Was ist neu

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25.02.2003
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Episode 1

Wie immer waren sie relativ pünktlich vor Ort, kurz nach 8, und wie immer waren sie die Ersten, die anderen waren nicht da, das war nicht ungewöhnlich, höchstens nervig und ärgerlich, schließlich wollten sie wie immer mittwochs musizieren, doch an diesem Tag war alles anders. Sie besprachen sich. Dem Hinterhof, auf dem sie sich an diesem dunklen Herbstabend befanden, war das egal. Die alte Fabrik, oder was davon übrig war, trotzte dem Ärger, die Heizung im Wagen gab ihren Geist auf. Was macht man in so einer Situation? Richtig, auf dem Rücksitz liegt Bier, das hilft immer. Sie tranken in Ruhe das no name Produkt und malten sich die bevorstehende Probe aus. Timingprobleme, Tod der Kreativität, immer nur labern und schlechte Witze, eben eine normale Probe. Einverstanden waren sie schon lange nicht mehr damit, es mußte was geschehen, nur was, wußten sie schon nicht mehr. Aussteigen war immer eine Option, die sie aber seltsamerweise Weise nie wirklich in Betracht gezogen haben. Wie auch immer, sie saßen also wieder einmal im Auto in der Dunkelheit und warteten. Es war jetzt 20.30 Uhr, nun sollte aber mal jemand erscheinen, und in der Tat, das Motorrad fuhr vor, es konnte losgehen, doch weit gefehlt. „Ich steige aus“, sagte er, er, das war der Schlagzeuger, der noch vor 2 Wochen das volle Programm fahren wollte, so mit konzentrierten Proben, Auftritten, Internetseite etc., jetzt hatte er ein Angebot von einer anderen Band, Blues oder so, waren nicht schlecht die Jungs, aber wieso er mit seinen Timingproblemen, die Jungs wollten es doch wirklich wissen, so mit Studio und so. Egal, das war es also, das Problem hatte sich von selbst erledigt, die Stimmung war nicht gut, viel war gespielt, schließlich freuten sich unsere beiden Helden insgeheim, daß es so gekommen war, doch der Pietät wegen machte man eine betrübte Miene. Noch ein Bier und man trennte sich. Ach so, der Bassist mußte noch chauffiert werden, eine endlose Geschichte, aber heute kein Problem, schließlich war es das letzte Mal. Wirklich schade war es um den Proberaum, von außen zwar eher trübsinning, so öffnete sich von innen aber eine völlig neue Welt, ein Paradies für jeden Musiker, der normalerweise in Bunkern jedweder Art seine kreative Zeit verbringt. Vielleicht kann man ja zu zweit hier weitermachen.Um es vorwegzunehemen, das wurde natürlich nichts, der ehemalige Kontakt für den Raum kam über den eben angesprochenen Drummer zustande, er wollte natürlich hier weiterspielen, was für ein dummes Arschloch. Der Bassist, ein alter Kumpel, also alt.., er hatte natürlich die fixe Idee jetzt zu dritt, aber die Timingprobleme, mangelnde Kreativität gingen auch ihn sehr stark etwas an, man entschied sich 2 zu eins dagegen. Wir telefonieren, okay, tschüß. Jetzt herrschte Stille, sehr entspannt zwar, aber Stille, eher ungewöhnlich, das mußte verdaut werden. Bierchen?, klar, Auto geparkt, Stößchen. Eine Episode, eine sehr lange, ging zu Ende, man mußte sehen, was jetzt kommt. Laß uns morgen klingeln, okay, bis dann.
Man trennte sich, das Leben ging weiter, für beide irgendwie.

