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Besuch in New York

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30.08.2001
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Besuch in New York

Fünf Träumende.
Physisch weit voneinander entfernt, irrten ihre Gedanken durch die giftigen Nebel einer schwarzen Welt. Mit jedem Traum lichteten sich die Schwaden mehr, wiewohl sie dennoch allenfalls Schemen erkennen konnten. Bizarre Formen, manche starr, manche in ständiger Bewegung. Ein infernalisches Schreien und Heulen erfüllte die verpestete Luft. Diese Kakophonie des Wahnsinns vermochte jedoch nicht das Stöhnen und Stampfen zu überdecken, das mit einer monotonen Beständigkeit, die die Ewigkeit versprach, allgegenwärtig zu sein schien. Beinahe klang es wie eine Maschine, aber die Träumende wußten, daß es organisch war. Irgendwann würden sie es erträumen, und sie ängstigten sich vor dem Gedanken an das apokalyptische Zerrbild dessen, was sie dann unweigerlich entdecken würden.
Eine Bewegung in dem diffusen Bild. Etwas trat hervor.
Einer der Träumenden erwachte abrupt. Die Frau neben ihm sah ihn besorgt an.
„Alex? Hattest du wieder einen Traum?“
Er nickte. Die Frau hielt seine zitternde Hand.
„Debbie...“ Einen Moment wollte er ihr von den Dingen erzählen, die er Nacht für Nacht in seinen Träumen sah, die immer konkreter wurden, die ihn am Ende wohl in den Wahnsinn treiben würden. Allein, er unterließ es. Sie würde ihm doch nicht glauben. Er mußte sie erneut anlügen.
Debbie streifte ihre Bettdecke zur Seite und umarmte ihn. Er preßte sein bleiches Gesicht an ihre Schulter.
„Ich habe Angst!“ flüsterte er.

