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Arnold ist geheilt von kleinen Mädchen

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20.11.2001
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Arnold ist geheilt von kleinen Mädchen

Melanie ist einundzwanzig Jahre alt. All ihre Energien wendet sie fürs Lernen auf, um ihrem Traum näher zu kommen. Als Ziel hat sie sich gesetzt, zumindest ein Werk, das sie komponieren wird, in einem der ganz großen Konzert- oder Opernhäuser aufzuführen. Sie liebt klassische Musik, darin kann sie all ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, ohne sie beim Namen nennen zu müssen.
Vor drei Jahren trat Peter bei einer Vorlesung über Harmonielehre in ihr Leben. Auch er hängt ähnlichen Träumen nach – sein Ziel ist es, Musik zu Filmen zu schreiben. So verbrachten die beiden bereits viele Stunden gemeinsam mit dem Lernen von Theorie und der Umsetzung in die Praxis. Am liebsten spielen sie vierhändig Klavier, so kann sie es am meisten genießen, seine Nähe zu spüren.


Arnold hat heute seinen Glückstag. Er bestand am Vormittag die letzten Tests und gab die richtigen Antworten auf die Fragen des Psychiaters. Nach jahrelangen Gesprächen und einer positiv abgeschlossenen Aversionstherapie ist er nun geheilt. Das bestätigt der Arzt mit Stempel und Unterschrift. Der Richter wird sein Einverständnis zur Entlassung geben und Arnold daraufhin aus der Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher freikommen – er wird bestimmt nie wieder kleine Mädchen anrühren. Allein schon beim Gedanken daran wird ihm schlecht.


Peter nimmt Melanie sanft in den Arm und beginnt, sie am Rücken zu streicheln. Er weiß, daß er sich ihr vorsichtig nähern muß. Als er zum ersten Mal versucht hatte, mit ihr Zärtlichkeiten auszutauschen, fing sie plötzlich zu heulen an und vergrub sich unter der Decke. Er verstand nicht, was los war, und Melanie konnte es ihm nicht erklären. Sie war selbst erschrocken, als sie plötzlich diese schrecklichen Gefühle hatte. Melanie war aufgestanden und begann, wild in die Tasten zu hämmern, wurde dann ruhiger und wanderte von den tiefen zu den ganz hohen Tönen, die sie nur sehr zart anschlug, es hörte sich wie Weinen an. Dann wurde es nach Todesangst klingendes Flehen, das wieder von den hart angeschlagenen tiefen Saiten niedergeschrien wurde. Noch einmal klimperte sie ein kurzes hohes Wimmern, um es von den donnernden Tiefen, die den Flügel zum Beben brachten, ersticken zu lassen. Sie steigerte sich in dieses Spiel mit ganzer Kraft hinein und beendete es abrupt. Nach drei Takten Pause ließ sie das Lied mit langsamen hohen Tönen ausklingen, die ganz deutlich ein letztes Schluchzen darstellten.
Peter verstand sofort, daß mit Melanie Schlimmes geschehen sein mußte, denn so spielte sie sonst nie. Normalerweise liebte sie sanfte, melodiöse Stücke. Ihm war klar, dass diese Komposition nur ein Schrei aus Melanies Seele sein konnte. Es dauerte nicht lang, bis er verstand, wie er diesen Schrei deuten musste.


»Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg – und bleibens ab jetzt anständig!«
Der Stationsaufseher ist überzeugt, dass Arnold eigentlich ein ganz sympathischer Mann ist und dass die Sache mit den vier Mädchen einfach ein Aussetzer war. Er bewies ja auch sonst seine Intelligenz, das konnte der Wärter regelmäßig im Fernsehraum feststellen, da die erste Antwort bei der Millionenshow immer von Arnold kam – und richtig war. So ein intelligenter Mensch macht das sicher kein zweites Mal, der weiß doch, was er tut. Arnolds Selbstbewusstsein steigt, bei dem Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird.
Fröhlich pfeifend macht er aus der eigens für ihn geöffneten Anstaltstür den Schritt in die Freiheit, auf den er während der letzten zehn Jahre gewartet hatte.


»Ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe, Peter. Jeder andere hätte es wohl schon lang aufgegeben mit mir...«
»Aber Schatz, was redest du denn da? Du kannst doch nichts dafür, dass dir das zugestoßen ist. Es dauert eben die Zeit, die du dafür brauchst, es zu verarbeiten. Ich liebe dich, Melanie. Wie könnte ich dich da für dein Leid auch noch mit Liebesentzug strafen?« Melanie fällt ihm um den Hals und drückt sich so fest an Peter, wie noch nie zuvor. Die Tränen schießen ihr jetzt vor Freude aus den Augen. Sie fühlt, wie ihre Last im Nu ein Stückchen leichter wird und ist sich sicher, daß sie durch Peter – irgendwann – alles Leid über Bord werfen wird können. Allein die Aussicht darauf macht Melanie froh.


Arnold bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt, der ihn dabei unterstützt, wieder ins Leben zurückzufinden. Dabei ist vor allem die Arbeits- und Wohnungsuche vorrangig. Eine kleine Wohnung ist bald gefunden, die ihm das Sozialamt finanziert. »Einen Job werdens ja jetzt auch schnell finden, wenns eine Wohnung haben«, weiß sein Bewährungshelfer und gibt ihm weitere Adressen von Firmen, die schon öfter bereit waren, auch Vorbestrafte oder Haftentlassene zu beschäftigen.
Als er zum ersten Mal in seiner Wohnung schläft und sich am Morgen im Spiegel betrachtet, grinst er sich selbst an und sagt zu seinem Spiegelbild: »Jetzt fehlt nur noch, dass sie dir den roten Teppich ausrollen...«


Melanie macht jetzt eine Therapie, zwei Stunden pro Woche, eine davon meist mit Peter gemeinsam. Bald wird sie es schaffen, nicht mehr bei bestimmten Berührungen die Gefühle zu verspüren, die sie mit den unangenehmen Erinnerungen an ihre Kindheit verbindet, obwohl sie es gar nicht will.
Abends kuschelt sie sich an Peter, während sie gemeinsam die Nachrichten ansehen.

»Ein Mann, der vor elf Jahren wegen sexuellem Mißbrauch von vier Mädchen ...«
Melanie richtet sich auf und starrt das Foto an, das hinter der Sprecherin erscheint. Als sie tief Luft holt, sieht es aus, als würde sie gleich losschreien. Dann aber flüstert sie nur: »Das war er...« Peter nimmt Melanie in den Arm.

»... vor wenigen Monaten als geheilt entlassen, wurde heute auf frischer Tat verhaftet
Eine Filmeinspielung am Bildschirm zeigt einen Park. Auf einem Weg sind die Umrisse eines kleinen Körpers aufgezeichnet, ein Blechsarg wird weggetragen.
»Der neunjährige Florian M. fiel heute dem Mann zum Opfer. Er erlag seinen schweren inneren Verletzungen noch am Tatort
Die Sprecherin macht ein betroffenes Gesicht und kann sich einen Nachsatz nicht verkneifen:
»Die Therapie scheint gewirkt zu haben: Diesmal war es kein Mädchen

 
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Hallo Susi,

Du bringst den Verlauf deiner beiden Handlungsstränge geschickt zusammen und es gelingt dir sehr gut, die Auswirkungen, die das traumatische Erlebnis auf Melanie und ihre Beziehungsfähigkeit hat, mitfühlen zu lassen.
Arnold im Gegenzug schilderst du um Sachlichkeit bemüht als intelligenten Menschen. Seiner Charakterisierung scheinst du für mein Gefühl etwas ausgewichen zu sein.
Das Ende ist präzise und knapp, es ist stimmig, und doch habe ich ein atmosphärisches Problem damit.
Es kommt nicht überraschend genug, um mir so richtig einen Stoß zu versetzen, und es ist etwas zu knapp um Melanies Gefühle beim Anblick ihres Peinigers im Fernsehgerät greifbar zu machen.

Ich weiß, wie wichtig es ist, solche Geschichten zu schreiben, und doch macht es mich traurig, sie in der geballten Form hier zu lesen.
Gleichzeitig tu ich sie mir mit meinem Hang zum psychischen Masochismus immer wieder an.

Lieben Gruß,
ein trauriger sim

 

Hallo sim!

Ich danke Dir für Deinen Kommentar! :)

Hm, eigentlich bin ich der Charakterisierung von Arnold nicht ausgewichen - ich dachte vielmehr, daß das, was über ihn dasteht, reichen würde...
Ich hab jetzt überlegt, wo ich noch was einfügen könnte, bin dabei aber nur auf eine Wortwiederholung gestoßen. ;)
Drum meine Frage an Dich: Was von Arnolds Charakter würdest Du stärker beleuchten? Gleich vorweg: Seine Kindheit will ich nicht ins Spiel bringen - dann wäre es nämlich eine Suche nach Rechtfertigung für seine Taten und das will ich in dem Fall vermeiden.

