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Bis zu jenem Morgen
Bis zu jenem Morgen
„Und sollte die Wolke einmal durchbrechen, weiß ich, dass ich bei Dir Schutz empfangen werde.
Ich weiß, dass ich ein paar kleine Tropfen auf meiner Haut spüren werde, doch ich werde nicht nass werden.
Und wann immer, wann auch immer ein Tropfen in Deiner Nähe zu fallen droht, werde ich eilen, um Dich zu beschützen.
Du bist so wertvoll ,so kostbar.
Kein Nass soll Dich befeuchten. Kein Regen Dich beschweren.
Mein Rock wird Dir Trockenheit gewähren.
Nie, niemals soll die Natur Dich angreifen. Nie, niemals soll etwas Deine Natur zerstören.“
Mit diesen Worten deckte sie ihren Liebsten wieder zu. Warm sollte er es haben.
Sie zupfte ein wenig an den schwarzen Rosen und ging einige Schritte zurück.
Der Schein des Mondes lies ihr Gesicht samten erscheinen und die kleinen Tränen rollten hinunter.
„Sehnsucht ist ein Gefühl der Liebe. Wann immer ich mich nach Dir sehne, werde ich zurückkehren. Wann immer Dich die Sehnsucht ergreift, werde ich bereits auf dem Weg zu Dir sein.“
Sie warf einen letzten Blick auf den Ort der Stille.
Langsam und mit anmutigen Schritten bewegte sie sich in Richtung des Tores. Auch diese Nacht war es verschlossen gewesen. Auch diese Nacht musste sie es überwinden um ihn zu besuchen und um wieder von ihm zu gehen.
Seit Jahren verlief das Treffen des Paares im Geheimen. Damals hat niemand gewusst, dass sie einander liebten. Auch heute, da schon alle vergessen haben, weiß es niemand.
„Doch,“ so sagte sie auch damals schon „der Liebe ist kein Weg zu weit. Kein Pfad zu steinig. Nichts und niemand kann unsere Liebe zerstören.“
Sie hatten niemals geheiratet. Der Satz „...bis das der Tod euch scheidet...“ erschien ihnen so negativ. Denn Nichts sollte sie scheiden.
Etliche Jahre vergingen, als diese Nacht eintrat.
„Du warst nie fort. Wir spürten uns und liebten uns. Wir schliefen jede Nacht zusammen ein. Sobald der erste Sonnenstrahl die Welt erblickte, wachte ich auf. Nun wird es sich ändern. Wir werden für immer zusammen sein. Uns spüren. Uns lieben. Einschlafen und aufwachen. In einem fernen Land.“
Am nächsten Morgen fand man sie, ihre Arme um das Gesicht des Leichnams gelegt, mit einem sanften Lächeln um die Lippen.
Sein Sarg, mit rotem Samt ausgeschlagen, stand geöffnet in dem aufgescharrten Grab.
Sie lag dicht neben ihm.
Niemand hatte je von ihrer Liebe gewusst, bis zu jenem Morgen.