Der Himmel über dem Central Park war grau. Dennoch hatten viele Menschen ihre Decken auf den grünen Wiesen ausgebreitet. Einige aßen etwas, andere lasen und wieder andere beobachteten die unzähligen Jogger, Inline-Skater und Radfahrer, die sich durch die grüne Lunge Manhattans bewegten. Es schien ein Tag wie jeder andere zu sein. Aber an diesem Samstag im April kam der Mann mit dem Hut nach New York.
Alice saß auf einer Bank am Ufer des Teiches, der nur The Lake genannt wurde. Sie haßte diese Tage, an denen ihre Eltern auf Familie machten. Dad hatte doch sonst nur seine Arbeit im Kopf. Immerhin hatte Alice es den beiden abtrotzen können, hier auf sie zu warten, während sie auf ihren Skatern durch den Park rollten. Langweilig war es trotzdem. Alice hätte lieber mit Charlene ferngesehen oder Musik gehört. Vielleicht auch das neue Computerspiel gespielt, von dem Charlenes Vater nie erfahren durfte, daß sie es besaß. Stattdessen mußte sie dem einschläfernden Treiben der Enten auf dem Wasser zuschauen. Außerdem fror sie. Mom hatte ihr gesagt, daß ein T-Shirt über der Jeans zu wenig wäre. Aber wenn man zwölf Jahre alt ist, dann können Eltern sagen, was sie wollen, sie haben niemals recht.
Ihr Handy piepte zweimal kurz. Alice griff in die Gürteltasche. SMS von Charlene.
„Hi Alli... stell dir vor, Pickelfresse hat mich angetextet. Will deine Nummer. Ist das okay?“
Blöde Frage. Es war nicht okay. Charlene wußte genau, daß Alice nicht mit dem Typen gehen wollte. Sie tippte ihre Antwort.
„Hi Charly... Wenn du das machst, bist du totes Fleisch. Bye, Alli.“
Drei Minuten später piepte es erneut.
„Klar, Alli... war nur Spaß :-) Der dicke Klops ist nervig. Wir telefonieren. See Ya, Charly.“
Alice sah noch grinsend auf das Display, als sie das sirrende Geräusch vernahm. Es kam näher. Sie warf einen Blick über die linke Schulter. Ein Mann schlenderte gedankenverloren auf dem Weg am Teich entlang. Zwischen all den Sportbesessenen wirkte er wie ein Fremdkörper. Er trug einen grauen Anzug, darunter eine graue Weste mit weißem Hemd und tieblauer Krawatte. Der Knoten saß schief. Auf seinem Kopf saß ein schwarzer Zylinder. In der rechten Hand hielt der Mann einen JoJo, den er mit einer eleganten Bewegung aus dem Handgelenk auf- und niederrollen ließ. Er war so vertieft in sein Spiel, daß er nicht einmal aufblickte und die anderen Leute damit zwang, ihm auszuweichen.
Als der Mann hinter ihrem Rücken vorbeischritt, tat Alice so, als würde sie eine SMS verfassen. Andere Leute anstarren war unhöflich. Dann war er vorbei.
Alice sah nach rechts. Unablässig tanzte der JoJo auf und ab, während der Mann einen Schritt nach dem anderen tat. Plötzlich blieb er stehen. Der JoJo verschwand in seiner Hand. Der Mann drehte sich zu Alice um.
Alice wandte den Kopf ab. Die Enten waren doch nicht so langweilig, wie sie jetzt fand. Nein, sie waren sogar ziemlich lustig. Alice hätte sie stundenlang beobachten können. Schade, daß sie kein Brot zum Füttern...
„Bist du Alice?“ Der Mann stand neben ihr. Er hatte eine dunkle, heisere Stimme, genau wie Dad am Tag nach einem Pokerabend.
Alice runzelte die Stirn. Sie hatte nicht wirklich Angst, dazu waren zu viele Leute hier. Aber sie hatte sich schon wesentlich wohler gefühlt.
„Woher kennen Sie mich?“
„Also bist du Alice?“
„Ja, bin ich.“ Sie umklammerte ihr Handy.
„Darf ich mich einen Augenblick zu dir setzen?“
„Wenn es sein muß. Die Bank gehört nicht mir.“ Alice versuchte es mit Frechheit. Vergebens.
Der Mann nahm an ihrer rechten Seite Platz.
„Magst du Enten?“ Er lächelte sie an. Seine Haut war blaß, die wässrigen Augen grau. Alice fand ihn nicht sonderlich sympathisch.
„Nein, Enten sind doof. Ich warte hier auf meine Eltern.“
Hast du gehört? Meine Eltern sind hier. Die müssen jeden Moment kommen. Also verschwinde. Laß mich in Ruhe.
„Ah, deine Eltern. Ja, ja. Sind auch hier. Ich weiß.“
Der Mann bewegte sein Handgelenk und begann sein Spiel mit dem JoJo aufs Neue. Auf und ab, auf und ab...
„Mein Name ist übrigens Tony.“
Alice reagierte nicht. Sie starrte gebannt auf Tonys Spielgerät. Der JoJo drehte sich so schnell, daß die farbigen Außenflächen des Gehäuses zu einem hypnotischen Nebel verschwammen, der in allen Regenbogenfarben schillerte. Inmitten dieses Kaleidoskops sah sie den Kopf ihres Katers Churchill. Eine optische Täuschung, nichts weiter. Beunruhigend real, und dennoch nur ein Trugbild. Aber da war Churchill. Sie erkannte ihn doch. So, wie er ausgesehen hatte, bevor der Laster ihn auf der Straße vor ihrem Haus erwischt hatte. Dad hatte damals versucht, ihr den Blick zu versperren. Wahrscheinlich hätte er ihr später erzählt, daß Churchill überfahren worden war. Aber so einfach und steril war es nicht gewesen. Der Laster hatte ihren Kater in eine tote Flunder verwandelt. Churchills Körper hatte regelrecht auf dem Asphalt geklebt, überall waren Blut und Eingeweide und zermalmte Knochen gewesen.
„Gefällt er dir?“
„Hm?“
„Ob dir der JoJo gefällt?!“
Alice wischte sich mit der Hand eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Ja... ja, er ist toll. Wirklich.“
Tony öffnete die rechte Hand etwas weiter und ließ den JoJo hineinrollen.
„Möchtest du ihn haben?“
Sie sah ihn überrascht an.
„Sie... du würdest ihn mir geben?“
„Aber natürlich doch“, lächelte er.
Alice scharrte mit den Turnschuhen im Gras.
„Ich habe aber kein Geld.“
„Ich schenke ihn dir. Hier, nimm...“
Er drückte Alice den JoJo in die Hand.
„Ist der wirklich für mich?“
Tony legte einen Zeigefinger auf seine Lippen.
„Schschhhh... Es ist okay. Ich gebe ihn dir gerne, hab ja selbst noch einen. Dafür mußt du mir aber etwas von dir verraten. Einverstanden?“
Alice nickte heftig. Tony war doch ganz nett, wenn er ihr ein solches Geschenk machte.
„Träumst du manchmal?“
„Nicht so oft. Ich kann mich morgens nur selten an meine Träume erinnern.“
„Sind es böse Träume?“
„Du meinst Alpträume? Nein, sind sie nicht. Ich träume eigentlich immer nur Unsinn. Von fliegenden Pferden, daß ich die beste Mathearbeit geschrieben habe, daß ich mit Dad auf einen ganz hohen Berg steige...“
„Du hast recht, das sind wirklich keine bösen Träume. Dann bist du nicht die Richtige. Trotzdem, danke dir.“
Alice wollte etwas erwidern, aber da legte Tony den Kopf schief in den Nacken, als würde er angestrengt lauschen.
„Du, ich muß jetzt weiter. Mach´s gut, Alice. Vielleicht sieht man sich ja.“ Er tippte mit zwei Fingern gegen seine Hutkrempe und ging.
Alice blieb mit dem Gefühl zurück, eine Fatamorgana gesehen zu haben. So schnell, wie Tony gekommen war, verschwand er auch. Wäre da nicht der JoJo in ihrer Hand gewesen, sie hätte es für einen Tagtraum halten können.
Der JoJo. Sie mußte ihn ausprobieren. Jetzt und hier. Sie wollte Churchill sehen. Langsam schob sie ihren Mittelfinger durch die Schlaufe des dünnen Seils. Oh Churchill, ich vermisse dich so. Eine weitere Träne kullerte ihre Wange hinab. Alice hob die Hand etwas in die Höhe.
„Alli-Baby!“ Das war Moms Stimme. Ausgerechnet jetzt. Alice unterdrückte ihre Wut. Es war nicht die Zeit für Streitereien. Dann eben heute abend. Da würde sie Churchill sehen. Ganz bestimmt.
Ihre Eltern stapften auf den Skatern durch das Gras. Alice steckte den JoJo in die Hosentasche.
„Na, Kleines. Hat ein bißchen gedauert. War´s langweilig?“
„Nein, Mom, ist schon okay. Die Enten sind ganz witzig.“
Alice zog den Kopf zur Seite, als Dad ihr durch die Haare wuscheln wollte. Sie mochte das nicht.
„Hast du geweint?“ fragte ihre Mutter.
„Nein, Quatsch. Ich hatte eine Fliege im Auge.“
„Ach so. Na, was meint ihr, gehen wir eine Pizza essen?“ Ihre Eltern setzten sich und zogen den Rucksack unter der Bank hervor, in dem sich ihre Schuhe befanden.
„Klar, machen wir. Ich hab richtig Hunger.“ Dad hatte immer Hunger.
Alice stand auf. Es war beruhigend, den JoJo in ihrer Hosentasche zu spüren.

Später am Abend saßen John und Cathy Ashcroft in den Ledersesseln ihres geräumigen Wohnzimmers und beobachteten die kleinen Flammen im Kamin. Das Fernsehgerät war heute keine Alternative; ausschließlich konservativer und patriotischer Schund auf allen Kanälen, mit Ausnahme der Unterhaltungssendungen, für die man scheinbar dumm geboren sein mußte, um sie halbwegs zu ertragen.
„Gehst du am Montag nochmal hin?“ John trank einen Schluck Rotwein.
„Ja, ich denke schon. Auch wenn es nicht hilft.“ Cathy wirkte resigniert. „Über ein Jahr geht das jetzt schon so. Es ist grauenhaft.“
„Was ist mit diesem Schlaftherapiezentrum? Hast du schon einen Termin?“
„Nein, Dr. Hilton will es zunächst mit Hypnose versuchen. Er meint, wenn das nicht hilft, ist er mit seinem Latein am Ende. Dann geh ich wohl in Therapie – in Psychotherapie.“
Cathy lachte verbittert. Diese wahnsinnigen Träume hatten ihr Leben gründlich umgekrempelt. John hielt sie für völlig bescheuert. Er sagte es zwar nie, und er tat auch meist sehr besorgt und interessiert, aber sie sah es an seinen Blicken. Sie hörte es förmlich aus seinen Blicken heraus: Du verrückte Ziege, bring dein Oberstübchen in Ordnung. Ich halt´s sonst nicht mehr aus mit dir.
Cathy war ihm nur deshalb nicht böse, weil sie an seiner Stelle wohl genauso empfunden hätte. Nur war es nun einmal nicht John, der in so vielen Nächten schreiend aufgewacht war, mit den Händen um sich geschlagen und stundenlang zitternd im Bett gesessen hatte. Manchmal glaubte sie ja selbst, daß sie nicht mehr ganz normal war.
„Wir kriegen das hin, Cathy. Ganz sicher.“ John bemühte sich um einen zuversichtlichen Tonfall.
„Ich hoffe es, John. Ich kann so nicht mehr weitermachen.“ Cathy räusperte sich. „Ist Alli oben?“
„Ja, sie wollte noch etwas Musik hören. Als wenn ich ihr das glauben würde.“ John sah auf seine Armbanduhr. „Es ist kurz nach elf, die sieht sich bestimmt diesen Horrorstreifen im Fernsehen an.“
„Das glaub ich nicht. Sie hat doch eine viel zu große Angst vor Monstern und Schwarzen Männern.“
„Wenn du meinst, Cathy. Du kennst sie besser als ich.“ John trank noch einen Schluck Wein. „Scheiß Job.“