Kommt der Schluß durch die Überschrift wenig überraschend oder durch den Text selbst? - Ich dachte nämlich, es würde erst eher in die Richtung Happy-End den Eindruck machen, also daß er wirklich "geheilt" ist...

"psychischer Masochismus" - :lol:

Alles liebe,
Susi

 

Danke Kristin!

Hab den Schluß jetzt ein bisschen umgeschrieben und denke, daß es so besser rauskommt, oder? ;)

Alles liebe,
Susi

 

Hallo Häferl!

Es ist dir gut gelungen, zwei Geschichten miteinander zu verweben und am Ende zusammenzuführen.
Auch finde ich, dass du den rückfälligen Trieb-Täter gut skizziert hast (psychiatrische Fehlbeurteilung bei gleichzeitiger Therapieresistenz und die negative Korrelation zwischen Intelligenz und Einsicht/Heilung. So weit ich weiß, gab es schon Triebtäter mit recht hohem IQ-Wert)
Da du diese Eigenschaften schon geschildert hast, würde ich den Täter auch nicht weiter charakterisieren, weil gerade die schemenhafte, gesichtslose Darstellung ihn erst recht unheimlich macht (auch austauschbar).

Den Schluss finde ich sarkastisch gut. ;)


Hier noch ein paar Vorschläge:


»Aber Schatz, was redest du denn da? Du kannst doch nichts dafür, dass dir das zugestoßen ist – was auch immer es war.
Den Satzanhang: "- was auch immer es war." würde ich streichen, weil sich der Satz sonst widersprüchlich anhört (ausserdem wird sie ihm nach drei Jahren schon gesagt haben, was vorgefallen war)


»Das war er. Auch nach Jahren kann ich sein Gesicht nicht vergessen.«
Hier würde ich nur schreiben: "Das war er."
(Natürlich wird sie sein Gesicht niemals mehr vergessen...)


Den Redetext der Nachrichtensprecherin im letzten Abschnitt würde ich formal von der anderen wörtlichen Rede abgrenzen (z.B. kursiv), um Missverständnisse zu vermeiden.


Ansonsten eine gelungene Story! :)
(die auch ein wenig Angst macht.)

liebe Grüße,
Wolf

 

Hallo Häferl,

Drum meine Frage an Dich: Was von Arnolds Charakter würdest Du stärker beleuchten? Gleich vorweg: Seine Kindheit will ich nicht ins Spiel bringen - dann wäre es nämlich eine Suche nach Rechtfertigung für seine Taten und das will ich in dem Fall vermeiden.

Seit ich deine Frage gestern abend noch gelesen habe überlege ich, was ich dir darauf antworten kann.
Ich bin bisher ehrlich gesagt auch für mich nicht zu einer befriedigenden Antwort gekommen.
Meine Anmerkung war eher vom Gefühl bestimmt, ohne dass ich wirklich sagen könnte, wodurch dieses Gefühl in mir ausgelöst wurde.
Ich hatte dabei weniger an Spuren der Kindheit gedacht, als an Hinweise, wie du sie für Melanie auch hast.
Sie liebt klassische Musik, darin kann sie all ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, ohne sie beim Namen nennen zu müssen.

Wie du an der Antwort von kleinerWolf siehst muss das aber gar nicht sein. :)

Ich glaube, was die Überraschung des Endes betrifft, haben wir uns ein wenig missverstanden.
Es kam für mich nicht überraschend, dass Arnold wieder strafffällig werden würde. Darauf war die Geschichte ja von Beginn an ausgerichtet.
Dass ein Junge dank des Therapieerfolges das Opfer sein würde, war überraschend.

Lieben Gruß,
sim

 

Hallo Häferl!

Wie Du Melanie,ihre Reaktionen und Gefühle schilderst, das ist Dir absolut gelungen!

Zum Thema Erwartungen - ich hatte da ganz verquere Gedanken. Für mich kam der Schluss überraschend: irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass Arnold Melanie als Erwachsene erneut missbraucht... was allerdings ein unsinniger Zufall wäre. So ist der Schluss als Geschichte deutlich besser!

Der Anfang Deiner Geschichte hat mir allerdings nicht so gut gefallen, das ist ein schnelles Abahndeln von Fakten irgendwie, bevor Du den Leser mitnimmst in die Geschichte. Ist aber nur mein persönlicher Eindruck.

ich hoffe, dass es viele solche Peters gibt...