Episode 2


Und wie es weiterging. Er schloß die Tür auf, leise wie immer, doch wie immer hörte sie es. Er zog seine Schuhe aus und ging in die Küche, um zu rauchen. Die Jacke schmiß er über den Stuhl, alles Routine. Die Nichtbeachtung des Wäscheständers nebst frischgewaschener Sachen übrigens auch. So war er eben, sagte er jedenfalls, sie wollte das aber nicht wahrhaben, reden wir drüber. Genau das, was ich jetzt brauche, dachte er, gerne Hase, sagte er und verfluchte sich dafür.
Es kam, wie es kommen mußte, 23.30 Uhr und noch nichts geklärt, die Nacht konnte lang werden. Sie sah süß aus in ihrem Nachthemd, er versuchte ihrer Worte zu horchen, es gelang ihm nicht, er war mit seinen Gedanken nicht bei dieser Sache. Selten war er bei diesen Sachen, unwichtiges Gerede, scheiß auf die Wäsche, ich passe in Zukunft besser auf. Das sagst du immer, stimmt nicht, ich werde mich in Zukunft vorsehen, ich kann dich ja verstehen, oh nein, verstehen, er hat es gesagt, ja, dann erzähl mal, was du wirklich verstehst, doch nicht etwa mich, doch, doch, also, die Fakten. Du mit deinen Fakten, immer nur wissenschaftliche Aufzählungen, es geht um Gefühle, ach so, ich will nur schlafen, klar, Gefühle, äh, das ist doch jetzt geklärt, oder?, typisch, nichts ist geklärt, für mich schon, gute Nacht. Der Wecker klingelte, er sah sich um, sie war nicht da, hatte im Kinderzimmer geschlafen, herrlich, wie sich Dinge immer wiederholen. Egal, ein neuer schöner Tag wollte erobert werden, erst mal ein Käffchen und rauchen. Natürlich weit weg von der Küche, ist doch klar. Sie sprachen wenig, sie sprachen überhaupt nicht, sie musterten sich, sie bereiteten alles für die Schule vor, sie waren spät dran, alles schon mal dagewesen. Einfach weg, den Träumen folgen, geht das? Er träumte gerne, von seiner Reise mit dem Auto durch Amerika. 4 Wochen oder so, das wäre es. Hast du die Sportsachen, klar, scheiße, wo sind die Sachen, hab ich eingepackt, geh doch schon los, ich bringe ihn dann in die Schule. Bloß keine Diskussionen am frühen, zu spät, sie war unerbittlich, er kannte das schon, ein Jahr wohnten sie jetzt zusammen, eine schöne Wohnung ohne Zweifel, richtig wohl fühlten sich aber beide nicht. Das kommt bestimmt noch, dachte er ständig, er mochte die Wohnung, 3 Zimmer Altbau, einigermaßen günstig, 4. Stock mit Balkon, was will man mehr, na ja, so einiges. Er zog sich blitzschnell an, Wettanziehen mit dem Kleinen, wie immer gewann das Kind, nahm den Ranzen nebst Sportzeug und sie marschierten die Treppen hinunter in die Kälte. Den typischen Kinderauflauf in der Schule ignorierte er, auf zur Tanke, frische Brötchen sind schon was feines. Wieder im trauten Heim versuchte er zu lernen, was ihm nicht gelang. Erst mal telefonieren. Hugo war schon wach, schlafen war nicht seine Sache, kommst du vorbei auf Käffchen und Brötchen, klar, bis gleich. Nach der vierten Zigarette klingelte es, hi, auf ein neues. Die Probe von gestern wurde analysiert, wie geht es denn jetzt weiter? Das Telefon klingelte. Hast du gefragt, ob heute der Ausflug im Hort stattfindet, nö, scheiße, ja, scheiße, wann soll ich ihn denn jetzt abholen, ich kläre das nachher, rufe im Schülerladen an und melde mich dann bei dir. Ich bitte darum, bis dann. Wo waren wir, ach ja, die Probe, Schwamm drüber, weg is weg. Wir machen zu zweit weiter, is doch klar. Songs sind genug vorhanden, was fehlt ist ein Proberaum. Wir könnten bei meiner Mutter, ach vergiß es, is zwar ein netter Keller, aber die Erinnerungen.... Logisch, dann müsse mer halt suche, da geht bestimmt was. Dein Wort in Gottes, es klingelte schon wieder, hier is Matze, wer?, Matze, is die Karin da, ne die arbeitet, ok, dann melde ich mich später nochmal, tu das Kollege, wer war das denn, keine Ahnung, so ne Bekanntschaft von Karin halt, hat wohl wieder jemanden umzingelt, brauch ich überhaupt nicht, aber was solls. Die Kerle fahren aber auch voll auf sie ab, meine Fresse, na ja, sie sieht ja auch wirklich nett aus, nervt