Alice saß im Schneidersitz auf ihrem Bett und starrte auf den JoJo, der auf der Decke lag. Es hatte ihr eine große Selbstbeherrschung abgenötigt, nicht mit dem Spiel zu beginnen. Aber jetzt, eine Stunde, nachdem sie in ihr Zimmer gegangen war, fühlte sie sich einigermaßen sicher vor Störungen. Zudem hatte sie die Tür abgeschlossen.
Das gedämpfte Licht im Zimmer reflektierte auf dem bunten Gehäuse des JoJo wie die untergehende Sonne auf einer ruhigen See. Das fahle Licht des Mondes und das Licht der Straßenlaternen blinzelten durch die Äste der mächtigen Eiche in dem Vorgarten vor ihrem Fenster.
Alice griff nach dem JoJo. Angenehm warm lag er in ihrer Hand. Sie schob den rechten Mittelfinger durch die Schlaufe des dünnen Seils und stand auf. Langsam ließ sie das Keramikgehäuse abrollen. Sie schaffte es nicht, den JoJo wieder zurückzuholen. Das Gehäuse verhedderte sich in dem Seil und baumelte über dem Teppich.
Alice wickelte den JoJo auf und versuchte es erneut. Sanft glitt er zu Boden, und diesmal machte sie im richtigen Moment eine Aufwärtsbewegung mit der Hand; das Gehäuse drehte sich wieder nach oben.
Nach zwei Minuten klappte es schon richtig gut, und sie beschleunigte ihre Handbewegungen. Das Farbmuster, das bislang noch als solches zu erkennen gewesen war, verlor sich durch die zunehmende Rotation in einem bunten Nebel. Genau so, wie es bei Tony ausgesehen hatte.
Das Sirren der Schnur verursachte bei Alice eine Gänsehaut. Sie glaubte beinahe, Churchills Schnurren zu hören. Ihre Hand bewegte sich noch schneller.
Da, endlich. In dem verschwommenen Farbenbrei zeichneten sich Konturen ab. Der graugetigerte Kopf einer Hauskatze, die weißen Schnurrharre unter der schwarzen Nase, die meist feucht geglänzt hatte, die spitzen Ohren mit den Pinselborsten an ihrem Ende, die sanften Augen. Churchill, mein Süßer, mein Kleiner. Noch schnellere Bewegung. Und jetzt – tatsächlich – hörte sie Churchill schnurren. Es war genau wie damals, wenn er sich auf den Rücken gedreht und sie ihm die Brust gekrault hatte, wenn sie mit ihren kleinen Fingern das Fell zwischen seinen Fußballen, die sich wie Gummidrops anfühlten, massiert hatte. Manchmal wünschte sie sich ihren Kater so sehr zurück. Aber sie hatte schon vor langer Zeit begriffen, daß es im Leben viele Abschiede gab, die kein Wiedersehen zuließen.
Ein Stein prallte gegen das Fenster. Erschrocken drehte sich Alice zur Seite. Die Schnur verhedderte sich, der JoJo zappelte wie ein Gehängter im verzweifelten Todeskampf.
Wieder ein Stein. Da stand jemand unten im Garten. Alice legte den JoJo auf das Bett und machte das Licht aus. Die Äste der Eiche warfen bizarre Schatten an die Wände.
Alice stand mit klopfendem Herzen neben der Tür. Sie würde Mom und Dad Bescheid sagen. Ihre Hand griff nach dem Türschlüssel.
Erneut prallte ein Stein gegen die Scheibe.
„Alice...“ flüsterte es, mehr in ihrem Kopf als in der Realität.
Wer war das? Die Stimme war so leise, daß sie nicht einmal das Geschlecht unterscheiden konnte. Charlene? Oder gar das Pickelgesicht?
Alice hatte Angst, aber das durfte sie sich nicht eingestehen. Wenn ihre Klasse sie jetzt so sehen könnte, wäre sie erledigt. Angst zu haben war nicht cool. Charlene hatte niemals Angst. Etwas in Alice widersprach heftigst, schalt sie eine Närrin, aber es war zu schwach.
Sie ging auf das Fenster zu. Die letzten Schritte bewegte sie sich in der Hocke vorwärts. Vorsichtig lugte sie über das Fensterbrett nach draußen. Im ersten Moment sah sie nichts Ungewöhnliches. Am Straßenrand parkten Autos. Herr und Frau Quak, die häßlichen Froschzwerge, lachten sich am Teich im Vorgarten dümmlich an.
Dann sah sie die Bewegung. Direkt am Stamm der Eiche. Der Mann mit dem Hut war da. Sein Gesicht lag im Schatten, aber Alice war sich sicher, daß er ihr zulächelte. Auf jeden Fall winkte er.
Alice richtete sich auf. Wie hatte er sie finden können? Woher wußte er überhaupt ihren Namen? Hier lief etwas entsetzlich falsch. Dad würde dem Kerl schon was erzählen.
Der Angriff kam von rechts. Einer riesigen schwarzen Schlange gleich huschte ein Schatten von der Hauswand auf das Fenster zu. Ehe Alice noch reagieren konnte, durchschlug der knotige Arm das Glas. Eine gewaltige Klaue stülpte sich wie eine Saugglocke über ihren Kopf und riß sie mit einem Ruck durch das gezackte Maul der Scheibe ins Freie.