Das Problem, das Du ansprichst, das beschäftigt mich auch immer stärker, auch wegen meinem Studium. Man kann ja nicht reinsehn in die Menschen, und bereits eine falsche Diagnose ist zuviel! schwieriges Thema...


schöne Grüße
Anne

 

Hi Häferl,
was ich an deiner Kurzgeschichte faszinierend finde, ist nicht nur, dass es dir gelungen ist zwei Perspektiven miteinander zu verbinden.
Vielmehr ist ein Text entstanden, welcher zwei Intensionen in sich vereint:
So schilderst du sarkastisch die (meiner meinung nach) unzureichende Inhaftierung und die freundliche Behandlung, sowie die naive Unterschätzung der Triebtäter durch die deutsche Rechtssprechung.
Auf der anderen Seite - scheinbar im gleichen Moment - gelingt dir die einfühlsame Beschreibung der Lebenstragödie der Opfer solcher Verbrechen. Zwar schilderst du lediglich die Probleme der Melanie im zwischenmenschlich-sexuellen Bereich, jedoch reicht dies aus, lässt sich sogar abstrahieren und ergibt somit die Einsicht in die 'Verdammung' solcher Opfer.
Es gibt nur eine Textstelle, die mich in ihrer Formulierung ein wenig stört:
"Melanie war aufgestanden und begann, wild in die Tasten zu hämmern, wurde dann ruhiger und wanderte von den tiefen zu den ganz hohen Tönen, die sie nur sehr zart anschlug, es hörte sich wie Weinen an. Dann wurde es nach Todesangst klingendes Flehen, das wieder von den hart angeschlagenen tiefen Saiten niedergeschrien wurde. Noch einmal klimperte sie ein kurzes hohes Wimmern, um es von den donnernden Tiefen, die den Flügel zum Beben brachten, ersticken zu lassen. Sie steigerte sich in dieses Spiel mit ganzer Kraft hinein und beendete es abrupt. Nach drei Takten Pause ließ sie das Lied mit langsamen hohen Tönen ausklingen, die ganz deutlich ein letztes Schluchzen darstellten."
Ist es in dem Falle nötig, jede jede gespielte Melodielinie zu erklären?! Dadurch wirkt die so feinfühlig beschriebene Sublimierung leicht plump, vorhersehbar. Es wäre besser, diese Erklärungen ("letztes schluchzen" ...) weg zu lassen und stattdessen eine genauere Beschreibung des Klavierspieles, vielleicht eine eindeutigere Schilderung ihrer Gefühlswelt in diesem Moment anzubringen.
Ansonsten hat mich die Geschichte stark berührt.
MfG Julius.

 
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Hallo Susi,

während ich Deine Geschichte las, wurde ich den Gedanken nicht los, dass ravens Geschichte in gewisser Hinsicht einen Anteil daran gehabt hat. Und so habe ich mir die Schlussmoral ungefähr gedacht, sollte ich sagen: leider?
Aber die Pointe bewog mein Auflachen*, mir in der Kehle stecken zu bleiben. Das ist zyyyynisch. In Anbetracht des Titels umsomehr.

Vielleicht hätte ich vieles anders ausgedrückt, denn irgendwie kam ich beim Lesen nicht so flüssig voran. Doch da meine Vorkritiker das nicht bemängelt hatten, muss es wohl an mir gelegen haben. Vielleicht untersuchst Du die Sätze trotzdem nochmal auf Optimierungsmöglichkeiten?

Dicker :thumbsup: auf jeden Fall für die Reißverschluss-Konzeption, zudem auch sehr gut umgesetzt. Auch die Einbeziehung der Musik als persönliches Ausdrucksmittel auf diese Weise ist schlicht und ergreifend genial. Obwohl: Eigentlich frage ich mich hier, warum Peter nichts von diesen Stücken weiß. Ich kann mich nämlich schlecht damit anfreunden, dass Melanie "so noch nie spielte". Ich fände es da viel glaubwürdiger, wenn sie bisher - durch diese Geste erstickten Seelenkonflikts - mehrmals heimlich ihrer einstweiligen Verzweiflung (wenn es denn eine ist) Luft gemacht hätte.

Dir sind ein paar Fehler unterlaufen:

wieder von den hart angeschlagenen tiefen Saiten niedergeschrien wurde

Schreien können nur hohe Töne (ein von Blockflötenmisstönen gepeinigter Bruder *g*). Wie wäre es mit "überrollt", "überrumpelt", "zerdrückt" oder auch "niedergebrüllt"?