mich aber schon, anyway, wir sollten uns momentan aufs Aufnehmen konzentrieren, neue CD an ne Plattenfirma verschicken, ich brauche wieder mal ne Absage von Sony, baut mich immer so auf, man beschäftigt sich mit uns, mit uns, Alter, so soll es sein. Ich hab ein neues riff, kommt sehr gut, endlich mal härter, kommt deiner Stimme allerdings nicht so gelegen, egal, ich sing alles, sagte Hugo, warum nicht mal hart probieren, nicht immer akkustische Iglesiasscheiße. Na komm, Julio is ein Gott, wir werden irgendwann mal ne Endlosschleife von „Meine Liebe die findet zu dir“ spielen, immer wieder, das wird ein Hammer, die Leute werden uns schlagen wollen, oder vögeln, wandte Hugo ein, na ja, auch nicht schlecht, kommt drauf an, Kollege, wenn´s keine 55-jährigen Chefseketärinnen sind, die den Slip immer griffbereit haben, is doch alles in Butter. Abwarten, muß ja nicht covern sein, übrigens, was hälst du denn von englischen Texten, nu hör mal, logisch, da ist die Kohle. Die Staaten warten auf uns, Japan übrigens auch, da reißen sie alle, wenn sonst nichts mehr geht.
Das Gespräch wurde noch länger fortgeführt, so gegen 12 Uhr trennte man sich, Hugo mußte noch an die Uni, Vorlesungen raussuchen. Carlo, das ist der andere Held, setzte sich wieder an seine Bücher, Abhandlungen über Hamlet, trocken bis lustig, unterhaltsam bis gewagt, aber immer gern gelesen, geschichtliche Daten über England weniger, aber es mußte sein, diePrüfung wartete, aber eben nicht ewig, außerdem fehlten noch so ein, zwei Scheine, Grundkursscheiße, die aber auch erst mal gemacht werden müssen. Die allgemeine Erfahrung lehrt, daß bei intensivem Lernen die Zeit verfliegt, so auch dieses Mal, 14.30 Uhr und Karin stand in der Tür, beäugte die Küche, das dreckige Geschirr, und knallte total durch. Durchknallen äußert sich bei ihr in mehreren Varianten, meistens heulte sie und wurde gleichzeitig mörder aggressiv, ein Umstand, der Carlo immer in Verlegenheit brachte (soll ich jetzt lachen oder weinen?, weinen kommt schon überhaupt nicht in Frage, lachen erst recht nicht, also was tun?.....), so war es natürlich auch dieses Mal, die ganze Prozedur dauerte 1 Stunde, verschenkte Zeit für ihn, Therapie, vermutlich, für sie, das wird im Laufe der Geschichte noch geklärt werden, bis jetzt kann man sich noch kein abschließendes Urteil erlauben.
Der Berg in Gestalt des Kindes rief, man verzeihe dem Verfasser diese unglückliche Formulierung, man verließ die Wohnung und begab sich in den Hort, wo das Kind wieder mal nörgelnd auf einen wartete, bzw. eben nicht wartete, nö, ich will nicht nach Hause, ich bleib hier, wir spielen gerade so schön, doch, du mußt schon mitkommen, es ist immerhin schon 16 Uhr, länger geht wirklich nicht. Da Kinder den Fakten nicht den gleichen Stellenwert beimessen wie Erwachsene, verlief sich die Diskussion wie so oft in gegenseitigem Angemache, so oder so, man mußte gehen, es folgte eine Standpauke und alles war gut, alles?, nicht wirklich, aber auch das war Routine für ihn geworden. Für sie komischerweise nicht, kannte sie das Spiel doch schon 5 Jahre länger, schließlich war es ihr Kind, und man war „erst“ 2 Jahre zusammen. Da der Tag für sie schon schlecht anfing, fehlte diese Auseinandersetzung gerade noch, jetzt ging wirklich nichts mehr. Der Tag konnte wieder mal lang werden, was will man mehr. Zurück im trauten Heim ging man sich aus dem Weg, das klappte sehr gut, besser, als es sollte, bockig und lustlos erledigte man den Alltag. Dieser gestaltete sich, wie bei anderen Familien auch, im Erledigen von Alltagsdingen, wer hätte das gedacht. Aufräumen, abwaschen, okay, das hätte er morgens machen können, hat er aber nicht, waschen, Wäsche und Kind, also duschen, Hausaufgaben kontrollieren, nein das sollt ihr nicht, nur ich darf an meine Mappe, wir wollen doch nur schauen, mehr nicht, neijenn, doch, doch, das Geheule ging los, diesmal der Kleine, alles Routine, auch das kannte er schon. Wenn ich nur an das Wochenende denke, wird mir schlecht, das war ihr Standartsatz, er konnte ihn nicht mehr hören, er, lassen wir das. Ich will raus, dann geh doch, aber mit dir, mit mir?, jetzt?, hast du mal deine Nase rausgehalten, es ist arschkalt, ich weiß, aber immer in der Stube hocken ist richtig daneben. Das hätte er so nie unterschrieben, irgendeine Beschäftigung fand sich immer, Gitarre, Computer, lesen, essen, Fernsehen, um nur einige wichtige Dinge zu nennen.