Im Wohnzimmer klingelte das Telefon. Cathy stand auf und griff nach dem schnurlosen Gerät auf dem verglasten Beistelltisch.
„Ashcroft?“
„Hier ist Martha. Hallo Cathy.“ Marthas Stimme klang aufgeregt. Cathy verdrehte die Augen. Ihre Nachbarin war eine geschwätzige alte Dame.
John hob fragend die Augenbrauen. Cathy deckte die Muschel ab.
„M-a-r-t-h-a...“ hauchte sie und nickte mit dem Kopf in Richtung des Nachbarhauses. John machte eine Gebärde gespielten Entsetzens.
„Du, Cathy, halt mich nicht für verrückt. Da ist ein Mann in eurem Garten.“
„Bitte, was?“
„Ja. Weißt du, ich komme gerade vom Brigde, und als ich die Tür aufschließen wollte, habe ich nochmal zu euch rübergesehen. Da war so ein komischer Kerl. Der stand direkt bei der Eiche. Hielt sich versteckt, aber ich hab ihn gesehen. Ganz ehrlich.“
„Ein komischer Kerl? Bist du sicher, daß...“
Das Klirren aus dem ersten Stock riß John förmlich aus dem Sessel.
„Scheiße! Was war das denn?“ John rannte in den Flur hinaus und die Treppen hinauf.
„Cathy, ich muß Schluß machen. Hier stimmt was nicht.“
„Was ist denn...?“
Cathy hörte nicht hin. Das überlaute Poltern aus dem oberen Stockwerk jagte ihr Angst ein. Dann ein Geräusch splitternden Holzes. John schrie ihren Namen.
„Martha... ruf die Polizei... muß nachsehen...“
„Aber...“
„Ruf die verdammten Cops. Jetzt!
Sie warf den Hörer in den Sessel und hastete in den Flur. Auf der vierten Treppenstufe hörte sie John abermals schreien.
Caaaathyyyy... nein, nein, nein.... lauf weg... mein Gott... lauf!
Sie wollte weiter nach oben. Dann hörte sie das markerschütternde Gebrüll, das in ein heiseres Kreischen überging. Ihre Träume. Genau wie in ihren Träumen. Heilige Mutter Maria... erlöse mich von dem Bösen...
Cathy machte kehrte, sprang die Stufen hinunter, stolperte zur Haustür und riß sie auf.
Ihr Blick fiel auf die Eiche. Sie verharrte auf der Türschwelle, spreizte die Finger, stakste wie ein Roboter auf der Stelle. Eine Ladung Starkstrom schien durch ihren Körper zu jagen und sie so vollständig zu lähmen, daß sich ihrem vor Entsetzen aufgerissenen Mund kein Schrei entringen konnte.
An einem der starken, waagerecht gewachsenen Äste der Eiche hing ihre Tochter. Die schlaffen Füße zeigten anklagend auf den zwei Meter entfernten Boden. Ihre ausgebreiteten Arme lagen gegen den Ast an. Kleine Gartenschaufeln waren durch ihre Hände in das Holz getrieben worden. Der Kopf hing zur Seite. Alice war tot. Jemand hatte sie gekreuzigt.
Aus dem Schatten der Hauswand löste sich eine Gestalt. Ein Mann mit Hut. Er trat auf die Türschwelle und sah Cathy ausdruckslos an. Mit seiner rechten Hand bewegte er einen farbenfrohen JoJo elegant auf und ab.
„Hallo Cathy. Ich bin Tony.“
Seine linke Hand krallte sich in Cathys Hals und drückte ihr die Kehle zu. Der JoJo tanzte weiterhin sein buntes Spiel.
„Siehst du die kleine Alice? Sie wollte deine Sünden auf dich nehmen. Hallelujah. Ein gutes Kind. Aber deine Sünden sind zu groß, Cathy.“
Der JoJo glitt in Tonys ausgestreckte Hand. Er umfaßte ihn. Dann schlug er mit der rechten Faust zu.
Cathy wurde durch den Flur auf den Treppenabsatz geschleudert. Sie prallte hart mit dem Rücken auf die Stufen und biß sich dabei mit den zersplitterten Resten ihrer Zähne die Zunge auf.
Tony betrat das Haus und warf die Tür hinter sich zu.

Im ersten Stock trat John Ashcroft von der Bühne ab. Es war alles andere als ein Heldentod.
Als das Ding durch die Tür brach, hinter der Alice hätte sein müssen, hatte John noch eine letzte Warnung an Cathy geschrien. Dann hatte sein Herz zwei Schläge ausgesetzt.
Die alptraumhafte Kreatur schien geradewegs aus dem Bild eines mit Drogen und Alkohol vollgepumpten Hieronymus Bosch entstiegen zu sein. Sie maß mehr als zwei Meter. In dem kantigen haarlosen Schädel funkelten die tief in ihren Höhlen liegenden Augen bösartig. Zwei nässende Löcher ersetzten die Nase. Das lippenlose Maul entblößte eine Reihe Fangzähne. Von der Stirn bis in den Nacken zog sich eine breite Spur fingerdicker Stacheln. Kochender Geifer tropfte aus dem Maul der Kreatur zischend auf die Bodenfliesen.
Der gedrungene Körper mit den zu langen Armen und den zu kurzen Beinen glänzte ölig-schwarz. Das Ding sah aus wie die verunstaltete Karrikatur eines Riesenaffen mit einem von knotigen Verwachsungen überzogenen Chitin-Panzer einer Spinne.
Die Hände und Füße der Kreatur endeten in jeweils vier gebogenen Krallen; an den Seiten dieser hornigen Waffen befanden sich rückwärts gerichtete tiefe Einkerbungen, die den Körper eines Opfers regelrecht zersägen konnten.
Als das Wesen einen heiseren Schrei ausstieß, verlor John Ashcroft den Verstand. Instinktiv sprang er noch ins Badezimmer, warf die Tür hinter sich zu und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Holz. Er war nahe daran, zu hyperventilieren. Die aufgerissenen Augen schmerzten. Er summte das Schlaflied, das ihm seine Mutter früher immer gesungen hatte. Mmmmhhh hmmm... Mmmmhhh hmmm... Er hatte den Text vergessen. In seiner Verfassung hätte er nicht einmal mehr seinen Namen nennen können. Mmmmhhh hmmm... Mmmmhhh hmmm...
Das Ding kam, ihn zu holen. Klack klack. John rutschte an der Tür zu Boden. Die Krallen hinterließen sicher breite Riefen im Boden. Er würde die Fliesen erneuern müssen. Klack klack. Er lachte hysterisch. Klack. Das Monster war da. John roch es. Und er konnte es hören. Das Ding sog die Luft prüfend ein und stieß sie rasselnd wieder aus. Es klang wie eine überlaute Mischung aus einem Grunzen und Schnauben, ein vibrierender Atem...
Als das Knie der Kreatur sich durch das Holz bohrte, zersplitterte Johns rechter Schulterflügel gleich mit. Er wurde nach vorn geschleudert und prallte mit der rechten Brust gegen das Klo.
Das Wesen zerfetzte die Tür zu Kleinholz und zwängte sich durch den Rahmen. Klack klack. Wäre Gott gnädig gewesen, hätte er John eine Ohnmacht geschenkt. Klack klack. Oder einen Herzinfarkt. Klack klack. Oder ihn des Suizids befähigt. Klack klack. Der Wahnsinn nahm ihm die Angst, aber er schützte ihn nicht vor dem Schmerz. Klack klack.
Der Unhold beugte sich über den Kichernden und begann sein Werk.