Und noch ein grammatikalisches Schnitzerchen ist schnell behoben:

alles Leid über Bord werfen wird können.

=> "...wird werfen können."

Kleine Frage am Rande: Ist das mit dem roten Teppich eine Art Vorausdeutung? Denn es könnte durchaus eine Allegorie zum Blut sein.

Soweit meine Meinung zu Deiner Geschichte. Des Themas ungeachtet will ich sie nicht so recht Deinen Chefs-d'oevre zuordnen. Da sind Deine AnnaIrene-Geschichten von einem bedeutend größerem Kaliber.


FLoH.

PS: *) Manchmal verstehe ich den "Witz", über den ich lache, erst im Nachhinein. Ich habe es knochenweiß bereut und entschuldige mich seitdem vergebens bei meinem Gewissen ;-(.

 

Servus Häferl!

Fein, dass ich dich hier mal wiederfinde. Die Geschichte ist wirklich gut gemacht. Das Hinschauen auf den Einsatz des Staates, den Täter "wieder" einzugliedern, sein Leben nach dem Wegsperren wieder lebenswert zu machen, prallt auf das Alleinelassens des Opfers. Fast spürt man die nachträgliche Verhöhnung der Frau durch die Regeln der Gesellschaft.

Dieses Weiterleben der beiden, durch eine furchtbare Tat "verbundene" Menschen, hast du sehr gut dargestellt. Mir persönlich erschien der Abschluss jedoch nicht zynisch oder sarkastisch, sondern eher wie eine deplatzierte Pointe. Mit dem kam ich irgendwie nicht klar. Im Titel finde ich diese Betrachtungsweise bereits gut abgehandelt und hätte keines Nochmaldraufstupsens bedurft.

Aber sonst eine klare Aussage und die sehr gut formuliert.

Lieben Gruß an dich - Eva

 

ich schliess mich schnee.eule an zum thema schluss"pointe" ... nachrichtensprecherinnen verkneifen sich keine nachsätze, sie lesen ihre texte vom teleprompter ab.

allgemein muss ich zugeben, dass entgegen meiner bisherigen meinung zum thema so "brav" geschriebene, dahinplätschernde geschichten wie deine auf mich doch viel weniger aufrüttelnd wirken- einfach keine gefühle erzeugen.
die sicht des opfers eignet sich da weniger, denk ich. ist wohl auch die perspektive, die den meisten von uns vertrauter ist als die des täters ...

wirklich schön finde ich den grundaufbau mit den beiden handlungsebenen, die sich am ende schneiden, wenn auch nicht ganz unabsehbar.

 

hi!
ich finde du hast in deiner geschichte wirklich super zum ausdruck gebracht wie sich melanie fühlt. Vom täter hast du genau so viel eingewoben wie unbedingt nötig war, um möglichst viel von melanie zu erfahren. die geschichte war für mich auch etwas überraschend, ich hätte etwas vollkommen anderes erwartet bei diesem titel, was genau weiss ich allerdings auch nicht:/
auf jedenfall gut gelöst dieses schwierige thema
mfg onida

 

Hallo Susi!

Das Thema "Kindesmissbrauch" wird bei vielen Geschichten hier bei kg.de verwendet; du hast es in deiner gelungen umgesetzt.

Im Vergleich zu anderen Storys, in denen es um Missbrauch geht, war das Ende hier in diesem Fall recht ungewiss.
Durch folgenden Satz war für mich allerdings klar, dass man als Leser kein Happy-End erwarten durfte:

»Jetzt fehlt nur noch, dass sie dir den roten Teppich ausrollen...«

Die beiden Handlungsstränge, die am Schluss zusammen kommen, gefallen mir ebenfalls.

Der Titel ist, finde ich, sehr gut gewählt. Er macht neugierig, durch ihn bin ich auf die Geschichte gestoßen, und er passt perfekt zum Inhalt.

Auch den zynischen Schlusssatz finde ich (im Hinblick auf die Überschrift und den "Erfolg" der Therapie) passend; dass eine Nachrichtensprecherin einen solchen Satz von sich gibt, kann ich mir aber, wie tantehildegard, auch nicht recht vorstellen.
Zumindest stimmt das Ende im Hinblick auf derartige Therapien nachdenklich. Hundertprozentig sicher, ob die Täter wirklich geheilt sind, kann man wohl nie sein.