Wie der Leser bereits erwartet, ist diese Art der Freizeitbeschäftigung nicht ihre Sache, war es nie, und wird es auch nie sein. Laß uns spontan sein, sagte sie, gut, laß uns spontan ein Bier trinken, erwiderte er, Arschloch, schrie sie, Schlampe, flüsterte er. Es klingelte, ihre Mutter, gut, das konnte dauern, er spielte mit dem Kleinen, Memory, er verlor haushoch, wunderte sich wie jedesmal, daß Kinder so ein gutes Merkvermögen haben, der bescheißt doch!, aber der Kleine war wenigstens glücklich, immerhin eine Person in diesem Haushalt. Schöne Grüße, brummte sie, danke schön, heuchelte er, der Zynismus stieg in ihm auf, er mußte sich zusammenreißen. Das gelang ihm wie immer relativ gut, erforderte keine besonderen Anstrengungen, ging wie von selbst, immer die möglichen Folgen einer unseriösen Bemerkung im Auge behaltend.
Jetzt aber erstmal Sesamstraße, dachte er so, wollte auch wirklich mitgucken, entschied sich dann aber dagegen, in irgendeiner Form schon nicht ganz freiwillig, psychischer Druck setzte ihm immer zu, er hielt es nicht mehr aus, das sagte er immer scherzhaft am Rande, sie konnte darüber, man vermutet es bereits, nicht lachen. Sie war nicht unlustig, nein, so hätte er sie nie bezeichnet, höchstens wenn sie außer Hörweite war, da ging immer einiges, nein, ihm fiel nie wirklich eine gute Beschreibung für sie ein. War ja auch nicht notwendig, warum denn auch, jetzt wurde erstmal, es war jetzt 18.30Uhr, gegessen. Schlemmen auf höchstem Niveau, Schwarzbrot, Tee, Aldiaufschnitt, Bier, allerdings ein Markenbier, irgendwo ist ja auch wirklich ein Punkt, also wenn das nicht mehr geht, was dann, fragte er sich, Butter und Nachtisch, also wirklich nicht so schlecht, man war damit zufrieden, eine gewisse Einigkeit war dementsprechend also doch festzustellen.
Jetzt stand aber erstmal wieder der nächste Kampf an, es ging zum Zähneputzen, der Kleine weigerte sich jedesmal, man fragte sich jedesmal warum, nützte aber nichts, es verlief immer auf die gleiche Weise, er spielte nur rum, bekam dann Ärger, war dann selber böse, usw. Die endlose Geschichte in diesem Hause. Carlo saß in der Zwischenzeit am Rechner, Internet und so. Da verging die Zeit sehr, sehr schnell. Außerdem hatte er ein neues Spiel bekommen, ballern bis der Arzt kommt, genau seine Art der Entspannung. Sie sah es nicht gern, wenn er wieder mal am Computer hockte, man könnte ja in der Zwischeneit so viel machen, was denn, fragte er, über uns nachdenken etwa?, dann kann ich mich ja gleich erschießen, ich will, daß du mich verstehst, schrie sie, das ist Wunschdenken, antwortete er, dich kann man nicht nicht verstehen, aber tröste dich, das ist bei den meisten Weibern so, er benutzte natürlich nicht das eben genannte Wort, Frauen und Männer sind einfach grundverschieden. Sie stürmte aus dem Zimmer, sie blieb fern, sie hörte eine entspannende CD, was auch immer das war, er wußte es nicht, wollte es, wie so viele andere Dinge auch, überhaupt nicht wissen, üble Geschichte, hatte jetzt aber wenigstens Zeit, den Fernseher anzumachen. Leider hatten sie kein Kabel, geschweige denn eine Schüssel, man vergnügte sich also mit 6 Programmen, die waren selten annehmbar, meckern nützte nichts, es wird gesehen, was aus der Kiste kommt, ja Mutti, ich hab aber kein Hunger mehr, er träumte, das war schlecht, er wollte nicht schlafen, reiß dich zusammen, er öffnete die Augen, Arztserie hier, vögelnder Pfarrer da, besoffene Musiker, Politiker, er entschied sich für ne Tiersendung, kam immer gut, konnte man gut sein Bier zu trinken.