Während sich John Ashcroft im ersten Stock vom hart arbeitenden Ehemann in einen Happen toten Fleisches verwandelte, hastete seine Frau die breiten Stufen zum Keller hinunter.
Die Treppen hinauf hatte sie nicht gekonnt. Dort oben war das kreischende Ding aus ihren Träumen. Nein, niemals.
Im Erdgeschoß hatte ihr Tony sämtliche Fluchtwege versperrt. Ihr blieb nur der Keller. Es war Irrsinn, es gab dort keinen Fluchtweg, und dennoch, es war ihre einzige Chance.
Das schummrige Licht ließ sie kaum die Stufen erkennen. Sie stürzte den kleinen Kellergang entlang, vorbei an der Vorratskammer und dem Hobbyraum ihres Mannes. Hinten rechts führte die Tür zu dem kleinen Schwimmbecken.
Sie warf die Tür hinter sich zu und blieb schweratmend stehen. Ihre Augen tränten; der Schmerz in ihrem Mund war unerträglich. Blut glänzte auf ihren Lippen.
Dieser Raum kam ihr plötzlich wie eine Gruft vor. John hatte sich sonstwas aufgerissen, damit sie sich das alles leisten konnten. Eine innere Stimme sagte ihr, daß John jetzt höchstens noch eine Abmahnung wegen unentschuldigten Fehlens am Arbeitsplatz bekommen würde. Obwohl – sie könnte der Firma ja schreiben: John kann nicht ins Büro kommen. Das Ding aus meinen Träumen hat ihn geholt. Das würden die doch sicher verstehen.
Cathy rannte auf die andere Seite des Beckens. Es war nicht sehr breit, und mit zwanzig kräftigen Schwimmzügen hatte man es bereits durchschwommen. Unter Wasser waren an den Beckenwänden kleine Fluter angebracht. Durch die Umwälzpumpe bewegte sich das Wasser sachte, und die Miniaturwellen warfen ein zittriges Lichterspiel auf die Kacheln ringsum.
Die Tür gegenüber wurde aufgerissen. Der Mann mit dem Hut erschien. In seiner Rechten tanzte wieder der JoJo.
„Da bist du ja, Cathy.“ Die heisere Stimme hallte finster durch den Raum.
Tony macht eine schnelle Bewegung nach links. Cathy rückte nach rechts davon. Vielleicht, wenn es ihr gelang, das Becken stets zwischen sich und dem JoJo-Mann zu halten, ja, vielleicht schaffte sie es dann bis zur Tür. Vielleicht...
Tony trat einige schnelle Schritte in die andere Richtung. Cathy hielt die Distanz. Tony warf den Kopf in den Nacken und lachte.
„Cathy, Cathy...“ tadelte er sie amüsiert. „Laß es uns beenden. Du bist die Nächste. Es hat doch keinen Sinn.“
„Was willst du von mir? Was? Was?“ Ihr Herz krampfte sich zusammen. „Mein Gott, Alice... warum?
„Alice war nicht wichtig. Sie war halt da. Jetzt ist sie nicht mehr da.“ Tony ließ den JoJo auf- und abgleiten.
Cathy trat zwei Schritte zurück und lehnte sich gegen die Kacheln. Ihre Beine drohten ihr den Dienst zu verweigern.
Tony sprang einige Schritte nach links. Fast hätte er Cathy überrascht, aber im letzten Moment sprintete sie los. Sie standen sich jetzt an den Enden der Längsbahn gegenüber. In der Mitte dieser Bahn befand sich auf der rechten Seite die offenstehende Tür in den Kellergang.
Cathy blickte für einen kurzen Moment sehnsüchtig auf die Pforte in die Freiheit. Aber sie würde es nicht schaffen. Nein, Tony wäre schneller.
Was willst du?“ schrie Cathy die absonderliche Gestalt an, während sie vor ohnmächtiger Verzweiflung mit den Fäusten gegen die Wand in ihrem Rücken schlug.
„Cathy... deine Träume... Ich war mir zunächst nicht sicher, zu ähnlich war dir deine Tochter. Aber jetzt weiß ich es. Es sind deine Träume. So viele Nächte, in denen du träumst. Du solltest diese Träume nicht haben. Niemand sollte diese Träume haben. Es mißfällt uns. Es könnte alles offenbaren. Dazu ist es noch zu früh. Wir können das nicht dulden.“
Cathy verstand kaum ein Wort. Sie starrte den JoJo an, den der Mann mit dem Hut in monotoner Beständigkeit bewegte.
Klack klack.
Ein riesiger Schatten zwängte sich durch die Kellertür. Beim Anblick des Realität gewordenen Alptraums verspürte sie einen Schlag in der Magengegend. Die Kreatur riß ihr Maul auf und zerkreischte die Luft.
Tony bewegte sich nach links. Langsam und bedächtig kam er auf der linken Seite auf Cathy zu. Das Monstrum tat es ihm auf der anderen Seite gleich.
Klack klack.
Die Todesangst fraß Cathys Seele auf.
Klack klack.
Mit zwei Schritten taumelte sie zum Beckenrand und sprang kopfüber ins Wasser. Hastig paddelte sie sich an die Oberfläche. Vielleicht... oh, lieber Gott, bitte... vielleicht gab es noch eine Chance. Bitte, bitte... alles wird gut, nicht wahr? Kann nicht alles wieder gut werden? Es kann doch nicht...
Auf ihrer rechten Seite stürzte sich die Kreatur ebenfalls in das Becken und tauchte ab. Cathys Herz spielte verrückt. Statt Blut pumpte es jetzt ein lähmendes Gift durch ihre Adern. Aber sie wollte leben. Doch nicht sterben. Nicht hier, nicht jetzt, nicht so.
Blind vor Angst kraulte sie sich durch das Becken. Das häßliche Lachen des JoJo-Mannes begleitete ihr aussichtsloses Unterfangen.
Ein massiger Schatten tauchte hinter ihr aus dem Wasser auf. Cathy sah sich nicht um. Sie strampelte und kraulte und schrie und...
Kurz vor dem Beckenrand hörte Cathy ein Geräusch, als würde jemand einen trockenen Ast durchbrechen. Sie spürte einen brennenden Schmerz an ihrem rechten Knie. Ihr Adrenalinausstoß war zu hoch, als daß ihre Nerven dem Gehirn wirklich signalisieren konnten, was geschehen war. Und so stieß Cathy weiter im Wasser aus, wie ein unachtsamer Taucher, der versehentlich eine seiner Flossen abgestreift hatte. Das Wasser färbte sich erschreckend schnell rot.
Sie berührte mit der rechten Hand den Beckenrand. Jetzt noch schnell hochziehen. Raus aus dem Wasser. Weglaufen...
Laufen?
Die Klauen der Kreatur bohrten sich so endgültig durch ihren Rücken und in ihr Herz, daß Cathy nicht einmal mehr spürte, wie sie starb.
Am Beckenrand nickte der Mann mit dem Hut zufrieden. Er beendete das Spiel mit dem JoJo. Ein kehliger Laut bedeutete dem Unhold, das Wasser zu verlassen.
Zehn Minuten, bevor die herbeigerufene Streife das Grauen entdeckte, verließen zwei Gestalten das Haus der Ashcrofts durch den Hinterausgang. Wie Schatten huschten sie durch die Gärten der umliegenden Häuser und verschwanden in der Dunkelheit. Und schließlich verschwanden sie gänzlich.