Sprachlich las sich der Text gut und verständlich.

Viele Grüße,

Michael :)

 
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Hallo kleinerWolf, sim, Maus, homunculus, floh, Schnee.eule, tantehildegard, onida und Michael!

Danke Euch allen fürs Lesen und Kommentieren meiner Geschichte!

Da die Mehrheit der Meinung ist, ich hätte den Täter ausreichend charakterisiert, werde ich das vorerst lassen, außer es kommt mir eine „glorreiche“ Idee, von der ich meine, genau das ist es, was fehlt.

Das mit den beiden Handlungssträngen bzw. dem Reißverschlußstil habe ich hier zum ersten Mal so ausprobiert und es freut mich, daß es mir so gelungen ist.

@kleinerWolf –

So weit ich weiß, gab es schon Triebtäter mit recht hohem IQ-Wert
Das ist einer der Punkte, die mir sehr wichtig waren, aufzuzeigen. Ein Täter kann aus jeder Gesellschaftsschicht kommen – und wenn er intelligent ist, kann er auch etwas anderes vortäuschen, als er eigentlich ist. Wie er denken müßte, hat er ja durch seine Umwelt gelernt. Es weiß jeder Täter, daß das, was er macht, nicht richtig ist und warum er es nicht darf.

Danke für Deine Änderungsvorschläge, habe sie sofort umgesetzt (bloß nicht gleich geantwortet). :-)

@sim – Danke für Dein nochmaliges Melden. Wie gesagt, das mit der Charakterisierung überlasse ich dem Zufall, denn wenn noch etwas dazukommt, dann muß es wirklich gut sein. ;-)

@Maus –

Der Anfang Deiner Geschichte hat mir allerdings nicht so gut gefallen, das ist ein schnelles Abahndeln von Fakten irgendwie, bevor Du den Leser mitnimmst in die Geschichte. Ist aber nur mein persönlicher Eindruck.
Ich weiß nicht genau, was Du meinst. Ich sehe in dem Anfang schon wichtige Informationen, weniger ein Abhandeln von Fakten. Vielleicht hab ich sie aber nur nicht so gut rausgebracht? Eigentlich sind es Melanie betreffende Puzzlesteine... ;)

Daß es viele solche Peters gibt, hoffe ich auch. Wobei frau nicht vergessen darf, daß es auch männliche Opfer gibt ...

Das Problem mit dem Reinsehen in Menschen habe ich ja auch oben schon angesprochen. Ich halte solche Menschen für absolut gefährlich, weil sie wissen, was die Gesellschaft denkt, welches Denken sie also vorgeben müssen, und zusätzlich ihre Psyche weitaus besser kennen, als der Psychiater. Dazu kommt sicher auch noch, daß der Trieb ja nicht unbedingt einsetzt, wenn derjenige vor dem Mann mit dem weißen Mantel sitzt und sich daher auch gut verbergen läßt. So hart es klingt, aber solche Menschen sollten in meinen Augen lebenslänglich eingesperrt werden – es sind Bomben, von denen man nicht abschätzen kann, wann sie wieder hochgehen, und daher darf man sie nicht mehr auf die Gesellschaft loslassen.
Was ich vor allem falsch finde, ist auch, daß man sich mit den Tätern viel mehr beschäftigt, als mit den Opfern. Der bekommt jahrelange Therapie auf Staatskosten und die Opfer können sich als Bittsteller um einen Therapieplatz auf Krankenschein anstellen. Abgesehen davon muß ein Opfer weiterhin „funktionieren“, also lernen und dann arbeiten, während der Täter die Zeit rein für sich nutzen kann, jeder gesellschaftlichen Verpflichtung enthoben.

@homunculus – Dein Lob liest sich besonders schön. Durch Deine Kritik an der Stelle mit dem Klavierspiel hast Du mich auf eine Idee gebracht, deren Umsetzung aber noch etwas dauern wird. Es ist nämlich so, daß meine Oma das alles studiert hat, auch Harmonielehre, sie aber schon seit längerem im Sterbebett liegt und sich zwar körperlich nicht mehr rühren kann, aber geistig noch voll da ist. Mir tut das immer verdammt weh und ich weiß dann oft nicht, was ich mit ihr reden soll. Meine Geschichten erscheinen mir auch zu hart, um sie ihr vorzulesen... – Aber ich werde ihr diese hier einfach zumuten und ihr mit der Stelle eine Aufgabe geben, bis ich wiederkomme. Sie kann das ganz bestimmt und freut sich, wenn sie noch gebraucht wird. :)
Wenn Du willst, schreib ich Dir eine PM, wenn es soweit ist. Jedenfalls ein dickes Danke für den Denkanstoß!