Episode 3:

Matthias Schaumberg stieg langsam und vorsichtig von seinem Rad ab. Er verfluchte es (also sein Rad) , sein Auto war defekt, wenn man es milde ausdrückt, in Wahrheit hat er den Wagen voll geklatscht, wie sollte er denn nun weiterhin auf dicke Hose machen, verdammt, er war sich seiner mißlichen Lage voll bewußt. Gerade vor 3 Tagen hat er diese coole Braut klargemacht, was in seinem Wortschatz nicht sehr viel bedeutete, man hat halt geredet und getanzt und so. Er sah die ganze Geschichte natürlich ein bißchen anders, in seinen Augen war er ein Monsterstecher, ein Killer wie er im Buche steht. Anyway folks, er war auf dem Weg zur Arbeit, Briefe austragen, ein Briefträger sozusagen. Er bekam die rote Tour, was auch immer das heißen mag, er jedenfalls war recht unglücklich darüber, hätte er doch lieber die blaue genommen, warum auch immer, wir wollen uns damit jetzt nicht beschäftigen. Matthias aber schon, geladen wie ein Stück Schmierseife lief er zu seinem direkten Vorgesetzten, den wir aus Kulanzgründen nicht namentlich erwähnen werden, er wollte sich also beschweren. Nach einer kurzen Diskussion, niemand bekam so wirklich den Wortlaut mit und auf Gerüchte wollen wir uns nicht stützen, geschweige denn stürzen, war er immer noch der roten Tour zugeteilt. Sein Firmenfahrrad voll beladen, heute war wirklich nicht sein Tag, ging es denn nun los, an diesem kalten Morgen so gegen 9 Uhr. Er sammelte seine Gedanken, wie hieß sie doch gleich, ach ja, Karin, die kleine süße Maus, da geht noch so einiges, dachte er insgeheim bei sich. Gestern hatte er angerufen, war aber bloß ihr Kerl am Hörer, was für ein Idiot, der hat bald nichts mehr zu melden, auch das dachte er so insgeheim bei sich und für sich hin. Nachher ruf ich nochmal durch, sie wartet bestimmt schon auf meinen Anruf.
Mit diesen Gedanken verlief sein Tag recht zügig, die Arbeit ging relativ locker von der Hand. Im trauten Heim angekommen, wieder sein Rad verfluchend, aß er in Ruhe eine Pizza, bevor er zum Hörer griff und die Nummer wählte.