Vier Träumende.
Physisch weit voneinander entfernt, irrten ihre Gedanken durch die giftigen Nebel einer schwarzen Welt. Sie spürten den erneuten Verlust. Die Zeichen verdichteten sich.
Berge, die zu atmen schienen. Kreischende Schatten im wabernden Dunst. Mit jedem Verlust kamen sie näher, wurden erkennbarer. Tausendfaches Leben. Verschwommen, doch offensichtlich bösartig. Der Grund? Verborgen in der Tiefe eines Traumes. Noch...
„Jemand ist gestorben.“
„Gestorben? Was meinst du damit, Alex?“
„Gestorben. Tot. Nicht mehr da. Nunmehr traumlos.“
„Wer?“
„Ich weiß es nicht. Nur ein Gefühl... Debbie?“
„Ja?“
„Bitte halt mich. Bitte!“

 

Im Vorraus: Ich hab bis jetzt nur den ersten Absatz gelesen. Da springt einem aber sogleich etwas allzu plakativ plagiiertes ins Auge- Fünf Träumende.
Das würde ich ändern, das kennen viele ja schon aus Alan Dean Foster "Alien", das mit dem Satz "Sieben Träumende" anfängt, einem Satz der mittlerweile ziemlich berühmt geworden ist.

Also das würd ich ändern.

 

Hey, du Verräter :D

Schon klar, die ersten zwei Worte sind von Alien abgekupfert. Sind halt absolute Highlights des Films (weniger der Literatur). Wollte immer mal eine Story mit den berühmten zwei Worten beginnen.

Der Rest der Geschichte ist tatsächlich von mir und hat rein gar nichts mit Alien zu tun.

Wenn du dich in der Horrorliteratur ein wenig auskennst, wird dir übrigens noch etwas Bekanntes begegnen.

Ich warte jetzt lieber mal ein paar Reaktionen ab.

Gruß,
Somebody

 
Zuletzt bearbeitet:

Vorneweg: ich mag keine kursiven kryptischen Prologe. Die sehen immer so nach gewolltem Tiefsinn aus, sind aber nur nervig.
Das sehen andere sicher anders, aber ich wollte es mal loswerden.

Immerhin hatte Alice es den beiden abtrotzen können, hier auf sie zu warten, während sie auf ihren Skatern durch den Park rollten.
Die Eltern warteten HIER, während sie durch den Park rollten?

Die Enten waren doch nicht so langweilig, wie sie jetzt fand. Nein, sie waren sogar ziemlich lustig. Alice hätte sie stundenlang beobachten können. Schade, daß sie kein Brot zum Füttern...
Das fand ich hervorragend!

Der Laster hatte ihren Kater in eine tote Flunder verwandelt.
Köstlich!

Churchills Körper hatte regelrecht auf dem Asphalt geklebt, überall waren Blut und Eingeweide und zermalmte Knochen gewesen
Ja, jetzt ist aber gut mit dem Kater. Nachher glaubt der Leser, das sei die Hauptsache in der Geschichte.

und beobachteten die kleinen Flammen im Kamin.
Mehr Holz nachfüllen...

Das Fernsehgerät war heute keine Alternative; ausschließlich konservativer und patriotischer Schund auf allen Kanälen, mit Ausnahme der Unterhaltungssendungen, für die man scheinbar dumm geboren sein mußte, um sie halbwegs zu ertragen
Eine Intellektuellenfamilie?

„Gehst du am Montag nochmal hin?“ John trank einen Schluck Rotwein.
„Ja, ich denke schon. Auch wenn es nicht hilft.“ Cathy wirkte resigniert. „Über ein Jahr geht das jetzt schon so. Es ist grauenhaft.“
„Was ist mit diesem Schlaftherapiezentrum? Hast du schon einen Termin?“
Hier müßtest du kennzeichnen, wer was sagt, das war nämlich beim ersten Lesen nicht eindeutig.

Dann geh ich wohl in Therapie – in Psychotherapie
So schlimm ist das doch nicht, daß es am Ende der Klimax stehen dürfte - in Amerika erst recht nicht.

Es ist kurz nach elf, die sieht sich bestimmt diesen Horrorstreifen im Fernsehen an
Doch was Vernünftiges in der Glotze... ;)

Das Ding sah aus wie die verunstaltete Karrikatur eines Riesenaffen mit einem von knotigen Verwachsungen überzogenen Chitin-Panzer einer Spinne
Müßte eigentlich an den Anfang der Beschreibung des Viehs.

vom hart arbeitenden Ehemann in einen Happen toten Fleisches verwandelte
:D

Alice war nicht wichtig. Sie war halt da. Jetzt ist sie nicht mehr da
Geiler Satz. Aber warum dann die Mühe mit der Kreuzigung und was das Gefasel von den Sünden?

Und am Ende noch ein kursiver Epilog. Nicht ganz so schlimm wie der Prolog, aber so recht klar wurde der Sinn dadurch nicht gerade.
Empfehlung: Prolog und Epilog streichen.

