Mal machst Du das bestimmt besser ;).

Bis auf wenige Stolpersteine liest sich die Geschichte recht flüssig. Meine Interesse hast Du geweckt und ich wollte wissen, wie`s weiter geht.

Ich finde Dein Schreibstil hat Potential und Du solltest dran bleiben.

Viel Glück damit!
Griseldis

 

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