Episode 4:

Kannst du mir ein Bier mitbringen, wenn du sowieso in die Küche gehst Schatz, Carlo säuselte wie in seinen besten Tagen, nenn mich nicht Schatz, ich mach doch nur Spaß, laß das trotzdem, das klingt so spießig, wäre es ja auch, wenn ich es so meinen würde, er wurde unruhig, er wollte doch nur ein Bier, laß man, ich geh selber. Auf halbem Wege zum Kühlschrank, der Tag verlief bis dato übrigens relativ entspannt, klingelte das Telefon. Ich geh ran, rief der Kleine, hallo, wer ist denn da, ja, ähm, okay, Mama, für dich, wer ist es denn, hab ich nicht verstanden, ich komm gleich, okay, ja, ach hi, sie nahm vorsichtig das Telefon und bewegte sich auffällig langsam in ihr Zimmer, er bemerkte das natürlich sofort, ist bestimmt dieser Matze von gestern. Was wollte er machen, ach ja, das Bier, er schickte das Kind ins Bett, völlig fertig vom Sport und Schwimmen und setzte sich an seinen Rechner, Aktienkurse checken, eine bemitleidenswerte Aufgabe diese Tage, 20 Minuten später stand sie im Zimmer und fragte, ob er Freitag babysitten könnte, sie wollte weggehen, tanzen, besser:hüpfen. Mit wem denn, eine recht plausible Frage, warum willst du das wissen, konterte sie, laß mich doch einfach mal Spaß haben. Er stutzte, soll sie doch hüpfen gehen, ist ja super, aber hat das was mit diesem Typen zu tun, hat es denn etwas mit diesem Typen zu tun, Fragen über Fragen. Vorsichtig und bedacht fragte er weiter, mit dem gehst du denn los, Weib?, nein, das waren nur seine Gedanken, der Wortlaut verhielt sich bedächtiger und sehr viel unauffälliger. Ich hab einen netten Mann kennengelernt, ach was, ist ein Bekannter von Ursula, oh Gott, wir wollen hüpfen gehen, so so, ich mag ihn einfach, sieh mal an, da läuft nichts, wenn du es sagst, du glaubst mir nicht, oder?, kein Wort Baby, s.o., doch natürlich, ich hätte aber gerne noch mehr Informationen, um mir ein vollständiges Bild der Situation machen zu können, ich will doch nur tanzen, sollst du auch, nein, soll ich nicht, du willst mich hier fesseln und anketten,also das mit dem Fesseln können wir gerne mal später besprechen, nein, ich will nur wissen, wer das ist, er hat Gefühl, er hört mir zu, genau, er will bestimmt nur mit dir reden, alles andere wäre auch albern, stimmt aber, er ist sensibel und einfühlsam, die Geschichte.., du meinst das so, wie du es sagst gell?, klar, na dann viel Spaß, er hatte keine Lust mehr, es drohte zu kippen, das passte ihm heute nicht wirklich.

Episode 5:

Die Tage vergingen wie im Fluge, die Sonne schien helle, der Tag kam, es konnte losgehen, er war gespannt. Punkt 19.30 verließ sie die Wohnung, Punkt 19.45Uhr klingelte Hugo, Punkt 19 Uhr war der Kleine im Bett, alles Präzisionsarbeit, Profis am Werk, auch wenn nicht chronologisch vorgegangen wurde. Viel hatte er nicht mehr aus ihr rauskitzeln können, ihre Aussagen waren faktisch begrenzt und spärlich gesät. Sie ging in ihren Lieblingsclub, hüpfen, vermutlich saufen und vögeln. Auch wenn er letztere Variante nicht wirklich annahm, so schwirrte doch der Gedanke in seinem Kopf herum. Hugo vermochte die eben angesprochenen Vermutungen nicht bestätigen, sie würde das niemals tun, dafür ist sie viel zu scharf auf dich, Kollege. Na klar ist sie das, wäre auch albern wenn nicht, Spaß beiseite, ich denke da könnte schon was gehen, auch wenn ich es nicht wirklich glauben kann. Vergiß den Gedanken, sie steht total auf dich, möglich, wir sind aber wieder nur im Clinch, keine Ahnung was sie so alleine treibt. Der Typ ist bestimmt ein Lutscher,- mit dem kann man reden-, meine Fresse, muß ja ne Blase sein. Wenn du es sagst. Carlo ließ sich seine Nervösität nicht anmerken, das Gespräch verlagerte sich. Sie sprachen über ihre Mütter. Gut, abgehakt, ich hol noch Bier. So gegen 23Uhr fuhr Hugo gen Heimat, Carlo trank alleine weiter, nicht wirklich viel, er trank nie extrem viel, doch war er schon einigermaßen angetrunken. Er schaltete durch die Sender, nur Dreck im Kasten, aber was soll´s, er schlief ein.

Episode 6:

Sie kam so gegen 3.30Uhr, er hörte natürlich die Tür, wollte es auch hören, mußte aber nichts sagen, sie kam in das Zimmer, ich trenne mich, ein ungern gehörter Satz, wieso, eine zwangsläufig gerne gestellte Frage, es geht einfach nicht mehr, hat es was mit diesem Typen zu tun, was denkst du, daß wir gevögelt haben, was weiß ich, nein, haben wir nicht, nur geredet, ach so. Er war einigermaßen ruhig, kannte er diese Situation doch schon, obwohl sie diesmal anders klang, sie meinte es wohl wirklich ernst. So eine Scheiße, was mach ich denn jetzt, er konnte keine klaren Gedanken fassen, wie stellst du dir das denn jetzt vor, er wartete. Sie stellte sich nichts vor, hatte nicht darüber nachgedacht, wie unerwartet, wollte sich aber unbedingt trennen. Wie heißt der Typ doch gleich, Matthias, ach ja, was hat der denn gesagt, ich soll auf meine Gefühle hören, oh bitte, er hat mich zu nichts bewegt, falls du das meinst, meine ich, ist aber nicht so. Stehst du auf ihn, er ist nett, das war nicht die Frage, er sieht ganz gut aus, bist du verknallt, nein, glaub ich nicht, vielleicht ein bißchen, habt ihr euch geküßt, ein bißchen, was macht er denn, wie, was arbeitet er, Postbote, ach schau mal an, was willst du damit sagen, nichts, doch, du wertest ihn ab, tue ich nicht, Postbote ist ein ehrenwerter Beruf, du und dein beschissener Zynismus, du weißt ja nicht mal was zynisch bedeutet, leck mich, du mich auch. Die Tür knallte, beiden gingen schlafen.

Episode 7:


Nun ist es ja so, daß die eben beschriebene Situation nicht wirklich leicht zu bewältigen ist, beide hatten daran zu knabbern. Reden ist zwingend notwendig, alles andere nützt nichts und macht es nur noch schlimmer. Sie redeten aber nicht, nein, sie redeten nicht. Der Stolz fraß sie beide auf, bis sie sich endlich zusammensetzten. Sie traf sich zwischendurch noch mit dem Mann, jedenfalls vermutete er das, selten irrte er sich wirklich. Das war auch sein Einstiegspnkt in der Diskussion. Du Schlampe hast doch mit ihm gevögelt, oder? Das Gespräch wurde, wie man jetzt erwarteten darf, nicht sehr lang und intensiv geführt. Sie fluchte zurück, gut konnte sie das, er war immer sehr beeindruckt, das sind Emotionen. Vielleicht hätte er sich gewählter ausdrücken sollen, jetzt war es jedenfalls zu spät, schade eigentlich. Ein gutes Gespräch kann doch nie schaden. Scheiße. Wie soll es jetzt nur weitergehen? Was mache ich nur, er war zutiefst getroffen. Das kam nicht oft vor, jetzt aber schien es ihn zu zerstören. That´s the motherfuckin´way it is, pflegte er zu sagen, doch dieser Moment ließ ihn erstarren, erschlaffen. Nichts war mehr in Ordnung, das Leben komplett durchgewürfelt, der Geist betäubt. Der Moment war gekommen, die Linie unterbrochen, ein Weg zuende. Er zog sich zurück, schickte Hugo eine SMS, reden, vielleicht, treffen, so soll es sein, er stürzte aus der Tür, nen Halben am Mann, ab in den Regen, Handy parat, nie war es so wertvoll wie heute, doch sie meldete sich nicht, scheiße, Hugo kam 1 Stunde später, man traf sich irgendwo, auf die Tanke, 4 Binding gekauft, Dosenpfand war heute egal, Wagen geparkt und Stille. Was soll man viel reden, Carlo erzählte, Hugo lauschte, so ging das eine Weile. Er schaute auf die Uhr, was wird der Kleine wohl denken, fragte er sich, abwarten, meinte Hugo, sonst Pragmatiker, erstaunte er in gewissen Situationen mit leicht angehauchten optimistischen Zügen, klar, in so einer Situation, ne, das war es endgültig, es ist vorbei, es geht erst los, sie sangen, von der Liebe, von Freundschaft, von ihren Müttern, vom Frieden, es war so schön, aber natürlich komplette Illusion, das Leben ist Musik, fühle sie, ergreife sie, lasse es zu, geh raus und bestehe die Prüfung, die Prüfung des Lebens, das Geld liegt auf der Straße, die Frauen wollen dich haben, nur dich, ich weiß, ich bin ´nen outperformer, el torro, der beste, schweißgebadet wachte Carlo auf, wo war er, was ist los, er drehte sich um, da lag sie, ruhig röchelnd, er war einigermaßen beunruhigt, was für ein Trip, er stand langsam und vorsichtig auf, schnappte sein Handy und ging in die Küche. Hugo schlief schon, unerwarteterweise, es war schließlich 3 Uhr nachts, Alter, sie liebt dich, mach dir keine Sorgen, schlaf, bitte, okay, sorry für die Störung, kein Problem.
Und es war wirklich nie ein Problem. Er lächelte und ging einigermaßen beruhigt zurück zu ihr.

 

Hallo platonow!

Um es kurz zu sagen: Die Geschichte ist langweilig.
Schon nach kurzer Zeit verliert man die Übersicht über Charaktere und Handlungsverlauf, was nicht zuletzt daran liegt, dass nur fünf, sechs Mal im gesamte Text Namen erwähnt werden, ansonsten "er", "sie", meist nicht einmal das.
Die Geschichte enthält nur sehr wenige Punkte und noch weniger Absätze. Die Aufteilung in Episoden ist der Versuch einer Gliederung, der aber misslingt: Denn deine Sätze sind eine einzige Aneinanderreihung von Alltäglichkeiten, lesen sich uninteressant und fesseln nicht. Es gibt kein Ziel in der Geschichte, kein Anfang, kein Ende und keine Aussage. Sie liest sich wie ein lustlos heruntergeleiertes Stück Leben einzelner Menschen, deren Leben niemanden interessiert.

Sorry, aber was willst du mit dieser Geschichte sagen?

Mfg
xka

 

Hi und danke, daß du sie gelesen hast. Hätte ich nicht mehr gedacht, war meine erste story hier.
Schade, daß sie dir nicht gefällt.
Okay, war eigentlich als sog. Roman gedacht, habe dann eine Kurzgeschichte daraus gemacht.
Sagen will ich nichts damit, warum auch. Es geht um die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, gespickt mit ein bißchen Humor, halt eine Alltagsgeschichte.
Das scheint mir bei dir nicht gelungen zu sein. Wenn dich das Leben normaler Leute nicht interessiert, ist das schade, vielleicht habe ich es auch unglücklich umgesetzt, wer weiß es.
Trotzdem danke.....
Gruß

 

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