Eine Sache ist da noch, die mich stört, auch wenn ich nicht sagen könnte, wie es besser ginge: Die Geschichte ist zuerst aus der Perspektive des Mädchens, dann ist sie schwupps tot und der Rest ist dann aus der Perspektive der Mutter, zu der der Leser (ich) gar keine Beziehung aufgebaut hat.

r

 
Zuletzt bearbeitet:

Tag, Somebody.

Davon abgesehen, dass ich auch nicht so ein riesiger
Kursivfan bin, fand dich die Geschichte extrem gelungen - nur das den guten alten Church wieder ausgraben musstest, ist verwerflich.
Wie oft soll das Vieh noch überfahren werden?
Hatten die Creeds nicht genug Kummer mit flachen Familienmitgliedern? Hm? Wie?:messer:
Das Alien-Zitat war mir dagegen völlig unbekannt.

Komischer Satz:>>Alice saß auf einer Bank am Ufer des Teiches, der The Lake genannt wurde.>>

Hätte vor THE LAKE ein <nur> eingefügt.

Geile Dialoge...wenn man davon absieht, dass Amis nur sehr sehr selten SMS schreiben. Analog/Digital Kompatibilität und so....

Hut ab...


Jack

 

N´abend allerseits...

@ relysium

Vorneweg: ich mag keine kursiven kryptischen Prologe. Die sehen immer so nach gewolltem Tiefsinn aus, sind aber nur nervig.

Ich bin selbst ein bißchen zwiegespalten, was kursive Textpassagen angeht. Hier hab ich es aber bewußt bei Prolog und Epilog so gehandhabt: die kursiven Stellen sind eine Art übergeordnete Rahmenhandlung, die zugegebenermaßen einen sehr dürftigen Informationsgehalt aufweist. Aber es sind ja noch vier Träumende da. Insofern... Mir schwebt da etwas Größeres vor. :cool:

Deine Anmerkung bezüglich der wartenden Eltern... oh je, werd ich überarbeiten. Dankeee!

Die Sache mit dem Kater habe ich mit Absicht eingebaut, auch wenn sie nicht notwendig ist für die Handlung (yo, da schreien sie alle auf, die Gelehrten! :D ). Ist halt ein kleiner Rückgriff auf einen Autor, den ich sehr schätze.

Den von dir kritisierten Dialogabschnitt finde ich selbst eigentlich verständlich, die Dialoge eindeutig zugeordnet. Hm, vielleicht sehen es ja noch mehr Leser so wie du. Werde das zunächst einmal so stehen lassen.

Geiler Satz. Aber warum dann die Mühe mit der Kreuzigung und was das Gefasel von den Sünden?

Er hat eben einen ganz eigenen Sinn für Humor, der Gute. Ich hab an dieser Stelle einfach mal in die Kiste mit der Aufschrift "Effekthascherei" gegriffen. :)

Und am Ende noch ein kursiver Epilog. Nicht ganz so schlimm wie der Prolog, aber so recht klar wurde der Sinn dadurch nicht gerade.
Empfehlung: Prolog und Epilog streichen.

Deiner Empfehlung kann ich grundsätzlich nicht widersprechen, aber da gibt es noch ein Problem: Der Mann mit dem Hut kommt wieder. Dann wird´s klarer werden, was dahinter steckt. Obwohl man doch andeutungsweise schon etwas ahnt, oder nicht?

Vielen Dank jedenfalls für´s Lesen und Kommentieren. Wann kommt denn mal was Neues von dir in dieser Rubrik?


@ Jack
Danke für´s positive Feedback und den Korrekturvorschlag. Werde ich übernehmen.

Tja, Church ist mir in ewiger Erinnerung geblieben. Den muß doch tatsächlich jemand wieder da oben im Wald verbuddelt haben, und scheinbar ist es sein Schicksal, jedesmal erneut wieder den Asphalttod zu sterben. Vielleicht saß diesmal ja der Wendigo am Steuer?!

Das andere flache Familienmitglied der Creeds war übrigens eines der seltenen Schockerlebnisse, die ich beim Lesen jemals hatte. Der Tod von Gage kam in der Story so plötzlich, so lapidar eingeführt daher... oh Mann! Hat mich damals echt mitgenommen.

"Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger." :smokin:

Grüsskes,
Somebody

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi Somebody,

ich muss zugeben, es ist immer eine Freude, Deine Geschichten zu lesen:cool:

Zu dieser hier habe ich dann aber doch ein paar Fragen:

Vielleicht ziehe ja nur ich diese Verbindung, aber Du schreibst Folgendes:

Er mußte sie erneut anlügen.
Debbie streifte ihre Bettdecke zur Seite und umarmte ihn. Er preßte sein bleiches Gesicht an ihre Schulter.
„Ich habe Angst!“ flüsterte er.

Heisst das, dass der Satz "Ich habe Angst" schon die Lüge ist, oder erzählt er ihr noch was anderes, was dem Leser halt einfach entgeht...?

„Klar, Alli... war nur Spaß :-) Der dicke Klops ist fies. Wir telefonieren. See Ya, Charly.“

Die Bezeichnung "Der dicke Klops ist fies" scheint im Englischen vielleicht gebräuchlich, aber wir würden doch eher ein Wort wie eklig, nervig, etc. verwenden.
Da es keine Erklärung dafür gibt, warum der Klops fies ist - dass er z.B. andere unterdrückt - finde ich diese Bezeichnung etwas fehl am Platze...

„Wir kriegen das hin, Cathy. Ganz sicher.“ John bemühte sich um einen zuversichtlichen Tonfall.
„Ich hoffe es, John. Ich kann so nicht mehr weitermachen.“ Cathy räusperte sich. „Ist Alli oben?“
„Ja, sie wollte noch etwas Musik hören. Als wenn ich ihr das glauben würde.“ John sah auf seine Armbanduhr. „Es ist kurz nach elf, die sieht sich bestimmt diesen Horrorstreifen im Fernsehen an.“
„Das glaub ich nicht. Sie hat doch eine viel zu große Angst vor Monstern und Schwarzen Männern.“
„Wenn du meinst, Cathy. Du kennst sie besser als ich.“ John trank noch einen Schluck Wein. „Scheiß Job.“

Warum Scheiss Job?
Wessen Job?
Was hat die Arbeit damit zu tun?
"So ne Scheisse", okay - aber "Scheiss Job"???
Bitte erklären...

Ansonsten fand ich die Geschichte einfach toll. Sowohl die Be- als auch die Umschreibungen.
Die Story funktioniert, obwohl sie aus einem ganzen herausgerissen ist. Düstere Vorahnungen am Anfang und am Ende einer Horrorstory gab es auch bei anderen Kurzgeschichten schon. Da darf sich der Leser ruhig mal was hineininterpretieren.