@lieber floh!

irgendwie kam ich beim Lesen nicht so flüssig voran
Da hast Du wohl Recht. Ich hab sie gestern criss am Telefon vorgelesen, weil er zur Zeit nicht ins Netz kann, und da ist mir das auch aufgefallen... Man sollte eben wirklich jede Geschichte einmal laut lesen... Vielleicht setz ich mich da nochmal mit der Feile dran, aber erst muß ich mal Null-Beiträge-Geschichten lesen. ;)
Auch die Einbeziehung der Musik als persönliches Ausdrucksmittel auf diese Weise ist schlicht und ergreifend genial.
Jetzt muß ich erstmal baden in diesem Satz ... :)

Daß Peter diese Komposition noch nicht kannte, liegt daran, daß sie sie bisher ja noch nicht gespielt hat. Durch seine Berührungen hat er diese verdrängten Gefühle, vor denen sie sich bisher durch Vermeidung von Zärtlichkeiten geschützt hat, aus ihrem Unterbewußtsein losgelöst und sie konnte sie herauslassen...

Zu Deiner Kritik am musikalischen Teil siehe meine Antwort an homunculus, das mit dem „werfen wird können“ ist so eine Sache, sozusagen einer meiner Häferlschen Spezialausdrücke, von denen ich mich nur schwer trennen kann... :lol:

Das mit dem roten Teppich sollte keinen tieferen Hintergrund haben, war mehr sarkastisch gemeint.

@Eva – Mit Deinem ersten Absatz triffst Du wie immer den Nagel auf den Kopf (ist ja bei Dir auch nicht anders zu erwarten gewesen...:) ).

und hätte keines Nochmaldraufstupsens bedurft.
Du bist ja, wie die meisten wissen, ein sehr sehr sehender Mensch. Ich wollte sie aber auch für alle die verständlich machen, die das nicht ganz so drauf haben, wie Du. Ich stehe nicht so sehr auf Rätselraten, wenn es mir um eine mir wichtig erscheinende Aussage geht – die sollte möglichst klar und präzise sein. Rätselraten kann man meiner Meinung nach besser bei anderen Themen machen, die nicht so brisant sind.

@tantehildegard –

nachrichtensprecherinnen verkneifen sich keine nachsätze, sie lesen ihre texte vom teleprompter ab.
Da muß ich Dir (und den anderen) widersprechen: Bei uns kommt das vor, ganz besonders zum Beispiel in „Wien heute“ – aber auch „Zeit im Bild“-Sprecher erlauben sich manchmal sowas. Vielleicht macht ja das den ORF so sympathisch, menschlich...
die sicht des opfers eignet sich da weniger, denk ich
Das kommt darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Mein Schwerpunkt liegt nicht beim Täter... Ich finde es wichtiger, sich mit den Opfern auseinanderzusetzen, die sind nämlich mitten unter uns und ich weiß von ihnen selbst, daß sie es als Schlag ins Gesicht empfinden, wenn alle sich mit den Tätern auseinandersetzen und die Opfer vergessen werden. Vor allem, wie es ihnen später damit geht. Für ein Opfer ist es nicht damit vorbei, daß der Täter von ihm läßt, wenn er befriedigt ist. Auch nicht damit, daß der Täter gefaßt wird.
Ich kenn einen Mann, der ist über vierzig und kann immer noch mit keiner Frau ins Bett gehen, weil er jedesmal grausame Erinnerungen dabei hat. Er wurde jahrelang von seiner Mutter mißbraucht.

Trotzdem aber danke für Deinen ehrlichen Kommentar. :)

@onida – Es freut mich, daß Dir die Geschichte gefallen hat, so wie sie ist. :-)

@Michael, es freut mich, daß auch Du meine Geschichte gelesen hast. Zu der Sache mit der Nachrichtensprecherin darf ich Dich auf meine Antwort an tantehildegard verweisen. Dein Lob nehme ich gerne und dankend an. :)

Alles liebe,
Susi

 
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Liebe Susi!

Gute Geschichte. Sie würde in mein neues Buch "Ich Täter. Ich Opfer." passen, das ich nächste Woche ins Netz stellen werde. Wenn Du erlaubst, widme ich Deiner Geschichte eine eigene Seite, natürlich mit Deinem Copyright.