Auf die angeblichen Bezüge kann ich nicht eingehen, lasse mich aber gerne aufklären. Obwohl ich viel lese und gern und oft ins Kino gehe, gingen die Zitate irgendwie an mir vorbei.

Fazit:
Solides und gutes Handwerk

Henry Bienek

 

Wer denkt denn um Gottes Willem beim Schwarzen Mann an Afroamerikaner???

Honi soit qui mal y pense...

r

 

Der Schwarze Mann ist als Begriff eigentlich unschwer zu erkennen, da Schwarz groß geschrieben wird. Auf die Idee mit Afroamerikanern wäre ich jedenfalls nicht gekommen, schon gar nicht, wenn im gleichen Atemzug Monster genannt werden.

A

 

eben!
Unfug!
Diese politisch korrekte Übersensibilität ist etwas schwer nachzuvollziehen; ausserdem:hätte jemand Angst vor Afroamerikanern, wäre es trotzdem Okay, oder?
Ich mag keine Clowns.Aber das interessiert keine Sau, weil diese Fuzzis laut einer internen Torrance-Statistik sämtlich kinderhassende Alkoholiker sind, die nach den Vorstellungen Pinselreiniger aus Senfgläsern trinken.
Ich schweife ab:
Wenn es theoretisch inkorrekt wäre, Angst vorm Schwarzen Mann zu haben- darf man dann wenigstens P.Diddy Scheisse finden?

Ein finales aber gepflegtes
BUH!


Jack

 

Tag miteinander...


@ Henry

Sowas hört man natürlich gerne. Wenn meine Geschichten unterhalten, bin ich schon sehr zufrieden. Danke für´s Lob. :)

Zitat:
--------------------------------------------------------------------------------
Er mußte sie erneut anlügen.
Debbie streifte ihre Bettdecke zur Seite und umarmte ihn. Er preßte sein bleiches Gesicht an ihre Schulter.
„Ich habe Angst!“ flüsterte er.
--------------------------------------------------------------------------------

Heisst das, dass der Satz "Ich habe Angst" schon die Lüge ist, oder erzählt er ihr noch was anderes, was dem Leser halt einfach entgeht...?


Mit "Ich habe Angst" ist nicht die Lüge gemeint. Möglich, daß es etwas mitßverständlich ist. Überlege mir noch, ob ich "Er mußte sie erneut anlügen" vielleicht streiche.

Die Bezeichnung "Der dicke Klops ist fies" scheint im Englischen vielleicht gebräuchlich, aber wir würden doch eher ein Wort wie eklig, nervig, etc. verwenden.

Komisch, in der Rohfassung stand an dieser Stelle tatsächlich "eklig". Das schien mir aber fast noch erklärungsbedürftiger als "fies" zu sein. Ich werde deinen Vorschlag "nervig" übernehmen, gefällt mir.

Warum Scheiss Job?
Wessen Job?
Was hat die Arbeit damit zu tun?
"So ne Scheisse", okay - aber "Scheiss Job"???
Bitte erklären...

Ganz einfach: John findet seinen Job beschissen, weil er dadurch u.a. zu wenig Zeit für seine Tochter hat.
Ich denke, das wird durch die Zeile davor ("Du kennst sie besser als ich.") deutlich.

Auf die angeblichen Bezüge kann ich nicht eingehen, lasse mich aber gerne aufklären. Obwohl ich viel lese und gern und oft ins Kino gehe, gingen die Zitate irgendwie an mir vorbei.

Die Aufklärung ist ja in den obigen Postings teilweise schon erfolgt. Also:
1.) "Sieben Träumende." Matthias Hinweis bezog sich auf den Beginn der Bücher Alien und Aliens von Alan Dean Foster, wobei es dort nicht Träumende, sondern Träumer sind. Die Bücher beginnen folgendermaßen:
Alien: "Sieben Träumer." (Es handelt sich um die Crew des Raumfrachters NOSTROMO)
Aliens: "Zwei Träumer." (Ellen Ripley und der Kater Jones)

2.) Der Kater Churchill aus meiner Geschichte ist angelehnt an das Haustier der Familie Creed aus Stephen Kings Pet Sematary (Friedhof der Kuscheltiere). Kings Kater hatte sogar Vor- und Zunamen: Winston Churchill, kurz Church genannt.
Church erleidet in Pet Sematary den gleichen Tod wie der Churchill in meiner Geschichte.

Sodale, soviel zur Aufklärung. Dürfte sich ja wohl nicht um ein strafbares Plagiat handeln. :D


@ Stübbi
Auch dir ein Dankeschön für´s Lesen und Kommentieren, insbesondere für das doppelte "es".

Ich hoffe , du spielst mit schwarzen Männern nicht auf Afroamerikaner an, was in der Geschichte durchaus der Fall sein könnte, schließlich sind die Hauptakteure ja New Yorker Bürger. Hast du vielleicht versucht, wie ein Amerikaner zu denken, und hast dieses Bild des schwarzen Mannes, der alle Verbrechen der USA begeht, benutzt ?
Ich finde, man könnte es anders ausdrücken, um diese Zweideutigkeit erst gar nicht aufkommen zu lassen.

:confused:

Ich habe weder versucht, wie ein Amerikaner zu denken (so süß bin ich nicht, allerdings klebt die Haut bei dieser Gluthitze zuweilen wie der Zuckerguß), noch kann ich verstehen, wie um alles in der Welt du vom Schwarzen Mann auf Afroamerikaner schließt!

Und wie Jack auch schon sagt: Selbst WENN es zweideutig oder sogar eindeutig in Bezug auf Afroamerikaner wäre, was spräche dagegen? Wenn es in einer Geschichte einmal Sinn machen sollte, dann kommt da eben auch Fremdenhaß vor. Oder unflätige Ausdrücke. Ist ja schließlich auch nicht ganz realitätsfern, oder?

Immerhin befinden wir uns in der Rubrik Horror, nicht in der Schreibwerkstatt für Weichspülpublikationen. Ich werde mich beim Schreiben sicher nicht hinsetzen und mir dauernd darüber Gedanken machen, was nun die verschiedenen Leser vielleicht als "nicht korrekt" interpretieren könnten. Dann könnte ich ja gleich in der VHS Häkeln lernen.

In dieser Rubrik finden sich einige Texte, bei denen du mit deiner hypersensibilisierten Sicht der Dinge ganz schnell falsche Schlüsse auf die dahinterstehenden Autoren ziehen könntest.

Vielleicht solltest du die Sache einfach etwas gelassener angehen.


@ Relysium, Aragorn und Jack

Dank für die Ehrenrettung des Schwarzen Mannes. :anstoss:

 

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