Deine Antworten zu den einzelnen Posts kann ich nur unterstreichen. Den Täter würde ich nicht näher konkretisieren, wir kennen ihn ja von 1000 anderen ähnlichen Geschichten her. Die Täter hatten sowieso immer schon mehr Platz darin.

Das Zusammenspiel von Titel und dem Satz der Reporterin passt perfekt. Ich denke, dass dieser "zynische Ansatz" vollauf genügt. Ich wollte, ich könnte mich selber oft so zurück halten.

Liebe Grüße
buji

 

Liebe Susi!

Deine Umsetzung des Themas ist absolut gelungen! Endlich einmal eine Geschichte, in der auch die Spätfolgen eines Mißbrauchs für das Opfer erwähnt werden. Bravo! Während eine Traumatisierung meist ein Leben lang anhält, steht die Strafe für den/die Mißbrauchenden (wenn überhaupt), in keinem Verhältnis dazu. Und: Viel zu oft kamen "Trieblinge" durch falsche Einschätzung durch Gutachten wieder frei.

Wie bereits von anderen Kritikern erläutert, hast Du die beiden Handlungsstränge schön parallel laufen lassen und zum Schluss zusammengeführt. Früher einmal trafen Täter und Opfer aufeinander, nun treffen sich zwei Erzähl-Ebenen. Sehr gut gemacht!
:thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


Ganz liebe Grüße
Antonia

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Buji!

Freut mich sehr, daß Du mal eine meiner Geschichten kommentierst und ganz besonders freut mich, daß Du sie auch gut findest! :)

Ich denke, dass dieser "zynische Ansatz" vollauf genügt. Ich wollte, ich könnte mich selber oft so zurück halten.
*grins* In der Tat ist das oft schwierig, aber es läßt sich ebenso üben, wie alles andere. Ich hätte hier auch beinahe über den Schluß hinausgeschrieben - aber dann gingen die Alarmglocken los und ich habs wieder weggelöscht... ;)

Zu Deinem Angebot, die Geschichte in Dein Online-Buch aufzunehmen, schreib ich Dir morgen eine PM. Jedenfalls finde ich das sehr lieb von Dir. :)


Liebste Antonia!

Auch Dir natürlich ein herzliches Danke fürs Lesen und Kommentieren bzw. Dein Lob! :)

Genau so, wie Du schreibst, sehe ich das auch und deshalb war es mir wichtig, die Geschichte zu schreiben, auch wenn es im Moment ein "abgelutschtes Thema" ist.
Andererseits kann dieses Thema nicht abgeschlossen sein, solange es Kindesmißbrauch gibt. Und solange es "Kinderficker" gibt, muß es auch gesellschaftliche Gegenstimmen geben. - Auch, wenn wir uns alle nichts lieber wünschen, als daß das Thema an Aktualität verlieren möge...

Daß es aktuell ist, zeigt ein Urteil, das gestern in Vorarlberg gefällt wurde: Ein Sportlehrer gestand 20 Übergriffe auf kleine Buben, alle unter 12, und wurde dafür sage und schreibe nur zu 3 1/2 Jahren Haft verurteilt. Der Anwalt fordert "ärztliche Hilfe" (Hilfe!), das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. - Eine Frechheit ist, daß der Mann bereits eine einschlägige Vorstrafe hatte, und trotzdem als Sportlehrer auf die Kinder losgelassen wurde...

Alles liebe,
Susi

 

Liebe Häferl,

Respekt. Viel habe ich nicht zu sagen, wie auch. Ich habe keine Atmosphärischen Probleme oder sonst etwas dergleichen, nein. Wenn Kritikwürdig, dann die Realitätsnähe. Ausgezeichneter Schluss.

Mach so weiter
und nochmal
Respekt

 

Hallo Googles!

Vielen lieben Dank fürs Lesen und Deine anerkennenden Worte! :)

Alles liebe,
Susi

 

Hallo, Susi!

Kleiner Nachtrag: Dieses Thema ist leider zeitlos und wird immer wieder "hochgespült". Ein besonderer Eindruck kommt allein durch die Bearbeitung zustande, die den Lesern vermittelt wird. Im vorliegenden Fall kann ich keine "Ausgelutschtheit" feststellen, sondern - im Gegenteil - eine facettenreiche Darstellung.


Lieben Gruß
Antonia


P. S.: Meine TV-Empfehlung: Am Do, 15.05.03 23.05 Uhr, im MDR, "The War Zone".

 

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